Mystery Girl – Kassettografie

Also das einzig Mysteriöse an dieser Band ist eigentlich der bekloppte Name. Da erwarte ich doch zumindest eine Frau am Gesang, oder an der Gitarre oder besser noch, versteckt hinter dem Schlagzeug, damit das irgendeinen Sinn ergibt. Die Band besteht aber tatsächlich aus 4 Kerlen. Seltsam. Zum Glück gibt es das Internet und dort steht, dass „Mystery Girl“ ein Album von Roy Orbison ist – AHA! Nun ist natürlich alles klar. Nicht.

Und da hört die Vorliebe für das Seltsame bei den Jungs aus Albany, NY nicht auf. Die haben mit ihrem Power Pop Punk Rock’n’Roll Glam letztes Jahr angefangen und seitdem nicht aufgehört, in hübscher Regelmäßigkeit nette Nummern auf Kassetten zu veröffentlichen. Zuerst das noch sehr rohe Keller-Demo, bei dem man allerdings schon die süßen Melodien erkennen kann, die die Band prägen. 4 Songs auf Tape in 10 Minuten.

Anscheinend fand die Band Gefallen daran, denn im selben Jahr haben sie noch 2 weitere Songs aufgenommen und im Februar dieses Jahres veröffentlicht. Wieder auf Kassette. Eine Kassetten-Single. Wie bescheuert ist das denn? Trotzdem gut, weil jetzt besserer Sound und die Lieder gehen halt ins Ohr – mehr braucht es ja nicht.

Ein halbes Jahr später dann noch einmal eine neue Kassette mit 4 neuen Songs. Was ist da los? Gibt es in dem Staat New York kein Vinyl mehr? So langsam ist das ja sogar aus ökologischer Sicht total uncool, so viele Plastikhüllen und Tapes zu produzieren, ohne die Kapazität auszuschöpfen. Haha.

Und dann, ein paar Tage später…tatsächlich ein Release auf Vinyl. Das Label Feral Kid Records hat sich erbarmt und 500 Singles der Band gepresst. Wie bei Mystery Girl üblich, 4 Songs in gewohnter Power Pop, Punk Glam Rock’n’Roll Manier. Na, geht doch!

Jetzt könnte man eigentlich aus allen Songs ein gutes Album machen und die ganzen Kassetten wegschmeissen, oder?

K7s – Take 1 LP

Als mir ein Freund vor zwei Jahren die Kurt Baker Combo Platte „In Orbit“ ans Herz gelegt hatte, bin ich der Empfehlung umgehend blind gefolgt und hab mir die LP gekauft. Man kann dem Mann vertrauen, der hat guten Geschmack, hab ich mir gesagt. Naja, manchmal eben auch nicht. Das Album plätscherte so dahin, hat mich mit dem Power Pop Geschwurbel nicht wirklich überzeugen können.
Dann hab ich mich auch noch ein paar Monate später auf dessen Geheiß hinreißen lassen, mir die aktuelle Megadeth Platte zu holen – „die ist wieder richtig geil“. Einen Scheiß ist die. Aber egal.

Ich wollte das nur mal einleitend erwähnen, damit man verstehen kann, warum ich die „Take 1“ von den K7s hier verwurste. Das ist die aktuelle Band von dem besagten Kurt Baker, der jetzt in Spanien lebt. K7’s sind zu dritt, klassiche Besetzung, Drums, Bass, Gitarre – alle singen im Chor. Geboten wird ebenfalls klassischer Kram – Pop Punk á la Ramones/Queers/Green Day und eine Prise Methadones. Nichts Atmemberaubendes, aber sehr unterhaltsame und kurzweilige 14 Songs sind da im Februar auf Stardumb (Europa) und Jolly Ronnie Records (USA) erschienen.
Und das ist geiler als Megadeth und allemal besser als die Kurt Baker Combo, Freund XY. Also nur für Dich, eine Empfehlung von mir. Und falls jemand einen feuchten Furz darauf gibt, was der schrumpelige Opa im Radio von der Platte hält…

„The next Beatles? I don’t know. You decide.“ – Rodney Bingenheimer, Rodney on the Rock

Landowner – Blatant LP

Post-Punk. Noch so ein Subgenre, das schon seit 40 Jahren mit sämtlichem Müll gefüllt wird, der in keine andere Schublade so richtig passt. Es ist wie diese eine Krimskrams-Schublade, die man in der Wohnung hat und in der sich nach und nach jede Menge Quatsch ansammelt, der sonst nirgendwo seinen Platz findet – Kleber, Schere, Gummis, Batterien, Stifte, Haustiere, Fruchtzwerge, usw.
Und während die meisten Menschen wahrscheinlich auch die großartigen Landowner unter dieser Flagge des Post-Punks segeln lassen würden, haben sich die 5 Kerle aus Massachusetts einfach ihr eigenes Genre ausgedacht – weak hardcore. Ziemlich geil.

