Violin – S/T 7″

Ein kleiner Etikettenschwindel aus London kommt mit brachialer Gewalt in die Ohren geprügelt. Violin spielen kompromisslos ihren humorlosen Hardcore in 6 Minuten und 4 Songs runter und spülen damit einmal das Gehirn ordentlich durch wie eine gute Chemiekeule Deine grauen Sackhaare aus dem Abfluss der Dusche wegätzt. Passt.

Iron Lung Records. Kommt auf einer schwarzen 7″, gibt 500 Stück. Keine Pointe.

White Knuckle – ICSTQ CS

Punk Rock mit verfaulten Eiern aus der Garage kommt heute aus Montreal im schönen Québec.

Ich habe dem Egg Punk ja eigentlich entsagt, aber die Mischung hier leiert nicht so schlimm. Also zumindest digital ist das einwandfrei, was der junge Mann hier mit 5 Songs in 10 Minuten abliefert.

Falls es anderen Menschen auch ähnlich geht, White Knuckle könnte eine gute Aussteiger- und Entwöhnungs-Band sein. So, wie man langsam seinen Zigarettenkonsum durch Haschischkonsum ersetzt und das viele Bier am Wochenende dann lieber auf die gesamte Woche verteilt. Alles Lüge. Aber macht Spaß.

Syf Records. Erschien im Original bereits im Oktober und kann man dort digital für 7 CAD erwerben, oder auf Kassette in Polen für 6,50 EUR. Oder kostenlos digital (leiert nicht, ne).

Fleur De Malheur – Kummerkumpels LP

Kennt Ihr Zerstörte Jugend oder Die Skeptiker? Jingo de Lunch oder Manson Youth? Es war Mord? Schön für euch, dann habt ihr wohl entweder sehr viel Zeit mit punkaffiner Musik aus Deutschland verbracht und/oder seid einfach nur schon ganz schön alt.

Für das Debüt als Solokünstler in Form von Fleur De Malheur braucht man das "Punk-Urgestein" Tom Schwoll aber eigentlich gar nicht zu kennen oder mit den oben genannten Bands zu verknüpfen. Aus keiner dieser zahlreichen Mitgliedschaften lässt sich das Album Kummerkumpels ableiten, denn was man hier hört, ist eine melancholische Version des US Countrys aus einem Paddelboot in einem Gartenteich außerhalb von Berlin.

Damit steht der gute Mann ja nun auch nicht unbedingt alleine in der Schublade der Solokünstler, die sich zwar im Punk Rock und Hardcore sozialisiert wissen, aber alleine dann lieber zu ruhigeren Gefilden wechseln. Das funktioniert hier wunderbar, ich finde im Gegensatz zu Tina die Lieder sehr schön ("Das mag ich nicht. Die Stimme und so. Das gefällt mir nicht.") und mag die unterschiedlichen Ausprägungen der einzelnen Songs. So kann man sich bei "Das Drama" anhören, wie Tom Schwoll zu Tom Waits wird und bei dem komplett instrumentierten "Kummerkumpels" Ähnlichkeiten zu Element Of Crime aufzeigt (also so stell ich mir Element Of Crime vor, ich kenn da zu wenig von).

Tolles Album, passt wunderbar in den sterbenden Winter, zu dem aufkeimenden Frühling und der wärmeren Sonne, die einem dann im Sommer zu heiß auf den Kopf scheint.
Sounds Of Subterrania. Erschien auf Platte vor knapp 2 Wochen. Für alle, denen es gestern zu laut war.

Hammerhead – Nachdenken Über Deutschland LP/CD/MC

Hier wird aus allen Rohren geschossen. Nägel mit Köpfen und so. Die alten weißen Hardcore Männer aus Bad Honnef bringen nach 40 Jahren ein neues Album raus und wissen noch immer, wie man mit den schönsten Paarreimen aus Scheisse’s Feder zu aggressiver Musik in Sauflaune kommen kann, ohne peinlich zu wirken.

Werbewirksamer Eiertanz um das Cover, auf dem ja eigentlich die Burg Eltz abgebildet ist, diese aber nichts mit Hardcore Lümmeln aus Deutschland zu tun haben will und dann kurzerhand mittels eines hübschen Aufklebers ihr angeborenes Recht zugesprochen bekam, durch diesen "Streisand-Effekt" noch berühmter zu werden. Dazu dann noch limitiertes Vinyl in kreativem Schwarz, Rot und Gold sowie 14 Songs, die ohne Luft zu holen durchgeballert werden.

