The Arrivals – Payload LP

Huch. Wer hätte denn mit sowas gerechnet? Nach 15 Jahren bringen The Arrivals aus Chicago im April ein neues Album raus. Und einen Song kann man jetzt schon einmal hören. Nett. Arrivals halt.

Recess Records. In den letzten Jahren kamen von einem Distro-Laden immer wieder E-Mails mit dem Betreff "New Arrivals" bei mir eingetrudelt und ich hab bestimmt 10 Mails gebraucht, um das zu checken und nicht jedes Mal vor Freude direkt meinen Kaffee zu verkippen. Jetzt aber!

Jacob Kynard – Didn’t Get To Sleep Last Night

Ganz schön müde.

Jacob Kynard hat ein ähnliches Problem.

Doe St – Same Day

Pub Rock Garage Punk aus Australien in einer weiteren Reinkarnation. Die haben sich da eine recht inzestuöse Szene angelegt, die ich nicht aufdröseln kann. Immer wieder die selben Menschen in anderen Bands und Labels und man wird total bekloppt, wenn man die Stammbäume versucht, nachzuzeichnen. So auch bei Doe St.

Sehr eingängige 4 Songs nach 3 Jahren in Abwesenheit, die sich irgendwie auch ein bisschen anders anhören, was nicht weiter wundert, wenn man die halbe Band im Grunde ausgetauscht hat. Arron (Split System) am Bass ist jetzt raus und Darcy ist dafür drin (hat schon bei Animal Farm mit dem Sänger Tom zusammen musiziert). Brandon ist jetzt ein neuer Gitarrist (Cutters), zuvor hatte Sharni gespielt und mitgesungen.

Das kippt soundtechnisch auch ohne den Bassisten in die Richtung von Split System und kann da gerne liegen bleiben. Ziemlich gut.

Legless Records (Label vom ehemaligen Bassisten Arron). Kommt bestimmt auf 7″ raus. Freu ich mich drauf. Hätte das ja gerne am selben Tag wie Groschi veröffentlicht, nur, weil es wegen des Titels lustig gewesen wäre, aber der Penner musste ja vorpreschen. 😉 Schönes Wochenende.

Beer 2 – S/T

Krachig melodisch bis wüster Garage Hardcore aus Louisville mit Bier Fokus. Das ist Beer 2. Mit Frauengesang und Schredder, die manchmal zu gut für 0815 Punk sind.

Bisschen infantil und asi wirkt das schon, aber warum können eigentlich ältere Herrschaften ihre tausenden Weinkorken sammeln und zur Schau stellen und das wirkt dann stilvoll und weltmännisch, während die gleiche Menge getrunkener Alkohol in Bierdosen auf dem Fußboden verteilt direkt asozial sein soll?

"What do we want? – Beeeer… When do we want it? – Beeer!" Die Typen von FIDLAR würden es verstehen. Ganz geil.

Nix Label. Die waren zu sehr damit beschäftigt, sich einen neuen Namen auszudenken, nachdem sie festgestellt hatten, dass es eine Band mit dem Namen "Beer" schon gab. Glückwunsch!

Jumbo XL – The Brier

Zwei neue Songs von Jumbo XL, für die es sich lohnt, noch einmal kurz ins letzte Jahr zurückzublicken. Wieder zwei hervorragende lofi Gemütlichkeits Garage Punk Knaller mit Handbremse. Wieder zwischen Fuzzgitarre mit Orgelhintergrund und Bedroom Pop.

Passt extrem gut für die kurze Autofahrt zur Schule, um die Kinder sicher durch die glatten Straßen zu manövrieren und dabei die akkuraten Scheitel in den lichthupenden Allrad-SUVs hinter einem bei Tempo 25 in Rage zu bringen. Geil.

Am 09. Dezember erschienen und nur Groschi hat die 2,30€ übrig, um den Künstler (?) zu unterstützen. Unglaublich. Das nächste Album mach ich auf LP.

Cigarette Camp – Steps 12″

Schnoddriger Punk Rock aus Boston von Leuten, die früher auch schnoddrigen Punk Rock mit Shorebirds, Witches With Dicks oder Orange Whip gemacht haben.

Die 19 Songs hätten eigentlich 2 Singles werden sollen, aber sind jetzt ressourcensparend auf einer 12″ zusammengefasst worden und bemühen sich allesamt, jeweils unter 2 Minuten Spielzeit zu bleiben. Klappt auch zu 94% ganz gut, nur einen Ausreißer gibt es auf der Platte, der ist dann aber auch direkt ein Hit. Ach, das sind alles gute Songs. Klingt alles nach den 2000ern und Dillinger Four oder Off With Their Heads, als Zigaretten noch cool und verhältnismäßig bezahlbar waren.

Tolles 12″ Debüt der drei älteren Herren von Cigarette Camp, die durch ihre konsequent schwarz-weiße Covergestaltungen mit einer gewissen Körnung auffallen. Hat ein bisschen Fotokopie-Collagen-Charakter wie früher in den 90ern, als Rauchen noch cool war. OK.

Dead Broke Rekerds. Auf lilanem (opaque purple) und schwarzem Vinyl erschienen. Auch für Nichtraucher zu empfehlen.

