The Shifters – Have a Cunning Plan LP

Wo wir gerade mal wieder in Australien unterwegs sind, hätte ich noch was Feines für euch. Jedenfalls dann, wenn ihr euch ein bisschen auf weirden Folk/Pop/Indie Kram einlassen könnt. The Shifters aus Melbourne bezeichnen das selber unter anderem als Drunk Pop, was man auch so stehen lassen kann. Andererseits kann man die Band auch unter Garage einsortieren. Hm. Das ist doch scheiße schon wieder mit den Schubladen und Bands, die da partout nicht reinpassen wollen.

Es ist Lo-Fi Hi-Fi. Es ist karg und stark instrumentiert. Es ist vielstimmig und eintönig und langsam und repetitiv und tanzbar. Es sind 5 junge Leute, die bereits seit 3 Jahren zusammen Musik machen und mit Have a Cunning Plan ihr zweites Album veröffentlicht haben. Dieses Mal auf dem schönen Label Trouble in Mind. Von den limitieren orangenen Platten sind nur noch ne handvoll da, von den limitierten Kassetten ebenfalls nur noch sehr wenige (warum???). Also dann.

Die Platte rockt jetzt nicht dermaßen los, dass man aufspringt und seine Ü-Eier Sammlung aus dem Regal reißt. Die schleicht sich eher so von hinten an und bleibt dann klammheimlich mit den Melodien im Kopf. Schön.

Amyl and the Sniffers – Some Mutts (can’t be muzzled) 7″

Zwei neue Songs von Amyl and the Sniffers. Ihr wisst schon, diese Band, von der ich neulich so begeistert war. Inzwischen auf Rough Trade gelandet und im Januar mit einer (der ersten) LP am Start, haben die vier Australier vor 3 Wochen schon mal eine Single herausgebracht, die wahrscheinlich als Vorgeschmack dienen kann.

Und wenn die Lieder dieses Appetithappens nicht so gut wären, hätte ich mir das hier gespart. Denn irgendwie riecht man da so einen kleinen Hype, der mich jetzt schon nervt. Single kostet in den USA 15$ (haha), in Australien bereits ausverkauft (haha) und in Europa noch gar nicht zu haben (haha), außer über Discogs für 50€ (hahahahaha).

Die Band ist gerade auf Tour durch die USA und Europa. Ihr könnt ja versuchen, auf einem der Konzerte eine der Singles abzugreifen.

Bad Moves – Tell No One LP

Ja, verdammt. Meistens sind ja diese Beipackzettel der Labels mit inhaltsleeren Phrasen und maßlos übertriebenen Vergleichen angereichert, um eine aktuelle LP einer aktuellen Band zu bewerben/verkaufen. Aber hier, bei den Bad Moves aus Washington D.C., da stimmt tatsächlich mal die Aussage des Labels.

It’s a perfect power-pop album — alternately explosive and vulnerable, loud and tender.

Mehr muss man eigentlich nicht zu der Platte sagen. Vielleicht noch ein paar Eckdaten?

Erschienen bei Don Giovanni im September. Bad Moves haben bereits vor 2 Jahren eine recht ansprechende Single veröffentlicht, das hier ist also ihr gelungenens full-length Debüt. Bad Moves sind zu viert – zwei Mädels, zwei Jungs. Die meiste Zeit singt Emma, aber da ist viel Abwechslung und Chor mit im Spiel – cool! Ich bin durch Martha auf die Band aufmerksam geworden, die hatten das Album stark angepriesen. Vielleicht kann man die beiden Bands auch soundtechnisch ein bisschen vergleichen, falls ihr sowas jetzt lesen wollt. Ansonsten würden mir vielleicht noch Baby Ghosts einfallen?

Tolle Platte.

J. Robbins – Swing Left EP

Es gibt so manche Stimmen, denen kann ich immer gut zuhören. Da sind zum einen natürlich die der toten Künstler und Musiker, die sich in meinem Kopf tummeln und mir stets mit schlechten Ratschlägen zur Seite stehen. Oder die Stimme von Skinny Norris, großartig – konnte ich mir immer sehr gut anhören, bis ich herausgefunden habe, dass es auch die Stimme von David Hasselhoff ist. Ugh.
Wenn es aber um Gesangsstimmen geht, schwöre ich auf die drei J.s. Denn mit J. Robbins, Jeff Burke oder Jeff Pezzati kann ich selten was verkehrt machen. Umso schöner ist es, wenn einer von denen mal wieder was Neues veröffentlicht hat. Heute zum Beispiel der gute alte Jawbox Frontmann J. Robbins!

