Ultra Lights – Nostalgia b/w Clocking Out 7″

Nur, weil jetzt auf einmal ein paar hedonistische Flachwichser mit Geld in der Hose, Fingern an der Oberlippe und Scheiße im Kopf da ausländerfeindliche Dummgesänge angestimmt haben, macht man direkt so einen riesigen Wirbel drum?
Ich mein, das ist ok, dass die Spaten dafür ein bisschen Spießrutenlauf machen müssen, aber letztlich sind das ja keine Neonazis. Das sind nicht einmal rechtsradikale Gewalttäter, sondern nur gelangweilte FDP-Wähler, die so halt Parties feiern, wenn die Musik laut genug im Ohr und das Koks tief genug im Arsch angekommen ist.
Ich glaub, das ist ganz normaler Wochenendzustand in der Hälfte aller Clubs und Discos der Republik und unter den TOP5 des Abends sind stets "Leila" und "Ausländer raus" zu finden. Man will ja was zum Mitsingen haben. Naja.

Schönere Nummern haben Ultra Lights aus Atlanta im Angebot, die gerade erst ein paar Mal auf der Bühne standen und schon eine Single aufnehmen mussten, weil der Labelboss so angetan von denen war. Ist. Zigaretten und Bier, aber beide bitte ultra light – ein bisschen poppig und Indie für den Sommer. Passt.

Chunklet Industries. Kam auf 60 handgeschnitzten Singles heraus und die sind schon alle weg. Aber die machen ein Album.
Ich bin ja aufm Dorf aufgewachsen und da weiß man halt, dass ab einer gewissen Uhrzeit und Promillezahl die Hakenkreuzfahnen auf dem Schützenfest geschwenkt werden. Diese Trottel sind halt jetzt in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Cool.

Yambag – Mindfuck Ultra 12″

Ich bin mal ne Woche im Urlaub. Muss das Konzept meines Restaurants mit griechischen Spezialitäten noch ausfeilen. Wir hören uns dann später wieder, ne? Auf die Plätze, fertig, Yambag. Die schnellste Band aus Cleveland. Wer zuerst fertig ist bei deren Proben, kriegt ein Eis. Anders kann ich mir das nicht erklären. Hui.

Convulse Records. 11 PM Records. Ein paar in Farbe und viele in schwarz. Einen Namen für den Laden hab ich schon. "Ouzonst". Naja…

Personal Damage – Violent Ritual 7″

Eine kleine Zeitreise zurück in die erfolgreiche Skateboard-Konsolen-Phase unseres Lebens, die auch nur eine Reminiszenz an noch frühere Zeiten aus der echten und wahren Welt war. Personal Damage hätten wunderbar auf jeden der Soundtracks zu den zahlreichen Tony Hawk Pro Skater Spielen gepasst und würden heute noch den ewig Gap-suchenden Mittvierzigern in den Ohren nachklingen.

Südkalifornien unter der brennenden Sonne, ein leerer Pool und ein paar Kids aus der Nachbarschaft. Schlagzeug, Gitarre, Bass und drei Mikros reingeworfen und los gehts – der beste Abend Deines noch jungen Lebens kann beginnen und findet morgen wieder statt. Und wieder. Und wieder.

Der Sound der 80er Hardcore Bands, die unkaputtbar schienen und vielleicht nicht wussten, wie man P.A.R.T.Y. oder besser H.O.R.S.E. buchstabiert, ist für immer mit einer kühlen "Scheißegal" Haltung verbunden und transportiert eine jugendliche Freiheit, die ansteckend wirken kann. Ich zum Beispiel gehe jetzt raus und putze das Auto. 5 Songs unter 6 Minuten von den Jungs aus Los Angeles. Geiler Scheiß.

Sorry State. Kam auf 7″ Single raus und findet vielleicht auch den Weg über den Atlantik. Bis dahin schon mal die Playstation Daumen warmspielen und üben, das hidden Tape in Venice Beach zu holen. Knifflig.

Workers Comp – S/T LP

Nanu, das ist ja gar kein Punk Rock?

