Secrecy – Winter in A&E LP

Wenn ihr auch den gesamten Winter im Warmen verbringen möchtet, dann empfiehlt Secrecy aus London den dauerhaften Aufenthalt in der Notaufnahme eures Vertrauens.

Ich kann zwar aus Erfahrungen mitteilen, dass man sich dafür eigentlich nur alle 4 Stunden neu verletzen muss, aber empfehlenswert ist es in meiner Stadt nicht unbedingt. Der Kaffee ist auch scheiße.
Aber vielleicht funktioniert das Gesundheitssystem in England noch prächtig und man kann sich das Schneeschippen und die Frostfinger ersparen und einfach gemütlich in einem warmen Bettchen liegen, ist ja immerhin ein Königreich, die müssen doch irgendeinen Vorteil haben.

Musikalische Begleitung ist hier irgendwie eine interessante Mischung aus Post Death Punk Goth Wave mit richtig tollen Melodien, die sich anschicken, sich für ein Minimum an Jahreszeiten wie ein Parasit in deinem Hirn zu verankern. Stört mich nicht. Erst einmal nur ein Song. Aber der ist ganz geil.

La Vida Es Un Mus Discos. Kommt auf Vinyl im November, es muss erst so richtig dunkel sein, um den Scheiß zu genießen. Laut IKK liegt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Notaufnahmen bei 216 Minuten. Das reicht gerade mal, um es sich bequem zu machen. Schade.

Botox – You Need

Eine gute Platte, um ins Wochenende zu starten. Tut mir ja auch leid, dass heute Montag ist; müsst ihr selber sehen, wie ihr damit umgeht und wohin ihr das Botox jetzt spritzen müsst, damit das im Büro nicht so auffällt.

Die Band aus London spielt eine Art von poppig schepperndem 77er Garage Punk, der jetzt fast schon als klassisch zu bezeichnen ist. Also wenn man The Reds mit ein bisschen mehr Melodie oder Sick Thoughts ein bisschen weniger asozial mag, sollte man sich hier mal bedienen.

Zum Glück beschränkt sich unsere Drogenzufuhr auf die Verstärkung von Spaß oder Abstumpfung und wir können missbilligend und verständnislos auf diese Lifestyle-Scheiße herabblicken. Also wenn schon Spritze, dann muss das auch zwirbeln.

The TSG – Skydiver 7″

The TSG. Power Pop Band aus Wales, glaube ich.

Da sind Leute von den Tubs mit dabei und die schicken sich nun an, den Pfad des Indie Rocks zu verlassen und in die weniger weinerliche Nische der fröhlichen Kneipenmusik abzubiegen, die man am besten mit einem alkoholfreien Ale oder Cider am Mittwochvormittag genießt, um dem wiederkehrenden Ärger über die zu langsam voranschreitende Woche zu feiern.

Ganz geil.

Gob Nation. Erscheint auf einer 3-Song 7″. Hat nichts mit Hoffenheim zu tun, glaube ich.

The Film Critics – 4 Songs From…

Nach den Oscars ist vor den Oscars. The Film Critcs haben immer was zu tun.
Sehr netter und sympathischer lofi Garage Punk mit etwas schräger Grundstimmung, wenn man gerade ohnehin emotionale oder körperliche Schieflage hat.

Erinnert mich ein bisschen an Zero Percent APR, aber das passt eigentlich gar nicht. Vielleicht ist da im Kopf doch ein bisschen mehr durcheinandergerüttelt worden. Also bei denen, ich bin ok.

Cooler Scheiß aus London in Kanada.

Wie viele Filme gab es eigentlich, aus denen Serien entstanden sind? Fargo fällt mir ein. Oder Terminator, ne? Ein paar Menschen behaupten auch Ash vs. Evil Dead sei eine gute Adaption. Aber kommt denn irgendeine Serie wirklich an den jeweiligen Film heran? Muss ich die Burschen mal fragen.

Sexaphone – Lost Connections 2004-2025 CS

Vom "Board of Peace" zum Krieg in nur einem Monat – Respekt. Wo gibt es eigentlich diese Pillen, die man für Montag bis Sonntag einnehmen muss, um zu funktionieren? Ah, direkt hier… wir praktisch.

Lofi Garage Punk mit Drums und Gitarre aus der Vergangenheit Londons.

Sexaphone gab es eigentlich nur ein paar Jahre in den Nullern, also ziemlich genau vor 20 Jahren, und damals haben sie zwei Singles mit genau diesem dreckigen und vielleicht auch simplen Sound vor die Pubs gerotzt. Also zumindest simpler als der Kram von Black Time, bei denen sie beide ebenfalls ziemlichen Krach gemacht haben, aber ein bisschen bluesiger, rockiger.

Hier also die Zusammenfassung ihrer Schaffenskrisen aus den letzten 21 Jahren inklusive ein paar neuer Stücke, die extra für diese Veröffentlichung aus dem modrigen Keller gezogen und komplett neu eingespielt wurden. Roh und sympathisch dilettantisch – wunderbar.

Girlsville. Auf Kassette erschienen. 20 Songs für den Montag, gut dosiert gibt das genügend Schub für den ganzen Tag. Und mit Schub meine ich im Bett liegen bleiben, Sonne hin oder her.

Rifle – S/T LP

Wollte gerade sagen, dass die Jungs ja ganz schön angepisst sind, aber wer sich schon Rifle nennt, kann dann ja auch nicht mit Flower-Power Dudelei um die Ecke kommen. Das ist momentan mein Soundtrack zu der neuen Oxfam Studie.

