Lousy Sue – Artless Artifacts LP

Recht solider Garage Punk aus Indy. Besser so als andersrum, ne?

Die drei Freunde von Lousy Sue haben ein nettes Album beim Rock’n’Roll Label Sweet Time eingereicht und der hat das direkt auf hübsches weißes Vinyl gepresst. Darauf zu finden sind immerhin 15 eingängige Garage Punk Smasher, die an die 90er und frühen 2000er erinnern. Also so diese Rip Off Records Zeiten, als Bands wie Zodiac Killers und Kill-A-Watts hoch (bei mir) im Kurs standen.

Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn hier spielt Jim Kuczkowski an der Gitarre mit und singt dazu. Naja, singen tun sie alle in der Band. Aber nur Jim Kuczkowski hat damals dafür gesorgt, dass Bands auf Rip Off Records nicht perfekt, sondern nach Punk klangen und hat auch damals bei der ersten Marked Men Platte die Regler in die richtigen Positionen gebracht.

Kein Wunder also, dass hier der Sound an all die genannten Bands erinnert und zwischendurch ein Buck Biloxi Cover eingestreut wird. Passt alles zusammen, Lousy Sue ist live mit Sicherheit eine grandiose Band, wenn die älteren Herrschaften das noch auf der Bühne umgesetzt bekommen, haha.

Ich würde ja gerne mal wissen, wie viele Mitgleider der indigenen Bevölkerung Amerikas tatsächlich in Indiana und Indianapolis (Stadt der Indianer??) leben. 4? 7? Andereseits, Namen sind Schall und Rauch, ne? Es gibt bestimmt auch Ausnahmen bei den Einwohnern von Oberhäslich?

Gee Tee – Goodnight Neanderthal LP

Mit Gee Tee ist es wie mit den Simpsons. Als die neu aufgeploppt sind, waren sie super cool und noch ein bisschen rauh an den Ecken. Im Laufe der Jahre wurde das Rauhe dann ein wenig abgeschliffen, runder gemacht und man hat durch regelmäßge Veröffentlichungen immer mal wieder Notiz davon genommen, dass es die noch gibt.

Dann hat man die irgendwie ne zeitlang nur noch neben dem Fokus der täglichen Medienbombardierungen wahrgenommen und fand das auch ganz ok, was die so abliefern. Es ist schließlich immer das gleiche Rezept gewesen, was über die Jahre perfektioniert wurde und immer wieder funktioniert, ohne langweilig zu werden.

Daher ist auch das neue Album, das im März bei Urge und Goner Records erscheinen wird, eine solide Nummer mit zwei Händen voller gewohnt guten Synthie-LoFi-Garage-Punk Songs. Also 10. 10 Lieder. Verlässlicher geiler Scheiß aus Sydney.
Die bunten Platten sind natürlich schon ausverkauft, aber ich glaube, wenn die schwarzen dann in Europa aufschlagen, sind die genauso super. 4 von 10 Songs kann man jetzt schon einmal hören, den Rest muss man erst noch auf Deutsch übersetzen, haha.

Auch so ein Albumtitel, der auf Deutsch nicht gut funktioniert. Hätten die nicht einfach Cro Magnon Man oder besser noch Ashfield Man nehmen können, haben die etwa Steinzeit Junior nie gesehen? Tss.

Throwback Thursday – Catch 22

Vor 25 Jahren kam das "Keasbey Nights" Album von Catch 22 bei Victory Records raus. Das zählt bis heute zu meinen sogenannten "Guilty Pleasures". Immerhin gehörte die Band und das Album damals Ende der 90er zu der 3. Welle von Ska und als Punk Rocker und Hardcore Lümmel hat man das nicht gehört. Ska im allgemeinen war nicht so cool. Keine Ahnung mehr, warum eigentlich.

Aber auch ich hab es durchaus genossen, mich über die bekloppten Bands lustig zu machen, die krampfhaft versuchten, irgendwie "Ska" im Namen zu tragen. Maskarpone. Alaska. Eskalation. Ska Wars. Haha. Fast so schlimm wie die OI Bands, die das ebenso zelebriert haben. Moin.
Die Musik hingegen hat mir manchmal recht gut gefallen.

Also dieser Ska-Kram, OI fand ich meistens immer zu dumm, wenn man nicht gerade 5 Liter Bier und Plattitüden griffbereit hatte. Bei Catch 22 reichte mir hingegen ein ausgeliehener Disc-Man und ein bisschen Gras in der großen Pause, um das großartig zu finden. War ne andere Zeit.

Das Demo zu dem Album kam ein Jahr vorher auf Tape raus und klingt meiner Meinung nach sogar noch ein bisschen besser, weil roher und mehr Punk und an den richtigen Stellen auch nicht so superschnell und clean.

Bis heute hab ich die Keasbey Nights nicht auf Platte. Ist das jetzt falscher Scham oder bin ich nur nicht nostalgisch genug?
Hmm? 300€ sagst Du? Ach so, stimmt. Das war’s…

Ich glaub, das mach ich jetzt öfters. Und ihr so?

