Warp Lines – Human Fresh LP

Und der Preis für das beste Post Punk Indie Rock Album aus Kanada, das auf Dischord Records hätte erscheinen sollen geht dieses Jahr an Warp Lines mit Human Fresh.
Ja, meine Güte, da haben die drei Jungs aber mal eine feine Mixtur aus den letzten 20 Jahren 30 Jahren (scheiße, bin ich alt) unpopulärer und populärer Punk,  Emo und Indie Bands zusammen gerührt und uns in Form von Human Fresh vor die Füße gekotzt.

Erstaunlicherweise sind hier unter anderem Leute von Steve Adamyk Band und The New Calling am Start, was man mal so überhaupt nicht vermuten würde. Der Sound bewegt sich meiner Meinung nach vielmehr irgendwo zwischen den Get Up Kids, wenn sie fuzziger wären und den Obits, wenn sie poppiger wären und Hüsker Dü, wenn sie fröhlicher wären und Bluetip oder Jawbox, wenn sie rotziger wären.

Erschienen ist das Debüt Album jetzt bei dem tollen Label Dirt Cult Records in Portland – und man kann das bei Different Kitchen auf Platte bestellen.

Und ich dachte immer, aus Kanada kommt nur Pop, Garage oder HC Punk. Die können auch PostPopGarageHCPunk. Sensationell.

Personality Cult – Pressure Point

Oh. Ich durfte in meiner Eigenschaft als äh, Aushängeschild der deutschsprachigen Punk Rock Gemeinschaft neben zweihundertsiebenundachtzigtausend anderen Leuten bereits in das neue Album von den großartigen Personality Cult reinhören und bin einigermaßen sehr schwer total begeistert.
Schade, dass ich nicht den ganzen Rabbatz direkt mit euch teilen darf und zunächst nur die Single zum Stream zur Verfügung steht. So was ist dann wohl Marketing und Pressearbeit – Nun denn.

Pressure Point ist nicht mal der beste Song vom Album – meiner Meinung nach nicht mal annähernd, aber bitte…

Das Album New Arrows erscheint erst am Valentinstag nächstes Jahr, ihr könnt das Teil aber bereits beim Label Dirtnap vorbestellen und tausend Mark Porto bezahlen.

Die erste LP hatte mir ja schon sehr gut gefallen, die letztes Jahr beim Drunken Sailor erschienen war. Das zweite Album ist jetzt noch ein bisschen glatter, könnte man sagen. Vielleicht liegts daran, dass es von Jeff Burke so schick produziert wurde; das passt auch ganz gut zum Sound der Band. Der liegt ziemlich genau nirgendwo zwischen Marked Men und Buzzcocks? Ach, mal schauen, was die Pressemappe sagt…Hm, Hüsker Dü und Adverts, aber das höre ich nicht so…naja.

Auf jeden Fall sind zum Bandgründer und Mastermind Ben Carr ein paar Musiker dazugestoßen und machen mit ihm gemeinsam North Carolina unsicher.
Das ist sicherlich ein Highlight von 2020 und ihr könnt das schon jetzt bestaunen. Verrückte Zeiten, in denen wir leben.

Bleakness – Functionally Extinct LP

Die drei Franzosen aus Nantes oder Paris oder Lyon (man ist sich nicht sicher) haben sich nach ein paar starken Singles nun mit ihrem Debüt Album in einer gemütliche Ecke von düsterem Post-Punk versteckt und machen dort ihren wohlverdienten Winterschlaf.
Dann können sie von dort fein beobachten, wie sie mit so Sachen wie the Estranged, Red Dons, ihren Landsleuten von Nightwatchers und Telecult oder auch den tollen Chain Cult verglichen werden.

