Pocket – I Don’t Wanna Wait

Ein Bundeskanzler, der den Großteil "seines" Volkes hasst und misstraut, kann nichts Besseres verdienen, als den absoluten Vertrauensverlust sämtlicher Bürger.
Geht ihr jetzt auch zum Arzt und lasst euch für den Rest des Jahres krankschreiben? Oder holen wir uns ne Mistgabel und marschieren nach Berlin? Beides? OK!

Pocket ist eine junge Pop Punk Band aus Bristol, die heute ihr erstes Konzert spielen. Stark. Veröffentlichen gerade digital bei Specialist Subject Records und dann kommt da bestimmt auch bald ein Album. Wieso laufen alle in die falsche Richtung gerade, hab ich das Memo nicht bekommen, dass wir bis 2030 den Laden schließen wollen? Feels like Götterdämmerung.

Hail Maria! – What Kind Of World Is This? CS

Das frage ich mich auch, Hail Maria! Das frage ich mich auch. Nutze das gesamte Wochenende, um darüber nachzudenken.

Digital Hotdogs. Auf Kassette erschienen und sehr zu empfehlen. Irgendwie so Garage Psychedelic Weirdo Hippie Punk Rock. Wobei der Punk Rock Anteil eher so subtil im Kopf passiert und nicht auf der Tanzfläche.

S.U.G.A.R. – III LP

Zum Glück nummerieren die Berliner Sleaze Garage Pub Punk Rocker ihre Alben durch, es nervt ja immer schon, den Bandnamen auszuschreiben, da brauch ich nicht noch einen ellenlangen Titel. Naja, aber muss ja…

S.U.G.A.R. haben offensichtlich ihre dritte LP rausgebracht, wenn man der römischen Zählweise Glauben schenken darf. Die Band frönt weiterhin dem Sound und den Drogen der späten 70er Jahre New Yorks und Sydneys und wirft für den guten Geschmack noch ein paar Brocken ungentrifizierten Großstadtviertelschmutz mit in die Spritze.

Schön rotziger Kram, der vor der Bühne mit Bier spritzt und bei dem die ganzen schlechten Tattoos vor Aufregung anfangen zu fluoreszieren. Kann aber auch an den Drogen liegen.

Sehr empfehlenswert, falls ihr auf der Suche nach einem Soundtrack für die Fahrt in die Entzugsklinik seid.

Alien Snatch. Auf LP erschienen und bei dem nächsten Album ist das Black Flag Logo komplett.

Mirage – S/T LP

Die zweite Hälfte des Jahres beginnt vielversprechend. Euer Benzin und Diesel kostet jetzt doppelt so viel, weil ihr in den Jahresurlaub fahren wollt. Selbst schuld, könntet ja auch umweltbewusst fliegen. Schließlich ist das Bio-Kerosin jetzt günstiger, das klimafreundlich aus den Zukunftsträumen von kleinen Kindern gewonnen wird.

Die Zölle werden angepasst (keine 150€ Freigrenze mehr) und für jeden Produkttyp, den man außerhalb der EU-Grenzen erwirbt, muss man mal eben pauschal mind. 3€ bezahlen. Also CD, LP, Shirt, Button, Aufkleber, 7″, Tape machen zusammen schon einmal 21€ nur an Zollgebühren, haha.

Als Konsequenz dann bitte alle einfach hier bleiben und europäische Scheiße von deiner gestiegenen Rente auf dem Binnenmarkt kaufen. Und wenn du das Pech hast, arbeitslos zu sein, dann such dir gefälligst schnell einen lausigen kack Job, sonst kommst du in die Wurst, es nennt sich Grundsicherung. Geil. Hab voll Bock.

Musikalisch Unterstützung erfahren wir heute von Mirage. Italienischer Hardcore aus New York auf Roachleg Records erschienen. Kann man auf Vinyl kaufen. Muss man mal durchrechnen, was günstiger ist. Vielleicht besser hinfliegen und dann durch den Zoll schmuggeln.

Spucke – Zustand LP/CS

Spucke aus Hamburg machen Indie Oi Garage Punk. Ich weiß, das passt nicht, aber für jede einzelne Schublade liegen sie zu unbequem und ecken bei den Bands an, die sich da schon drin tummeln.
Zwei der neun Songs des Albums kann man schon einmal hören und die machen Spaß und Hoffnung auf sieben Brötchen mehr voller musikalischer Gräten und Sabber und Fischabfällen. Die LP ist leider teuer, weil sie bei NFT rauskommt und dann wohl dort auf der Insel auch gepresst wurde und Zoll und Porto und Kurtaxe?

Keine Ahnung, vielleicht sind das auch Kapitalisten, ansonsten ist der Preis von 22€ für eine LP mit 20 Minuten Spielzeit und 9 Liedern eher was für Leute mit 13 Gehältern. Aber digital kostet jeder Song nur einen Euro, also das Album dann 9€ insgesamt. Der Markt regelt das schon.

La Pochette Surprise Records & No Front Teeth Records. Haben wir dann jetzt eigentlich alle Körperflüssigkeiten im Punk vereint und können ein kleines Festival starten? Oh nee. Da fehlen ja noch mindestens Schweiß, Tränen, Eiter und Durchfall und, ach…

The Sex Shoppe – S/T CS

Gibt es eigentlich so ordinäre Sex Shops noch? Das müssen dann auch echte Überzeugungstäter sein, die fernab von der Anonymität des Internets breitbeinig in den Laden schreiten und nach 5 Pfund Sexheften verlangen. Warum nicht.

