Frana – Awkwardwards LP

Keine Ahnung, warum ich mit Mailand immer das Attribut „hässlich“ verbinde, es soll ja eine so schöne Stadt sein. Aber wenn man nie da war und nur an der Stadtgrenze entlang zu den wirklich schönen Orten Italiens fährt, springen einem nur -nun ja- hässliche Gebäude ins Gesicht, die man schnell hinter sich lassen möchte. Die haben den Dom halt nicht an die Autobahn gebaut damals und Leonardo da Vinci hat sein „Abendmahl“ auch nicht an eine Brücke gesprüht. Also hässlich. Aber auch dorther können sehr schöne Sachen kommen. Zum Beispiel die vierköpfige Band Frana.

Mit ihrem Debüt Album Awkwardwards zaubern die Italiener eine Reminiszenz an 90er Jahre Post Hardcore auf den Plattenteller. Vielleicht würden Hot Snakes/Drive like Jehu so klingen, wenn sie aus Washington D.C. kämen? Ihr könnt euch den Rest ja denken. Etwas vertrackter Gitarren Punk Rock Post Post Post Kram, der ziemlich nach vorne geht und von kraftvollem Gedudel und geschickt eingesetzten Tempowechseln bestimmt wird. Dazu sehr feine Melodien vom Sänger vorgetragen, mal mehr und mal weniger Noise, tolle Dynamik und dazu noch abwechslungsreich.

Frana bedeutet auf Deutsch wohl so viel wie Erdrutsch, aber soweit würde ich hier nicht gehen und will auch keine billigen Bilder abliefern, wie der Sound der Platte ist oder so. Das überlasse ich dann den Schreiberlingen, die pro Metapher bezahlt werden. Die Band gibts auf jeden Fall schon seit ungefähr 5 Jahren und (Fun Fact) die haben auch mal eine Split 7″ mit den von mir geschätzten Opiliones gemacht.

Tolle Platte, auf so einigen Labels erschienen. Antena Krzyku, Vollmer Industries, Brigante Records, Entes Anomicos, Hidden Hands Records, Violet DAM und Oh! Dear Records. Das Cover ist ziemlich hässlich, aber ist halt Mailand, ne? Dennoch eine Kaufempfehlung!

VNLVX – Is Unlux LP

Welche Band hat eigentlich mit diesem Unsinn angefangen, den eigenen Namen ausschließlich mit Großbuchstaben und ohne Vokale zu schreiben? Und dann auch noch die eigentlich vorhandenen „U“s gegen ein „V“ austauschen? Ok, vielleicht etwas zu eng gefasst. Wer hat mit diesem Scheiß angefangen, dass man erst einmal 5 Minuten überlegen muss, wie die Band eigentlich heißt? Ich mein, da gibt es ja dann auch scheinbar keine Regel? Sonst müssten ja in diesem Beispiel RVIVR so wie „Ruiur“ ausgesprochen werden? Fun Fact: Auf dem Album ist ein Song, der – ebenso wie eine RVIVR EP – „Dirty Water“ heißt. Haha – Wahnsinn.

Die Band VNLUX (gesprochen Unlux, wie uns der Albumtitel verrät) hat auf jeden Fall mehr zu bieten, als nur verwirrende Buchstabenkombinationen. Mit drei Kerlen an den Instrumenten und ein Mädel am Gesang machen die 4 ziemlich fantastischen Punk Rock mit einem Bein im Indie- und Fuzzsound der 90er und dem anderen fest verankert im Heute und Hier. Daraus ergibt sich ein musikalischer Spagat, der mit einer sehr schönen Stimme und einem exquisiten Songwriting hervorragend funktioniert. Der Bass und das Schlagzeug wummern im Hintergrund konsequent fast schon melodisch vor sich hin und bieten einen breiten Teppich für die mal fuzzige, mal quietschige Gitarre. Darüber liegt dann die großartige Stimme von Sasha, die versucht, jedes „U“ wie ein „V“ klingen zu lassen…

Nur Spaß, aber die ziehen diese Sache tatsächlich durch, wie man zum Beispiel bei den Songs „Vneasy“ oder „Only Yov“ erkennen kann. Auf Facebook geben sie im übrigen auch an, dass sie aus „Ventvra, California“ kommen. Naja, vielleicht ist ja auch einfach nur das „U“ auf der Tastatur kaputt.
Die Band arbeitet an einem 2. Album, da freu ich mich drauf, vielleicht gibts das dann auch auf LP, bislang ist das nur auf Kassette oder digital veröffentlicht – liegt wohl an Burger Records.

Das Album könnt ihr euch im übrigen kostenlos herunterladen. Nett, ne?

