Eerie Family – S/T

Da sind sie wieder, die beiden fidelen Stimmungsmacher aus Austin, Texas. Alex Cuervo und Alyse Mervosh sind den meisten Leuten wahrscheinlich als ständige Mitglieder der zwar nicht unbedingt fröhlichen aber nichtsdestrotz (oder gerade deswegen?) genialen Hex Dispensers bekannt; hier haben sie sich zu einer schaurigen Kleinfamilie zusammengefunden und machen thematisch ziemlich genau da weiter, wo die Garage Punkrocker aufgehört haben.
Beweisführend wäre hier zum einen schon mal der Song „I Hope The Sun Explodes Today“ zu nennen, der auch auf dem letzten Album der Hex Dispensers vertreten war. Oder der Opener „Everybody Disappear“, der ebenfalls zuvor bereits auf einer fantastischen Single von Alex Cuervo verwurstet wurde.

Aber da hören die Parallelen auch schon wieder auf. Denn musikalisch sind Eerie Family doch sehr weit von Alex‘ Solokram oder den Hex Dispensers entfernt. Das liegt natürlich vor allem daran, dass die „Band“ nur mit Keyboard und Drums instrumentiert ist und tempomäßig mächtig auf die Bremse getreten wird (außer bei „Dead Stars..“). Dazu kommt dann noch der sehr träge vorgetragene Gesang der beiden, der bei allen Songs durch ein schauerliches Echo/Hallgerät gejagt wird, um noch mehr auf die ohnehin schon sich im Keller befindende Stimmung zu drücken. Wenn ihr jetzt denkt, das klingt ja der Beschreibung nach wie das andere Soloprojekt von Alex (Espectrostatic) nur mit Gesang, dann habt ihr komplett Unrecht und ich den Kram scheiße beschrieben. Hm.

Das ist „Doom Pop“ und „Gloom Pop“. Das ist „Darkwave“ und „Gloomwave“. Ich gehe mal davon aus, dass die Texte ihr übriges tun. Herrjee…Sollte man vielleicht alles nicht unbedingt im dunklen Winter hören. Nun ja – es ist „Death Pop“. Ich liebe es!

Leider nur digital veröffentlicht.

The Elite – Demo

Gute Band aus Buffalo. Die haben gerade Ende letzten Jahres ihr Demo bei Bandcamp abgeliefert und ich hör das jeden Tag viermal. Vielleicht würde ich an anderen Tagen sagen, das sei aber mega anachronistisch und aus den 80/90ern gefallen und simpel und repetitiv. Aber derzeit macht mir diese simple Hardcore und Punk Rock Mischung mit dem phänomenalen Gesang von Julie White sehr großen Spaß. Muss am Winter liegen.

Apropos Julie White: Die hat vorher (oder immer noch?) bei Selective Aggression gesungen und die Band hier gefällt mir wesentlich besser, vielleicht, weil es eben kein schnöder Hardcore mehr ist..? Aber darüber hinaus erinnert mich der Gesang an irgendjemanden oder irgendetwas, und ich komme verdammt noch mal nicht auf die Band oder den Song…es kotzt mich an. Vielleicht kann da jemand mal hilfreich kommentieren?

Also klar, ne? Hier wird nix neu erfunden, aber die Grundzutaten für melodischen, rauhen Hardcore/Punk Rock werden hier so gut miteinander vermischt und Klischees werden so gut bedient, dass die 3 Songs Lust auf mehr machen. Da müssen die 4 mal schnell nachlegen und ne LP machen. Oder eben viermal am Tag das hier hören. Geht auch.

Urgent Matter – S/T CS

Eine Garage-Hardcore-Punk-Rock Band aus Singapur, die in unter 10 Minuten mal eben 8 Lieder raushaut und mich ziemlich begeistert mit dem Fuß wippen lässt. Mehr geht gerade nicht, weil ich mit Kopfhörern nicht so weit vom Rechner weglaufen kann und außerdem bin ich zu alt, um hier alles kaputt zu schlagen. Das muss ja am Ende dann wieder Mama alles aufräumen.
Aber zu der digitalen Kassette von den drei Jungs kann man schon ganz schön abgehen.