Aber wenn man jetzt den tausendsten Aufguss von derlei Bands erwartet, dann täuscht man sich, denn erfreulicherweise bringen Bleakness genügend eigene Ideen, Talente und Kreativität auf ihrer Platte mit, so dass man beim Hören hin und wieder den Kopf verwundert (begeistert) hebt und genau hin horcht.
Ich mein, welche Post Punk Band packt schon ein fucking Saxophon aus? Ha, toll.
Ansonsten viel Gitarren Gedudel, starke Bassläufe, ordentlich Wumms vom sehr tighten Drummer und ein traurig frustrierter Gesang, der das ganze Werk abrundet. Erscheint offiziell am Nikolaustag bei Sabotage Records.

Konnte man vorbestellen. Jetzt nur noch bestellen. Vinyl ist trotzdem gold/Gold.

Mononegatives – Cheap Heat Tour Tape / Sure Shock / 5 Second Future

Aus dem kanadischen London kommen die 3 Synthie-PowerPop-NewWave-Garage-PunkRocker von Mononegatives, die mit diesem „Tape“ bereits ihr drittes Release in diesem Jahr veröffentlichen. Na gut, insgesamt sind das auch nur 11 Lieder auf drei Singles verteilt, aber immerhin. Denn eigentlich startete das Projekt mit nur einer Person: Rob Brake.

Gut, die Erwähnung des Namens hat bei mir jetzt auch nicht gerade Begeisterungstürme oder ein lautes AHA hervorgerufen, sondern eher ein Stirnrunzeln verursacht, aber der Typ scheint dort oben in London, Ontario schon einiges an Bands und Musik bewegt zu haben. Schön.

Jetzt sind die Mononegatives auf jeden Fall zu dritt und schreiben fleißig Songs und veröffentlichen die bis jetzt eigentlich nur digital. Das Cheap Heat Tour Tape ist der erste physikalische Beweis ihrer Arbeit – neben der tatsächlichen Tour, die sie im November in den USA gespielt haben.

Ich find die super – gute Mischung aus eingängigem Garage Punk und melodischem Synthie/New Wave Gedöns, der zwar auf diesem Tape hier etwas kurz kommt, aber bei den anderen beiden Releases ein bisschen mehr im Vordergrund steht. Könnte man locker alle 11 Lieder auf eine schöne LP pressen…ich mein ja nur.

Dann pack ich die anderen beiden Sachen auch mal hier rein, falls ein A&R von irgendeinem Label hier mit liest und noch einen großartigen Hit braucht.

Chain Whip – 14 Lashes LP

Verdammt nochmal. Was hab ich eigentlich im Juli gemacht? Wieso ist diese geniale Platte von Chain Whip so lange hier liegen geblieben? Hä? Ach so. Urlaub – na dann eben jetzt.
Das Beste kommt zum Schluss und so, kennt ihr ja vom Mittagessen, wenn man erst mal die Kruste von den Fischstäbchen abpult, um sie dann ganz zum Schluss genussvoll zu verzehren.
Ungefähr so ist das hier auch. Chain Whip – die musikgewordene Fischstäbchenkruste!

Sehr guter Mix aus wütendem Hardcore und anachronistischem Punk Rock à la KBD. Mal voll auf die Fresse, dann wieder wilder Pogo Punk. Irgendwie zwischen Fear und Black Flag, wenn das Sinn ergibt.
Tut es nicht, denn die Band ist nicht mal aus den USA, sondern kommt aus Vancouver und vielleicht muss man sie dann mit den großartigen D.O.A. vergleichen. Oder mit zeitgenössischen Mitbewohnern wie Sore Points? Könnt ihr gerne machen.

Letztes Jahr schon mit einer Single bei unserem Freund von Dirt Cult Records auffällig geworden, können sie mit diesem Album Debüt bei mir auf jeden Fall einen Platz in den diesjährigen Top 10 der besten Hardcore Punk Platten aus Vancouver sichern. Nur ein Song über 2 Minuten. Cool!

