Various Artists – Sweet Time RNR Comp! DoLP

In den allermeisten Plattenläden meide ich beim Stöbern, Verzeihung, das heißt heute ja „Diggen“ die gut gefüllten Kisten und Boxen mit den Samplern und Compilations.
Denn die machen mir Angst. Ich besitze inzwischen nur noch maximal die Aufnahmekapazität für eine Split Single, und da darf eigentlich auch nur eine Band unbekannt sein.

Ein ganzer Sampler voller neuer Bands ist kognitiv nicht mehr zu bewältigen und überfordert mich. Das war ja noch ganz lustig, als man jung war und heiß auf neue Bands, die sich alle gleich anhören. Aber jetzt? Puh.

Trotzdem möchte ich euch heute folgenden Sampler wärmstens empfehlen! Ich muss das ja nicht alles hören, ha. Die Sweet Time RNR Compilation ist mit Bands wie den großartigen Mononegatives, Personality Cult sowieso etwas für die Fans (haha) dieses Tagebuchs hier und darüber hinaus sind solch feine Rotz und Rollperlen wie Shizos oder Snooper darauf vertreten.

Richtig gute Doppel LP von Sweet Time Records in Nashville – kann man aber auch digital ganz hervorragend zum BBQ oder Bier oder – wie das Cover suggeriert –  beim Kacken genießen.

Ist vorgestern erschienen und ich habe damit meine Samplerbeiträge für 2020 auch abgehakt. Yay.

New Vogue – Safe On The Autobahn

Ich lass das hier einfach mal liegen. Maxl von den Sonic Avenues hat seit längerem schon mit New Vogue ein anderes Projekt laufen und tobt sich da in seinen Jay Reatard/Lost Sounds Reminiszenzen aus. Schön und gut.

Aber sicher auf der Autobahn fühlen sich heutzutage doch nur noch Fahrer eines LKWs oder die alten weißen Männer in ihren bekackten SUVs. Bist Du einer davon, Max?

Demnächst kommt da wohl ein neues Tape – ich werde berichten.

Romero – Troublemaker

Ach, die Stimme von Alanna Oliver ist einfach die beste Medizin gegen einen herbstbedingten kurzen Anflug von Interesse an Fußball oder Autos oder Schminktipps für die Jahreszeit.
Auch, wenn der neue Song von den großartigen Romero aus Melbourne nicht unbedingt so ein riesen Brüller ist – das reicht, um das Gehirn wieder in die aufrechte Position zu bringen.

Ich glaub, die Single vom Anfang des Jahres war einfach das Beste, was 2020 an Power Pop Punk erschienen ist, das kann selbst die Band nicht mit dem neuen Stück namens „Troublemaker“ toppen.

Ich freu mich trotzdem auf die LP. Die kommt doch, oder? Kümmert ihr euch da bitte? Irgendwie müssen wir doch diesen bekackten Winter und diese scheiß Krise überleben.

Kauft den Track ruhig mal bei Bandcamp. „** Proceeds from digital sales will be donated to Pay The Rent“ Haha

Brain Peel – S/T CS

Heute ist Sperrmüll hier und ihr glaubt gar nicht, was dieses unfassbar reiche Land so für Sachen einfach wegschmeißt.
Uralte Kommoden & riesige Esstische inklusive thronartiger Bestuhlung, massive Holz-Spiegel und goldene Lüster.
Und das war nur mein Scheiß! Ich brauche Platz im Schuppen.

OK, das war übertrieben. Es waren keine goldenen Kronleuchter, sondern Plastikschreibtischlampen mit Fußballerbildchen aus dem Duplo von 1990. Aber trotzdem. Das hier hab ich zum Beispiel in der hinteren dreckigen Ecke der Garage gefunden. Das ist doch noch gut.

3 junge Menschen aus Philadelphia machen schnörkellosen Garage Punk Rock Krach, der mit tollen Melodien und dem lo-fi Appeal des TEAC A-2340 einen Salut nach Memphis zu den frühen Oblivians sendet. Bei Brain Peel klingt noch der jugendliche Leichtsinn mit, der auch nur bei Garage Punk so richtig gut zur Geltung kommt. Nicht lange nachdenken, Musik aus dem Bauch, bevor das noch zu verspielter Quatsch wird.

