Doe St – Same Day

Pub Rock Garage Punk aus Australien in einer weiteren Reinkarnation. Die haben sich da eine recht inzestuöse Szene angelegt, die ich nicht aufdröseln kann. Immer wieder die selben Menschen in anderen Bands und Labels und man wird total bekloppt, wenn man die Stammbäume versucht, nachzuzeichnen. So auch bei Doe St.

Sehr eingängige 4 Songs nach 3 Jahren in Abwesenheit, die sich irgendwie auch ein bisschen anders anhören, was nicht weiter wundert, wenn man die halbe Band im Grunde ausgetauscht hat. Arron (Split System) am Bass ist jetzt raus und Darcy ist dafür drin (hat schon bei Animal Farm mit dem Sänger Tom zusammen musiziert). Brandon ist jetzt ein neuer Gitarrist (Cutters), zuvor hatte Sharni gespielt und mitgesungen.

Das kippt soundtechnisch auch ohne den Bassisten in die Richtung von Split System und kann da gerne liegen bleiben. Ziemlich gut.

Legless Records (Label vom ehemaligen Bassisten Arron). Kommt bestimmt auf 7″ raus. Freu ich mich drauf. Hätte das ja gerne am selben Tag wie Groschi veröffentlicht, nur, weil es wegen des Titels lustig gewesen wäre, aber der Penner musste ja vorpreschen. 😉 Schönes Wochenende.

Jumbo XL – The Brier

Zwei neue Songs von Jumbo XL, für die es sich lohnt, noch einmal kurz ins letzte Jahr zurückzublicken. Wieder zwei hervorragende lofi Gemütlichkeits Garage Punk Knaller mit Handbremse. Wieder zwischen Fuzzgitarre mit Orgelhintergrund und Bedroom Pop.

Passt extrem gut für die kurze Autofahrt zur Schule, um die Kinder sicher durch die glatten Straßen zu manövrieren und dabei die akkuraten Scheitel in den lichthupenden Allrad-SUVs hinter einem bei Tempo 25 in Rage zu bringen. Geil.

Am 09. Dezember erschienen und nur Groschi hat die 2,30€ übrig, um den Künstler (?) zu unterstützen. Unglaublich. Das nächste Album mach ich auf LP.

Xray Xeroxx – Social Media Made Me Hate My Friends (E.P.)

Da möchte aber jemand auf jeden Fall bei "X" eingeordnet werden, egal, ob man seine Musiksammlung nach Vor- oder Nachnamen sortiert.

Xray Xeroxx, die Ein-Mann-Röntgen-Kopiermaschine aus LA hat bereits im Oktober eine neue EP herausgebracht, auf der altbewährte Tugenden des lofi Garage Punks zum Tragen kommen. Eingängige Rock’n’Roll Schemata durch die Rüttelmaschine geschüttet und in kratzige Beats zum Mitklatschen gepopelt.

Tolle Ohrwürmer aus einer Mischung von FIDLAR und Jacket Burner. Stellt euch auf die Schlittschuhe und schliddert ins G’schäft. Sehr schön.

Das hier ist ist bei Robot Cannibal Records auf grüner Kassette erschienen. Falls ihr weniger Porto für mehr Musik bezahlen möchtet, empfehle ich das kürzlich veröffentliche Album "Nevermind, Whatever", das bei Idiotape in Paris veröffentlich wurde. Ich liebe meine Freunde, sie nutzen (fast) kein Social Media.

Highway Ghost – Nightmares LP

Das Album ist da. Und es passt in den Herbst. Ein bissl düster und sperrig, aber mit viel Tee und/oder Bier geradezu melodiös-gemütlich und herzerwärmend. Garage Punk aus Helsinki.

Highway Ghost spuken manchmal ein bisschen zu lange herum, bevor sie zum Schluss kommen, aber das Album heißt ja auch nicht "Wet Dreams". So ein bisschen Qual muss schon sein. Cool.

Keine Ahnung, bei welchem Label die nun eigentlich raus sind. Aber die 10 Songs sind auf LP erschienen und man hat richtig was davon – ne halbe Stunde dreht sich das Teil. Sogar mit Geigen und so. Schön.

Lebende Tiere – Uwaga CS

Schrammel Garage Punk aus Leipzig oder Berlin oder was weiß ich, die klingen ja alle gleich. Anfang 80er Charme mit Eiersalat und Schweineschmalz. Hat trotzdem noch genügend sympathische Melodien und aggressiven Druck, um das erste Herbstlaub aus den Gossen zu blasen.  Lebende Tiere. Schönes Ding.

Flennen. Auf Kassette erschienen und mit Speck eingerieben. Flutscht gut rein.

Xeroform – Faceless Nameless Number CS

Müssen wir mal wieder über Bandnamen sprechen? Sind das vier Krankenpfleger aus Lakewood in Ohio, die sich nach ihrer Lieblings-Mullbinde benannt haben? Oder sind sie eher der passive Part, also diejenigen, die damit am liebsten verbunden werden? Es gibt ja unterschiedliche Vorlieben für alles, da halte ich mich raus.

Wie dem auch sei, Xeroform aus der Nähe von Cleveland präsentieren sich hier in bester Garage Punk und Pub Rock Manier, wie sie heutzutage auch gerne in Melbourne zelebriert wird.