Ziemlich geil deswegen, weil es stimmt. Die Band ist genauso weak und hardcore wie es Minutemen oder Jesus Lizard waren. Ein massiv dominanter Bass im Vordergrund gibt den Ton an, ein bisschen Gitarrengeplenkel (weniger als bei Minutemen) setzt Akzente, eine zweite Gitarre quietscht und macht mal mehr und mal weniger Lärm. Ein Saxophon wird treffsicher hier und da eingesetzt, ohne dass es 80er Jahre Softporno nervt. Das Schlagzeug ist hier wirklich nur Begleitinstrument und ich würd mich wundern, wenn der Drummer mehr als drei Teile an seinem kit verbaut hat. Über all dem spricht und singt Dan seine brillanten Texte. Yeah!

Das ist wirklich eines der besten und eigenständigsten Alben, das ich aus diesem Genre kenne. Ha.

Mit Blatant bringen Landowner bereits ihr zweits Album heraus, das erste „Impressive Almanac“ erschien bereits vor 2 Jahren – allerdings nur auf Kassette, weshalb es wahrscheinlich unter meinem Radar durchgerutscht ist. Nun hat sich im Juli das neue Label Born Yesterday Records ein Herz gefasst und der Band neben einem Kassetten Release auch ein paar Platten spendiert. Gute Wahl, ich nehm eine.

The Shifters – Have a Cunning Plan LP

Wo wir gerade mal wieder in Australien unterwegs sind, hätte ich noch was Feines für euch. Jedenfalls dann, wenn ihr euch ein bisschen auf weirden Folk/Pop/Indie Kram einlassen könnt. The Shifters aus Melbourne bezeichnen das selber unter anderem als Drunk Pop, was man auch so stehen lassen kann. Andererseits kann man die Band auch unter Garage einsortieren. Hm. Das ist doch scheiße schon wieder mit den Schubladen und Bands, die da partout nicht reinpassen wollen.

Es ist Lo-Fi Hi-Fi. Es ist karg und stark instrumentiert. Es ist vielstimmig und eintönig und langsam und repetitiv und tanzbar. Es sind 5 junge Leute, die bereits seit 3 Jahren zusammen Musik machen und mit Have a Cunning Plan ihr zweites Album veröffentlicht haben. Dieses Mal auf dem schönen Label Trouble in Mind. Von den limitieren orangenen Platten sind nur noch ne handvoll da, von den limitierten Kassetten ebenfalls nur noch sehr wenige (warum???). Also dann.

Die Platte rockt jetzt nicht dermaßen los, dass man aufspringt und seine Ü-Eier Sammlung aus dem Regal reißt. Die schleicht sich eher so von hinten an und bleibt dann klammheimlich mit den Melodien im Kopf. Schön.

Amyl and the Sniffers – Some Mutts (can’t be muzzled) 7″

Zwei neue Songs von Amyl and the Sniffers. Ihr wisst schon, diese Band, von der ich neulich so begeistert war. Inzwischen auf Rough Trade gelandet und im Januar mit einer (der ersten) LP am Start, haben die vier Australier vor 3 Wochen schon mal eine Single herausgebracht, die wahrscheinlich als Vorgeschmack dienen kann.

Und wenn die Lieder dieses Appetithappens nicht so gut wären, hätte ich mir das hier gespart. Denn irgendwie riecht man da so einen kleinen Hype, der mich jetzt schon nervt. Single kostet in den USA 15$ (haha), in Australien bereits ausverkauft (haha) und in Europa noch gar nicht zu haben (haha), außer über Discogs für 50€ (hahahahaha).

Die Band ist gerade auf Tour durch die USA und Europa. Ihr könnt ja versuchen, auf einem der Konzerte eine der Singles abzugreifen.

Bad Moves – Tell No One LP

Ja, verdammt. Meistens sind ja diese Beipackzettel der Labels mit inhaltsleeren Phrasen und maßlos übertriebenen Vergleichen angereichert, um eine aktuelle LP einer aktuellen Band zu bewerben/verkaufen. Aber hier, bei den Bad Moves aus Washington D.C., da stimmt tatsächlich mal die Aussage des Labels.

It’s a perfect power-pop album — alternately explosive and vulnerable, loud and tender.

Mehr muss man eigentlich nicht zu der Platte sagen. Vielleicht noch ein paar Eckdaten?

Erschienen bei Don Giovanni im September. Bad Moves haben bereits vor 2 Jahren eine recht ansprechende Single veröffentlicht, das hier ist also ihr gelungenens full-length Debüt. Bad Moves sind zu viert – zwei Mädels, zwei Jungs. Die meiste Zeit singt Emma, aber da ist viel Abwechslung und Chor mit im Spiel – cool! Ich bin durch Martha auf die Band aufmerksam geworden, die hatten das Album stark angepriesen. Vielleicht kann man die beiden Bands auch soundtechnisch ein bisschen vergleichen, falls ihr sowas jetzt lesen wollt. Ansonsten würden mir vielleicht noch Baby Ghosts einfallen?

Tolle Platte.

