Corpus Earthling – Adjust Your Tracking EP

Hattet ihr auch schon einmal Sorge, dass das Volumen der Kloschüssel in ICE Zügen nicht für das Geschäft ausreicht (Ja, ich fahre ICE. Eure Armut kotzt mich an)?

Gibt es dort eine Notfall-Sensorik, die automatisch auslöst und abpumpt, bevor der ganze Schlamassel überläuft? Und wie viel Liter passen da eigentlich rein? Und wieso hab ich so viel Kaffee und Wasser und Saft getrunken?

Ist das Volumen in Regionalbahn-Klos generell größer, weil dort meistens die saufenden Fußballhorden mitfahren und dementsprechend auch immer die volleren Abteile mit reziprok volleren Fans und volleren Blasen einhergehen, die dann entleert werden müssen? So viele Fragen.

Bisschen viel Pisse Thema in den letzten Tagen hier. Passend dazu die neue EP von Corpus Earthling, die mit dem charmanten lofi Synthie Garage Punk und Psychedelic Gitarrengedudel ganz wunderbar auf die Blase Tube drücken. Passt zu Schlangestehen vor dem Bahnhofsklo. Ganz geil.

Vestron Records. Hab kein physisches Release gefunden. ICE ist auch schon lange kein Status-Symbol mehr, seit es die ganzen schönen Inter-Regios nicht mehr gibt und man ja quasi gezwungen ist, mit dem besten Zug der DB zu reisen, der aber eigentlich auch nur eine aufpolierte Pöbel-Schleuder ist. Pah.

Stranded – Still LP

Garage Punk aus Köln. Wollte ich eigentlich gar nicht mehr machen, nachdem ich den dritten Song gehört hatte und dort wild ein völlig grundloser Diss-Track zu Senf abgefeiert wird. Was soll denn sowas?

Gibt es keinen "Kölsch-Senf", der ebenso kacke geschmacklos daherkommt wie Früh Plörre? Kann natürlich sein, dass die Problematik textlich aufgearbeitet wird, aber ich hab nicht zugehört, weil zwischen Kassel und Fulda kein Internet.

Der Rest des Albums von Stranded ist angenehm rockiger Garage Punk, der bestimmt an ganz viele Bands erinnert, aber ich lasse die Vergleiche mal in den Schubladen liegen, bildet euch selbst eine Meinung. Wenn ihr meine hören wollt, ich finde "Sobotka" am besten. Ist der Song wenigstens über den Dockarbeiter bei The Wire? Gutes Album.

My Ruin. Auf LP erschienen. Senfgelb und schwarz. Der Sohn hat sich leider kürzlich selbst aus dem Leben geschossen bzw. gehängt. Verdammte Scheiße.

Physicalist – S/T CS

Ich weiß, das ist faul, aber wenn man anderer Leute Worte nicht toppen kann, sollte man zitieren. Besser als cinnamondestroyer bei Bandcamp kann ich das Album von Physicalist nicht beschreiben:

I’m usually pretty good at summing bands up with a "Sounds like the earliest punkrockest Redd Kross crawled into Minor Threat and had a hate baby" kinda thing, but I really can’t figure out who they sound like.
I just know it’s this loosely tight punk rock with a righteous anger boner contrasted with a sense of humor you have to really want to hear in order to hear it.
Wait, I’ve got it! An all male Bikini Kill in 1992, crawling over the best kind of 90s noisy alt rock like Urusei Yatsura? No.

Dirt Cult Records. Eigentlich ist das nur ne Ein-Mann-Band von dem Typen von Night Court, aber jetzt hat er sich wohl einen Drummer dazu geholt. Dennoch – Dave (besagter Typ von Night Court) spielt (fast) alle Instrumente und hat alles geschrieben. Das macht das Teilen der Tantiemen auch leichter. Ganz geil.

Pleasure – Manic Phase LP

Wahrlich ein Genuss, diese manische Phase von Pleasure miterleben zu dürfen. Sehr mitreißender Hardcore Punk aus Leeds/West Yorkshire, I believe? Erinnert bei guten Stellen an Punter und spielt neben dem schnöden Hardcore auch ein bisschen Verstecken mit Post Genres und das steht dem Album sehr gut. Nehm ich.

Brainrotter Records. Auf rot und schwarzem Vinyl erschienen. Bin gespannt auf das nächste Werk, wenn die depressive Phase einsetzt. Toi toi toi.

Mr Radical – Promo Tape CS

Benannt nach einer Spielfigur aus dem Fallout Universum (glaub ich) und auch ansonsten viel bei allem geklaut, sind Mr Radical aus Anaheim dennoch eine ansprechende Abwechslung im kalifornischen Hardcore Mix.

