Queer Weasel und das Internet

Hat jemand diese Geschichte in Ferguson, Missouri nicht mitbekommen? Kann ich mir gar nicht vorstellen, aber bitte. Die Kurzfassung: Ein schwarzer, unbewaffneter Jugendlicher wird von einem weißen Bullen erschossen. Danach gibt es erstaunlicherweise Proteste gegen Polizeibrutalität und Rassismus und dergleichen. Und natürlich spaltet sich die Öffentlichkeit in den USA in zwei Lager. Klar kann man da jetzt noch 1000 Sachen zu den beiden streitenden Seiten sagen, aber darum gehts mir hier überhaupt nicht.
Interessant und vor allem unterhaltsam empfand ich die Beiträge aus der „Punk Rock Szene“, die begannen, als der Sänger der Queers, Joe, einen Link auf seiner Facebookseite geteilt hat, in dem dazu aufgefordert wurde, den Polizeibeamten, der die tödlichen Schüsse abgegeben hat, zu unterstützen. Das fanden viele, die diesen Eintrag gesehen haben, nicht so cool und warfen ihm dann pfeilschnell Rassismus vor. Und nicht, dass Joe Queer irgendwelche Hilfe bräuchte, sich auf Facebook gegen Rassismusvorwürfe oder dergleichen zu wehren, der labert schon alleine genug Scheiße. Dennoch sprang ihm sein Buddy und allseits beliebter Frontmann der Screeching Weasels bei. Ben Weasel attackierte gewohnt souverän die Kommentatoren auf Joe Queer’s Facebookseite und hat anschließend anscheinend nichts Anderes zu tun, als seinen Namen im Internet zu suchen und alles zu kommentieren und zu beleidigen, was sich kritisch zu ihm äußert. Dass bei Ben Weasel dann ab und zu die Sicherung durchbrennt und er einfach nur unfassbaren Müll erzählt oder seltsame Dinge tut, weiß man ja eigentlich schon. Wie gesagt, sehr unterhaltsam.

Nebengeschichte: Mitch Clem, der von mir hochgeschätzte Comic Zeichner, hatte vor ein paar Tagen ein (von ihm gemaltes) Original Tour Poster von The Queers & Screeching Weasel auf Ebay zu versteigern versucht, diese Auktion aber dann vorzeitig beendet, weil er keinen Bock darauf hatte, dass sich jemand dieses Ding ins Zimmer hängt. Wegen der blöden Kommentare, die die beiden Frontmänner von sich gegeben hatten. Daraufhin wiederum hat Ben Weasel natürlich reagiert. Ach, wie lustig.

Nun hat gestern Joe Steinhardt, der Label Typ von Don Giovanni Records, die beiden Labels Recess und Asian Man Records aufgefordert, sich von den besagten Bands zu distanzieren, die sie derzeit noch vertreiben. Puh. Hier kann man mal lesen, was in dem kompletten Aufruf steht. Und hier ein Auszug:

There is a place in music for shock, and there is a place in art for free speech. But there is also a place in music for calling on others to stop giving power and a voice to people spewing hate speech, and so I am calling on you Recess and Asian Man to do better and disassociate with The Queers and Screeching Weasel.

OK, Joe Steinhardt ist inzwischen wieder zurückgerudert, aber ratet mal, was Ben Weasel dazu gesagt hat!
Komischer Typ, aber unterhaltsam. Die Platten der beiden Bands müssten jetzt auf dem Aktienmarkt doch recht günstig sein, vielleicht solltet Ihr da zuschlagen, wenn Ihr es nicht so mit Politik habt oder darüber hinwegsehen könnt. Ach ja, mensch früher hat man das einfach nicht mitbekommen, ob die Sänger der Bands abseits der Bühne (auch) Arschlöcher waren. Das Internet ist halt auch nicht für jedermann ein Segen. Nicht wahr, Henry?

The Bomb The Music Industry! Story

Dass es diese lustige Truppe um Jeff Rosenstock nicht mehr gibt, hatte ich neulich schon mal erwähnt. Nach 7 Alben und diversen Split Singles haben Bomb The Music Industry am 19. Januar ihr letztes Konzert im Warsaw in Brooklyn gespielt. Da war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand um eine Doku kümmert, die die Geschichte der Band erzählt.
Sara Crow von No Future Films hat sich genau das jetzt zur Aufgabe gemacht. Naja, eigentlich ist das Projekt schon seit längerer Zeit geplant und damals via Kickstarter finanziert worden. Aber jetzt ist das Poster für diese Doku schon mal fertig. Wieder mal ein schickes Ding von Mitch Clem.

Da bin ich ja mal gespannt, ob man diese energiegeladene Atmosphäre, die auf deren Konzerten herrschte, gut einfangen konnte und was die Jungs so für einen Unsinn erzählen. Apropos, ich hab mal vor Jahren ein Interview mit Jeff, Jon und Mike gemacht, da merkt man schon, dass die 3 recht lustig sein konnten. Allerdings sei dazu angemerkt, dass die Band immer nur 8 Wörter für ihre Antwort nutzen durften. Das war halt so…

Und die jungen Leute von heute brauchen ja immer bewegtes Bild, um überhaupt an Irgendetwas Interesse zu zeigen. Daher hier ein kleiner Vorgeschmack.