Tokyo Lungs – Soul Music 12″

Uffta. Ta. Ufftatatatatatatata. Endlich Hardcore. Guten Morgen!

Wie bekommen die Kerle von Tokyo Lungs aus England eigentlich so viel Melodie und Harmonie in durchschnittlich 45 Sekunden Geballer reingerollt? Ich werde es nie verstehen, warum ich so etwas hier total super finde und dahingegen den meisten „modernen“ d-beat Hardcore ziemlich langweilig.
Vielleicht ist es ja tatsächlich einfach die „Soul Music“, die in Songs wie „Lockdown“ oder „On Fumes“ zum Tragen kommt und neben dem aggressiven Gedresche eben auch das gewisse Etwas mit in das Hardcore-Müsli streut, das aus ordinären Haferflocken ein leckeres Frühstück macht, ohne dabei plump einfach nur Sultaninen reinzuschmeißen. Bananenchips? Milch?

Keine Ahnung – aber wenn ihr gerade keine Zeit habt, dann hört doch mal hier rein.

Nach der hochgelobten Single nun also das Debüt auf 12″ bei Kibou Records, obwohl es bei 19 Minuten fast auch noch eine weitere 7″ getan hätte. Egal. Kann man in Deutschland bei Amok Records bestellen.
Geiler Scheiß!

Wahrscheinlich müsste sich die Band bei weniger Melodie und noch mehr Kratzen im Sound einen anderen Namen geben. Mir fällt da analog zu Tokyo Lungs spontan sowas wie Oststadt Augen ein.

Adult Books – Grecian Urn LP

Na, Freunde? Juckt es euch auch in der Poritze und habt ihr mal wieder so richtig Bock auf Punk Rock und Rotz und wilde Bierschlacht und Döner mit allem?
Dann seid ihr hier gerade leider falsch und mit Ausschlag oder Juckreiz am Popo sollte man nicht spaßen – bei den Kindern hat sich Calendula Creme ganz ausgezeichnet bewährt.
Für alle schmerz-, juck- und spaßfreien Hippies hab ich aber genau das Richtige: Adult Books mit dem neuen Album Grecian Urns, das vor ein paar Tagen erschienen ist.

Für die zweite echte Langspielplatte hat sich die Band aus Los Angeles mal eben vierhundert Jahre Zeit genommen, um dann am Ende mit recht ruhigem Gitarrengedudel, zaghaften Einsätzen von Synthesizern und ganz zauberhaften Melodien großartig meine Stimmung in diesen Tagen zu untermalen. Ein bisschen Frühling und Freude, ein bisschen Melancholiereste aus dem scheiß Winter und insgesamt bleibt man irgendwie in diesem Schwebezustand kleben. Zumindest haben die 4 von den 10 Songs diesen Eindruck bei mir hinterlassen. Vielleicht ist das gesamte Album ja ein Quell von Sonnenschein aus dem juckenden Arsch. Wer weiß.
Erinnert mich ein bisschen an Oki Moki. Warum auch immer – erschien bei dem Schweizer Label Taxi Gauche Records auf Vinyl.

Bald kommt auch wieder Punk Rock und Bier mit allem und Dönerschlacht. Versprochen.
Danke, Lukas!

VR SEX – Cyper Crimes EP 2×7″

Bei meinem täglichen Osterbrunch ist mir ausgerechnet heute ein Gedanke gekommen, den ich zwar mit meinen imaginären Vegetarier-Freunden am Tisch diskutieren konnte, zu dem ich dennoch keine befriedigende Antwort gefunden habe.
Das liegt zum einen an den Idioten, die ich mir als Freunde ausgedacht habe und zum anderen ähm…nee, ausschließlich an denen. Da ich den Gedanken aber recht interessant finde, kotz ich das mal ins Internet.

Wenn man bedenkt, dass manche Menschen behaupten und auch glauben, dass Leben bereits bei der Fertilisation entsteht und dementsprechend schützenswert ist, dann müsste einem katholischen Vegetarier eigentlich das Frühstücks.., Pardon, Brunch-Ei im Halse stecken bleiben.
Denn es ist ja tatsächlich erwiesen, dass im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt oder beim Bauern befruchtete Hühnereier verkauft werden. Es könnte also sein, dass man da ein ungeborenes Küken in die Pfanne haut, wenn man sich einen vegetarischen strammen Max machen möchte. Heißt das dann, ein Vegetarier muss in der Konsequenz auf sämtliche Eierprodukte verzichten, wenn sich seine Ernährungsweise mit einer philosophischen oder religiösen Einstellung vereinigt, die von ungeborenem Leben bereits ab der Zygote ausgehen? Muss man dann schnell Veganer werden, um auf Nummer sicher zu gehen? Verrückt.

