Bad Shadows – Voices in the Dark LP

„Leute, hey Leute, ich habe ne großartige Idee. Wir müssen einfach nur unseren Namen ändern, die alten Songs spielen – das merkt eh keiner – und dann noch ein paar Lieder von den White Wires so umschreiben, dass es nicht sofort auffällt. Vielleicht schenkt man uns dann mal ein bisschen mehr Beachtung.“

„Und Du meinst, das ist nicht zu plump, wenn wir stumpf alte Sachen kopieren?“

„Wir kommen aus Portland, stumpfer Anachronismus ist bei uns im Trinkwasser.“

„Ok, aber hast Du das nicht schon mit The Cry so gemacht? Das wird ja langsam peinlich, immer den gleichen Kram in anderer Besetzung zu dödeln.“

„Quatsch, gute Pop Musik wird immer gekauft. In Kanada haben die Punk Rocker da oben auch nur einen Song geschrieben, der seit 15 Jahren immer wieder nachgespielt wird.“

„Naja, wenn Du meinst – dann lass uns aber wenigstens einen coolen Namen wählen und ein geiles Artwork für die LP machen.“

„Deal!“

„Vielleicht hätten wir nicht unbedingt mit dem ersten Song des Albums die Lüge auffliegen lassen sollen. Oder zumindest den Titel ändern oder so. Und der Bandname ist auch irgendwie kacke. Was sollen denn „Bad Shadows“ sein? Gibt es dann auch „Good Shadows“? Und wie sehen die dann aus?“

„Alter, Du denkst zu viel nach. Das ist Punk Rock Garage Rock’n’Roll Pop Gedöns. Namen sind hier Schall und Rauch, nur die Melodien bleiben. Und nächste Woche machen wir einfach ne neue Band und spielen den gleichen Scheiß. Was hältst Du von dem Namen „The bleak Sheik“?“

Espectrostatic – Curios

Oh, cool. Es ist ja der 1. Juni – heute kommen tausend neue Platten raus und verlangen wie nörgelnder Kinder nach Aufmerksamkeit. Hier hier hier hier hör mal hör mal hör mal schau mal schau mal. Da hab ich aber gerade keine Zeit für, sorry kids.
Die einzige Ausnahme ist eine Zusammenstellung von Raries, Demos und Samplerbeiträgen des großartigen Alex Cuervos mit seinem Horror-Synthie-Kram unter dem schönen Namen Espetrostatic!
Super! Auch hier gilt wieder, der Sänger der genialen Hex Dispensers hat bei viel zu vielen Horrorfilmen mehr zugehört als zugesehen – das machen immer diese ängstlichen Typen, die dann mit den Händen vor den Augen nur die Hälfte der Handlung mitbekommen und später den Film nicht verstanden haben. Ugh! Allerdings hat das in diesem Fall auch etwas Gutes, denn so hat der Alex anscheinend viel von den musikalischen Untermalungen der gruseligen Szenen besser im Geiste aufnehmen können.
Und das Resultat ist nun eben seine eigene Vorstellung von gutem Synthie-Kram à la Carpenter. Geiles Zeugs. Leider nur digital.

Ach, ich mach mal ein bisschen Urlaub. Aber das merkt ihr dann schon sicher selber. Bis denne.

Giulio Galaxis – Schwarze Erde EP

Könnt ihr euch noch an Prinzessin halts Maul und Die Rote Suzuki erinnern? Waren das nicht diese guten deutschen Punk Rock Bands aus dem Saarland? Apropos Saarland. Was ist da eigentlich los, in diesem kleinen Bundesland, aus dem ja auch noch die nicht weniger guten Pascow stammen? Ich meine, mit einer Bevölkerungsanzahl, die kleiner ist als die von Köln; was packen die da ins Trinkwasser, dass verhältnismäßig so viele gute Bands da herkommen?
Vielleicht ist es dort auch einfach unfassbar öde und man muss sich zwangsläufig und notgedrungen mit anderen Bauerntrampeln zum Musizieren treffen, weil man sonst vor Langeweile Kühe umschubst oder so. Das kann einen in Köln ja nicht passieren – da ist immer super viel los und toll und hip und hop und was sind Kühe?