Screaming Eyes – Demo 2025 CS

Ich muss mal aufräumen und die Sachen aus dem letzten Jahr ausmisten. Das hier zum Beispiel liegt seit März hier rum und die Band hat irgendwie nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient. Also bitte.
Dort, wo ich einst gewohnt hab, ist für die Schüler ab der 3 Klasse Französisch ein Pflichtfach. Die erste Fremdsprache ist dort Französisch. Weil so viele Menschen auf der Welt Französisch sprechen. Das ist wichtiger als Englisch. Und als Spanisch sowieso. Ich erwähne das nur, weil die Band, die wir heute unter dem Schnee gefunden haben, aus Marseille kommt und auf Spanisch und Englisch singt.

Vielleicht eignet sich Französisch als Amtssprache in der UNO und bei der NATO und bei deiner Omma in der Küche, aber es passt nicht so gut in den Hardcore? Zumindest erwecken Screaming Eyes den Eindruck mit ihrem 4-Song starken Demo. Wobei das eigentlich auch gar nicht so wichtig ist, wenn man ohnehin das Geschrei von Ale nicht wirklich verstehen kann. Tolles Demo aus einer Mischung von Garage Hardcore Punk mit einer Prise Emo. Gefällt mir gut.

Substance D Records. Auf Kassette erschienen. Interessanterweise wird dann bei einzelnen Schulen der Französischunterricht zu Beginn der 5. Klasse unterbrochen und mit Englisch begonnen. Oder er wird fortgesetzt, mit Latein ergänzt und Englisch kommt dann ab der 7. Klasse hinzu. Zum Glück wohne ich jetzt in Niedersachsen und damit in dem Land mit den meisten Anrainern. Wir müssen den Kindern erst einmal die ganzen Dialekte von Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen beibringen! Bilingual my ass.

Fog Lamp – Still Entangled LP

Starke Platte aus dem Nebelhorn San Franciscos gepustet. Da blasen die 4 Anwohner des Ortsteils Oakland seit ein paar Jahren kraftvoll tagtäglich den diesigen Mist der schlechtgelaunten Pendler aus der Bay heraus und pflanzen stattdessen schöne Melodien mit Unterstützung von Synthies und Gitarren in die Ohren der interessierten Hörer.

Fog Lamp sind irgendwo zwischen Post Garage Punk und Indie anzusiedeln, nicht ganz Kunsthochschule, aber auch keine Gosse mehr. Ein bissl Goth und Dark Wave und ein bissl Grunge noch mit dazu? Gern. Passt in jedes AZ, passt zu jedem Getränk und ist für jeden Fuß tanzbar. Small Talk ist derzeit mein Lieblingslied, aber das wechselt ständig. Tolles Album.

Siltbreeze Records. Auf LP erschienen und die Chance vertan, eine Nebelschwaden Vinylfarbe zu kreieren. Na sowas.

Xray Xeroxx – Social Media Made Me Hate My Friends (E.P.)

Da möchte aber jemand auf jeden Fall bei "X" eingeordnet werden, egal, ob man seine Musiksammlung nach Vor- oder Nachnamen sortiert.

Xray Xeroxx, die Ein-Mann-Röntgen-Kopiermaschine aus LA hat bereits im Oktober eine neue EP herausgebracht, auf der altbewährte Tugenden des lofi Garage Punks zum Tragen kommen. Eingängige Rock’n’Roll Schemata durch die Rüttelmaschine geschüttet und in kratzige Beats zum Mitklatschen gepopelt.

Tolle Ohrwürmer aus einer Mischung von FIDLAR und Jacket Burner. Stellt euch auf die Schlittschuhe und schliddert ins G’schäft. Sehr schön.

Das hier ist ist bei Robot Cannibal Records auf grüner Kassette erschienen. Falls ihr weniger Porto für mehr Musik bezahlen möchtet, empfehle ich das kürzlich veröffentliche Album "Nevermind, Whatever", das bei Idiotape in Paris veröffentlich wurde. Ich liebe meine Freunde, sie nutzen (fast) kein Social Media.

Yunk – S/T 7″

Ist auch schon wieder lange her, dass schlaue Gedanken aus einem Kloster entsprungen sind, ne? Hier ein paar "neue" Ideen der CSU.

Die will mehr Steuersenkungen und eine "große Abschiebeoffensive" und kuschelt dabei mit Automobilindustrie und Kernkraftwerken. Was soll man dazu sagen? Willkommen im Jahr 1990? 1965? Uff. Noch ein paar News aus Bayern: die Erde ist (wahrscheinlich) rund, Michael Jackson ist tot und Liebe geht mit der Wurst durch den Magen. Mia san mia. Geht scheißen.

Erfreulichere Nachrichten kommen aus Bilbao, wo die 5 Noise Punk Rocker von Yunk ihr Debüt heimlich auf die Welt losgelassen haben. Ganz ohne stumpfbesoffene Parolen (naja, "Leave me alone" und "Unity!") rotzen die Spanier poppigen Punk Rock mit viel Gitarre und Mitgröhlfreuden in den Äther und erinnern dabei teilweise ganz ohne Stoppeln an den 2000er Bärtepunk, der auf Dirtnap abgefeiert wurde.

Ganz geil.

Andalucia Über Alles (ESP), Symphony Of Destruction (FR) und Polze De La Mort (ESP). Auf 7″ erschienen und offensichtlich sind Zähne neben den Fingern die Achillesverse des Zeichnens.