Und nun zu etwas gänzlich Anderem: VR SEX aus LA bringen Ende des Monats eine hübsche EP auf einer Doppel-Singel heraus und man kann sich einen Song der melodisch verspielten Post-Punker schon einmal anhören. Tolle Sache.

Das einzig Gute an imaginären Freunden ist ja, dass ich deren Geschirr nicht wegräumen muss. Aber die haben nach der Diskussion ihre bunten Eier stehen gelassen, die Penner.

Go Lamborghini Go – Low LP

Eine neue Mangelerscheinung aus Berlin. Und Leipzig. Also wieder einmal ziemlich guter Post Punk aus der Allee der Kosmonauten.

Hier haben sich in Ermangelung von anderen Möglichkeiten 6 Leute zufällig zusammengefunden, um Musik zu machen.
„He, ich hab gerade keine Band, haste Bock?“ „Ich spiel schon in 12, aber ok. Lass noch mal 4 andere Leute fragen.“ „Ok. Cool. Ich trink noch schnell meine Mate aus.“

Das Ergebnis dieser „Jam-Sessions“, wie wir das früher genannt haben, kann man nun in Form einer schicken 12″ Vinylscheibe hören und bestaunen. Der Bass blubbert hervorragend seinen Song vor sich hin und bietet dem Schlagzeug ein ganz wunderbares Fundament für kräftig bis vertrackte Rhythmen aus der Post Punk Schublade, während Gitarren und Synthesizer irgendein Gedöns spielen, der sich wie Rauchschwaden aus dem Proberaum zu einer ganz zauberhaften Melodienreihenfolge verdichtet und in einem Zug weggeatmet werden will. Eimer-Stlye. Nur so kann man auch auf den Namen kommen – Go Lamborghini Go.

Davon wird man zwar ein bisschen luftig im Kopf, aber so was passiert halt, wenn man sich dem Post Punk hingibt.
Cooler Scheiß aus Berlin. Kauft das bei der Band oder bei Armin.

Ich hatte den Lamborghini in Gelb damals geschenkt bekommen (SIKU). Vielleicht in der Hoffnung, dass ich mich für Autos mal interessieren würde. Ich glaub, das Ding ist ein paar Tage später Opfer eines Lady-Cracker „Unfalls“ geworden.

Electric Chair – Social Capital 7″

Ach Welt, halt’s Maul.
Ich hab heute Morgen wieder ein neues Wort gelernt: Impfstoff-Wettbewerb.
Vielen Dank.

Weil die egoistischen Wichser aus den USA und die selbstsüchtigen Kackvögel aus Großbritannien wie gute Stricherjungen ihre Spritzen nicht teilen wollen, sprechen die saudummen Penner aus der EU jetzt von einem Wettbewerb und wollen ebenfalls ihre kleinen Flaschen für sich und das dumme Volk behalten. Scheiß auf den Rest der Menschheit – Go West or Die!

Wie schön, das ist auch genau das, was ich in all den Geschichten und Märchen damals als Moral mitgenommen habe in mein Leben. Eigennutz und Überheblichkeit, Arroganz, Egoismus und Starrsinn. So war das doch bei den Grimmschen Erzählungen, ne?

Das ist der passende Soundtrack. Electric Chair aus Olympia, Washington mit ihrer neuen Single „Social Capital„. Megaguter Hardcore, der meine schlechte Laune nicht besser macht, sie aber wenigstens in den richtigen Farben untermalt und mir dabei hilft, positiv zu bleiben den ganzen scheiß Laden anzuzünden.
Kam heute offiziell bei Iron Lung heraus. Kann ich bitte zwei haben?

So, jetzt ab in die Apotheke und die gesamten Immodium Tabletten kaufen und zuhause verbrennen. Vielleicht wird so ja die ganze Welt von alleine zugeschissen.

Teaser Party III

Zum Wochenende serviere ich euch gern ein paar kleine Anspieltipps, wie der Radioredakteur zu sagen pflegt. Bitte um Rückmeldung. Nach Diktat verreist. Oster Oi.

Jackson Reid Briggs & The Heaters – Dealing Again / Been Waiting

Zwei Songs, die offensichtlich jeweils ihr eigenes Release verdient haben und vor kurzem von den Punk n‘ Rollern aus Melbourne veröffentlicht wurden. Zuverlässig wird hier wieder einmal australisch punkig und rollig abgeliefert, wie man das von Jackson Reid Briggs & The Heaters seit 5-6 Jahren kennt. Ja, so richtig wild ist das nicht, aber dafür die ersten Songs in diesem Jahr, die man bei offenem Fenster während der Fahrt zur Psychoanalyse hören will. Also ich.