Hammerhead sind eine deutsche Institution, da muss man mal drüber nachdenken. Ob das auch Leuten unter 40 gefällt? Passt ebenso zum Montagmorgen in der Straßenbahn wie zum Freitagabend in der Raucherkneipe um die Ecke. In Deutschland. Ganz geil.

Holy Goat Records. Kommt auch auf sämtlichen verfügbaren Formaten raus, LP, CD und MC und digital und alles. Wenn Herr Scheisse jetzt noch so sänge wie Jens Rachut, wäre das Album perfekt. Ha.

Alien Nosejob – Cold Bare Facts 7″

Fürs Wochenende. Zwei neue Songs von Jake Robertson auf einer handlichen runden Scheibe. Einer davon ist auch richtig gut und wer kann schon von sich behaupten, stets 50% gute Arbeit abzuliefern, ne.

Alien Nosejob schwingt stets auf dem Pendel zwischen Punk Rock, 60’s, Hardcore und Garage Weirdo Sounds hin und her und hinterlässt dabei eine Kotzspur aus tanzbaren Perlen auf dem Boden, die irgendein Label immer nur noch aufwischen und auf Vinyl pressen muss.

Dieses Mal sind es zwei wütende Punk Rock Songs geworden, die auch textlich eher schimpfen als feiern und die Scheißigkeit in Australiens Gesellschaft ein wenig beleuchten. Ja, auch da sind viele Vollidioten unterwegs, Sonne und süße Tiere schützen nicht vor Idiotie. OK.

Anti Fade. Ein paar von den 300 Stück kommen bestimmt auch bald in Europa an. Schönes Wochenende.

Meat Draw – Gibbous Moon

Was ist das eigentlich für eine strunzdumme Tradition, sich am Aschermittwoch (trotz Beginn der Fastenzeit, liebe Christen) schon morgens mithilfe von goldgelb gefüllten Maßkrügen das Sprachniveau und sein Alphabet auszudünnen und dann vehement wie ein Kleinkind plärrend und mit dem Finger zeigend allen anderen Menschen außerhalb des Bierzelts die Schuld an der hohen Rechnung zu geben? Puh.

Ein neuer Song von Meat Draw kann da zumindest für eine Minute für ein bisschen angenehme Ablenkung sorgen. Folkiger Punk Rock mit Garage Appeal und schon vorbei. Ist das echt die erste Veröffentlichung seit über 10 Jahren von dieser Band aus Victoria? Hm.
Wusstet ihr, dass das die westlichste Stadt Kanadas ist? Interessant. Hoffentlich kommt da noch mehr, der Song ist gut. Und Ablenkung von kann man auch immer gebrauchen. Cool.

Eat Em Up Records. Aber nur ein Song und digital, da braucht es eigentlich kein Label, ne? Naja, vielleicht kommt da noch was. Halten die Brüllaffen jetzt eigentlich bis April ihre Schnauze, weil sie ohne Alkohol sich nicht trauen?

Piss Rules – Carsick CS

Schon erstaunlich, wie man als "Band" klingen kann, wenn man seit über zwanzig Jahren seine Instrumente beim Sperrmüll zusammengesucht und aus Kinderspielzeug zusammengeklaut hat und nur mithilfe einer Knopfbatterie die elektrischen Hilfsmittel wie Gitarre, Bass oder Drumcomputer bedient.

Irgendwie hört sich das alles ein bisschen kaputt an und wenn es Egg sein soll, dann eher aus einer hektischen und klaustrophobischen Legebatterie statt von der grünen Wiese und Freilandhaltung. Das ist dreckig, laut und quietscht.

Piss Rules aus Leuven in in Belgien orgeln durch 4 Songs in brachialen 4 Minuten und hinterlassen wohlklingende Ohrenschmerzen. "Es begann als Witz und endet auch als einer". Kann auch nicht jeder.

Noise Merchant Records. 4 Minuten auf Kassette. Aber die ist schon ausverkauft. Schade eigentlich, so richtig gut wird der Kram erst, wenn es so richtig leiert. Naja.

