Quarantäne Carepaket

So, ihr Hamsterkäufer. Ich hab mal ein wenig musikalische Untermalung für eure Endzeitseuche zusammengestellt, die man ganz prima im Wartezimmer oder in der Kassenschlange oder zu Hause unter dem Sauerstoffzelt hören kann. Davon wird man nicht gesund, eher im Gegenteil. Und gute Laune, hm, auch nicht so richtig. Aber für so einen Quatsch bin ich auch nicht zuständig.

Das wird jetzt laufend aktualisiert, solange der Quatsch noch dauert…

Jackson Reid Briggs & The Heaters – Hammered LP

Hier kommt das bereits 4. Album von den australischen Garage Punk Rockern Jackson Reid Briggs & The Heaters. Und nachdem sie mit den letzten drei Platten sukzessiv immer ein bisschen an Fahrt oder Tempo oder Drive oder sonst einer Metapher aus der motorisierten Bewegung eingebüßt haben, ist nun folgerichtig fast schon ein neues Genre fällig, um das Album „Hammered“ zu beschreiben.

Ich mein, das ist immer noch ein großartiges Songwriting von Herrn Reid Briggs und es macht auch Spaß, das gesamte Album zu hören, aber hier fehlt halt ein bisschen die rohe und unkontrollierte Energie des Erstlingswerks. Ihr wisst schon, der Dampf, der Druck, das Feuer.

Hier wird dann eben nicht mehr unkontrolliert herum gehüpft und Bierflaschen geköpft, sondern mal lieber mit Kopfhörern auf den Ohren und einem Whiskey Sour in der Hand im Ledersessel genussvoll mit dem Schluppen gewippt. Dafür hat man auf der Platte ein bisschen mehr Zeit für Saxophon und Gitarrendudelei gefunden.
Warum nicht – es ist immer noch typischer Garage Punk aus Melbourne und mit „Rented Fists“  und „You’ve got it now“ ist der Band sogar fast ein wenig das midtempo entglitten.

Die Platte kann man sich bei Beast Records bestellen. Ich suche im übrigen noch die ersten beiden LPs, falls ihr da mal in Australien drüber stolpert…

Drunk Dial #6 – Hakan 7″

Single Serien! Das ist so ganz furchtbarer Kram, bei denen sich Labels einfach mal auf Kosten der dummen Plattensammler austoben und mit abstrusen Ideen eine Reihe von Bands auf 7″s pressen, die dann auch noch unverschämt rar und teuer sind. Natürlich bin ich da also ein großer Fan von.

Zum Beispiel die „Under the Influence“ Serie von Suburban Home, bei der ziemlich viele gute Bands ausschließlich ihre größten Einflüsse gecovert haben. Schon mal wegen der Bandauswahl ziemlich cool, aber weil der von mir sehr geschätzte Künstler Mitch Clem gemeinsam mit seiner Verlobten Nation of Amanda die Cover von den Original Alben nachempfunden und für die Singles nachgezeichnet hat, war diese Serie darüber hinaus exquisit.

Oder die Sister Series, die vom sehr guten Fanzine Razorcake ins Leben gerufen und veröffentlicht wurde. Auch dort spricht zunächst die gute Bandauswahl für sich. Außerdem gehören immer zwei Single zueinander, wie das mit Geschwistern halt so ist, ne? Die Bands covern sich unter anderem gegenseitig und die Cover der Singles sind ebenfalls aufeinander abgestimmt bzw. ergänzen sich.

Oder natürlich auch die NOFX Single of the Month Club Sache, wenn man schon von Covern und zueinander gehörenden Singles spricht.
Oder Oder Oder, ach da gibt es doch so viele coole Sachen. Voodoo Doughnut Recordings, All in Vinyl Single Serien (Ja, Plural), und so weiter und dideldadeldumm.

