Various Artists – No Time For Fun Vol.12 CS

Wochenende, keine Zeit für Spaß. Kümmert euch endlich mal um die neue Öllieferung und den Garten und das Feuerholz für den Winter und die Dusche muss geputzt werden, ihr Dreckspatzen. Der Kühlschrank könnte mal ausgewischt werden und wer füttert endlich den Hamster und die Zimmerpflanzen?

Die Antwort liefern ca. 25 Powerviolence und Grindcore Bands auf einer Veröffentlichung, die nicht einmal ne halbe Stunde dauert, glaub ich. Hektischer Lärm mit Aggressions-Rucksack und zwei drei Farbtupfern, die sich auf dem Sampler verloren haben. Hier wird zum Beispiel auch ein Cover von Fugazis meist gestreamten Song feilgeboten. Interessant.

Guter Soundtrack für ein bisschen Haushalt.

No Time Records. Auf Kassette erhältlich. Grindcore ist eine schöne lautmalerische Bezeichnung für Musik. Powerviolence hingegen erinnert mich eher an stumpfe Käfigkämpfer mit sinnlosen Knochenbrüchen zum Feierabend. Aha.

An Tec’h – Dalc’h Da Gano CS

Das kann man nicht nur nicht lesen, das versteht man auch nicht.

Wie schön die keltische Sprache klingt, kann man bei der bretonischen Band An Tec’h hören, die auf ihrer Landessprache hübsche acht Songs aus der Garage Punk bis Post Punk Ecke wegfegen und in eingängige Melodieportionen anhäufen, die man ganz wunderbar im Spätsommer zu einem Glas Fraises de Plougastel-Schorle genießen kann.

Die haben ja so ein tolles Klima da. Schönes Debüt.

Substance D. Auf Kassette erschienen. Interessanterweise ist die Sprache dem Walisischen sehr nah, aber dem Irischen weit entfernt, obwohl diese drei die letzten gesprochenen Sprachen keltischen Ursprungs sind. Toll, ne?

Oust – A Girl Can Dream 7″

Schon wieder Mittwoch, in der Kantine gibt es heute Pancakes, um die Leute bei Laune zu halten. Bitte aber den Sirup und den Schokoaufstrich selbst mitbringen, danke.

Hardcore Punk aus Amsterdam hilft, der Unterzuckerung zuvorzukommen und liefert in drei Portionen den perfekten Soundtrack für die kurze Aufwärmphase des Magens, um für die Mehlspeisen vorbereitet zu sein.

Straßenkampfmusik für die Kalorienverbrennung. Oust haben hier drei starke neue Songs auf die Welt gepustet und machen damit weiter, wo sie nie aufgehört haben. Geht ab.

Rope or Guillotine. Auf 7″ erschienen. Der Sound zum Untergang der neuen Weltordnung. Auch ein Junge darf träumen. OK.

The Shooters – Demo CS

Ich hab im Guardian gelesen, dass man zwischen Neuveröffentlichungen von Pop Alben und tödlichen Verkehrsunfällen einen Zusammenhang festgestellt hat. Nicht, weil die Musik so scheiße ist, dass die alle freiwillig von den Brücken runtersegeln oder gegen die nächste Mauer fahren, nein – weil sie abgelenkt sind.

Also zumindest gibt es da eine auffallende zeitliche Überschneidung von dem Release einer populären Platte und dem Aufkommen schlimmer Autounfälle, weil die Fahrer mit dem Telefon herumgespielt haben.

"Oh, das neue Taylor Swift Album ist raus? Na, da muss ich schnell mal eben bei Spotify scrollen (oder was man da macht) und den heißen Scheiß anhören, damit ich meine Arbeitskollegen gleich eifersüchtig machen kann, hahaha, wo geht das lauter hier, oh, was macht denn dieser Radfahrer hier?"

Die Shooters mit der Vorliebe für Lucky Strike und Maschinenpistolen haben eine ganz andere Rechnung mit dem Tod offen. Lungenkrebs oder Schussverletzung muss schon sein. Dafür machen sie aber sehr schöne Musik. Irgendwie so lofi Garage Punk mit zu viel Melodie und Fuzz und Knarz und Scheppern. Eine helle Freude.

Pop Affliction Records. Auf Kassette erschienen. Also passt bitte am nächsten Bandcamp Friday auf euch auf, denn die Wahrscheinlichkeit steigt um 15%, einen tödlichen Unfall zu haben/verursachen, wenn ein neues Album erscheint. Das bedeutet dann wohl für die meisten von uns den sicheren Tod in knapp zwei Wochen. Verdammt, und ich hab noch ne Stange Kippen hier.

Invertebrates – Accosted

Montag. Zeit für Invertebrates. Keine Zeit für Rückgrat – Buckeln ohne Knochen fällt wesentlich leichter. Auf geht’s.

Aus Richmond. Bald auf Beach Impediment auf 7″ zu bekommen.

