Digital Leather – Feeet LP

Seit einer Woche dreht diese LP jeden Tag zweimal bei mir ihre Kreise auf dem Plattenteller und wird einfach nicht langweilig. Die schmeckt zu Kaffee ebenso gut wie zu Bier und kann laut und richtig laut gehört werden, ohne dass sie fad wird. Und ich dachte immer, ich mag Digital Leather gar nicht so gern.

Hier macht aber wirklich das Gesamtkunstwerk das Produkt aus, das von Stencil Trash wirklich so schön und liebevoll gestaltet wurde, dass man die LP schon alleine wegen der Aufmachung kaufen kann/muss/sollte.

Nebenbei ist aber auch die dargebotene Musik großartig. Bei Feeet handelt es sich um eine Zusammenstellung von alten Songs, die Digital Leather vorher nur auf Tape herausgebracht hat/haben und allein deswegen auch schon toll ist, weil die Songs zum ersten Mal auf Vinyl veröffentlicht wurden.

Zudem kann man einen angenehmen und interessanten Mix der Schaffensphase von 2008 bis 2018 hören, in der Mr. Digital Leather Shawn Foree von düsteren Dark-Wave-Synthie-Songs bis zu poppigen New-Wave-Punk-Gitarren Songs alles gemacht hat, was mit Synthesizer gut klingen könnte.
Die 13 Songs wurden für die LP noch einmal superb von Daniel Husayn gemastert, natürlich.

Dann hat sich Nils von Stencil Trash hingesetzt und ein schickes Cover entworfen, gedruckt, mit einem Scharnier verziert (logisch) und handnummeriert in die Welt entlassen. Es gibt 333 Stück, jedes Teil kommt mit einem Aufkleber und einem netten Booklet.

Puh, also für mich bestimmt die beste LP im Jahr 2019 aus der Kategorie „alte Songs neu zusammengewürfelt und auf Vinyl gepresst„.

Civic – Selling, Sucking, Blackmail, Bribes 7″

Na, erinnert ihr euch noch an die großartigen Rotz’n’Roller aus Geelong in Australien? Da hatte ich mich letztes Jahr schon für begeistern können und lauwarme Worte für die 12″ gefunden. Und jetzt gibt es demnächst eine neue Single von den 5 Verrückten, von der man heute bereits einen Song vorab hören darf. Sehr großzügig. Danke, Civic.
Die Single wird demnächst auf Total Punk Records herauskommen. Passend, wo doch auf dem Label fast ausschließlich nur super Bands ihre Sachen veröffentlicht haben (Predator, Brandy, Erik  Nervous, Video etc.). Außerdem spielen Civic am 03. September im Hafenklang in Hamburg und ich überlege schon, ob ich nicht einfach nach dem Get Lost Fest einfach noch in dem Laden liegen bleibe, um mir diese geile Band live anzusehen…

Der neue Song erinnert mich vom Gesang ein bisschen an G.G. Allin, keine Ahnung, wo diese Assoziation auf einmal herkommt, aber schlecht ist das ja nicht. Ansonsten ein bisschen wilder als auf der 12″ und ziemlich druckvoll. Kommt am 26. Juli offiziell raus, kann man jetzt vorbestellen.

Bench Press – Not The Past, Can’t Be The Future LP

OK, also Bankdrücken. Ich würde tippen, dass ich locker äh, 20 Kilo schaffe. Ist das viel oder wenig? Was bringt das eigentlich, wenn man 300 Kilo im Liegen hoch drücken kann? Das reicht ja nicht mal für einen Trabant, der wiegt schon das Doppelte. Vielleicht nützlich, wenn man mit zehn Kleinkindern auf einmal spielt oder einen sehr schweren Sexualpartner hat, der auf einmal beim Akt stirbt und man unter ihm/ihr begraben ist. Aber auf diesen eher unwahrscheinlichen Fall hin zu trainieren, erscheint irgendwie etwas übertrieben.

Hm. Auf jeden Fall war es lustig, den Suchbegriff „Bench Press Record“ ohne Nachzudenken ins Internet zu tippen. Da werde ich wohl demnächst interessante Werbung auf diversen Webseiten sehen.
Egal.

Die zweite Platte von Bench Press ist auf jeden Fall ein schönes Stück Post Punk, die ein paar gute Momente von Fugazi (Gesang) und anderen Washington DC Bands mit Ausflügen nach San Diego (Hot Snakes) und London (Wire) verbindet. Dabei stammt die Band eigentlich aus Melbourne und steht in der Tradition diverser Garage Bands, welche man hier und da auch tatsächlich heraushören kann.

Ist kürzlich natürlich bei Poison City erschienen und steht bald bei eurem Lieblingshändler im Regal. Ich geh dann jetzt mal pumpen.

