Dark/Light – Kill some Time LP

Dark/Light machen laut eigener Aussage Schlecht-Wetter-Musik und bezeichnen das dann als Mutant Punk. Das ergibt vielleicht auch Sinn, wenn man aus Portland, Oregon kommt und sich dort die Wetterlage nur in Grautönen messen lässt, die mal heller und mal dunkler ausfallen. Da entsteht dann eben oft solch Garage-Post-Punk-Kram, der genetisch zwar Ähnlichkeiten mit anderen Bands des Genres aufweisen kann, sich jedoch im Laufe der Jahre durch Regen, Schnee und Regen und Regen erheblich verändert hat und somit einer neuen Klassifizierung bedarf. Anders kann ich mir das zumindest nicht erklären.

Dark/Light haben mit ihrer LP, die letztes Jahr auf Dirt Cult Records erschienen ist, auf jeden Fall ein schönes Beispiel dafür abgeliefert, wie man aus scheiß Wetter und schlechter Laune ziemlich gute Musik zaubern kann. Diese 8 Songs sind geprägt von dem sich abwechselnden männlichen/weiblichen Gesang, einer leicht kreischenden Gitarre mit Hall und dem typischen Post Punk Gedudel. Dazu ein sauber treibendes Schlagzeug, das durch den unaufgeregten Bass im Takt gehalten wird – alles wunderbar vorgetragen. Das sollte auch nicht weiter wundern, hier sind Leute von The Triggers, Clorox Girls, The Observers, Steel Chains, The Chemicals, Steel Chains, Defect Defect, Coldbringer usw. dabei.
Nächsten Monat kommt ne neue Single raus, auf die man sich freuen kann. Mitten im Sommer könnte das vielleicht für Sonne geplagte Menschen wie uns etwas antizyklisch mit dem „Scheiß-Wetter-Schlechte-Laune“ sein, aber wer weiß, vielleicht liefern sie ja auch den Soundtrack für ein paar wunderbare Sturmkatastrophen – Klimawandel und so.

Aerial Salad – Roach. LP

Aerial Salad aus dem hässlichen Manchester in England ist eine relativ frische und junge Band, die letztes Jahr ihr Debüt auf dem Label von den Wonk Unit Leuten (Plasterer) herausgebracht haben. Damit ist auch die Richtung bereits vorgegeben, in die der luftige Salat (oder wie soll man den Namen verstehen?) vordringen möchte. Pop Punk.
Und Aerial Salad können das sehr gut; das Album macht Spaß, ist abwechslungsreich und bietet sich zum Biertrinken, Grillen, Auto- oder Skateboardfahren und anderen sinnlosen Aktivitäten an. Doch dann, beim zweiten Durchlauf der Platte bemerke ich etwas Seltsames: Sie haben mich verarscht!

Die Platte ist einfach eine Ansammlung von geklauten Ideen aus den letzten 40 Jahren Pop Punk Geschichte. 12 Songs, die sich schamlos bei allen verschiedenen Spielarten des Genres bedienen, die halbwegs erfolgreiche Bands hervorgebracht haben. Das ist natürlich nichts Besonderes, das machen ja schließlich alle Bands, die sich diesem Genre verschrieben haben. Aber Aerial Salad geben sich nicht gerade große Mühe, ihre Raubzüge durch die Musikgeschichte zu verbergen.

Erster Song: bärtiger Punk aus Gainesville der 2000er (Song zum Mitgröhlen – check). Zweiter Song: Lookout Records (Song für pubertierende Teenager – check). Dritter Song: Sum 41 oder so Kram (Song für die MTV Generation: check). Vierter Song: Operation Army / Copyrights (Song mit Offbeat/Ska – check). Fünfter Song: Paddingtons. Und so weiter und so weiter.

Apropos Mühe geben. Das Cover besticht jetzt auch nicht unbedingt durch eine kreative Meisterleistung, gerade auch weil das gleiche Motiv zumindest online bereits zweimal (siehe Bandcamp) verwendet wurde. Naja, egal – ich denke mal, all das kann man unter Punk Rock subsumieren.
Wenn die Jungs dann in Zukunft auch noch besser abgemischt werden und ihre Instrumente so virtuos beherrschen, dass sie eigenständige Songs schreiben, wird das ne richtig gute Band. So ist es halt ein netter Haufen von geklauten Ideen, die dann nicht besonders originell umgesetzt wurden. Und was sagt das jetzt über mich aus, dass mir so etwas gefällt? Hm.

