Drakulas – Midnight City LP

Ach, die gibts auch noch? Na sowas. Das ironisch bis alberne Grusel-Pop-Punk-Projekt von Riverboat Gamblers und Rise Against Leuten aus Austin hat noch ein bisschen Luft und diese direkt in 12 neue Songs gepustet, die wieder treffsicher zu den ersten warmen Sonnenstrahlen auf dem Friedhof passen.

Drakulas dritte LP ist charmant harmlos, unterhaltsam, nett. Wenn das musikalische Herz am Montagmorgen  noch im Samstagabend gefangen ist.

Dirtnap Records. Ach, die gibts noch? Na sowas.

Jacke Schwarz – Po Puću Unterwegs LP

Musik! Aber nur für Erwachsene. Oder Kinderohren. Ich kann mich nicht entscheiden. OK, von vorne.
Am Freitag sind 16 neue Songs von Jacke Schwarz auf den regennassen Frühlingsabend geplatscht. Jacke Schwarz, der Solokünstler aus Berlin, der seine Musik selbst als Łužicana bezeichnet und neben Deutsch auch Sorbisch als Sprache für die Vertonung wählt. Dieser Typ, der im Punk Rock geboren wurde und der Straße entwachsen ist.

Ausgestattet mit einer richtigen Band und allen Instrumenten, die in dem Studio vor 3 Jahren herumlagen, kann man sich das Genre von Po Puću Unterwegs hier selbst zusammenstricken. Blues, Gospel, Folk, Pop, Post Punk, Indie Pop und eben Łužicana, dem Äquivalent zu Americana. Nur halt auf Sorbisch. Der Mann mit der Jacke Schwarz hat sich für die Solokarriere die Punker Buttons und Pins von der Eastie Ro!s und Čorna Krušwa Lederjacke abgenibbelt und den Stecker aus der E-Gitarre gezogen.

Schmeisst man alles von der LP zusammen und rührt es in seinem Gehörgang um, kann man vielleicht eine Mischung aus früheren Ton Steine Scherben und zeitgenössischen Berliner Kollegen der Verlierer herausschmecken. Aber baut euch eure Schublade lieber selbst – entweder man benötigt geschulte Ohren, um den Glanz der Musik zu verstehen oder ganz im Gegenteil die Naivität und Gleichgültigkeit von unerfahrenen Ohren, die noch nicht kaputtgeschossen sind. Tolles Album allemal.

Tomatenplatten. Auf Vinyl erschienen. Auch mit Lederjacke und Punker-Pins authentisch zu genießen. Das Artwork ist von Kati Schmidt, aber mit dem Namen ist das in der Kürze der Zeit hier ziemlich unmöglich, die tatsächliche Künstlerin ausfindig zu machen. Ich hab nur eine Ostereiermanufaktur und ein Nagelstudio gefunden. Das Cover sieht mir aber mehr nach Linoleumschnitt aus. Naja.

Girl Drink Drunks – Meal Deal 7″

Ahh, erfrischender Garage Punk aus Portland. Die vier Jungs von Girl Drink Drunks sind nicht mehr die jüngsten unter den Trinkern und haben gewiss genug Unsinn in diversen Proberäumen Portlands durchexerziert, um sich auf den eigentlichen Kern zu beschränken. Namentlich sind das unter anderem Jetpack, The Flip-Tops, The Minds, The Moneychangers, Four Letter Word, Kid Little, White Night, Stoner Cop, Hot Lz’s, Piss Test uvm.

Schrammeliger Punk Rock mit Rotz und Bier seit 2017. Ganz geil. Aber was sind eigentlich Girl Drinks? Kann man da was sagen, ohne direkt seinen Sexismus zu offenbaren? Männer trinken Whiskey, Mädels trinken Piña Colada? Hm. Laut Internet soll Espresso Martini auch ein Girl Drink sein. OK, dann zählt mich dazu, wo kann ich bei der Band unterschreiben und anfangen?

Hauseigenes Sonic Jett Records Label. Kommt auf orangenem und schwarzen 7″ Vinyl raus. Prostern?

Aure – Printemps LP/CD

Musik für den ersten Kaffee beim Sonnenaufgang. Wenn der Tag langsam angekrochen kommt und sich vorstellt, mit all seinen unendlichen Möglichkeiten der neuen Enttäuschungen und man noch gar nicht so genau weiß, wer man eigentlich heute sein muss, welche Sprache man spricht.

Dann kommt Aure aus Paris mit ihrer Klampfe daher und trällert auf Englisch, Französisch und Spanisch die sanften Weckrufe der Melancholie in die ungewaschenen Ohren. Tanke ich jetzt Kraft oder leg ich mich wieder hin?

Muss jeder selbst entscheiden. Ein ambivalentes Album des vertonten tiefen Durchatmens zwischen Hoffnung und Resignation. Nachher dann wieder mehr Metal.

Mayway Records. Auf CD und LP erschienen. Meine Aachener Freunde lesen den Titel gewiss mit ihren müden Augen falsch und erwarten "Au Hur, Kekse". Ab ins Wochenende.

The Pox – "All Together Now!" CS

Apropos Synth Punk. Hier eine Band aus Montréal, die sich nicht mit einem Keyboard oder Synthesizer begnügt, sondern den echten Scheiß spielt. Eine sogenannte Combo Orgel gibt dem düsteren Garage Punk Gerumpel von The Pox eine sehr nette Grusel-Note und hebt die Band ein bisschen von den restlichem Krach im Keller ab. Toll.

Vier Songs auf Kassette erschienen und erhältlich, "wenn live". Cool.

