Headzo – S/T CS

Statistisch gesehen glauben die Menschen aus dem Nordosten der USA am wenigsten an die Existenz von Gott. Ist das dann Kausalität oder Korrelation, dass die Band hier aus den Gefilden stammt?

Headzo ist ein Trio, das relativ klassischen und poppigen Punk Rock von den ranzigen Bühnen in die Skateparks der Welt trällert und dabei einen ganzen Schwung 90er Jahre Leichtigkeit mit den Whoas und Gitarrenmelodien in die Ohren der Hörerschaft klebt.

Zeitlos, kurzweilig und gut.

No Time Records. Das Cover spricht auch nicht unbedingt für eine tiefgläubige Band. Oder ist das der Sohn vom Papst? Ähnlichkeiten sind ja nicht von der Hand zu weisen. Egal.

Sharp Pins – Saturday Sun

Ein bisschen Psychedelic Mod Garage Rock, um ins Wochenende zu starten und die Samstagssonne rechtzeitig um, äh, ca. 5:30 Uhr morgen früh mit dem ersten oder letzten Joint des Tages zu begrüßen.

Toller Song, das Schlagzeug hat einen fantastischen Sound und irgendwer hat geschrieben, die Sharp Pins aus Chicago klingen wie T. Rex (die Band, nicht der Saurier) und waren das nicht die mit dem Original "Get it on"? Hör ich nicht, aber egal.
Die samstägliche Sonne wurde im englischsprachigen Raum häufiger besungen (schöner Nick Drake Song, zum Beispiel). Da ist halt sonst immer Regen, weil die Industrie unter der Woche so viel Abgase in die Luft bläst, die dann Wolken verursachen und in der Folge für Niederschlag sorgen. Ist geraten, zitiert mich nicht. OK.

Perennial. Schönes Wochenende.

Deathgrave – Hell Is Evil LP/CD

Ein neues Album von unseren Freunden Deathgrave aus Oakland. Keine Musik, die ich jeden Tag zum Kuscheln mit der Schaufensterpuppe auflegen würde, aber je weniger Andre grunzt, desto punkiger ist der Song, den man gerade schon hören darf.

Dass die Instrumente alle unglaublich malträtiert und dabei technisch einwandfrei zelebriert werden, ist wohl nicht weiter verwunderlich, wenn man sich dem Genre des GrindcoreMetalWahnsinns verschrieben hat. Die können alle spielen und haben Spaß dran. Ich auch. Passt wunderbar in die letzte Ferienwoche.

Tankcrimes. Von dem Song "It’s only Midnight" hab ich ein T-Shirt. Von allen anderen nicht.

Bad//Dreems – Ultra Dundee LP

Fun Fact ohne Fun: Als die Bad//Dreems vor 3 Jahren auf dem Get Lost Fest in Hamburg gespielt haben, war ich gerade erst auf den Geschmack der Band gekommen und hatte das vierte Album "Hoo Ha!" über Umwege für mich im Frühjahr entdeckt.
Damals waren die ganzen Pub Rock und Garage Punk Sachen aus Australien ja fast schon ein alter Hut und man hatte sich so sehr daran gewöhnt, dass die Witze über seltsame Frisuren oder T-Shirts in den Hosen einen eigentlich eher als Boomer entlarvten als dass sie noch lustig waren.

Aber Bad//Dreems waren dennoch etwas Besonderes in der Schwämme von melodieverliebten Kneipenschlägern aus dem fernen Australien. Daher war die Freude groß, direkt Alex in die Arme zu laufen, als die Reisegruppe inklusive mir den ranzigen Saal vom Hafenklang betreten hatte. Nach einem kurzen Plausch stand fest, dass die Band ihr Label scheiße findet und demnächst eine neue Platte aufnimmt und warum nicht man könnte ja direkt mal Nummern austauschen du machst ja auch ein Label cool ok dann schick ich dir die neuen Sachen mal zu ok bis dann viel Spaß.

Verglichen mit den ersten LPs waren die Demos, die wir dann zugeschickt bekamen, was anderes. Nicht doof, nur halt Demos und anders. Wir wollten auf das komplette Album warten und dann mit den weiteren Plänen fortfahren. In der Zwischenzeit musste sich aber auch Gregor von Sounds of Subterrania mit Alex unterhalten und einen recht identischen Gesprächsverlauf gehabt haben. Auf jeden Fall stand ein paar Monate später fest, dass er den Backkatalog von den Bad//Dreems wiederveröffentlichen konnte (hurra!) und auch das neue Album bei ihm erscheinen würde.

So läuft das manchmal bei den harten Verhandlungen mit Punk Bands. Die vergessen einen einfach, haha.

Nach drei Jahren dann also das neue Album und leider auch das vorerst letzte der Band, die sich nun um wichtigere Dinge kümmern möchten und von dem Gezerre die Nase voll haben. Ich geb mir da keine Schuld, hab mich immer anständig verhalten. Gregor trifft auch keine Schuld, der macht sowieso immer alles richtig, ich mein, schaut euch einfach mal die Sachen an, die der so rausbringt und wie er die verpackt und aufmacht und so, sensationell.

