Softjaw – Too Much Love Can’t Kill You LP

Es wird immer lächerlicher. In was für einer bekloppten Simulation lebe ich denn eigentlich, hat jemand dort draußen vergessen, Geld nachzuwerfen? Hallo? HAAALLLOOO? Das ist Mist hier, bitte wieder ein bisschen mehr realistischen Kram und mehr Verständnis und Sinnhaftigkeit und Liebe und so. Das muss doch bezahlbar sein.

Hier, der Soundtrack. Softjaw aus Long Beach haben es verstanden. Power Pop und Melodienüberdosis. Und entgegen der Einschätzung von Brian May, kann zu viel Liebe nicht töten. Sagen die vier Jungs vom langen Strand zumindest. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Also bitte.

Dandy Boy Records. Bachelor Records. Auf LP demnächst raus. Was? Was sagst du? Drogen? Ach so, ok. Auch ne Lösung. Schönes Wochenende.

Fugitive Bubble – Voices CS

Leute, wann kommt denn endlich diese angesagte Umvolkung oder wie der Scheiß genannt wird. Bevölkerungsaustausch, genau. Macht mal hinne, ich kanns echt nicht mehr erwarten.

Kleiner Stimmungsaufheller mit neuen Songs von Fugitive Bubble aus Olympia. Die beste Mischung aus Minutemen und Big Boys Bassläufen plus einer Handvoll SST Spielereien aus den 80ern. Sehr gut.

Ragdoll Records. Kam auf Tape raus, funktioniert aber auch digital sehr glaubwürdig. Ich würde gerne gegen irgendwas Skandinavisches ausgetauscht werden, hab gehört, die sind immer happy. Danke.

Big Modern – S/T CS

Oberlippenbart-Punk aus Sydney. Zappelig und eingängig genug, um die Drehtür im Kongresszentrum joggenderweise im Schnelldurchlauf für knapp 10 Minuten zu verstopfen. Big Modern. Geht ab.

Idiotape Records. Auf Kassette erschienen. Der Schnauzer war ja ursprünglich als "Rattler" bekannt und nur auf Bauernhöfen zur Rattenjagd eingesetzt. Heute in aller Welt ein Modeprodukt. Na sowas.

Damaghead – Lily Gazpacho 12″

Kalte Suppe. Warum? Wusstet ihr, dass diese Ekel-Plörre früher eigentlich gar keine Tomaten enthielt, weil die ja erst im 16. Jahrhundert mit den Sklaven im Dreieckshandel importiert wurden?
Das war eigentlich nur altes Brot, kaltes Wasser mit Öl und Essig. Also quasi ein geschmacksneutrales Salatdressing. Warum?

Gut, früher musste man auch einfach nur satt werden, diese brachliegenden Geschmacksknospen im Mund hat man dann erst im französischen Feuda- und Kapitalismus entdeckt und umsorgen wollen. Aber kalte Tomate reicht da nicht, Leute. Naja.
Die musikgewordene Sommererfrischung aus Suppe nennt sich Damaghead und kommt aus Straßburg. Die machen so Indie Garage Pop mit Herbstlaune im Spätfrühling und dudeln dich zu Tode.
Wenn man einfach nur auf der Fahrt nach Frankreich einschlafen will. Gute Nacht.

Le Cèpe Records. Auf 12″ am Wochenende raus. Eigentlich beginnt doch jetzt die Suppenkasper-Zeit, da wollte ich mich drauf freuen. Und dann kommt diese blöde Stiefschwester Gazpacho um die Ecke und tut wieder so hip. Warum?

Hustle Culture – New Government Pyramid Scheme

Dieses NC-Konstrukt, dass man nur dann irgendwas Schlaues studieren darf, wenn man in der Schule strebsam, fleißig und hörig war, ist auch ein bisschen antiquiert, oder?
Wieso muss mein Hausarzt gut in Kunst, Musik oder Religion gewesen sein? Ich will nicht mit dem über Lemmy und Mozart sprechen.

Mir ist das ja egal, ich kann mich jetzt mit meinen 56 Wartesemestern quasi überall einschreiben, aber die neue Generation an Therapeuten muss immer noch nachweisen, dass sie einen Purzelbaum können, bevor man sie an die menschliche Psyche lässt. Komisch.
Neuer Song von Hustle Culture aus Cincinnati. Post Punk Synth Garage Core. Richtig gut und genau das Richtige für die Aufwärmrunde bei der letzten Partie Mini-Golf im Herbst, bevor das Laub die Spielbahnen unsicher macht. Vorsicht: Rutschgefahr. OK.

Feel It Records. Richtig tolles Foto auf dem Bandcamp Account. So stelle ich mir tatsächlich einen gelungenen Abend und Ausflug des Labels vor. Cool.

Dirty Secret – …To The Grave CS

Der Witz an der Kassette ist, dass niemand weiß, aus welcher schlecht belüfteten Garage dieser Lärm kommt und wer an den selbstgebauten Instrumenten so schlimm schraubt und drescht und sie derart unfachmännisch malträtiert. Alles ein schmutziges Geheimnis. Komm ich mit klar, das ist sowieso meistens uninteressant.

