Warm Exit – Demo 2019

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum eigentlich Rosenkohl auf englisch „Brussel Sprouts“ heißt? Als ob die Dinger da wachsen und herkommen.
Und einen großen Gefallen tut man der Stadt Brüssel damit ja nun auch nicht, wenn man ein Gemüse nach ihr benennt, dass 90% aller Kinder ziemlich beschissen finden. So etwas brennt sich doch in den Frontlappen, da ist schon der Name der Stadt später – obwohl man längst seine Aversion gegenüber dem Gemüse aufgegeben hat – ein Trigger für Gänsehaut, Übelkeit, Ekel.

Kein Wunder also, dass man das europäische Parlament dort angesiedelt hat. Ein cleverer Schachzug, könnte man sagen. Wenn doch ohnehin alle Leute beim Nennen des Namens vor Schreck zusammenzucken, dann erwarten sie ja schon keine positiven Nachrichten.

Aber eigentlich hätte ich da mal eine. Denn die begabten und talentierten GarageSynthie Punker von Warm Exit kommen auch aus Brüssel und sind ganz großartig.
Die haben gerade ein 3-Song-Demo abgeliefert und ich hab die Uschi von der Leyen da schon zu tanzen gesehen. Also checkt das mal aus – Gloom Sauce is gonna take you out wird bald die neue europäische Hymne…

Scooter Jay – Best of 2019

Scooter Jay, ein Typ aus Toronto in Kanada, hat dieses Jahr bereits 3 Veröffentlichungen raus, die ich allesamt nicht aufm Schirm hatte. Naja nun, es ist aber auch schwierig geworden, allen Solokünstlern im englischsprachigen Raum auf den Fersen zu bleiben, die einen 4/4 Takt auf nem Drumcomputer und drei Akkorde beherrschen und damit dann so simplen Kram wie Punk Rock machen. Oder Hard Rock. Oder Garage. Is egal, hat eh alles die gleiche Voreinstellung beim Roland, haha.

„Es ist selten zu früh und niemals zu spät“, wusste schon Oma Shumway, dann stelle ich euch die Sachen einfach jetzt noch schnell vor, bevor sich das recht fruchtbare Jahr für den Herrn Jay gen Ende neigt.

Angefangen im August mit Treat me like Leather und 7 Songs unter 11 Minuten wird das Debüt gefolgt von Up all Night im September mit 6 Songs unter 6 Minuten und schließlich mit Ashes of Roses im Dezember dieses Jahres abgerundet, wobei die Songs hier schon etwas länger, ja fast epische Ausmaße annehmen (5 Songs in über 8 Minuten).
Ich würde ja Hard Rock dazu sagen, wenn das nicht so ein schlimmes Genre wäre. Aber so hört sich die Gitarre halt meistens an. Oder vielleicht doch noch mehr Metal? Hm. Im Laufe der drei Releases wird es auf jeden Fall immer weniger Jeff Dahl und immer mehr Midnight ohne die Peinlichkeiten.

Trotzdem oder gerade deswegen hat der ganze Kram einen sehr sympathischen Punk Rock Vibe, der ganz gut zu einem Abend mit Bier, Zigaretten und Strip-Poker passt. Nur mit den Jungs, versteht sich – is ja Hard Rock.

Kann man sich alles kostenlos runterladen. Macht mal – das passt auch gut zum Einkaufen im Biomarkt.

Telegenic Pleasure – S/T LP

Kein Wunder, dass ich erst relativ spät über diese Platte gestolpert bin, wenn der Marco pro Jahr gefühlt zweitausendfünf Platten veröffentlicht. Sei es auf seinem Label No Front Teeth Records oder eben als Sänger bei einer von den siebzehntausenddrei Bands, in denen er mitmischt – von Miscalculations über Cold Callers, Stalin Video und vielen mehr. Wie macht der das eigentlich, wenn er doch so viel mit seinem Instagram Account zu tun hat? Hm.

Bei diesem Projekt arbeitet der Punk aus London auf jeden Fall mit einem anderen Punk aus London zusammen und doch hatten sie nie die Gelegenheit, sich in einem Pub bei einem Pint über die Unterwäsche der Queen zu unterhalten. Erstens trägt die Lisbet nix drunter, und zweitens ist der Partner und das zweite Bandmitglied Rob nicht aus England, sondern stammt aus dem Ontarischen London in Kanada, wo er auch recht umtriebig ist.
Vielleicht erinnert ihr euch, das ist der Rob, von dem ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte und der unter anderem bei Mononegatives singt und macht und tut.
Nun also eine Kooperation zwischen den beiden Londonern, die sich irgendwo auf der Welle der Synthpunk Euphorie anzusiedeln versucht, dabei aber auch immer wieder die typischen Songstrukturen aufweist, die man bei vielen Platten von Maro so heraushört. Vielleicht gibt es ja den patentierten Marco Palumbo Sound? Ich meine ihn zu erkennen.

