Adult Books – Grecian Urn LP

Na, Freunde? Juckt es euch auch in der Poritze und habt ihr mal wieder so richtig Bock auf Punk Rock und Rotz und wilde Bierschlacht und Döner mit allem?
Dann seid ihr hier gerade leider falsch und mit Ausschlag oder Juckreiz am Popo sollte man nicht spaßen – bei den Kindern hat sich Calendula Creme ganz ausgezeichnet bewährt.
Für alle schmerz-, juck- und spaßfreien Hippies hab ich aber genau das Richtige: Adult Books mit dem neuen Album Grecian Urns, das vor ein paar Tagen erschienen ist.

Für die zweite echte Langspielplatte hat sich die Band aus Los Angeles mal eben vierhundert Jahre Zeit genommen, um dann am Ende mit recht ruhigem Gitarrengedudel, zaghaften Einsätzen von Synthesizern und ganz zauberhaften Melodien großartig meine Stimmung in diesen Tagen zu untermalen. Ein bisschen Frühling und Freude, ein bisschen Melancholiereste aus dem scheiß Winter und insgesamt bleibt man irgendwie in diesem Schwebezustand kleben. Zumindest haben die 4 von den 10 Songs diesen Eindruck bei mir hinterlassen. Vielleicht ist das gesamte Album ja ein Quell von Sonnenschein aus dem juckenden Arsch. Wer weiß.
Erinnert mich ein bisschen an Oki Moki. Warum auch immer – erschien bei dem Schweizer Label Taxi Gauche Records auf Vinyl.

Bald kommt auch wieder Punk Rock und Bier mit allem und Dönerschlacht. Versprochen.
Danke, Lukas!

VR SEX – Cyper Crimes EP 2×7″

Bei meinem täglichen Osterbrunch ist mir ausgerechnet heute ein Gedanke gekommen, den ich zwar mit meinen imaginären Vegetarier-Freunden am Tisch diskutieren konnte, zu dem ich dennoch keine befriedigende Antwort gefunden habe.
Das liegt zum einen an den Idioten, die ich mir als Freunde ausgedacht habe und zum anderen ähm…nee, ausschließlich an denen. Da ich den Gedanken aber recht interessant finde, kotz ich das mal ins Internet.

Wenn man bedenkt, dass manche Menschen behaupten und auch glauben, dass Leben bereits bei der Fertilisation entsteht und dementsprechend schützenswert ist, dann müsste einem katholischen Vegetarier eigentlich das Frühstücks.., Pardon, Brunch-Ei im Halse stecken bleiben.
Denn es ist ja tatsächlich erwiesen, dass im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt oder beim Bauern befruchtete Hühnereier verkauft werden. Es könnte also sein, dass man da ein ungeborenes Küken in die Pfanne haut, wenn man sich einen vegetarischen strammen Max machen möchte. Heißt das dann, ein Vegetarier muss in der Konsequenz auf sämtliche Eierprodukte verzichten, wenn sich seine Ernährungsweise mit einer philosophischen oder religiösen Einstellung vereinigt, die von ungeborenem Leben bereits ab der Zygote ausgehen? Muss man dann schnell Veganer werden, um auf Nummer sicher zu gehen? Verrückt.

Und nun zu etwas gänzlich Anderem: VR SEX aus LA bringen Ende des Monats eine hübsche EP auf einer Doppel-Singel heraus und man kann sich einen Song der melodisch verspielten Post-Punker schon einmal anhören. Tolle Sache.

Das einzig Gute an imaginären Freunden ist ja, dass ich deren Geschirr nicht wegräumen muss. Aber die haben nach der Diskussion ihre bunten Eier stehen gelassen, die Penner.

Go Lamborghini Go – Low LP

Eine neue Mangelerscheinung aus Berlin. Und Leipzig. Also wieder einmal ziemlich guter Post Punk aus der Allee der Kosmonauten.

Hier haben sich in Ermangelung von anderen Möglichkeiten 6 Leute zufällig zusammengefunden, um Musik zu machen.
„He, ich hab gerade keine Band, haste Bock?“ „Ich spiel schon in 12, aber ok. Lass noch mal 4 andere Leute fragen.“ „Ok. Cool. Ich trink noch schnell meine Mate aus.“

Das Ergebnis dieser „Jam-Sessions“, wie wir das früher genannt haben, kann man nun in Form einer schicken 12″ Vinylscheibe hören und bestaunen. Der Bass blubbert hervorragend seinen Song vor sich hin und bietet dem Schlagzeug ein ganz wunderbares Fundament für kräftig bis vertrackte Rhythmen aus der Post Punk Schublade, während Gitarren und Synthesizer irgendein Gedöns spielen, der sich wie Rauchschwaden aus dem Proberaum zu einer ganz zauberhaften Melodienreihenfolge verdichtet und in einem Zug weggeatmet werden will. Eimer-Stlye. Nur so kann man auch auf den Namen kommen – Go Lamborghini Go.

