Gull House – Punch Salad

Hat jemand Belgien gesagt? Eine neue schmackhafte Scheibe der neuen EP von den Garage Punkern aus Diest liegt auf dem Teller.

Gull House schicken sich an, Mitte Juni ihre dritte und letzte EP in dem Zyklus einer Trilogie der ersten zwei Jahre der Existenz einer Band herauszubringen und werfen uns dafür Leckerbissen in Form von liedgewordener Möwenscheiße als Appetizer vor die Füße. Der Song passt ganz gut in die Stimmung des kommenden Sommers, wenn man noch nicht genau weiß, ob man sich über die kommende Hitze freuen oder ärgern soll.

Scheiß auf Klima und ab in den Urlaubsflieger oder fahre ich mit dem Biodiesel-E-Roller in den Schwarzwald? Schwierig.

UhmYeahSure. Kommt auf 7″ raus, steht zwar nirgendwo, aber ergibt ja ansonsten in einer Trilogie nach 2 Singles keinen Sinn, ne? OK.

Six Pack – Demo

Sauberer Garage Punk mit zu viel Melodie aus dem muskelbepackten Bauch locker herausgeschossen. Oder aber: verspritzte Bierreste eines 6er Packs Leffe vom Boden der Garage aufgewischt und in ein 3 Song Demo ausgewrungen.

Schöne neue Lieder mit Mitraille Beteiligung. Bissl viel Hall auf dem Gesang für meinen Geschmack, aber in Belgien macht man das so, der Gesang muss ein bissl lauter scheppern, sonst hört man im Hintergrund die Fritteuse blubbern. Cool.

Fragt sich nur noch, auf was die Band sich bezieht – Bier, Bullen-Auto oder Bauch? Oder einfach nur an den Song von Black Flag angelehnt? Spannend. Egal.

Muell – Arbeit CS

Selten so eine tolle Post bekommen wie die Promo-Geschenktüte von Muell aus Berlin. Mit der neuen Kassette, einem Paar Socken, die ich schon in kurzen Hosen zur Arbeit tragen konnte, zahlreiche Aufkleber, einem netten Brief und einem ausgeschnittenen tanzenden Skelett als Promozettel. Toll, vielen Dank.

Nebenbei sind aber auch die drei Songs ziemlich guter deutschsprachiger Punk Rock aus der schnelleren bis hektischen Ecke der dreckigen Garage. Wenn man bedenkt, dass hier ein ausgezeichneter Gitarrist am Werk ist, beruhigt mich meine Fixierung auf dieses Genre.

Manchmal fühlt es sich ja so an, als ob Punk und HC und Garage zu plump sei und man müsse sich in den Hörgewohnheiten "weiterentwickeln". Aber wenn hier ein Männlein am Werke ist, das das Instrument studiert und mit summa cum laude abgeschlossen hat und Unterricht erteilt und quasi Doktor der 6 Saiten und 12 Felle ist und dennoch keinen Bock auf Jazz oder Pop hat… dann muss ja eine gewisse Faszination von diesem Punk Rock ausgehen, die nicht vor Qualität halt macht. Toll, oder?

Punk Rock kann jeder, egal, wie gut oder schlecht man an den Instrumenten herumzappelt. Immer gut, selten Müll. Außer heute halt. Haha.

Eigenvertrieb. Kauft euch Socken, es wird bestimmt wieder kalt. Das Tape ist auch schön, aber leider schnell vorbei. Spielzeit von 3:40 unterbietet so manche 7″ Single Seite. Ausgezeichnet.

The Murderburgers – The 12 Habits of Highly Defective People LP

Habt ihr das mitbekommen, dass immer mehr alkoholfreies Bier in Deutschland getrunken wird? Ich glaub, diese Meldung habe ich schon einmal im Oktober gehört? Egal. Es scheint also zu stimmen.