Kalle Hygien & The Dog Pound – The Detester 7″

Hänsel- und Gretchenfrage: Darf eine Band den gleichen Namen behalten, wenn der Sänger "ausgetauscht" wird? AC/DC durften das, Black Flag und ALL ebenso und diese Band in dem Film mit Marky Mark auch, ohne viel an Akzeptanz oder Erfolg einzubüßen. Turbonegro hingegen…hm. Sublime…hmm. Oder was war mit den Metal-Typen von Iron Maiden, Anthrax, Helloween und Black Sabbath? Genesis? Also Beispiele gibts genug, Meinungen dazu wohl ebenso.

Warum ich das frage? Weil der gute Kalle Jansson mit seinem Alter Ego "Kalle Hygien" nun mal wieder eine neue Single veröffentlich hat, die total anders ist als die furchtbare LP und die 12″, die er zuvor in die Welt gekotzt hatte. Einerseits gut, weil gut. Andererseits kompliziert, weil es den Anschein hat, als ob die "Gastmusiker", mit denen er diese Alben und Singles herausbringt, mehr Anteil an der Musik haben als der namensgebende Künstler.

Bei dieser Single hier spielen zum Beispiel Leute von Viagra Boys und Victims mit. Punk Rock mit Hardcore und RocknRollGarage Einflüssen. Sehr schön. Aber was macht Kalle?
Bei der letzten 12″ "The Raft" haben dann wiederrum CP Westman und Mascara Snakes mitgewirkt, die doch eigentlich für solide (Punk) Rock Songs stehen. Was lief da denn bitte falsch? Ist Kalle dann letztendlich dafür verantwortlich, dass die 8 Songs so kacke sind? Hm.

Wenn man sich die LP "Songs about Chuck" so anhört, könnte man meinen, er nehme gute Ideen und setzt sie dann möglichst scheiße um. Das ist halt auch Geschmackssache und in Ordnung, ich muss nicht alles mögen. Aber warum nennt sich der Bursche dann immer gleich? Wenn es doch eh schon ein Künstlername ist, kann er sich doch für jede musikalische Entgleisung einen neuen Namen ausdenken, dann erschrecke ich mich nicht immer so, wenn ich "Kalle Hygien" lese und mich freuen will und dann so ein ideenloser HumptaPunk-Elektro-KlingbingRock rauskommt.

OK – diese Single hier ist sehr gut. Ich weiß nicht, ob es an dem "Dog Pound" liegt oder an "Kalle Hygien". Egal.

Push My Buttons. Auf Single letzte Woche erschienen und schon bald für lächerliche 89 Kronen in Deinem Plattenladen erhältlich. Wenn Du keine Kronen hast, nimmt der Laden bestimmt auch gerne 14€.

Heihaizi – S/T CS

Mit Leuten von Ekebuba aus Zagreb kommt hier eine lustige kleine Band, die sich nach dem "Black Children"-Begriff aus China benannt haben. Also diese Kinder, die außerhalb der Ein-Kind-Regelung geboren wurden, nicht offiziell angemeldet werden konnten und dementsprechend auch außerhalb des Systems aufgewachsen sind.
Vielleicht sind die beiden Burschen auf dem Cover deshalb maskiert, weil sie ein gefährliches Doppelleben außerhalb der Konventionen und Reglungen von Kroatien führen? Oder sie sind einfach nur furchtbar hässlich, das kann natürlich auch sein.

Auf jeden Fall sind sie mit dem Tape und den Gesichtern an den richtigen Ort gekommen. Hier kümmern sich gleichgesinnte um Euch, Freunde. Wer so furios und leidenschaftlich Punk Rock, Hardcore und Hip Hop mit schlechter mittel-südosteuropäischer Laune mischt, gehört auf den Judgment Night Sampler, ins Vorprogramm von Suicidal Tendencies Shows oder eben in das Kulturprogramm von Fanzines und Blogs, die niemand liest.
Heihazi passen ganz hervorragend zu einem nostalgischen, lauwarmen Abend mit Freunden im Skatepark, wenn das Knie blutet, das Bier kalt ist und die Beastie Boys Tapes leiern. Sehr cooler Scheiß.

Turbo Discos. Wusstet Ihr eigentlich, dass es diese Ein-Kind-Regelung schon lange nicht mehr gibt und China inzwischen schmrumpft? Die müssen sich bald umorientieren und Anreize schaffen, dass die Bevölkerung wieder mehr pimpert, damit die Milliarden-Volksrepublik weiter bestehen kann. Was man hier alles lernt…

Escándalo – Al Comp​á​s De La Revuelta

Was macht Ihr eigentlich mit dem ganzen Wasser, das sinnlos im Abfluss runtergurgelt, bevor die angestrebte Temperatur von 66° Celsius in der Dusche erreicht ist? Mit einer Tüte auffangen und damit Kaffeekochen oder Blumengießen? Wegfließen lassen? Kalt duschen? Duschen? Und warum spülen wir unsere Kackwürste eigentlich mit Trinkwasser in die Kanalisation?
Skandal.

