Necklace – Manual Breather LP

Macht ihr mit beim No-vember? Einfach zu allem "Nein" sagen, wie das Neinhorn?
Charmante Idee, ich musste das allerdings bereits in der Nacht zum 1. recht frühzeitig über den Haufen werfen. So ist das mit den Vorsätzen.

Ansonsten kommen wir jetzt auch musikalisch in den grau-matschigen November Post Punk Bereich, der sich so schön an das windige Wetter anzupassen vermag. Ein Beispiel ist das neue Album von Necklace, der Band aus Johannesburg, die mit ihrer sphärisch poppigen Spielart des Post Punks an solch illustre Bands wie Station Model Violence, Total Victory oder auch Iceage erinnern.
Bisschen mehr Post als Punk und teilweise bissle mehr Art als Core, aber schmeckt insgesamt ziemlich gut auch ohne Kürbis.

Slovenly Recordings. Zwei Songs jetzt, der Rest kommt dann mit der LP in ein paar Tagen. Heute ist ja erst der zweite, vielleicht fang ich einfach noch mal von vorne an. Nein.

Télédétente 666 – Foxtrot LP

Ich kaufe ein "E" und möchte lösen.

Falls ihr noch den Soundtrack für eure Halloween Party sucht, seid ihr hier fündig geworden. Das ist wahrlich gruselig, was die drei Franzosen von Télédétente 666 da an Goth Wave Dark Post Punk aus den Kerkern in die Gossen Straßburgs geworfen haben.

Irgendwie klingen von Schlagzeug über Gitarre zum Bass alle Instrumente kaputt, das muss also Absicht sein. Der einzige Sound, der wohl ab Werk so sein soll, ist der Synthie und selbst der knarzt ungemein nervig durch den Gehörgang. Ganz geil.

Gaaanz viele Labels bringen das auf LP raus. Ganze sieben an der Zahl. Stellvertretend könnt ihr das Ding bei Specific Recordings bestellen, wenn ihr wollt. Ich war ja nie in der Tanzstunde, aber ich glaub nicht, dass man hierzu Foxtrot tanzen kann. Oder? Klärt mich auf.

Hustle Culture – New Government Pyramid Scheme

Dieses NC-Konstrukt, dass man nur dann irgendwas Schlaues studieren darf, wenn man in der Schule strebsam, fleißig und hörig war, ist auch ein bisschen antiquiert, oder?
Wieso muss mein Hausarzt gut in Kunst, Musik oder Religion gewesen sein? Ich will nicht mit dem über Lemmy und Mozart sprechen.

Mir ist das ja egal, ich kann mich jetzt mit meinen 56 Wartesemestern quasi überall einschreiben, aber die neue Generation an Therapeuten muss immer noch nachweisen, dass sie einen Purzelbaum können, bevor man sie an die menschliche Psyche lässt. Komisch.
Neuer Song von Hustle Culture aus Cincinnati. Post Punk Synth Garage Core. Richtig gut und genau das Richtige für die Aufwärmrunde bei der letzten Partie Mini-Golf im Herbst, bevor das Laub die Spielbahnen unsicher macht. Vorsicht: Rutschgefahr. OK.

Feel It Records. Richtig tolles Foto auf dem Bandcamp Account. So stelle ich mir tatsächlich einen gelungenen Abend und Ausflug des Labels vor. Cool.

Tense – No Cure LP

Pünktlich zum Herbstbeginn (naja) kommt ein erstes Post Punk Album mit matschigem Laubgefühl durch die dreckigen Gossen angespült.

Tense aus Berlin zelebrieren auf einer echten, langen Spielplatte 12 mal ihre Freude am sauberen Krach, der ein wenig gezügelt wird, um auch dem intellektuellen Anspruch eines Post Punk Albums aus der Hauptstadt gerecht zu werden. Klingt wie verkopfte Bauchmusik. Oder umgekehrt. Sehr schön.

Die LP kommt heute raus und am Samstag ist die Release-Party in Berlin. Müsst ihr mal suchen, ist ja nicht so groß.

