South Bay Bessie – Can’t Skate CS

Den Song hätte ich mit 15 ziemlich abgefeiert. Ok, heute auch. Das spricht nicht unbedingt für meine geistige Reife, aber drauf geschissen.

50-50 No Way. 360 Not Today. Acid Drop? I don’t know. So grab your board and LET’S GO!

Haha.
Ach so. Ist letztes Jahr auf Kassette erschienen (eine Auflage von 24 Stück) und die Band kommt aus Flint, Michigan. Dieser Ort, an dem das Wasser freundlicherweise mit Blei angereichert ist und die Leute sich bloß düber beschweren.
Somit erübrigt sich auch die Frage, was die Leute da ins Wasser tun, damit die Jungs so quietsch vergnügt im Style von Chixdiggit meets Queers ihren Punk Rock und vor allem ihre Talentfreiheit in Sachen Skaten so sympathisch runterrotzen.
South Bay Bessie – was fürs Wochenende.

Muscle Dungeon – Beef Angel CS & Split 7″

Also zunächst einmal wurde hier in Sachen Namensgebung schon einmal alles richtig gemacht. Und darüber hinaus – egal, in welcher Kombination man die 4 Substantive miteinander verbindet, es kommt immer eine coole Kreation heraus. Erinnert mich an dieses Kinderspielzeug, bei dem man unterschiedlichen Häuptern verschiedene Torsos, Beine und Füße zuordnen kann und das dann teilweise furchtbar lustig aussieht. OK.

Muscle Dungeon klingen so, als kämen sie aus Denton, Texas. Ist aber schon wieder eine Band aus Portland, Oregon. Allerdings haben die 4 Jungs schon ein paar Mal bei Marked Men und dergleichen Bands reingehört, würde ich mal so behaupten. Sehr eingängiger Garage Punk Rock mit schönen Gesangsmelodien, hübsch scheppernden Schlagzeug und wilden Gitarren, die im Vordergrund großartig simple Akkordfolgen schrammeln. Dazu kommt das gewohnt souveräne Mastering von Daniel Husayn und fertig ist die Laube. Wenn dann zudem der erste Song auch noch „Bong Jovi“ heißt, ist die Single eigentlich direkt schon gekauft. Die 5 Songs sind allerdings lediglich auf Kassette erschienen. Ugh.

Da die Band aber unermüdlich ist, haben sie nach dem Tape im Januar 2017 bereits im Dezember letzten Jahres eine Split 7″ mit The Lightheads veröffentlicht und dafür zwei neue Lieder geschrieben. Cool. Wollte ich nur gesagt haben, damit die Vinylfreunde hier auch was Haptisches erfahren können, wenn sie den Kram gut finden. Also ich find das gut, allein wegen der Titel. Ich mein, „Zen Garden of Bullcrap“ – das ist schon geil, oder?

Wild Gossip – I Wish I Could Stay In Bed For Weeks

Nur mal so zur Auflockerung. Jetzt, wo wir September haben, vielleicht eine passende Frage: Was passiert eigentlich in diesem Monat, den Peter and the Test Tube Babies kaum erwarten können und den Billy Joe Armstrong anscheinend am liebsten verschlafen will (Achtung, der Link führt tatsächlich zu dem offiziellen Video)? Worauf freut sich eine britische Punk Rock Band, wohingegen eine amerikanische Punk Rock Band kaum die Kraft aufzubringen scheint, sich aus dem Bettchen zu quälen? Die faulen Penner.

Nun, ich kann euch diese interessante Frage nicht beantworten und lediglich spekulieren. Vielleicht regnet es in den USA unentwegt im September und in England gilt die Sperrstunde nicht mehr? Was ich aber sagen kann ist, dass die Rock Band um Billy Joe nun mit dem Song „I wish I could stay in bed for weeks“ unbekannte Unterstüzung aus Schweden erhalten hat.

Der ehemalige Mitstreiter bei den Terrible Feelings und Nightmen, Anton Collinder, hat seit der Auflösung von den großartigen Nightmen eine Solokarriere begonnen und bereits einen Song bei Soundcloud hochgeladen. Das ist jetzt noch nicht so besonders viel, aber schon Bad Religion haben ja gesungen „quality or quantity, a choice you have to make.“

Und der Song ist super. Qualitativ hochwertig, sozusagen. Man hört direkt bei den ersten Akkorden eigentlich schon, wer hier Girarre spielt. Man hört bei den ersten Klängen des Gesangs eigentlich schon, woher dieser Power Pop kommt. Das können nur Schweden. Das klingt nach Terrible Feelings und Nightmen. Das klingt nach Anton Collinder – fertig.

Unter dem Namen Wild Gossip wird der talentierte junge Mann dann hoffentlich bald eine Platte veröffentlichen, die mit tausend weiteren guten Songs bestückt sein wird. Bis dahin kann er ja mit Billy Joe im Bett kuscheln, die 4 Wochen gebe ich ihm noch.

