Ditches – Get Away (Album Teaser)

Es musste ja so kommen. Nach 2 tollen Singles und einem Demo kommt nun das Album von den europäischen Marked Men/Radioactivity Klonen beim Drunken Sailor raus. Meiner Meinung nach ist es ein bisschen übertrieben, dass das Cover frappierende Ähnlichkeiten zu dem "Silent Kill" Album aufweist, aber es ist ja heutzutage auch schwierig, was Eigenständiges zu machen, ne?

Irgendwann im Frühling erscheint das Ding, das die 4 Jungs aus Stockholm tatsächlich bei Jeff Burke aufgenommen haben, um sicherzustellen, dass sich auch beim Sound keine Unterschiede mehr erkennen lassen. Und was soll man sagen?

Hat funktioniert. Tolles Lied, super Melodien, alles richtig gemacht. Da kann man sich auf die LP der Ditches einfach nur freuen. Und das Label ist ja auch nicht verkehrt.

Dadar – To Take Out Or Eat In CS

Obacht, hier kommt zwar nix Neues, aber dafür eine tolle Übersicht über das Gesamtkunstwerk von Dadar. Ihr wisst schon, diese italienische Pop-Synthie-Garage-Punk-Rock-Super-Wunderwaffe, die man auf dem letzten Get Lost hätte sehen können.
Natürlich wäre es mir a) lieber, wenn die Band mal endlich ein paar neue Songs veröffentlichen würde und b) noch lieber, wenn diese Diskographie auch auf Vinyl erhältlich wäre.
Sagt mal ehrlich, hört ihr eigentlich die ganzen Kassetten auch oder stehen die nur als Schmuck in euren Glasvitrinen?

Ach, ich nagel mir das Ding in jedem Format hier an die Wand und hör dann digital mit den Laptopboxen, damit man auch wirklich in den Genuss von lofi kommen kann.

Allerdings müssten wir eigentlich noch klären, was es mit der Band und dem Dauerthema Essen auf sich hat. Erst die "Sick of Pasta" Geschichte und jetzt dieses chinesische Take Out Menü als Cover? Was ist da los im Dadar Land, muss der Herr immer hungrig ins Bett und überhaupt…ob die wohl auch liefern? Hm. Müsste ich mal anrufen.

Keiner da.
Erscheint beim Leipziger Label Lo-Fi Lo-Life und dem italienischen Pendant Budget Living.

Das Das – S/T CS

Stottern ist therapierbar, aber nicht heilbar. Das ist natürlich keine so schöne Erkenntnis, wenn man sich schon beim Bandnamen nicht einmal aus lauter Nervosität über den bestimmten Artikel hinaus artikulieren kann. Und dann nennt man das Album auch noch genauso, sodass ein stammelndes "Das Das Das Das" am Ende herauskommt.

Schwamm drüber, aber sagt mal… gabs da nicht mal einen Film, in dem es auch um so Sprechprobleme eines bekackten Herzogs ging und das dann happy ending hatte? Keine Ahnung, hab ich nicht gesehen.

Die beiden Musiker mit dem lustigen Namen hier kommen aus Berlin und machen lofi Synthie Wave Punk Garage. Es erinnert sehr stark an frühe 80er Jahre, als das von der Band gewählte Medium Kassette noch Standard war für derlei Art von Musik. Man siehe Kassettentäter.
Furchtbar sympathisch und bestimmt live ziemlich cool.

Vor einer Woche veröffentlicht und auf 50 Stück limitiert. Der Grundsatz für das gesamte Konzept könnte hier lauten: weniger ist mehr.

The Tissues – Blue Film LP

Es sind schon wieder zwei Wochen im neuen Jahr rum; in den Regalen der Supermärkte werden die Restbestände der Weihnachtsfressutensilien umgesprüht zu Karnevalsleckerli. Die Tage werden angeblich wieder länger, aber eigentlich sind die Nächte zu kurz. Die anstehende Frühlingsmode löst die im Winter beliebten frei liegenden Teenagerknöchel mit selbst gehäkelten Rollkragenpullundern ab.
Es ist ein bisschen Zeit für Post Punk.