Eine Reibeisenstimme von zu viel Bourbon aus der Western Reserve Distillery gepaart mit schrammelig-schrillen Gitarrensounds von fettigen Chicken-Wings Fingern in die Saiten gerissen, straightes Scheppern, das ordentlich im Takt der Kneipenschlägerei nach vorne schiebt und im Hintergrund orgelt Praktikant Aaron dazu im Takt auf den Tasten herum, so gut es mit verbundenen Armen und Augen geht. Fantastisch.

Just Because Records. Erscheint auf 75 Tapes am Samstag, jetzt kann man schon mal einen Song von 9 hören und dazu das "Petrolatum Dressing" aus seinem Verband schlabbern. Guden!

Tuff Bluff – Bereaver / Two Birds 7″

Zwei neue Songs von Tuff Bluff aus Denver, die wunderbar Garage Punk-poppig von der Mile-High Stadt heruntergepurzelt kommen. Die drei Blöffer klingen ein Jahr nach ihrer LP noch immer nach einer Mischung aus Lemuria und Martha und machen damit alles richtig, um auf die Playlist für den Freibadausflug auf dem BMX Rad zu kommen.

Hubbu Bubba, Hose runter, Wasserrutsche.

"Bereaver" ist entweder ein "legendary" Mega-Schwert aus einem bekloppten Fantasy-Game, oder einfach nur ein altes Wort für einen Räuber ("a person who bereaves"). Könnt ihr ja mal im Englischunterricht fragen. "Two Birds" sind entweder 2 Zwitscher-Vögel oder Brautjungfernkleider aus New York. OK.

Sekunderna – Hits LP

Wie weit in den Norden muss ich eigentlich auswandern, um diesem Klimawandel zu entfliehen und erträgliche Temperaturen tags- und nachtsüber anzupeilen? Reicht Umeå da schon? Ich mein, das liegt ungefähr auf der Höhe von Fairbanks in Alaska und Reykjavik auf Island – kennt man beides nicht unbedingt als Glutnester.

Ich frage ja nur, weil ich dann zumindest auch noch gute Musik vor Ort genießen könnte und mir an kalten Tagen das Herz mit original schwedischem Power Pop Garage Punk erwärmen kann… Beweisstück B: Sekunderna’s neue LP. Nur Hits, will uns der Titel glauben machen, aber ich kenne die alten Sachen, also ist das nicht übertrieben. Momentan kann man 2 von 11 Hits schon einmal vorhören und sich mental auf 12°C und Regen einstellen. Herrlich.

Fika Recordings (UK), Bloated Kat Records (US) und irgendjemand in Schweden – fragt im Zweifel einfach die Band, die sind nett. Kommt auf limitierter Vinyl LP raus und im Sommer touren die Jungs durch den heißen Teil Europas. Cool. Hot.

Frizbee – Sour Kisses CS

Noch so ein Beispiel für meine Kinder, dass es keinen ausgeprägten Sinn für Gesangsmelodien oder gar einer klassischen Gesangsausbildung oder -stimme bedarf, um gute Musik zu machen.

Frizbee aus Indianapolis spielen ganz wunderbar vertrackten Garage Punk mit einer sanften Eiernote, die aber eigentlich auch Post genannt werden kann. Mich schreckt dieses Egg-Zeugs inzwischen eher ab, also nehmt das nicht so ernst. Das ist richtig guter Punk Rock im Hintergrund, auf den die Sängerin relativ monoton und stoisch ihre Einkaufslisten und Tagebucheinträge drüber leiert. Aber das passt wunderbar zusammen und macht richtig viel Spaß.

Nach der Split mit PAL und deren Hit "WW2" ist das die zweite Veröffentlichung der Band, die erste Solo und gleichzeitig das Album Debüt. Sehr cool.

Painters Tape. Auf Kassette erschienen und auf 50 Stück limitiert. Digital besteht allerdings weniger Gefahr, dass der Kram noch mehr zu leiern beginnt. Alle meine Frisbees liegen auf irgendwelchen Garagendächern.

The Smog – Speed Of Life 7″

Beginnen wir die kurze Woche mit dem elendigen "Vatertag" zur Erheiterung mit poppigen Klängen aus Osaka. Nein, nicht die lächerliche "All-Star-Opa" Band Osaka Popstar um Jerry Only, Dez Cadena, Marky Ramone und Ivan Julian. Nein. Nein.

Dort kommen zum Glück auch The Smog her und die haben kürzlich ihre neue Single veröffentlicht, um noch einmal den jungen Leuten ihre Herrschaft über den Garage Punk aufzuzeigen. Wieder einmal zwei Knaller, wie man es von der Band gewohnt ist, die es einfach nicht zu schaffen scheint, mal drei Songs am Stück zu spielen. Bin gespannt, wie die live so zurecht kommen. OK.

Trashiger Power Pop Garage Punk mit Melodie, Schraddel und Klirr. Toll.

Going Underground. Auf 7″ erschienen, aber nicht für euch erhältlich. Nur drei Tage buckeln, dann den Bierbauch mit den "Jungs" durch den Wald schieben – das schafft ihr kinderlosen Väter schon! Schöne Woche.