Permanent Residue – S/T CS

Oh, hallo Sommer. Wie schön. Da freu ich mich aber. Ich hab auch direkt die passende Musik gefunden, um drinnen zu bleiben und kein Bier im Park mit den Freunden zu trinken und kein Picknick zu machen und nicht Tischtennis zu spielen.

Dead Broke Rekerds waren so nett und haben jüngst das Tape von Permanent Residue veröffentlicht, zu dem man ganz hervorragend alleine Autofahren kann, wenn man denn noch ein Tapedeck im Auto hat, haha. Die Band besteht zu Teilen aus den tollen Canadian Rifle und Fuck You, Idiot, kommt also aus Chicago und das hört man auch.
Richtig schöner, simpler und poppiger Punk Rock, der äh, naja, eigentlich an jede Menge verschwitztem Spaß im Keller mit vielen tollen Menschen erinnert.
Es funktioniert aber auch in Isolation so ganz gut. Die Stimme von Kate erinnert in den besten Momenten an Kim Shattuck, allerdings in den schlechtesten auch an mich unter der Dusche. Wenn ich ausgerutscht und hingefallen bin. Punk Rock.

Macht 9 Minuten gute Laune – muss reichen.

Spectres – Nostalgia LP

Diese scheiß Corona Krise macht einen fertig. Vom ständigen Händewaschen und Desinfizieren fangen meine Hände an, sich in Fetzen aufzulösen, die gelben M&Ms im Supermarkt sind ständig ausverkauft, über meinem Kopf schwirrt dauernd eine Polizeidrohne und meine Lieblingspizzeria hat zu.
Ich kann die Situation nur deshalb noch so gut ertragen, weil ich weiß, dass es Leute gibt, die es noch schlimmer erwischt hat.

Harry Potter, zum Beispiel. Der muss jetzt die ganze Zeit bei seiner dummen Familie rumhängen, weil Hogwarts geschlossen hat. Haharrr.
Ach, früher war es besser. Vielleicht passt deswegen auch gerade das neue Album von den Goth Post Punk Cold Wave Death Rockern Spectres aus Vancouver wie die Faust in die Magengrube.

Zumindest mir hat der 80er Pop, der bei Nostalgia etwas im Vordergrund steht, über eine halbe Stunde lang den Kopf frei gemacht. Erstaunlich dicht an New Order teilweise, interessant! Das vierte Album beim vierten Label – dieses Mal bei Artoffact Records erschienen, die tatsächlich auch eher auf so Darkwave und Zeugs stehen. Na dann – kann man so machen.

Die verkaufen gerade Testpressungen für läppische $100 auf ihrer Bandcamp Seite. Falls ihr sowas mögt.
Ich mag gelbe M&Ms, aber nein…scheiß Corona!

The Tacks – S/T CS

Könnt ihr euch noch erinnern? The Tacks aus Neuseeland haben im Januar bereits hier für verwirrte Begeisterung gesorgt. Damals veröffentlichten sie ihren ersten von 4 Songs, die auf dem selbstbetitelten Tape nun erschienen sind.

Jetzt kann man alle vier Lieder hören und es hat sich eigentlich nichts verändert. Sicher, ich kann hier einfach sämtliche Schubladen aufmachen und versuchen, the Tacks fein säuberlich zu zerstückeln und die blutigen Einzelteile in verschiedene Genres einzusortieren, aber warum? Post Punk. Garage. Pop. Goth. Punk Rock. Emo. Death Rock? Höre ich da sowas wie Vånna Inget heraus? Oder doch wieder the Smiths? Ach.
Einfach gut.

He, Labeltypen. Macht mal eine LP. Zwanzig Songs davon klingen bestimmt abenteuerlich gut und das kann man dann auch als Compilation verkaufen, haha.

Gesture – II Tape

In diesen trüben Tagen sehnt man sich nach aufmunternden Klängen und lieblicher Musik. Nach Sonnenschein und fröhlichem Kinderlachen. Ein wenig Optimismus und Besinnen auf die positiven Dinge des Lebens. Ja? OK.
Dann müsst ihr vielleicht eine Fanta aufmachen und das Best of von Regina Regenbogens Tagebüchern lesen.