Passt gut auf euch auf, Kids. Vielleicht wollt ihr das nicht hören, aber früher oder später…wenn ihr älter werdet, erweitert sich irgendwann automatisch der Horizont nördlich und südlich eurer Gürtellinie und auf einmal sitzt ihr da auf eurem prallgefüllten Geldkoffer von der Arbeit, die euch nicht passt und regt euch über die falsche Kartoffelsorte zum Abendessen auf.

Festkochend Schmestpochend, Cilena.

Und dann hört man auf einmal so tolle Musik wie Workers Comp und plant sein Wochenende bereits am Dienstag und legt die Wäsche für den Rest des Monats raus. Ist das dann schlecht? Hm.
Schmeckt wie das leckere Getränk nach einer bekackten Woche am Freitagabend in deiner Lieblingskneipe. Klingt wie die fleischgewordene Umarmung einer Valiumtablette mit softem Kissenbezug. Toll.

ever/never records. Kommt auf LP demnächst raus. Interessanterweise ist die Entwicklungsgeschwindigkeit der jeweiligen Horizonte ungleich verteilt, nicht reziprok und oft diametral gegenläufig. Schon spannend.

Goldzilla – Goldzilla vs. Dortmund

Manchmal bin ich zu doof für Englisch und Spanisch und alle anderen Sprachen außer der meiner Mutter. Dann hänge ich ne Woche an den Lippen irgendwelcher deutschsprachigen Punk Bands, die Deutschland kacke finden und freu mich riesig darüber, wie eloquent und in welcher Vielfalt man seine Missgunst gegenüber Mackern, Bullen, Faschos und Kapitalisten zum Ausdruck bringen kann.

So schön kann Deutsch sein. Bei Goldzilla in Berlin findet man nicht nur Dreampop, sondern auch zwischendurch noch sowas wie Liebeslieder. Oder zumindest Ohrwürmer, die sich nicht um oben genannte Reizthemen drehen. Schön.

Was? Das ist nicht alt. Du bist alt.

Valley Street – S/T CS

Eine Hommage an die 90er Jahre Krachfabrik aus den Kassettenrekordern auf den Schulhöfen nachmittags um vier. Indie Punk Rock Garage Gewusel um die James Brothers (oder Cousins? Keine Ahnung, gleicher Nachname, verwandt) aus Omaha mit jeder Menge verzerrten Gitarren und Melodien, viel Scheppern und eine Menge Schieflage hier und da.

Valley Street! Das sind einerseits ein paar Jungs in der "Neubauphase" ihrer Band in Dielheim / BW, die gerade nur noch "Lead Gitarre, Rhythmus Gitarre, Gesang, Schlagzeug, Keyboard" suchen und dann gehts ab. "Let’S Have Fun".

Das ist aber andererseits auch unbeschwerter, sonniger und fröhlicher Gute-Laune-Sound mit genügend Lärmappeal, um dazu noch ein bisschen Skateboard zu fahren. Und damit meine ich die 4 Jungs aus Omaha’s Club der coolen Leute. Viel unterschiedlicher Kram kommt hier aus der Garage zusammengefegt, das macht gute Laune und erinnert bei guten Momenten sogar ein bisschen an Action Patrol. Cool.

Dirtbag Distro. Auf Kassette erschienen und mit 27 Minuten in 11 Liedern fast schon zu lang für die Aufmerksamkeitsspanne meiner Hörer- und Leserschaft. Reißt euch zusammen – lohnt sich.

Faucheuse – Rêve Électrique LP

Man sollte einfach immer zu Hause bleiben und niemals in den Urlaub fahren, sich nicht die Natur und andere Kulturen anschauen und immer brav und gelangweilt vorm Fernseher oder Display hocken bleiben.

Traut man sich nämlich mal raus, merkt man erst wieder, wie scheiße öde das alles um einen ist und wie toll es andere Welten haben. Das kann man sich dann aber leider nicht im Zalando-Katalog bestellen und auch nicht mit ner VR-Brille daheim beim Kacken erleben. Das muss echt sein und nur dann schmerzt es, sobald man wieder den ersten Schritt ins heimatliche Büro gesetzt hat.

