Permanent – Vol. 1

Viele Grüße aus Berlin. Kann mir nicht vorstellen, hier Permanent zu leben; dafür habe ich zu viele Kinder, zu wenig Geld und zu wenig abstruse Hobbys, aber immer wieder schön.

Erst einmal nur digital, aber das kommt doch bestimmt auf irgendeiner Kassette im Oktober raus? Frische Band aus der Hauptstadt, die Garage Punk auf Spanisch interpretieren. Ganz geil.

Freschard & Stanley Brinks – Hotel Berlin LP

Aus beruflichen Gründen muss ich in die Hauptstadt. Ich bin nämlich wichtiger als ihr und rette die Welt.

In einem großen Haus setze ich mich mit anderen wichtigen Menschen zusammen und höre noch wichtigeren Menschen zu, wie sie die Welt erklären und dann geh ich in die selbige hinaus und predige die Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen zu den unwichtigen Menschen (euch), die nicht zuhören. Wird super.

Ähnlich motivierend wirkt der passende Soundtrack für den Aufenthalt – ich habe mich für eines der beiden neuen Alben von Freschard & Stanley Brinks entschieden, das den passenden Titel trägt. Das ist alles irgendwie schön, aber auch ein bisschen deprimierend, versoffen und schrammelig und melancholisch. Passt also zu Berlin.

Zeitgleich mit dem Album Pole Fitness bereits im Mai erschienen und jetzt gibt es beide auf Vinyl bei Fika Recordings zu einem Doppelpack-Sparpreis. Aber Porto und Zoll. Digital eh viel besser auf der Reise zu genießen. OK.

Tense – No Cure LP

Pünktlich zum Herbstbeginn (naja) kommt ein erstes Post Punk Album mit matschigem Laubgefühl durch die dreckigen Gossen angespült.

Tense aus Berlin zelebrieren auf einer echten, langen Spielplatte 12 mal ihre Freude am sauberen Krach, der ein wenig gezügelt wird, um auch dem intellektuellen Anspruch eines Post Punk Albums aus der Hauptstadt gerecht zu werden. Klingt wie verkopfte Bauchmusik. Oder umgekehrt. Sehr schön.

Die LP kommt heute raus und am Samstag ist die Release-Party in Berlin. Müsst ihr mal suchen, ist ja nicht so groß.

Tiny Doris – In Den Dosen LP

Das letzte Mal, als mir eine Doris auf den Plattenteller geplumpst ist, war sie noch tödlich. Was ist nur aus dem Feminismus geworden, wenn die sich inzwischen schon selbst klein machen? Einst gefährlich, heuer lütt.

Aber man soll ja ohnehin nicht vom Namen auf den Inhalt schließen, hab ich gelernt. Dann schauen wir doch mal, was in den Dosen der Tiny Doris so drin ist. Acht Songs aus dem Zauberkasten der Punk Historie. Garage, Post, Egg, egal – hier wird alles bedient und manch ein Hörer benötigt erprobte Ohren, um dem Kunstschwall standzuhalten.

Keine Ahnung, ob die drei Berliner den Anspruch haben, anspruchsvoll zu sein, aber manchmal klingt das Album wie eine Abschlussarbeit einer Kunsthochschule, bei der die Probanden für ein Semester unter Drogen gesetzt wurden und nun die Ergebnisse aus den Proberäumen in die kalte Realität der Gesellschaft kippen müssen, die kollektiv verständnislos die Augenbrauen hochzieht.

Früher hat man dazu Punk gesagt.

Tomatenplatten. Auf LP im September komplett erhältlich, jetzt schon einmal 2 Songs zum Studieren. Schröder-Köpf war auch noch so ne Doris, die mir unangenehm aufgefallen ist. Kennt die noch jemand? Die war auch nicht sonderlich groß. OK.

S.U.G.A.R. – III LP

Zum Glück nummerieren die Berliner Sleaze Garage Pub Punk Rocker ihre Alben durch, es nervt ja immer schon, den Bandnamen auszuschreiben, da brauch ich nicht noch einen ellenlangen Titel. Naja, aber muss ja…

S.U.G.A.R. haben offensichtlich ihre dritte LP rausgebracht, wenn man der römischen Zählweise Glauben schenken darf. Die Band frönt weiterhin dem Sound und den Drogen der späten 70er Jahre New Yorks und Sydneys und wirft für den guten Geschmack noch ein paar Brocken ungentrifizierten Großstadtviertelschmutz mit in die Spritze.

Schön rotziger Kram, der vor der Bühne mit Bier spritzt und bei dem die ganzen schlechten Tattoos vor Aufregung anfangen zu fluoreszieren. Kann aber auch an den Drogen liegen.

Sehr empfehlenswert, falls ihr auf der Suche nach einem Soundtrack für die Fahrt in die Entzugsklinik seid.

Alien Snatch. Auf LP erschienen und bei dem nächsten Album ist das Black Flag Logo komplett.

Muell – Arbeit CS

Selten so eine tolle Post bekommen wie die Promo-Geschenktüte von Muell aus Berlin. Mit der neuen Kassette, einem Paar Socken, die ich schon in kurzen Hosen zur Arbeit tragen konnte, zahlreiche Aufkleber, einem netten Brief und einem ausgeschnittenen tanzenden Skelett als Promozettel. Toll, vielen Dank.