Instant Party’s Motto ist "Einfach Scheiße". Gutes Label, guter Claim. In Zeiten von falschen und vorgetäuschten Wahrheiten eine erfrischende Zuwendung zur Realitätsbeschreibung.

Jacke Schwarz – Witaj LP

Es ist Montagmorgen und die Heizung will nicht so, wie ich das will. Es ist aber noch warm unter der Decke. Bleib ich liegen oder kämpfe ich mich durch den Tag in die Kälte, in die Woche, in die Welt? Der Promozettel vom neuen Jacke Schwarz Album suggeriert, ich solle mich noch einmal umdrehen. Na gut, Herr Tomatenplatten, aber Du erklärst das dem Chef.

Das Album "Witaj" von Jacke Schwarz, dem Bassisten der Berliner Punks von den Eastie Ro!s, hat seinen ganz eigenen Charme. Hier ist nicht viel mit Punk Rock, das ist eine Mischung aus Liedermacher Folklore und Gitarren Pop der 70er Jahre. Das ist das wilde warme Berlin der langen Bärte und gefütterten Wildledermäntel, das auf die kalte Realität des feuchten Asphalts und die verranzten Gürteltaschen der zähneknirschenden Speeddealer trifft.
Es stimmt, hier und da hört man den großen Rio Reiser heraus und manchmal findet man Schnipsel von Danger Dan’s Poesie in den Texten, aber das passiert halt schnell, wenn ein Künstler in Deutschland eine Gitarre in die Hand nimmt, die Menschen um sich herum beobachtet und die daraus entstehenden Bilder und Geschichten dann in Lieder verpackt.
"Ach, guck, ein Linker mit Musik und Texten. Wie der Rio damals. Oder der Typ von den Antilopen mit dem Maschinengewehr."

Vielleicht braucht Herr Schwarz deswegen auf dem 11 Song starken Album auch mal eine Pause und singt 2 Lieder auf Sorbisch, damit das nicht jeder versteht und packt dann zusätzlich noch ein Instrumental mit dazu. Sicher ist sicher. Die Slide-Gitarre hat er schon einmal bei einem Pisse Album ausprobiert und das war ok, also kommt die auch hier zum Einsatz.
Tolle Platte – einen Song kann man schon einmal hören. Am 03. Februar kommt dann der Rest.

Lieber unter der Decke die Welt doof finden als in der Kälte auf gutgelaunten Menschen auszurutschen. Habt einen schönen Start in die Woche!

Die Paniks – S/T CS

Ach, da ist mein Aldi-Synth geblieben! Ich hatte das Teil schon gesucht, weil ich noch unbedingt "Alle meine Entchen" auswendig lernen wollte, aber dann ist mir aufgefallen, dass das Teil ja nur 4 Tasten hat. Schön, da haben sich die Paniks aus Schweden das Gerät wohl geschnappt und gedacht, damit kann man doch noch Punk machen. Stimmt natürlich. Dafür reicht’s. Aber mehr als 4 Lieder haben die intensiv Ängstlichen auch nicht herauskitzeln können.
Passend zum Feuerholzhacken. Die nötige Aggressivität ist da und länger als 8 Minuten sollte man sowieso keinen Sport am Stück machen.

Helvete’s Kitchen bringt das demnächt auf Kassette raus.

Rotary Club – American Tower 7″

Rotary Club aus Reno in Nevada veröffentlichen demnächst ihre Debüt Single auf Iron Lung Records und man kann sich jetzt schon einmal den Titeltrack anhören. Toll.
Klingt wie richtig alter Kram aus Punk Rock Opas 7″ Tresor, den er feuerfest mit Asbest ausgelegt hat. Also so in die Richtung Ende 70er KBD Style, der ganz wunderbar in den Frühling passt, wenn man sich vom Kamin drinnen nach draußen begibt und dort den Heizpilz anzündet, um die Krokusse willkommen zu heißen. Dazu Bier, Badehose und Barbiturate.

Wieso schneit es denn jetzt? Baggert RWE völlig umsonst die Klimakrise aus dem Boden, oder was?

Tee Vee Repairman – What’s On TV LP/CS

Haltet Ihr es eigentlich auch für zynisch, wenn die "Konzerne das Klima retten" wollen und dazu dann mit 2000 Privatjets nach Davos gesegelt kommen? Ach, ich bin bestimmt zu negativ. Die haben immerhin Bio-Diesel getankt und rauchen in dem Luftkurort nur umweltfreundliche E-Zigaretten, nachdem sie die ortsansässigen Kleinkinder gegessen haben.
Tee Vee Repairman hat ein Album aufgenommen und veröffentlicht das bald bei Total Punk auf Vinyl. Es ist also nicht alles scheiße.

Im Heimatland des Künstlers bei Computer Human Records veröffentlicht. Wisst ihr, an was ich bei "TV Repairman" immer denken muss? An Karl, den Experten aus Big Lebowski. "Ich hab gehört, dass mit Deinem Kabel something wrong ist". Logjammin!