Man sagt, dass inzwischen jeder 9. Liter Bier, der getrunken wird, ein alkoholfreier ist. Da stellt sich natürlich die Frage, ob das dann noch so wichtig ist, nach 8 Litern ein alkoholfreies hinterher zu kippen. Aber schön, Finger weg vom Alkhoflol, Kinder! Hicks.

Passend dazu eine Platte aus dem Jahr 2016, als Deutschland noch Spitzenreiter war und man zu jeder Pop Punk Platte sinnlos Bier getrunken hat. The Murderburgers aus Schottland werden nächstes Jahr auch schon 20 Jahre alt und bringen so langsam ihre Jubiläumsalben wieder raus. Kann man machen, passt noch. Schönes Wochenende.

Brassneck bringt die LP auf rosa raus. Damals war das noch Asian Man. Auf dem Cover kann man mich und alle meine Freunde beim Hören des Re-Releases sehen. Prost?

Pin-Up Sisters – High Wire CS

Ich verstehe diese Genrebezeichnungen nicht mehr, weswegen ich ja auch irgendwann angefangen hatte, alles nur noch als Garage Punk zu bezeichnen. Ihr könnt das gerne so kleinteilig molekular aufdröseln, wie ihr wollt, aber es bleibt am Ende Punk Rock.

Oder eben Garage Punk, wenn es ein bissle krachiger und lofi sein darf. Vielleicht fällt mir dann gelegentlich ein Metal-Pups vor die Füße und ich bemerke das nicht, oder es schmuggelt sich ein Egg-Punk Geschöpf in die Playlist, ohne dass ich das bemerke, aber das Risiko nehme ich in Kauf.

Heute zum Beispiel ist laut Etikett die Band Pin-Up Sisters aus Leeds eine Garage Punk lofi Rock Egg-Punk Band. Und normalerweise würde ich da sofort vor zurückschrecken, weil igitt Leierei, aber das hier ist ja gar kein Eiersalat, das ist einfach nur lofi Garage und ein bisschen weirdo Punk. Hm. Jetzt merk ich gerade, dass ich dafür, dass ich keinen Bock auf das Genre-Gelaber habe, ganz schön viel Genre-Gelaber veranstalte.

Lassen wir das. Gute Musik.

Noise Merchant. Die kann man auf Kassette kaufen. Und dann in eine Schublade packen.

Cammy Cautious and the Wrestlers – Criminal

Wo wir es uns gerade wieder in Australiens Pub Rock Punk n Roll Ecke gemütlich machen, warum nicht einen kleinen Abstecher von Melbourne nach Sydney unternehmen, wo Cammy Cautious and the Wrestlers den Ring betreten? War das eine Frage?

Bisschen runder geworden der Sound seit der letzten 7″ EP. Toller Garage Punk mit stoischem Basslauf und großartiger Sängerin plus knutschenden Menschen auf dem Cover. Davon brauchen wir mehr.

Auch keine Ahnung, was für ein Label diesen neuen Song herausbringen möchte. Genießt ihn digital. Cool.

Public House – Future 12″

Nächste Pub Rock Punk Band, die aus Melbourne am Nasenring durch die Manege geführt wird. Public House machen ungefähr da weiter, wo alle anderen australischen Sympathieträger mit Biergeschmack den Boden gewischt haben.

Mit Stiff Richards Beteiligung und das hört man. Eingängig, melodisch und somit der beste Soundtrack für die Prügelei mit den Halbstarken im Freibad oder wahlweise mit den ortsansässigen Dummbrot-Faschisten mit AFD-Wimpel im Kopf. Hauptsache Prügelei. Peace.

Keine Ahnung, wer die 12″ in den verschiedenen Farben gerade rausbringt, aber wenn ihr die live sehen wollt, dann packt schon mal die Badehose ein – die spielen demnächst auf der MS Hedi. Schönes Debüt.

Brick Wall – S/T

Ich mag kurze Lieder. Und schnelle Musik. Brick Wall haben sich das zu Herzen genommen und ein ganzes Album daraus gemacht. Nur für mich. Und euch. Nett.