Würst Nürse – Hot Hot Hot Ep

Haha, großartig! Da fallen mir mal gar keine sarkastischen oder dummen Kommentare zu ein. Der Name ist super, zumindest für eine Band aus Australien. Das Konzept ist lustig, die erste und einzige und beste Krankenschwester-Punk Rock Band zu sein. Das ziehen die 5 Mädels dann auch textlich durch und singen ziemlichen Quatsch zusammen, der irgendwas mit Ärzten, Krankenhäusern, Chirurgen und derlei Themen zu tun hat.

„If you cut my pay – I’ll cut your oxygen“

Dazu der Name der EP, der einfach nur die drei Songtitel auflistet, die alle mit „hot“ beginnen. „Hot Doctor“, „Hot Brown Rain“ und „Hot Surgeon“ – mein Humor.

Und dann passt natürlich auch die Musik. Würst Nürse aus Melbourne spielen ziemlich souverän rotzigen Garage Punk im mid-tempo Bereich. 4 Songs in 13 Minuten spricht für sich – das ist kein Hardcore. Ich fühlte mich bei der Stimme von Georgia Maq (kennt man vielleicht von Camp Cope) bei den rotzigeren Parts ein bisschen an Amyl and the Sniffers erinnert, aber vielleicht liegt das auch daran, dass ich nicht so unfassbar viele australische Bands kenne, bei denen eine Frau singt. Ziemlich genau 2. Seit heute. Ich bin gespannt, ob das auch auf einer LP funktioniert und nicht ziemlich schnell eintönig wird. Hier funktionierts auf jeden Fall.

Die EP kam jetzt kürzlich auf Kassette raus. Kann man in den Versionen „erotic“ oder „necrotic“ bestellen. Haha, geil.

Future Girls – Motivation Problems LP

Die Future Girls aus Portland sind eine vierköpfige Truppe rund um Matty Grace, die auch bei Outtacontroller, Fat Stupids, Weekend Dads und anderen Bands ihr Unwesen treibt. Und scheinbar ist sie damit nicht ausgelastet, denn eigentlich startete das Projekt „Future Girls“ nur als Zigarrenbox für ein bisschen Songwriting, welches neben den genannten Bands noch so anfiel. Dann kamen aber wohl so viele gute Sachen zusammen, dass sie sich ein paar nette Leute gesucht und nun mit den Future Girls eine feine LP aufgenommen hat.

Thematisch bewegt sich das Ganze rund um Geschlechtsidentitätsstörungen, Depressionen und „geografische Isolation“, wenn man der Beschreibung auf Bandcamp Glauben schenkt; ich verstehe beim bloßen Zuhören ja oft nicht den Sinn hinter den Lyrics und benötige dann einen Blick in den Beipackzettel. Ihr müsst das also entweder einfach glauben oder selber mal hinhören, wie diese Motivationsprobleme textlich umgesetzt wurden. Musikalisch ist das auf jeden Fall genau die Schublade, in der hier auf diesem Dings gerne gekramt wird. Irgendwas mit Punk Rock aus Portland auf Dirt Cult – reicht mir ja meistens als Qualitätsmerkmal.

Eigentlich wollte ich aus diesen Gründen gar nicht erst was über Future Girls schreiben. Weil es ja doch immer wieder der gleiche Kram ist. Aber ich habe beim Hören der Songs wiederholt das Gefühl gehabt, diese Stimme irgendwoher zu kennen und musste mich dann dabei ertappen, dass ich diese Band mit einer alten Leiche im Keller meiner Plattensammlung in Verbindung bringe. Das Quäkende da aus den Lautsprechern ähnelt der zurecht unbekannten Band „The Go Faster Nuns“ aus dem Süden Deutschlands. Eine Band, die irgendwann mal in den 2000ern unterwegs war. Könnt ihr mal vergleichen. Ja, und das finde ich so wahnsinnig interessant, dass ich es hier aufschreibe. Was ist los mit mir?

Lucy and the Rats – S/T LP

Lucy and the Rats kommen aus London und dem Jahr 1979, inklusive der Lederjacken und Frisuren. Trotzdem geben sie vor, ihr neues Album erst letzten Monat veröffentlicht zu haben. Ich müsste das mal gründlich recherchieren, ob da nicht eine Blaupause irgendwo in den Kellern der englischen Hauptstadt rumliegt, die eine Anleitung für super eingängige Melodien liefert. Anders kann ich mir das jedenfalls nicht mehr erklären.

Aber hört mal her, hier kommen ein paar wunderbare Dinge zusammen. Ein sehr tolle Stimme (Lucy), großartige Gitarre (Joe to Lose – schon geil bei Johnny Throttle) solider Bass und ein Schlagzeug aus Spanien. Zumindest soll es sich hier um Manu von Thee Tumbitas handeln und die kamen aus Vigo. So funktioniert also dieses Europa. Toll.