Wenn ihr die Platte irgendwo findet, bitte mitbringen. Danke. Ich koch dann auch was Leckeres…

Goon – Natural Evil LP

Was war eigentlich die ursprüngliche Marketingstrategie bei Haribo, als sie dieses ekelhafte Sortiment von Weingummi, Lakritze und anderen mundgerechten Kackwurststücken („Konfekt“) in eine Tüte packten und dann Color-Rado nannten? Ich glaube, Johann (Freunde nannten ihn „Hans“) Riegel hat einen großen Brocken von seiner Wolke heruntergekotzt, als er das gesehen hat. Das kann doch niemand mögen!
Tja, wie man sich täuschen kann – das widerliche Zeugs gibt es inzwischen seit über 50 Jahren. Man sollte nie den grausigen Geschmack seiner Mitmenschen unterschätzen.

Ich hatte diese schaurige Assoziation auch nur, weil die Band hier aus Denver, Colorado stammt. Und irgendwie passt die Platte und Band auch zu dem Naschzeug aus der Hölle, wenn man bedenkt, dass es einen ziemlichen Deppen („Goon“) bedurfte, um solch eine bunte Tüte auf den Markt zu bringen und noch mehr Goons, um den Scheiß auch noch zu kaufen. Über den Bezug zu „Natural Evil“ muss man dann ja schon gar nichts mehr sagen, oder?
Eigentlich ist das Debüt von Goon auch ein Konzeptalbum zu dem Thema, wenn man es mal genau nimmt und zwischen den Zeilen liest/hört.

Ach, eigentlich ist es „nur“ eine ziemlich geile Hardcore Platte, die viel zu schnell vorbei ist. Hier tut sich Erstaunliches – die Band springt mit Leichtigkeit von „Auf-die-Fresse“ zu verspieltem Post-Hardcore Gedudel weiter zu Metal-Solo und zu einem Noise-Gewitter. Innerhalb eines Songs. Irgendwie erinnert mich der Kram stellenweise an Hank Wood und dann wieder an Fucked Up und dann wieder hab ich gar keine Assoziation oder muss an Haribo denken. Schlimm.

Natural Evil wird abgeliefert in einem astreinen Soundgewand aus fetten Gitarren, herrlich magerem Schlagzeug und bösem Bass. Darüber der wütende Gesang und fertig ist eine feine Platte. Glückwunsch. Abwechslungsreiche Songs im Hardcore, wer hätte das gedacht.

Kann man beim Label (Convulse Records) in limitiertem Vinyl vorbestellen.

Putzfrau – Demo 2019

Ich dachte ja beim Namen verständlicherweise an eine deutsche Band, die eher so pseudowitzig ausm Dorf heraus Schrammelpunk mit „lustigen“ Texten macht. Trotzdem hab ich mal reingehört, weil das Cover so scheiße aussieht.
Ja, deswegen macht man sich doch im Proberaum bei den Pausen (saufen) auch immer so großartig Gedanken zum Bandnamen, damit eben nicht derlei Assoziationen entstehen, ne?
Da grübelt man herum (saufen) und lehnt so lange gemeinsam Vorschläge ab, bis es jedem total egal ist (zu viel saufen) und man sich auf irgendeinen Scheiß einigt.

Keine Ahnung, wie das hier gelaufen ist, aber es ist auf jeden Fall komplett anders, als ich gedacht hab. Die Band kommt nicht mal aus Deutschland, sondern aus Portland, Oregon und macht auch nicht Schrammelpunk, sondern Hardcore. Und zwar richtig guten, einfachen, brillanten Hardcore Punk. Der, der schlechte Laune und gute Laune macht.

Ich hab keine Ahnung, wer dahinter steckt, wie viele Menschen da mitwirken und wieso die sich so genannt haben. Was ich weiß, ist, dass sie bei 8 Liedern 7 mal unter einer Minute bleiben und durchballern, was das Zeug hält. Fantastisch!

Schön, dass man sich so täuschen kann. Leider nur 10 Minuten, aber die sind hui. Forward Thinking ist der Hit. Und Running. Und Sick Sad World. Ach, alles geil.

