Gad Whip – Post Internet Blues LP

Wieder einmal hervorragender Scheiß auf Vinyl aus dem Hause X-Mist: Gad Whip, ein Trio aus England (Yorkshire, I believe), das sich irgendwie auch in diesem Post-Punk Universum verloren hat, in dem The Fall und Sleaford Mods ausgebrannt und zu einer Supernova verschmolzen sind. Das zumindest sagt so ziemlich jeder als Referenz, der sich dieser Band bisher gewidmet hat. Na, meinetwegen.

Man hört also etwas Sprechgesang und etwas Gitarre und ein taktgebendes, treibendes Schlagzeug. Alles gar nicht mal so minimal wie bei den angeführten Bands, sondern teilweise richtig klangvoll. Mir würde da vielleicht noch Listener zu einfallen, aber auch nur ein bisschen. Tolles Album, endlich auf Vinyl. Die Kasper haben nämlich zuvor bereits fünf Alben veröffentlicht, allerdings lediglich auf Kassette.
Vielleicht liegt es daran, dass die Band ein bisschen zurückhaltender geworden ist? Der Post Internet Blues ist zumindest meiner Meinung nach das zutraulichste Album der Band bislang, wenn man dem Sänger Pete Davies nicht allzu sehr beim Schimpfen zuhört – so gesehen nicht zahm, eher der Wolf im Schafspelz.

Die ersten 50 LPs sind im hübschen clear/swirl Vinyl unterwegs und klingen noch besser als die usseligen schwarzen Scheiben. Schnell schnell!

The Cool Greenhouse – London 7″

Wo wir gerade beim Wetter waren. Hier eine schöne Idee: the cool greenhouse! Wer sagt denn eigentlich, dass diese Dinger immer heißer und heißer werden müssen? Die können ja auch mal kühlen. Hahahahahaha. Ach, ich weiß es doch auch nicht.

The Cool Greenhouse ist auf jeden Fall eine relativ neue Band aus London, bei der ich gar nicht so genau weiß, ob es sich nicht bloß um einen einzelnen dünnen Typen handelt, der alles alleine macht. Die Musik wirkt jetzt jedenfalls nicht so unfassbar eloquent, als dass es eine richtige Band hätte einstudieren müssen. Aber egal, sowas heißt heute einfach Post-Punk. Auf jeden Fall hat er mit der Single „London“ 2 lustige Songs bei Market Square Records veröffentlicht, die auch recht zügig ausverkauft war.

Musikalisch ist das natürlich irgendwie total repetitiver Scheiß, der nicht mal besonders originell ist, aber Text ist gut und Performance ist gut und irgendwie ist dann auch die Stimmung gut. Den Song und den Text von London kann man wahrscheinlich mit anderen hippen und teuren Städten einfach mal gleichsetzen und sich über die Absurditäten erfreuen. Dazu kann man sich auch ein nettes und buntes Video ansehen.

End of the World ist dann kein Cover von R.E.M., sonder eher eine willkommene Erleichterung, dass der ganze Scheiß endlich vorbei ist. Der Typ hat netten Humor – kann man sich für 2 Songs mal drauf einlassen.

Personality Cult – s/t LP

Hier, nur mal ganz kurz – es ist zu heiß und ich muss zurück ins Planschbecken. Mögt ihr Buzzcocks, Marked Men und/oder kanadische Garage/Powerpop Bands? Nein? Geht kacken. Ja? Dann sind die vier Jungs aus North Carolina von Personality Cult genau das Richtige für Euch.
Das Debüt Album ist gerade bei Drunken Sailor erschienen und bietet für das Genre recht abwechslungsreiche 10 Lieder. Find ich ziemlich gut, bester Song wahrscheinlich nach dem ersten Hören „Brazen„.
Nach mehrmaligem Hören bestimmt…boah ne, sorry. Zu warm – wir sehen uns, wenn die Hitze nicht mehr stimmungsfeindlich ist.

In der Zwischenzeit – geile Band.

