Big D And The Kids Table – The Good Ole American Saturday Night LP

Bin noch nicht fertig geworden und muss noch die Tulpen im Vorgarten mit dem Laubbläser wegpusten. Dass hier bloß nix anfängt zu blühen.

Musik bleibt die gleiche, wenn auch ein bisschen an den Ecken und Kanten abgeschliffen. Ska Punk mit Trompete und so, ihr kennt das Spiel. Big D And The Kids Table gibts auch erst seit 30 Jahren und die haben nichts anderes gelernt.

Ein Leben im ständigen Off-Beat Gehampel kann ich mir zwar gar nicht vorstellen, aber solch fröhliches Rumgehoppse übertüncht ja manchmal die schwarzen Flecken auf dem Gemüt.

Lasst euch aber nicht morgen dabei erwischen. Heute tanzen, morgen schwarze Flecken mit Fisch.

Side One Dummy. Erscheint bestimmt auf LP. Eigentlich ist mir ja die Portion "Whiplash" von Metallica lieber, aber wenn ich das anmache, brenne ich nur den ganzen Garten nieder.

Stuck Lucky – Hate The Light Of Day LP

Weil jetzt Feiertage anstehen, wisch ich noch mal eben das imaginäre Büro aus.

Keine Ahnung, welche musikalische Untermalung ihr in der Regel für den Hausschmutz oder das Badreinigen verwendet, aber nichts ist energetischer und treibt mehr Putzkräfte zur Höchstleistung an, als diese hektische Form von Ska Punk, die auch Stuck Lucky zu Ende gedacht haben.

Das kommt davon, wenn man den Kleinkindern nur Operation Ivy zum Frühstück gibt. Geht schlimmer.

No Time Records. Auf LP erschienen. Für die Reinigung eurer schmutzigen (katholischen) Seele hat Maurizio Cattelan eine neue Aktion gestartet. Falls ihr eine schmucke Buchstütze erwerben möchtet, die Johannes Paul II. auf einem roten Teppich liegend zeigt, wie er von einem Meteoriten getroffen wird, dann müsst ihr den Künstler anrufen und, naja, beichten. Prostern.

Gentilesky – Dream LP

Nanu, ist das eine heimliche Reunion von Trend, die jetzt einfach auf Englisch singen und behaupten, Italiener zu sein? Ich mein, wenn ich mir als Sänger ein Alter Ego bauen will, dann nenne ich das doch auch Yaprak Kırdök, bisschen zu auffällig für meinen Geschmack, Jungs.

Aber gute Musik. Zumindest diese beiden Appetithappen. OK.

Slovenly Records. Auf bunt und schwarz demnächst. Und natürlich total eigenständige neue Band, diese "Gentilesky".

Microplastics – Demo 2024 CS

Zwei Jahre nach dem Aufnehmen dieser Songs erscheint das großartige Demo von Microplastics aus North Carolina. Mit Leuten von C.A.T.C.H.

Nachdem sich diese aufgelöst hatten, dödelten die gelangweilten Mitglieder ein bisschen herum und wollten was poppigeres machen, das so in die Protex, Nerves und Exploding Hearts Richtung geht und auf einmal waren 5 dieser eingängigen Power Pop Garage Punk Nummern fertig, als ein gewisser Mikey mit eingestiegen war.

Keine Ahnung, wer Mikey ist, aber jede Band braucht einen. Sehr schön.

Such Beautiful News. Auf Kassette erschienen, aber es gibt nur 25 Stück und dafür müsstet ihr das Label anschreiben. Erstaunlich, welche Informationen zutage treten, wenn man nach "Microplastics in North Carolina" sucht.

Suitor – Saw You Out With The Weeds LP

Post Punk aus Cleveland. Suitor klingt dabei ein bisschen wie ne Mischung aus Wet Leg, Sweeping Promises und Blondie. Sollte also für eure Osterferien genau der passende Soundtrack sein, um um das örtliche Osterfeuer zu torkeln, oder was man halt so tut, wenn man im Urlaub fremde Kulturen (Bayern) besucht.

Feel It Records. Auf bunt und schwarz erschienen. OK.

Drakulas – Midnight City LP

Ach, die gibts auch noch? Na sowas. Das ironisch bis alberne Grusel-Pop-Punk-Projekt von Riverboat Gamblers und Rise Against Leuten aus Austin hat noch ein bisschen Luft und diese direkt in 12 neue Songs gepustet, die wieder treffsicher zu den ersten warmen Sonnenstrahlen auf dem Friedhof passen.

Drakulas dritte LP ist charmant harmlos, unterhaltsam, nett. Wenn das musikalische Herz am Montagmorgen  noch im Samstagabend gefangen ist.

Dirtnap Records. Ach, die gibts noch? Na sowas.

