Pasado – S/T CS

Ach ja, die Ambivalenz des Wiedererkennungswerts. Schon beim ersten Gitarrenakkord hört man die Herkunft heraus, ist das dann ein Markenzeichen?

Oder ist eine gewisse Einfältigkeit und im wahrsten Sinne des Wortes eine Eintönigkeit eher der vorherrschende Grund? Ist das dann gut oder schlecht? Die ewige Frage nach immer mehr vom gleichen Scheiß oder immer wieder was Neues. Ich mag beides, ha.

Hier hört man auf jeden Fall direkt den Sound vergangener Helden wie Warsong oder Insomnio heraus, die jetzt ein bisschen glattgebügelt im neuen Gewand als Pasado auf Spanisch daherträllern und ansonsten den gewohnt melodiösen Garage Punk zelebrieren, den die beschriebenen Bands auch schon vor knapp 20 Jahren in jugendlicher Manier von der Bühne gebrüllt haben. Ganz geil.

Polze De La Mort. Auf Kassette erschienen. Vielleicht auch bei Chichen Attack Récords zu bekommen? Keine Ahnung. Bad Religion haben seit 30 Jahren ja eigentlich auch nur 2 Songs geschrieben und das finden alle total super, also ist das mit dem "Wiedererkennungswert" wohl ein Qualitätsmerkmal. Gut oder schlecht sei dahin gestellt. OK.

Straight Arrows – Middleman / Do The Sloth 7″

Es ist schon bemerkenswert, dass in einem Skandal um alte weiße Männer derzeit nur eine Frau im Knast sitzt. Findet ihr das nicht auch komisch? Nee, wahrscheinlich ist das ganz normal. OK.

Goodbye Boozy hat Straight Arrows gefragt, ob die nicht Bock auf ne Single hätten und die hatten. Haben.

Die Band aus Sydney lieferte prompt zwei eingängige Garage Punk Schenkelklopfer ab und sichert sich damit ihre und des Labels Reputation als langjährige zerbogene Speerspitze des Genres. Sehr schön.

Goodbye Boozy. Auf Single erschienen und bestimmt schon ausverkauft. Digital aber auch gut. Ja, ich weiß, ein Mann saß auch bereits im Gefängnis, aber der ist ein bisschen zu jung verstorben, bevor er noch großartig reumütig oder gesprächig werden konnte. Komisch, oder?

D.B.R. – Unbearable CS

Das neue Album von D.B.R. aus Berlin kommt in Gestalt einer richtigen Garage Punk Band daher. Ungestüme Melodien versteckt in krachigen Gitarren, die von dem schepperndem Schlagzeug aus der hinteren Ecke befeuert werden und mit dem Post Punk Bassläufen vom Sofa zum übertriebenen Kopfnicken einladen.

Erinnert bestimmt an viele Bands, mich ein bisschen an das letzte Album von Personality Cult oder an die urbanen Mitbewohner von Liiek. Ziemlich gut.

Das Artwork wurde von Fuzzgun erstellt, der auch die letzte Split System 7″ und darüber hinaus die feine Ruby Single auf Rockstar Records gestaltet hatte.

OK, aber wusstet ihr, dass er auch mit verantwortlich für die Gitarrenarbeit auf diesem Album hier ist? Verrückt.

Phantom Records. Auf Kassette erschienen. Richtig gut.

Fashion Bathers – From The High Desert CS

Synth Punk aus Manitoba, der ein bisschen an die Terramoto oder Wall Of Phlegm Sachen von M.O.T.O. erinnert.

Nicht weiter verwunderlich also , dass Fashion Bathers auch eine Ein-Mann-mit-Schnurres-Show ist. Lofi as Fuck und mit zu vielen Melodien für eine Person alleine am Frühstückstisch. Sensationell, wie man 18 Hits in 11 Minuten verpacken kann, ohne sich zu wiederholen oder eintönig zu wirken.

Mal ein bisschen mehr Gitarre, mal ein bisschen mehr Synth und Background Harmonien – das klingt alles mehr nach einer kurzen Schlafzimmerprobestunde, die dann zu einem "richtigen" Album führen soll, aber nein. Das Produkt ist fertig. Geil.

Knuckles On Stun Records. Auf 25 Tapes erschienen und im Moment gibbet noch 6. Tut eurem Schnurrbart einen Gefallen und kauft die restlichen Kassetten. OK.

Problem Addicts – Timmy Is A Monster EP CS

Tut mir leid, dass man das sagen muss, aber es wäre besser gewesen, die Bombe in Aachen einfach zu sprengen, statt sie kontrolliert zu entschärfen. Habt ihr mal die Innenstadt gesehen? Wenn es ohnehin schon verlottert wird, könnte man auch einfach mal Tabula Rasa machen. Naja.

Musik. Garage Punk aus Philadelphia mit ein bisschen Eiersalat am Tellerrand. Über selbigen wird zwar nicht geblickt, aber Problem Addicts liefern mit 5 Songs und 4 atmosphärischen Zwischensequenzen eine nette EP ab, die irgendwo willenlos zugekokst zwischen Shrinkwrap Killers und The Mark Vodka Group im Partykeller unter dem Stroboskop herumliegt. Genau der richtige Soundtrack fürs Wochenende beim Selbsthilfeseminar, wenn man erkannt hat, dass man selbst das Problem ist. Viel Erfolg.

Dummest Records. Auf Kassette letzte Woche erschienen. Es gäbe sogar einige Vollpfosten in der Stadt und Umgebung, die sich dafür anböten, mit einem starken Hammer auf den Zünder der Bombe zu klopfen. Vielleicht beim nächsten Mal.