Nebenbei sind aber auch die drei Songs ziemlich guter deutschsprachiger Punk Rock aus der schnelleren bis hektischen Ecke der dreckigen Garage. Wenn man bedenkt, dass hier ein ausgezeichneter Gitarrist am Werk ist, beruhigt mich meine Fixierung auf dieses Genre.

Manchmal fühlt es sich ja so an, als ob Punk und HC und Garage zu plump sei und man müsse sich in den Hörgewohnheiten "weiterentwickeln". Aber wenn hier ein Männlein am Werke ist, das das Instrument studiert und mit summa cum laude abgeschlossen hat und Unterricht erteilt und quasi Doktor der 6 Saiten und 12 Felle ist und dennoch keinen Bock auf Jazz oder Pop hat… dann muss ja eine gewisse Faszination von diesem Punk Rock ausgehen, die nicht vor Qualität halt macht. Toll, oder?

Punk Rock kann jeder, egal, wie gut oder schlecht man an den Instrumenten herumzappelt. Immer gut, selten Müll. Außer heute halt. Haha.

Eigenvertrieb. Kauft euch Socken, es wird bestimmt wieder kalt. Das Tape ist auch schön, aber leider schnell vorbei. Spielzeit von 3:40 unterbietet so manche 7″ Single Seite. Ausgezeichnet.

Jacke Schwarz – Po Puću Unterwegs LP

Musik! Aber nur für Erwachsene. Oder Kinderohren. Ich kann mich nicht entscheiden. OK, von vorne.
Am Freitag sind 16 neue Songs von Jacke Schwarz auf den regennassen Frühlingsabend geplatscht. Jacke Schwarz, der Solokünstler aus Berlin, der seine Musik selbst als Łužicana bezeichnet und neben Deutsch auch Sorbisch als Sprache für die Vertonung wählt. Dieser Typ, der im Punk Rock geboren wurde und der Straße entwachsen ist.

Ausgestattet mit einer richtigen Band und allen Instrumenten, die in dem Studio vor 3 Jahren herumlagen, kann man sich das Genre von Po Puću Unterwegs hier selbst zusammenstricken. Blues, Gospel, Folk, Pop, Post Punk, Indie Pop und eben Łužicana, dem Äquivalent zu Americana. Nur halt auf Sorbisch. Der Mann mit der Jacke Schwarz hat sich für die Solokarriere die Punker Buttons und Pins von der Eastie Ro!s und Čorna Krušwa Lederjacke abgenibbelt und den Stecker aus der E-Gitarre gezogen.

Schmeisst man alles von der LP zusammen und rührt es in seinem Gehörgang um, kann man vielleicht eine Mischung aus früheren Ton Steine Scherben und zeitgenössischen Berliner Kollegen der Verlierer herausschmecken. Aber baut euch eure Schublade lieber selbst – entweder man benötigt geschulte Ohren, um den Glanz der Musik zu verstehen oder ganz im Gegenteil die Naivität und Gleichgültigkeit von unerfahrenen Ohren, die noch nicht kaputtgeschossen sind. Tolles Album allemal.

Tomatenplatten. Auf Vinyl erschienen. Auch mit Lederjacke und Punker-Pins authentisch zu genießen. Das Artwork ist von Kati Schmidt, aber mit dem Namen ist das in der Kürze der Zeit hier ziemlich unmöglich, die tatsächliche Künstlerin ausfindig zu machen. Ich hab nur eine Ostereiermanufaktur und ein Nagelstudio gefunden. Das Cover sieht mir aber mehr nach Linoleumschnitt aus. Naja.

Die Verlierer – Zersplittertes Glas

Die Verlierer machen jetzt Indie Pop Rock mit Snare Drum aus den 80ern. Mein Freund am Puls der Berliner Luft meinte, die Band erinnere ihn live stark an Marius Müller Westernhagen. Hm.

Ich find das gut. Bissl Kunsthochschule, OK. Aber was aus Berlin klingt heutzutage noch nach Straße?

D.B.R. – Unbearable CS

Das neue Album von D.B.R. aus Berlin kommt in Gestalt einer richtigen Garage Punk Band daher. Ungestüme Melodien versteckt in krachigen Gitarren, die von dem schepperndem Schlagzeug aus der hinteren Ecke befeuert werden und mit dem Post Punk Bassläufen vom Sofa zum übertriebenen Kopfnicken einladen.

Erinnert bestimmt an viele Bands, mich ein bisschen an das letzte Album von Personality Cult oder an die urbanen Mitbewohner von Liiek. Ziemlich gut.

Das Artwork wurde von Fuzzgun erstellt, der auch die letzte Split System 7″ und darüber hinaus die feine Ruby Single auf Rockstar Records gestaltet hatte.

OK, aber wusstet ihr, dass er auch mit verantwortlich für die Gitarrenarbeit auf diesem Album hier ist? Verrückt.

Phantom Records. Auf Kassette erschienen. Richtig gut.

Lebende Tiere – Uwaga CS

Schrammel Garage Punk aus Leipzig oder Berlin oder was weiß ich, die klingen ja alle gleich. Anfang 80er Charme mit Eiersalat und Schweineschmalz. Hat trotzdem noch genügend sympathische Melodien und aggressiven Druck, um das erste Herbstlaub aus den Gossen zu blasen.  Lebende Tiere. Schönes Ding.

Flennen. Auf Kassette erschienen und mit Speck eingerieben. Flutscht gut rein.