Civic – New Vietnam 12″ EP

Also wenn so ein „bürgerlicher“ Sound klingt, dann will ich nicht wissen, wie die Jungs von Civic „Punk“ definieren. Denn der Rock’n’Roll Rotz von Civic aus Geelong in Australien hat mal so gar nichts Bürgerliches an sich (nicht zu verwechseln mit den ebenfalls australischen Civil Civic, die machen Pop).
Vielmehr wird hier im Stile von ihren anderen Landsleuten The Saints geschnoddert, was das Zeug hält. Obwohl, streng genommen hab ich den Vergleich nur angestellt, weil es beide Rock Bands aus Australien sind. Ließe man den geografischen Aspekt außer Acht, könnte man die Band auch mit MC5 oder Stooges vergleichen, weil sie verzerrte Gitarren spielen. Wow, warum nicht gleich Rolling Stones und Sonics? Ach, Schubladen.
Stellt euch einfach eine schnellere Version von Rocket from the Tombs vor, die sich mit Hank Woods die Bühne teilt. Irgendwie anachronistisch in dem Sound der Siebziger verhaftet, aber so wuchtig und leistungsstark wie eine hochmoderne Dampfwalze auf Spikes.

Erschienen ist die 12″ EP bereits im April bei Anti Fade Records in Australien, und bislang hat sie ihren Weg noch nicht so recht in die europäischen Plattenläden gefunden. Schade, das ist ziemlich geiler Scheiß.

Chain Cult – Isolated EP

Wenn ihr euren Post Punk irgendwie düster aber trotzdem poppig mögt, dann checkt mal die drei Jungs aus Athen. Chain Cult haben im Januar bereits ihr sehr gutes Demo auf Kassette veröffentlicht, aber jetzt hauen sie mit ihrer Isolated Ep zwei Songs raus, die jedem Estranged Fan unter die Haut gehen müssen.
Klingt wie eine ganze Menge Portland, wo die Menschen anscheinend oft depressiv sind. Zum Glück kann die gebeutelte Jugend in Griechenland da mithalten…

Erschienen bei La Vida Es Un Mus auf grünem und schwarzen Vinyl. Klingen beide gleich, glaub ich.

Das Demo gibts im übrigen auch inzwischen auf Vinyl bei La Vida Es Un Mus.

Chastity – Death Lust LP

O Canada. Jetzt habe ich diese Platte dreimal gehört und ein Bier dabei getrunken; es bleibt mir ein Rätsel. Das ist ein Künstler, der das alles alleine geschrieben hat? Hui. Und der hatte Shows mit den Priests, Fucked Up und Metz, bevor er irgendwas veröffentlicht hatte? Ich glaub, ich find den Kram richtig gut. Ok, vielleicht waren es auch drei Bier und nur ein Durchlauf der LP.

Aber lasst euch nicht täuschen – das Album Death Lust fängt ja irgendwie so Indie-poppig an, aber wird dann schnell schon etwas grungig. Dann streut der talentierte Mr. Brandon Williams ein wenig (Post-)Hardcore ein, um dann den Rest des Albums heftig am Thron von den Deftones zu rütteln und Shoegaze, Stoner-Post-Nu-Metal Scheiß mit melodischen Sprenklern hier und da zu zelebrieren. Und dann kommt zwischendurch so ein Pop-Song wie „Heaven Hell Anywhere Else“. Was soll man damit anfangen? Einfach alles toll finden? Puh.

Ach, hätte ich doch bloß Ahnung von Musik, dann könnte ich das ganz großartig mit anderen Bands vergleichen und der hier beschriebenen Band Unrecht tun. Aber so wie es aussieht, müsst ihr den Kram selber in eure Schubladen stecken. Ich kam mir beim Hören auf jeden Fall ein paar Mal so vor, als würde ich einen Sampler hören. Sehr abwechslungsreich, sehr cool, sehr vielschichtig.

Erschienen bei Captured Tracks im Juli.

Manuela Iwansson – Dream Lover EP

Dass sich die großartigen Terrible Feelings vor ein paar Jahren aufgelöst haben, konnte ich nur verwinden, weil mir damals die Sängerin Manuela eine sehr gute Band empfohlen hat, bei der ihr Gitarist mitspielte. Das waren die Nightmen – super Band, solltet ihr mal alles ganz schnell kaufen von den Jungs.
Aber so gut dieses Surrogat auch war und ist, es ist Süßstoff und kein Zucker. Die Stimme der Terrible Feelings fehlt.