Sniffany & The Nits – "Best Of Luck / Hyperspace" 7″

Zum Wochenende ein kleiner Vorgeschmack auf das neue Album von Sniffany & The Nits, das irgendwann demnächst erscheinen soll; mit ein bisschen Verspätung, weil der Gitarrist zwischendurch indisponiert war – er wurde kurzerhand von einer rivalisierenden Hardcoreband mit dem Auto überfahren – und von dem man jetzt schon einmal zwei Songs vorhören darf.

Das Label nennt hier Black Metal, Grunge und Goth/Deathrock als zugrundeliegende musikalische Stimmung und da ich von sowas keine Ahnung habe, sage ich mal, das ist Quatsch. Anachronistischer Post Punk Rock mit vielen geklauten Einflüssen aus den letzten 40 Jahren vielleicht.

Is aber auch egal. Und gut.

Gob Nation. Auf 7″ erschienen. Gibt’s auch nicht mehr so häufig, eine Vorab-Single mit Songs vom Album. Muss man sich leisten können. Passt ebenso zum Freibad wie auch zum Autofahren. Aber niemanden umnieten. OK.

Glup Shitto – I Have No Ass, But I Have To Shit

Für alle, denen Sleaford Mods zu erwachsen geworden sind. Hier die utlra-infatile Ablösung aus Perth mit einem recht eingängigen und stumpfen Text, der sich leichter merken und mitsingen lässt, als die philosophischen Ergüsse vom drogenfreien Jason. Glup Shitto ist eigentlich ein Internetphänomen und Meme aus der Star Wars Universumslächerlichkeit, aber für mich zu nerdig, als dass ich das jetzt hier erklären wollte.

Heute ist es eine "Band" mit Bezug zu den nicht weniger lustigen Aborted Tortoise, deren Claim übertragbar auf den musikalischen Beitrag ist. "Stupid Music for stupid People." Cool.

Twin Bloom – S/T 12″

Jetzt hab ich die Hälfte meiner halbschlauen Leserschaft verloren, weil sie gestern Abend stumpf mit einer 3-D Brille aus dem letzten Kinobesuch in die Sonnenfinsternis gesehen haben, anstatt sich so eine sichere Alufolie vor die Augen zu kleben.

Muss ich wohl demnächst mal wieder was Gesprochenes machen oder gibt es inzwischen schon so KI und Browsererweiterungen, die sprachgesteuert sind und dir den Quatsch hier vorlesen und den Player an- und ausmachen können? Hm. Für die andere Hälfte kleb ich hier mal poppigen Indie Garage in das Poesiealbum.

Twin Bloom aus Oakland trällern entspannten Gitarren Pop in die Atmosphäre, dass es ihr eigentlich direkt 2 Grad kälter werden müsste. Erinnert mich manchmal an die Lost Balloons, aber vielleicht auch nur, weil hier die Klammer zu ihrem Song "Hey Summer" mit "Summer’s gone" hübsch geschlossen wird. Für Mixtape-Enthusiasten also eine Einladung …
Schön.

Dandy Boy Records. Auf 12″ erschienen und man hätte daraus auch eine hübsche 7″ machen können. So ne EP mit 33 1/3 Umdrehungen, die für "Extended Play" steht und 4 Lieder locker schaffen sollte. Aber was solls. Bei der nächsten Sonnenfinsternis bin ich in Rente, wenn alles nach Plan läuft.

Ultra Lights – Pleasure’s All Yours LP

Poppiger Gitarren Garage Punk aus Georgia. Ultra Lights betreten die Bühne mit 11 schönen Stücken Zuckergebäck und werfen die akustischen Süßspeisen großzügig in die weit aufgerissenen Mäuler der gelangweilten Hörerschaft.

Falls ihr euch gerade im Internet radikalisieren wollt, dann fangt damit an. Aber bedenkt, dass Ultra Lights genauso Krebs machen wie diese schlimmen Black Death Kippen mit dem Totenkopf. Nur sind die Ultra Lights halt nicht so cool, ihr Luschen. Haha.

Chunklet Industries. Auf LP vor einem Monat erschienen. Digital aber auch gut und sogar besser fürs Klima, wenn man mal drüber nachdenkt, aber ich will euch nicht endgültig an die Terroristen mit Grashalm-Schwertern verlieren. OK.

Dragnet – S/T 12″

Bummer Punk. Schöne Zuschreibung für die neue Dragnet 12″. Nicht zu verwechseln mit den Australiern, das hier sind zwei Jungs, naja, ältere Männer aus Alabama, die sich mithilfe eines Drumcomputers eine Band gebastelt haben und damit mal eben 6 eingängige Punk Rock Stücke veröffentlichen, die so auch aus der Feder von Mark Ryan stammen könnten. Zumindest erinnert mich das hin und wieder an solche Sachen wie Mind Spiders, Oddfellows oder O-D-EX, wenn man ihm den Synthi wegnimmt.
Das computergenerierte Schlagwerk nervt nach einer Weile in bisschen und der Einsatz des immer gleich klingenden Beckens entlarvt den künstlichen Charakter der rhythmischen Begleitung, aber wenn man das ausblenden kann, ist das sehr lockerer Unterhaltungsstoff zum Legosteine aufräumen.

Total Punk. Erscheint auf 12″ Vinyl. Autsch, auf einen Einer getreten.