Big – Dance Music EP CS

Vielleicht liegt ihr Tannanzäpfle-besoffen im Ländle und möchtet das Wahlergebnis feiern, oder ihr sitzt im NRW-Hochofen und freut euch über neue Rekorde bei den Rüstungsaufträgen, oder ihr schraubt mit der Bohrmaschine die Benzinpreise bei eurer Tankstelle nach oben.

Es gibt so viele Gründe, zu feiern. Big aus Oakland liefern euch die passende Tanzmusik. Vielen Dank.

Die haben ganz andere Sorgen da drüben in Oakland. Zu viel Sonne, Meer und dieser geniale Bageltopia Laden um die Ecke. Schlimm.

Dres Code – Not From Texas CS

Ah, der Kaffee für die Ohren. Dres Code aus Tennessee ballern sympathischen lofi Garage Punk in die Tasse und erinnern mich dabei an eine entspanntere Version von Atari Teenage Riot.

Krach, Schrei, noch ein Schrei, ein anderer Schrei und alles verzerrt und darunter irgendwo Melodien, die aus den 80er Jahren Best-Of Hardcore-Riff-Buch abgeschrieben wurden. Geiler Scheiß.

Ragdoll Records. Auf 25 Kassetten erschienen. Wer davon nicht wach wird, sollte vielleicht mal zum Ohrenarzt. Oder nach dem Hören sowieso mal hingehen, ist ganz schön laut, kann nicht gesund sein.

Les Shirley – Not My Problem

So sehr ich jeden Morgen die gottverdammte (!) Berieselung im Radio hasse, die um kurz vor 7 Uhr immer mit "Kirche im WDR" tituliert ist und nach der man sich stets 20% dümmer fühlt, wenn man aus Versehen zugehört hat, so sehr bin ich von einer Stimme überrascht worden, die mich an den einzigartigen Privatschnüffler auf Hawaii erinnert.

Dieser Typ hat offensichtlich Magnum P.I. als Kind verschlungen (also die Serie) und sich die Tonalität und Sprechweise des deutschen Synchronsprechers von Tom Selleck angeeignet, um junge Frauen zu beeindrucken. Und weil das nicht so gut geklappt hat und es verdammt creepy ist, mit einem roten Ferrari und offenem Hemd durch Castrop-Rauxel zu ballern und sich die 80er Jahre in ein Brusthaartoupet und Schnauzbart zu reiben, wird man aus Frust eben Pastor. Oder Pfarrer, was weiß ich.

Aber die Stimme bleibt. Der Duktus bleibt. Und so hat er es geschafft, mich aus der Reserve zu locken und zumindest jeden Morgen, wenn er spricht, der Sprachmelodie zu folgen. So kriegen sie einen. Da darf man nicht drauf reinfallen. Und wenn ich jetzt Werbung für den Scheiß gemacht haben sollte, tut mir das leid. Es sei denn, ihr schaut jetzt die komplette Serie von Magnum P.I. und verratet mir anschließend, was dieser Higgins eigentlich beruflich macht.

Oh, Musik. Ich glaube, ich hab diesen Song schon zehnmal von anderen Bands gehört. Aber ich finde den auch in zehn Jahren von zehn weiteren Bands noch super. Eingängiger Pop Punk Indie Kram aus Montréal. Les Shirley wissen, wie es geht. Nämlich so:

Nur ein Song, der braucht kein Label. Fischmob haben sich damals der Stimme bedient und ein paar tolle Einsprecher auf ihrem Album "Power" gehabt. Der Name des Synchronsprechers ist Norbert Langer. Nicht zu verwechseln mit Ludger Verst.

I Am The Fly – 2nd Single 7″

Kurioserweise kommt die zweite 7″ Single von den Nordrhein-Westfalen passgenau mit der ersten Stubenfliege des Jahres in meine Küche geflogen.

Das kann kein Zufall sein. Stubenfliege. Ist auch eher so euphemistisch für Scheißhausfliege, ne? Hey, nur weil wir (zum Großteil) aufgehört haben, in den Garten zu kacken, bist du kein domestiziertes Haustier, das in der guten Stube seine Scheißer-Patschen in unseren Kuchen stecken darf (Nebenschauplatz: Falls ihr High Strung (Fliege) nie gesehen habt, dann holt das nach (kompletter Film).

Aber ich schweife ab. Die zweite Vinyl 7″ Single von den beiden Typen im Fliegenkostüm ist eine schöne kalte Abwechslung von der spröden Heizungsluft und kann mit den im düsteren Dark Wave Synth Punk versteckten Zucker-Melodien genug positive Stimmung im Frontlappen des Denk- und Fühlorgans erzeugen, dass man gar nicht merkt, wie nervig so ein surrendes Mistvieh am Esstisch ist.

Tolle drei Songs mit einer schönen Balance aus stoisch vorgetragenem "Gesang" und tiefenwirkenden Synthesizerknarzen. Ganz geil.

I Am The Fly. In Eigenregie herausgebrachte 7″ Single auf gelbem Vinyl. Offiziell erschienen am 01. März und damit passend zum Saisonauftakt der Fliegenklatschen-Massaker in deutschen Haushalten.

