Total Hell – S/T 12″

Ein weiterer Eintrag in die Playlist zur Isolationsquarantäne. Ich dreh langsam durch. Was kann man da machen?
Zum Beispiel eine rotzige Punk Metal Platte aus New Orleans hören. Das hilft zwar nicht, aber da schmeckt die Kaugummizigarette nach Tabak und die Mandelmilch im Kaffee nach Bourbon. Was müsst ihr noch wissen, damit das am Wochenende auch eure Lieblingsplatte wird?

Hm, am Schlagzeug spielt hier Drew Owen von Sick Thoughts und DD Deth die Knüppel müde, was ja zu einem gewissen Grad Wahnsinn und Qualität garantiert. Oder Henry Hell am Bass von Buck Biloxie And The Fucks und Heavy Lids – das ist doch mal ne Ansage. Und zusammen mit Jason "Panzer" Craft von Tirefire und Michael Maniac von Trampoline Team bilden diese Verrückten das Team von Total Hell – eine ziemlich gelungene Horde von Metal/Punk Fanatikern.

Die fünf Songs sind neulich im November auf einer feinen Scheibe bei Goner Records erschienen und finden nun so langsam ihren Weg ins alte Europa. Also falls ihr eine haben wollt – ein paar Distros tragen die ihn ihrem Bauchladen stolz vor sich her. Oder eben digital.

Hölle Hölle.

Briefbombe – S/T CS

Kurz und gut. Briefbombe aus Hamburg haben 8 gute und kurze Hardcore Punk Nummern zum Thema "Post" eingespielt, mit ein bissl lustigen O-Tönen oder TV-Schnipsel versehen und geben damit eine 1A Bewerbung an der Kunsthochschule zum Thema "Konzeptalbum im digitalen Zeitalter" ab. Funktioniert.

Erscheint auch auf analoger Bandsalatkassette bei Brainwasher Records in Hamburg und wird dann hoffentlich zusammen mit Sprengsätzen an die Kunden verschickt. Wo ist denn sonst der Witz?

Mystery Girl / Mononegatives Split 7″ EP

In Türchen Nummer 3 ist eine Split Single bei Feral Kid Records versteckt. Hurra.

Eine Single mit Mystery Girl aus Albany und Mononegatives aus London. Hier gibt es ein paar Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten. OK, ich fange an.

  • Beide Bandnamen beginnen mit einem "M". Sehr gut.
  • Beide Bands haben dieses Jahr ihre Debüt LP veröffentlicht. Ja, ist richtig.
  • Beide Bands sind auf No Front Teeth Records erschienen. Boah, stimmt auch.
  • Beide Bands kommen aus Nordamerika. Ok, na gut, ja.
  • Äääähm, beide Bands, äh haben ein Cover auf der Split Single beigesteuert.

MÄÄP falsch. Man könnte berechtigterweise glauben, dass sich Mononegatives an dem Rocky Horror Picture Show Klassiker "Time Warp" abarbeiten würden (und wie geil wäre das bitte?), aber leider ist dem nicht so. Dafür liefert das geheimnisvolle Mädel aber eine tolle Version des Songs "Tumble with me" der Glam Punker von den Hollywood Brats ab. Immherin.

Schöne Single von zwei tollen Bands, die man rein stilistisch wohl nicht allzu häufig in einem Zusammenhang erwähnt – und das ist ja gerade das tolle an Split Singles. Frohes Wochenende, oder so.

Fun Fact: Für Sammler von Mononegative Singles wird es langsam teuer, da auch diese 7″ mit 6 verschiedenen Coverfarben erschienen ist. Ähnlich wie bei NFT mit der "Sure Shock" damals. Jaja, Plattensammler sind prätentiöse Arschlöcher…

Quarantäne Playlist

Weil es so viel Spaß macht und ich jetzt endlich auch mal krank bin, verlängern wir nach großer Nachfrage unseren persönlichen Lockdown. Ich bin leider derzeit ein bisschen blöd im Kopf, also schlimmer als sonst, deswegen fallen die sonst so blumigen Umschreibungen zu den bestimmt ganz fantastischen Platten jetzt noch ein bisschen hohler aus. Und wenn euch was nicht gefallen sollte – diese Covid-Kacke kann ja angeblich zu Geschmacksverlust führen.

Stalled Minds – Shades LP

Hey, Telecult. So hätte euer Album klingen sollen. Jetzt musste ich da Ewigkeiten drauf warten, dass sich Stalled Minds aus Paris die Mühe machten, eine erstklassige Garage Pop Punk Rock LP zu veröffentlichen, die in die Kerbe von Marked Men und dergleichen haut. Toll. Eingängig. Wie mein Lieblingspulli im Herbst: dreckig, nicht mehr ganz aktuell, ausgefranst und doch das Beste, was man an den Regentagen (er)tragen kann.