Lo-Fi Garage Punk mit Cramps Geschmack. Keine Ahnung, welche Einstellung am Gitarrenverstärker da genutzt werden muss, um diesen typischen Sound zu kreieren, aber ich hoffe, sie heißt Cramps.

Einfach den Kippschalter um- und loslegen. Wirkt dann direkt sympathisch dilettantisch und punkish. Ab in den Sex Shoppe. Ganz geil.

Ragdoll Records. Auf Kassette erschienen. Soll auch bei Goodbye Boozy kommen – dann auf Vinyl? Hab ich noch nichts von gesehen. Wird wohl in der Schmuddel-Ecke aufbewahrt.

Rumeur – À Nos Mains LP

Keine Ahnung, warum ich da ne alte Zeitstrafe Band im Ohr habe, wenn ich das Debüt von Rumeur auf meinem MP3-Player beim Brustschwimmen genieße, es muss die mangelnde Bildung im Genre Screamo sein. Das ist doch Screamo, oder?

Naja, ich find die ganz nett. Schweigen zur rechten Zeit, schreien und brechen aus, wenn es gerade passt und verharren in Stille, wenn man unter Wasser ist, um seiner Badehose hinterher zu tauchen. Mal was anderes.

Remorse Records. Kurhaus, die hatte ich im Ohr. Oder waren es Escapado, mein Gott, das ist so lange her. Ist ja auch scheißegal, raus jetzt aus dem Wasser ich hab schon blaue Lippen. Genießt den Schatten.

Yea-Ming And The Rumours – Residue LP/CD

Falls es euch ähnlich geht wie mir, und ihr keine schweren Metal- oder Sludge- oder Hardcore-Riffs bei der Hitze ertragen könnt, dann lasst euch an die Hand nehmen und lauscht den sanften, sonnigen und entspannten Klängen von Yea-Ming and The Rumours. Da kommt man nicht ins Schwitzen und braucht auch nicht alle 20 Minuten ein "Hydration Break", da nuckelt man genüsslich nebenbei an Eiswürfeln aus Gemüsebrühe und bliebt elektrolysiert.

Tolle neue Platte, die vielleicht mit ihrer in der Leichtigkeit gebetteten Stimmung an Sachen von Nico erinnert, wenn man sich daran noch erinnern kann.

Die beste Musik zu Kaffee, Tee und Wasser, Croissant, Erdbeereis und Marmelade. Schön.

Dandy Boy Records. Kommt auf LP und CD. Später dann wieder Garage Punk mit Limo im Bier und Chips aufm Bauch, versprochen. Schönes Wochenende, cremt euch ein, trinkt Wasser, haut einem Faschisten auf die Schnauze.

Basilisko – S/T LP

Dieses melodische Garage Punk Orgel Gedöns mit mehr Zucker als in einem durchschnittlichen Glas Nutella erlaubt ist, verklebt immer und immer wieder meine Ohren und mein schwarzes, verklumptes Herz. Gut, wenn es eh verklumpt ist, macht das ja nichts, könnte man meinen. Schiefes Bild irgendwie. Hm.

Das Duo Basilisko aus dem Basken- und Rioja-Land verbindet ja eigentlich eine Liebe zu düsteren Werken und die haben sich thematisch und musikalisch am Mittelalter zu orientieren versucht. Aber das höre ich nicht. Ich höre nur dideldadeltralala mit viel Hall auf den Gitarren. Klingt vielleicht in Spanien anders, das Mittelalter.

Auf jeden Fall höre ich bei der letzten Poison Ruïn mehr Kerkerrasseln und hier ist das eher doch charmantes Gedudel, aber wir hören ja alle unterschiedlich, ne? Lassen wir das. Schöne LP.

Flexidiscos. Erscheint heute offiziell auf blutrotem Vinyl, aber man könnte auch Rioja-Weinrot dazu sagen. Ich hab gerade den zweiten Teil von Harry Potter durch und vielleicht hat mich der Basilisk deswegen angesprochen. Also nicht angesprochen, ich kann ja kein Parsel. Ach, egal.

Rapid – Enter The Realm Of Fire LP

Sind das alles eigentlich Kinderbuchautoren, diese Black Metal und Heavy Metal Typen? Der Albumtitel verspricht ja schon ne Menge Phantasie mit Teufel und Dreizack und schlimmer Hitze und so und der Song, den man jetzt hören darf, hat auch eine blühende Phantasie aus tausend Märchenbüchern als Grundzutat im Hexenkessel, nur halt irgendwo falsch abgebogen und ins Düstere gedriftet.

Ich glaube ja, wenn die Leute von Rapid so total die Schnauze voll haben von niedlichen Drachen und Zwergen, Zuckerwatte-Bergen und den ewigen Happy-Ends aus ihrer Schreiberwerkstatt des echten Berufslebens, toben sie sich mit den gesamten aufgestauten Gewaltphantasien in der Band aus und dann kommt da sowas bei rum.
Der Gesang erinnert mich an irgendeine düstere Firedhofs-Orgel-Punk Band, aber ich hab den Namen vergessen. Aha.

Dying Victims Productions. Auf limitierten Variationen im August erhältlich. Ähnlich verhält es sich offensichtlich auch mit den Illustratoren, die wohl ebenso die Kinderbuchbilder satt haben und alle paar Monate so schrecklich gruselige Bilder gestalten müssen, um nicht regenbogen-bekloppt zu werden.