Cherry Cheeks – Therapy

Boah ist diese Herbst-Scheiße deprimierend. Und das soll ich jetzt 6 Monate ertragen oder was? Wer hat sich diesen Mist überhaupt ausgedacht mit der schiefen Weltkugel und der Sonne und dem ganzen Unsinn von wegen Jahreszeiten?
Und dann auch noch fucking Winter bald, ey. Ich kack ab.

Musikalisch schlittern wir damit auch ganz hart in die Jahreszeit für Post-Punk-HC. Es ist also wieder Zeit, um vor dem Kamin eine ganze Schallplatte zu hören, Linernotes und Texte zu lesen, sich auf die Musik einzulassen und dabei ein Glas Rotwein zu trinken und gönnerhaft bei manchen Passagen mit dem Kopf zu nicken.

Oder wir setzen uns mit der Badehose auf den Heizpilz, machen uns ne Kaugummizigarette an und hören die neue Cherry Cheeks.

Während die Ramones noch detailliert von Shock Treatment und Psycho Therapy gesungen haben, hat sich Kyle damit begnügt, einfach nur nach Therapy zu rufen. Wenn das mit dem Licht und dem Wetter hier so weiter geht, schließe ich mich an.

We all need therapy and that’s okay

Catholic Block – We Fail CS

Lasst euch nicht von der Ästhetik der schmucken Kassette oder dem Namen des Künstlers täuschen.
So wie ich. Ich dachte beim Anblick des schwarz/weiß Covers, das ein älteres Paar beim Ententanz zeigt, eigentlich gleich an brachialen Hardcore.

Ein Blick auf den Namen der Band und den Titel des Albums ergaben in meinem mit Vorurteilen und Klischees überwucherten Gehirn dann noch einmal die gleiche Schlussfolgerung – das muss so 80er Punk Hardcore sein, das sieht man doch.

Stimmt aber überhaupt nicht. Das hier ist eine feine Träumerei von Popgedudel aus dem Schlafzimmer des Herrn Qlowski (Mickey), der einfach mal Punk Rock gegen Synthie Wave Post Zeugs eingetauscht hat, um seine persönlichen Verfehlungen und Unglücke der letzten Jahre zu verarbeiten, die man so in London begehen und haben kann. Frauen/Männer/Jobs/englisches Frühstück/Cider & Royals.

So ist dann zumindest der Titel zu erklären. Schönes Ding.

Besser als das Label Maple Death Records kann man das eigentlich gar nicht beschreiben: „warm quasi-voyeuristic fragile bedroom pop„. Ach, ist das entspannend.

Chainshot – S/T LP

Junge, was ist denn hier los? So hört sich das also an, wenn man viel zu gut für schnöden Hardcore Punk ist und es dann trotzdem macht.

Selten so viel Energie, Melodie und Wut in dieser komprimierten Form gehört, obwohl die Songs tatsächlich für das Genre recht lang sind und des öfteren die 2 Minuten-Marke knacken und einmal sogar episch lange 3:21 an Unterhaltung bieten.

Man könnte meinen, die sind alle verrückt geworden, wie die ihre Instrumente und Stimme malträtieren – aber das alles so unfassbar sauber und genial, dass es sich hier vielleicht auch um ein Demo handelt, das versehentlich von 33 1/3 auf 78 rpm abgespielt wird?

Ziemlich großartig und inspirierend. Ich zum Beispiel geh jetzt raus und zünd die beschissene Stadt an.
Bei Chainshot handelt es sich offenbar um eine neue Band aus Nashville, Tennessee (wenn man mal von den drei veröffentlichten Singles und den 6 Jahren Bandgeschichte absieht, Du Trottel) und man könnte wegen des Titels Hoffnung haben, dass diese wahnsinnigen 11 Songs demnächst tatsächlich auf Platte veröffentlicht werden.

Chain“ scheint das neue Qualitätsmerkmal im Namen von Bands zu sein. So wie früher „Fugazi„, haha.

Lip Readers – Clean Kitchens CS

Oh ja. Das ist schöne Musik.

Leute aus dem Umfeld von Tony Molina und den aufgelösten New Faultlines haben hier 8 sehr feine Stücke Pop Folk Garage Punk Indie Rock mittels einer elektrischen Wechselspannung auf ein beschichtetes Magnetband geprägt.

Das Tape erscheint bei dem tollen Label Refry Records, aber vielleicht kann man das auch in eine spiralförmige Rille auf einer Polyvinylchloridscheibe ritzen? Würde ich mir anhören.

Das Label sagt, dazu passt ein Bier und eine Tüte. Na dann.

Habs ausprobiert. Schokolade und Kaffee geht auch.

Deep Trench – Demo EP

Tolles Demo von Deep Trench aus Olympia in Washington.
Da rühren Leute von RVIVR und Dogjaw mal eben einen großen Pott heißen Brei aus düsterem Post Punk mit dem etwas grungigem Sound des amerikanischen Nordwestens an und schütten ihn in die viel zu kleine Gussform für Punk Rock.