Dirty Secret mit einem Garage Hardcore Punk Versteckspiel. Tolles Debüt.

Pop Affliction Records. Auf Tape erschienen. 5 Songs in 5 Minuten – reicht für eine anonyme Hassmail an deinen Chef.

Botox – You Need

Eine gute Platte, um ins Wochenende zu starten. Tut mir ja auch leid, dass heute Montag ist; müsst ihr selber sehen, wie ihr damit umgeht und wohin ihr das Botox jetzt spritzen müsst, damit das im Büro nicht so auffällt.

Die Band aus London spielt eine Art von poppig schepperndem 77er Garage Punk, der jetzt fast schon als klassisch zu bezeichnen ist. Also wenn man The Reds mit ein bisschen mehr Melodie oder Sick Thoughts ein bisschen weniger asozial mag, sollte man sich hier mal bedienen.

Zum Glück beschränkt sich unsere Drogenzufuhr auf die Verstärkung von Spaß oder Abstumpfung und wir können missbilligend und verständnislos auf diese Lifestyle-Scheiße herabblicken. Also wenn schon Spritze, dann muss das auch zwirbeln.

Comité Balnéaire – Augures CS

Das muss dieser emografische Wandel sein, von dem die Leute sprechen. Warum nicht.
Wenn die Welt dümmer wird, brauchen wir Menschen, die gegen diese Traurigkeit anschreien und ansingen und Melodien aus den Flip-Flops rieseln lassen, die Hoffnung auf das Vergessen machen. Ich nehm ne Prise mit ins Wochenende.
Comité balnéaire aus Toulouse haben gar keinen eigenen Strand, aber ein Komitee. Das ist ja fast schon deutsch.

Hidden Bay Records bringen davon ein paar Kassetten demnächst raus. Wenn schon 90er, dann auch richtig, nehme ich an.

Cult Crime – Fully Automatic LP

Friedenspreis für ein Militärbündnis, Tankrabbat für die Öl-Konzerne, Verteuerung des Deutschlandtickets, Feiertag fällt auf einen Samstag, …geh kacken, Oktober, ich leg mich wieder hin.

Cult Crime mit ihrer zweiten LP hingegen sind ein kleiner Lichtblick, der am Ende des Monats auf uns wartet.
Die Hardcore Punk Band aus Toronto mischen eine ganze Packung Kneipenschlägerei-Ambiente in den Brei aus 12 Songs, der sich wunderbar mit dem australischen Feinkost-Müsli der letzten Jahre genießen lässt. Ein bisschen verspielter als der Vorgänger und weniger Garage Punk, dafür mehr Ridebecken und Rock’n’Roll.

Vielleicht liegt das am neu hinzugestoßenen Gitarristen Patrick McEachnie, den man schon von Pack Rat, Chain Whip und Corner Boys kennen könnte. Dort allerdings meist hinter dem Schlagzeug zu finden. Curtis Tone hingegen ist auch von den Imploders und Plastic Heads bekannt, Eric Felgner von den Vapids und Matthew Menard von Brain Itch.

Sowas nennt man heute dann auch gerne eine All-Star-Band, aber was heißt das schon. Tolles Album.

Static Shock. Kommt am 30. Oktober auf Vinyl in blau oder schwarz. Bis dahin findet ihr mich im Weinkeller. Zum Trinken Weinen.

The Sprouts – Singin' With The Sprouts LP

Wenn man noch kein Soundcloud-Konto hat und sich dort dennoch anmelden will, um die smarte und hippe Musik von heute zu hören, darf man nicht älter als 130 Jahre sein (geschätzt). Nur mal so als Tipp.
Zwar besteht die Möglichkeit, die Geburtsjahre von 1870 bis heute auszuwählen, aber das biologische Alter entspricht dann leider nicht mehr den Geschäftsbedingungen des Unternehmens (geschätzt, hab kein Höchstalter herausfinden können).

Ihr müsst also nicht nur gefühlt jung geblieben sein – "das 75 ist das neue 25", sondern auch der Rest darf noch nicht stinken. Ist das schon Diskriminierung?

Ob ihr schon das Mindestalter für die Sprouts erreicht habt, könnt ihr hier testen. Es bedarf vielleicht einiger Jahre an Garage Pop Hör-Erfahrung, um die schnöden Melodien als das zu erkennen, was sie sind – ein Balsam für die geschundenen Ohren, die sich an den Tagesnachrichten und Radiomoderatoren wund gescheuert haben.

Genießt die erste Single, das komplette Album kommt im November. Durchhalten.

Lost and Lonesome (Aus) und Meritorio Records (EU). Kommt auf Vinyl. Mein gefühltes Alter variiert über den Tag verteilt zwischen 6 und 90 und lässt sich mit Pillen oft minutengenau einstellen. Probiert’s mal aus.