Frana – Awkwardwards LP

Keine Ahnung, warum ich mit Mailand immer das Attribut „hässlich“ verbinde, es soll ja eine so schöne Stadt sein. Aber wenn man nie da war und nur an der Stadtgrenze entlang zu den wirklich schönen Orten Italiens fährt, springen einem nur -nun ja- hässliche Gebäude ins Gesicht, die man schnell hinter sich lassen möchte. Die haben den Dom halt nicht an die Autobahn gebaut damals und Leonardo da Vinci hat sein „Abendmahl“ auch nicht an eine Brücke gesprüht. Also hässlich. Aber auch dorther können sehr schöne Sachen kommen. Zum Beispiel die vierköpfige Band Frana.

Mit ihrem Debüt Album Awkwardwards zaubern die Italiener eine Reminiszenz an 90er Jahre Post Hardcore auf den Plattenteller. Vielleicht würden Hot Snakes/Drive like Jehu so klingen, wenn sie aus Washington D.C. kämen? Ihr könnt euch den Rest ja denken. Etwas vertrackter Gitarren Punk Rock Post Post Post Kram, der ziemlich nach vorne geht und von kraftvollem Gedudel und geschickt eingesetzten Tempowechseln bestimmt wird. Dazu sehr feine Melodien vom Sänger vorgetragen, mal mehr und mal weniger Noise, tolle Dynamik und dazu noch abwechslungsreich.

Frana bedeutet auf Deutsch wohl so viel wie Erdrutsch, aber soweit würde ich hier nicht gehen und will auch keine billigen Bilder abliefern, wie der Sound der Platte ist oder so. Das überlasse ich dann den Schreiberlingen, die pro Metapher bezahlt werden. Die Band gibts auf jeden Fall schon seit ungefähr 5 Jahren und (Fun Fact) die haben auch mal eine Split 7″ mit den von mir geschätzten Opiliones gemacht.

Tolle Platte, auf so einigen Labels erschienen. Antena Krzyku, Vollmer Industries, Brigante Records, Entes Anomicos, Hidden Hands Records, Violet DAM und Oh! Dear Records. Das Cover ist ziemlich hässlich, aber ist halt Mailand, ne? Dennoch eine Kaufempfehlung!

VNLVX – Is Unlux LP

Welche Band hat eigentlich mit diesem Unsinn angefangen, den eigenen Namen ausschließlich mit Großbuchstaben und ohne Vokale zu schreiben? Und dann auch noch die eigentlich vorhandenen „U“s gegen ein „V“ austauschen? Ok, vielleicht etwas zu eng gefasst. Wer hat mit diesem Scheiß angefangen, dass man erst einmal 5 Minuten überlegen muss, wie die Band eigentlich heißt? Ich mein, da gibt es ja dann auch scheinbar keine Regel? Sonst müssten ja in diesem Beispiel RVIVR so wie „Ruiur“ ausgesprochen werden? Fun Fact: Auf dem Album ist ein Song, der – ebenso wie eine RVIVR EP – „Dirty Water“ heißt. Haha – Wahnsinn.

Die Band VNLUX (gesprochen Unlux, wie uns der Albumtitel verrät) hat auf jeden Fall mehr zu bieten, als nur verwirrende Buchstabenkombinationen. Mit drei Kerlen an den Instrumenten und ein Mädel am Gesang machen die 4 ziemlich fantastischen Punk Rock mit einem Bein im Indie- und Fuzzsound der 90er und dem anderen fest verankert im Heute und Hier. Daraus ergibt sich ein musikalischer Spagat, der mit einer sehr schönen Stimme und einem exquisiten Songwriting hervorragend funktioniert. Der Bass und das Schlagzeug wummern im Hintergrund konsequent fast schon melodisch vor sich hin und bieten einen breiten Teppich für die mal fuzzige, mal quietschige Gitarre. Darüber liegt dann die großartige Stimme von Sasha, die versucht, jedes „U“ wie ein „V“ klingen zu lassen…

Nur Spaß, aber die ziehen diese Sache tatsächlich durch, wie man zum Beispiel bei den Songs „Vneasy“ oder „Only Yov“ erkennen kann. Auf Facebook geben sie im übrigen auch an, dass sie aus „Ventvra, California“ kommen. Naja, vielleicht ist ja auch einfach nur das „U“ auf der Tastatur kaputt.
Die Band arbeitet an einem 2. Album, da freu ich mich drauf, vielleicht gibts das dann auch auf LP, bislang ist das nur auf Kassette oder digital veröffentlicht – liegt wohl an Burger Records.

Das Album könnt ihr euch im übrigen kostenlos herunterladen. Nett, ne?

