Screaming Eyes – Demo 2025 CS

Ich muss mal aufräumen und die Sachen aus dem letzten Jahr ausmisten. Das hier zum Beispiel liegt seit März hier rum und die Band hat irgendwie nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdient. Also bitte.
Dort, wo ich einst gewohnt hab, ist für die Schüler ab der 3 Klasse Französisch ein Pflichtfach. Die erste Fremdsprache ist dort Französisch. Weil so viele Menschen auf der Welt Französisch sprechen. Das ist wichtiger als Englisch. Und als Spanisch sowieso. Ich erwähne das nur, weil die Band, die wir heute unter dem Schnee gefunden haben, aus Marseille kommt und auf Spanisch und Englisch singt.

Vielleicht eignet sich Französisch als Amtssprache in der UNO und bei der NATO und bei deiner Omma in der Küche, aber es passt nicht so gut in den Hardcore? Zumindest erwecken Screaming Eyes den Eindruck mit ihrem 4-Song starken Demo. Wobei das eigentlich auch gar nicht so wichtig ist, wenn man ohnehin das Geschrei von Ale nicht wirklich verstehen kann. Tolles Demo aus einer Mischung von Garage Hardcore Punk mit einer Prise Emo. Gefällt mir gut.

Substance D Records. Auf Kassette erschienen. Interessanterweise wird dann bei einzelnen Schulen der Französischunterricht zu Beginn der 5. Klasse unterbrochen und mit Englisch begonnen. Oder er wird fortgesetzt, mit Latein ergänzt und Englisch kommt dann ab der 7. Klasse hinzu. Zum Glück wohne ich jetzt in Niedersachsen und damit in dem Land mit den meisten Anrainern. Wir müssen den Kindern erst einmal die ganzen Dialekte von Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen beibringen! Bilingual my ass.

Slut Intent – Slutworld

Silvester war früher auch spannender, oder? Dieses Jahr muss ich das mal ausprobieren mit diesem Flugzeug-Tripp über die Zeitzonen zu fliegen und achtmal in zwei Stunden Neujahr zu feiern. Dabei mag ich gar keinen Sekt. Na, mal sehen, was 2026 bringt und wo ich am Ende den Partyhut aufhaben werde.

Das Jahr fängt auf jeden Fall musikalisch mit einem donnernden Feuerwerk an, wenn die Hardcore Mädels Truppe um Slut Intent aus Minneapolis ihr Debüt Album in die Atmosphäre ballert und mit 9 Songs in knapp 20 Minuten eine furiose Portion Krach mit Funken und Knall und Rumms in die Luft jagt. Was wieder herunterrieselt sind die kleinen Melodiefetzen, die den Neujahrskater unter sich begraben und mit dem Beigeschmack von GEL oder Stress Positions die pelzige Zunge wieder knutschbereit machen. Sehr cool.

Kein Label – selbst aufgenommen und bislang nur digital zu haben. Wer war das nochmal, der Silvester 99/2000 dieses Zeitzonen-Ding ausprobiert hat? Was für ein Trottel. Wo ist der Millenium-Bug, wenn man ihn braucht. Guter Vorsatz: mehr Liebe.

Unit Collapse – Demo

Sehr kurzweiliger Hardcore Punk aus Stockholm. Unit Collapse! Die sind fit, haben schlechte Laune und besuchen dem Cover nach zu urteilen die Kunstakademie Schwedens. Geiler Scheiß.

Noch kein Label. Soll das Poison Idea sein? OK, man hört es am Sound, aber erkennt es auf dem Bild  nicht so recht. Ha. Sympathisch.

Whose Reality? – Demo CS

Geballer aus Melbourne. Whose Reality? machen Crust-verliebten D-Beat Hardcore Punk mit netten melodischen Anleihen in den Gitarrenschrammelversatzstücken und viel Hall auf dem Gesang.

Wie das bei D-Beat so ist, kann die Band halt leider nur genau diesen einen "Rhythmus" auf dem Schlagzeug und alle weiteren Instrumente müssen dann zusehen, dass sie im Tempo und Stimmung hinterherkommen.

Zum Glück gibt es zwischendurch Break-Downs, bei denen man sich vor der Bühne furchtbar gut gegenseitig auf die Fresse hauen kann. Insgesamt eine gute Therapieform für Aggressionsbewältigung. Oder ein Motor für Aggressionsaufbau. Hauptsache man haut sich auf die Schnauze. Peace!

Noise Merchant Records. Auf Kassette erschienen. In meiner Realität herrschen Kriege, Hungersnöte und Klimakatastrophen, während die meisten Menschen um mich herum alles dafür tun, diese Zustände möglichst gut zu ignorieren. Also bleibt vielleicht besser in euren Realitäten, ich bespreche das mit meinem Therapeuten.

Silo Kids – II CS

Kennt ihr Stadtkinder das eigentlich? So ein Silo, in dem tonnenweise Schüttgut herumliegt und das mit seiner stattlichen Bauart jedes Dorf verschönert und Platz für die örtlichen Graffitisprayer zum ersten Experimentieren bietet? Oder natürlich die unterirdischen Silos für unsere Militärkinder, die man mit Raketen statt mit Getreide oder Kies vollgeschüttet hat.

Spannende Bauten, hervorragend geeignet für den Zeitvertreib an langen Freitagabenden im Spätsommer.
Keine Ahnung, ob die Silo Kids aus dem Staate Mississippi ähnliche Erfahrungen aufzuweisen haben, aber irgendwie fanden sie ihren Weg zum Hardcore, was uns schließlich verbindet. Was für Hardcore? Hattiesburg Hardcore. Mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.

