Orsini – Ezin Atera LP

Poppiger Garage Punk aus Bilbao mit mehrstimmigem Gesang, tollen Gitarren und noch mehr Melodien im Abgang. Sympathisch cleane Gitarre. Orsini sind eine runde Sache auf Spanisch. Un asunto redondo. OK.

Andalucía Über Alles und Crapoulet Records. Auf LP erschienen und beim Label noch zu bekommen. Auch rund. También redondo.

Society – Reign Of Flies LP

Mein Gott, klingt das scheiße. Ist das ne Snare oder eine leere Dose Ravioli mit einem alten Tennissocken drin?

Ich verstehe ja irgendwie diesen Charme des "ungeschliffenen" und "rohen" und den ganzen "lo-fi" Trara im Garage Punk Universum. Aber man muss schon mal fragen dürfen, wie viel Dilettantismus erlaubt ist bei den heutigen Möglichkeiten, ein professionelles Studio aus einem Telefon und äh, naja das war’s eigentlich. Nix Bauen. Nur Telefon aufstellen, Socken in die Dose stopfen, Gitarre, Bass und Gesang warmspielen und nacheinander aufnehmen. Das wird nicht ein Studio ersetzen, aber klingt auf jeden Fall richtig gut.

Und mit Absicht auf schlechte Qualität und lo-fi machen ist natürlich jedem Künstler vorbehalten und dann eben auch Kunst, kein Problem. Es schmeckt aber immer irgendwie nach "Armut ist cool" Gehabe. Wer das mit "DIY" gleichsetzt, behauptet ja auch, DIY muss schlecht sein. Zumindest schlechter als Industrie. Warum? Wir reden ja nicht von Millionen Budgets und dicken Produzenten, die ein gutes Album kaputt machen.

Ich bin da ziemlich hin- und hergerissen – Society aus Philadelphia hat hier ein super Post Punk Garage Krach Album rausgebracht, das ich jeden Tag sehr gerne zu Dosensuppen hören kann. Prima Melodien, schön verrotzte Attitüde und beste Grundstimmung für den Waldspaziergang zum Pilzesuchen. Aber auf Dauer räkel ich mich wohl lieber in der Gemütlichkeit einer Albini Abmischung. Geschmackssache.

Under The Gun Records. Das haben Leute auf Vinyl gepresst. Das ist Avantgarde, dafür bist du zu doof.

Spike – S/T LP

Könnt ihr euch noch daran erinnern, dass das Festnetz die einzige Möglichkeit war, um aus dieser beschissenen Matrix rauszukommen? Egal, ob von Büro oder Telefonzelle, Zuhause oder irgendeinem anderen öffentlichen Telefon. Und wir schaffen nach und nach alle ab. Hilfe, ich muss hier raus. Die spinnen doch alle.

Zur Beruhigung ein bisschen Synth Pop. Weil ich das kann. Ich kann hier machen, was ich will. Spike ist der private Entspannungs-Ausgleich von Hannah McLoughlin, die ja bekanntermaßen eigentlich eine irische Feldhockeyspielerin ist. Oder ich bring was in dieser bekloppten Matrix durcheinander, keine Ahnung. Googelt doch selbst.

Gob Nation. Auf LP erschienen. Wo ist meine Medizin, ich brauche meine Medizin.

The Exbats – My Dinner With Crumar LP

The Exbats haben ein neues Instrument für sich entdeckt und spielen damit ein bisschen herum. Den Crumar Orchestrator. Der Name klingt ein bisschen wie etwas, das sich James Cameron in seinen Folterkeller stellen würde.

Das Gerät klingt ein bisschen wie ein Synthie mit Orgel- und Pianofunktion. Oder umgekehrt. Ein String Synthesizer, soso. Da knarzt und pupst es manchmal, dann quietscht und spielt es wieder schöne Harmonien, zu denen Inez mehrstimmig ihren Gesang zaubert. Das wirkt direkt ein wenig erwachsen. Warum auch nicht, die Band gibt es seit 16 Jahren und in der Zeit ist vielleicht auch der eine oder die andere gewachsen. Man bekommt das, was drauf steht – die Melodien und Gesangslinien sind eindeutig Exbats, nur ein bissl weniger folkig.