Davon wird man zwar ein bisschen luftig im Kopf, aber so was passiert halt, wenn man sich dem Post Punk hingibt.
Cooler Scheiß aus Berlin. Kauft das bei der Band oder bei Armin.

Ich hatte den Lamborghini in Gelb damals geschenkt bekommen (SIKU). Vielleicht in der Hoffnung, dass ich mich für Autos mal interessieren würde. Ich glaub, das Ding ist ein paar Tage später Opfer eines Lady-Cracker „Unfalls“ geworden.

Waste Man – One Day It’ll All Be You LP

Eine ganz wunderbare Band aus New Orleans bringt demnächst bei Feel It Records ihre Debüt LP heraus und obwohl man erst einmal nur zwei von den neun Liedern hören darf, würde ich mal eine klare Empfehlung aussprechen.

Waste Man vereinen den aktuellen sauberen und zum Teil seltsamen Sound des Post Punks populärer britischer Bands mit poppigen Einflüssen australischer Rock n‘ Roll Helden und runden die Sache mit Sprüngen zwischen Ostküsten SST und Westküsten Dischord Bands ab.

Da hat wohl jemand die Punk Rock Großküche sauber gefegt, das Kehrblech in eine Backform gekippt und daraus einen ziemlich großartigen Kuchen gebacken. Anders kann ich mir zumindest den Namen nicht erklären. Hoffentlich können die Müllmänner das Niveau auf dem gesamten Album halten.
Die LP könnte man in limitierter Version jetzt schon vorbestellen, aber Porto. Vielleicht einfach abwarten – kommt am 2. April offiziell kompletto digitalo heraus und schafft dann bestimmt auch in Vinylform den Sprung über den Atlantik. Geiler Scheiß aus New Orleans!

Im Gegensatz zu orange bei unseren Fachkräften für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, ist die Arbeitskleidung bei den netten Menschen mit den großen Autos in New Orleans gelb.

Body Maintenance – S/T LP

Darf’s ein bisschen dunkler sein? Die Post/Dark Wave Punks von Body Maintenance aus Melbourne hätten da ein fettes Stück auf dem Grill liegen, das zwar nach der langen Zeit seit dem Demo (2017) fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist auf der Spectres Seite, aber dafür im Inneren noch roh blutet und nach Estranged und Bad Doctors schmeckt.

Vielleicht nicht die positivsten Vibes, die da aus den Boxen schwingen, aber was erwartet man auch, wenn man in diesem Alter seinem Körper Wartungsarbeiten unterzieht?
Naja, auf jeden Fall nett von Unwound Records, dass die 6 Songs auch auf einer schönen 12″ Scheibe veröffentlicht wurden und demnächst sogar ihren weiten Weg von Australien bis nach Europa finden. Nehm ich!

Die Band macht mir ein schlechtes Gewissen. Das versteht ihr auch bald, keine Sorge.

Nag – Observer

Schönes neues Ding von den Nörglern aus Atlanta, Gerogia. Ein richtig dick gepacktes Album voller Dark Wave Post Punk Hardcore Stücke, die auch schwarzgekleidete Freunde aus der Death Rock Ecke begeistern könnten, wenn die nicht so unfassbar dogmatisch da rumsäßen und, äh, nörgeln würden.

OK, Nag machen hier sicherlich nix Neues, aber dafür ist die Aufbereitung aus Melodie und Düsternis so sehr mit verschiedenen Einflüssen gespickt, dass Nag durchaus mit ihrem zweiten Album Observer ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der dunkleren Post Punk Szene haben dürften. Und wie schön, dass es ein positives Merkmal ist – man könnte ja auch sensationell scheiße sein. Aber dieses Privileg überlassen sie gekonnt den englischen Bands, die sich anschicken, alle gleich zu klingen.

Das Album ist derzeit nur digital zu bestaunen, vielleicht kümmert sich da aber bereits jemand drum, dass man es auch auf Vinyl oder Kassette hören kann. Wäre doch schön.

Apropos Nörgeln. Wusstet ihr, dass euer Kaminfeuer daheim hundertausendmal mehr Feinstaub verursacht als mein stinkender Diesel? Echt? Dann schaut nicht so pikiert, wenn ich qualmend vor dem Biomarkt stehe und darauf warte, dass ihr mit eurem SUV (Benziner, natürlich) umständlich ausparkt. Ha!

