Outpatient – Unreality EP CS

Es ist ja schon erstaunlich, wie viele Bands es noch gibt, die eigentlich immer den gleichen alten Kram aus den 90ern oder 80ern kopieren, vermischen und in eine leicht veränderte Form pressen.
Outpatient aus Kamloops in British Coumbia ist so eine davon.
Und ich meine das auch gar nicht mal negativ. Naja, vielleicht ein bisschen ideenlos oder unkreativ, aber ehrlicherweise stoßen mich viele kreative oder innovative Bands eher ab, wie Scooter zum Beispiel.

Das Gute an diesen Bands ist ja, dass die allermeisten davon immerhin irgendwie ganz ok sind und dann hin und wieder mal ein paar aus diesem Mittelmaß emporschießen, um sich einen Platz an der Sonne zu sichern. Outpatient ist so eine davon.

Ihr müsst euch das so vorstellen wie beim Essen. Fünfmal die Woche gibt es bei euch Nudeln uns das stört niemanden und es schmeckt immer naja, aber man wird satt. Passt schon. Und dann gibt es hin und wieder eine Variation, bei der die Soße gelungen ist oder die Nudeln wurden diesmal gekocht oder was weiß ich – auf jeden Fall schmeckt es ab und zu mal richtig gut!

Und so eine Band ist Outpatient. Ein bisschen Off With Their Heads mit einer großen Prise The Muffs und schon ist die poppige Punk Rock Pasta parat.
Erschienen als Kassette (buuuh) bei Dead Broke Rekerds vor ein paar Tagen. Aber auch digital schon seit Januar 2020 sehr gut.

Wenn ich bei euch zu Besuch bin, dann mach bitte keine Farfalle. Das sind die beschissensten Nudeln, die es gibt. Die kann man tatsächlich nur lackieren und sich als Brosche an den Kopf tackern.

Local Drags – Keep Me Glued LP

OK. Ich bin ja nun zum Glück nicht ganz so wunderlich und exzentrisch wie Henry Rollins, der seine Platten in Hauptnahrungsgruppen unterteilt und verschiedene Bands nur in bestimmten Monaten hören kann.
Vielleicht passiert so etwas von ganz allein, wenn man sich vollauf der körperlichen Fitness widmet und Ernährungspyramiden, Essens- und Trainingspläne den Tag bestimmen. Das überträgt sich dann eben in den Rest des Lebens, das versteh ich. Trotzdem bekloppt.

Dennoch, es gibt natürlich auch für mich Platten, die besser im Sommer als im Winter funktionieren oder besser zu Eierlikör und Pizza passen als zu Kaffee und Zahnpasta.
Die neue LP von Local Drags zum Beispiel ist ein wunderbarer Vorbote des kommenden Frühlings, die kann man jetzt schön während der Isolation hören, ohne sich den Kopf zu verrenken und es macht ein bisschen Vorfreude auf die kommenden warmen Tage, an denen man das Haus dann auch nicht verlässt.

Die zweite Platte strahlt ebenso vor poppigem Punk mit Kaugummi wie das Debüt, und mit 10 Songs unter 25 Minuten liefert das Trio aus Springfield, Illinois ein ganz wunderbares Stück Unterhaltung für eine Autofahrt ins Grüne ab.
Erschien gestern bei Stardumb Records.

Ich glaub, zu viel Pop Punk Hören macht schlechte Zähne. Da muss man hin und wieder einen Podcast dazwischen schieben, sonst wird man auch noch dick. Isso

Les Shirley – Fuck it Easy Target

Drei Mädels aus dem schönen Montreal in Quebéc haben sich nach dem Genuss von zu viel Zimt-Whiskey aus Versehen zusammengefunden und kurzerhand eine nette Pop Punk Rock Band gegründet.
Rotzevoll sind sie dann ins Studio getorkelt und kamen mit vier tollen Songs und einem fertigen Minialbum wieder heraus.

Das war vor knapp 2 Jahren und seitdem haben Les Shirley anscheinend den schlimmen Kater überwunden und ein paar neue Songs eingespielt oder aber sich dazu entschlossen, die Reste des fuseligen Gesöffs gemeinsam zu leeren, um an alte Zeiten anzuknüpfen. Was soll man heutzutage auch anderes machen?

Eigentlich wollte ich bloß das neue Stück „Easy Target“ aus diesem Monat vorstellen, aber dann ist mir aufgefallen, dass der ältere Song „Fuck it, I’m in Love“ vom Januar noch ein bissl besser ist. Vielleicht hab ich aber auch zu viel Kokos-Rum getrunken, keine Ahnung. Gefällt mir. Beides.

Sollte man sich eigentlich Sorgen machen, wenn ein Getränkehersteller sein Zeug erst dann los wird, wenn er irgendeinen süßen Scheiß beimengt? Vielleicht muss man akzeptieren, dass der Whiskey oder das Bier einfach kacke sind? Dann füllt den Mist doch in die nächste Charge von Mon Chérie, das merkt doch niemand.

Civic – Future Forecast LP

Seit der letzten Single von den Post Punk Rockern aus Melbourne freu ich mich schon auf die LP. Und jetzt wird sie Realität – endlich neue Lieder. Hurra.