Und damit ist eigentlich alles gesagt. Mögt ihr Miscalculations? Gaggers? The Exit? Oder Cold Callers?
Dann ist das hier was für euch.

Erschien natürlich bei NFT.

The Whiffs – Another Whiff LP

Zum Ende des Jahres noch mal ein bisschen was Versöhnliches, das nicht aneckt, vorhersehbar und aalglatt ist. Und noch dazu ein Album, über das man eigentlich nichts Schlimmes oder Böses sagen kann.

Na gut, außer, dass es aus den angeführten Gründen dann eben recht düdeldidü ist. Es ist aber auch ein recht schönes Düdelü, das the Whiffs aus Kansas City uns da mit ihrem zweiten Album präsentieren, keine Frage.

Eigentlich spielen sie ja bloß PowerPop, aber der weiß durch Anspielungen zu David Bowie, Wire, Beatles oder auch den kanadischen PowerPop Bands à la White Wires zu überzeugen. Und wo beim Debüt noch viel Ramones zu hören war, ist jetzt Platz für ein Best of Düdeldidü aus den letzten 60 Jahren. Warum nicht.

Das Album wurde DIY im Proberaum/Keller aufgenommen und ist wieder bei DIG! Records erschienen. Das ist ja doch auch sehr sympathisch, ne? Vielleicht machen die Jungs einfach alles richtig und das langweilt mich ein bisschen?
Zumindest scheinen sie damit ein bisschen Erfolg zu haben, immerhin supporten sie die Get Up Kids auf deren kurzen Tour in den USA.

Kann man machen.

Dark Thoughts – Must Be Nice LP

Ach, Dark Thoughts können mich nicht enttäuschen. Hier ist der dritte Beweis in Form ihres dritten Albums „Must Be Nice“. Nein, die Single aus dem diesjährigen Sommer hat mich auch nicht enttäuscht, ihr Erbsenzähler.
Hier muss man sich glücklicherweise nicht den Mund fusselig (fuselig wäre eigentlich das schönere Adverb, haha) reden. Dark Thoughts kommen nach wie vor aus Philadelphia, sind immer noch zu dritt und machen jetzt schon seit 5 Jahren richtig guten und soliden Pop Punk. Aus.

Wie bereits die ersten beiden Alben wird auch dieses in den nächsten Tagen unter anderem beim Drunken Sailor erscheinen und somit für Europäer erschwinglich sein. Ein schönes, frühes Weihnachtsgeschenk. Cool.

Und falls euch Pop Punk nicht so richtig auf eurem Skateboard zum Rollen bringt, kann das vielleicht die andere Band des Sängers, Loose Nukes. Die gehen ab, hui.

Gel – HC For The Freaks / Promo Tape CS

Falls ihr euch vom Titel angesprochen fühlt und 4 Minuten Zeit habt, dann hört doch mal hier rein. Ziemlich kurzer und kurzweiliger Kram von Gel aus New Jersey, der sich irgendwo in der Zeit verloren hat und nun von Mama im Hardcore Paradies abgeholt werden will.
Das ist der Soundtrack zu Knochenbrüchen beim Skateboard fahren. Geil.

Vor ein paar Wochen digital erschienen, das Tape kann man jetzt aber schon vorbestellen und in 5 Tagen werden die Kassetten dann verschickt.

Leider nur 2 Songs, aber der Rest von denen ist auch nicht zu verachten. Hört mal…Hardcore Punk mit Metal. Haha, so wie früher.

Mit Bier noch besser.

Warp Lines – Human Fresh LP

Und der Preis für das beste Post Punk Indie Rock Album aus Kanada, das auf Dischord Records hätte erscheinen sollen geht dieses Jahr an Warp Lines mit Human Fresh.
Ja, meine Güte, da haben die drei Jungs aber mal eine feine Mixtur aus den letzten 20 Jahren 30 Jahren (scheiße, bin ich alt) unpopulärer und populärer Punk,  Emo und Indie Bands zusammen gerührt und uns in Form von Human Fresh vor die Füße gekotzt.

Erstaunlicherweise sind hier unter anderem Leute von Steve Adamyk Band und The New Calling am Start, was man mal so überhaupt nicht vermuten würde. Der Sound bewegt sich meiner Meinung nach vielmehr irgendwo zwischen den Get Up Kids, wenn sie fuzziger wären und den Obits, wenn sie poppiger wären und Hüsker Dü, wenn sie fröhlicher wären und Bluetip oder Jawbox, wenn sie rotziger wären.

Erschienen ist das Debüt Album jetzt bei dem tollen Label Dirt Cult Records in Portland – und man kann das bei Different Kitchen auf Platte bestellen.

Und ich dachte immer, aus Kanada kommt nur Pop, Garage oder HC Punk. Die können auch PostPopGarageHCPunk. Sensationell.