Daher war meine Freude groß, als ich gehört habe, dass Manuela eine Solo EP aufgenommen hat und bald veröffentlichen wollte. Hier ist nun das Ergebnis.
Hm… Habt ihr auch das Gefühl, dass sich die ersten Takte und Gesangsmelodien von „Dream Lover“ so anhören wie „Rebell Yell“ von Billy Idol? Vielleicht bin ich das auch nur.

Habt ihr denn auch das Gefühl, dass die EP etwas zu sauber ist und wahrscheinlich mehrere Durchläufe braucht, bevor sie so richtig zündet? Es fehlen ein bisschen die Ohrwürmer, es ist ein bisschen zu sehr Synthie und 80er. Die Stimme ist natürlich nach wie vor großartig. Ich weiß es nicht.
Man gut, dass der Kram erst nur in Schweden auf Vinyl zu haben ist, so kann man sich erst einmal Appetit heranhören und dann zuschlagen, wenn die lokalen Plattenläden und Mailorder die EP im Sortiment haben.

Entscheidet selbst.

Gad Whip – Post Internet Blues LP

Wieder einmal hervorragender Scheiß auf Vinyl aus dem Hause X-Mist: Gad Whip, ein Trio aus England (Yorkshire, I believe), das sich irgendwie auch in diesem Post-Punk Universum verloren hat, in dem The Fall und Sleaford Mods ausgebrannt und zu einer Supernova verschmolzen sind. Das zumindest sagt so ziemlich jeder als Referenz, der sich dieser Band bisher gewidmet hat. Na, meinetwegen.

Man hört also etwas Sprechgesang und etwas Gitarre und ein taktgebendes, treibendes Schlagzeug. Alles gar nicht mal so minimal wie bei den angeführten Bands, sondern teilweise richtig klangvoll. Mir würde da vielleicht noch Listener zu einfallen, aber auch nur ein bisschen. Tolles Album, endlich auf Vinyl. Die Kasper haben nämlich zuvor bereits fünf Alben veröffentlicht, allerdings lediglich auf Kassette.
Vielleicht liegt es daran, dass die Band ein bisschen zurückhaltender geworden ist? Der Post Internet Blues ist zumindest meiner Meinung nach das zutraulichste Album der Band bislang, wenn man dem Sänger Pete Davies nicht allzu sehr beim Schimpfen zuhört – so gesehen nicht zahm, eher der Wolf im Schafspelz.

Die ersten 50 LPs sind im hübschen clear/swirl Vinyl unterwegs und klingen noch besser als die usseligen schwarzen Scheiben. Schnell schnell!

The Cool Greenhouse – London 7″

Wo wir gerade beim Wetter waren. Hier eine schöne Idee: the cool greenhouse! Wer sagt denn eigentlich, dass diese Dinger immer heißer und heißer werden müssen? Die können ja auch mal kühlen. Hahahahahaha. Ach, ich weiß es doch auch nicht.

The Cool Greenhouse ist auf jeden Fall eine relativ neue Band aus London, bei der ich gar nicht so genau weiß, ob es sich nicht bloß um einen einzelnen dünnen Typen handelt, der alles alleine macht. Die Musik wirkt jetzt jedenfalls nicht so unfassbar eloquent, als dass es eine richtige Band hätte einstudieren müssen. Aber egal, sowas heißt heute einfach Post-Punk. Auf jeden Fall hat er mit der Single „London“ 2 lustige Songs bei Market Square Records veröffentlicht, die auch recht zügig ausverkauft war.

Musikalisch ist das natürlich irgendwie total repetitiver Scheiß, der nicht mal besonders originell ist, aber Text ist gut und Performance ist gut und irgendwie ist dann auch die Stimmung gut. Den Song und den Text von London kann man wahrscheinlich mit anderen hippen und teuren Städten einfach mal gleichsetzen und sich über die Absurditäten erfreuen. Dazu kann man sich auch ein nettes und buntes Video ansehen.

End of the World ist dann kein Cover von R.E.M., sonder eher eine willkommene Erleichterung, dass der ganze Scheiß endlich vorbei ist. Der Typ hat netten Humor – kann man sich für 2 Songs mal drauf einlassen.

Personality Cult – s/t LP

Hier, nur mal ganz kurz – es ist zu heiß und ich muss zurück ins Planschbecken. Mögt ihr Buzzcocks, Marked Men und/oder kanadische Garage/Powerpop Bands? Nein? Geht kacken. Ja? Dann sind die vier Jungs aus North Carolina von Personality Cult genau das Richtige für Euch.
Das Debüt Album ist gerade bei Drunken Sailor erschienen und bietet für das Genre recht abwechslungsreiche 10 Lieder. Find ich ziemlich gut, bester Song wahrscheinlich nach dem ersten Hören „Brazen„.
Nach mehrmaligem Hören bestimmt…boah ne, sorry. Zu warm – wir sehen uns, wenn die Hitze nicht mehr stimmungsfeindlich ist.

In der Zwischenzeit – geile Band.