Torpor – Ɖungeon Ɖescent LP

Habe ich noch gar nicht erzählt, dass ich neulich auf einem Mittelaltermarkt gewesen bin. Oder heißt das Fest? Egal, auf jeden Fall war das für mich erstaunlich zu sehen, wie ernst die Menschen das meinen.

Nicht nur die äh, Aussteller/Verkäufer und Handwerker, die dort selbstgebackenes Brot und selbstgeschnitzte Langbögen und Suppenschüsseln anbieten, sondern auch die Gäste, die dort ihre neuen Kleider und Pfeile, Kanonenkugeln und Drachentöter kaufen. Dann wird zusammen im Kreis getanzt und am Abend wird ne olle Rothaarige auf dem Lagerfeuer verbrannt.

Ich glaub, ich war der einzige Mensch ohne schwarze Klamotten, Kapuze oder Umhang. Denn es zieht ja nicht nur die wahnsinnigen Hippies mit Walldorfromantik an, sondern auch die ungewaschenen IT-Nerds mit lustigen Band-Shirts voller Säbel und Kerkern und Verliesen und Schriften, die ich nicht entziffern kann.
Das bringt mich zu unserer heutigen musikalischen Untermalung. Torpor aus Polen – nicht zu verwechseln mit der Doom/Sludge Band aus Bristol (meh) oder der Punk Band aus Montreal (ganz geil) oder der Weichspüler-Indie-Künstlerin aus Neuseeland (meh) – haben sich nicht nur nach Stillstand und Lethargie benannt, sondern liefern auch den passenden Soundtrack dazu.

Ich bin da nicht involviert in der Szene, ich hab da keine Ahnung von. Ich weiß nicht einmal, was das sein soll. Speed Metal? Heavy Metal? Black Metal? Wo ist dieser Benjamin Würfel, der damals Harald Schmidt erklärt hat, was Metal ist, wenn man ihn braucht? OK, nicht mein Ding, aber vielleicht braucht ihr das ja mal zwischendurch.

Dying Victims Productions. Erscheint im Juli auf verschiedenen Formaten in tollen Farben. Fun Fact: Den Titel des Albums muss man eigentlich lispelnd aussprechen, denn die Glyphe "Ɖ" nennt sich "Eth" und steht im Altenglischen für das "th". Also "Thungeon Thescent". Haha.

Scrapped Plans – Oh, Ylenia b/w A Smaller Victory

Also wenn man Fan von The Ergs! oder Dear Landlord, Murderburgers, Steinways und Copyrights war, dann wird man wahrscheinlich bei den Sachen von Scrapped Plans ebenso enthusiastisch mit dem Krückstock im Takt gegen das ausrangierte Skateboard tippen.

Alt gewordene Punk Rocker können sich jetzt zwar jeden Scheiß leisten, aber haben außer Grillen und Scheidungsanwälten keine Hobbies mehr, für die man Skate Pop Punk benötigen würde. Stellt sich die Frage, wer dann eigentlich solche Musik heute noch ernsthaft hört. Gibt es junge Menschen da draußen in der Welt, die noch genauso dideldumm und hedonistisch sind wie die heutigen Musiker vor 20 Jahren? Hm.

Zwei Songs vom vielleicht neuen Album der Band aus New York, bei der passenderweise auch Mikey Erg am Schlagzeug sitzt und jede weitere Person der Band einen ebenso bunten Pop Punk Lebenslauf vorzuweisen hat. Na dann.

Jay Veil – Terrified

Schon länger nichts mehr aus Hattisburg gehört. Wurde also Zeit für ein bisschen Garage Punk, der gerade so noch eng an der Egg Punk Katastrophe entlangschrappt und mit 4 eingängigen lofi Punk Stücken unterhaltsam in den Montag startet.

Jay Veil macht seit eh und je alles richtig, dem kann man sein Geld geben, wenn man noch welches vom langen Wochenende übrig hat. Guten Start.

Braucht kein Label, ist nur digital.

Crash – S/T CS

Hallo, ihr Brückentag-Loser. Wer muss denn an so einem schön verregneten Tag arbeiten?

Naja, ihr seid immerhin noch besser als die kinderlosen Väter, die gestern ihren großen Wander-Sauf-Tag begangen haben und darüber hinaus auch noch alles Schlechte der XY-Chromosomen an jedem Tag des Jahres in sich vereinen. Wann lösen wir uns eigentlich endlich von diesen furchtbaren Traditionen wie "Muttertag" und "Vatertag" (der von morgens bis abends eine patriarchale Scheißidee ist und eigentlich nicht einmal existiert), die einfach nur sexistische Rollenklischees bestätigt wissen wollen und sogar noch über den Konservativismus der Unionsparteien hinausgehen?

Himmelfahrt ist natürlich auch nicht das Gelbe vom Ei, und wer das ernsthaft feiert, gehört genauso in die Entziehungsklinik, wie jeder andere verblendete Vollhonk. Puh. Ganz schön schlechte Laune heute, daran erkennt ihr auch, dass ich das vordatiere…
Musik dazu: Crash aus Kansas City. Hardcore Punk aus der Minor Threat, Germs und Black Flag Schublade. Ganz geil.

Bei Dirtbag Distro auf Kassette erschienen und dort auch digital knappe $10 günstiger als bei der Band. Aber wen wollt ihr unterstützen, ne? Ich glaub, ich brauch mal ne Pause, sonst wird das hier so ein verbitterter Punk-Rock-Opa-meckert-herum-Blog. Ach, is ja schon. OK.