Hedge Burners – Fall Out Of The Future

Schöne Musik aus Melbourne – na sowas. Bekannte Gesichter haben sich da in diese Vandalen-Band geschlichen, die an Wochenenden die Cannabis-Hecken in ihrer Nachbarschaft anzünden und daraus ihre Inspiration, ähm, ziehen.

Hedge Burners sind Leute von Split System, Dick Diver, Stiff Richards und Boomgates und The Green Child, wobei der Sound sich eher in Richtung der letztgenannten bewegt.

Poppiger Indie Garage Rock mit nem frischen Pint aus der Eckkneie runtergespült. Schmeckt gut.

Legless Records. Kommt bestimmt auf LP, aber ist erst einmal nur digital für den 19. März angekündigt. Wird also ein Herbstalbum. Ernte- und Trockenzeit. Da brennt der Scheiß auch besser.

Twisted Teens – Blame The Clown LP

Der Hype ist real. Die beiden lofi Garage Punker von Twisted Teens aus New Orleans jonglieren zwar nebenbei mit ein paar faulen Eiern, aber liefern insgesamt eine tolle neue Platte mit vielen tanzbaren Hits aus der Scheune ab.

Klingt irgendwie ein bisschen so, wie die ersten Schlücke einer neuen Moonshine Produktion schmecken müssen. Cool.

Jazz Life bringt die auf LP heraus (genauso wie auch das Album aus dem Jahr 2024). Aber Porto, Zoll, Puh. Gegen Spende bei Turbo Discos. Bei meinem Glück bin ich bereits nach dem ersten Schluck von selbstgebrautem Getreideschnaps blind. Kann man wenigstens noch Musik hören. OK.

Surfbort – Reality Star CS

Während ich gerade den Frühlingsputz im Bett mache und zumindest mal die Frühstücks-Croissant-Krümel vom Laken fege, kommen mir die ersten drei Songs des neuen Surfbort Albums gerade richtig, um damit aufzuhören.

Unabhängig von dem Sound bin ich direkt aus dem Bett gefallen, als ich das Cover gesehen hab. Von der Sängerin und der Tante des Drummers in der Hölle gezeichnet und mit des Teufels spitzem Schwanz koloriert. Ist das Kunst? Ist das Punk? Ist das egal?

Kommt in ein paar Tagen raus und macht eigentlich dort weiter, wo die Band vor 5 Jahren aufgehört hat. Eingängiger und melodisch bis seltsam federnder Pub und Punk Rock. Für den anderen Teil des Montags.

Roolette Records. Auf Kassette. Da ist das Cover kleiner. Scheiße, das war ein Schoko-Croissant und jetzt hab ich die ganzen braunen Bremsspur-Flecken im Bett. Das glaubt mir ja auch niemand.

Sexaphone – Lost Connections 2004-2025 CS

Vom "Board of Peace" zum Krieg in nur einem Monat – Respekt. Wo gibt es eigentlich diese Pillen, die man für Montag bis Sonntag einnehmen muss, um zu funktionieren? Ah, direkt hier… wir praktisch.

Lofi Garage Punk mit Drums und Gitarre aus der Vergangenheit Londons.

Sexaphone gab es eigentlich nur ein paar Jahre in den Nullern, also ziemlich genau vor 20 Jahren, und damals haben sie zwei Singles mit genau diesem dreckigen und vielleicht auch simplen Sound vor die Pubs gerotzt. Also zumindest simpler als der Kram von Black Time, bei denen sie beide ebenfalls ziemlichen Krach gemacht haben, aber ein bisschen bluesiger, rockiger.

Hier also die Zusammenfassung ihrer Schaffenskrisen aus den letzten 21 Jahren inklusive ein paar neuer Stücke, die extra für diese Veröffentlichung aus dem modrigen Keller gezogen und komplett neu eingespielt wurden. Roh und sympathisch dilettantisch – wunderbar.

Girlsville. Auf Kassette erschienen. 20 Songs für den Montag, gut dosiert gibt das genügend Schub für den ganzen Tag. Und mit Schub meine ich im Bett liegen bleiben, Sonne hin oder her.

Dylan McCartney – For Those Not Here CS

Ein Soloalbum vom Post Garage Punk Spezialisten Dylan McCartney aus Cincinnati. Ihr kennt die Musik, die er in den Bands und Projekten seit Jahren abliefert (Crime Of Passing, The Drin, Motorbike, The Serfs, usw.), aber kennt ihr auch sein ruhiges, teilweise etwas seltsames Werk aus dem Herbst letzten Jahres, auf dem er mit einer Mischung aus Folk und Post Trash Punk seiner Oma gedenkt, die letztes Jahr verstorben ist?

Genau das richtige Tonbandgewusel für den Freitagabend im klaustrophobischen Kellergewölbe des Kleinhirns. Cool.

Chrüsimüsi Records haben daraus eine Kassette gebastelt und auf die B-Seite noch ein paar unveröffentlichte Tracks aus den Jahren 22-25 gezaubert. Das lohnt sich.

The Dumpies – Lub Dub LP

Hey, Dumpies – die 90er haben angerufen und wollen ihre FYP Songs zurück. Hey Arne, die Dumpies haben geantwortet: Fuck You & a half.
OK.

Dirt Cult Records. Auf LP erschienen und zeitlos genial zum mentalen Skateboardfahren geeignet.