Richtig feine 10 Songs, die bereits im Juni erschienen sind, aber jetzt zum ersten Mal auf Kassette bei Fire Hazard Records veröffentlicht wurden.

Dummerweise hab ich beim Nachbarn eine Faxgeräte-Sammlung gefunden und die müllt mir jetzt den Schuppen wieder zu. Aber vertraut mir…Das Fax kommt zurück, wenn die Hipster alle keinen Bock mehr auf diesen digitalen Scheiß haben, sondern lieber wieder was „in der Hand“ halten möchten und die Nachrichten strahlen auch mehr Wärme auf Papier aus, etc. Wartet es nur ab!

Thought Control – Shock To The System EP

Oh Mann, ich vermisse Konzerte.

Ich stelle mich beim Musik hören schon abends in die hintere Ecke meines Zimmers, um das Feeling zu bekommen.

Hin und wieder bitte ich die Familie, mir dabei dann ein Bier aufs T-Shirt zu kippen oder mit einem Rucksack auf dem Rücken vor mir hin und her zu wandern. Gerne lege ich mir auch mal eine Broilers Platte auf, damit ich noch mal aus dem Zimmer gehen kann, um erst bei der guten Band wieder reinzukommen.

Kack Zeiten sind das. Aber zum Glück gibt es ja so Bands wie Thought Controooooooooooooooooooooooooooool.
Geiler Scheiß aus New Jersey. Hardcore Punk mit jeder Menge schlechte Laune, die mir gerade gute macht. 5 Songs in irgendwas mit 6 Minuten. Vor 3 Wochen erschienen.

Gestern habe ich die Wäsche für Kinder und Frau zusammengelegt und mich über diesen furchtbaren Merch beschwert. Wird Zeit.

Paranoias – Napalm Springs 7″

Supercoole Garage Surf Punk Rock Sache aus Perth in Australien.
Nach dem tollen Demo aus dem letzten Jahr haben sie endlich mal die Zeit während der Pandemie gefunden, um 5 erstklassige 77er Punk Surf Rock n‘ Roll Nummern auf eine 7″ Single zu pressen.

Ich muss ja zugeben, dass ich inzwischen ein großer Fan von quiekendem bis schreienden Frauengesang bin. Und das, was die Sängerin Hannah hier auf das rotzige bis verspielte Gitarrengedudel, den nach vorne preschenden Bassläufen und dem scheppernden Krachbeat draufsetzt, ist die leckere kandierte Kirsche auf der Schlagsahne. Im Bierglas – ist ja immerhin noch Punk, ne.

Die neuen Songs von Paranoias haben irgendwie was von Amyl and the Sniffers, wenn die ein bisschen mehr Rotz statt Glam hätten. Gemastert im übrigen von Daniel in London, ihr wisst schon – Qualität!

Kommt Mitte Dezember bei Helta Skelta Records in Australien raus, man sollte vielleicht warten, bis La Vida Es Un Mus die Sachen vorrätig hat (Pleite-Tipp).

Ich glaub, es liegt an dem ständigen Geschrei der Kinder, dass ich das inzwischen auch bei Punk Bands brauche, um bloß nicht mal zur Ruhe zu kommen. Ich sprech da mal mit meinem Therapeuten drüber.

Rolltreppe – S/T CS

So langsam gehen den deutschsprachigen Punkern wohl die Substantive aus, was? Oder man beginnt inzwischen, sich den Namen der Band einfach aus dem Duden zu würfeln.
Anders kann ich mir zumindest gerade den Namen der österreichischen Gruppe Rolltreppe nicht erklären.

Aber vielleicht ist das auch dieser berühmte Wiener Humor? Gibt es den überhaupt? Ich war noch nicht so häufig in Wien, aber wenn, dann waren da meistens alle scheiße gelaunt.
Ach nee, das war ja ich.

Rolltreppe haben auf jeden Fall bereits im September diese ganz feinen 9 Garage Post Punk Rock Songs in die Welt entlassen, die furchtbar gut zu einem mies gelaunten November in Wien taugen.
Teilweise erinnert das sehr stark an Kram aus den 80ern, als man noch „Chaot“ als Schimpfwort verstanden hat und sich dann abends bei politischen Diskussionen auf dem WG-Sofa mit billigem Rotwein schläfrig gekifft hat. Andererseits hört es sich dann wieder stark nach Pogo im Jugendkller an. Und über allem schwebt die tolle Stimme von Sängerin Rebecca. Coole Sache.

