Punking out

Hier, mal was Audiovisuelles für die jungen Menschen mit der niedrigen Aufmerksamkeitsspanne. Ein Film über das CBGB, bzw. ein paar Bands, die sich da herumgetrieben haben. Der dauet nur ne knappe halbe Stunde und man ist hinterher genau so schlau wie vorher, aber nett ist das allemal.

Falls ihr also Ramones, Dead Boys oder Richard Hell and the Voidoids mögt oder sogar noch nicht kennt – dann schaut hier mal rein. So war das früher. Opa erzählt vom Krieg. Und ich lese die ganze Zeit immer „Puking out“. Naja.

South Bay Bessie – Can’t Skate CS

Den Song hätte ich mit 15 ziemlich abgefeiert. Ok, heute auch. Das spricht nicht unbedingt für meine geistige Reife, aber drauf geschissen.

50-50 No Way. 360 Not Today. Acid Drop? I don’t know. So grab your board and LET’S GO!

Haha.
Ach so. Ist letztes Jahr auf Kassette erschienen (eine Auflage von 24 Stück) und die Band kommt aus Flint, Michigan. Dieser Ort, an dem das Wasser freundlicherweise mit Blei angereichert ist und die Leute sich bloß düber beschweren.
Somit erübrigt sich auch die Frage, was die Leute da ins Wasser tun, damit die Jungs so quietsch vergnügt im Style von Chixdiggit meets Queers ihren Punk Rock und vor allem ihre Talentfreiheit in Sachen Skaten so sympathisch runterrotzen.
South Bay Bessie – was fürs Wochenende.

Muscle Dungeon – Beef Angel CS & Split 7″

Also zunächst einmal wurde hier in Sachen Namensgebung schon einmal alles richtig gemacht. Und darüber hinaus – egal, in welcher Kombination man die 4 Substantive miteinander verbindet, es kommt immer eine coole Kreation heraus. Erinnert mich an dieses Kinderspielzeug, bei dem man unterschiedlichen Häuptern verschiedene Torsos, Beine und Füße zuordnen kann und das dann teilweise furchtbar lustig aussieht. OK.

Muscle Dungeon klingen so, als kämen sie aus Denton, Texas. Ist aber schon wieder eine Band aus Portland, Oregon. Allerdings haben die 4 Jungs schon ein paar Mal bei Marked Men und dergleichen Bands reingehört, würde ich mal so behaupten. Sehr eingängiger Garage Punk Rock mit schönen Gesangsmelodien, hübsch scheppernden Schlagzeug und wilden Gitarren, die im Vordergrund großartig simple Akkordfolgen schrammeln. Dazu kommt das gewohnt souveräne Mastering von Daniel Husayn und fertig ist die Laube. Wenn dann zudem der erste Song auch noch „Bong Jovi“ heißt, ist die Single eigentlich direkt schon gekauft. Die 5 Songs sind allerdings lediglich auf Kassette erschienen. Ugh.

Da die Band aber unermüdlich ist, haben sie nach dem Tape im Januar 2017 bereits im Dezember letzten Jahres eine Split 7″ mit The Lightheads veröffentlicht und dafür zwei neue Lieder geschrieben. Cool. Wollte ich nur gesagt haben, damit die Vinylfreunde hier auch was Haptisches erfahren können, wenn sie den Kram gut finden. Also ich find das gut, allein wegen der Titel. Ich mein, „Zen Garden of Bullcrap“ – das ist schon geil, oder?

Wild Gossip – I Wish I Could Stay In Bed For Weeks

Nur mal so zur Auflockerung. Jetzt, wo wir September haben, vielleicht eine passende Frage: Was passiert eigentlich in diesem Monat, den Peter and the Test Tube Babies kaum erwarten können und den Billy Joe Armstrong anscheinend am liebsten verschlafen will (Achtung, der Link führt tatsächlich zu dem offiziellen Video)? Worauf freut sich eine britische Punk Rock Band, wohingegen eine amerikanische Punk Rock Band kaum die Kraft aufzubringen scheint, sich aus dem Bettchen zu quälen? Die faulen Penner.

Nun, ich kann euch diese interessante Frage nicht beantworten und lediglich spekulieren. Vielleicht regnet es in den USA unentwegt im September und in England gilt die Sperrstunde nicht mehr? Was ich aber sagen kann ist, dass die Rock Band um Billy Joe nun mit dem Song „I wish I could stay in bed for weeks“ unbekannte Unterstüzung aus Schweden erhalten hat.

Der ehemalige Mitstreiter bei den Terrible Feelings und Nightmen, Anton Collinder, hat seit der Auflösung von den großartigen Nightmen eine Solokarriere begonnen und bereits einen Song bei Soundcloud hochgeladen. Das ist jetzt noch nicht so besonders viel, aber schon Bad Religion haben ja gesungen „quality or quantity, a choice you have to make.“

Und der Song ist super. Qualitativ hochwertig, sozusagen. Man hört direkt bei den ersten Akkorden eigentlich schon, wer hier Girarre spielt. Man hört bei den ersten Klängen des Gesangs eigentlich schon, woher dieser Power Pop kommt. Das können nur Schweden. Das klingt nach Terrible Feelings und Nightmen. Das klingt nach Anton Collinder – fertig.

Unter dem Namen Wild Gossip wird der talentierte junge Mann dann hoffentlich bald eine Platte veröffentlichen, die mit tausend weiteren guten Songs bestückt sein wird. Bis dahin kann er ja mit Billy Joe im Bett kuscheln, die 4 Wochen gebe ich ihm noch.

Civic – New Vietnam 12″ EP

Also wenn so ein „bürgerlicher“ Sound klingt, dann will ich nicht wissen, wie die Jungs von Civic „Punk“ definieren. Denn der Rock’n’Roll Rotz von Civic aus Geelong in Australien hat mal so gar nichts Bürgerliches an sich (nicht zu verwechseln mit den ebenfalls australischen Civil Civic, die machen Pop).
Vielmehr wird hier im Stile von ihren anderen Landsleuten The Saints geschnoddert, was das Zeug hält. Obwohl, streng genommen hab ich den Vergleich nur angestellt, weil es beide Rock Bands aus Australien sind. Ließe man den geografischen Aspekt außer Acht, könnte man die Band auch mit MC5 oder Stooges vergleichen, weil sie verzerrte Gitarren spielen. Wow, warum nicht gleich Rolling Stones und Sonics? Ach, Schubladen.
Stellt euch einfach eine schnellere Version von Rocket from the Tombs vor, die sich mit Hank Woods die Bühne teilt. Irgendwie anachronistisch in dem Sound der Siebziger verhaftet, aber so wuchtig und leistungsstark wie eine hochmoderne Dampfwalze auf Spikes.

Erschienen ist die 12″ EP bereits im April bei Anti Fade Records in Australien, und bislang hat sie ihren Weg noch nicht so recht in die europäischen Plattenläden gefunden. Schade, das ist ziemlich geiler Scheiß.