Jacke Schwarz – Po Puću Unterwegs LP

Musik! Aber nur für Erwachsene. Oder Kinderohren. Ich kann mich nicht entscheiden. OK, von vorne.
Am Freitag sind 16 neue Songs von Jacke Schwarz auf den regennassen Frühlingsabend geplatscht. Jacke Schwarz, der Solokünstler aus Berlin, der seine Musik selbst als Łužicana bezeichnet und neben Deutsch auch Sorbisch als Sprache für die Vertonung wählt. Dieser Typ, der im Punk Rock geboren wurde und der Straße entwachsen ist.

Ausgestattet mit einer richtigen Band und allen Instrumenten, die in dem Studio vor 3 Jahren herumlagen, kann man sich das Genre von Po Puću Unterwegs hier selbst zusammenstricken. Blues, Gospel, Folk, Pop, Post Punk, Indie Pop und eben Łužicana, dem Äquivalent zu Americana. Nur halt auf Sorbisch. Der Mann mit der Jacke Schwarz hat sich für die Solokarriere die Punker Buttons und Pins von der Eastie Ro!s und Čorna Krušwa Lederjacke abgenibbelt und den Stecker aus der E-Gitarre gezogen.

Schmeisst man alles von der LP zusammen und rührt es in seinem Gehörgang um, kann man vielleicht eine Mischung aus früheren Ton Steine Scherben und zeitgenössischen Berliner Kollegen der Verlierer herausschmecken. Aber baut euch eure Schublade lieber selbst – entweder man benötigt geschulte Ohren, um den Glanz der Musik zu verstehen oder ganz im Gegenteil die Naivität und Gleichgültigkeit von unerfahrenen Ohren, die noch nicht kaputtgeschossen sind. Tolles Album allemal.

Tomatenplatten. Auf Vinyl erschienen. Auch mit Lederjacke und Punker-Pins authentisch zu genießen. Das Artwork ist von Kati Schmidt, aber mit dem Namen ist das in der Kürze der Zeit hier ziemlich unmöglich, die tatsächliche Künstlerin ausfindig zu machen. Ich hab nur eine Ostereiermanufaktur und ein Nagelstudio gefunden. Das Cover sieht mir aber mehr nach Linoleumschnitt aus. Naja.

Girl Drink Drunks – Meal Deal 7″

Ahh, erfrischender Garage Punk aus Portland. Die vier Jungs von Girl Drink Drunks sind nicht mehr die jüngsten unter den Trinkern und haben gewiss genug Unsinn in diversen Proberäumen Portlands durchexerziert, um sich auf den eigentlichen Kern zu beschränken. Namentlich sind das unter anderem Jetpack, The Flip-Tops, The Minds, The Moneychangers, Four Letter Word, Kid Little, White Night, Stoner Cop, Hot Lz’s, Piss Test uvm.

Schrammeliger Punk Rock mit Rotz und Bier seit 2017. Ganz geil. Aber was sind eigentlich Girl Drinks? Kann man da was sagen, ohne direkt seinen Sexismus zu offenbaren? Männer trinken Whiskey, Mädels trinken Piña Colada? Hm. Laut Internet soll Espresso Martini auch ein Girl Drink sein. OK, dann zählt mich dazu, wo kann ich bei der Band unterschreiben und anfangen?

Hauseigenes Sonic Jett Records Label. Kommt auf orangenem und schwarzen 7″ Vinyl raus. Prostern?

Aure – Printemps LP/CD

Musik für den ersten Kaffee beim Sonnenaufgang. Wenn der Tag langsam angekrochen kommt und sich vorstellt, mit all seinen unendlichen Möglichkeiten der neuen Enttäuschungen und man noch gar nicht so genau weiß, wer man eigentlich heute sein muss, welche Sprache man spricht.

Dann kommt Aure aus Paris mit ihrer Klampfe daher und trällert auf Englisch, Französisch und Spanisch die sanften Weckrufe der Melancholie in die ungewaschenen Ohren. Tanke ich jetzt Kraft oder leg ich mich wieder hin?

Muss jeder selbst entscheiden. Ein ambivalentes Album des vertonten tiefen Durchatmens zwischen Hoffnung und Resignation. Nachher dann wieder mehr Metal.

Mayway Records. Auf CD und LP erschienen. Meine Aachener Freunde lesen den Titel gewiss mit ihren müden Augen falsch und erwarten "Au Hur, Kekse". Ab ins Wochenende.

The Pox – "All Together Now!" CS

Apropos Synth Punk. Hier eine Band aus Montréal, die sich nicht mit einem Keyboard oder Synthesizer begnügt, sondern den echten Scheiß spielt. Eine sogenannte Combo Orgel gibt dem düsteren Garage Punk Gerumpel von The Pox eine sehr nette Grusel-Note und hebt die Band ein bisschen von den restlichem Krach im Keller ab. Toll.

Vier Songs auf Kassette erschienen und erhältlich, "wenn live". Cool.