Leider kaum Dialekt – trotzdem ganz doll zu empfehlen. Kann man auf Kassette kaufen.

Ich bin ja mal gespannt, wann diese pseudocoolen deutschen Bandnamen wieder verschwinden und man sich auf Zahlen/Ziffern verständigt. Einfach mal hunderttausend Bands mit dem Namen Elf. Ha

Nutrition – No E.P. 7″

Zunächst einmal die Klarstellung, dass es sich hier um eine EP handelt, die den Titel „No“ trägt. OK? Ich fand das verwirrend.

Ansonsten ist hier alles recht geradlinig und unkompliziert. Großartiger Garage Punk Rock aus Vancouver, der sich ganz offensichtlich auf die Musik (Inhalt) und nicht die Verpackung (Form) konzentriert.

Denn fragt man das für das Cover verantwortliche Bandmitglied nach der Idee dahinter, bekommt man eine recht eindeutige Antwort: „It’s the most miserable cover art I’ve made. There is nothing more depressing than one of those chairs.” – OK!?

Dafür ist die Musik umso äh, lebensfroher. Lebendig, obwohl es so ein totgedudeltes Genre ist. Und froh, obgleich es teilweise so schlechtgelaunt vorgetragen wird.
Die Single erscheint digital am Ende der Woche und auf rotem und schwarzem Vinyl dann ein paar Tage später, glaub ich. Könnt ihr beim Label Neon Waste bestellen.

Ich bin ja ein bisschen stolz darauf, kein Wortspiel mit dem Namen in den Text reingekotzt zu haben.

LK Ultra – You’re Not Gonna Like This

Aus der schönen (?) kleinen Stadt Lawrence in Kansas kommen diese 3 jungen talentierten Pop Indie Punk Rocker, um mal direkt den Namen (LK Ultra) und die Genres grob zu verorten. Für Eure Orientierung. Bitte.

Weiterhin interessant zu wissen ist vielleicht, dass die Band ursprünglich mal MK Ultra hieß und aus einem Girls Rock Camp 2017 hervorgegangen ist, was ich ziemlich beeindruckend finde.
Oftmals hat so etwas ja keine große Halbwertzeit, was in einem Zeltlager entstanden ist. Zumindest ist das meine Erfahrung mit Jasmin, aber das gehört jetzt nicht hier her.

Nachdem es logischerweise zunächst einmal eine Band aus 4 Mädels war, ist LK Ultra inzwischen ein bisschen geschrumpft und mit einem Burschen am Schlagzeug nun erst einmal wieder komplett.
Zumindest hat es für diese 4 Lieder gereicht, die letzten Monat bereits erschienen sind und jede Menge Spaß machen, wenn man auf so eine Mischung aus Joyce Manor, Martha, Jeff Rosenstock und SBDC klarkommt.

Entgegen des Titels gefällt mir das sehr gut. Sollte man im Auge behalten.

Ich hatte ja Leistungskurs Englisch und Erdkunde.

Dummy – EP2 CS

Wrsnggng. Seid ihr auch schon mal am Montag aufgewacht und habt gemerkt, dass die verdammten Drogen vom Wochenende noch nicht ganz aus dem System gewaschen worden sind?
Nein? Ähm…mir auch nicht. Hahaha.
Ist ja auch schon Dienstag, wie ich gerade sehe.
Hm.

Aus unerklärlichen Gründen hab ich auf jeden Fall gerade ziemlich Bock auf Dummy und deren 2. EP, die letzte Woche auf Kassette bei Born Yesterday erschienen ist. Darauf kann man so schöne Stücke wie Nuages oder Pool Dizzy hören, die eine ganz zauberhafte Mixtur aus Ambient Pop und Kraut Rock und irgendeiner komischen Pille sind, die ich beim Renovieren der Küche unter dem Linoleum in einem kleinen Beutel gefunden hab.
Muss was aus den 70ern sein. Also beides jetzt, die Musik aus der Stadt der Engel und das seltsam angenehm taube Gefühl zwischen den Ohren.

Hörts euch an, der erste Song passt auch ganz wunderbar zum heutigen Tag, glaub ich.

Morgen dann wieder Punk Rock, versprochen.