Wie können wir zulassen, dass 12 Dödel auf diesem Planeten mehr Geld zur Verfügung haben als 4 Milliarden Menschen. Also zusammen. Die haben mehr Geld als alle anderen 8 Milliarden Menschen, aber eben auch mehr als die 4 Milliarden Ärmsten zusammen. Und das kannst DU auch schaffen, wenn du endlich richtig arbeiten gehst und wenn deine Einstellung stimmt. Fuck off.

OK. Auf ihrem LP Debüt nach 2 Singles und einem Kassetten-Demo haben die 5 Londoner Jungs jede Menge Wut abgeladen und in melodiöse Oi-Launen gepresst und dann alles mit gewohnt großartigen Garage Punk Gitarren garniert. Hervorragend.

YEAR0001. Kann man beim Label vorbestellen. Für 30€. Haha. Da kommt dann noch Zoll hinzu, oder? Vielleicht reicht auch digital auf dem Kopfhörer. Für die Kneipenschlägerei mit einem Milliardär aus deiner Nachbarschaft kann man die Schallplatte eh schlecht mitnehmen.

EZ8 – S/T 7″

Eine neue Band um Chubby ist immer eine gute Idee. Sogar eine noch bessere, wenn die Oi-Flanke ein bisschen verlassen und das melodische Punk Rock Gedudel in den Vordergrund treten kann.

Höre ich da so ne Art Keyboard? Und The Descent klingt nach den Ramones. Na sowas. Dann auch noch nach einer Einparkhilfe für die Mercedes V-Klasse benannt. Ach nee, so ein Roboter Ding Spielzeug (Gundam Ez8), auch ok.

Schönes Ding, aber über das Cover müssen wir reden. Tin Savage zeichnet verantwortlich und der macht schon länger gutes Artwork im Hardcore und Punk Rock Bereich, aber ist ihm hier bei dem Nasenmonster irgendwie ein bisschen die antisemitische Bleistifthand ausgerutscht?

Vielleicht seh nur ich das, aber mich irritiert das Cover. Naja.

Static Shock. Wenn das auf 7″ rauskommt, stelle ich mir die Single einfach falsch herum ins Regal.

Eel Men – Stop it! Do Something. LP

Auch wenn der Aufruf ein bisschen verwirrend anmutet, wirkt das Debüt Album von den Eel Men aus London wie ein Riesenlutscher vom Jahrmarkt. Was soll ich denn nun machen? Aufhören oder Anfangen. Womit? Das klingt ein bisschen nach panischem Aktionismus, aber vielleicht schätze ich die Stimmung auch falsch ein.

Mit dem Album kommt auf jeden Fall ein bisschen klebriger Pop mit quietschbuntem Punk und einer Aura aus längst vergangener Zeit auf den Plattenteller . Runde Sache. Der Lutscher und das Album. Schmeckt auch nicht nach Fisch, sondern ist tatsächlich süß wie Toffee, bleibt gleichermaßen in den Zwischenräumen des Gehirns stecken und macht es sich da bei den Buzzcocks und Wire gemütlich. Passt.

Big Neck Records. Erschienen auf schwarzem Vinyl mit drei verschiedenen Covervariationen. Vielleicht hat das in England eine besondere Bedeutung, aber die "Aal Männer" ist ein selten dämlicher Bandname.

Publicity Department – Old Master CS

Ein bisschen schräger und softer Gitarren Pop von Sean Brook, dem Sänger der Band Brunch, die ich genauso wenig kenne. Egal.

Das dritte Album vom 90er Jahre Fan ist eine sanfte Antwort auf die brutale Realität der Foren und Unterforen des infantilen Internets. Und natürlich auch eine schöne Untermalung für die echte Welt nach dem Wochenende.

Die Welt dreht sich weiter, das Leben hört nicht auf, aber Publicity Department gibt sich alle Mühe, den Erdball ein bisschen abzubremsen, um auch mal links und rechts an den Blumen zu schnuppern oder den Vollidioten aufs Maul zu hauen.

Your Choice.

Safe Suburban Home Records. Auf 50 grünen Kassetten mit Textblatt erschienen. Weiter geht’s!

Index for Working Musik – Which Direction Goes The Beam LP

Hey Kids. Das ist die Musik, bei der ihr wieder angewidert und gelangweilt die Augenbrauen kräuseln und die Schultern zucken lassen könnt. Aber eure Eltern verstehen das vielleicht.

Um diesen Post Punk Firlefanz schätzen zu wissen, muss man halt erst einmal ne Zeit lang dem schnöden Punk mental entwachsen sein. Muss nicht, hilft aber. Denn auf dem neuen Album von Index For Working Musik aus London kommen diverse Ideen aus zahlreichen Facetten des Genres zusammen und werden miteinander bis zur Unkenntlichkeit zu einem leckeren englischen Pudding verrührt.

Man hört noch hier und da ein paar Spuren vergangener Helden, wenn man sich Mühe gibt. Ich meine, eine Prise Gang Of Four herausgeschmeckt zu haben. Gute Musik. Nicht für alle, nur für die Besten. OK.

Tough Love. Das Album erscheint erst Anfang April. Aber dann auch auf LP in rot oder schwarz. Jetzt vorbestellen und aus 2 Songs schon einmal 11 Minuten Musik genießen – das ist mehr als die komplette Spieldauer ganzer Alben anderer Bands.