Im Juli mit den unterschätzten Raging Nathans auf Europa Tour und bestimmt auch in Deiner Nähe. Viel Spaß.

Longclaw – Patterns 12″

Ich muss mich vielleicht im Vorfeld bereits beim Leser entschuldigen. Das ist keine der Platten, die ich normalerweise hier verwurste, aber heute musste das einfach raus. Aus verschiedenen Gründen. Es regnet. Oh, mehr Gründe gibts gar nicht.
Ich hab das Review von Longclaw im Razorcake gelesen und musste beim kacken lachen, weil dort stand, sie würden sich selber als die traurigste Band in Portland bezeichnen und außerdem das Genre „Crycore“ bedienen. Das klingt so unfassbar prätentiös, dass es mein Interesse geweckt hat. Immerhin ist das Razorcake ja ein stilsicheres Magazin, das keine Scheiße rezensiert. Also mal Bandcamp angeschmissen und Longclaw herausgesucht (der Name ist im übrigen die Bezeichnung für das bekackte Schwert von Jon Snow bei Game of ThronesI shit you not) und tatsächlich – „Portland’s saddest Post Hardcore“ steht da.

Die Musik ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man halt Emo mag. Abwechselnder Gesang/Geschrei zwischen einem Typen und einer Frau. Die können beide singen, alles gut. Ist halt Emo. Und musikalisch ist das auch gut, die Produktion ebenfalls. Aber naja, ist halt Emo, ne?
Es könnte aber auch sein, dass es sich hier um eine Karikatur handelt. Das kann doch keiner ernst meinen, oder? Ist nicht traurig sein ein Zustand, den es zu überwinden gilt, um dann wieder total happy zu sein? Muss man sich in seiner Traurigkeit suhlen, um irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen? Ich versteh diese Emo-kacke nicht. Und dann packen die tatsächlich noch ein Foto von einem Konzert mit auf die Bandcamp Seite, das aussieht, als hätte die Show bei einem Suizidpräventionstag stattgefunden. Heilige Scheiße. Waren die schon so traurig, als die Band anfing oder ist das vielleicht eine Wirkung der Musik?

Hier hab ich dann den Stream aus Angst ausgemacht, ihr könnt aber gerne mal die 6 Songs durchhören, wenn euch sowas gefallen sollte. Bei mir regnets. Hat ganz gut gepasst. Ist halt Emo.

Cold Leather – Smart Moves LP

Cold Leather aus Berlin (mit Leuten von Pretty Hurts, Cult Values usw.) ist eine der besseren Leder-Bands dieser Tage, wenn man sich diesen Vergleich überhaupt erlauben sollte. Mach ich aber, weil es irgendwie auffällig wurde, wie viele Bands auf einmal ihre Liebe zu toter Tierhaut entdeckt haben. So eine Häufung liegt wahrscheinlich an dem modischen Bewusstsein, dass Leder irgendwie Rock’n’Roll ist, aber von solchen Dingen (Mode) versteh ich nichts.
Die erste Veröffentlichung von Cold Leather, Past Remedyauf Sabotage Records, war schon ein Knaller und hat es nur aus purer Faulheit meinerseits nicht auf die Seite geschafft.

Jetzt kommt Anfang Juni ihre erste LP „Smart Moves“ auf Adagio830 raus, was wohl nur daran liegt, dass Label und Band aus der Hauptstadt kommen und man sich dann besser zum gemeinsamen Geldzählen in einem Hipster Café treffen kann. Ob das ein smarter Move war, wird sich ja dann schnell herausstellen – live konnten sie mich auf jeden Fall überzeugen, als ich sie mit den Grazern Red Gaze gesehen hab. Falls ihr auf eine der nächsten Shows geht, kauft euch nicht das Longsleeve. Das sieht zwar geil aus, trägt sich aber eher wie ein Pyjama. Aber davon versteh ich ja nicht so viel – vielleicht läuft man in Berlin gerade so rum?