Würst Nürse – Hot Hot Hot Ep

Haha, großartig! Da fallen mir mal gar keine sarkastischen oder dummen Kommentare zu ein. Der Name ist super, zumindest für eine Band aus Australien. Das Konzept ist lustig, die erste und einzige und beste Krankenschwester-Punk Rock Band zu sein. Das ziehen die 5 Mädels dann auch textlich durch und singen ziemlichen Quatsch zusammen, der irgendwas mit Ärzten, Krankenhäusern, Chirurgen und derlei Themen zu tun hat.

„If you cut my pay – I’ll cut your oxygen“

Dazu der Name der EP, der einfach nur die drei Songtitel auflistet, die alle mit „hot“ beginnen. „Hot Doctor“, „Hot Brown Rain“ und „Hot Surgeon“ – mein Humor.

Und dann passt natürlich auch die Musik. Würst Nürse aus Melbourne spielen ziemlich souverän rotzigen Garage Punk im mid-tempo Bereich. 4 Songs in 13 Minuten spricht für sich – das ist kein Hardcore. Ich fühlte mich bei der Stimme von Georgia Maq (kennt man vielleicht von Camp Cope) bei den rotzigeren Parts ein bisschen an Amyl and the Sniffers erinnert, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich nicht so unfassbar viele australische Bands kenne, bei denen eine Frau singt. Ziemlich genau 2. Seit heute. Ich bin gespannt, ob das auch auf einer LP funktioniert und nicht ziemlich schnell eintönig wird. Hier funktionierts auf jeden Fall.

Die EP kam jetzt kürzlich auf Kassette raus. Kann man in den Versionen „erotic“ oder „necrotic“ bestellen. Haha, geil.

Future Girls – Motivation Problems LP

Die Future Girls aus Portland sind eine vierköpfige Truppe rund um Matty Grace, die auch bei Outtacontroller, Fat Stupids, Weekend Dads und anderen Bands ihr Unwesen treibt. Und scheinbar ist sie damit nicht ausgelastet, denn eigentlich startete das Projekt „Future Girls“ nur als Zigarrenbox für ein bisschen Songwriting, welches neben den genannten Bands noch so anfiel. Dann kamen aber wohl so viele gute Sachen zusammen, dass sie sich ein paar nette Leute gesucht und nun mit den Future Girls eine feine LP aufgenommen hat.

Thematisch bewegt sich das Ganze rund um Geschlechtsidentitätsstörungen, Depressionen und „geografische Isolation“, wenn man der Beschreibung auf Bandcamp Glauben schenkt; ich verstehe beim bloßen Zuhören ja oft nicht den Sinn hinter den Lyrics und benötige dann einen Blick in den Beipackzettel. Ihr müsst das also entweder einfach glauben oder selber mal hinhören, wie diese Motivationsprobleme textlich umgesetzt wurden. Musikalisch ist das auf jeden Fall genau die Schublade, in der hier auf diesem Dings gerne gekramt wird. Irgendwas mit Punk Rock aus Portland auf Dirt Cult – reicht mir ja meistens als Qualitätsmerkmal.

Eigentlich wollte ich aus diesen Gründen gar nicht erst was über Future Girls schreiben. Weil es ja doch immer wieder der gleiche Kram ist. Aber ich habe beim Hören der Songs wiederholt das Gefühl gehabt, diese Stimme irgendwoher zu kennen und musste mich dann dabei ertappen, dass ich diese Band mit einer alten Leiche im Keller meiner Plattensammlung in Verbindung bringe. Das Quäkende da aus den Lautsprechern ähnelt der zurecht unbekannten Band „The Go Faster Nuns“ aus dem Süden Deutschlands. Eine Band, die irgendwann mal in den 2000ern unterwegs war. Könnt ihr mal vergleichen. Ja, und das finde ich so wahnsinnig interessant, dass ich es hier aufschreibe. Was ist los mit mir?

Lucy and the Rats – S/T LP

Lucy and the Rats kommen aus London und dem Jahr 1979, inklusive der Lederjacken und Frisuren. Trotzdem geben sie vor, ihr neues Album erst letzten Monat veröffentlicht zu haben. Ich müsste das mal gründlich recherchieren, ob da nicht eine Blaupause irgendwo in den Kellern der englischen Hauptstadt rumliegt, die eine Anleitung für super eingängige Melodien liefert. Anders kann ich mir das jedenfalls nicht mehr erklären.