Ich bin selber viel zu schlecht gelaunt, um hier positive Schwingungen zu verbreiten. Außerdem höre ich den ganzen Tag so furchtbar düstere Musik, die die Stimmung auch nicht gerade hebt.
Obwohl, damit wird man dem neuen Release von Gesture nicht gerecht, denn das macht ja schon Spaß. Also so Post Punk, Death Rock Spaß. Das ist ja per se eher ein Oxymoron.

Auf jeden Fall haben die Berliner Underground Helden von Gesture nun bei Static Shock vor ein paar Tagen ein ziemlich cooles Tape abgeliefert, das ganz wunderbar in die heutigen Tage passt und eigentlich bei jeder Videokonferenz mit euren Freunden als Soundtrack dienen sollte. Während ihr sitzt und schweigt und euch gegenseitig anglotzt.
Hach, schön.

Wird Zeit, dass ich wieder mehr Power Pop höre.

I Am The Fly – Demo 2020

Es ist ja fast schon erstaunlich, dass man hier bei I Am The Fly auf ein Duo stößt. Nein, nicht wegen des allzu wörtlich genommenen Namens der Band, sondern weil dieser Synth Punk ja heutzutage eigentlich vom Klo aus alleine mit einem klapprigen Amiga und der schrottigen Karaoke Anlage aus Papas Partykeller bewerkstelligt werden kann. Und leider auch viel zu oft wird.

Zum Glück haben die beiden „Musiker“ aus NRW es sich hier anders überlegt und können gemeinsam über schlecht und gut entscheiden, was schon einmal eine wesentlich effektivere Qualitätssicherung ist, als diese Ein-Mann-Shows von selbstverliebten Egozentrikern (ich zum Beispiel, haha).
Aber eigentlich wollte ich gar nicht so weit ausholen. Und immer so negativ, puh. Diese Isolation wirkt sich negativ auf mein Gemüt aus.

Hier, schöner Bandname, toller neuer Song. Synth Post Punk. Kann man so machen. Mehr, bitte.

Jetzt hör ich mir trotzdem Wire an. Zwinker.

Oswald Park – A Prescription Year

Meine Güte, hätte ich den Kram vor 10 Jahren abgefeiert. Hier kommt alles zusammen, was ich an kanadischem Pop Punk super fand: nämlich namentlich Jordy Bell.
Der Schlagzeuger von solch großartigen Bands wie The Creeps, Crusades, Cheap Whine (was soll das mit den „C“-Bands?) oder den Zebrassierers (immerhin ein „Z“) hat schon seit jeher an den Songs der genannten Bands mitgeschrieben und gesungen, warum also nicht mal alles alleine machen? Das ist ja heute sowieso chic, wer braucht schon nervige Bandkollegen, die einem das Bier wegtrinken.

Nach Ringo, Duncan und Bela nun also auch Jordy mit seinem Soloalbum! Yeah!

Und der Song, den man schon vorab hören darf (Young, Drunk and Stupid), geht am meisten in die The Creeps Richtung, wenn man Vergleiche aus seiner Vita heranziehen möchte. Irgendwie so ein bisschen Synthie und Pop Punk Geschrammel mit Adoleszenzproblemen eines 40-jährigen. Vielleicht doch näher an Bela, als man denkt, haha.

Hätte ich früher ziemlich abgefeiert, aber das hab ich ja schon gesagt. Und es ist immer noch ziemlich guter Pop Punk aus Ottawa, deswegen kleb ich mir das hier ja auch rein. Wäre bestimmt eine schöne Veröffentlichung bei Peter geworden (wir vermissen Dich jeden Tag, P.Trash!).

Jetzt erscheint das Album zunächst mal digital und dann auf fucking CD bei I Buy Records in Italien. Hm. Müsste es nicht I Sell Records heißen? Ach. Egal.

Dry Dreams – S/T

Ich bin ja kein ausgesprochen großer Fan von Sellerie. Ja, ich esse den Kram, aber ich würde mir das Gemüse jetzt nicht unbedingt auf den Unterarm tätowieren lassen. Obwohl, in einer Bloody Mary schmeckt das ganz gut. Na, egal.

Da komm ich gerade nur drauf, weil der Vogel von Dry Dreams das Hintergrundbild der Bandcampseite mit eben dieser vermeintlich gesunden Pflanze geschmückt hat. Weil das ja klar ist – Power Pop Punk Rock n Roll aus Chicago und Sellerie geht zusammen wie Jürgen Vogel und Zahnpasta Werbung.

