Socal’s Parishioners – S/T LP

Eine kleine Zeitreise zurück in den Süden Kaliforniens der 80er oder vielleicht sogar späten 70er des 20. Jahrhunderts.
Das könnte man als Sehnsuchtsort bezeichnen, was die musikalische Kreativität und Attitüde einer jungen Generation angeht, wenn man mal die ganze Homophobie, den Sexismus und das Zurschaustellen der maskulinen Unsicherheit in Form von Gewaltexzessen ausblendet.

Die Musik war es ja, die uns heute noch mit leeren Versprechungen lockt und suggeriert, es gäbe so etwas wie Freiheit und Unbeschwertheit und ein intelligentes Rebellentum. Schließen wir also unsere Augen und lauschen den neuen Klängen der Socal’s Pasishioners, die sich anschicken in die Fußstapfen von solch Riesentretern wie den Descendents, Circle Jerks, T.S.O.L. oder Agent Orange zu schlüpfen.

Ich find, die machen das ausgezeichnet. Ist halt ein bisschen anachronistisch, aber damit passt es doch hervorragend in die heutige Zeit. Ganz geil.

Going Underground Records. Auf blau und schwarz. Und Vinyl. Mein Sehnsuchtsort ist der Kühlschrank meiner Oma vor 30 Jahren, als da immer eine große Käseplatte drin stand. Aber ich hab auch noch nicht gefrühstückt.

Chain Law – Demo 2026 CS

Hardcore Punk aus Denver mit ausreichend Aggressivität für den Rest des Jahres. Chain Law lassen den Kettenlärm noch einmal aufleben und pusten mit durchgedrücktem Gaspedal den Ohrenschmalz aus dem Gehörgang. Das ist ganz schön viel auf einmal, aber manchmal braucht es auch einen extra Tritt in den Arsch, um bei dem scheiß Wetter aus dem Bett zu kriechen. Chain Law. Ganz geil.

Convulse Records. Auf Kassette erschienen. Das deutsch Pendant wäre das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz. Geht nicht so leicht von der Zunge, aber die ein- und zweisilbigen Bandnamen sind eh aufgebraucht. OK.

Spanish Needles – Echoes Of The Past CS

Punk Rock ist einfach nicht tot zu kriegen. Das merkt man einerseits an solch lustigen Konzerten wie dem gestrigen Satanic Surfers Gig (wie die coolen Leute sagen), wo dickbäuchige Männer aus der zweiten Hälfte ihres Lebens die Baseball- und Trucker-Cappies spazierenführen und neben lichter werdendem Haaransatz auch ihre Reihenhausmentaliät zu kaschieren versuchen.

Und andererseits an stetig neu aufkommenden Musikgruppen wie den Spanish Needles aus St. Petersburg in Florida.

Vor 5 Jahren gegründet, klingen die vier Jungs zuverlässig wie Bands aus den 90ern und 2000ern, als Punker auf einmal begannen, sich einen Bart wachsen zu lassen. Nur etwas glatter.
Ich find das nicht einmal besonders gut oder kreativ, aber es ist interessant, dass es noch immer genügend Menschen gibt, die auf den Sound Bock haben (sowohl aktiv als auch passiv).

Und naja, dass die Band eine Vorliebe für Titelnamen hat, die irgendwas mit Personen des öffentlichen Lebens zu tun haben, ist zumindest fast ein Alleinstellungsmerkmal. Da gibt es von Model über IRA bis zu Walter aus Big Lebowski und dem Typen von Suberbad jede Menge Auswahl. Warum? Egal. Das ist Punk Rock, muss man nicht verstehen.

Dirt Cult Records. Auf Kassette erschienen. Ich kannte keinen einzigen Song gestern, bin da auch nur zufällig hingestolpert, aber so ein Nostalgie-Trip ohne gemeinsames Vorwissen ist ganz schön öde, wenn der Sound der Band einfach nur in der Mitte der 90er steckengeblieben ist. Man selbst aber nicht. OK.

Hemene & Hel – La Source CD/CS

Keine Ahnung, wer das gerade braucht (ich), aber da hier ja jeder (ich) machen kann, was er (ich) will, knall ich ich ich mir heute Hemene & Hel aus Marseille ins Tagebuch.

Das muss man nicht verstehen. Ich tu’s jedenfalls nicht. Mandoline und Synthesizer haben wir auch nicht jeden Tag. Der Soundtrack für eure nächste Psychose. Oder Yoga-Session. Das liegt ja dicht beinander.

Coeur Sur Toi und Matière Super. Auf CD und Kassette erschienen. Entspannt euch.