Ballond’Or – S/T 12″

Verrückter Noise Pop Indie Punk Rock aus Tokyo. 14 Songs, 13 Videos, alles Hits. Ich versteh jetzt nicht, worum es da bei Ballond’or die meiste Zeit geht, aber so ist es ja eigentlich schon immer in meinem Leben seit ich in der Schule die Texte von Pur und Die Prinzen vergleichen musste. Das hat wohl irgendein kognitives Defizit permanent in mein Hirn geätzt. Naja.

Mononegatives – Frequencies Rotating Clockwise 7″

Was soll man da schon zu sagen? Neue Songs von Mononegatives sind immer eine willkommene Abwechslung im Alltagstrott. Zumal, wenn sie noch ein bisschen mehr in die DEVO Ecke kippen. Und zumal, wenn der Trott aus 12m² im Kreis herumlaufen besteht. Ich glaub, auf der Single, die bei Dowd Records erschienen ist, haben sie zum ersten Mal ihren eigenen Verzerrer eingebaut – den könnt Ihr auch für eure Heimorgel kaufen, wenn ihr mögt. Stark.

Rik And The Pigs – The Last Laugh LP

Oh ja. Richtig tolle Rock’n’Roll Platte von Rik And The Pigs aus Olympia, Washington. Die haben nun kürzlich bei Lumpy Records ihr drittes Album veröffentlicht, mit dem sie ganz großartig an die späten 70er Jahre des Punks erinnern. Irgendwie stellt sich da so ein Rocket From The Tombs, Dead Boys Vibe ein. Auch schön, dass das Label diese LP damit bewirbt, sie sei ein gutes Geschenk für Deinen Vater. Oder Opa. So alt sind wir also schon…

The Chisel – Retaliation LP

Wenn die Laune mal wieder in den Keller gefallen ist, kann man sich mit The Chisel selbst wieder aus dem Loch heraus befreien. Wie auf den Singles wird auch hier natürlich erstklassiger Oi Punk mit zu viel Melodie geboten. Ich hab noch nicht herausgefunden, ob das auch auf LP-Länge funktioniert, weil die ersten 4 Songs direkt so gute Laune gemacht haben. Bei La Vida Es Un Mus Discos erschienen. Auch ohne T-Shirt oder Single oder Kassette oder CD teuer.

Black Man…Or Astro-Man?

Also eigentlich wollte ich ja hier was Nettes über die neue Single von Man…Or Astro-Man? erfinden, aber mir ist gerade aufgefallen, dass heute auch schon wieder Black Friday ist. Und da kam ich auf die brillante Idee, heute alle meine Platten bzw. Bands mit "Black" im Namen zu hören. Wahnsinnig kreativ, oder?

Also sorry, ich hab gerade Bläck Fööss auf den Ohren und kann mich nicht mehr so gut an die Songs der "Space 1991" Single erinnern. Ich glaub, da war was mit Surf. Und gut, beide Songs gut. Ach nee, sind ja drei. Auch sehr gut. Der dritte Song.

Und ihr so? Kauft ihr auch ordentlich ein heute? Nein? Brav!
Die Single hier könntet ihr auf jeden Fall gar nicht kaufen, glaube ich. Die ist in den USA schon ausverkauft und in Deutschland noch gar nicht angekommen. Aber Internet geht ja auch.
Bei Chunklet Industries bereits im Oktober erschienen.

Ich hab keine Ahnung, wie eine Single von Gerhard Höllerich aka Roy fucking Black in meine Sammlung gekommen ist, aber versprochen ist versprochen. Schön ist es auf der Welt zu sein!

Schizos – Come Back With A Warrent 7″

Neuigkeiten aus dem Irrenhaus. Das Kind hat Covid17plus4 und ein persönlicher Lockdown steht an. Schnell noch Nudeln Schnaps und Immodium kaufen – falls uns das Klopapier ausgeht, hör ich einfach mit dem Kacken auf.
Was kann uns jetzt noch helfen? Eine neue kleine feine und schnelle Single von den Schizos aus New Orleans! Ratzfatz vorbei und macht volle Granate Spaß.

Die Jugs sind total verrückt und weigern sich, ohne Verzerrer auch nur einen Finger zu krümmen. Und so klingt dann der rotzige Garage Punk auch nach ein bisschen schlechtgelauntem Hardcore mit Reizhusten. Nach der fantastischen LP auf Sweet Time jetzt der Nachschub auf dem Label aus Nashville. So geht Rock n Roll heute – Titeltrack ist ein Hit. Obwohl, Ugly beweist auch durchaus Sing-along Charakter.
Schatz, sie spielen unser Lied. "I don’t wanna be ugly, but I already am."