Ich glaub, ich bin wegen des Covers an der Band hängengeblieben. Das sah so nach Violent Minds aus und das Album fand ich auch toll.
Wisst ihr eigentlich inzwischen, warum ihr jetzt frei habt? Jesus ist tot, auferstanden und zum Himmel gefahren (klar). Wasn nu noch? Oder fängt es gerade wieder von vorne an? Nee, Geburt ist ja auch erst im Winter. Wird sowas eigentlich bald abgefragt, wenn wir eine christliche Regierung haben? Egal.

Discontinuous Innovation Inc. Brick Wall ist auch ein sehr guter Song von den heißgeliebten Big Boys. Vielleicht bin ich nur deswegen bei der Band hängengeblieben. Oder wegen des Covers. Egal. Frohe Ferien.

The Lizzards – Cold To The Bone

Pünktlich zu den warmen Tagen kommen die Lizzards herausgekrochen und setzen sich auf den warmen Bierbauch, um das Blut zum Kochen zu bringen. Mit der weirden lofi Garage Punk Spielart der Viecher gelingt das auch ganz gut. Zumindest mir ist nicht "cold to the bone" geworden, auch wenn das vielleicht der gewünschte Effekt des neuen Albums ist. Keine Ahnung, was ich hier erzähle. Guter Garage Pub Rock und Punk. Ganz geil.

Eat Em Up Records. Digital erschienen und von den 12 Liedern ist eines ein Cover. Wer es zuerst entdeckt, erhält eine Eidechsensuppe gratis. Ok.

Torpor – Ɖungeon Ɖescent LP

Habe ich noch gar nicht erzählt, dass ich neulich auf einem Mittelaltermarkt gewesen bin. Oder heißt das Fest? Egal, auf jeden Fall war das für mich erstaunlich zu sehen, wie ernst die Menschen das meinen.

Nicht nur die äh, Aussteller/Verkäufer und Handwerker, die dort selbstgebackenes Brot und selbstgeschnitzte Langbögen und Suppenschüsseln anbieten, sondern auch die Gäste, die dort ihre neuen Kleider und Pfeile, Kanonenkugeln und Drachentöter kaufen. Dann wird zusammen im Kreis getanzt und am Abend wird ne olle Rothaarige auf dem Lagerfeuer verbrannt.

Ich glaub, ich war der einzige Mensch ohne schwarze Klamotten, Kapuze oder Umhang. Denn es zieht ja nicht nur die wahnsinnigen Hippies mit Walldorfromantik an, sondern auch die ungewaschenen IT-Nerds mit lustigen Band-Shirts voller Säbel und Kerkern und Verliesen und Schriften, die ich nicht entziffern kann.
Das bringt mich zu unserer heutigen musikalischen Untermalung. Torpor aus Polen – nicht zu verwechseln mit der Doom/Sludge Band aus Bristol (meh) oder der Punk Band aus Montreal (ganz geil) oder der Weichspüler-Indie-Künstlerin aus Neuseeland (meh) – haben sich nicht nur nach Stillstand und Lethargie benannt, sondern liefern auch den passenden Soundtrack dazu.

Ich bin da nicht involviert in der Szene, ich hab da keine Ahnung von. Ich weiß nicht einmal, was das sein soll. Speed Metal? Heavy Metal? Black Metal? Wo ist dieser Benjamin Würfel, der damals Harald Schmidt erklärt hat, was Metal ist, wenn man ihn braucht? OK, nicht mein Ding, aber vielleicht braucht ihr das ja mal zwischendurch.

Dying Victims Productions. Erscheint im Juli auf verschiedenen Formaten in tollen Farben. Fun Fact: Den Titel des Albums muss man eigentlich lispelnd aussprechen, denn die Glyphe "Ɖ" nennt sich "Eth" und steht im Altenglischen für das "th". Also "Thungeon Thescent". Haha.