Kann man so machen, find ich toll.

Die machen das selbst und 300 limitierte Platten sind demnächst erhältlich, aber denkt an Porto und Zoll und Steuern. Sechs von zwölf Songs kann man hören und ich glaub, ich hab auch mal Gitarre und Schlagzeug gehört, wenn der Synthie heiß gelaufen war. Cool.

Xanny Stars – Take Sharp 7″

Richtig tolle Garage Pop Punk Band aus Cleveland, die das jetzt auch schon seit sieben Jahren macht. Eingängig, melodisch, mehrstimmig und laut. Nach meheren LPs und Single spielen die Xanny Stars morgen ihre Release Show in der Little Rose Tavern und danach erst einmal wieder längere Zeit nicht mehr.

Guter, solider Schachzug, wenn man seinen neuen Scheiß verkaufen will. Aber wenn man sich als "most anxious Band" des Landes betitelt, dann darf man sich auch live rar machen, denk ich mal. Cool.

Just Because Records. Auf 7″ erschienen und schon käuflich zu erwerben. Gibt nur 100 Stück, also werden wir davon eh nie was sehen. Funktioniert aber auch digital ganz gut, wenn man ein bisschen Sonnenschein auf dem Weg zur Arbeit benötigt, während die soziale Kälte im ÖPNV die Lebensfreude aus den Gesichtern der Menschen saugt.

Flangipanis – Blaze Of Glory

Die gibt’s immer noch? Meine Güte. Die Band müsste jetzt schon ihr 15-jähriges Bestehen feiern, wenn ich richtig rechne. Damit sind Flangipanis jetzt so alt wie ihr Zielpublikum, herzlichen Glückwunsch!

Poppiger Skate Punk oder Skatiger Pop Punk oder Punkiger Pop Skate. Sieben Lieder für die Kurzatmigkeit in der Wochenmitte. Auf geht’s, brecht euch die Haxen auf dem Rollbrett.

Das soll angeblich ihre letzte LP sein. Die angeblich auch bald auf Vinyl veröffentlicht wird. Mal sehen. Derweil kann man sich davon überzeugen lassen, dass Geigen in Punk nichts verloren haben. Oder vom Gegenteil. Ja.

Mesh – No Fun At All LP

Wusstet ihr, dass in Texas traditionell die Gesetze am 1. September in Kraft treten und der Gouverneur dann tagelang zuvor nichts anderes tut, als die Dinger zu unterzeichnen?

Letztes Jahr waren das über 1100 Unterschriften/Gesetze, da kann man schon mal unachtsam werden, was man da unterschreibt. Unter anderem sind dann so tolle Dinge rechtlich bindend wie die Annahme, es gäbe nur Mann und Frau als Geschlecht und daraufhin ist es zudem Lehrkräften verboten, über Diversität zu sprechen (in einem Staat, in dem über 2 Millionen LGBTQ Erwachsene leben).
Oder ganz neu alt: mithilfe dieser Liste sollen die Schulen in Texas ihre Bücher aus der Bibliothek verbrennen, ansonsten wird die komplette Lehranstalt verstaatlicht und die Räumlichkeiten der Bib werden zu gemütlichen Nachsitz-Knästen umfunktioniert. Crazy. Das kann bei uns zum Glück nicht passieren.

Mesh aus Philadelphia haben ihr Debüt Album veröffentlicht. Toller Post Punk mit Tiefe, ohne an Melodien und Leichtigkeit zu sparen. Das klingt ein bisschen nach einer Mischung aus den 80er Jahren UK Bassläufen und aktuellen Gesangslinien aus Australiens Kneipenlandschaften. Sehr cool.

Feel It Records. Auf LP erschienen. No Fun At All haben auch schon 9 LPs rausgebracht und eine hätte gereicht, vor allem, wenn man doch offensichtlich keinen Spaß daran hat. Aber egal.