Ja, und eben diese hier, die Drunk Dial Serie, bei denen sich das Label Drunk Dial Records aus Portland  diverse Bands ins Studio holt, sie dort saufen – und dann under the influence (höhö) einen neuen Song schreiben und aufnehmen lässt. Dazu auf die B-Seite noch ein Cover eingespielt und fertig ist die auf Vinyl gepresste Party.
Eignet sich hervorragend für SxE Bands, haha. Hakan, diese Pop Punk Garag Helden aus Italien, die hatten bei der 6. Ausgabe der Serie dort sichtlich hörbar Spaß.
Der neue Song ist ein Ohrwurm und das Cover von Devo ist ziemlich mutig und gut. Kauf ich mir trotzdem nicht. Ich bin doch nicht bescheuert und fang jetzt noch mal mit irgendwelchen Serien an.

Kann man auf der Bandcamp bestellen und (hust hust) mir dann schenken? Danke. Falls ihr sonst noch Tipps habt, welche Serie ich unbedingt mal hören und ansehen muss…

Hank Wood and the Hammerheads – Use Me 7″

Eine neue Single von Hank Wood. Yeah! Ist ja schon wieder ein Jahr her, verdammt. Auch hier zwar erst einmal nur ein Song zum Ausprobieren, aber wo Hank Wood drauf steht ist auch „uh“ drin.
Vielleicht werden Leute sagen, er entwickle sich. Oder der Sound wird glatter. Oder das Songwriting wird ausgefeilter.

Nö. Einfach nur richtig gut.

GARBITCH – S/T

Hilfe, ist der Bass da aber schlecht gelaunt, da bekommt man ja Angst. Und das arme Schlagzeug wird verdroschen, meine Güte. Der Rest von GARBITCH, die wegen des schönen Namens allein schon ein extra Sternchen im Poesiealbum verdient haben, macht dann auch noch ähnlich zauberhaften Krach.
Ich glaube, die 4 Mädels haben in dem Proberaum in Kalifornien ihre Verstärker so umgemodelt, dass sie mit den erforderlichen 20.000 Volt funktionieren, die der Sound hier braucht.

Jedes Instrument und die Stimme der Sängerin werden auf hoch energetische Weise strapaziert. Das Resultat ist dann eine widersprüchlich wohlklingende Kakophonie, die man heutzutage ja schlicht als Hardcore Punk bezeichnet. Geile Sängerin, tolle Texte, eingängige Riffs. 5 Songs, nur digital erst einmal. Geil.

Fuck your label. Und dann auch noch auf der Bandcamp Seite eine schwarze Schrift auf schwarzem Hintergrund gewählt. Haha. Großartig.

Ditches – S/T LP

Der Vollständigkeit halber informiere ich mal eben über den Stream des kompletten Albums der Schweden und auch über die Möglichkeit, sich die LP in limitierter (blau) Version beim Label zu bestellen. Offiziell kommt das Ding am 20. März raus.

Außerdem sind die Jungs auf Tour.

Billo – Achtung ADK CS

Wenn man mal Bock auf Post Punk hat, der nicht so langweilig glatt und stubenrein ist, dann kommt man hier mit dem Labelsampler von Billo aus Berlin ziemlich gut auf seine Kosten.

13 Bands, von der man jede für sich schon mal im Auge behalten sollte, vereinen sich hier zu einem Feuerwerk der schlechten Laune.
Und es ist alles dabei, was das schwache Herz von alten Punk Rockern braucht, um wieder in Fahrt zu kommen. Ein bisschen Synthie, ein bisschen Wave, ein bisschen lofi und Rotz und Pisse und Orgel-Gedöns. Toll.

Die Songs sind alle exklusiv für die Compilation eingespielt worden und dienen ganz praktisch zum Gnocchi Teig kneten, zu viel Mehl nehmen, wegschmeißen, von vorne anfangen, zu viel kneten, matschig, wegschmeißen, von vorne anfangen, keine Eier mehr, Nudeln kochen.