Nachdem sie 2017 ein schon cooles Demo veröffentlicht haben, kommt jetzt also das erste „echte “ Release auf Pissed Off Records in Malaysia. Ist zwar nur eine Kassette, aber vielleicht möchte das ja jemand in Europa auf Vinyl machen? Ich würde eine nehmen. Dann kann man auch direkt ne Tour für die buchen, schaut euch mal an, wie nobel die live sind.

Hier sind nicht nur die Songs unter einer Minute richtig gut, der Hit ist eigentlich „So Punk“, das längste Lied auf dem Tape. Aber so rotzig und kurzweilig und Punk, dass man sich das direkt als Klingelton einstellen möchte, haha.

Shitty Life – Switch off your Head LP

Die fünf Jungs aus Parma mit dem beschissenen Leben bezeichnen ihre Musik selber als „Chitarrino Power Punk“, was mich erst mal den Begriff „chitarrino“ googlen ließ. Ich weiß zwar auch nicht, was „Power Punk“ ist, aber kann mir was darunter vorstellen…wahrscheinlich eine etwas druckvollere Spielart des Punk, ne? Klingt für mich ein bisschen redundant, aber ok was solls. Man kann ja irgendwie alles mit „Punk“ kombinieren, um einen Sound zu beschreiben. Die Band, in der ich mal gespielt habe, wurde beispielsweise mal im Radio als „soft punk“ beschrieben. Auch schön.

Also, „chitarrino“ bezeichnet eine kleinere Version der Gitarre, die man wohl eher im 16. Jahrhundert genutzt hat – mit mehr Saiten als eine „normale“ Gitarre klingt das Teil dementsprechend auch anders. Ziemlich gut sogar, nur nicht nach Punk Rock, ‚tschuldigung, Power Punk.

Shitty Life klingen nach sehr coolem Garage Punk, der sauber abgemischt und gut gemastert wurde (North London Bomb Factory). Shitty Life klingen so, als ob sie mich live wegblasen würden (Get Lost Fest ’19). Shitty Life haben mit der Renaissance und dem 16. Jahrhundert nichts am Hut, eher sind sie fest verankert im 21. Jahrhundert und dem Copy und Paste (Dean Dirg).
Mit „Switch off your Head“ haben die Parmanesen auf jeden Fall eine schöne Viertelstunde Musik auf Spastic Fantastic herausgebracht, die sich hübsch auf einer  cremefarbenen 12″ macht. Geile Band, kann ich mich für begeistern. Allerdings wüsste ich jetzt zu gerne ,wie eine Punk Band mit diesen kleinen chitarrinos klingen würde…

Hank Wood and the Hammerheads – Heads Cassingle

Mal abgesehen davon, dass ich die Bezeichnung „Cassingle“ noch nicht kannte und auch nicht kennen will, gibt es eigentlich nicht viel über dieses „Release“ zu erzählen.
Das Tape gibt es nur auf der Tour, die in den USA stattfindet. Bringt uns/euch also gar nix…Ansonsten:

Uh!

Gray Matter – We will rock you

Gestern hat wohl die aktuelle Biographie von QUEEN, bzw. Freddie Mercury ein paar Preise bei den Golden Globes abgeräumt. Finde ich jetzt nicht so wahnsinnig spannend, obwohl ich mich schon frage, warum eigentlich inzwischen wieder immer mehr gesungen werden muss in Filmen, damit die Preise bekommen. Ist ja gruselig. Lebt Peter Alexander noch? Vielleicht kann der auf seine alten Tage…ach, schon tot. Na, egal.

Mir ist dabei nur etwas eingefallen, das ich vor ein paar Tagen gelesen habe und was nun wie die Faust auf den Nagel passt.

Lost GRAY MATTER Cover Found!


Da hat sich der ehemalige Bassist von Gray Matter, Steve Niles, auf seiner Webseite am Silvestertag daran erinnert, dass die Band mal vor knapp 30 Jahren einen Song von QUEEN gecovert haben. Ja, das lest ihr richtig. Und es kommt noch schlimmer.

In 1991 after the death of Freddie Mercury the 9:30 Club invited local bands to do Queen covers for a benefit show for Whitman Walker Clinic. We decided to attempt we We Will Rock You.