Zweites Tape nach dem Demo. Geiler Scheiß.

Earth Girl Tapes. Auf Kassette zu haben. Unser Silo war stets mit dummen Naziparolen inklusive der unvermeidbaren Schreibfehler in krakeliger Schrift verziert. Das ist bestimmt auch heute noch/wieder so. O tempora, o mores!

Rat Cage/Gefyr – Split 7″

Wenn einem das melodische Hardcore Gewitter von Rat Cage aus Sheffield einfach nicht mehr in der morgendlichen Euphorie über den neuen Arbeitstag ausreicht, kann man sich jetzt die vier Jungs von Gefyr aus der Krachmacherstraße in Hudiksvall mit dazu holen und eine doppelte Portion akustischen Aggressionsabbau in die kochende Blutbahn fließen lassen.

Wie schon häufiger erwähnt, ist die Split Single ohnehin das beste Format der Welt und auch hier kann man nichts falsch machen, außer, 3 Monate zu spät darüber zu berichten. Sorry Guys, ausverkauft.

Erste Hälfte digital:

Zweite Hälfte digital:

Zusammen ergibt das eine formschöne 7″ Vinylscheibe, die bei Flyktsoda Records in Schweden (grünes Cover) und Bunker Punks (blau) in den USA erschienen ist. Die Sammler können aber immer noch beide Versionen via Discogs zu okayen Preisen ergattern, wenn es sein muss. Ich brauch das auf auf meinem Telefon, um den Bus zu beschallen, somit reicht mir die digitale Version (bunt).

Mercy – S/T EP CS

Ein Prosit der Vergnüglichkeit auf unseren öffentlichen Personen- und Haustier-Nahverkehr!
Die Bahn lässt hin und wieder einfach mal irgendwelche Züge mit Absicht ausfallen, damit sich das in der Statistik positiv niederschlägt, weil ausgefallene Züge nicht zu spät kommen können und das Deutschlandticket wird jetzt so teuer gemacht, dass man eigentlich gar nicht aufs Auto verzichten braucht, die Leasingrate für den neuen E-Panzer ist ähnlich hoch.

Sind die alle noch besoffen? Wie war das noch mal mit der Verkehrswende gedacht? Pfft.

In New York City ist das kein Thema, die haben andere Probleme. Dort werden Abgeordnete und normale Menschen von der Einwanderungsbehörde verhaftet, weil sie gegen die Einwanderungsbehörde protestieren. Alles ganz normal. Passend zur Stimmung ein paar O-Töne von ortsansässigen Hardcore Tölpeln Mercy:

Sound Grotesca. Kommt wohl auf Kassette, aber digital reicht das auch erst einmal. Bei mir fährt die lokale Regionalbahn sowieso nur, wenn der Lokführer nüchtern genug zur Arbeit erscheint, was offensichtlich nicht allzu häufig der Fall ist. Cool.

Find Out – Tools Of War CS

Bevor das hier in die poppige Belanglosigkeit abdriftet, reißen wir das Steuer mal geschwind herum und lenken den Karren in den Abgrund der Hardcore Monotonie.

Find Out aus Durham in North Carolina vermengen alle Zutaten der Hardcore Küche, die man so auf dem Boden findet, und mixen daraus einen schmackhaften Matschlump, den man sich wunderbar in die Ohren schmieren kann, um den heulenden Kanzler nicht mehr ertragen zu müssen. Nix Neues, aber hilft.

Demnächst in Deutschland auf Tour mit dem Support von Come In, bei der sie durch die leerstehenden Parfümerien in den grauen Innenstädten der Republik tingeln. Ha.

No Time Records. Im Original digital bereits Ende Juli – aber auf Kassette erste einen Monat später erschienen und mit fast 7 Minuten Spielzeit bei 4 Songs ist das ja fast schon Indie. Mit Leuten von Dogs Eyes, Skrimport, Sibannac, Casta & Logans Circle. Kenn ich alle nicht. OK.

Failure – S/T 7″

Oha. Da muss ich mich aber beeilen, die Zeilen hier fertig zu tippen, bevor die Single von Failure fertig ist. Kurze Hardcore Knaller mit viel Geschrei und ein bisschen Best of Metal Riffs. Das Release ist seit 8 Jahren unterwegs und überholt alle Touristen auf dem Brenner.

Die Band aus Italien kommt ohne Bassisten aus und macht den ganzen Krach nur zu dritt. Puh, noch ein paar Sekunden.

Ironischerweise auf No Time Records erschienen. Drei verschiedene Farben, wem es gefällt, kann noch mehr der Band erstehen. Ha, Fertig

Another Fucking Problem – Are We Making You Sick EP CS

Zum Ausklang der Woche ein bisschen Hardcore aus Neuseeland. Genauer gesagt aus Auckland. Und noch genauer gesagt ist das Tāmaki Makaurau, wo Another Fucking Problem herkommen. So viel Zeit muss sein.

Die sind im Mai aufgestanden und haben uns 4 zauberhafte Hardcore Knaller vor die Haustür gekackt. Wundervoll. Das passt genauso gut zur schlechten Laune auf dem Weg zur Arbeit wie zur guten Laune auf dem Weg ins Wochenende. Kommt drauf an, wie mans hört.

Probierts mal aus.

Noise Merchant. Ist jüngst auf Kassette erschienen. A Seite für den Weg zur Arbeit und B Seite für den Weg ins Wochenende. Wie praktisch.