J. Robbins – Swing Left EP

Es gibt so manche Stimmen, denen kann ich immer gut zuhören. Da sind zum einen natürlich die der toten Künstler und Musiker, die sich in meinem Kopf tummeln und mir stets mit schlechten Ratschlägen zur Seite stehen. Oder die Stimme von Skinny Norris, großartig – konnte ich mir immer sehr gut anhören, bis ich herausgefunden habe, dass es auch die Stimme von David Hasselhoff ist. Ugh.
Wenn es aber um Gesangsstimmen geht, schwöre ich auf die drei J.s. Denn mit J. Robbins, Jeff Burke oder Jeff Pezzati kann ich selten was verkehrt machen. Umso schöner ist es, wenn einer von denen mal wieder was Neues veröffentlicht hat. Heute zum Beispiel der gute alte Jawbox Frontmann J. Robbins!

OK, das sind jetzt nur 3 Coversongs, aber immerhin. Leicht instrumentiert mit Gitarre, ein bisschen E-Drum und Cello (Gordon Withers) werden Mission of Burma, Gang of Four und MX-80 relativ identisch nachgespielt. Da steckt jetzt nicht wahnsinnig viel Kreativität drin, aber alle drei Songs werden durch die Interpretation von J. Robbins auch nicht schlechter. Zudem geht der Erlös dieser EP an swingleft (könnt ihr ja selber mal nachlesen, was die machen) und das kann ja auch nicht schlecht sein.
Also im Endeffekt ein „ganz nett“. Ich hatte schon Schlimmeres hier, sagt Lester, aber was versteht der Penner schon von Musik.

Punking out

Hier, mal was Audiovisuelles für die jungen Menschen mit der niedrigen Aufmerksamkeitsspanne. Ein Film über das CBGB, bzw. ein paar Bands, die sich da herumgetrieben haben. Der dauet nur ne knappe halbe Stunde und man ist hinterher genau so schlau wie vorher, aber nett ist das allemal.

Falls ihr also Ramones, Dead Boys oder Richard Hell and the Voidoids mögt oder sogar noch nicht kennt – dann schaut hier mal rein. So war das früher. Opa erzählt vom Krieg. Und ich lese die ganze Zeit immer „Puking out“. Naja.

South Bay Bessie – Can’t Skate CS

Den Song hätte ich mit 15 ziemlich abgefeiert. Ok, heute auch. Das spricht nicht unbedingt für meine geistige Reife, aber drauf geschissen.

50-50 No Way. 360 Not Today. Acid Drop? I don’t know. So grab your board and LET’S GO!

Haha.
Ach so. Ist letztes Jahr auf Kassette erschienen (eine Auflage von 24 Stück) und die Band kommt aus Flint, Michigan. Dieser Ort, an dem das Wasser freundlicherweise mit Blei angereichert ist und die Leute sich bloß düber beschweren.
Somit erübrigt sich auch die Frage, was die Leute da ins Wasser tun, damit die Jungs so quietsch vergnügt im Style von Chixdiggit meets Queers ihren Punk Rock und vor allem ihre Talentfreiheit in Sachen Skaten so sympathisch runterrotzen.
South Bay Bessie – was fürs Wochenende.

Muscle Dungeon – Beef Angel CS & Split 7″

Also zunächst einmal wurde hier in Sachen Namensgebung schon einmal alles richtig gemacht. Und darüber hinaus – egal, in welcher Kombination man die 4 Substantive miteinander verbindet, es kommt immer eine coole Kreation heraus. Erinnert mich an dieses Kinderspielzeug, bei dem man unterschiedlichen Häuptern verschiedene Torsos, Beine und Füße zuordnen kann und das dann teilweise furchtbar lustig aussieht. OK.

Muscle Dungeon klingen so, als kämen sie aus Denton, Texas. Ist aber schon wieder eine Band aus Portland, Oregon. Allerdings haben die 4 Jungs schon ein paar Mal bei Marked Men und dergleichen Bands reingehört, würde ich mal so behaupten. Sehr eingängiger Garage Punk Rock mit schönen Gesangsmelodien, hübsch scheppernden Schlagzeug und wilden Gitarren, die im Vordergrund großartig simple Akkordfolgen schrammeln. Dazu kommt das gewohnt souveräne Mastering von Daniel Husayn und fertig ist die Laube. Wenn dann zudem der erste Song auch noch „Bong Jovi“ heißt, ist die Single eigentlich direkt schon gekauft. Die 5 Songs sind allerdings lediglich auf Kassette erschienen. Ugh.

Da die Band aber unermüdlich ist, haben sie nach dem Tape im Januar 2017 bereits im Dezember letzten Jahres eine Split 7″ mit The Lightheads veröffentlicht und dafür zwei neue Lieder geschrieben. Cool. Wollte ich nur gesagt haben, damit die Vinylfreunde hier auch was Haptisches erfahren können, wenn sie den Kram gut finden. Also ich find das gut, allein wegen der Titel. Ich mein, „Zen Garden of Bullcrap“ – das ist schon geil, oder?