WE WILL ROCK YOU. Ach du scheiße.
Aber nachdem die Band zugegebenermaßen zwei Beatles Songs sehr gut gecovert hat („I am the Walrus“ und „I’ve just seen a face„), hab ich mir den peinlichen Kram mal angehört. Und was soll man sagen? Ist ein bisschen peinlich, aber nicht soooo schlimm, wie man vermutet. Braucht kein Mensch, is ok, dass der Song 30 Jahre verschollen war. Aber ich dachte, es passt gerade in die Zeit. Also bitte:

Songs: Ohia

Ich muss so ungefähr 18 oder 19 gewesen sein, als meine musikalische Sozialisation absolut und unumstößlich abgeschlossen war. Also für mich, ich war fertig, hatte meinen Geschmack und den für mich richtigen Stil gefunden. Punk Rock mit seinen Ausläufern links und rechts des Genres war für mich das einzig Richtige, was man so auf Platte, CD oder Tape hören konnte.

Und wie das so als jugendlicher Depp ist, man teilt seine Überzeugung gerne und häufig mit, schließlich ist ja genau diese Band und dieses Genre und dieses Bier (Quatsch, wir haben alles getrunken) und genau dieser Song das Beste, was je und überhaupt und wen interressiert das eigentlich?

Auf jeden Fall kann ich mich gut daran erinnern, dass ich gemeinsam mit einem guten Freund in seinem Auto saß und darüber schwadronierte, dass alle Songs über 3 Minuten ein großer Haufen Scheiße sind, während im Hintergrund bestimmt eine Kassette mit Descendents oder Avail lief. Daraufhin wechselte er das Tape und meinte, dann könne mir ja diese Band nicht gefallen – der Song hier sei alleine schon über 7 Minuten lang.
Was folgte war „Captain Badass“ von SONGS:OHIA und auf einmal geriet meine musikideologische Engstirnigkeit ins Wanken. Das Kartenhaus der einseitigen Leidenschaft fiel nach ziemlich genau 7 Minuten und 12 Sekunden in sich zusammen und hinterließ mich verwirrt, begeistert, sentimental und euphorisch. Das kann nur Jason Molina.

Fortan waren die Scheuklappen zwar verschwunden, aber zum Punk Rock und HC bin ich immer wieder zurückgekehrt, weil es natürlich wirklich das Allerbeste und überhaupt, ihr wisst schon. Aber Songs:Ohia, meine Fresse, was für sensationell schöne Liebeslieder. Das Album „The Lioness“ war immer ganz oben auf meiner Liste und auch der Wunsch, das alles mal live zu erleben, war stets groß. Leider hat sich Jason Molina dann totgesoffen und somit blieb mir nur das Warten auf die Wiederveröffentlichung der LPs, denn die Originale konnte ich nicht bezahlen und totgesoffene Musiker spielen keine Konzerte.

Und sieh an, manchmal muss man nur 18/19 Jahre warten, bis endlich das heißersehnte Album in den Händen und auf dem Plattenteller liegt. Mit „Love & Work – The Lioness Sessions“ kam vor kurzem nicht nur das originale Album wieder auf den Markt, es wurde noch mit einer zweiten Platte veredelt – unveröffentlichte Songs aus der Lioness Aufnahme-Session. Dazu noch anderer Krimskrams. Ziemlich geil!
Zwar habe ich nun den physikalischen Beweis für den Riss in meiner musikalischen Biographie, aber die Sozialisation ist wohl noch lange nicht abgeschlossen. Danke.

Martha – Heart is Healing

Ich hatte mal eine Klassenkameradin, die Martha hieß. Das war in der 10. Klasse und damals wohnte ich noch aufm Dorf, wie man so schön sagte. Deswegen musste ich auch immer eine etwas längere Busfahrt in die Stadt/Schule auf mich nehmen und währenddessen die ganzen anderen Kinder von den Landkommunenhippies ertragen. Da es sich bei diesen Busladungen meist um Kinder handelte, die auf sogenannte weiterführende Schulen gingen, war auch der Asi-Faktor nicht so hoch, wie man das aus „Problemvierteln“ von irgendwelchen Städten kennt. In diesen Bussen kam quasi die geistige Elite von morgen, also heute, zusammen. Und Martha.
Was für perverse Eltern geben ihrem Kind so einen Namen? Vielleicht ist das heute süß, aber vor 40 Jahren klang der Name alleine schon nach altbackener Häkeldeckenromantik.