Schneckenkönich – Alright LP

Hä? Das ist ja ne Rhythm & Blues Band. Aus Leipzig. Wasn hier los? Hab ich mich auf der Frequenz vertan? Nimmt der Typ jetzt Geld für den Scheiß hier?

Nö. Aber ich hab mir irgendwann mal gesagt, dass ich jedes analoge Release, das mir zugeschickt wird, auch mit einem Artikel verwöhne vernichte. Heute Schneckenkönich, die mir Gregor noch ins Paket gelegt hatte und auf die ich sonst wohl nie gestoßen wäre.

Klingt wie eine Band, die hinter den Netzvorhängen in den amerikanischen Bars spielt, wo sie von gelangweilten Rassisten mit Bierflaschen beworfen werden. Die meinen und können es gut, allein, es fehlt mir die Prärie, um so richtig in die Stimmung zu kommen. Das kann man bestimmt richtig gut hören und wertschätzen, wenn man gerade den Grill vom Vorabend putzt und die verkohlten Wurstreste abkratzen muss, während ein kühles Bier im Cooler daneben steht. Aber ich hab halt nix davon hier herumstehen und esse keine Wurst.

Sounds Of Subterrania. Auf Vinyl erschienen mit einem tollen Cover, das die Band aus Knete geformt darstellt. Schon geil. Und das mit der Prärie und dem Wüstenstaub erledigt sich demnächst von ganz alleine. Die Rassisiten haben wir ja schon hier. OK.

Tiny Doris – In Den Dosen LP

Das letzte Mal, als mir eine Doris auf den Plattenteller geplumpst ist, war sie noch tödlich. Was ist nur aus dem Feminismus geworden, wenn die sich inzwischen schon selbst klein machen? Einst gefährlich, heuer lütt.

Aber man soll ja ohnehin nicht vom Namen auf den Inhalt schließen, hab ich gelernt. Dann schauen wir doch mal, was in den Dosen der Tiny Doris so drin ist. Acht Songs aus dem Zauberkasten der Punk Historie. Garage, Post, Egg, egal – hier wird alles bedient und manch ein Hörer benötigt erprobte Ohren, um dem Kunstschwall standzuhalten.

Keine Ahnung, ob die drei Berliner den Anspruch haben, anspruchsvoll zu sein, aber manchmal klingt das Album wie eine Abschlussarbeit einer Kunsthochschule, bei der die Probanden für ein Semester unter Drogen gesetzt wurden und nun die Ergebnisse aus den Proberäumen in die kalte Realität der Gesellschaft kippen müssen, die kollektiv verständnislos die Augenbrauen hochzieht.

Früher hat man dazu Punk gesagt.

Tomatenplatten. Auf LP im September komplett erhältlich, jetzt schon einmal 2 Songs zum Studieren. Schröder-Köpf war auch noch so ne Doris, die mir unangenehm aufgefallen ist. Kennt die noch jemand? Die war auch nicht sonderlich groß. OK.

Various Artists – No Time For Fun Vol.12 CS

Wochenende, keine Zeit für Spaß. Kümmert euch endlich mal um die neue Öllieferung und den Garten und das Feuerholz für den Winter und die Dusche muss geputzt werden, ihr Dreckspatzen. Der Kühlschrank könnte mal ausgewischt werden und wer füttert endlich den Hamster und die Zimmerpflanzen?

Die Antwort liefern ca. 25 Powerviolence und Grindcore Bands auf einer Veröffentlichung, die nicht einmal ne halbe Stunde dauert, glaub ich. Hektischer Lärm mit Aggressions-Rucksack und zwei drei Farbtupfern, die sich auf dem Sampler verloren haben. Hier wird zum Beispiel auch ein Cover von Fugazis meist gestreamten Song feilgeboten. Interessant.

Guter Soundtrack für ein bisschen Haushalt.

No Time Records. Auf Kassette erhältlich. Grindcore ist eine schöne lautmalerische Bezeichnung für Musik. Powerviolence hingegen erinnert mich eher an stumpfe Käfigkämpfer mit sinnlosen Knochenbrüchen zum Feierabend. Aha.