Personality Cult – Pressure Point

Oh. Ich durfte in meiner Eigenschaft als äh, Aushängeschild der deutschsprachigen Punk Rock Gemeinschaft neben zweihundertsiebenundachtzigtausend anderen Leuten bereits in das neue Album von den großartigen Personality Cult reinhören und bin einigermaßen sehr schwer total begeistert.
Schade, dass ich nicht den ganzen Rabbatz direkt mit euch teilen darf und zunächst nur die Single zum Stream zur Verfügung steht. So was ist dann wohl Marketing und Pressearbeit – Nun denn.

Pressure Point ist nicht mal der beste Song vom Album – meiner Meinung nach nicht mal annähernd, aber bitte…

Das Album New Arrows erscheint erst am Valentinstag nächstes Jahr, ihr könnt das Teil aber bereits beim Label Dirtnap vorbestellen und tausend Mark Porto bezahlen.

Die erste LP hatte mir ja schon sehr gut gefallen, die letztes Jahr beim Drunken Sailor erschienen war. Das zweite Album ist jetzt noch ein bisschen glatter, könnte man sagen. Vielleicht liegts daran, dass es von Jeff Burke so schick produziert wurde; das passt auch ganz gut zum Sound der Band. Der liegt ziemlich genau nirgendwo zwischen Marked Men und Buzzcocks? Ach, mal schauen, was die Pressemappe sagt…Hm, Hüsker Dü und Adverts, aber das höre ich nicht so…naja.

Auf jeden Fall sind zum Bandgründer und Mastermind Ben Carr ein paar Musiker dazugestoßen und machen mit ihm gemeinsam North Carolina unsicher.
Das ist sicherlich ein Highlight von 2020 und ihr könnt das schon jetzt bestaunen. Verrückte Zeiten, in denen wir leben.

Bleakness – Functionally Extinct LP

Die drei Franzosen aus Nantes oder Paris oder Lyon (man ist sich nicht sicher) haben sich nach ein paar starken Singles nun mit ihrem Debüt Album in einer gemütliche Ecke von düsterem Post-Punk versteckt und machen dort ihren wohlverdienten Winterschlaf.
Dann können sie von dort fein beobachten, wie sie mit so Sachen wie the Estranged, Red Dons, ihren Landsleuten von Nightwatchers und Telecult oder auch den tollen Chain Cult verglichen werden.

Aber wenn man jetzt den tausendsten Aufguss von derlei Bands erwartet, dann täuscht man sich, denn erfreulicherweise bringen Bleakness genügend eigene Ideen, Talente und Kreativität auf ihrer Platte mit, so dass man beim Hören hin und wieder den Kopf verwundert (begeistert) hebt und genau hin horcht.
Ich mein, welche Post Punk Band packt schon ein fucking Saxophon aus? Ha, toll.
Ansonsten viel Gitarren Gedudel, starke Bassläufe, ordentlich Wumms vom sehr tighten Drummer und ein traurig frustrierter Gesang, der das ganze Werk abrundet. Erscheint offiziell am Nikolaustag bei Sabotage Records.

Konnte man vorbestellen. Jetzt nur noch bestellen. Vinyl ist trotzdem gold/Gold.

Mononegatives – Cheap Heat Tour Tape / Sure Shock / 5 Second Future

Aus dem kanadischen London kommen die 3 Synthie-PowerPop-NewWave-Garage-PunkRocker von Mononegatives, die mit diesem „Tape“ bereits ihr drittes Release in diesem Jahr veröffentlichen. Na gut, insgesamt sind das auch nur 11 Lieder auf drei Singles verteilt, aber immerhin. Denn eigentlich startete das Projekt mit nur einer Person: Rob Brake.

Gut, die Erwähnung des Namens hat bei mir jetzt auch nicht gerade Begeisterungstürme oder ein lautes AHA hervorgerufen, sondern eher ein Stirnrunzeln verursacht, aber der Typ scheint dort oben in London, Ontario schon einiges an Bands und Musik bewegt zu haben. Schön.

Jetzt sind die Mononegatives auf jeden Fall zu dritt und schreiben fleißig Songs und veröffentlichen die bis jetzt eigentlich nur digital. Das Cheap Heat Tour Tape ist der erste physikalische Beweis ihrer Arbeit – neben der tatsächlichen Tour, die sie im November in den USA gespielt haben.

Ich find die super – gute Mischung aus eingängigem Garage Punk und melodischem Synthie/New Wave Gedöns, der zwar auf diesem Tape hier etwas kurz kommt, aber bei den anderen beiden Releases ein bisschen mehr im Vordergrund steht. Könnte man locker alle 11 Lieder auf eine schöne LP pressen…ich mein ja nur.

Dann pack ich die anderen beiden Sachen auch mal hier rein, falls ein A&R von irgendeinem Label hier mit liest und noch einen großartigen Hit braucht.