Ich wollte eigentlich erzählen, dass sich ehemalige Mitglieder dieser beiden anfangs genannten Bands zusammengetan haben, um vor ca. 3 Jahren die Giulio Galaxis zu gründen. 3 bärtige Männer und einer ohne Bart machen hier ziemlich genau dort weiter, wo Prinzessin Suzuki aufgehört haben. Deutschsprachiger Punk Rock. Punkt. Nach einem selbstbetitelten Debüt im Jahre 2015 war erst einmal lange Pause um die vier Jungs. Bis jetzt! Vor kurzem haben sie auf Kidnap Music und Fond of Life eine neue EP veröffentlicht, von der man zwar nur einen Song online hören darf (warum eigentlich?), der aber schon mal ziemlich gut ist und vielleicht als Kaufanreiz ausreicht…

Ich persönlich finde das ja inzwischen schon ein bisschen komisch, wenn eine Band nicht alle ihre Songs bei Bandcamp zum Stream anbietet. Richtig komisch finde ich das dann, wenn es eine deutsche antikapitalistische, antirassistische, antisexistische usw. Band ist. Wollen die nicht gehört werden? Hat das Label das verboten? Naja, für diverse Videos hat es augenscheinlich gereicht.

Vom Album:

Svart Katt – När allt är över LP

Die schwarze Katze schlägt wieder zu! Nein, das ist nicht der schwedische Soundtrack zu dem Kinofilm „Black Panther“. Das ist ganz wunderbarer Garage Punk Pop Kram aus Stockholm! Nach ihrer ziemlich coolen Single auf P.Trash (R.I.P.) letztes Jahr, haben Svart Katt jetzt kürzlich ihren ersten Longplayer auf Kassette bei Coffee Doped Records herausgebracht und in ein paar Wochen erscheint das Prachtstück dann auch auf Vinyl beim Sabotage Franzl. Ist die CD eigentlich wirklich so tot, dass man neben den obligatorischen MP3 tatsächlich nur noch analoge Tonträger veröffentlicht? Was für eine Freude!

Die Platte ist nicht nur was für Freunde der gesungenen Umlaute. Svart Katt erinnern mit ihrem Sound ein bisschen an die großartigen Radioactivity, aber der Vergleich muss ja inzwischen immer herhalten, sobald eine Band tolle Melodien und Mid-Tempo Songs unter 2 Minuten abliefert. Die drei Schweden sind allerdings zusätzlich mit sphärischen Gitarren, einer Orgel und mehrstimmigen Gesang unterwegs. Ansonsten geht der Vergleich schon klar. Mir persönlich sind aber die Songs immer ein Stückchen zu kurz – gerade, wenn es anfängt, so richtig ins Ohr zu gehen und Spaß macht, hört der Song einfach auf. Ein wenig Coitus interruptus, wenn ihr mich fragt. Und das soll ja auf Dauer wehtun, hab ich gehört. Vielleicht auch deswegen der Albumtitel…

Black Boys on Moped – Love…with a little bit of Noise LP

Black Boys on Moped sind zwei stramme Jungs aus Rennes in Frankreich und haben sich nach einem Song von Sinéad O’Connor benannt. Ich habe keine Ahnung, warum. Vielleicht steckt ja eine interessante Geschichte dahinter, so wie bei den Jungs aus Münster, die sich damals schlicht nach Songs von einer wahllos aus dem Regal gezogenen LP benannt haben – Idle Hands und Press Gang von der Murder City Devils LP „In Name and Blood“. (Fun Fact: Als ich zum ersten Mal von Press Gang gehört habe, dachte ich, das sei eine lustige deutsche Band, die sich nach einem langwierigen und schmerzhaften Erlebnis auf der Toilette benannt hatten) Hätte ich eine Band, würde mir der Zufall wahrscheinlich so einen Quatsch wie „Map Ref. 41ºN 93ºW“ als Namen zuweisen. Aber ich schweife ab.

Das Duo ist ausgestattet mit einer hübsch krachig-fuzzigen Gitarre, einem kleinen Schlagzeug mit wohlklingenden Becken und einer schön schrägen Stimme, die mal schreit und mal singt. Dazu fürs Album im Studio ein bisschen Synthesizer, Banjo, Bass und Orgel und schon ist die Band komplett. Natürlich hört man hier ein bisschen Jay Reatard Sachen heraus und natürlich hat jede 2-Mann-Band immer auch ein paar Lücken im Sound, die man dann mit extra viel Krach oder eben mit extra guten Melodien zu kaschieren versucht. Das gelingt den beiden Herren hier sehr gut. Platte ist im Januar bei Beast Records erschienen.

Also wenn man Garage Punk Rock mag, sollte man hier mal hellhörig werden. Ich finds ziemlich geil.