Ist schon Anfang Februar erschienen und noch nicht ausverkauft. Seht zu, allein der Basssound im 2. Song lohnt die Anschaffung.
Ich hör das Ding jetzt direkt noch mal und mach die Küche sauber.

Modern Needs – Survey of the Animal Kingdom CS

Hä? Hat da jemand den Keller von Posh Boy Records ausgefegt und ist über 40 Jahre alte Demos gestolpert?
Das ist ja heutzutage recht praktisch, wo doch wieder das Format der Kassette als ganz normales Medium angesehen wird…man kann den alten angestaubten Kram, der sich dort in den Spinnweben der rattenverseuchten Gewölbe angesammelt hat, einfach wieder auf den Markt werfen und lediglich ein „anachronistisch“ drauf stempeln.
Im Punk Rock ist das kein Problem – wir hören schon seit tausend Jahren denselben Scheiß, das fällt niemandem auf!

OK, ich tue den Modern Needs Unrecht, denn das ist natürlich eine aktuelle Band (behaupten sie) aus San Francisco (ha, wer’s glaubt) und die haben auch schon ein paar andere Sachen raus (zwinker).
Stilistisch gibt es also Punk Rock à la KBD und Ostküste der USA, so, wie man ihn liebt und kennt. Geiler Rock n Roll. Rotziger Punk mit genügend Melodien. Simpel und perfekt.

Ich wittere ja eine Milli Vanilli – Verschwörung! Ein windiger Produzent (ich) bringt uralte Tapes als den neuen heißen Scheiß heraus, dessen Bands heute nur Schauspieler mit Charisma auf der Bühne sind. Ist Punk, merkt live keine Sau. Allerdings verdient man damit genau fünf Pfennig…
Brauche Business-Partner – schreibt mir.

Free Throw – SWIG

Ich knall mir das hier mal rein, weil es ein bisschen so klingt wie eine Mischung aus Pup und FIDLAR. Also der eine Song. Der, bei dem sich der Anfang so geklaut nach Propagandhi anhört.
Der andere Song ist nicht so gut. Der ist eher so Emo-Kram, den ich nicht mag. Aber der eine Song. Der ist gut. Und welche Band schafft heute schon 50%?
Free Throw aus Nashville, die schaffen das. Gute Quote eigentlich.
OK. Schönes Wochenende.

Die Band gibts auch schon ein bisschen länger, aber vorher stimmte die Quote nicht. Ha

Gaffer – Demo CS (Teaser)

Eine neue Kassette aus dem Hause Helta Skelta Records in Perth ist immer eine schöne Überraschung. Nicht, dass ich auf einmal Kassetten kaufen oder gar aus Australien bestellen würde, haha. Nein.

Aber im digitalen Zeitalter kann man ja tatsächlich diese analogen, leiernden und verlustbehafteten Magnetbänder jederzeit in feiner Qualität in dem sogenannten Internet hören. So weit so gut.

Allerdings ist man dann von der Gnade der Menschen abhängig, die die Lieder online stellen. Und da liegt der Hase im Pfeffer.  Es hat sich nämlich anscheinend die unsägliche Sitte breit gemacht, immer nur einen Song von einem künftigen Release zu veröffentlichen. Pfui!
Aber bringt das denn was? Haben die Menschen herausgefunden, dass man so mehr verkauft? Ihr geilen Marketingstrategen! Pfui! Pfui, sag ich.

Gaffer aus Perth sind zu viert, geschlechtergerecht aufgeteilt und machen Punk Rock. Ziemlich guten sogar, wenn man sich den einen Song anhört. In 20 Tagen kann ich euch mehr sagen, da erscheint das Demo offiziell.

Klingt nach rotzigem 70er Punk, der eben derzeit ziemlich großartig in Perth und dem Rest Australiens zelebriert wird. Ich warte auf das langlebige Format Vinyl und schau mir bis dahin die Band einfach live an.