Lieek – S/T EP

Neues aus dem Hause Lieek. Manchen Bands scheint diese Corona-Krise ja ganz gut zu bekommen. So sind diese Songs von dem Trio aus Berlin bereits die zweite Veröffentlichung aus dem furchtbaren/fruchtbaren Jahr 2020.

Stilistisch kann man sich innerhalb dieser kurzen Zeit nicht großartig verändern und so ist auch diese EP durch kalten/coolen Post Punk im Stile der Kosmonauten Kollegen geprägt.
Ganz geil, ne?

Mal sehen, ob und wo das erscheint. Zur Zeit erst einmal nur digital.

Clang! – Whac-A-Mole LP

Mit Post-Punk verhält es sich ein bisschen so wie mit guten Büchern. Natürlich kann man sein Leben lang Pitje Puck oder diese komischen Vampir-Bücher lesen und man ist dann glücklich und zufrieden.
Aber wenn man einmal gemerkt hat, was so ein paar talentierte Schriftsteller mit der Sprache anstellen können und dadurch eine völlig andere Stimulation des Hirns erzeugen, dann merkt man schon, dass da mehr sein kann, als nur eine stumpfe Befriedigung der Unterhaltungssehnsucht.

Vielleicht ist das dann auf Dauer zu anstrengend. Und man hat auch nicht immer Bock auf Herausforderungen. Na klaro. Dann hört man halt NOFX oder so. Aber ab und zu braucht es so tolle Sachen wie Clang! aus Tampa in Florida.

Die machen ganz wunderbaren Noise Post Punk Kram, der mit Saxophon und Synthesizer garniert auch richtig viel Spaß macht. Vielleicht ist das schon wieder nicht für alle was, aber wenn Euch die 25. Platte von Bad Religion ein bisschen zu langweilig wird, dann probiert doch mal, eure musikalischen Geschmacksknospen ein wenig zu kitzeln…

Erschienen vor zwei Wochen – erhältlich bei X-Mist.

Was hatte er hier in dieser Stadt, in diesem verrückt gewordenen Steinbaukasten zu suchen? Blumigen Unsinn schreiben, damit die Menschheit noch mehr Zigaretten rauchte als bisher? Den Untergang Europas konnte er auch dort abwarten, wo er geboren worden war. Das hatte er davon, daß er sich einbildete, der Globus drehe sich nur; solange er ihm dabei zuschaue. Dieses lächerliche Bedürfnis, anwesend zu sein!“ aus „Der Gang vor die Hunde“ von Erich fucking Kästner.

Billo – Achtung ADK CS

Wenn man mal Bock auf Post Punk hat, der nicht so langweilig glatt und stubenrein ist, dann kommt man hier mit dem Labelsampler von Billo aus Berlin ziemlich gut auf seine Kosten.

13 Bands, von der man jede für sich schon mal im Auge behalten sollte, vereinen sich hier zu einem Feuerwerk der schlechten Laune.
Und es ist alles dabei, was das schwache Herz von alten Punk Rockern braucht, um wieder in Fahrt zu kommen. Ein bisschen Synthie, ein bisschen Wave, ein bisschen lofi und Rotz und Pisse und Orgel-Gedöns. Toll.

Die Songs sind alle exklusiv für die Compilation eingespielt worden und dienen ganz praktisch zum Gnocchi Teig kneten, zu viel Mehl nehmen, wegschmeißen, von vorne anfangen, zu viel kneten, matschig, wegschmeißen, von vorne anfangen, keine Eier mehr, Nudeln kochen.

Ist schon Anfang Februar erschienen und noch nicht ausverkauft. Seht zu, allein der Basssound im 2. Song lohnt die Anschaffung.
Ich hör das Ding jetzt direkt noch mal und mach die Küche sauber.

Bleakness – Functionally Extinct LP

Die drei Franzosen aus Nantes oder Paris oder Lyon (man ist sich nicht sicher) haben sich nach ein paar starken Singles nun mit ihrem Debüt Album in einer gemütliche Ecke von düsterem Post-Punk versteckt und machen dort ihren wohlverdienten Winterschlaf.
Dann können sie von dort fein beobachten, wie sie mit so Sachen wie the Estranged, Red Dons, ihren Landsleuten von Nightwatchers und Telecult oder auch den tollen Chain Cult verglichen werden.