Auf dem Album wird einem zehnmal Gitarrenpoppunk mit der Zuckerwatte um die Ohren gehauen. Und immer dann, wenn es fast nicht mehr zum Aushalten ist, weil man denkt, „boah nee, das wird jetzt aber mal zu kitschig, das is doch kein Punk mehr“, ist der Song auch schon vorbei. So bleiben Kaugummi-Melodien im Kopf und das Bein will nicht aufhören zu wippen. Schon cool.

Bad Shadows – Voices in the Dark LP

„Leute, hey Leute, ich habe ne großartige Idee. Wir müssen einfach nur unseren Namen ändern, die alten Songs spielen – das merkt eh keiner – und dann noch ein paar Lieder von den White Wires so umschreiben, dass es nicht sofort auffällt. Vielleicht schenkt man uns dann mal ein bisschen mehr Beachtung.“

„Und Du meinst, das ist nicht zu plump, wenn wir stumpf alte Sachen kopieren?“

„Wir kommen aus Portland, stumpfer Anachronismus ist bei uns im Trinkwasser.“

„Ok, aber hast Du das nicht schon mit The Cry so gemacht? Das wird ja langsam peinlich, immer den gleichen Kram in anderer Besetzung zu dödeln.“

„Quatsch, gute Pop Musik wird immer gekauft. In Kanada haben die Punk Rocker da oben auch nur einen Song geschrieben, der seit 15 Jahren immer wieder nachgespielt wird.“

„Naja, wenn Du meinst – dann lass uns aber wenigstens einen coolen Namen wählen und ein geiles Artwork für die LP machen.“

„Deal!“

„Vielleicht hätten wir nicht unbedingt mit dem ersten Song des Albums die Lüge auffliegen lassen sollen. Oder zumindest den Titel ändern oder so. Und der Bandname ist auch irgendwie kacke. Was sollen denn „Bad Shadows“ sein? Gibt es dann auch „Good Shadows“? Und wie sehen die dann aus?“

„Alter, Du denkst zu viel nach. Das ist Punk Rock Garage Rock’n’Roll Pop Gedöns. Namen sind hier Schall und Rauch, nur die Melodien bleiben. Und nächste Woche machen wir einfach ne neue Band und spielen den gleichen Scheiß. Was hältst Du von dem Namen „The bleak Sheik“?“

Espectrostatic – Curios

Oh, cool. Es ist ja der 1. Juni – heute kommen tausend neue Platten raus und verlangen wie nörgelnder Kinder nach Aufmerksamkeit. Hier hier hier hier hör mal hör mal hör mal schau mal schau mal. Da hab ich aber gerade keine Zeit für, sorry kids.
Die einzige Ausnahme ist eine Zusammenstellung von Raries, Demos und Samplerbeiträgen des großartigen Alex Cuervos mit seinem Horror-Synthie-Kram unter dem schönen Namen Espetrostatic!
Super! Auch hier gilt wieder, der Sänger der genialen Hex Dispensers hat bei viel zu vielen Horrorfilmen mehr zugehört als zugesehen – das machen immer diese ängstlichen Typen, die dann mit den Händen vor den Augen nur die Hälfte der Handlung mitbekommen und später den Film nicht verstanden haben. Ugh! Allerdings hat das in diesem Fall auch etwas Gutes, denn so hat der Alex anscheinend viel von den musikalischen Untermalungen der gruseligen Szenen besser im Geiste aufnehmen können.
Und das Resultat ist nun eben seine eigene Vorstellung von gutem Synthie-Kram à la Carpenter. Geiles Zeugs. Leider nur digital.

Ach, ich mach mal ein bisschen Urlaub. Aber das merkt ihr dann schon sicher selber. Bis denne.

Giulio Galaxis – Schwarze Erde EP

Könnt ihr euch noch an Prinzessin halts Maul und Die Rote Suzuki erinnern? Waren das nicht diese guten deutschen Punk Rock Bands aus dem Saarland? Apropos Saarland. Was ist da eigentlich los, in diesem kleinen Bundesland, aus dem ja auch noch die nicht weniger guten Pascow stammen? Ich meine, mit einer Bevölkerungsanzahl, die kleiner ist als die von Köln; was packen die da ins Trinkwasser, dass verhältnismäßig so viele gute Bands da herkommen?
Vielleicht ist es dort auch einfach unfassbar öde und man muss sich zwangsläufig und notgedrungen mit anderen Bauerntrampeln zum Musizieren treffen, weil man sonst vor Langeweile Kühe umschubst oder so. Das kann einen in Köln ja nicht passieren – da ist immer super viel los und toll und hip und hop und was sind Kühe?