Als zusätzlichen Kaufanreiz gibt es noch ein extrem hässliches Poster dazu mit dem Titel "Schizos Smokes". OK.

Werewolf Jones – Terminal Velocity

Pünktlich zum Vollmond erscheint ein neues Tape bei Tetryon Tapes von den Grunge-Hardcore-Punk-Rockern Werewolf Jones.
Zwar heult hier niemand wie ein bekloppt gewordener Hund und auch sonst ist der Sound nicht besonders gruselig, aber wer wird denn schon so viel Wert auf "Nomen est Omen" legen? Diesbezüglich stimmt hier zumindest nix überein. Doch wie sagte schon Bad Religion nach dem Veröffentlichen ihres Weihnachtsalbums? "Na und?" – Seht ihr, Namen sind Schall und Rauch.
Werewolf Jones zelebrieren hier auf dem Tape nach ihrer letzten großartigen LP bei Big Neck Records weiterhin den Sound aus Detroit und machen auf jeden Fall ziemlich viel Schall wie zu Nirvana’s besten Bleach Zeiten und zaubern aus recht simplen Melodien und Rhythmen einen angenehmen Klangflusenteppich, auf dem sich prima eine Crackpfeife rauchen lässt. Schall und Rauch, versteht ihr? Haha. Mega.
Die Kassette wurde vorgestern auf den Markt geworfen und ist bei Feral Kids Records käuflich zu erwerben. Geiler Scheiß aus Detroit!

Also wenn jemand diese Geschwindigkeit als "tödlich" bezeichnet, dann sollte er nicht bei meinen Kindern im Kettcar mitfahren.

Wunschzettelempfehlungskandidaten

Bald ist Ostern.

Sweeping Promises – Pain Without A Touch

Auch selten, dass ich was von Sub Pop hier präsentiere, ne? Müsste ich jetzt eigentlich auch nicht, denn die neue Single von Sweepin Promises erscheint gleichermaßen bei Feel It Records. Klassischer Post Punk Sound mit komischen Instrumentengepiepe und tollem Gesang und blubberndem Bass. Alles wie immer. Nächstes Jahr zu bestaunen in den schönsten Kellerstadien Europas.

Feed – S/T

Na sowas. Feed sind mir gerade beim Aufräumen des Browsers in den Blog gefallen. Hatte ich ganz vergessen, diesen quirligen Punk zeitnah zum Release hier zu beweihräuchern. Feed kommen ohne Bass aus, nehmen nur Gitarre und irgendein Quietschgerät, dazu Scheppern aus dem Schlagzeug und ein Sänger, der von der Oi Band aus dem Nachbar-Proberaum rübergekommen ist. Geiler Scheiß aus Hammond. Seit 06. November.

Good Looking Son – Fantasy Weekend LP

Der Sänger und das Mastermind hinter den Cowboys hat jetzt eine (andere) Soloband. Mama ist stolz. Ein bisschen mehr Soul als Cowboy und ein bisschen mehr Blues als Punk. Aber schon toll, wie sich der Herr Harmann verwirklichen kann und weiter entwickelt über die Jahre. Kennt ihr eigentlich Alice Knipstine? Tolle Künstlerin, die richtig gut malen kann. Sehr bescheiden, dass sie das beim Cover nicht so raushängen lässt und hässliche Scheiße abliefert. Feel it Records.

EUGH – Cassingle #2

Wie immer von eugh – ziemlich geiler Synth Punk. Danke, weitermachen.

Socio La Difekta – Kreski LP

Badabumm. Granatenstarker Hardcore von Socio La Difekta aus Tokyo mit allem, was Hardcore so toll macht. Nein, das sind nicht die Neck-Tattoos und Kniestrümpfe. Ich meine DIY Cover und zweistimmiger Gesang, der hinter der Musik her rennen muss und simple Gitarren- und Bassmelodien, die gemeinsam mit aggressivem Schlagzeug zu einer verdammt druckvollen Soundwelle verschmelzen und die Poser aus dem Unabhängigen Jugendzentrum herausspülen. Beach Impediment Records, natürlich!

Mark Murphy And The Meds – On The Brink LP

Gleich 4 Labels haben sich hier um das Release gestritten und dürfen nun alle ein Stückchen des Pop Punk Kuchens unter den Menschen verteilen. Bloated Kat, All In Vinyl, Brassneck und Horn & Hoof Records möchten Euch diese 10 Pop Punk Rock Nummern auf Vinyl andrehen und das mit gutem Grund. Oder besser, mit 10 guten Gründen. Wenn man denn diesen Kaugummi Queers Kram noch hören kann. Kann ich. Debut Album von Mark Murphy And The Meds. Ja!