Straw Man Army – Age Of Exile

Aha, da ist es ja. Ich hab mich schon gefragt, wann endlich das Post Punk Album des Jahres erscheint.
Nee, hab ich nicht. Wer macht denn bitte auch so einen Scheiß?
Aber das hier, das ist großartig und hat den extra großen Aufkleber „Post Punk Platte des Jahres“ verdient. Ach, eigentlich müsste die Platte den goldenen Pott für diese Kategorie erhalten.
Und so, wie sich das anhört, wahrscheinlich auch für die kommenden Jahre ebenfalls. Scheiß auf Wanderpokal, die beiden Burschen aus New York können sich das Ding direkt in ihre Glasvitrine mit Heißklebepistole festtackern, das Teil bleibt erst einmal auf unbestimmte Zeit in den Händen der Straw Man Army.

Überzeugt euch einfach selbst. Das Album kostet bei Bandcamp einen lausigen Dollar und der geht auch noch für einen guten Zweck auf Wanderschaft, also muss man hier nicht lange überlegen. Post Punk von zwei Leuten aus New York. Geiler Scheiß.

Ähem, man kann natürlich auch beim Label direkt bestellen und das schöne Teil auf einer echten Vinyl-Platte kaufen. Das geht auch.
Ist vor ner Woche bei D4MT LABS INC NEUROSONIC RESEARCH erschienen.

Class Tourist – narcissist

Irgendwie schmeckt Kefir ja immer ein bisschen komisch, als ob es nicht mehr so richtig gut ist. Beim Trinken stell ich mir häufig die Frage „Ugh, ist das jetzt noch gut oder muss das schon weg?„.

Ähnlich geht es mir oft mit Punk Rock. Beim Hören mancher Sachen denke ich mir „Ist das jetzt ganz einfach schlecht geworden oder muss das so, äh, einzigartig sein?

Gut, dieser Vergleich passt eigentlich überhaupt nicht zu der heutigen Band aus Sydney, die absolut eingängigen Post Punk macht und kein bisschen Zweifel aufkommen lässt, dass diese düsteren 4 Songs ihre Berechtigung haben und noch lange nicht deren Haltbarkeitsdatum überschritten ist.

Dafür bedarf es zwar ein paar Raubzüge durch die Bassläufe sämtlicher Cure-Alben, aber das ist schon ok so, Class Tourist dürfen das.
Schon im Mai erschienen und von mir total unbeachtet gelassen. Na sowas. Das passiert mir auch nicht wieder.

Am besten man trinkt dann dieses gesunde Zeugs einfach mit einer Wäscheklammer auf der Nase, so, wie man auch manche Punk Sachen nur mit drei Fingern in den Ohren aushält.

Lieek – S/T EP

Neues aus dem Hause Lieek. Manchen Bands scheint diese Corona-Krise ja ganz gut zu bekommen. So sind diese Songs von dem Trio aus Berlin bereits die zweite Veröffentlichung aus dem furchtbaren/fruchtbaren Jahr 2020.

Stilistisch kann man sich innerhalb dieser kurzen Zeit nicht großartig verändern und so ist auch diese EP durch kalten/coolen Post Punk im Stile der Kosmonauten Kollegen geprägt.
Ganz geil, ne?

Mal sehen, ob und wo das erscheint. Zur Zeit erst einmal nur digital.

Clang! – Whac-A-Mole LP

Mit Post-Punk verhält es sich ein bisschen so wie mit guten Büchern. Natürlich kann man sein Leben lang Pitje Puck oder diese komischen Vampir-Bücher lesen und man ist dann glücklich und zufrieden.
Aber wenn man einmal gemerkt hat, was so ein paar talentierte Schriftsteller mit der Sprache anstellen können und dadurch eine völlig andere Stimulation des Hirns erzeugen, dann merkt man schon, dass da mehr sein kann, als nur eine stumpfe Befriedigung der Unterhaltungssehnsucht.

Vielleicht ist das dann auf Dauer zu anstrengend. Und man hat auch nicht immer Bock auf Herausforderungen. Na klaro. Dann hört man halt NOFX oder so. Aber ab und zu braucht es so tolle Sachen wie Clang! aus Tampa in Florida.

Die machen ganz wunderbaren Noise Post Punk Kram, der mit Saxophon und Synthesizer garniert auch richtig viel Spaß macht. Vielleicht ist das schon wieder nicht für alle was, aber wenn Euch die 25. Platte von Bad Religion ein bisschen zu langweilig wird, dann probiert doch mal, eure musikalischen Geschmacksknospen ein wenig zu kitzeln…

Erschienen vor zwei Wochen – erhältlich bei X-Mist.

Was hatte er hier in dieser Stadt, in diesem verrückt gewordenen Steinbaukasten zu suchen? Blumigen Unsinn schreiben, damit die Menschheit noch mehr Zigaretten rauchte als bisher? Den Untergang Europas konnte er auch dort abwarten, wo er geboren worden war. Das hatte er davon, daß er sich einbildete, der Globus drehe sich nur; solange er ihm dabei zuschaue. Dieses lächerliche Bedürfnis, anwesend zu sein!“ aus „Der Gang vor die Hunde“ von Erich fucking Kästner.