Zwei Songs kann man sich auf Bandcamp schon einmal von dem neuen Album anhören und hier wird schnell deutlich, dass sich die Band bei den Aufnahmen zur LP noch einmal im Vergleich zur 7″ gesteigert hat. Großartiges Gitarren-Gedudel, knochentrockener und treibender Bass unterstützt vom druckvollen Schlagzeug bieten die Grundlage für den sehr mitreißenden weiblichen Gesang. Das Rezept war schon auf der Single so zu hören, aber hier scheint auch die Produktion ein bisschen fetter und runder zu sein. Gemastert wurde die LP natürlich auch bei North London Bomb Factory. Bin gespannt auf den Rest der LP.

Criminal Code – 2534 LP

Criminal Code aus Tacoma, Washington haben mit 2534 kürzlich ihre zweite LP auf Deranged veröffentlicht, die mir ein bisschen mehr Rätsel aufgibt als dass sie zu begeistern vermag.
Natürlich hat man hier immer noch den düsteren Sound von Bands wie Estranged, Sievehead und anderen gekonnt umgesetzt, keine Frage. Ein hektisches Schlagzeug, megagute Gitarrenmelodien mit noch mehr megaviel Hall, eingängig wummernder Bass – alles wunderbar. Aber irgendwie klingt der Sänger die meiste Zeit so, als hätte er gerade keinen Bock auf den Quatsch. Kann natürlich sein, dass es sich hier um eine künstlerische Art handelt, sich zu distanzieren. Oder vielleicht wird eine emotional gesungene Darbietung dem kühlen Klischee dieser Art von Songwriting nicht gerecht? Keine Ahnung, mich hats genervt und so wird wertvolles Potenzial verschenkt.

Erst beim letzten Song der Platte, dem 7-minütigen Stück „Dying Destiny“ höre ich sowas wie…nee, stimmt auch nicht, dachte ich gerade nur beim Hören. Aber auch hier hat der Sänger eigentlich was Besseres zu tun als zu singen. Vielleicht hat er nebenbei mit dem Telefon gespielt oder Nachrichten gelesen oder geschrieben oder hatte Hunger?
Und was soll der Plattentitel bedeuten? 25,34. Bibel? Matthäus, 25,34:

Dann wird der König denen zu seiner Rechten sagen: Kommt her, die ihr von meinem Vater gesegnet seid, empfangt das Reich als Erbe, das seit der Erschaffung der Welt für euch bestimmt ist!

Ach so!

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En Attendant Ana – Lost and Found LP

En Attendant Ana aus Paris könnten mit ihrer ersten LP „Lost and Found“ direkt das Sommer Album 2018 abgeliefert haben. Ein zauberhaftes Sammelsurium aus Gesangs-, Gitarren- und Trompeten-Melodien, das durch ein sehr spartanisches Schlagzeug wohl akzentuiert begleitet wird.
Ich habe ja in letzter Zeit ohnehin eine Schwäche für so melodisch-poppigen Kram, der von Frauen vorgetragen wird. Und dieses französische Quintett macht das großartig, teilweise mehrstimmig und toll.

Irgendwie ein bisschen schade, dass sie nicht auf Französisch singen, aber wer wird denn so kleinlich sein.

In den USA und Kanada erscheinen die auf Trouble in Mind, was sehr gut passt und mir das Label mal wieder ins Bewusstsein zurückgerufen hat – die machen auch nicht viel falsch. Aber das ist jetzt ja auch nur zweitrangig, hört euch mal diese großartigen 10 Songs an und kauft euch dann die LP. Entweder bei der Band direkt oder vielleicht auch mal wieder bei X-Mist? Da hab ich die „gefunden“.

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The Creeps – Beneath The Pines LP