Dark/Light – Kill some Time LP

Dark/Light machen laut eigener Aussage Schlecht-Wetter-Musik und bezeichnen das dann als Mutant Punk. Das ergibt vielleicht auch Sinn, wenn man aus Portland, Oregon kommt und sich dort die Wetterlage nur in Grautönen messen lässt, die mal heller und mal dunkler ausfallen. Da entsteht dann eben oft solch Garage-Post-Punk-Kram, der genetisch zwar Ähnlichkeiten mit anderen Bands des Genres aufweisen kann, sich jedoch im Laufe der Jahre durch Regen, Schnee und Regen und Regen erheblich verändert hat und somit einer neuen Klassifizierung bedarf. Anders kann ich mir das zumindest nicht erklären.

Dark/Light haben mit ihrer LP, die letztes Jahr auf Dirt Cult Records erschienen ist, auf jeden Fall ein schönes Beispiel dafür abgeliefert, wie man aus scheiß Wetter und schlechter Laune ziemlich gute Musik zaubern kann. Diese 8 Songs sind geprägt von dem sich abwechselnden männlichen/weiblichen Gesang, einer leicht kreischenden Gitarre mit Hall und dem typischen Post Punk Gedudel. Dazu ein sauber treibendes Schlagzeug, das durch den unaufgeregten Bass im Takt gehalten wird – alles wunderbar vorgetragen. Das sollte auch nicht weiter wundern, hier sind Leute von The Triggers, Clorox Girls, The Observers, Steel Chains, The Chemicals, Steel Chains, Defect Defect, Coldbringer usw. dabei.
Nächsten Monat kommt ne neue Single raus, auf die man sich freuen kann. Mitten im Sommer könnte das vielleicht für Sonne geplagte Menschen wie uns etwas antizyklisch mit dem „Scheiß-Wetter-Schlechte-Laune“ sein, aber wer weiß, vielleicht liefern sie ja auch den Soundtrack für ein paar wunderbare Sturmkatastrophen – Klimawandel und so.

Aerial Salad – Roach. LP

Aerial Salad aus dem hässlichen Manchester in England ist eine relativ frische und junge Band, die letztes Jahr ihr Debüt auf dem Label von den Wonk Unit Leuten (Plasterer) herausgebracht haben. Damit ist auch die Richtung bereits vorgegeben, in die der luftige Salat (oder wie soll man den Namen verstehen?) vordringen möchte. Pop Punk.
Und Aerial Salad können das sehr gut; das Album macht Spaß, ist abwechslungsreich und bietet sich zum Biertrinken, Grillen, Auto- oder Skateboardfahren und anderen sinnlosen Aktivitäten an. Doch dann, beim zweiten Durchlauf der Platte bemerke ich etwas Seltsames: Sie haben mich verarscht!

Die Platte ist einfach eine Ansammlung von geklauten Ideen aus den letzten 40 Jahren Pop Punk Geschichte. 12 Songs, die sich schamlos bei allen verschiedenen Spielarten des Genres bedienen, die halbwegs erfolgreiche Bands hervorgebracht haben. Das ist natürlich nichts Besonderes, das machen ja schließlich alle Bands, die sich diesem Genre verschrieben haben. Aber Aerial Salad geben sich nicht gerade große Mühe, ihre Raubzüge durch die Musikgeschichte zu verbergen.

Erster Song: bärtiger Punk aus Gainesville der 2000er (Song zum Mitgröhlen – check). Zweiter Song: Lookout Records (Song für pubertierende Teenager – check). Dritter Song: Sum 41 oder so Kram (Song für die MTV Generation: check). Vierter Song: Operation Army / Copyrights (Song mit Offbeat/Ska – check). Fünfter Song: Paddingtons. Und so weiter und so weiter.

Apropos Mühe geben. Das Cover besticht jetzt auch nicht unbedingt durch eine kreative Meisterleistung, gerade auch weil das gleiche Motiv zumindest online bereits zweimal (siehe Bandcamp) verwendet wurde. Naja, egal – ich denke mal, all das kann man unter Punk Rock subsumieren.
Wenn die Jungs dann in Zukunft auch noch besser abgemischt werden und ihre Instrumente so virtuos beherrschen, dass sie eigenständige Songs schreiben, wird das ne richtig gute Band. So ist es halt ein netter Haufen von geklauten Ideen, die dann nicht besonders originell umgesetzt wurden. Und was sagt das jetzt über mich aus, dass mir so etwas gefällt? Hm.

Im Juli mit den unterschätzten Raging Nathans auf Europa Tour und bestimmt auch in Deiner Nähe. Viel Spaß.