Hurra – dazu stimmungsvolle Musik von Faucheuse, was so viel bedeutet wie eine Mähmaschine. Ich als Kind vom Land hab natürlich direkt den akustischen Zusammenhang hergestellt zwischen Band und Name. Nicht. Keine Ahnung, was das soll, aber in Frankreich gehen den Bands wohl auch so langsam die Substantive aus.

Faucheuse aus Bordeaux dreschen auf jeden Fall angenehm geschmeidig mit ihrem Punkigen (Post) Hardcore eine Schneise in den langweiligen Nachmittag und machen Lust auf die nächste Achterbahnfahrt ohne Festhalten. Tolle Mischung aus Lärm und Melodie, Platsch und Plätschern. Bester Start in die Woche.

Symphony Of Destruction. Kann man auf LP kaufen. Eignet sich auch für die Fahrt in den Urlaub irgendwohin, wo alles nach ein paar Monaten genauso kacke ist wie zuhause, weil man sich ja selber immer mitnehmen muss. Toll.

Steve Albini und Shellac und ich

Man sagt, jeder wisse noch heute, was er am 11. September 2001 gemacht hat. Und zwar nicht nur die Barbaren in der westlichen Abendland-Welt, sondern auch die zivilisierten Araber im Morgenland. Der Tag, an dem ein paar Verrückte beschlossen, mit großen gekaperten Flugzeugen in zwei Hochhäuser in New York City zu fliegen, ging in die jüngere Geschichte ein und so, wie damals die Mondlandung bei Opa und Oma, wurde auch dieses einschneidende Erlebnis live im Fernsehen übertragen.
Jeder weiß, wo er war und was er gerade gemacht hat, als ihn die Nachricht erreichte, dass die Türme eingestürzt sind. Rumms, einfach weg.

Ich zum Beispiel war auf dem Weg nach oder bereits in Berlin, ist ein bisschen verschwommen. Gemeinsam mit meinem damaligen Gitarristen und Kumpel bin ich im Zug nach Braunschweig gefahren, wo uns unser damaliger Sänger und Kumpel ins Auto verfrachtete und bis zum Maria am Ostbahnhof fuhr. Wie das damals so war, liefen die ganze Fahrt über irgendwelche Kassetten und man hat geraucht und gelacht und voller Vorfreude auf das bevorstehende Konzert noch ein paar Lieder mehr vom letzten Album durch das leiernde Tapedeck gejagt. Am Abend sollten Shellac spielen. Die Band hatte ich zwei Jahre zuvor bei einer anderen Frau (Vera) in Groningen gesehen und wurde damals absolut umgehauen von der Performance, dem Sound, der Atmosphäre und dem kleinen Mann am Mirko da vorne auf der Bühne.

Als wir in Berlin einfuhren, war auf einmal sehr viel Polizei unterwegs und alle wirkten irgendwie recht nervös, schlecht gelaunt und angespannt. Ich glaub, wir haben dann mal das Autoradio angemacht und erfahren, was auf der anderen Seite des Atlantiks am Tag geschehen war. So richtig verstanden hab ich das damals nicht, auf keinen Fall konnte ich erahnen, was das für die Zukunft der Welt bedeutete. Uns war das an dem Abend relativ egal – wir haben uns auf die Show gefreut und allem Anschein nach hatten auch Shellac nichts Besseres zu tun, als in der ollen Halle am Ostbahnhof ein Konzert zu spielen.

Auch an diesem Abend hab ich mich komplett im Sound der Band verloren und konnte sogar die neuen Songs genießen, die dann erst 6 Jahre später auf Vinyl erscheinen sollten. Was für eine Band, was für ein Typ, sind das da selbstgebaute Verstärker? Puh, was für ein Typ.

In den Jahren danach sind Shellac immer wieder nach Europa gekommen und ich bin der Band im gleichen Rhythmus auf die Konzerte gefolgt und wurde nie enttäuscht. Zwischen der Vera ’99 und dem Festsaal Kreuzberg ’22 lagen ein paar tolle Abende mit Shellac, aber das beste Konzert war tatsächlich das erste und das schlechteste irgendwie auch das letzte, obgleich ich nie ein "schlechtes" Konzert von der Band erlebt habe. Festsaal Kreuzberg ist halt einfach kacke. Man bewertet Gold wohl anders, wenn man viel Gold gesehen hat.

