I Am The Fly – Demo 2020

Es ist ja fast schon erstaunlich, dass man hier bei I Am The Fly auf ein Duo stößt. Nein, nicht wegen des allzu wörtlich genommenen Namens der Band, sondern weil dieser Synth Punk ja heutzutage eigentlich vom Klo aus alleine mit einem klapprigen Amiga und der schrottigen Karaoke Anlage aus Papas Partykeller bewerkstelligt werden kann. Und leider auch viel zu oft wird.

Zum Glück haben die beiden „Musiker“ aus NRW es sich hier anders überlegt und können gemeinsam über schlecht und gut entscheiden, was schon einmal eine wesentlich effektivere Qualitätssicherung ist, als diese Ein-Mann-Shows von selbstverliebten Egozentrikern (ich zum Beispiel, haha).
Aber eigentlich wollte ich gar nicht so weit ausholen. Und immer so negativ, puh. Diese Isolation wirkt sich negativ auf mein Gemüt aus.

Hier, schöner Bandname, toller neuer Song. Synth Post Punk. Kann man so machen. Mehr, bitte.

Jetzt hör ich mir trotzdem Wire an. Zwinker.

Oswald Park – A Prescription Year

Meine Güte, hätte ich den Kram vor 10 Jahren abgefeiert. Hier kommt alles zusammen, was ich an kanadischem Pop Punk super fand: nämlich namentlich Jordy Bell.
Der Schlagzeuger von solch großartigen Bands wie The Creeps, Crusades, Cheap Whine (was soll das mit den „C“-Bands?) oder den Zebrassierers (immerhin ein „Z“) hat schon seit jeher an den Songs der genannten Bands mitgeschrieben und gesungen, warum also nicht mal alles alleine machen? Das ist ja heute sowieso chic, wer braucht schon nervige Bandkollegen, die einem das Bier wegtrinken.

Nach Ringo, Duncan und Bela nun also auch Jordy mit seinem Soloalbum! Yeah!

Und der Song, den man schon vorab hören darf (Young, Drunk and Stupid), geht am meisten in die The Creeps Richtung, wenn man Vergleiche aus seiner Vita heranziehen möchte. Irgendwie so ein bisschen Synthie und Pop Punk Geschrammel mit Adoleszenzproblemen eines 40-jährigen. Vielleicht doch näher an Bela, als man denkt, haha.

Hätte ich früher ziemlich abgefeiert, aber das hab ich ja schon gesagt. Und es ist immer noch ziemlich guter Pop Punk aus Ottawa, deswegen kleb ich mir das hier ja auch rein. Wäre bestimmt eine schöne Veröffentlichung bei Peter geworden (wir vermissen Dich jeden Tag, P.Trash!).

Jetzt erscheint das Album zunächst mal digital und dann auf fucking CD bei I Buy Records in Italien. Hm. Müsste es nicht I Sell Records heißen? Ach. Egal.

Dry Dreams – S/T

Ich bin ja kein ausgesprochen großer Fan von Sellerie. Ja, ich esse den Kram, aber ich würde mir das Gemüse jetzt nicht unbedingt auf den Unterarm tätowieren lassen. Obwohl, in einer Bloody Mary schmeckt das ganz gut. Na, egal.

Da komm ich gerade nur drauf, weil der Vogel von Dry Dreams das Hintergrundbild der Bandcampseite mit eben dieser vermeintlich gesunden Pflanze geschmückt hat. Weil das ja klar ist – Power Pop Punk Rock n Roll aus Chicago und Sellerie geht zusammen wie Jürgen Vogel und Zahnpasta Werbung.

Alle 6 Lieder wurden von Josh Rodin geschrieben, gespielt, aufgenommen, gemixt und das „Artwork“ hat der Mann auch gleich noch selbst erledigt, während er mit den Füßen Kaffee gekocht und mit der linken Hand Plätzchen gebacken hat. Blind. Mit Boxhandschuhen.

Würde gut in den Frühling passen, wenn wir nicht den gefühlten nuklearen Winter hätten. Augen zu und durch, Freunde.

Liquids – Nervous Sessions

Oha, ist das eine neue LP von den Liquids aus Indiana? Genug Material gibt es auf jeden Fall auf diesen nervous sessions, die anscheinend alle von Mat Williams alleine an einem Samstag eingespielt, eingesungen und von Erik Nervous aufgenommen wurden. Puh, das ist ja mal ein perfektes Power Duo.

