Vaguess – Thanks // No Thanks LP

Eigentlich poste ich ja einmal im Jahr etwas Neues zu Vaguess, aber irgendwie ist mir das 2023 ganz knapp vermasselt worden. Dann eben jetzt zu Beginn von 2024 ein neues Album, das dann immerhin direkt auf LP in Deutschland zu erwerben ist. Feine Sache.

Vinny Early zaubert auf der aktuellen LP 10 Songs mit einer Mischung aus postigem Punk, skatigem Pop, surfigem Rock’n’Roll und quietschendem Eiersalat aus der rostigen Werkzeugbox in der Garage und bringt damit nicht nur ein weiteres kalifornisches Sound-Abenteuer auf die Straße, sondern untermalt damit auch meinen täglichen Kampf gegen die schlechte Laune aus den Nachrichten Fröhlichkeit der närrischen Jecken.

Mit Vaguess auf den Ohren ist die Welt nur halb so schlimm. Probierts mal aus. Tolles Album.

Erste Theke Tonträger. Kommt auf Vinyl und ist in Windeseile bei Dir. Viel Erfolg im Karneval.

Hick Tracy – II CS

Hier, was Neues für die ganzen Kassetten-DJs unter euch. Hick Tracy aus Wyoming haben ihr zweites Release auf ner umweltfreundlichen Kassingle veröffentlicht und beweisen damit ihre souverän positive Punk Attitüde zur Wegwerfgesellschaft und ihre sensible Einstellung zur Nachhaltigkeit.

Mit Vinyl Singles aufzulegen kann ich ja verstehen, aber einen Haufen Kassetten im Rucksack zur Party zu schleppen, halte ich für übertrieben ambitioniert. Naja, vielleicht bin ich auch der Szene ein wenig entwachsen und die Leute stellen sich die Plastikdinger nicht einfach nur ins Regal und hören das digital, sondern wechseln tatsächlich alle 2 Minuten den Tonträger.

Zwei Songs in knapp zwei Minuten mit extrem unterhaltsamem Garage Punk Hardcore, der zwar soundtechnisch nicht aus dem schmuddeligen Proberaumkeller herauskommt, aber die Punker mögen es ja eh gerne dreckig, ne? Geiler Scheiß!

Deluxe Bias. Die haben damals das Label mit dem ersten Demo der Band gestartet und seitdem einen Haufen an Müll produziert, der heißer ist als sämtliche Brennstäbe aus den Castortransporten der 90er.

Grazia – In Poor Taste 7″

Power poppiger Garage Punk aus London. Das Duo Grazia hat nichts mit dem gleichnamigen Mode-Magazin zu tun und möchte Dir nicht die derzeit angesagte "Bag" von Frankreichs Straßen verkaufen oder Dir erklären, welche 3 "Candy Düfte" Du kennen musst.

Die beiden entspannten Hipster machen einfach nur ein bisschen Musik zum cool in der S-Bahn herumstehen und drücken mit der angespannten Mischung aus treibenden Bassläufen, Staccato Gitarren, dem tanzbarem Beat und dem gelangweilten Gesang das urbane Lebensgefühl von jungen Großstädtern aus. Ein bisschen gefangen zwischen zu viel Energie und zu viel Müdigkeit, irgendwo zwischen sinnsuchend nach dem letzten durchgetanzten Wochenende in Katerstimmung und in Vorbereitung auf die nächste Party.
Andererseits kann man das auch sehr gut zum Kochen und Staubsaugen hören, wenn man ein alter Vororts-Mensch ist. Wie ihr wollt.

Feel It Records. 4 Songs auf einer Single. 3 verschiedene Farben des Covers. In den Modefarben des Frühlings: Fuschia, Lemon und Green. OK. Kann natürlich sein, dass die Single als Dreingabe der nächsten Ausgabe des Magazins geplant ist, immerhin sprechen sie das gleiche Publikum an. Spannend.

