Drakulas – Midnight City LP

Ach, die gibts auch noch? Na sowas. Das ironisch bis alberne Grusel-Pop-Punk-Projekt von Riverboat Gamblers und Rise Against Leuten aus Austin hat noch ein bisschen Luft und diese direkt in 12 neue Songs gepustet, die wieder treffsicher zu den ersten warmen Sonnenstrahlen auf dem Friedhof passen.

Drakulas dritte LP ist charmant harmlos, unterhaltsam, nett. Wenn das musikalische Herz am Montagmorgen  noch im Samstagabend gefangen ist.

Dirtnap Records. Ach, die gibts noch? Na sowas.

Orsini – Ezin Atera CS/LP

Ich verstehe dieses Demokratie-Dings auch irgendwie nicht mehr. Da wählen Leute also mehrheitlich eine Partei, und diese Partei darf dann den Gott des Bundeslandes stellen, aber der kann mit seiner Partei nicht alleine regieren und soll deswegen alles so machen, wie eine andere Partei, die nicht gewählt wurde, um doch zu regieren. Hä?

Können wir das vielleicht einfach mal lassen? Wir sind da zu doof für.

Aus Spanien kommen seit dem 11. Februar viel nettere Klänge über die Pyrenäen geweht. Da geht es um die gleichen Probleme, die man auch hier so kennt (Gentrifizierung, Fußpilz, kalter Kaffee), aber in Bilbao gibt es wenigstens Siesta und Pintxos und Orsini. Letztere nicht in Form des Adelgeschlechts, das Italien rund 800 Jahre mit Päpsten und Kardinälen und anderen Hohlbirnen bombardiert hat, sondern in Form der vierköpfigen Band.

Und die macht ganz wunderbare Hafenpromenaden-Garage-Punk-Schweinereien mit Wave und No. Tolles Album – die nächsten Sommerhits, die man unbedenklich am Strand trällern kann.

Andalucía Über Alles hat die Kassetten gemacht, irgendein anderes Label die LPs, die man derzeit noch vorbstellen muss, denn der Kram erscheint erst nächste Woche auf den physischen Tonträgern. Digital bläst das schon schon seit dem 11. Februar durch alle Gassen.

Big – Dance Music EP CS

Vielleicht liegt ihr Tannanzäpfle-besoffen im Ländle und möchtet das Wahlergebnis feiern, oder ihr sitzt im NRW-Hochofen und freut euch über neue Rekorde bei den Rüstungsaufträgen, oder ihr schraubt mit der Bohrmaschine die Benzinpreise bei eurer Tankstelle nach oben.

Es gibt so viele Gründe, zu feiern. Big aus Oakland liefern euch die passende Tanzmusik. Vielen Dank.

Die haben ganz andere Sorgen da drüben in Oakland. Zu viel Sonne, Meer und dieser geniale Bageltopia Laden um die Ecke. Schlimm.

The Dumpies – Lub Dub LP

Hey, Dumpies – die 90er haben angerufen und wollen ihre FYP Songs zurück. Hey Arne, die Dumpies haben geantwortet: Fuck You & a half.
OK.

Dirt Cult Records. Auf LP erschienen und zeitlos genial zum mentalen Skateboardfahren geeignet.

The Spitters – Fake Brutal LP

The Spitters aus Frankreich. 4 Dudes, die, wie man auf dem Bandfoto sehen kann, offensichtlich Haltungsprobleme haben und nicht gerade stehen können. Bei manch einem ist es sogar so schlimm, dass man sich direkt hinsetzen muss. Vielleicht ist das aber auch ne Band, die sich beim Physiotherapeuten im Wartezimmer kennengelernt hat? Spannend.

Ich mag deren neues Album auf jeden Fall. Das sprüht vor Power Pop Punk und erinnert ein bisschen an die besten Zeiten von Sonic Avenues und Konsorten. Passt wunderbar zu Pilates.

Howlin Banana Records. Auf LP erschienen. In Gelb. 13 Songs in 30 Minuten, das reicht von Meerjungfrau bis zur Criss Cross Übung. Stark.

The Etters – Maken Je Hartstikke DOOD! LP

Hat jemand Bock auf Punk Rock? Dann greift hier zu. Ohne viel Spielereien, einfach nur straighter Garage Punk der Marke Rip Off Records.

Also soundtechnisch in der Nähe von The Reds und den Marked Men angesiedelt zu sein, ist ja auch mit dem Debüt nicht so übel. Keine Ahnung, was der Name The Etters bedeutet, aber der Titel suggeriert auf charmantem Niederländisch, dass sie dich umbringen werden.  Interessanterweise machen sie dich sehr glücklich, wenn man das Wort "dood" in der Übersetzungsmaschine weglässt. Glück und Tod liegen so dicht beisammen. OK.

Jeder Song ein Hit, deswegen auch ohne Umdrehen alles auf eine Seite der LP gepresst, um auf der Flipside Platz für Notizen zu lassen. Cool.