Und so klingen die 12 Songs auch – ziemlich perfekter Punk Rock aus der fuzzigen Rotzecke mit genügend Melodie, um noch als Unterhaltungsmusik durchzugehen. Wie war das noch mal bei den Klitschkos und der Milchschnitte? Das hier ist auf jeden Fall mehr Bauch als Kopf.

Und die Texte laden auch zum besinnlichen Miteinander ein („I am dumb as fuck“ oder „I wanna throw up when I see your face„). Toll.

Kann das mal jemand auf Platte herausbringen? Oder arbeitet bei den Labels jetzt auch niemand mehr an den Plattenpressen? Hm.
Jetzt hab ich Bock auf Milchschnitte, Mist.

Nos Da – S/T

Mal was Neues aus dem Hause Recess Records. Das gibt es auch schon seit 30 (!) Jahren, meine Güte. Keine Ahnung, wie dieses sympathische Label von Todd Congelliere so lange so erfolgreich bleiben kann, wenn man zu Neuererscheinungen nicht mal ein kleines bisschen Werbung macht.
Ach, Scheiß auf Werbung – ein bisschen Information zu Band oder Platte würde mir ja schon reichen. Aber nix.

Ihr könnt ja mal euer Glück versuchen und ein bisschen was zu Nos Da herausfinden, wenn ihr die Band auch so toll findet wie ich. Erinnert mich stark an die großartigen Arrivals und an irgendeine Indie-Band, die mir entfallen ist.
Ein bisschen sentimentale Grundstimmung schwingt da so mit und das passt bei mir gerade in die Zeit.

Toll. Vielleicht bald tatsächlich auf Platte in Deutschland. Ich nehm eine.

Aha, lese gerade bei Facebook, dass hier Isaac Thotz (Arrivals/Treasure Fleet) seine Finger und Stimmbänder mit im Spiel hat – ich hatte also mit allem Recht. Ha!

Laffing Gas – It’s A Beautiful Day In The Gulch LP

Kurze Frage: Wenn man sich in der Jugend „Fuck The System“ auf die Stirn tätowiert hat und nun mitbekommt, dass sein Job nicht „systemrelevant“ ist, hat man dann alles richtig oder alles falsch gemacht? Frage für äh, einen Freund?

Nun denn, in diesen schlimmen Zeiten haben immerhin die Laffing Gas noch einen wunderschönen Tag in der Schlucht, was man auch auf ihrer jüngst veröffentlichten LP hören kann. Hardcore Punk mit der guten Sorte Melodie. Das haben die schon auf ihren Demos so zelebriert, aber hey, das ist ja über 5 Jahre her, da hätte man ja nicht mehr mit einem Release der 4 Jungs aus Bloomington gerechnet.

Aber seht her – hier ist das beste Stück Midwestern Hardcore Punk 2020!
Ich mein, hört euch mal „Don’t Ask Me“ an, dann wisst ihr, was ich meine. Richtig guter Bass und Gitarrensound, der von einem angepissten Hardcore Sänger par excellence verfeinert wird. Außerdem hab ich selten so viel Ridebecken im Hardcore gehört. Voll gut.

Die ersten hundert limitierten LPs sind wohl schon weg, also seht zu – auf schwarz sind die bestimmt eh viel besser. Und ansonsten: Fuck The System!

The Violent Thing – It’s Over For Me

Sehr gutes Demo von einer neuen, frischen Band aus Asheville in North Carolina. Die Band setzt sich laut eigener Aussage zusammen aus Pferdetrainer, Gartenbauer und zweimal Akademiker. Moment, hieß so nicht ein NOFX Album? Hm, egal.
Macht mit dieser Information, was ihr wollt, mir erschließt sich auf jeden Fall keinerlei Zusammenhang zu den 6 Songs.

Obwohl, streng genommen sind es 5 Songs, denn einer davon ist instrumental, heißt „blinds“ und wird danach mit „sdnilb“ noch einmal gespielt, allerdings mit Text. Hab ich auch nicht verstanden.

Aber die anderen 4 Lieder von den Violent Things sind wirklich gut. Mindestens 3 Hits dabei, wenn nicht sogar zwei tolle Lieder und ein richtig super Ohrwurm.
Punk Rock, wie ich ihn seit den frühen Audacity nicht mehr gehört hab. Dazu noch mit einer Frau am Gesang. Super.

Kostenloser Download bei Bandcamp – ich weiß doch, dass ihr alle pleite seid.