Longclaw – Patterns 12″

Ich muss mich vielleicht im Vorfeld bereits beim Leser entschuldigen. Das ist keine der Platten, die ich normalerweise hier verwurste, aber heute musste das einfach raus. Aus verschiedenen Gründen. Es regnet. Oh, mehr Gründe gibts gar nicht.
Ich hab das Review von Longclaw im Razorcake gelesen und musste beim kacken lachen, weil dort stand, sie würden sich selber als die traurigste Band in Portland bezeichnen und außerdem das Genre „Crycore“ bedienen. Das klingt so unfassbar prätentiös, dass es mein Interesse geweckt hat. Immerhin ist das Razorcake ja ein stilsicheres Magazin, das keine Scheiße rezensiert. Also mal Bandcamp angeschmissen und Longclaw herausgesucht (der Name ist im übrigen die Bezeichnung für das bekackte Schwert von Jon Snow bei Game of ThronesI shit you not) und tatsächlich – „Portland’s saddest Post Hardcore“ steht da.

Die Musik ist eigentlich gar nicht so schlecht, wenn man halt Emo mag. Abwechselnder Gesang/Geschrei zwischen einem Typen und einer Frau. Die können beide singen, alles gut. Ist halt Emo. Und musikalisch ist das auch gut, die Produktion ebenfalls. Aber naja, ist halt Emo, ne?
Es könnte aber auch sein, dass es sich hier um eine Karikatur handelt. Das kann doch keiner ernst meinen, oder? Ist nicht traurig sein ein Zustand, den es zu überwinden gilt, um dann wieder total happy zu sein? Muss man sich in seiner Traurigkeit suhlen, um irgendwie Aufmerksamkeit zu erzeugen? Ich versteh diese Emo-kacke nicht. Und dann packen die tatsächlich noch ein Foto von einem Konzert mit auf die Bandcamp Seite, das aussieht, als hätte die Show bei einem Suizidpräventionstag stattgefunden. Heilige Scheiße. Waren die schon so traurig, als die Band anfing oder ist das vielleicht eine Wirkung der Musik?

Hier hab ich dann den Stream aus Angst ausgemacht, ihr könnt aber gerne mal die 6 Songs durchhören, wenn euch sowas gefallen sollte. Bei mir regnets. Hat ganz gut gepasst. Ist halt Emo.

Cold Leather – Smart Moves LP

Cold Leather aus Berlin (mit Leuten von Pretty Hurts, Cult Values usw.) ist eine der besseren Leder-Bands dieser Tage, wenn man sich diesen Vergleich überhaupt erlauben sollte. Mach ich aber, weil es irgendwie auffällig wurde, wie viele Bands auf einmal ihre Liebe zu toter Tierhaut entdeckt haben. So eine Häufung liegt wahrscheinlich an dem modischen Bewusstsein, dass Leder irgendwie Rock’n’Roll ist, aber von solchen Dingen (Mode) versteh ich nichts.
Die erste Veröffentlichung von Cold Leather, Past Remedyauf Sabotage Records, war schon ein Knaller und hat es nur aus purer Faulheit meinerseits nicht auf die Seite geschafft.

Jetzt kommt Anfang Juni ihre erste LP „Smart Moves“ auf Adagio830 raus, was wohl nur daran liegt, dass Label und Band aus der Hauptstadt kommen und man sich dann besser zum gemeinsamen Geldzählen in einem Hipster Café treffen kann. Ob das ein smarter Move war, wird sich ja dann schnell herausstellen – live konnten sie mich auf jeden Fall überzeugen, als ich sie mit den Grazern Red Gaze gesehen hab. Falls ihr auf eine der nächsten Shows geht, kauft euch nicht das Longsleeve. Das sieht zwar geil aus, trägt sich aber eher wie ein Pyjama. Aber davon versteh ich ja nicht so viel – vielleicht läuft man in Berlin gerade so rum?

Zwei Songs kann man sich auf Bandcamp schon einmal von dem neuen Album anhören und hier wird schnell deutlich, dass sich die Band bei den Aufnahmen zur LP noch einmal im Vergleich zur 7″ gesteigert hat. Großartiges Gitarren-Gedudel, knochentrockener und treibender Bass unterstützt vom druckvollen Schlagzeug bieten die Grundlage für den sehr mitreißenden weiblichen Gesang. Das Rezept war schon auf der Single so zu hören, aber hier scheint auch die Produktion ein bisschen fetter und runder zu sein. Gemastert wurde die LP natürlich auch bei North London Bomb Factory. Bin gespannt auf den Rest der LP.