Was dann davon als Resultat übrig bleibt, ist stark konzentrierter Post-irgendwas Kram mit einem poppigen bis dunklen Charme. Coole Sache.

Das Tape kommt bei Dead Broke Rekerds heraus und ist limitiert auf 30 Stück. Hurtig, Freunde – bestellt mir eines mit.
Aber was man heutzutage so Demo nennt, ist schon erstaunlich. Früher war da mehr unbeholfene Lärmfraktion mit Rumpelfaktor am Start.

Heute ist das so hier…

Radar – S/T CS

Die Info sagt, Radar klänge wie Marked Men, wenn diese Pop-Punk machen würden. Hm. Bisschen faule Beschreibung, wenn ihr mich fragt, aber passt schon.
Ich mein, dann könnte man auch sagen, die Toten Hosen klingen wie Pascow, wenn die Volksmusik machen würden. Aber wie gesagt, passt schon.

Ich höre da bei den 4 Songs eine Mischung aus den großartigen Baby Ghosts und den fantastischen Radioactivity heraus – Radar müsste dann dementsprechend großtastisch oder fantartig meine neue Lieblingsband sein.
Joa, warum nicht – hier gibt es schließlich super poppige Melodien, die rotzig genug vorgetragen werden, um noch Punk Rock zu sein. Voll gut.

Die Kassette erscheint bei Dead Broke Rekerds und das heißt, ich kann mir den Versand nicht leisten. Ich glaub, ich frag mal, ob ich die auf Platte pressen darf. Ist inzwischen echt günstiger, das alles selber zu machen, als die horrenden Zoll-, Verpackungs- und Portokosten zu bezahlen.

Garage Pop Punk aus Brooklyn. Geiler Scheiß.

Ein anderes schönes Palindrom ist zum Beispiel Legovogel.

Latitude – Mystic Hotline LP

Die neue Latitude LP erscheint Anfang Oktober und man kann jetzt zwar nur 2 Songs hören, aber ich glaub, das ganze Album klingt wie ein verschollenes Blondie Werk. Selbst das Cover könnte zu „Hanging on the Telephone“ passen, aber egal.

Also: Debbie Harry’s Vermächtnis…Ihr wisst schon, diese eine LP, die sie geschrieben hat, nachdem sie total betrunken kopfüber in einen Peyote-Kaktus gefallen war und dann14 Tage einen Meskalinrausch in der Wüste gefeiert hat. Good stuff. So klingt das hier.

Oder anders gesagt: Mystic Hotline ist Power Pop aus San Francisco mit Punk und Indie Einflüssen – Oh Gott, klingt das langweilig. Macht aber Spaß und versüßt die letzten warmen Tage in der Stadt. Versprochen.

Erscheint auf Vinyl bei Emotional Response, nachdem das Debüt noch ausschließlich auf Tape bei Royal Oakie veröffentlicht wurde. Ist die Entwicklung dann jetzt rückständig oder progressiv?

Polyester – Dipsomaniac

Metalpunk.
Mit einem Song über Alkoholismus.

Ich hab da nicht so richtig hingehört und weiß jetzt nicht, ob das gefeiert wird (Yeah, Alkohol), oder ob da gesellschaftskritisch der geduldete Konsum und die daraus folgenden Schäden an Gesundheit und Gemeinschaft mikro- und makrosoziologisch aufgearbeitet und hinterfragt werden.

Aber die Musik ist gut. So, wie das Cover mit der gewagten Farbkombination irgendwie etwas schräg wirkt, klingt auch das Zusammenspiel von Punkgerüst mit Metalgitarren und Schrei-Quiekstimme etwas seltsam, aber richtig gut.

Kommt Ende Oktober mit einem zweiten Song raus.

Yeah, Alkohol. Yeah, Polyester.

Night Birds – Fresh Kills Vol. II

Kennt ihr eigentlich noch einen anderen nachtaktiven Singvogel außer der Nachtigall? Also ohne Hilfe des Internets und ohne den Telefonjoker Heinz Sielmann anzurufen. Ich nicht.
Und über diesen komischen Vogel weiß ich auch nur, dass er nachts singt und trapst. Gibt Schlimmeres, was man nachts machen kann.

OK, die zweite Compilation von den Night Birds ist deswegen gut, weil da die Coversongs von Big Boys mit drauf sind. Und Big Boys geht immer. Und die Night Birds haben das gut hinbekommen, wie auch schon auf dem Sampler (Influence), für den „Wise Up“ gecovert wurde.

Ansonsten Stücke von den Singles und dem Demo, dazu noch andere Coversongs von unter anderem G.G. Allin (geiler Pokername, eigentlich).

Fein. Aber nur digital.

Wie, der Telefonjoker ist tot? Wer macht denn jetzt die ganzen Tierdokus im ZDF?

Smarts – Who Needs Smarts, Anyway?

Oha! Ich freu mich auf das Album. Dann kann ich auch mehr dazu sagen. Vielleicht auch nicht. Egal. Geil. Bis zum 16. Oktober höre ich einfach das hier. Oha…