Radio Days – Walk Alone 7″

Wusstet Ihr eigentlich, dass wir in Europa ein sehr interessantes Nord-Süd-Gefälle haben, wenn es um Bezahlung im Internet geht? Das ist spannend, was? Jaja!

Im Norden wird fast ausschließlich mit Karte oder irgendwelchen Internetzahldienstleistern bezahlt; hey, die bezahlen sich sogar auf Flohmärkten digital gegenseitig per Telefon. Ist das schon diese unterkühlte Mentalität, die zurückhaltende Arroganz, die man den Skandinaviern nachsagt? Oder isses zu kalt im Norden für Münzen, weil die immer an der Zunge festfrieren, wenn man schauen will, ob es Falschgeld ist? Hm.

Im Süden hingegen klimpern sie ja gerne in den Taschen und bezahlen auch ihre Käufe im Internet liebend gerne per Nachnahme. Da würde es sich noch lohnen, die Postboten zu überfallen, hehe. Manche sagen ja, diese Barzahlungsneurose ist dem vielen Schwarzgeld geschuldet, das gewaschen werden muss.

Tja, ich weiß es nicht. Ist mir nur eingefallen, als ich gesehen hab, dass hier eine italienische Band auf einem spanischen Label eine neue Single herausgebracht hat – und weil ich von Vorurteilen zerfressen bin, hab ich das direkt hier aufgeschrieben. Radio Days haben zwei neue Power Pop Stücke für den Herbst an den Start gebracht und netterweise noch einen David Bowie Klassiker für den Winter aufgearbeitet. Kann man so machen. Sehr entspannend.
Bei Snap erschienen.

Wer ne 7″ haben will, muss im übrigen dem Label ne Mail schreiben (kein Witz) und dann höchstwahrscheinlich einen Batzen Bargeld im Briefumschlag schicken (vielleicht Witz).

The Reflectors – Faster Action LP

Das neue Album von den Reflectors aus dem sonnigen Kalifornien plätschert ganz wunderbar in den Spätsommer Süddeutschlands hinein. Das passt hervorragend zu den letzten warmen Tagen mit Balkon und Garten und Autofenster auf beim Gassigehen mit dem Rauhaardackel.

Geboten werden auf dem Album je nach Medium 11 – 12 Zuckerstückerl, die irgendwo zwischen den Speedways, Undertones und tausend anderen Teenage Power Pop Punk Bands angesiedelt sind und so den perfekten Soundtrack für das Federball-Turnier am Strand bieten. Erfrischend unkompliziert und leicht; so wie das Gefühl nach dem dritten Bier oder wenn man sich ein bisschen zu doll den Kopf an dem verdammten Deckenbalken stößt.

Faster Action ist schon das zweite Album der Band, die es eigentlich erst seit zwei Jahren gibt. Aber die Jungs konnten vorher auch schon gewaltig üben, als sie bei den großartigen IMAGES gespielt haben. Daraus rekrutiert sich die Band nämlich zu 75%.
Die LP erscheint demnächst bei Snap Records (Spanien) und Beluga Records (Schweden) und Time for Action Records (Deutschland). Ein paar limitierte Platten sind wohl schon weg, aber die schwarzen kann man auch vorbestellen. Toll.

Fun Fact: Auf dem Album gibt es einen Bonus Song, der nur auf der CD vorhanden ist. Naja, und bei Bandcamp. Hallo Reflectors, die 90er haben angerufen und wollen ihren CD-Wechsler zurück haben. Ha.

The Wind-Ups – Try Not To Think LP

Ganz toller Power Pop Garage Punk aus dem Hause von Jake Sprecher, den ihr ja alle von Beehive kennt. Oder Smokescreens. Oder Terry Malts. Nein?
Na sowas aber auch.

Ein schönes Debüt Album ganz alleine eingespielt und aufgenommen von der Ein-Mann-Band The Wind-Ups aka Jake Sprecher. Die perfekte Mischung aus alten Melodien von der Ostküte der USA (Ramones) und neuen anachronistischen Klängen von der Westküste (Sweet Reaper). Kann man sich auf Platte vorbestellen oder einfach nur immer wieder in der Schleife digital hören, bis auch das letzte Stück Kaugummi verdaut und wieder ausgekackt ist.
Chucks an, Skateboard raus und ab geht der Luzifer!

Am 14. Juli digital erschienen und bei Mt. St. Mtn. Records demnächst auf LP. Geiler Scheiß aus dem sonnigen brennenden Kalifornien.

Wie? Die spuckt man aus?

Suitor – Communion CS

Habt ihr das gehört? Nachdem der eine Kackvogel bereits letzte Woche bis kurz vor das Weltall geschossen wurde, aber leider wieder unbeschadet zurückkehren konnte, versuchen sie jetzt, den anderen Scheißtypen in die ewigen Weiten des Weltraums zu katapultieren.