Dollhouse – Demo

Ziemlich cooler Scheiß aus New York kommt da auf dem Demo eingeflogen. Es ist Punk Rock, so viel ist sicher, aber da versteckt sich noch mehr hinter dem klassisch besetzten Sound mit Gitarre/Bass/Drums/Gähn. Vielleicht mit einer kleinen Prise Death Rock? Oder ist das einfach die den New Yorkern inhärente überhebliche Langeweile, die man da hört?
Hm. Die Stimme erinnert mich manchmal an Dagger Eyes. Ansonsten keine Vergleiche, ist halt Punk Rock, ne.

The Resource Network – Summer Demo 2019

Nette Band aus Indianapolis mit einer leicht wirren Selbstwahrnehmung, wie man auf der Bandcamp Seite lesen kann. Ich jag das mal durch den Google Translate Salat:

In den Trümmern einer fehlgeleiteten und schlecht konstruierten Führung gegründet. Das Resource Network ist eine metaphorische Plattform für Flüchtlinge der Gesellschaft und der Verurteilung. Wir sind bestrebt, unseren Verbrauchern das beste Produkt anzubieten. Wenn sie glücklich sind, sind unsere Taschen voll.

Keine Ahnung, wie viel davon Quatsch ist, aber ich wäre zumindest mit dem neuen 3-Song Demo recht glücklich, so gesehen ist das auf jeden Fall ein gutes Produkt der Herren von The Resource Network.
Ein bisschen Garage, ein bisschen Indie, ein bisschen Whoopdeedo. Eine schöne neue Version von „Patriotic Pride„, das im Original etwas rauer klingt. Dazu ein Song, der „MFK“ betitelt ist, das muss ja super sein. Und natürlich „The Machine„, der Hit. Ganz cooler Scheiß.

Und weil hier noch Platz übrig ist: Zum Vergleich der Song „Patriotic Pride“ im Original.

Westkust – S/T LP

Ich hab mir nie sonderlich Gedanken zu den Bezeichnungen von verschiedenen Musikgenres gemacht, sondern die einfach immer so angenommen und in meinen Wortschatz eingebaut.
Das verhält sich bei mir ähnlich wie bei Markennamen à la Miracle Whip, Pedigree Pal oder Sunkist, die ich früher einfach als Eigennamen verstanden und dann ebenso im Sprachgebrauch verwendet hab, ohne zu merken, dass es eigentlich englische Begriffe sind. Noch schlimmer: BiFi, ein Produkt, das zwar lautmalerisch an das englische Wort für Rindfleisch erinnert, allerdings ausschließlich für den deutschen Markt produziert wird. Die Liste ist lang…

Daran kann man recht schön zeigen, dass dieses Problem der willenlosen Übernahme von irgendwelchen Bezeichnungen an der frühkindlichen Vermittlung von fremdsprachigen Eigennamen liegt, die man einfach nicht hinterfragt. Und diese Angewohnheit habe zumindest ich einfach weitergeführt – siehe Bezeichnung von Musikgenres…
Das ist mir nur gerade eingefallen, als ich gelesen hab, dass Westkust aus Schweden neben Alternative und Post-Punk auch Shoegaze betreiben. Da hab ich mir nie drüber Gedanken gemacht, was dieses Shoegaze eigentlich ist, wahrscheinlich zum Großteil auch deswegen, weil ich es nie mit großem Eifer gehört hab.

Wusstet ihr das denn, dass man diese Musikrichtung so bezeichnet, weil die Musiker klassischerweise mit geneigtem Kopf deppert und bewegungslos auf der Bühne stehen, um verschiedene Effektgeräte ihrer Instrumente bedienen zu können? Klingt logisch, shoegazing. Wusste ich nicht, jetzt finde ich die Bezeichnung aber großartig.
So wie die Band, um die es hier eigentlich gehen sollte, auch. Westkust haben vor kurzem ihr zweites Album herausgebracht und waren auch kürzlich in Deutschland auf Tour, ich komme also mit allem ein bisschen spät. Dennoch: gute Platte, sehr melodisch und shoegazelig shoegazigierend shoegazig. Leider fehlt ein bisschen der abwechselnde Gesang zwischen Mann und Frau, wie es noch auf dem bereits 4 Jahre alten Debut Album praktiziert wurde. Dennoch: gute Platte.

Fun Fact: Wenn man via Bandcamp ein Album in verschiedenen Variationen verkaufen möchte, muss man für jede Version ein eigenes Produkt anbieten. Das kann schnelle unübersichtlich werden, wenn man knapp 30 unterschiedliche Varianten anbietet, puh…Dennoch: gute Platte!

Dadar – Sick Of Pasta / Calendarize

Ich freu mich aufs Get Lost. Und hoffentlich schaffe ich es schon am Donnerstag nach Hamburg, um die Pre-Party und Dadar zu erleben. Ziemlich schrammelig-poppig-krachiges Zuckerschlecken mit tollen Synthiemelodien aus Rovereto in Italien – also die Band, nicht die Melodien.
Wenn waschechte Italiener „Sick Of Pasta“ sind, was wäre dann eigentlich das deutsche Äquivalent? „Scheiß auf Schnitzel“ oder „Doofer Döner“ oder „Kein Bock auf Pumpernickel„? Egal.