Als ich Martha zum ersten Mal im Bus erlebt habe, kam mir sofort ein Wort in den Sinn, das sich noch nie bis zu dem Zeitpunkt von irgendeiner Relevanz in meinem Hirn präsentiert oder gar manifestiert hatte: Trampel, genauer: Bauerntrampel. Auf einmal war dieses Wort da. So, wie ein Lexikoneintrag mit passendem Bild hatte ich auf einmal das Wort „Bauerntrampel“ verstanden. Martha war laut, rüpelhaft, etwas unkoordiniert in der Steuerung ihrer leicht zu lang geratenen Gliedmaßen und lachte viel an den falschen Stellen. Ich war begeistert und schockiert.
In der Schule hatten wir keinen Kontakt, ich war an Zigaretten und Punk Rock interessiert, sie nicht.

Keine Ahnung, was sie heute macht. Vielleicht hat sie den Hof ihrer Eltern übernommen? Wo immer sie auch ist, ich hoffe, es geht ihr gut.

Marked Men – On The Other Side LP

Eine Marked Men Single Compilation. Also fast eine neue LP. Geil. Ich nehm 2, danke.
Darauf zu finden sind (fast) sämtliche Songs, die die Band auf Singles und Splits veröffentlicht hat (ach was?), darunter auch die seltene Split mit Sultans und Heartbreakers (ok, bloß ein Song vom Album „Fix My Brain“), die auf 300 Stück limitiert war, die Schweine.
Dann aber fehlt der Song „Fortune“, der auf der gleichnamigen Single erschien – dafür ist die B-Seite mit „Like Robots“ wiederum vertreten. Hä?
Aber das beste an der LP für alle Fans ist ja, dass noch zwei unveröffentlichte Songs mit dabei sind, was für die Leute, die eh schon alles haben, ein echter Kaufanreiz ist. Mist…

Vielleicht noch ein Fun Fact? Der Titel der LP „On The Other Side“ stammt von den letzten Songs der Band, die sie 2010 auf einer Single veröffentlicht haben – „On“ und „The Other Side“. Aha.

Mystery Girl – Kassettografie

Also das einzig Mysteriöse an dieser Band ist eigentlich der bekloppte Name. Da erwarte ich doch zumindest eine Frau am Gesang, oder an der Gitarre oder besser noch, versteckt hinter dem Schlagzeug, damit das irgendeinen Sinn ergibt. Die Band besteht aber tatsächlich aus 4 Kerlen. Seltsam. Zum Glück gibt es das Internet und dort steht, dass „Mystery Girl“ ein Album von Roy Orbison ist – AHA! Nun ist natürlich alles klar. Nicht.

Und da hört die Vorliebe für das Seltsame bei den Jungs aus Albany, NY nicht auf. Die haben mit ihrem Power Pop Punk Rock’n’Roll Glam letztes Jahr angefangen und seitdem nicht aufgehört, in hübscher Regelmäßigkeit nette Nummern auf Kassetten zu veröffentlichen. Zuerst das noch sehr rohe Keller-Demo, bei dem man allerdings schon die süßen Melodien erkennen kann, die die Band prägen. 4 Songs auf Tape in 10 Minuten.

Anscheinend fand die Band Gefallen daran, denn im selben Jahr haben sie noch 2 weitere Songs aufgenommen und im Februar dieses Jahres veröffentlicht. Wieder auf Kassette. Eine Kassetten-Single. Wie bescheuert ist das denn? Trotzdem gut, weil jetzt besserer Sound und die Lieder gehen halt ins Ohr – mehr braucht es ja nicht.

Ein halbes Jahr später dann noch einmal eine neue Kassette mit 4 neuen Songs. Was ist da los? Gibt es in dem Staat New York kein Vinyl mehr? So langsam ist das ja sogar aus ökologischer Sicht total uncool, so viele Plastikhüllen und Tapes zu produzieren, ohne die Kapazität auszuschöpfen. Haha.

Und dann, ein paar Tage später…tatsächlich ein Release auf Vinyl. Das Label Feral Kid Records hat sich erbarmt und 500 Singles der Band gepresst. Wie bei Mystery Girl üblich, 4 Songs in gewohnter Power Pop, Punk Glam Rock’n’Roll Manier. Na, geht doch!

Jetzt könnte man eigentlich aus allen Songs ein gutes Album machen und die ganzen Kassetten wegschmeissen, oder?