Rifle – S/T LP

Wollte gerade sagen, dass die Jungs ja ganz schön angepisst sind, aber wer sich schon Rifle nennt, kann dann ja auch nicht mit Flower-Power Dudelei um die Ecke kommen. Das ist momentan mein Soundtrack zu der neuen Oxfam Studie.

Wie können wir zulassen, dass 12 Dödel auf diesem Planeten mehr Geld zur Verfügung haben als 4 Milliarden Menschen. Also zusammen. Die haben mehr Geld als alle anderen 8 Milliarden Menschen, aber eben auch mehr als die 4 Milliarden Ärmsten zusammen. Und das kannst DU auch schaffen, wenn du endlich richtig arbeiten gehst und wenn deine Einstellung stimmt. Fuck off.

OK. Auf ihrem LP Debüt nach 2 Singles und einem Kassetten-Demo haben die 5 Londoner Jungs jede Menge Wut abgeladen und in melodiöse Oi-Launen gepresst und dann alles mit gewohnt großartigen Garage Punk Gitarren garniert. Hervorragend.

YEAR0001. Kann man beim Label vorbestellen. Für 30€. Haha. Da kommt dann noch Zoll hinzu, oder? Vielleicht reicht auch digital auf dem Kopfhörer. Für die Kneipenschlägerei mit einem Milliardär aus deiner Nachbarschaft kann man die Schallplatte eh schlecht mitnehmen.

Doe St – Same Day

Pub Rock Garage Punk aus Australien in einer weiteren Reinkarnation. Die haben sich da eine recht inzestuöse Szene angelegt, die ich nicht aufdröseln kann. Immer wieder die selben Menschen in anderen Bands und Labels und man wird total bekloppt, wenn man die Stammbäume versucht, nachzuzeichnen. So auch bei Doe St.

Sehr eingängige 4 Songs nach 3 Jahren in Abwesenheit, die sich irgendwie auch ein bisschen anders anhören, was nicht weiter wundert, wenn man die halbe Band im Grunde ausgetauscht hat. Arron (Split System) am Bass ist jetzt raus und Darcy ist dafür drin (hat schon bei Animal Farm mit dem Sänger Tom zusammen musiziert). Brandon ist jetzt ein neuer Gitarrist (Cutters), zuvor hatte Sharni gespielt und mitgesungen.

Das kippt soundtechnisch auch ohne den Bassisten in die Richtung von Split System und kann da gerne liegen bleiben. Ziemlich gut.

Legless Records (Label vom ehemaligen Bassisten Arron). Kommt bestimmt auf 7″ raus. Freu ich mich drauf. Hätte das ja gerne am selben Tag wie Groschi veröffentlicht, nur, weil es wegen des Titels lustig gewesen wäre, aber der Penner musste ja vorpreschen. 😉 Schönes Wochenende.

Jumbo XL – The Brier

Zwei neue Songs von Jumbo XL, für die es sich lohnt, noch einmal kurz ins letzte Jahr zurückzublicken. Wieder zwei hervorragende lofi Gemütlichkeits Garage Punk Knaller mit Handbremse. Wieder zwischen Fuzzgitarre mit Orgelhintergrund und Bedroom Pop.

Passt extrem gut für die kurze Autofahrt zur Schule, um die Kinder sicher durch die glatten Straßen zu manövrieren und dabei die akkuraten Scheitel in den lichthupenden Allrad-SUVs hinter einem bei Tempo 25 in Rage zu bringen. Geil.

Am 09. Dezember erschienen und nur Groschi hat die 2,30€ übrig, um den Künstler (?) zu unterstützen. Unglaublich. Das nächste Album mach ich auf LP.

Xray Xeroxx – Social Media Made Me Hate My Friends (E.P.)

Da möchte aber jemand auf jeden Fall bei "X" eingeordnet werden, egal, ob man seine Musiksammlung nach Vor- oder Nachnamen sortiert.

Xray Xeroxx, die Ein-Mann-Röntgen-Kopiermaschine aus LA hat bereits im Oktober eine neue EP herausgebracht, auf der altbewährte Tugenden des lofi Garage Punks zum Tragen kommen. Eingängige Rock’n’Roll Schemata durch die Rüttelmaschine geschüttet und in kratzige Beats zum Mitklatschen gepopelt.

Tolle Ohrwürmer aus einer Mischung von FIDLAR und Jacket Burner. Stellt euch auf die Schlittschuhe und schliddert ins G’schäft. Sehr schön.

Das hier ist ist bei Robot Cannibal Records auf grüner Kassette erschienen. Falls ihr weniger Porto für mehr Musik bezahlen möchtet, empfehle ich das kürzlich veröffentliche Album "Nevermind, Whatever", das bei Idiotape in Paris veröffentlich wurde. Ich liebe meine Freunde, sie nutzen (fast) kein Social Media.

Highway Ghost – Nightmares LP

Das Album ist da. Und es passt in den Herbst. Ein bissl düster und sperrig, aber mit viel Tee und/oder Bier geradezu melodiös-gemütlich und herzerwärmend. Garage Punk aus Helsinki.

Highway Ghost spuken manchmal ein bisschen zu lange herum, bevor sie zum Schluss kommen, aber das Album heißt ja auch nicht "Wet Dreams". So ein bisschen Qual muss schon sein. Cool.

Keine Ahnung, bei welchem Label die nun eigentlich raus sind. Aber die 10 Songs sind auf LP erschienen und man hat richtig was davon – ne halbe Stunde dreht sich das Teil. Sogar mit Geigen und so. Schön.