OK, das sind jetzt nur 3 Coversongs, aber immerhin. Leicht instrumentiert mit Gitarre, ein bisschen E-Drum und Cello (Gordon Withers) werden Mission of Burma, Gang of Four und MX-80 relativ identisch nachgespielt. Da steckt jetzt nicht wahnsinnig viel Kreativität drin, aber alle drei Songs werden durch die Interpretation von J. Robbins auch nicht schlechter. Zudem geht der Erlös dieser EP an swingleft (könnt ihr ja selber mal nachlesen, was die machen) und das kann ja auch nicht schlecht sein.
Also im Endeffekt ein „ganz nett“. Ich hatte schon Schlimmeres hier, sagt Lester, aber was versteht der Penner schon von Musik.

Punking out

Hier, mal was Audiovisuelles für die jungen Menschen mit der niedrigen Aufmerksamkeitsspanne. Ein Film über das CBGB, bzw. ein paar Bands, die sich da herumgetrieben haben. Der dauet nur ne knappe halbe Stunde und man ist hinterher genau so schlau wie vorher, aber nett ist das allemal.

Falls ihr also Ramones, Dead Boys oder Richard Hell and the Voidoids mögt oder sogar noch nicht kennt – dann schaut hier mal rein. So war das früher. Opa erzählt vom Krieg. Und ich lese die ganze Zeit immer „Puking out“. Naja.

South Bay Bessie – Can’t Skate CS

Den Song hätte ich mit 15 ziemlich abgefeiert. Ok, heute auch. Das spricht nicht unbedingt für meine geistige Reife, aber drauf geschissen.

50-50 No Way. 360 Not Today. Acid Drop? I don’t know. So grab your board and LET’S GO!

Haha.
Ach so. Ist letztes Jahr auf Kassette erschienen (eine Auflage von 24 Stück) und die Band kommt aus Flint, Michigan. Dieser Ort, an dem das Wasser freundlicherweise mit Blei angereichert ist und die Leute sich bloß düber beschweren.
Somit erübrigt sich auch die Frage, was die Leute da ins Wasser tun, damit die Jungs so quietsch vergnügt im Style von Chixdiggit meets Queers ihren Punk Rock und vor allem ihre Talentfreiheit in Sachen Skaten so sympathisch runterrotzen.
South Bay Bessie – was fürs Wochenende.

Muscle Dungeon – Beef Angel CS & Split 7″

Also zunächst einmal wurde hier in Sachen Namensgebung schon einmal alles richtig gemacht. Und darüber hinaus – egal, in welcher Kombination man die 4 Substantive miteinander verbindet, es kommt immer eine coole Kreation heraus. Erinnert mich an dieses Kinderspielzeug, bei dem man unterschiedlichen Häuptern verschiedene Torsos, Beine und Füße zuordnen kann und das dann teilweise furchtbar lustig aussieht. OK.

Muscle Dungeon klingen so, als kämen sie aus Denton, Texas. Ist aber schon wieder eine Band aus Portland, Oregon. Allerdings haben die 4 Jungs schon ein paar Mal bei Marked Men und dergleichen Bands reingehört, würde ich mal so behaupten. Sehr eingängiger Garage Punk Rock mit schönen Gesangsmelodien, hübsch scheppernden Schlagzeug und wilden Gitarren, die im Vordergrund großartig simple Akkordfolgen schrammeln. Dazu kommt das gewohnt souveräne Mastering von Daniel Husayn und fertig ist die Laube. Wenn dann zudem der erste Song auch noch „Bong Jovi“ heißt, ist die Single eigentlich direkt schon gekauft. Die 5 Songs sind allerdings lediglich auf Kassette erschienen. Ugh.

Da die Band aber unermüdlich ist, haben sie nach dem Tape im Januar 2017 bereits im Dezember letzten Jahres eine Split 7″ mit The Lightheads veröffentlicht und dafür zwei neue Lieder geschrieben. Cool. Wollte ich nur gesagt haben, damit die Vinylfreunde hier auch was Haptisches erfahren können, wenn sie den Kram gut finden. Also ich find das gut, allein wegen der Titel. Ich mein, „Zen Garden of Bullcrap“ – das ist schon geil, oder?