Irgendwie hab ich die letzen Alben alle nicht mehr so häufig gehört wie die ersten Singles und meine Bewunderung für die Band ist eher einer Bewunderung für Steve Albini gewichen. Er ist mehr als Person und Persönlichkeit in den Fokus gerückt. Der Musiker und Produzent (Verzeihung, Engineer) trat dabei in den Hintergrund. Ich könnte viele Videos hier reinstellen, die man sich mal ansehen sollte, oder die endlosen Threads und Kommentare, die allesamt sehr lesenswert sind…sucht euch die besten Sachen einfach mal selber heraus.

Stellvertretend, und weil es mein Leben nachhaltig beeinflusst hat:

Wir sind nachts noch nach Braunschweig zurück gefahren, nachdem wir einen kurzen Aufenthalt in der Notaufnahme hinter uns bringen mussten. Mein Gitarrist und Kumpel hatte sich das feuchte Taschentuch gegen den Lärm zu weit ins Ohr gedrückt und bekam es nur noch mithilfe von chirurgischer Hilfe wieder heraus…wir hatten damals noch nicht verstanden, dass dieser "Lärm" der beste Sound der Welt ist und dieser Mann da am Mikro das Talent und den Willen dafür hat, diesen Lärm auf tausenden Alben anderer Bands festzuhalten.

Was für ein Typ. Schade, viel zu früh.

Cell Deth – Demo

Ach, wozu hat man Freunde? Fifa zocken? Bier trinken? Wahlkampfhelfer verprügeln? Ja, bestimmt.
Aber das schönste ist doch, wenn man einen gemeinsamen Musikgeschmack teilen und sich gegenseitig neue Bands mit Begeisterung vortellen kann.

Zum Beispiel Cell Deth aus Epekwitk von den Prince Edward Inseln. Die stelle ich mit Freude meinen Freunden hier vor, aber auf solch eine entlegene Hardcore Insel wäre ich von alleine gar nicht gekommen. Danke, Jan.

Das vierköpfige Geschoss spielt eine brachiale Version von Hardcore Punk mit extra Schepper in der Sauce und wenn ein Song mal über eine Minute dauert, liegt das schon an einem famosen mid-tempo Breakdown, der sich nach Knochenbrüchen vor der Bühne anfühlt. Ziemlich tolles Demo – nicht zu verwechseln mit Cell Death.

Eine Single kommt da bald auf 7″ bei Sewercide Records heraus, davon kann man auch schon mal einen Song hören. Klingt aber genauso, also tuts auch das Demo – hier hat man immerhin 4 statt nur einer Minute Ohrenbluten. Schönes Wochenende.

Malin Pettersen – Seasons

Na, freut ihr euch auch schon aufs Wochenende? Ist ja immerhin schon Dienstag und morgen nur noch ein bisschen und dann wieder 4 Tage wach, um den Schlaf anschließend im Büro nachzuholen. Und es dreht sich immer so weiter.

Und dann passt man ne Minute nicht auf und ist 30 geworden und 40 geworden und 50 geworden und was zur Hölle ist mit den Haaren passiert und wohin geht das Augenlicht, wenn es dunkler wird?

Malin Pettersen  aus Oslo hat sich dazu Gedanken gemacht und mit ihrer Gitarre und einem Rekorder in ihren Schrank gehockt und ein Album eingespielt. Wunderschön. Leider nur 6 Lieder, danach musste sie dringend aufs Klo und schließlich ist das ein folkiges Singer-Songwriter Album und kein pissestinkendes Punk Rock Manifest. OK.

Die With Your Boots On Records. Kommt erst im September heraus und vielleicht dann auch auf einem physischem Tonträger, wer weiß. Wenn die Augen so richtig schlecht werden, kann man offensichtlich immer noch Cover für Singer/Songwriter Alben entwerfen, passt doch!