Zondar – S/T 7″

Tolle zwei Songs von Zondar, dem Typen hinter dem Typen hinter dem Typen von Buck Biloxi. Also Robert.

Laut Eigenaussage ist der jetzt endgütlig durchgeknallt, "da die Sicherheitsprotokolle ausgeschaltet werden und der Krieg der Zukunft in vollem Gange sein wird". Und falls ihr euch fragt, was der Name denn wohl bedeuten könnte…"den [habe] ich von den radikalen Herrschern der Weltraumzone erhalten". OK. Cool.

Und so so klingt das dann also, wenn ein Punk Rocker und Spinner aus unseren Reihen mit Synthesizer herumspielt. Da kann das schon einmal passieren, dass sich der Künstler ein bisschen Zeit nimmt und die Songs über 3 Minuten dauern dürfen. Naja, inklusive Geschnipsel aus TV und Radio. Poppiger Synth Garage Punk Rock mit ein wenig Düsternis gesprenkelt und wie gewohnt zielsicher ins Herz der Melodien geschissen. Zwei Seiten, zwei Hits, mehr kann man nicht verlangen.

Goodbye Boozy Records. Auf Vinyl in…Hä? Ach so, ausverkauft. Na dann.

The Breath – 道​理​な​き​憎​悪 Reasonless Hate LP

Ach naja, was ist schon grundloser Hass? Braucht es denn so viel, um etwas zu hassen? Es gibt ja so aufbrausende Kandidaten, die bekommen schon einen Tobsuchtsanfall, wenn im Kino zu viele Studios an einem Film mitgearbeitet haben und der Vorspann 5 Minuten vollgekleistert wurde mit siebzehn animierten Logos aus Hollywoods Albtraumfabrik.

Ist auch irgendwie verständlich. Und ich will ja auch nicht unbedingt klugscheißern, aber es ergibt doch eigentlich gar keinen Sinn, etwas oder jemanden grundlos zu hassen, da wäre man ja nicht besser als die verträumten Hippies, die alles und jeden grundlos lieben.

Ach, egal. Nun haben the Breath aus Tokyo freundlicherweise alles für die dummen Abendländler ins Lateinische Alphabet übertragen und dann passt das auch wieder nicht. Auf jeden Fall gibt es am Rosenmontag für euch von meiner Seite ein bisschen Untermalung zum Straßenkarneval Straßenkampf, wenn ihr als Youth Crew oder Stagedive-Spezialisten verkleidet seid. Mit dem Album von the Breath fällt das Hüpfen und Drehen und Springen und Schlagen, ups, Entschuldigung, wesentlich leichter, als zu dem Schunkel-Scheiss vom Prinzengespann. Alaaf?

Convulse Records. Kommt auf rot, weiß und schwarzem Vinyl. Selbst Karneval kann man nicht grundlos hassen, es gibt einfach zu viele gute Gründe. OK.

The Follies – Permanent Present Tense LP

Hübscher Post Punk Gitarren Pop, der sich an den letzten 60 Jahren Musikgeschichte bedient und glücklicherweise zielgenau die Perlen aus dem restlichen belanglosen Linsen- und Erbsenhaufen herauspickt.

The Follies aus New York City scheinen ein Händchen für eingängige Melodien zu haben, die mich an irgendeine Band erinnern, ohne dass ich diese genau benennen könnte. Höre ich da eine Mischung aus australischem Romero Pop und europäischen Telecult Punk, ohne dass The Follies sich wie die eine oder andere Band anhören?

Mein Gott, wie ich das hasse, wenn ein Erinnerungsfetzen oder eine suggerierte Idee im Frontallappen herumeiert und ich sie nicht packen kann, weil die da oben mit meinen kognitiven Fähikeiten Pac Man spielt. Ach, egal.
Vielleicht sind die restlichen 9 Songs ja auch völlig anders, man kann nur einen vorab hören. Aber der lohnt sich. Schöne Sache.

Feel It Records. Kommt in 2 Wochen auf LP heraus. Bis dahin fallen mir noch 21 weitere Bands ein, die nicht so klingen und trotzdem in meinem Hirn unbedingt an die Oberfläche schwimmen wollen und sich aufdrängen, mit The Follies verglichen zu werden. Sei’s drum. Schönes Wochenende.