Bachelor Records. Auf rotem Vinyl vorbestellbar. Erscheint Mitte August. Angeblich auch in Kanada schon bei Rat Fink erschienen, aber ich hab das nicht gefunden. Gefunden hab ich dort nur eine Webseite aus der Hölle der 2000er. Mein Tipp zum Wochenende: Macht das Album an, schmeisst ein bisschen verstaubte Pillen aus dem Techno-Beutel ein und feiert auf der Webseite als wäre das Millennium gerade erst gestartet.

Oh, schon Montag.

Bag – Demo 2025

Gitarrenverliebter Punk Rock, der leckeren Kneipen- und Riot Grrl-Duft versprüht. Aus Adelaide kommt Bag zu fünft dahergewalzt und hinterlässt mit dem 6-Song-Demo ein paar schöne blaue Flecken im Gehörgang. Ja, das ist bestimmt von den Überfliegern Amyl & the Sniffers beeinflusst, aber das ist ja nichts Schlechtes. Immerhin haben die da unten ne Band, von der man sich beeinflussen lassen möchte.

Erstmal nur digital. Früher waren diese Stofftragetaschen (Tote Bags) ja unter dem Namen "Jutebeutel" nur den Hippies vorbehalten und man hatte eigentlich entweder eine ordentliche Plastiktüte vom Plattenladen oder nix.

Cruelster – Make Them Wonder Why LP

Eine neue LP von den wahninnigen Cruelster aus Denver ist im Anmarsch. Zwar kann man erst einmal nur einen Song davon hören, aber wenn alle 21 Lieder ähnliche Energie versprühen, ist der lethargische Sommer ab-und Zappeln bis der Kreislauf kollabiert angesagt.

Convulse Records. Erscheint Mitte Juli auf LP und vielleicht auch in Europa mit einer Verzögerung zu bekommen, könnt ihr also noch ein bisschen länger herumfläzen.

Meditation – Spiritual Impurity

Toller Punk Rock mit Hardcore Nachgeschmack aus Minneapolis, der sich anschickt, in die Post-Ecken der jeweiligen Genres abzudriften, aber dann sind die Songs immer schon vorbei.

Meditation geben sich alle Mühe, mindesten eintausend Liedideen in einen Song zu packen und dann mit einer großartigen Stimme existenzielle Rezepte in das gut sortierte Instrumentwirrwarr zu spucken. Interessanterweise wurden die 7 Songs über einen Zeitraum von 4 Jahren geschrieben und eingespielt und dabei insgesamt 13 Bandmitglieder verschlissen. Macht zusammen 24. Manchmal ist so Musik halt auch kompliziert noch geiler Scheiß.

Nix Label, nix physisches Format. Kostenlos zum Download angeboten, schlagt zu. Das ist schon ganz interessant, dass bei einer totgerittenen Mediation stets die Möglichkeit besteht, sich für ein "k" oder ein "t" zu entscheiden, um voran zu kommen. OK.

Aliment – Sempre Res LP

Damals, in den 90ern, als wir noch kein Internet hatten, saßen wir an langweiligen Abenden immer vor dem Fernseher (also fast jeden Tag). Im Grunde hat sich bis heute nicht viel getan, das Medium wurde lediglich ausgetauscht und man sitzt heute alleine vor dem Bildschirm, anstatt sich in der Familie dem Diktat der Fernbedienungsherrschaft (Vater) zu unterwerfen.

Jedenfalls gab es da samstagabends bei RTL die sogenannte RTL Samstag Nacht, angelehnt an die US Show Saturday Night Live. Eine Sendung mit Sketchen und Quatsch, die tatsächlich oftmals (zeitgemäß) lustig war. Ich erinnere mich gerade wegen der heutigen Band an eine Sketchserie, in dem es um die Gebrüder Mente ging, Ali und Rudi. Haha. Blöder Wortwitz, aber dafür hatte ich schon immer eine Schwäche.
Und da frage ich mich jetzt, ob es vielleicht eine befreundete Band gibt, die Rudiment heißt und die dann gemeinsam mit Aliment Barcelona unsicher macht. So funktioniert mein Hirn.

Nebenbei machen Aliment sehr eingängigen Punk Rock der melodischeren Spielweise und driften dabei manchmal in den Post Punk ab. Sehr schön, sehr spanisch, sehr seltsames Cover. OK.

Flexidiscos. Auf Platte erschienen in orange oder schwarz. Tatsächlich gibt es einen Künstler aus Sankt Petersburg, der auf den Namen Rudiment hört und kürzlich (vor 5 Jahren) eine richtige beschissene EBM Kassette mit dem schönen Titel "Messerwunden" veröffentlicht hat. Aktuell ist er mit "Zeitenwende" beim Label Wie Ein Gott in Berlin angekommen. Das wäre doch eine schöne gemeinsame Tour durch Europa!