Ich drücke alles, was ich hab, und wünsche gutes Gelingen! Aber warum erzählt man mir bitte so einen Quatsch in den Nachrichten? Hat man nicht gelernt, aufmerksamkeitsgestörte Kinder auch mal zu ignorieren, damit sie eben nicht immer im Mittelpunkt stehen? Ach, ist das langweilig.

Hey, wenn ich spacige Nachrichten hören will, pack ich mir die neue Suitor auf die Ohren. Da hab ich länger was von und zahle gerne ein paar Mark dafür. Eigentlich sind das auch gar keine Neuigkeiten von dem Duo aus Cleveland, sondern vielmehr eine Kompilation ihrer Veröffentlichungen aus dem letzten Jahr. Und deswegen überrascht jetzt auch der Sound nicht so wahnsinnig, der besteht immer noch aus dreamy Power Pop bis Garage Post Punk.

Sehr eingängig, entspannend, tanzbar und sympathisch. Plus, man bekommt mit dieser neuen Kassette zwei extra Songs, die noch unveröffentlicht waren. Alles ab dem 30. Juli bei Just Because Records.
Cool.

Das Beste daran ist, die Musik erscheint nicht bei Virgin Records und wird nicht bei Amazon verkauft. Hoffe ich. Glaub ich. Keine Ahnung.

Jenny – Trajinero b/w Kids Of Today 7″

Guten Morgen, Freunde!
Lasst uns mal ein bisschen powerpoppig in die neue Woche starten. Ich hab so das Gefühl, dass es in den kommenden Tagen nicht unbedingt besser wird mit Schreckensnachrichten und dafür brauchen wir eine extra Portion Zuckerwatte mit Melodie.

Da kommt die neue Single von den Punk Pop Rockern aus Los Angeles gerade richtig. Jenny beweisen hier wiederholt ihr Händchen für eingängige und zeitlose Melodien, wie es Justin Maurer eigentlich bei allen seiner vorherigen Bands ebenso zelebriert hat – siehe Clorox Girls oder Suspect Parts. Der Typ kann anscheinend nur einen Song schreiben, der dann aber immer super ist. Faszinierend.

Und damit das niemandem auffällt, singt er hier bei einem Song einfach mal auf Spanisch. Gute Idee! Da gibt es sogar noch ein schickes Video zu. Toll.

Erscheint in Deutschland bei Wanda und kann vorbestellt werden. Prima!

Neben Jenny Piccolo und Julia und Nancy ist das die vierte Band mit einem Frauennamen in meinem Regal. Was soll das eigentlich? Bands mit Frauennamen ohne Frau? Gibt es sowas auch andersrum? Ne Frauenband, die Horst heißt? Hm.

Mr. Teenage – Automatic Love 7″

Ahhh, schön. Vielen Dank, Mr. Teenage. Gerade richtig zu dem Lockdown (light)™.

Hier kann man sich ein bisschen Sonne ins Leben holen mit der Debüt 7″ dieser Power Pop Band aus Melbourne.
Das tut gut auf den Ohren, wenn man im Regen steht und alles dunkel ist und nicht mal die Bar um die Ecke auf hat, in die man nun wirklich gerne gehen würde, obwohl es da nach alten Männern und Pups riecht, weil man nicht mehr rauchen darf.
Aber scheiß auf Pups (haha); in der Bar konnte man anderen Verlierern beim Verlieren am Automaten zusehen und alte Menschen riechen halt komisch, weil der Geruchssinn sich nun mal als erstes verabschiedet, wenn die Sinne flöten gehen.
Das ist doch auch irgendwie fair. Sehen, Hören, Fühlen, Schmecken geht noch, während man vor sich hinstinkt. Ich nenne es Zuversicht.

Ach so. Sorry. Hm, nee, zu der Band und dem Release hab ich eigentlich alles gesagt.
4 Songs, die ein bisschen leckere Marmelade auf Dein ödes Toast schmieren. Ein bisschen Sprudelstrudel für dein stilles Wassertreten.

Die 4 sympathischen Teenager mittleren Alters haben diese Single bereits Anfang Oktober selbst veröffentlicht. Voll gut!

Itchy Self – Here’s The Rub 12″

Zeitlose Musik, dieses Power Pop Punk Gedöns.

Die 5 Songs von den Itchy Self aus Montreal könnten so auch aus den 70ern stammen.

Vielleicht tun sie das sogar! In den Zeiten von populären Verschwörungstheorien muss ich jetzt einfach mal mitmischen und behaupten, dass 80% der Power Pop und Garage Rock Platten aus Kanada und Australien eigentlich uralte Aufnahmen der Eltern von Milli Vanilli aus den 70ern sind. Beweist mir das Gegenteil, ihr Luschen.
Habt ihr die Bands live gesehen, oder was? Na also.