Cruelster – Lost Inside My Mind In Another State of Mind. The Singles Collection LP

Willkommen im Rest des Verstandes von Cruelster, dem grausamsten Punk Rock Quintett aus Cleveland, Ohio. Die taltentiert verrückten Leute von Know-so und Piss Me Off (und anderen Krachmachern) haben inzwischen einen Haufen unübersichtlicher Releases angehäuft und ihren Stil des ähm, angestrunkenen Skaters, der auf dem Kirchenfest wohlerzogene Christen anpöbelt in den letzten 10 Jahren perfektioniert.

Schön, dass man jetzt mal eine ordentliche Sammlung der Stücke parat hat, die man sich auf die Ohren klemmen kann, wenn man zur Karnevalssitzung muss und debil grinsend die Grausamkeiten des biederen Humors still und leise ertragen soll. Das Cover beschreibt die Musik eigentlich ausreichend genug, dafür muss man jetzt nicht Kunstgeschichte studiert haben.

Drunken Sailor Records. Ein paar auf grünem Vinyl, ein paar auf schwarz. Die 23 Songs untermalen einen guten Start in die Woche – von hektisch über verwirrt verwirrend bis zu asozial aggressiv. Toll. Kommt gut durch!

Hellwigs – Raising Hell

Neue Woche, neuer Streik. Jetzt also ein bisschen weniger Nahverkehr, weil die Beschäftigten ein bisschen mehr Lohn haben wollen. Dazu habe ich heute Morgen einen sehr sinnvollen Kommentar seitens der Kommunen gehört. "Wenn sie mehr Geld haben wollen, müssen sie halt länger arbeiten." Ach so. Genial.

Den passenden Soundtrack für die Wartezeit an der Bus- und Bahnhaltestelle liefern Hellwigs aus Saltash im Vereinigten Königreich. Selbstbetitelt als Wrestle Punk mit einer Verehrung für die alten 90er Jahre WWF Zeiten würde ich die Rabauken irgendwo in die Punk’n’Roll-mit-Wichsgitarre-Schublade stecken. Inklusive Sid Vicious O-Ton. Also dem Wrestler, versteht sich. Rockt.

Kommt gut überall an, wenn ihr irgendwo hin wollt. Ich bleib hier und pass auf. Schönes Wochenende!

Corker – Distant Dawn

Irgendwie ist das komisch. Da gehen eine Million Menschen oder mehr auf die Straße, um gegen fremdenfeindliche und diskriminierende Politik zu protestieren, zahlreiche Politiker aus der Regierung nehmen daran klatschend und grinsend teil, aber zugleich wird dann vom Chef gefordert, dass man jetzt doch mal "so richtig" abschieben müsse. Cool.

Und zeitgleich wird ebenfalls von den selben Politikern beschlossen, den Asylbewerbern statt Geld eine Bezahlkarte in die Hand zu drücken, mit der nur noch unter staatlicher Aufsicht konsumiert werden darf. Das soll "die Attraktivität Deutschlands als Migrationsziel" mindern. Ist für mich alles ein bisschen widersprüchlich und ignorant, aber ich bin auch empfindlich. Naja.

Corker aus Cincinnati bringen dieses Jahr ihre zweite LP raus und man kann jetzt schon einmal einen Song davon hören. Auf ein Quintett angewachsen, hört man hier den Druck der sechzig Gitarrenspuren deutlich und die Post Punk Nummer überzeugt durch mehr Punk als Post. Ich hatte die irgendwie düsterer und depressiver in Erinnerung, vielleicht haben sie ja inzwischen zu besseren Drogen gefunden oder das neue Bandmitglied ist ein Bündel der ansteckenden Freude. Steht der Band auf jeden Fall gut, bin gespannt auf den Rest des Albums.

Feel It Records. Kommt dann irgendwann gewiss auf LP.
Bin gespannt, ob diese Demos auch irgendwann als Handlungsempfehlung von tatsächlich besorgten Bürgern verstanden werden und nicht nur als netter Hintergrund für coole PR und Pressefotos dienen. Naja.

Uranium Club – Infants Under The Bulb LP

Die Letzte Generation (alles groß geschrieben) will jetzt in Zukunft Politiker an die Straße kleben und dann mit Suppe oder Öl bewerfen. Das halte ich für einen guten Schritt in der Änderung der Taktik. Uranium Club veröffentlichen Anfang März ein neues Album, pünktlich zur Australien-Tour. Das ist auch klug. Viele intelligente Menschen hier unterwegs. 11 Songs gibt es, einen davon jetzt schon. Der ist auch sehr gut. Top. Weitermachen.