Society – Reign Of Flies LP

Mein Gott, klingt das scheiße. Ist das ne Snare oder eine leere Dose Ravioli mit einem alten Tennissocken drin?

Ich verstehe ja irgendwie diesen Charme des "ungeschliffenen" und "rohen" und den ganzen "lo-fi" Trara im Garage Punk Universum. Aber man muss schon mal fragen dürfen, wie viel Dilettantismus erlaubt ist bei den heutigen Möglichkeiten, ein professionelles Studio aus einem Telefon und äh, naja das war’s eigentlich. Nix Bauen. Nur Telefon aufstellen, Socken in die Dose stopfen, Gitarre, Bass und Gesang warmspielen und nacheinander aufnehmen. Das wird nicht ein Studio ersetzen, aber klingt auf jeden Fall richtig gut.

Und mit Absicht auf schlechte Qualität und lo-fi machen ist natürlich jedem Künstler vorbehalten und dann eben auch Kunst, kein Problem. Es schmeckt aber immer irgendwie nach "Armut ist cool" Gehabe. Wer das mit "DIY" gleichsetzt, behauptet ja auch, DIY muss schlecht sein. Zumindest schlechter als Industrie. Warum? Wir reden ja nicht von Millionen Budgets und dicken Produzenten, die ein gutes Album kaputt machen.

Ich bin da ziemlich hin- und hergerissen – Society aus Philadelphia hat hier ein super Post Punk Garage Krach Album rausgebracht, das ich jeden Tag sehr gerne zu Dosensuppen hören kann. Prima Melodien, schön verrotzte Attitüde und beste Grundstimmung für den Waldspaziergang zum Pilzesuchen. Aber auf Dauer räkel ich mich wohl lieber in der Gemütlichkeit einer Albini Abmischung. Geschmackssache.

Under The Gun Records. Das haben Leute auf Vinyl gepresst. Das ist Avantgarde, dafür bist du zu doof.

Mesh – No Fun At All LP

Wusstet ihr, dass in Texas traditionell die Gesetze am 1. September in Kraft treten und der Gouverneur dann tagelang zuvor nichts anderes tut, als die Dinger zu unterzeichnen?

Letztes Jahr waren das über 1100 Unterschriften/Gesetze, da kann man schon mal unachtsam werden, was man da unterschreibt. Unter anderem sind dann so tolle Dinge rechtlich bindend wie die Annahme, es gäbe nur Mann und Frau als Geschlecht und daraufhin ist es zudem Lehrkräften verboten, über Diversität zu sprechen (in einem Staat, in dem über 2 Millionen LGBTQ Erwachsene leben).
Oder ganz neu alt: mithilfe dieser Liste sollen die Schulen in Texas ihre Bücher aus der Bibliothek verbrennen, ansonsten wird die komplette Lehranstalt verstaatlicht und die Räumlichkeiten der Bib werden zu gemütlichen Nachsitz-Knästen umfunktioniert. Crazy. Das kann bei uns zum Glück nicht passieren.

Mesh aus Philadelphia haben ihr Debüt Album veröffentlicht. Toller Post Punk mit Tiefe, ohne an Melodien und Leichtigkeit zu sparen. Das klingt ein bisschen nach einer Mischung aus den 80er Jahren UK Bassläufen und aktuellen Gesangslinien aus Australiens Kneipenlandschaften. Sehr cool.

Feel It Records. Auf LP erschienen. No Fun At All haben auch schon 9 LPs rausgebracht und eine hätte gereicht, vor allem, wenn man doch offensichtlich keinen Spaß daran hat. Aber egal.

Tiny Doris – In Den Dosen LP

Das letzte Mal, als mir eine Doris auf den Plattenteller geplumpst ist, war sie noch tödlich. Was ist nur aus dem Feminismus geworden, wenn die sich inzwischen schon selbst klein machen? Einst gefährlich, heuer lütt.