Ultra Dundee ist am Ende ein tolles Album geworden, das den gesamten Reifeprozess der Band zum Ausdruck bringt. Die hatten immer viel poppigen Appeal und rockige Theatralik im Programm, dazu kommt dann noch der hohe Anspruch an Text und Melodie und schon sind wir bei Plattenrezensionen, die furchtbar langweilig sind. Die Singleauskopplung ist tanzbarer Ohrwurm, die Ballade eignet sich zum Sinnieren auf dem Schaukelstuhl, der Rest ist Brillanz aus Pop und Pubrock, das kann niemand besser und man sollte aufhören, wenn man am schönsten ist, also bitte.

Sounds Of Subterrania, Gutto Records. Von den Demos erkennt man tatsächlich noch Bruchstücke auf dem Album. Sensationelle Band, tolle Platte, klasse Label. Passt zum nächsten Hitzerekord.

OP ED – E.P.

Falls ihr mich sucht, ich bin im Kühlschrank. Kurze Pause. OP ED aus LA haben mit E.P. Bock auf Großbuchstaben und Garage Punk aus den 80er Melodienkisten, an denen sich auch schon Steve E. Nix bedient hatte.

Fast schon sleazy. Die musikgewordene Portion Brausepulver für deinen morgendlichen Kaffee. Waldmeister.

Heather The Jerk – Write A Letter

Falls ihr mich sucht, ich bin im Kühlschrank. Kurze Pause. Schreibt mir einen Brief mit Herzchen und Rosenduft.

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Hot Load – Realized LP

Falls ihr mich sucht, ich bin im Kühlschrank. Kurze Pause. Für den Weg ein paar zerbeulte Dosen vegane Ravioli und selbstgebrannter Kartoffelschnaps. Zusammen auf den Grill ergibt das ne heiße Ladung Überlebensbrechmittel. Bis bald.

Drunken Sailor Records. Auf rot und schwarzem Vinyl.

Lenguas Largas – Three Of Meats LP

Recess Records schickt sich so langsam an, nur noch Platten von Bands zu veröffentlichen, zu denen man intuitiv denkt "Nanu, die gibt es noch?". Nach dem labeleigenen Flaggschiff Toys That Kill und den Arrivals, die wohl auch aus der Babypause zurückgekehrt sind, nun also die Lenguas Largas aus Tucson.

Das stimmt bei denen eigentlich auch gar nicht, die waren nie weg, haben erst vor 2 Jahren eine LP veröffentlicht, aber bei mir sind die in Vergessenheit geraten. Umso schöner, die neue LP jetzt mal wieder vor den Latz geknallt zu bekommen.

Toller Garage Pop Punk für die nächste Hitzewelle.

Recess Records. Kommt auf limitierten pinkem Vinyl nächste Woche raus. Jetzt erst einmal nur zwei Songs zum Vorhören, aber der Rest klingt eh gleich. Rutscht runter wie ein Eiswürfel in der Mittagssonne. Wenn man den Hals aufmacht und nach oben schaut. Bissle schiefes Bild, naja.

Wine Lips – TV Diner LP

Kleiner Vorgeschmack auf das neue Album von Wine Lips aus Toronto. Feiner Garage Punk mit viel Melodie auf den blau-roten Lippen und genug Krach im Abgang, um seinen Weißwein ohne Eiswürfel in die Blumen zu kippen. Ganz geil.

Ich pack die letzte Single hier noch rein, weil der Song auch auf der neuen LP drauf ist. Da habt ihr direkt zwei von 13 Liedern vorgehört, die eure Spendierlaune anregen sollten.

Kommt auf verschiedenen Farben auf Vinyl Ende August offiziell raus. Vielleicht springen die noch unverhofft auf den Get Lost Fest Zug auf, die sind eh Ende August in Deutschland unterwegs. Das wäre doch mal eine schöne Überraschung. OK.

Smirk – Speculative Fiction LP

Ja nun, Post Punk. Smirk ist mit dem neuen Album ein bisschen runder geworden. Das passiert manchmal in der Schwangerschaft.

Am Ende kommt dann beim 10. Kind vom 12. Partner etwas Neues raus, das natürlich noch eine Ähnlichkeit mit den Geschwistern hat – die sich ja auch schon teilweise erheblich voneinander abgrenzen – aber in der Grundform absolute Wiedererkennungswerte mitbringt. Die Nase, die Augen, die Haare. Stammen alle von Nick Vicario, das lässt sich nicht bestreiten und da ist auch kein Vaterschaftstest notwendig.

Tolle neue LP.

Smoking Room. Kommt irgendwann auch auf Vinyl in Europa an, denke ich mal. Bis dahin einfach mal digital mit in den Urlaub nehmen, das Lieblingskind.