Hört mal, das ist doch eindeutig von Frank Farian produziert. Und ist der Typ da auf dem Cover nicht der eine Vogel von der R.A.F.?
Na gut, der Song über MTV dient jetzt nicht unbedingt meiner These, aber jede gute Verschwörungstheorie braucht ja bekanntlich auch ihre Angriffsfläche.

Geiler Scheiß. Ist Anfang Oktober bei Celluloid Lunch Records erschienen. Aber Versand.

Radar – S/T CS

Die Info sagt, Radar klänge wie Marked Men, wenn diese Pop-Punk machen würden. Hm. Bisschen faule Beschreibung, wenn ihr mich fragt, aber passt schon.
Ich mein, dann könnte man auch sagen, die Toten Hosen klingen wie Pascow, wenn die Volksmusik machen würden. Aber wie gesagt, passt schon.

Ich höre da bei den 4 Songs eine Mischung aus den großartigen Baby Ghosts und den fantastischen Radioactivity heraus – Radar müsste dann dementsprechend großtastisch oder fantartig meine neue Lieblingsband sein.
Joa, warum nicht – hier gibt es schließlich super poppige Melodien, die rotzig genug vorgetragen werden, um noch Punk Rock zu sein. Voll gut.

Die Kassette erscheint bei Dead Broke Rekerds und das heißt, ich kann mir den Versand nicht leisten. Ich glaub, ich frag mal, ob ich die auf Platte pressen darf. Ist inzwischen echt günstiger, das alles selber zu machen, als die horrenden Zoll-, Verpackungs- und Portokosten zu bezahlen.

Garage Pop Punk aus Brooklyn. Geiler Scheiß.

Ein anderes schönes Palindrom ist zum Beispiel Legovogel.

Latitude – Mystic Hotline LP

Die neue Latitude LP erscheint Anfang Oktober und man kann jetzt zwar nur 2 Songs hören, aber ich glaub, das ganze Album klingt wie ein verschollenes Blondie Werk. Selbst das Cover könnte zu "Hanging on the Telephone" passen, aber egal.

Also: Debbie Harry’s Vermächtnis…Ihr wisst schon, diese eine LP, die sie geschrieben hat, nachdem sie total betrunken kopfüber in einen Peyote-Kaktus gefallen war und dann14 Tage einen Meskalinrausch in der Wüste gefeiert hat. Good stuff. So klingt das hier.

Oder anders gesagt: Mystic Hotline ist Power Pop aus San Francisco mit Punk und Indie Einflüssen – Oh Gott, klingt das langweilig. Macht aber Spaß und versüßt die letzten warmen Tage in der Stadt. Versprochen.

Erscheint auf Vinyl bei Emotional Response, nachdem das Debüt noch ausschließlich auf Tape bei Royal Oakie veröffentlicht wurde. Ist die Entwicklung dann jetzt rückständig oder progressiv?

Jenny – Same

Ich hab neulich noch eine Unterhaltung mit meinem imaginären Freund über Impulskäufe von LPs geführt, bei der ich die Signifikanz der Covergestaltung betont hatte.
Nach langem Hin und Her (Bier) einigten wir uns darauf, dass es zu 66,6% auf das Äußere ankommt. Oder zu 33%? Und ging es nicht eigentlich um Obst? Hm. Egal.

Dass Wanda Records jetzt auf jeden Fall so ein gar scheußliches Cover durchgehen lässt, liegt wahrscheinlich nur daran, dass die neue Veröffentlichung von Jenny lediglich digital zu erwerben ist. Soll heißen: man steht ja nicht im Plattenladen und muss aufgrund dieser orangenen Sinfonie eine primäre Kaufentscheidung fällen.

Immerhin ist das musikalisch farblich ganz gut abgestimmt, denn es wird tatsächlich quietschvergnügter Power Pop Punk geboten, den man farblich kaum besser umsetzen kann als mit einer scharfen Kombination aus blau und organge. OK, Pink wäre eigentlich noch besser aber mich fragt ja keiner.

Der Künstler, der die 5 Kaugummiperlen hier zu verantworten hat, ist im übrigen der bekannte Punk Rocker Justin Maurer von Clorox Girls/Suspect Parts/Red Dons und anderen coolen Bands.
Nein, ich weiß nicht, warum die "Band" Jenny heißt. Aber hört mal. Gute Musik…

Fun Fact: wenn man nach dieser Veröffentlichung bei Discogs sucht, indem man "Jenny" "Cockroach" und "Tea" als Suchbegriffe verwendet, weil die ja wohl ziemlich selten zusammen bei irgendeinem Release auftauchen, landet man bei Dimitri Shostakovich. Das sind aber auch 51 CDs 🙂