Outtacontroller – Sure Thing LP

Hey. Die Sonne scheint und die Straßen sind genauso leer wie die Köppe meiner Mitmenschen und die Regale im Supermarkt. Keine Konzerte, Kinos oder Kneipen geöffnet – also die perfekte Zeit, sich auf die Veranda zu hocken und die neue LP von Outtacontroller in voller Lautstärke den Nachbarn um die Ohren zu knallen.

OK, eine Fensterbank oder ein Klo tuns auch, die 10 Songs von den 4 Kanadiern aus Halifax klingen überall ziemlich gut und wenn man mal drüber nachdenkt, ist die Akustik auf so einer Toilette bestimmt sogar besser als im Freien auf meiner großzügigen Front Porch.

Außerdem bringt die Band diese optimistische Welle von Frühling und Scheißegal Stimmung mit, die so typisch für den kanadischen Power Pop Punk Rock ist.
Ich brauch das gerade mal. Falls ihr mich sucht, ich sitz da vorne auf dem Schaukelstuhl.

Wenn ihr das auch auf bunter oder schwarzer Platte haben möchtet, dann könnt ihr das bei Alien Snatch bestellen.

Huolet ja Murheet – Se on vain pysyvää

Habt ihr eigentlich auch die ganze Zeit diesen tollen Song von Minutemen im Ohr? Also bei mir läuft die markante Textzeile auf Dauerschleife im Kopf…“I only had a Corona.“
Da bekommt man ja direkt wieder Bock, die ersten Staffeln von Jackass zu schauen, als der Klamauk noch irgendwie lustig war. Aber dann besinne ich mich eines Besseren und schaue Trio mit vier Fäusten. Weil ja kein Fußball ist, ne.

Auch so ne Sache. Jetzt nimmt man den gelangweilten Europäern am Wochenende ihren Fußball, ihre Kneipen und ihre Konzerte, Museen, Theater und Kinos weg und erwartet dann, dass sich die Lage beruhigt. Uiuiui.

Jetzt sind alle gesund aber schwer frustriert, weil sie sich mit ihrem Leben und ihrer Familie auseinandersetzen müssen. Ha! Ich gehe mal davon aus, dass wir in spätestens zwei Wochen eine Welle von häuslicher Gewalt erleben oder in 9 Monaten einen rasanten Zuwachs der sogenannten Corona-Kids.

Naja, ich für meinen Teil hab noch ein paar Dinge auf meinem Zettel stehen, die erledigt werden müssen. Da kommt kein Frust und keine Langeweile auf. Zum Beispiel wäre es mal an der Zeit, Finnisch zu lernen.

Außerdem warten ein paar alte, aber vielleicht noch brauchbare Batterien darauf, angeleckt zu werden.

Bacchae – Pleasure Vision LP

Heute eine Empfehlung unseres Freundes Brian Gorsegner, der seines Zeichens Sänger bei den Night Birds ist und man deswegen vielleicht auch eine ähnlich entartete klingende Band erwarten könnte.
Doch weit gefehlt, ihr Narren.

Nebenberuflich macht Herr Gorsegner nämlich noch Schnittchen für die Wired Tourbooking Agentur und da taucht die Band, um die es heute geht, auch tatsächlich in der Liste auf. Nur, damit ihr wisst, wie ich so auf die Musik hier komme.

Bacchae also, gesprochen wie Bock Ei, kommen aus Washington D.C., sind zu viert und machen richtig guten Post Riot Grrl Pop Punk Indie Gedöns, der von Zeit zu Zeit von ein paar Synthies unterstützt wird und somit voll in die Zeit passt.  Bacchae (zu Deutsch die Bakchen) ist eine Tragödie des griechischen Dichters Euripides, der damit tatsächlich 405 vor Christus einen Sack Bohnen gewonnen hat. Da war er allerdings schon tot.

OK.

Die Leute in der Band wissen ziemlich genau, wie man die Pausen zwischen den fantastischen Gesangslinien von Katie und Rena mit schicken Akkorden anfüllt und darüber hinaus auch noch Spannung und Spaß miteinander vereint. Hä? Ja, hab ich auch selber nicht verstanden, aber das Album klingt insgesamt so gut und intelligent und hochtrabend, da hab ich Minderwertigkeitskomplexe bekommen. Bockei, ob es in 3000 Jahren auch Bands gibt, die sich nach einer Netflix Serie benennen? Hm.

Kann man bei Deathwish im hübschen Babyblau vorbestellen. Ziemlich tolle Platte! Von J Robbins produziert. Von Brian Gorsegner abgesegnet. Von mir gehört.