DC Threat – Disorder Control Threat – Perihal Prahara

Die heißen nicht nur so, die klingen auch ein bisschen wie eine Mischung von den DC Bands aus den 80er bis 90ern und den Straight Edge Hardcore Opas von Minor Threat. Wenn man ein Ohr zukneift. Eine Meinung, die ich von Bluesky geklaut habe.

Aber das kann ja dann kein Zufall sein. Vielleicht manchmal ein bisschen generisch, wie man heute gerne sagt. wenn man Angst vor der KI hat, die vielleicht dahinter stecken könnte. Ich hab die Band noch nicht live gesehen, aber gehe davon aus, dass es Menschen aus Fleisch und Bintang Bier sind. Ganz geil.

Meinetwegen hätten die Passagiere auf der Hanta-Cruise alle über Bord geworfen werden können. Kreuzfahrten sind das Schlimmste, auf dem Rücken von Billigarbeitern unter Deck werden schnöselige Möchtegern-Globetrotter mit ihren dicken Bäuchen und Deutschlandhüten in die Innenstädte der Welt gespült und verpesten den ganzen Globus mit ihrem asozialen Verständnis von Urlaub, der ihnen genau so zustehe. Widerliches Volk, widerliches Geschäftsmodell. Brauchen wir nicht, wir sollten uns das nicht mehr leisten. OK.

District Six Records. Kommt bestimmt auf Kassette. Aber es ist ein weiter Weg bis nach Indonesien mit dem Boot. Dann halt digital, die sind ja eh nicht echt.

Media Puzzle – New Racehorse CS/LP

Schöne neue LP von dem Media Puzzle, das jetzt auch auf Kassette mit einem extra Song veröffentlicht wird. Die Musik von den 5 Australiern bewegt sich knapp an der Egg Punk Kante entlang und spielt mit den Genrevariationen aus Garage und Post Punk herum, bis sich eine interessante Mischung zum schmutzigen Badesee für den Sommer ergeben hat. Besser nicht so genau hinsehen, einfach genießen. Sehr schön.

Knuckles On Stun (Kassette) & Impressed Recordings (Vinyl). Das soll ein Rennpferd gewesen sein. Komischer Name, aber nach "Hoof Hearted" kann mich bei Rennpferden nichts mehr überraschen.

SMARM – S/T

Was Neues von dem Feel It Records Menschen, der auch schon mit Bands wie Fried Egg und Slugz sein Label verziert hat. Namentlich ist das Sam Richardson, der mit SMARM jetzt ein bisschen weg vom Hardcore und ein bisschen hin zu postigen Gefilden unterwegs ist.

Steht uns sehr gut. Klingt fast schon ein bisschen nach frühen Punk Sachen aus den 70ern. Also Proto. Quasi Proto-Post-Punk. Was für ein Quatsch, ich sollte wirklich aufhören, über Musik zu schreiben.

Tolle 3 Lieder, passt hervorragend zum Start in die kürzeste Woche der Welt.

Kommt bestimmt dann auch bei Feel it auf 7″ raus, aber hab ich noch nicht gesehen. Digital geht’s auch. SMARM bedeutet soviel wie sich einschleimen. Hat er als Label-Boss doch gar nicht nötig. Ha.

Mod Lang – Borrowed Time LP

Na, wenn schon Power Pop, dann auch richtig. Mod Lang aus Detroit machen alles so, wie sie es von ihren Eltern (oder Großeltern? Die sind ja alle so jung heutzutage und sehen mit ihren Schnurres und langen Haaren nur so alt aus) gelernt und abgeschaut haben.

Perfekte Melodien, mehrsprachiger Gesang mit Harmonien und Glam Rock Anwandlungen aus den Plateausohlen längst begrabener Hippies. Ganz geil.

Just Add Water Records. Kommt auf verschiedenen Farben und Formaten und Pressungen aus dem fernen Amerika in deine Wohnstube geflattert, wenn du genügend Geld hast. Sonst leih dir was.

Bruise Control – S/T LP

Noch ein bisschen mehr Punk mit Rock zum Wochenende. Bruise Control aus Manchester haben gute Laune, viele Haare und Bock auf Gitarren- und Schreihalslärm. Das macht sehr viel Spaß, wenn man beim zweiten Bier merkt, dass ja eigentlich Donnerstag und noch nicht vier Uhr ist.

Ähnlich wie The Bronx oder Charlie Sheen zu seinen besten Zeiten, kennen die vier Jungs auch nur eine Gangart – nach vorne. Viel Spaß.

Ohne Label. Die machen seit immer schon alles selbst. Ziemlich gut.

Institute – S/T 7″

Ach, die gibt’s auch noch. Hatte ich etwas sperriger in Erinnerung. Sobald die zweite Gitarre hier aber einsetzt, ist das ja ein unglaublich melodischer Song (Shoote) von den vier Post Punkern aus Austin. Der Rest der neuen Single von Institute ist wie gehabt ein bisschen schräg bis quietschig und macht bei mehrmaligem Hören erst so richtig Freude.

Anti Fade Records. Auf einem australischen Label? Ja, weil das ne Tour Single ist. Verrückt, schon im Februar erschienen und erst jetzt mit der Flaschenpost hier angeschwemmt worden. Cool.