Static Shock Records und Anti Fade. Auf gelbem Vinyl ist die Preorder schon ausverkauft. Aber schwarz ist eh schöner. Hat eigentlich jemand schon einmal kontrolliert, ob jemand von der Letzten Generation (groß geschrieben) breits schwanger ist oder schon Kinder hat? Will ja nicht pingelig sein, aber naja.

VR Sex – Hard Copy LP

Da hat der schrullige Millardär also einem Menschen einen Chip ins Hirn gespflanzt, um ihn mit Twitter, Pardon, X zu verbinden und ähm, live aus dem Krankenbett x-en zu lassen. Oder ähnliches, ich war nicht dabei.
Die computergestütze Augmentierung des Menschen hat begonnen, hurra – ich hab so gerne dieses Spiel damals gespielt – Deus X, bei dem man sich selbst nach Belieben "verbessern" kann. Der Protagonist startet das Spiel mit einem sogenannten "Infolink", mithilfe dessen er kommunizieren kann – also quasi das Gegenstück zu dem nun verpflanzten Chip.

Darauf aufbauen können dann aber recht schnell Muskelmasse, Sehleistung unnd Heilungsprozesse verbessert/erweitert werden. Und naja, Unsichtbarkeit, Schutzschild, blabla, ist ja schließlich ein Spiel. Mal sehen, wann Realität mit Phantasie gleichzieht und die ersten Supersoldaten in Deutschland herumlaufen, die alle wie der stramme Niedersachse Boris aussehen. Sorry, bin ein wenig abgedriftet.

Passend zum Thema eine neue Platte von dem VR Sex Typen, der jetzt 4 Freunde eingeladen hat, um aus dem Projekt eine richtige Band zu kneten. Hat wohl funktioniert. Die L.A. Boys haben sich im Proberaum eingeschlossen und 10 Songs aufgenommen, die auch wieder in die Post Punk Richtung wandern, aber auf dem Weg sehr viel von Synth Pop Punk und Garage aufsammeln, um diesen Spaziergang nicht allzu langweilig werden zu lassen. Beim ersten Song kann man das schon wunderbar hören. Eine Mischung aus Mind Spiders und Shrinkwrap Killers, die sich auf fast 5 Minuten austoben. Sehr cool.

Dais Records. Das Album erscheint erst im März. Bis dahin sind wohl die ersten Lötstellen des Chips bereits verrostet, aber wir sind live dabei und können mitlesen. Cool.

Astrel K – The Foreign Department LP

Ihr kennt das ja inzwischen, dass am Montagmorgen eher seichte Klänge über dieses Ding hier laufen. Das wird auch heute nicht anders, denn Astrel K liefert mit seinem neuen zweiten Album einen wunderbar smoothen Einstieg in die Werktagsdepression, der sich hervorragend als Beruhigungspille für den Start in die Rush Hour eignet.

Man kann zwar erst einmal nur einen Song von den 11 Stücken hören, aber der dauert ja auch epische 4:29 und ist somit ausreichend lang für eine ganze Runde OHM AH HUM Mantra. Hurra. Klingt ein bisschen wie die Musik zu einem Filmabspann, dessen Drehbuch ich noch nicht fertig geschrieben hab. Schön.

Tough Love. Das Album erscheint erst am 08. März, aber dann auch auf LP und CD.

Sex Mex – Cold, Not Cute CS

Fürs Wochenende eine kleine Synth-Punk Pop Perle. Könnt Ihr mit kuscheln, zum Tanzen ausführen oder einfach nur mit Wodka bespritzen und in Speed ausbacken. Keine Ahnung, was ihr so an den freien Tagen macht. Ein Song jetzt, den Rest gibt es Ende Februar. Sex Mex ist King, aber Finger weg von Sonic, Du Penner.

Kann man auf Kassette (5) günstiger kaufen als die digitale Verison (10). Auch schön.
Ich muss am Wochenende alle Kirchen niederbrennen, könnte aber noch Hiilfe gebrauchen. Sagt Bescheid.