Oh. Es sind ja nur zwei. Hm.
Und der eine war schon auf der Single. Hm.
OK – ein neuer Song von Civic – yeah!

Ich liebe Teaser.

Macht damit, was ihr wollt. Ihr könnt zum Beipsiel das Album schon digital vorbestellen – es kommt am 26. März bei Flightless Records heraus. Oder ihr werft den Jungs mal so richtig Kohle in den Rachen und bestellt die LP auf limitierten „clear vinyl“ vor – die gibt es auch exklusiv nur bei Flightless und davon weltweit „nur“ 1000 Stück. Deswegen auch der Schnapper-Preis von 40 australischen Dollarn, wozu dann natürlich noch der Versand vom anderen Ende der Welt hinzugerechnet werden muss. Aber entweder Du bist Fan oder Du bist ein Poser. Also los.

Ach so. Musik. Geht sehr gut ins Ohr, bleibt da und will tanzen, Bier trinken, rauchen und lauter. Ich freu mich auf die restlichen 10 neuen Songs des etwas redundant betitelten Debüts Future Forecast.

Das schwarze Vinyl kostet im übrigen genauso viel, haha.

Gimic – Demo CS

Tolle Band aus Bristol mit einem sehr guten Demo, das zwar bereits vor einem Jahr digital erschienen ist, aber jetzt erst auf ein analoges Medium mit Verfallsdatum überspielt wurde. Und außerdem hab ich das letztes Jahr übersehen. Tja nun.

Gimic ballern hier 5 Songs in unter 10 Minuten runter und schaffen es in der kurzen Zeit dennoch, einige verspielte Passagen in die Punk Rock Rotzer einzubauen.
Ich glaub, die Sängerin wird gezwungen, durch einen Verzerrer zu singen, weil sie ansonsten eine zu glockenklare Stimme hat und das würde ja das Image der Band konterkarieren. So stimmt aber der Sound – hier kommen eine Prise Bellchicks mit Metalsoli, die Golfdolls mit mehr Speed und ein melodieverliebter Basslauf nach dem anderen á la Dirtgun in die Suppe.

Das Tape ist vor kurzem bei Hollow Life erschienen und in dem Moment, in dem ich das hier diktiere, gibt es nur noch 1. Also hopp, mein werter Leser – schnapp zu.

Die Bands in der Beschreibung gibt es natürlich nicht. Ich bin zu faul.

J. Robbins – Automaticity

Hey, es sind nur zwei Lieder, aber es ist J. fucking Robbins. OK? Wenn der Typ anfängt zu singen, bin ich glücklich.
Hier haben wir eher ein Paar von äh, reiferen Musikstücken, die Ende Januar dieses Jahres aufgenommen wurden und bei denen tatsächlich ein bisschen mit elektronischem Spielzeug herumhantiert wird.

Ich mag den Kerl. Der hat immerhin nicht nur unter anderem bei den sensationellen Jawbox und Burning Airlines gespielt und gesungen, nee der hat auch nebenbei ein paar sehr gute Alben produziert (Against Me!, Promise Ring, Hey Mercedes und die ganze Emo-Schar).

Jüngst auf der Bandcamp Seite erschienen und auch nur digital veröffentlicht. J. Robbins geht immer.

Wer von Euch kann mir ohne zu googlen sagen, wofür das J. bei dem Namen steht? Jürgen? Josef? Jay? Jedochnachause?

Blowers – S/T 12″

Oha. Da kommt aber eine richtig dicke Garage Punk Rock Rakete aus Melbourne angeschossen.

Vielleicht ist das Ding ob der 4-Spur Aufnahme ein bisschen schwach auf der Brust, aber dafür verstecken sich auf der 12″ mehr Ohrwürmer hinter dem Krach als Greg Cartwright je geschrieben hat – und ich liebe den Typen.

Auf dem selbstbetitelten Album pusten die vier Blowers einfach mal die Melodien und den Punk von The Reds zu der Lockerheit und dem Songwriting von Kool & The Gang Bangers in den Gehörgang und spritzen dann noch eine Prise Best Of The Reatards in die Venen. Frisch mit einer Überdosis Rock n‘ Roll versorgt kann man so zu den Songs ganz prima die Wäsche machen oder die Katze anzünden oder eine Bombe auf Deutschland werfen.
Ich will nur noch diese Platte hören, egal was ich mach. Sehr laut, sehr roh und lofi, sehr gut.
Das Debüt Album ist vor ein paar Tagen in Australien bei Spooky Records und in Portugal bei Chaputa Records erschienen.

Apropos Greg Cartwright. Die Reigning Sounds bringen auch gerade ein neues Album heraus, das wird auch prima.

Dackelblut – 25 Jahre „Schützen und Fördern“

Vor 25 Jahren war ich knietief im Hardcore und Emo aus den USA versunken und fand so ziemlich alles andere an Neuerscheinungen mindestens kacke bis langweilig und uninteressant. Das liegt zum Einen natürlich am zarten Alter, in dem ich damals war, aber zum Anderen war auch alles andere kacke.