Aber wenn man jetzt den tausendsten Aufguss von derlei Bands erwartet, dann täuscht man sich, denn erfreulicherweise bringen Bleakness genügend eigene Ideen, Talente und Kreativität auf ihrer Platte mit, so dass man beim Hören hin und wieder den Kopf verwundert (begeistert) hebt und genau hin horcht.
Ich mein, welche Post Punk Band packt schon ein fucking Saxophon aus? Ha, toll.
Ansonsten viel Gitarren Gedudel, starke Bassläufe, ordentlich Wumms vom sehr tighten Drummer und ein traurig frustrierter Gesang, der das ganze Werk abrundet. Erscheint offiziell am Nikolaustag bei Sabotage Records.

Konnte man vorbestellen. Jetzt nur noch bestellen. Vinyl ist trotzdem gold/Gold.

Current Affairs – Buckle Up / Worlds In Crisis 7″

Ich hab gerade noch einmal nachgesehen: es hat 8 Sekunden gedauert, bis ich die Single von Current Affairs gekauft hab. Und jetzt fühle ich mich wie in dieser schrecklichen TV-Sendung, in der man flott auf einen Buzzer drücken muss, wenn einem die Darbietung irgendeiner Sängerin oder eines Künstlers gefällt.
Keine Ahnung, was der Clou an diesem Format ist, ich hab das ja nicht gesehen, aber ich hatte auf einmal diese Assoziation mit dem Scheißdreck von RTL oder Pro7 oder Sat1.
Das hat man dann von dieser impulsiven Handlung, direkt bekomme ich völlig zu Unrecht ein schlechtes Gewissen hinterher geschoben.

Dabei hab ich doch eigentlich etwas Gutes (für die Band/mich) getan. Vielleicht ist mir ja im Hinterkopf die große Zahl der Bands bewusst geworden, deren Kram ich nicht spontan kaufe? Na und? Warum sollte ich ein schlechtes Gewissen entwickeln, wenn ich keine kack Musik kaufe? Manchmal verstehe ich mein Unterbewusstsein nicht. Also immer. Nie. Na, ihr wisst schon.

Ach so. Musik. Ziemlich guter Post-Punk Kram aus Glasgow. Kann man bei dotx3 kaufen oder bei X-Mist.

Yarrow – A Mild Circus CS

Was würdet ihr von einer deutschsprachigen Band halten, die sich den Namen „Schafgarbe“ gibt? Hippies? Power Metal? Man hat ja offenbar beim Hören des Namens einer Band immer eine gewisse Assoziation zu der dazugehörigen Musik.

Und während es bei einigen Bands verhältnismäßig leicht ist (Ska Trek, Skarmy of Darkness, Skafield, Cemetery Fog, etc.), liegt man bei sehr vielen anderen Bandnamen sehr weit daneben, was die erste Eingebung und die tatsächliche Musik angeht. „Job for a Cowboy“ zum Beispiel ist keine Country Band, sondern die machen Death Metal. Oder „Tokyo Hotel“.
Die Band Yarrow ist da -namenstechnisch- in guter Gesellschaft. Übersetzt, wie gesagt, bedeutet der Name „Schafgarbe“, was ein Heilkraut ist, ihr ignoranten Stadtmenschen mit Vitaminpillen im Küchenschrank. Na gut, muss man nicht wissen.

Aber dass die Band mit diesem Namen nun ausgerechnet „doomgaze“ macht und nicht irgendwelche Liedchen auf der Akustik-Klampfe im Stadtpark spielt, überrascht mich schon.
„Doomgaze“ ist dann wohl die Bezeichnung für eine Mischung aus fuzzigem Garage Rock und Post Punk, bei dem ich hin und wieder was von Dischord-Bands oder Shellac oder so Kram wie Pale Angels heraushöre. Keine schlechte Mischung.

Die drei Korbblütler kommen im übrigen aus Philadelphia und haben die Kassette vor kurzem bei Get Better Records veröffentlicht. Außerdem ist der Sänger auch bei den Great Weights am Mikro und Gitarre unterwegs und ich glaube, dass auf dem Cover tatsächlich Schafgarbe zu sehen ist. Toll.