Alle 6 Lieder wurden von Josh Rodin geschrieben, gespielt, aufgenommen, gemixt und das „Artwork“ hat der Mann auch gleich noch selbst erledigt, während er mit den Füßen Kaffee gekocht und mit der linken Hand Plätzchen gebacken hat. Blind. Mit Boxhandschuhen.

Würde gut in den Frühling passen, wenn wir nicht den gefühlten nuklearen Winter hätten. Augen zu und durch, Freunde.

Liquids – Nervous Sessions

Oha, ist das eine neue LP von den Liquids aus Indiana? Genug Material gibt es auf jeden Fall auf diesen nervous sessions, die anscheinend alle von Mat Williams alleine an einem Samstag eingespielt, eingesungen und von Erik Nervous aufgenommen wurden. Puh, das ist ja mal ein perfektes Power Duo.

Und so klingen die 12 Songs auch – ziemlich perfekter Punk Rock aus der fuzzigen Rotzecke mit genügend Melodie, um noch als Unterhaltungsmusik durchzugehen. Wie war das noch mal bei den Klitschkos und der Milchschnitte? Das hier ist auf jeden Fall mehr Bauch als Kopf.

Und die Texte laden auch zum besinnlichen Miteinander ein („I am dumb as fuck“ oder „I wanna throw up when I see your face„). Toll.

Kann das mal jemand auf Platte herausbringen? Oder arbeitet bei den Labels jetzt auch niemand mehr an den Plattenpressen? Hm.
Jetzt hab ich Bock auf Milchschnitte, Mist.

Nos Da – S/T

Mal was Neues aus dem Hause Recess Records. Das gibt es auch schon seit 30 (!) Jahren, meine Güte. Keine Ahnung, wie dieses sympathische Label von Todd Congelliere so lange so erfolgreich bleiben kann, wenn man zu Neuererscheinungen nicht mal ein kleines bisschen Werbung macht.
Ach, Scheiß auf Werbung – ein bisschen Information zu Band oder Platte würde mir ja schon reichen. Aber nix.

Ihr könnt ja mal euer Glück versuchen und ein bisschen was zu Nos Da herausfinden, wenn ihr die Band auch so toll findet wie ich. Erinnert mich stark an die großartigen Arrivals und an irgendeine Indie-Band, die mir entfallen ist.
Ein bisschen sentimentale Grundstimmung schwingt da so mit und das passt bei mir gerade in die Zeit.

Toll. Vielleicht bald tatsächlich auf Platte in Deutschland. Ich nehm eine.

Aha, lese gerade bei Facebook, dass hier Isaac Thotz (Arrivals/Treasure Fleet) seine Finger und Stimmbänder mit im Spiel hat – ich hatte also mit allem Recht. Ha!

Laffing Gas – It’s A Beautiful Day In The Gulch LP

Kurze Frage: Wenn man sich in der Jugend „Fuck The System“ auf die Stirn tätowiert hat und nun mitbekommt, dass sein Job nicht „systemrelevant“ ist, hat man dann alles richtig oder alles falsch gemacht? Frage für äh, einen Freund?

Nun denn, in diesen schlimmen Zeiten haben immerhin die Laffing Gas noch einen wunderschönen Tag in der Schlucht, was man auch auf ihrer jüngst veröffentlichten LP hören kann. Hardcore Punk mit der guten Sorte Melodie. Das haben die schon auf ihren Demos so zelebriert, aber hey, das ist ja über 5 Jahre her, da hätte man ja nicht mehr mit einem Release der 4 Jungs aus Bloomington gerechnet.

Aber seht her – hier ist das beste Stück Midwestern Hardcore Punk 2020!
Ich mein, hört euch mal „Don’t Ask Me“ an, dann wisst ihr, was ich meine. Richtig guter Bass und Gitarrensound, der von einem angepissten Hardcore Sänger par excellence verfeinert wird. Außerdem hab ich selten so viel Ridebecken im Hardcore gehört. Voll gut.

Die ersten hundert limitierten LPs sind wohl schon weg, also seht zu – auf schwarz sind die bestimmt eh viel besser. Und ansonsten: Fuck The System!