The Gobs – Demo

The Gobs aus Olympia in Washington haben bei dem ständigen schlechten Wetter dort zu viel zusammengehockt, zu viel Kaffee getrunken, zu viel Adderall geschluckt und dann versucht, die Ramones mit den Spits zu kreuzen. Und irgendwie hat das auch funktioniert. Sehr hektisch, nicht geeignet für die Diazepam am Morgen. Geiler Scheiß – freu mich auf mehr.

Artificial Joy – Fan Club Manic

Ein neuer Song von den Spaß liebenden Punks aus Los Angeles. Nach der tollen Debüt Split 7″ letztes Jahr mit Skitklass haben Artificial Joy nun den Newcomer-Bonus ausgesessen und müssen sich wie jede andere Band auch mit den „frühen Sachen“ messen lassen. Joa, nicht besser und nicht schlechter. Künstliche Freude ist im übrigen das, was man beim Shopping erlebt. Echte Freude kommt nur von Drogen.

Spread Joy – S/T LP

He, wo wir gerade beim Thema Freude sind – da hat aber jemand sehr oft „Three Girl Rhumba“ von den genialen Wire gehört und konnte sich dann nicht mehr vom Basslauf lösen (Unoriginal). Der Rest ist ebenso eine Ode an die Freude des Post Punks. Tolle Band – Spread Joy aus Chicago werden bestimmt die Lieblinge des Feuilletons. Mit Leuten von Negative Scanner und Human Beat. Anfang April kommt dann das komplette Album.

Müllheim – Kron CS

Ich hoffe, Müllheim hat nicht allzu viele Promos verschicken müssen. Das geht ja irgendwann ins Geld. Und in den Kopp.

Sympathische Synth-Punk Band aus Berlin mit einer Note von Oiro und Goldenen Zitronen, als beide Bands noch gut waren und wenn sie einen Synthesizer gehabt hätten.

Geiler Scheiß auch die neuen Songs. Und mit geiler Scheiß meine ich ähm, upps vorbei. Naja, ist Punk aus der Hauptstadt, muss man nicht verstehen.

Dollhouse – The First Day Of Spring 7″

Nanu, diese Band hatte ich schon total vergessen. Genauso wie den angeblichen Frühling. Wie schön, dass mich Toxic State Records jetzt an beides erinnert. Es kann so schön sein.
Isses aber nicht. Ihr wisst schon. Wegen Allem.

Also gut, die Single von Dollhouse mit den 4 Songs ist natürlich super, auch wenn ein Lied davon eigentlich ja schon auf dem Demo war (Shadow Baby) und somit lediglich 3 neue Titel hier veröffentlicht werden, aber wer wird denn da so kleinlich sein. Ähm, ich.

Man könnte natürlich auch sagen, dass man, wenn schon ein Song vom
Demo genommen werden soll, den Opener „Summer Love“ hätte wählen müssen, weil der Song eigentlich noch mehr Rakete ist als das Schattenbaby. Aber vielleicht ist das dann zu viel Jahreszeiten Geblubber und man will ja nicht wie ein baumumarmender Öko-Hippie da stehen und dauernd über Natur reden. Das kann aber auch alles nur in meinem Pandemie-Isolations-Kopf sein.

OK. Auf der Single der New Yorker finden wir wieder geschmackvollen Punk Rock zum Skateboardfahren und zum Bullenautos anzünden. Oder für die Puppenstube, das bleibt euch ganz selbst überlassen. Sehr guter Sound, toll abgemischt, tolle Single.
Ist am ersten Tag des Frühlings bei Toxic State erschienen. Jaha.

So, muss los und Eierlikör-Hamsterkäufe erledigen. Hab gehört, nächste Woche gibt es nur 3 volle Tage zum Shoppen. Fuck ey, Katastrophe.

Waste Man – One Day It’ll All Be You LP

Eine ganz wunderbare Band aus New Orleans bringt demnächst bei Feel It Records ihre Debüt LP heraus und obwohl man erst einmal nur zwei von den neun Liedern hören darf, würde ich mal eine klare Empfehlung aussprechen.

Waste Man vereinen den aktuellen sauberen und zum Teil seltsamen Sound des Post Punks populärer britischer Bands mit poppigen Einflüssen australischer Rock n‘ Roll Helden und runden die Sache mit Sprüngen zwischen Ostküsten SST und Westküsten Dischord Bands ab.