Cuir – Road Trip

Bin ich eigentlich der einzige Depp, der sich über leere Papp-Kaffeebecher und Koffer als Requisiten in Serien aufregt?

Die ganze schöne Spannung und der sorgfältig geschrieben und vorgetragene Dialog, der einen in den Bann zieht, ist auf einmal nur eine Plastik-Traumblase, die mit dem pappenden "Tock" Geräusch des leeren Bechers platzt, der just "frisch" vom Barista ausgehändigt wurde.

Oder die reisenden Protagonisten müssen noch hektisch und schnell den Flug außer Landes erwischen und man nimmt ihnen den Stress ab, bis auf einmal die leeren Koffer mit zu viel Schwung und Elan aus dem Kofferraum des Taxis geflogen kommen, als wäre man von Mike Tyson gefahren worden, der jetzt stolz und pflichtbewusst sein Bestes gibt, die federleichten "gepackten Sachen" noch schnell aus dem Auto zu hieven und in die Hände seiner gestressten Fahrgäste zu übergeben. Neee. Plöpp platzt die Blase. Das ist ja nur gespielt.

Das sind die falschen Geschenke unter dem Kaufhaus-Tannenbaum. Die Attrappen, die nur solange funktionieren, wie man nicht genauer hinschaut, -hört oder darüber nachdenkt. Das ist natürlich jetzt zu philosophisch und vom Hölzchen aufs Stöckchen, aber eigentlich tragen wir ja die ganze Zeit diese Attrappen mit uns herum und die ganze Welt ist vollgestopft mit Leuten, die nur so tun und Krediten, die dabei helfen. Wie hat unser Freund Ralph Möbius nochmal gesungen? Alles Lüge.

Dazu in einem großen Glas mit einem Schluck der Road Trip vom Lieblings-Synth-Punker Cuir. Prost.

Mclusky – I Sure Am Getting Sick Of This Bowling Alley 12″

Mclusky kennt man nun auch schon seit über 25 Jahren und auch, wenn sie mal ne kurze Pause eingelegt haben, ist das Gewand immer noch dasselbe. Ungewaschen und dennoch irgendwie sauber, an den Ecken ausgefranst und dennoch irgendwie stets adrett und über den Dingen.

Post Punk mit rockigem Knarzen und Kopfnicken. Vielleicht was für ältere Punk Rocker, die nicht mehr so das Tanzbein heben, um an die Disco zu pinkeln. Sehr schön.

Ipecac Recordings. Auf Vinyl demnächst in limitierter Version und bunt und schön veröffentlicht. Bis dahin erst einmal nur digital die 6 Songs genießen, von denen nicht einmal alle neu sind. Skandal.

Stepmother – Absurdus Manifestus LP

Wenn man sich mal auf einschlägige Pornoseiten „verirrt“, fällt einem schnell auf, dass die Mehrheit der heterosexuellen Gesellschaft auf der gesamten Welt offensichtlich geschieden ist und die Eltern mit jeweiligen neuen Partner:innen leiert sind und die Patchwork-Familie ggf. sogar mit neuen Geschwistern zusammenlebt.

Und die sind alle furchtbar horny, so ist das halt, man begehrt, was man jeden Tag sieht. Kann man alles erklären. Schön ist das dennoch nicht, wie jede Obsession.

Wenn man dann noch diese Spielart des Rock n' Roll und Proto Punk wie mein Freund Helge als „Dicke-Eier-Rock“ bezeichnet, dann passt der Bandname Stepmother wunderbar zu dem „Power Trio“ aus Melbourne.

Die neue Platte klingt wie die alten Platten, sehr schöner sleazy Garage Punk Rock n' Roll, der am besten zu einer Dose Bier im Unterhemd am Grill passt. Oder zu einem sonnenverbrannten Ellenbogen im Fahrersitz. Kann man machen.

Legless Records. Kommt im April auf verschiedenen Vinylfarben raus. Pink, schwarz, blau. Eine andere Assoziation wären im Übrigen die familienfreundlichen Märchen, bei denen die böse Stiefmutter immer die Mörderin Antagonistin ist. Aber ich schreibe hier ja für mein Publikum.

Nightwatchers – Qu’importe la mort EP

Schaut auf die Senioren! Die alternde Gesellschaft in Deutschland verspielt die Zukunft der Jugend und hinterlässt den jungen Menschen eine sprichwörtliche und tatsächliche Wüstenlandschaft, weil sie nun mal in den entscheidenden Positionen sitzt und mehrheitlich aus seltsamen Gründen konservativ wählt.

Diese verblendeten, alten Menschen. So lässt sich keine Solidargemeinschaft führen. „Immer so weiter“ ist doch keine Option für eine progressive und zeitgemäße Politik, die… was?

Wie die jungen Leute selbst gewählt haben? Ähm. Oh. Tja. Dann eben nicht.

Zeit für politische Beiträge. Falls jemand dem Französischen mächtig ist, hier die neue EP der fünf Freunde von den Nightwatchers aus Toulouse.
Wie gewohnt melodisch angehauchter Post Punk und Pop Hardcore mit ganz viel Möglichkeiten zum Mitsingen, auch wenn man die Sprache nicht spricht.

Stonehenge Records. In Frankreich ist auch gewählt worden und immerhin sitzen dort die Faschisten nicht in den… ach doch? Auch dort die Faschisten in den Städten? 30 Städte! Mon Dieu.

Dead Bars – You Look Like A Smoker

Für die Raucherpause. Also Montag.
Dead Bars mit einem neuen Song. Garage Punk. Für den Montag.

Scheiß Montag.