Gurl – S/T 12″

Mir ist ja neulich aufgefallen, dass der Regen gar nicht aufhört, wenn ich aus Niedersachsen nach Sachsen-Anhalt fahre. Ob das auch mit dem weltweiten Klima so ist?
Das hieße ja, dieses nationalistische Denken ist kompletter Unsinn, weil wir immer alle betroffen sind. Oh nein. Wer sagt es ihnen?

Das Debütalbum von Gurl aus Paris nach ein paar EPs geht in die Indie Rock Richtung der Dorfdisko, setzt sich dort auf den Schoß der Strokes und macht es sich bei den schmuddeligen Dinosaur Jr. Fans mit einer Flasche Lost Balloons gemütlich.

Passt sehr gut zum Nieselregen über die Landesgrenzen hinweg. Hübsch.

La Cèpe Records. Auf LP erschienen. Apropos Grenzen. Die Band bietet die Platte auf ihrer Bandcampseite portofrei für Pariser an. OK.

"Mein Gameboy ist mir ins Klo gefallen und macht jetzt nur noch so komische Geräusche." "Dann mach ein Album draus." "Ah, ok, cool."
Mit Leuten von Diode, Vaguess, Rearranged Face und The Ticks. Ganz geil.

CRV sind wie eine Art Epoxies für Erwachsene, die entweder keine Kinder haben oder deren Geduld noch nicht erschöpft ist. Punk! Under The Gun machen da ein Album draus. Für die Switch oder so.

Nancy And The Jam Fancys – S/T CS

Wann hat das eigentlich angefangen mit diesen X and the XY Bands?
From the top of my head, wie der Angelsachse sagt, fallen mir Amyl and the Sniffers, JJ and the A’s, Judy and the Jerks, Lucy and the Rats, Yea-Ming and the Rumours, Buck Biloxi and the Fucks, die französische Variante Jacques Grêle et les Fausses Fuites und vielleicht noch die Oma Siouxsie and the Banshees ein.
Ich hab bestimmt tausende vergessen, ihr könnt gerne einen Zettel schreiben und mit zusenden, ich freu mich immer über Post.

Hier die millionste Version der Bla and the Blabla Bands, diese kommt aus Moruya in Australien und hat kürzlich ihr erstes Release für den europäischen Markt via Idiotape Records in den Ring geworfen.  Nancy and the Jam Fancys!
Die ist eigentlich schon 3 Jahre alt und es gibt inzwischen sogar noch bessere Sachen der Garage Punks, aber ich belasse es mal dabei. Falls ihr Bock auf Whisky zum Morgengurgeln habt. Ganz geil.

Idiotape Records. Auf Kassette erschienen. Sollen wir auch ne Band machen? Wer ist Anführer?

Softjaw – Too Much Love Can’t Kill You LP

Es wird immer lächerlicher. In was für einer bekloppten Simulation lebe ich denn eigentlich, hat jemand dort draußen vergessen, Geld nachzuwerfen? Hallo? HAAALLLOOO? Das ist Mist hier, bitte wieder ein bisschen mehr realistischen Kram und mehr Verständnis und Sinnhaftigkeit und Liebe und so. Das muss doch bezahlbar sein.

Hier, der Soundtrack. Softjaw aus Long Beach haben es verstanden. Power Pop und Melodienüberdosis. Und entgegen der Einschätzung von Brian May, kann zu viel Liebe nicht töten. Sagen die vier Jungs vom langen Strand zumindest. So unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein. Also bitte.

Dandy Boy Records. Bachelor Records. Auf LP demnächst raus. Was? Was sagst du? Drogen? Ach so, ok. Auch ne Lösung. Schönes Wochenende.

Fugitive Bubble – Voices CS

Leute, wann kommt denn endlich diese angesagte Umvolkung oder wie der Scheiß genannt wird. Bevölkerungsaustausch, genau. Macht mal hinne, ich kanns echt nicht mehr erwarten.

Kleiner Stimmungsaufheller mit neuen Songs von Fugitive Bubble aus Olympia. Die beste Mischung aus Minutemen und Big Boys Bassläufen plus einer Handvoll SST Spielereien aus den 80ern. Sehr gut.

Ragdoll Records. Kam auf Tape raus, funktioniert aber auch digital sehr glaubwürdig. Ich würde gerne gegen irgendwas Skandinavisches ausgetauscht werden, hab gehört, die sind immer happy. Danke.

Big Modern – S/T CS

Oberlippenbart-Punk aus Sydney. Zappelig und eingängig genug, um die Drehtür im Kongresszentrum joggenderweise im Schnelldurchlauf für knapp 10 Minuten zu verstopfen. Big Modern. Geht ab.

Idiotape Records. Auf Kassette erschienen. Der Schnauzer war ja ursprünglich als "Rattler" bekannt und nur auf Bauernhöfen zur Rattenjagd eingesetzt. Heute in aller Welt ein Modeprodukt. Na sowas.