Success – First Edition

Abgerundet wird die heutige Klassenfahrt mit Erfolg! Success aus New York machen ganz hervorragenden Post Punk, der nicht so verkopft New York Kram ist, wie man ihn manchmal bei Kunststudenten auf dem Plattenteller bestaunen kann. Das hier ist eher ein bisschen wirr und Punk, mit tollen Texten und versteckten Melodien, die zwischen den Stakkato Sounds irgendwo auf einer anderen Welle umherschwirren und dann im Hirn bleiben. Aus Versehen entfliehen die Gitarren und Synthmelodien dann auch mal ihrem Korsett und plänkeln wunderschön gegen den Plappergesang an. Toll!

The Warmbabies – Last Days Of Summer 7″

In Frankreich scheint der Sommer deutlich länger zu dauern als hierzulande. Zumindest faseln die Warmbabies von der französischen Riviera da was von den letzten warmen Tagen und Zucker im Kaffee und so Zeugs, dass man sich direkt aus der Herbstdepression herausgerissen fühlt und mit powerpoppiger Unterstützung den schleichenden Beginn der dunklen Jahreszeit noch einmal miterleben darf. Na, herzlichen Dank.

4 schöne Power-Pop Punk Nummern von den alten Herren aus Nizza, die das auch schon seit Ewigkeiten zelebrieren und mit Bands wie The Playboys, Dum Dum Boys, The Zemblas oder The Bratchmen einen gewissen Bekanntheitsgrad über den Strand am Mittelmeer hinaus erlangt haben. Aber was soll ich damit jetzt machen? Mich im November mit dem Surfbrett in die stürmischen Nordseefluten stürzen? Meinen Kopf auf den Grill legen und den Bratgeruch vergangener Sommertage inhalieren?

The Warmbabies – normalerweise eine wärmste Empfehlung für eine Fahrt bei offenem Fenster, um sich die Haare nach dem Baden trocknen zu lassen. Heute vielleicht eher eine Erinnerung an eine Erinnerung und dazu noch Schnupfen. Anfang Dezember erscheint die Single bei Snap Records, pünktlich, um sie als Weihnachtsgeschenk zu verpacken und mit nach Neuseeland zunehmen, wo tatsächlich noch das richtige Wetter für die Musik herrscht.

Eine absolute Empfehlung für frohmütige Dauerlächler. Eine Warnung für alle missmutigen Stubenhocker. Ich zum Beispiel als frohmütiger Stubenhocker oder missmutiger Dauerlächler bin hin und hergerissen.

Aborted Tortoise – A Album LP

Alaaf. Morgen ist Karneval.
Und die Vollidioten wollen das tatsächlich feiern, während wir die höchsten Zahlen überhaupt in dieser verschissenen Pandemie täglich aus dem Weltempfänger auf den Frühstückstisch gekotzt bekommen. Ich versteh das nicht.
Ist das schon immer so gewesen, dass man zum Beispiel auch während der Spanischen Grippe einfach Volksfeste gefeiert hat? Nein! Man hat sogar einfach aufgehört, Krieg zu führen, verdammt. Wegen Pandemie, sicher ist sicher. Diese dummbatzige Ignoranz ist unserer Generation also ganz exklusiv vorbehalten. Yeah.

Apropos. Aborted Tortoise aus Perth behaupten selber von sich, sie machten "stupid music for stupid people", also passt das vielleicht jetzt mal ganz gut in die Zeit. Musikalisch gesehen ist es eh egal, alles was hier rauf und runter dudelt ist anachronistisch. Das ist dem Genre Punk Rock inzwischen schon inhärent. So, genug Fremdwörter für heute.

Garage Punk aus Australien von ein paar zottelig lustigen Burschen, die auch schon seit 8 Jahren zusammen diese Band am Leben halten. Inzwischen sind sie mit dem zweiten Album bei Bargain Bin Records gelandet, wo immerhin auch die gehypten Chats unter Vertrag sind und Headlice auch – gute Stube also. 11 Songs, davon ein Surf-Instrumental, weil mans kann. Sehr schöne Platte, hätte ich auch so gemacht. Kann man auf gelbem oder schwarzem Vinyl kaufen und dann das doppelte an Versandkosten oben drauf. Aber vielleicht macht ja Bachelor wieder die Euro Pressung? Na, na?

Fun Fact: Sie bleiben sich treu und verabscheuen die richtige Verwendung des unbestimmten Artikels im Englischen. Erstes Album hieß noch "An Beach" und nun "A Album". Spaßvögel.