Aber hört mal her, hier kommen ein paar wunderbare Dinge zusammen. Ein sehr tolle Stimme (Lucy), großartige Gitarre (Joe to Lose – schon geil bei Johnny Throttle) solider Bass und ein Schlagzeug aus Spanien. Zumindest soll es sich hier um Manu von Thee Tumbitas handeln und die kamen aus Vigo. So funktioniert also dieses Europa. Toll.

Auf dem Album wird einem zehnmal Gitarrenpoppunk mit der Zuckerwatte um die Ohren gehauen. Und immer dann, wenn es fast nicht mehr zum Aushalten ist, weil man denkt, „boah nee, das wird jetzt aber mal zu kitschig, das is doch kein Punk mehr“, ist der Song auch schon vorbei. So bleiben Kaugummi-Melodien im Kopf und das Bein will nicht aufhören zu wippen. Schon cool.

Bad Shadows – Voices in the Dark LP

„Leute, hey Leute, ich habe ne großartige Idee. Wir müssen einfach nur unseren Namen ändern, die alten Songs spielen – das merkt eh keiner – und dann noch ein paar Lieder von den White Wires so umschreiben, dass es nicht sofort auffällt. Vielleicht schenkt man uns dann mal ein bisschen mehr Beachtung.“

„Und Du meinst, das ist nicht zu plump, wenn wir stumpf alte Sachen kopieren?“

„Wir kommen aus Portland, stumpfer Anachronismus ist bei uns im Trinkwasser.“

„Ok, aber hast Du das nicht schon mit The Cry so gemacht? Das wird ja langsam peinlich, immer den gleichen Kram in anderer Besetzung zu dödeln.“

„Quatsch, gute Pop Musik wird immer gekauft. In Kanada haben die Punk Rocker da oben auch nur einen Song geschrieben, der seit 15 Jahren immer wieder nachgespielt wird.“

„Naja, wenn Du meinst – dann lass uns aber wenigstens einen coolen Namen wählen und ein geiles Artwork für die LP machen.“

„Deal!“

„Vielleicht hätten wir nicht unbedingt mit dem ersten Song des Albums die Lüge auffliegen lassen sollen. Oder zumindest den Titel ändern oder so. Und der Bandname ist auch irgendwie kacke. Was sollen denn „Bad Shadows“ sein? Gibt es dann auch „Good Shadows“? Und wie sehen die dann aus?“

„Alter, Du denkst zu viel nach. Das ist Punk Rock Garage Rock’n’Roll Pop Gedöns. Namen sind hier Schall und Rauch, nur die Melodien bleiben. Und nächste Woche machen wir einfach ne neue Band und spielen den gleichen Scheiß. Was hältst Du von dem Namen „The bleak Sheik“?“

Espectrostatic – Curios

Oh, cool. Es ist ja der 1. Juni – heute kommen tausend neue Platten raus und verlangen wie nörgelnder Kinder nach Aufmerksamkeit. Hier hier hier hier hör mal hör mal hör mal schau mal schau mal. Da hab ich aber gerade keine Zeit für, sorry kids.
Die einzige Ausnahme ist eine Zusammenstellung von Raries, Demos und Samplerbeiträgen des großartigen Alex Cuervos mit seinem Horror-Synthie-Kram unter dem schönen Namen Espetrostatic!
Super! Auch hier gilt wieder, der Sänger der genialen Hex Dispensers hat bei viel zu vielen Horrorfilmen mehr zugehört als zugesehen – das machen immer diese ängstlichen Typen, die dann mit den Händen vor den Augen nur die Hälfte der Handlung mitbekommen und später den Film nicht verstanden haben. Ugh! Allerdings hat das in diesem Fall auch etwas Gutes, denn so hat der Alex anscheinend viel von den musikalischen Untermalungen der gruseligen Szenen besser im Geiste aufnehmen können.
Und das Resultat ist nun eben seine eigene Vorstellung von gutem Synthie-Kram à la Carpenter. Geiles Zeugs. Leider nur digital.

Ach, ich mach mal ein bisschen Urlaub. Aber das merkt ihr dann schon sicher selber. Bis denne.