Da hat wohl jemand die Punk Rock Großküche sauber gefegt, das Kehrblech in eine Backform gekippt und daraus einen ziemlich großartigen Kuchen gebacken. Anders kann ich mir zumindest den Namen nicht erklären. Hoffentlich können die Müllmänner das Niveau auf dem gesamten Album halten.
Die LP könnte man in limitierter Version jetzt schon vorbestellen, aber Porto. Vielleicht einfach abwarten – kommt am 2. April offiziell kompletto digitalo heraus und schafft dann bestimmt auch in Vinylform den Sprung über den Atlantik. Geiler Scheiß aus New Orleans!

Im Gegensatz zu orange bei unseren Fachkräften für Kreislauf- und Abfallwirtschaft, ist die Arbeitskleidung bei den netten Menschen mit den großen Autos in New Orleans gelb.

Zu viel von Allem

Meine Güte, da passt man mal ne Woche nicht auf, weil man die neu gewonnene Freiheit per „Click-and-Collect feiert und die ganze Zeit von Christ zur nächsten Herren-Boutique und zum Beate-Uhse-Shop läuft und schon haben sich im anderen Teil des Internets tausende musikalische Ergüsse angehäuft.
Sorry, aber das muss mal eben in einem Rutsch vorgestellt werden.

Sweet Reaper – Microdose 7″

Das Trio aus Ventura in Kalifornien ist offensichtlich recht fleißig und haut innerhalb eines Jahres bereits die dritte Veröffentlichung heraus. Auf der 7″ werden dieses Mal zwei Songs verwurstet, die nicht mehr auf das Debüt Album gepasst haben und zwei zusätzliche Schmankerl noch dazu, die wohl dann neu sind. Erst LP, dann 12″ und jetzt übermorgen ne 7″ auf Alien Snatch. Wenn es so weiter geht, kommt wohl demnächst eine Flexi.

Bakterie – S/T LP

Ziemlich schlauer Name für ne Band, wenn man bedenkt, dass es sowohl sehr viele negativen wie auch positiven Seiten von Bakterien gibt. Denkt man an Sardellen – puh, schlimm. Aber der ganze Kram im Darm? Voll gut und wichtig. Und so ähnlich ist auch die Debüt LP der Band aus Duisburg. Sehr viele persönliche und intelligente Texte ohne Zeigefinger und sehr viel guter Punk Rock, der manchmal ein bisschen kaputt getrommelt wird. 14 Songs in Eigenregie aufgenommen und demnächst auf Vinyl veröffentlicht. Sehr sympathisch.

Josephine & Hershguy – Stocky Tunes LP

Kaum zu glauben, was man zu zweit alles so im Studio zaubern kann. Die beiden Musiker aus New York City haben hier eine kleine große Sammlung von Glam Rock, Soul und Post Punk zusammengetackert, die ausnahmslos großartig ist. Also wenn ihr noch ein Album sucht, das man jeden Tag zu jedem Zeitpunkt hören kann, dann greift zu. Außer zum Schlafen. Das funktioniert in etwa so gut wie eine steife Prise Speed mit Kakao. Kürzlich auf LP bei Dig! Records erschienen.

Custody / Bear Away – Split

Die beiden Songs katapultieren Dich direkt über 20 Jahre zurück in die 90er, als Jan Ulrich noch Fahrrad fuhr und Marusha noch in den Charts over the rainbow stolzierte und die BiFi Carazza Markteinführung floppte, weil die BiFi-Roll unschlagbar war. Ugh. War nicht alles geil früher. Aber diese beiden Songs hier von Custody und Bear Away zeigen die guten Seiten der Grunge/Punk/Alternative Zeiten. Warum jetzt? Keine Ahnung. Warum Flexi weiß ich auch nicht. Müsst ihr mal Brassneck oder Disillusioned Records fragen.

REVV – AMUSIA CS

Aus einer Kleinstadt (Mount Gambier) im Süden von Australien kommt diese Ein-Mann-Band, also ein Mann, der den aktuellen Punk Rock Eiertanz-Sound des Kontinents ganz gut auf 4 Songs verteilt und damit mal eben den Rest der Welt ziemlich blöd aussehen lässt. Es kann so einfach sein. Kam vor ein paar Tagen auf Kassette bei Under Heat Records heraus und ist ausverkauft – die limitierte Version hat sich wohl die ganze Avantgarde des modernen Punk Rocks gekrallt. Oder sind es einfach Hipster?