Punk Rock war schon ein paar Jahre kommerziell erfolgreich, die Musikindustrie hatte sich Green Day, the Offspring, ALL, Jawbox, Bad Religion und zahlreiche andere Bands geschnappt und ich hatte keinerlei Interesse an deren Musik.
Deutsche Bands waren alle irgendwie doof, weil Deutschpunk mit Ausnahmen schon immer ein bisschen zu dumpf und peinlich war. An deutschem Punk hatte ich überhaupt kein Interesse, außer vielleicht an Zorn oder Dawnbreed aber das ist ja nun wirklich was anderes gewesen.

Und so saß ich da selbstgerecht in meinem Keller und lauschte den 10 auserwählten Bands, die meiner würdig waren. Bis zu einem Abend, an dem ich mit einer Kassette konfrontiert wurde, die im Auto eines Kumpels lief. Naja, des älteren Bruders von nem Kumpel – so alt bin ich nun auch wieder nicht.

Und schon beim ersten Hören des Albums in dem rostigen Polo hab ich gemerkt, dass deutscher Punk Rock gar nicht mal so doof sein muss. Ganz im Gegenteil, das klang irgendwie verschroben intelligent und gleichzeitig saucool. Sensationelle Gitarrenmelodien und darüber schräger Gesang mit kreativer Nutzung deutscher Grammatik und Texte mit mehr Tiefe und Inhalt als die faden Geschichten und Gedichte aus meinem Deutschunterricht.
Das sind Dackelblut aus Hamburg!

Was ist mit der Estonia gewesen? Was macht eigentlich Jochen Distelmeyer? Wer macht die Wäsche bei antikapitalistischen Auftragsmördern? Die Texte von Rachut treffen immer genau in die Mitte zwischen den Peinlichkeiten von „kryptischer Kacke“ und der „Auf die Fresse Plumpheit“ – hier werden gute und wichtige Gedanken in persönliche und/oder verrückte Geschichten verpackt. Genial!
Dazu ein schickes Artwork und ein Cover, das dem Namen der Band nicht unähnlich ist – irgendwie ein bisschen seltsam und deswegen auch anziehend und cool. Obendrein noch ein Cover von Funny van Dannen als Sahnehäubchen drauf, das es eigentlich gar nicht gebraucht hätte.

Und ja, auch der ganze Kram, den die beiden (Jens und Andreas) danach gemacht haben, war super. Aber Dackelblut? Für mich die beste deutschsprachige Punk Rock Band mit den besten Geschichten und den besten Gitarrenläufen.

Zur Feier des Jubiläums. Danke, Dackelblut!

Slant – 1집 LP

Haaaaardcooooore!

Wann hat das eigentlich angefangen, dass so ziemlich alles Hardcore sein kann? Seit wann gibt es von allem eine Hardcore Variante? Und was gab es zuerst? Wer hat es erfunden? Pornos oder Musik?
Das XXX findet gleichermaßen im SxE Hardcore und in der Pornografie Verwendung – warum eigentlich? Und was hat das mit Amsterdam zu tun? Und wieso gibt es das korrespondierende Softcore der schmuddeligen Saxophonfilmchen nicht auch als eine Bezeichnung von Musikgenres? Und wie würde sich das dann anhören? Wenn Antitainmentalways hardcore“ sind, ist zum Beispiel ZSK dann Softcore oder einfach nur kacke?

Alles Fragen, denen ich während des Lockdowns ebenfalls nicht nachgehen werde, ha. Dann lieber mal statt Fragen ein paar Antworten posten. Hier, Frage: Hardcore? Antwort: Slant!

Vor ner Woche haben die Verrückten aus Südkorea ihr neues Album bei Iron Lung veröffentlicht und damit höchstwahrscheinlich das beste Album des Genres in diesem Jahr auf Platte gepresst. Ich glaube, die ganzen LPs sind schon ausverkauft, aber was solls, die machen auch digital ziemlichen Lärm und Spaß. Geiler Scheiß.

Ich glaube, die Kornelkirsche hat den härtesten Kern. Der schwimmt nicht in Milch und der geht auch im Wasser unter. Fuck yeah.

Body Maintenance – S/T LP

Darf’s ein bisschen dunkler sein? Die Post/Dark Wave Punks von Body Maintenance aus Melbourne hätten da ein fettes Stück auf dem Grill liegen, das zwar nach der langen Zeit seit dem Demo (2017) fast bis zur Unkenntlichkeit verbrannt ist auf der Spectres Seite, aber dafür im Inneren noch roh blutet und nach Estranged und Bad Doctors schmeckt.

Vielleicht nicht die positivsten Vibes, die da aus den Boxen schwingen, aber was erwartet man auch, wenn man in diesem Alter seinem Körper Wartungsarbeiten unterzieht?
Naja, auf jeden Fall nett von Unwound Records, dass die 6 Songs auch auf einer schönen 12″ Scheibe veröffentlicht wurden und demnächst sogar ihren weiten Weg von Australien bis nach Europa finden. Nehm ich!

Die Band macht mir ein schlechtes Gewissen. Das versteht ihr auch bald, keine Sorge.