Aber man soll ja ohnehin nicht vom Namen auf den Inhalt schließen, hab ich gelernt. Dann schauen wir doch mal, was in den Dosen der Tiny Doris so drin ist. Acht Songs aus dem Zauberkasten der Punk Historie. Garage, Post, Egg, egal – hier wird alles bedient und manch ein Hörer benötigt erprobte Ohren, um dem Kunstschwall standzuhalten.

Keine Ahnung, ob die drei Berliner den Anspruch haben, anspruchsvoll zu sein, aber manchmal klingt das Album wie eine Abschlussarbeit einer Kunsthochschule, bei der die Probanden für ein Semester unter Drogen gesetzt wurden und nun die Ergebnisse aus den Proberäumen in die kalte Realität der Gesellschaft kippen müssen, die kollektiv verständnislos die Augenbrauen hochzieht.

Früher hat man dazu Punk gesagt.

Tomatenplatten. Auf LP im September komplett erhältlich, jetzt schon einmal 2 Songs zum Studieren. Schröder-Köpf war auch noch so ne Doris, die mir unangenehm aufgefallen ist. Kennt die noch jemand? Die war auch nicht sonderlich groß. OK.

Smirk – Speculative Fiction LP

Ja nun, Post Punk. Smirk ist mit dem neuen Album ein bisschen runder geworden. Das passiert manchmal in der Schwangerschaft.

Am Ende kommt dann beim 10. Kind vom 12. Partner etwas Neues raus, das natürlich noch eine Ähnlichkeit mit den Geschwistern hat – die sich ja auch schon teilweise erheblich voneinander abgrenzen – aber in der Grundform absolute Wiedererkennungswerte mitbringt. Die Nase, die Augen, die Haare. Stammen alle von Nick Vicario, das lässt sich nicht bestreiten und da ist auch kein Vaterschaftstest notwendig.

Tolle neue LP.

Smoking Room. Kommt irgendwann auch auf Vinyl in Europa an, denke ich mal. Bis dahin einfach mal digital mit in den Urlaub nehmen, das Lieblingskind.

Stuhlkreis – Von Innen Nach Außen CS

Da erkennt man mal, dass die Grazer keine Ahnung von der Zahnpflege haben. Anschaulich dargestellt ist das Ergebnis auf dem Cover des Debütalbums, aber hier darf man nicht fragend daneben stehen, sondern muss als Philanthrop direkt darauf hinweisen, dass natürlich nach der sogenannten "KAI-Formel" geputzt werden muss. Kaufläche, Außen, Innen.

Ihr seht ja, was passiert, wenn man von innen nach außen pflegt und dann nicht einmal den schmutzigen Finger vom letzten Stuhlgang aus dem Mund nimmt. Apropos Stuhl.

Die junge Band Stuhlkreis macht tollen Punk Rock, der vielleicht manchmal ein bisschen an den NDW Kram der 80er und an die Verlierer aus den letzten Jahren erinnert und ich meine die Band. Irgendwie eine spannende Mischung. Kann man so machen.

Urban Lurk. Auf Kassette erschienen. Covergestaltung von Anna Painer, die 2019 Siegerin der Wildcard für einen Fotografen in Ausbildung. Vielleicht ist sie konfus und weiß es nicht besser.

Media Puzzle – New Racehorse CS/LP

Schöne neue LP von dem Media Puzzle, das jetzt auch auf Kassette mit einem extra Song veröffentlicht wird. Die Musik von den 5 Australiern bewegt sich knapp an der Egg Punk Kante entlang und spielt mit den Genrevariationen aus Garage und Post Punk herum, bis sich eine interessante Mischung zum schmutzigen Badesee für den Sommer ergeben hat. Besser nicht so genau hinsehen, einfach genießen. Sehr schön.

Knuckles On Stun (Kassette) & Impressed Recordings (Vinyl). Das soll ein Rennpferd gewesen sein. Komischer Name, aber nach "Hoof Hearted" kann mich bei Rennpferden nichts mehr überraschen.