Liquids – 2 Soft Serves and a Hard Rock

Wenn man in Mathe ganz ok war, kann man dem Titel bereits entnehmen, dass es hier drei neue Songs von den famosen Garage Punkern aus Indiana zu bestaunen gibt. Indiana, da scheint es im übrigen wohl eine recht fruchtbare Szene zu geben, denn da kommen immerhin auch die nicht weniger guten Coneheads und Cowboys her, um nur zwei von den vielen Bands da zu nennen. Aha.

Jaha. Und eben auch die beiden Typen von Liquids, die natürlich auch bei den tausend anderen tollen Bands irgendwie ihre Finger und Füße mit ihm Spiel haben.
Falls ihr bis jetzt noch nichts von den Liquids gehört haben solltet, lasst euch sagen, dass es sich hier um Material aus dem Bereich des DIY low-fi Garage Punk Gedudels handelt, das inzwischen auf über 15 Veröffentlichungen kommt.
Wird aber irgendwie nicht langweilig, ist immer gut. Selbst jetzt mit einem Song, der einer Ballade ähnelt. Jaha, Aha, Oha.

Für Freunde und Fans von tödlichem Durchfall.

Chain Cult – Shallow Grave LP

Die drei Griechen aus Athen haben mich letztes Jahr mit ihrem Demo und der ersten EP bereits davon überzeugen können, dass man richtig guten düsteren Punk Rock/Hardcore à la Estranged spielen kann, ohne furchtbar depressiv herüber zu kommen. Das haben sie zwar dann live nicht so verifizieren können, allerdings war da auch wenig los und die Stimmung an dem Abend war eh ein bisschen depri, also schieb ich das mal nicht auf die Band. Lieber auf die Crust Leute mit den Hunden…

Nun haben Chain Cult auf jeden Fall ihre erste LP aufgenommen und veröffentlichen diese ganz brav und treu bei La Vida Es Un Mus, wo auch schon besagte EP und Demo Singles erschienen sind. Und was soll man sagen?

Die sind noch mal ein Stückchen besser geworden, ohne ihren Sound verändert zu haben. Es sind einfach noch eingängigere Riffs, noch besseres Zusammenspiel von melodischem Bass und Gitarren-Echo-Hall und noch besserer Gesang, der sich von Zeit zu Zeit auch mal geschickt zurückhält. Tolles Album!

Leider darf ich hier erst mal nur 2 Songs anbieten; wer das komplette Teil anhören möchte, muss vorerst den exklusiven Stream bei Cvltnation nutzen. Aber vorbestellen könnt ihr das Ding schon.
Marketing läuft also.

Was muss man eigentlich für einen exklusiven Stream machen? Und was soll das? Check ich nicht. Punk Rock, Alter!

Chained Bliss – Stained Red CS

Auch schon ein paar Wochen her, dass Chained Bliss ihr Debüt digital veröffentlicht haben, bevor die 4 Songs dann wohl demnächst auf einem Label erscheinen sollen/werden, das es noch gar nicht gibt? Ach, fragt mich nicht. Aber wenn es im Internet keine Suchergebnisse erzielt, mag man schon fast nicht an die Existenz einer Sache glauben, ne? Schlimme Zeiten.
Ihr könnt aber gerne trotzdem versuchen, Where’s The Pleasure Records anzuschreiben, zu besuchen oder eine Pre-Order für das Tape einzureichen. Viel Erfolg.

Bis dahin kann man allerdings auch für nix (name your price) die Lieder herunterladen und sich an dem feinen Mix aus Red Dons und Reatards erfreuen. Coole Band aus Philadelphia. Sollen Leute von Neophobe mit dabei sein. Noch so ne Band, über die ich nix weiß…
Schwierig heute mit der Recherche, ich brauch mal einen Punk Rock Detektiv, den ich anrufen kann oder so.

Notiz für mich: Mal im Auge behalten, die sind gut.