The Creeps aus Ottawa in Kanada sind ja auf diesem Dings hier nicht unbekannt, ich hab da ein paar mal schon betont, dass die Band hervorragend ihre Stilrichtung zelebrieren kann, die jetzt schon seit fast zehn Jahren prototypisch für den kanadischen Export des poppigen Punk Rocks ist. Ich dachte eigentlich auch, dass sich die Band längst aufgelöst hatte, nachdem doch diverse andere Projekte rund um die Mitgleider in der Zwischenzeit entstanden waren. So zum Beispiel Black Tower, Crusades (RIP), Cheap Whine, usw.
Nun ist aber das neue und inzwischen dritte Album „Beneath the Pines“ auf dem Weg in die Plattenläden eures Vertrauens und man kann sich vorher schon einmal im Stream davon mitreißen lassen. Ich war beim ersten Hören etwas erstaunt, was ja eigentlich bei einer langlebigen Band ein gutes Zeichen ist. The Creeps haben sich offensichtlich weiterentwickelt und inzwischen ein wesentlich ausgefeilteres Songwriting als noch auf ihren 1-2-3-4 Punk Rock Nummern (höre ich da nicht sogar ein bisschen Orgel?). Man ist älter geworden und hat sich von den ganzen Nebenprojekten auch ein wenig was abgeschaut. So ist dann eine sehr coole (ruhige) Punk Rock Platte entstanden, die locker mit den alten Sachen mithalten kann. Insgesamt 11 fast neue Songs, einer davon wurde schon auf der Split 7″ mit No Marks verwurstet und zählt hier auf der Platte zu einem der schnelleren Stücke. Crusades ohne Metal? Vielleicht.
Das Album kommt Anfang Mai natürlich bei It’s Alive raus und kann dann ein paar Wochen später auch bei uns in Europa gewiss auf feinem Vinyl gekauft werden. Ansonsten eben im Stream.

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The Suck – EP

The Suck aus Harrisburg, Pennsylvania klingen für mich stark nach Bands wie Prince, Horror Section oder meinetwegen natürlich auch Ramones, aber ich wusste bis heute nicht, dass sowas auf einmal nicht mehr Pop Punk sondern Street Rock heißt.
Zumindest möchten die 5 Leute von The Suck dieses Attribut für sich in Anspruch nehmen. Mir solls recht sein, das sind allesamt alte Säcke und mit denen will man ja nicht streiten.

Eine sehr sympathische Single kommt da auf jeden Fall bei dem mir völlig unbekannten Label Route 13 Recordings heraus, auf der sich offensichtlich die Band nicht nur bei dem Song „Biff“ an Zurück in die Zukunft orientiert, sondern auch gleich das Cover aus einer Filmszene klaut. Cool.

Trifft alles meinen Geschmack, sehr geil und kurzweilig. Auch der Coversong, der nicht bei Bandcamp im Stream, sondern nur auf Vinyl veröffentlicht wird, sagt mir zu. Zwar wäre meine Wahl von „lights out“ eher auf die Version von den Angry Samoans gefallen, wenn man schon was mit dem Titel covert und alt genug ist, um den Song zu kennen, aber The Suck haben sich dann eben für den gleichnamigen Song von NECK entschieden. Kann man machen. Kann man hören. Kann man kaufen.

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Diners – Three LP

Wolltet ihr nicht auch schon immer wissen, wie sich freundliche Rock and Roll Pop Songs anhören? Nein? Dachte ich mir, ihr ignoranten Penner. Nicht immer gleich Desinteresse zeigen, auch mal über den Tellerrand und so, ne? Also hier, die DINERS aus Los Angeles machen nach eigener Aussage genau diese Art von Musik: friendly rock and roll pop songs.
Wenn ich das richtig verstehe, besteht die „Band“ eigentlich nur aus Tyler Broderick, der sich dann für die Umsetzung seiner Songs im Studio oder live ein paar talentierte Musiker/SängerInnen zusammensucht und dann eben gemeinsam mit denen gut abliefert.

Dies ist den Diners zumindest auf dem 2016er Album Three sehr gut gelungen. Ein bisschen Beatles, ein bisschen 70’s Pop, ein bisschen Klingklangplingplong und schon ist ein zauberhaft entspanntes Album fertig, das nicht gerade zum Rasen auf der Autobahn einlädt, sondern eher zum Cruisen mit offenen Fenstern. An der Küstenstraße. Mit Frau. Und Kippe.

Ursprünglich kommt die Band aus Phoenix, Arizona und dort ist wohl auch diese Musik gar nicht mal so unpopulär, wenn man sich zum Beispiel mal ROAR anhört, die auch von dort aus die Welt erobern. Auf jeden Fall ist das hier erwähnte Album Three schon 2 Jahre alt, damals auf Asian Man erschienen und wurde mir von Jeff Rosenstock empfohlen. Also ich hab gelesen, dass er die Band gut findet. Vielleicht überzeugt euch das ja mehr…ich finds super.

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