Ich wollte eigentlich erzählen, dass sich ehemalige Mitglieder dieser beiden anfangs genannten Bands zusammengetan haben, um vor ca. 3 Jahren die Giulio Galaxis zu gründen. 3 bärtige Männer und einer ohne Bart machen hier ziemlich genau dort weiter, wo Prinzessin Suzuki aufgehört haben. Deutschsprachiger Punk Rock. Punkt. Nach einem selbstbetitelten Debüt im Jahre 2015 war erst einmal lange Pause um die vier Jungs. Bis jetzt! Vor kurzem haben sie auf Kidnap Music und Fond of Life eine neue EP veröffentlicht, von der man zwar nur einen Song online hören darf (warum eigentlich?), der aber schon mal ziemlich gut ist und vielleicht als Kaufanreiz ausreicht…

Ich persönlich finde das ja inzwischen schon ein bisschen komisch, wenn eine Band nicht alle ihre Songs bei Bandcamp zum Stream anbietet. Richtig komisch finde ich das dann, wenn es eine deutsche antikapitalistische, antirassistische, antisexistische usw. Band ist. Wollen die nicht gehört werden? Hat das Label das verboten? Naja, für diverse Videos hat es augenscheinlich gereicht.

Vom Album:

Svart Katt – När allt är över LP

Die schwarze Katze schlägt wieder zu! Nein, das ist nicht der schwedische Soundtrack zu dem Kinofilm „Black Panther“. Das ist ganz wunderbarer Garage Punk Pop Kram aus Stockholm! Nach ihrer ziemlich coolen Single auf P.Trash (R.I.P.) letztes Jahr, haben Svart Katt jetzt kürzlich ihren ersten Longplayer auf Kassette bei Coffee Doped Records herausgebracht und in ein paar Wochen erscheint das Prachtstück dann auch auf Vinyl beim Sabotage Franzl. Ist die CD eigentlich wirklich so tot, dass man neben den obligatorischen MP3 tatsächlich nur noch analoge Tonträger veröffentlicht? Was für eine Freude!

Die Platte ist nicht nur was für Freunde der gesungenen Umlaute. Svart Katt erinnern mit ihrem Sound ein bisschen an die großartigen Radioactivity, aber der Vergleich muss ja inzwischen immer herhalten, sobald eine Band tolle Melodien und Mid-Tempo Songs unter 2 Minuten abliefert. Die drei Schweden sind allerdings zusätzlich mit sphärischen Gitarren, einer Orgel und mehrstimmigen Gesang unterwegs. Ansonsten geht der Vergleich schon klar. Mir persönlich sind aber die Songs immer ein Stückchen zu kurz – gerade, wenn es anfängt, so richtig ins Ohr zu gehen und Spaß macht, hört der Song einfach auf. Ein wenig Coitus interruptus, wenn ihr mich fragt. Und das soll ja auf Dauer wehtun, hab ich gehört. Vielleicht auch deswegen der Albumtitel…

Black Boys on Moped – Love…with a little bit of Noise LP

Black Boys on Moped sind zwei stramme Jungs aus Rennes in Frankreich und haben sich nach einem Song von Sinéad O’Connor benannt. Ich habe keine Ahnung, warum. Vielleicht steckt ja eine interessante Geschichte dahinter, so wie bei den Jungs aus Münster, die sich damals schlicht nach Songs von einer wahllos aus dem Regal gezogenen LP benannt haben – Idle Hands und Press Gang von der Murder City Devils LP „In Name and Blood“. (Fun Fact: Als ich zum ersten Mal von Press Gang gehört habe, dachte ich, das sei eine lustige deutsche Band, die sich nach einem langwierigen und schmerzhaften Erlebnis auf der Toilette benannt hatten) Hätte ich eine Band, würde mir der Zufall wahrscheinlich so einen Quatsch wie „Map Ref. 41ºN 93ºW“ als Namen zuweisen. Aber ich schweife ab.

Das Duo ist ausgestattet mit einer hübsch krachig-fuzzigen Gitarre, einem kleinen Schlagzeug mit wohlklingenden Becken und einer schön schrägen Stimme, die mal schreit und mal singt. Dazu fürs Album im Studio ein bisschen Synthesizer, Banjo, Bass und Orgel und schon ist die Band komplett. Natürlich hört man hier ein bisschen Jay Reatard Sachen heraus und natürlich hat jede 2-Mann-Band immer auch ein paar Lücken im Sound, die man dann mit extra viel Krach oder eben mit extra guten Melodien zu kaschieren versucht. Das gelingt den beiden Herren hier sehr gut. Platte ist im Januar bei Beast Records erschienen.

Also wenn man Garage Punk Rock mag, sollte man hier mal hellhörig werden. Ich finds ziemlich geil.