Es gibt auf jeden Fall nächsten Monat eine neue Single der Band (nur ein Typ), wurde wohl auch Zeit, denn die „Sick Of Pasta“ ist bereits 2017 bei Spastic Fantastic erschienen.
Einen neuen Song von der bald kommenden Single darf man netterweise jetzt schon hören und der ist fantastisch. Klingt krachig, poppig und Punk mit Synthie. Ach, das wird ein schönes Wochenende.

Zwei Tage später spielen übrigens Radioactivity. Könnte auch gut werden. Aber es scheint ein konstant hohes Niveau zu sein, wenn man sowas auf der Pre-Party verpulvert…hört mal.

Virvon Varvon – Mind Cancer CS

Lasst euch vom Cover nicht täuschen! Das sieht sehr nach Metal oder D-Beat oder Crust aus, geboten werden allerdings 8 richtig geile Punk/Garage Songs, die mit so viel Energie und Rotz in die Ohren geblasen werden, dass man denken könnte, hier herrscht jugendlich ungestümer Froh- bis Leichtsinn.
Weit gefehlt – hier sind Leute von Black Time, Wake Up Dead und anderen älteren Bands aus England am Start. Die machen das mit Absicht so.

Es ist schon ziemlich fantastisch, wie die Band so viel poppige Melodien in einen derart krachigen Sound verpacken kann, den man sonst nur von Jay Reatard oder anderen Genossen aus Memphis kennt. Hier ist genau die Prise Rohheit drin, die der neuen Amyl and the Sniffers gut gestanden hätte. Voll gut – sollte jemand auf Vinyl machen, ich nehm 5.

Vielen Dank an Lars für den Tipp.

Current Affairs – Buckle Up / Worlds In Crisis 7″

Ich hab gerade noch einmal nachgesehen: es hat 8 Sekunden gedauert, bis ich die Single von Current Affairs gekauft hab. Und jetzt fühle ich mich wie in dieser schrecklichen TV-Sendung, in der man flott auf einen Buzzer drücken muss, wenn einem die Darbietung irgendeiner Sängerin oder eines Künstlers gefällt.
Keine Ahnung, was der Clou an diesem Format ist, ich hab das ja nicht gesehen, aber ich hatte auf einmal diese Assoziation mit dem Scheißdreck von RTL oder Pro7 oder Sat1.
Das hat man dann von dieser impulsiven Handlung, direkt bekomme ich völlig zu Unrecht ein schlechtes Gewissen hinterher geschoben.

Dabei hab ich doch eigentlich etwas Gutes (für die Band/mich) getan. Vielleicht ist mir ja im Hinterkopf die große Zahl der Bands bewusst geworden, deren Kram ich nicht spontan kaufe? Na und? Warum sollte ich ein schlechtes Gewissen entwickeln, wenn ich keine kack Musik kaufe? Manchmal verstehe ich mein Unterbewusstsein nicht. Also immer. Nie. Na, ihr wisst schon.

Ach so. Musik. Ziemlich guter Post-Punk Kram aus Glasgow. Kann man bei dotx3 kaufen oder bei X-Mist.

Grow Grow – Am Kalten Markt LP

Wusstet ihr eigentlich, dass man, wenn der hippe Lifestyle-Scheiß aus Hamburg mit der spießigen Kehrwochen-Romantik Stuttgarts gepaart wird, einen ziemlich exakten Durchschnitts-Berliner erhält?
Tja. Wieder was gelernt. Die Typen von Grow Grow können da ein Lied von singen. Und tuns auch gar nicht mal so schlecht. Zumindest verbinden sie auf ihrem neuen Album die besten Elemente des Stuttgarter Noise mit den ganzen exquisiten Einflüssen von Jens Rachut-Bands.

Heraus kommen 3 bis 8 Minuten Songs, die ein bisschen Shellac, Dackelblut, Fugazi, Oma Hans, Jesus Lizard und Blumen am Arsch der Hölle im Herzen tragen. Also wenn das keine Referenzen sind, mit denen man sich schmücken kann, dann weiß es ich auch nicht.

Die drei Berliner von Grow Grow haben auf jeden Fall seit 10 Jahren ihren Stil der 90er Jahre-Best-of-Gitarre weiterentwickelt und nun ihr zweites sehr gutes Album in limitierter Form veröffentlicht. Schon im April sind die 200 Dinger auf den Markt geworfen worden, aber es gibt bestimmt noch ein paar – die sind mit 18€ ja auch nicht gerade günstig für eine deutsche Platte. Wieso eigentlich? War das Artwork wirklich so teuer?

Interessant. Sollte man sich unbedingt live antun. Vielleicht mit einem Bombay East Gin auf türkischer Minze. Aber nur einer – man muss ja noch mitm Daimler hoim fahra.