Jaja, schon tausendmal berührt und tausendmal explodiert, keine neuen Räder erfunden und anachronistisch isses auch. Aber so eine gute Sammlung von tollen Hardcore-Bassläufen will ich mir hier reinkleben.

Und wie viele Bands kenne ich schon, die einen eponymen Song haben? Ganz geil.

Offside Records. Auf Kassette erschienen, das Album folgt demnächst, deswegen heißt es ja wohl auch Promo. OK. Descendents fallen mir ein. Und hatten The Ergs nicht auch einen? Nee, aber Motörhead, ne? Bad Religion, Minor Threat, Pennywise, oh. Sind ja doch ganz schön viele.

Cross Checked – Demo ’26

SXE Hardcore Demo aus Oakland, glaube ich. Cross Checked im Sinne von Straight Edge, schönes Wortspiel. Hardcore mit Metal-Soli und wütender Frau am Gesang ist so ziemlich genau das richtige Antriebsmittel für meinen Dienstag in der Bahn. Auf dem Weg zur Arbeit. Zur Klausur. Puh.

Ganz geiler Scheiss.

Demo. Erst einmal nur digital.

The Guise – Demo CS

The Guise sind toll, die spielen so ne Art Garage Punk Pizza, die mit den vier Jahreszeiten aus Hardcore, Punk Rock, Post Punk und Noise belegt ist. Schmeckt nach Blut, auf die Lippen gebissen, aua.

Ragdoll Records. Auf Kassette erschienen, aber nur 25 Stück bespielt, danach hats angefangen zu leiern.

Blizz – Hate Cops

Schon wieder gut gelaunte Bullenhasser mit einer Mischung aus Hardcore und Street Punk.

Blizz werkeln in Batang und vertonen dort ihren aggressiven Widerstand gegen die Staatsgewalt auf Landessprache mit eingeworfenen englischen Phrasen. Kann man mitsingen, muss man nicht verstehen, das sind universelle Probleme. Ganz geil.

Ich bin mir bei den Proportionen auf dem Coverbild nicht ganz schlüssig, ob der bewaffnete Mensch dort ein kopfloser Polizistenmörder sein soll oder einfach nur ein sehr schmales Haupt hat, das dummerweise von dem Bandnamen überdeckt wird. Schaut man sich die anderen Kunstwerke des Künstlers an, wird eine gewisse Phase deutlich, in der er/sie sich derzeit bewegt und austobt. Aber Köpfe zeichnen ist auf jeden Fall keine Schwäche, was also auf einen "headless copkiller" als Heldenfigur schließen lässt.
Oder?

Das Demo ist erst einmal nur digital erschienen. Sind auch nur zwei Songs, aber muss reichen, ist ja erst Montag. Genug Gewalt für heute.

Spilled – Voice And Generates

Seid ihr eigentlich Spargelpisser? Dann fängt ja die gefürchtete Saison jetzt für euch an, ihr armen, äh, Pisser. Aber immerhin müsst ihr das Gemüse nicht selbst ernten, da buckeln sich lieber ein paar Erntehelfer zu lukrativen Rückenschäden, während wir die Sauce Hollandaise frisch aus dem Tetrapak anrühren und die Salzkartoffeln matschig kochen. Lecker.

Keine Ahnung, ob es in Pare auch das Stangengemüse gibt, aber die moderne Hardcore/Oi-Welle, die ist dort genauso verankert wie in anderen Gefilden des Ackerbaus. Ich mag den Kram.

Spilled machen ein bisschen mehr Hardcore und rufen nicht alle paar Minuten einmal "Oi" ins Mikro, es schwingt dennoch eine gewisse Straßen- und Arbeiterattitüde mit. Runter vom Feld. Ab ins Wochenende.

Erst einmal nur digital. Alle Ratgeber sagen, man solle Erdbeeren essen, damit die Pisse nicht stinkt. Das Obst aus dem sonnigen Süden mit viel Biodiesel nach Deutschland geflogen passt doch wunderbar zu dem schlechten Gewissen auf dem Teller. Guden!

Mickle Muckle – Tit For Tat LP

Schräger Garage Punk mit ein bisschen Tastenspielereien. Mickle Muckle aus der Normandie taumeln durch den Küstennebel und stochern in Psychedelic Rock herum, klauben ein bisschen Proto Punk aus dem feuchtnassen Sandstrand und machen auf ihrem Debüt Album das Beste aus den Fundstücken.

Zwischendurch schläft ein Lied manchmal ein und man wird dann unsanft von abgehackten Gitarren wieder aus dem Tagtraum zurück in die barsche Realität geworfen, aber das muss so. Ganz geil.

Le Cèpe Records. Auf verschiedenen Rottönen und Schwarz erschienen. Und CD. Cooler Songtitel: "We got to get the moist". Wie alt ist eigentlich so ein Publikum, das noch CDs kauft? Oder hab ich das Revival des Discmans verpasst? OK.