Wild Gossip – I Wish I Could Stay In Bed For Weeks

Nur mal so zur Auflockerung. Jetzt, wo wir September haben, vielleicht eine passende Frage: Was passiert eigentlich in diesem Monat, den Peter and the Test Tube Babies kaum erwarten können und den Billy Joe Armstrong anscheinend am liebsten verschlafen will (Achtung, der Link führt tatsächlich zu dem offiziellen Video)? Worauf freut sich eine britische Punk Rock Band, wohingegen eine amerikanische Punk Rock Band kaum die Kraft aufzubringen scheint, sich aus dem Bettchen zu quälen? Die faulen Penner.

Nun, ich kann euch diese interessante Frage nicht beantworten und lediglich spekulieren. Vielleicht regnet es in den USA unentwegt im September und in England gilt die Sperrstunde nicht mehr? Was ich aber sagen kann ist, dass die Rock Band um Billy Joe nun mit dem Song „I wish I could stay in bed for weeks“ unbekannte Unterstüzung aus Schweden erhalten hat.

Der ehemalige Mitstreiter bei den Terrible Feelings und Nightmen, Anton Collinder, hat seit der Auflösung von den großartigen Nightmen eine Solokarriere begonnen und bereits einen Song bei Soundcloud hochgeladen. Das ist jetzt noch nicht so besonders viel, aber schon Bad Religion haben ja gesungen „quality or quantity, a choice you have to make.“

Und der Song ist super. Qualitativ hochwertig, sozusagen. Man hört direkt bei den ersten Akkorden eigentlich schon, wer hier Girarre spielt. Man hört bei den ersten Klängen des Gesangs eigentlich schon, woher dieser Power Pop kommt. Das können nur Schweden. Das klingt nach Terrible Feelings und Nightmen. Das klingt nach Anton Collinder – fertig.

Unter dem Namen Wild Gossip wird der talentierte junge Mann dann hoffentlich bald eine Platte veröffentlichen, die mit tausend weiteren guten Songs bestückt sein wird. Bis dahin kann er ja mit Billy Joe im Bett kuscheln, die 4 Wochen gebe ich ihm noch.

Civic – New Vietnam 12″ EP

Also wenn so ein „bürgerlicher“ Sound klingt, dann will ich nicht wissen, wie die Jungs von Civic „Punk“ definieren. Denn der Rock’n’Roll Rotz von Civic aus Geelong in Australien hat mal so gar nichts Bürgerliches an sich (nicht zu verwechseln mit den ebenfalls australischen Civil Civic, die machen Pop).
Vielmehr wird hier im Stile von ihren anderen Landsleuten The Saints geschnoddert, was das Zeug hält. Obwohl, streng genommen hab ich den Vergleich nur angestellt, weil es beide Rock Bands aus Australien sind. Ließe man den geografischen Aspekt außer Acht, könnte man die Band auch mit MC5 oder Stooges vergleichen, weil sie verzerrte Gitarren spielen. Wow, warum nicht gleich Rolling Stones und Sonics? Ach, Schubladen.
Stellt euch einfach eine schnellere Version von Rocket from the Tombs vor, die sich mit Hank Woods die Bühne teilt. Irgendwie anachronistisch in dem Sound der Siebziger verhaftet, aber so wuchtig und leistungsstark wie eine hochmoderne Dampfwalze auf Spikes.

Erschienen ist die 12″ EP bereits im April bei Anti Fade Records in Australien, und bislang hat sie ihren Weg noch nicht so recht in die europäischen Plattenläden gefunden. Schade, das ist ziemlich geiler Scheiß.

Chain Cult – Isolated EP

Wenn ihr euren Post Punk irgendwie düster aber trotzdem poppig mögt, dann checkt mal die drei Jungs aus Athen. Chain Cult haben im Januar bereits ihr sehr gutes Demo auf Kassette veröffentlicht, aber jetzt hauen sie mit ihrer Isolated Ep zwei Songs raus, die jedem Estranged Fan unter die Haut gehen müssen.
Klingt wie eine ganze Menge Portland, wo die Menschen anscheinend oft depressiv sind. Zum Glück kann die gebeutelte Jugend in Griechenland da mithalten…

Erschienen bei La Vida Es Un Mus auf grünem und schwarzen Vinyl. Klingen beide gleich, glaub ich.

Das Demo gibts im übrigen auch inzwischen auf Vinyl bei La Vida Es Un Mus.