Da würden sich derzeit The Tissues aus Los Angeles anbieten, die jüngst ihr neues Album veröffentlicht haben. Sie selbst beschreiben ihren Sound als inspiriert von Pylon, Siouxsie & the Banshees, The Stooges, Make-Up.
OK.
Dann los.

Ich hör beim Song "Lust Sick" immer nur "lustig lustig". Ha.

Surrender – S/T (UPDATE)

Ach, na endlich. Da haben die Melodien und Harmonien 30 Jahre und länger in den Koksresten der Schulterpolster-Diskothekenklos und im klebrigen Dreck der Schlabberpulli-Jugendzentrentanzflächen geschlummert, um nun ausgerechnet von den talentierten Punk Rockern Scott und Dave ans Tageslicht gekratzt und mit viel Authentizität neu vertont zu werden. Toll.

Man gut, dass die beiden zuvor in so Bands wie The Creeps, Crusades, Black Tower oder Sedatives gespielt haben und damit nicht sonderlich bekannt geworden sind. Einem Mike Ness oder Mike Muir würde man so eine Pop Platte sicherlich nicht abnehmen. Man siehe nur Fat Mike (noch ein Mike, das scheint gerade ein populärer Name in meinem Kopf zu sein) und sein Musical, das ja ziemlich kacke war…wenigstens musikalisch. Vielleicht aber auch nur deswegen, weil man es mit seiner Hauptband vergleicht. Hm.

Naja, es ist doch schön, wenn sich Künstler heute noch so vielseitig verwirklichen können und Genregrenzen sprengen, ohne dabei Glaubwürdigkeit einzubüßen. Könnte aber auch sein, dass es einfach nur ziemlich gut ist, weil es ziemlich gut ist.

Erscheint offiziell am 24. Januar.

[UPDATE]

Das haben die Jungs jetzt wohl auch erst gelesen und die Songs schnell wieder bis zum Release offline genommen…? Müsst ihr mir einfach vertrauen – tolles Album.

Wann kommt das denn auf Platte? Und welcher C-64 Enthusiast macht eigentlich diese Cover?

Big Hits – S/T

Endlich mal wieder was Neues aus Hattiesburg, der kleinen Stadt in Mississippi, aus der auch die großartigen Dee Dee and the Fuzz Coffins kommen und in der augenscheinlich ein ganz besonderer Punk Rock Sound hergestellt wird, auf den die Band hier wohl recht stolz ist – zumindest haben sich Big Hits bei Bandcamp nicht mit ihrem Bandnamen, sondern mit dem Namen der Stadt angemeldet. Puh, langer Satz, erst mal ausruhen.

Die Band heißt also Big Hits und die besteht aus vier strammen bekifften Jungs, die gerne Party machen. Und nebenbei auch ein bisschen Musik, die sich mit Garage und Rock und Fuzz und Punk zu dem Hattiesburg-Sound zusammenmixt.

Sehr kurzweilig und cooles Debüt, auf dem sich tatsächlich ein bekacktes Grateful Dead Cover befindet. Erstaunlich.

Freundlicherweise haben sie auf der Bandcamp Seite auch die Texte abgedruckt. Falls ihr also mal wieder lachen wollt…

I like to party.
Hell yea

Punter – Demo CS

Und schon wieder eine fantastische Band aus Melbourne! Die scheinen ja "on fire" zu sein, da in Australien, haha. Sorry.
Der Sänger Ash Wednesday bezeichnet die Musik von den vier Jungs als einen Versuch, den aktuellen HC aus Melbourne (Scab Eater) mit dem 70er UK Punk Sound zu verschmelzen. Ich weiß ja nicht, ob das jetzt so recht gelungen ist, aber es ist großartiger Punk Rock geworden und das muss ja auch erst einmal reichen.
In Ermangelung von Schubladen würde ich sagen, Punter klingen wie eine Meute von tollwütigen Duracell-Häschen und den Quietsch-Boys. Rock n' Roll, Garage, Pop, Punk und ganz viel Rotz. Wenn die Punk Rock Veröffentlichungen in diesem Jahr diese Qualität halten können, muss man sich ja keine Sorgen machen.

Gemastert vom Husayn Daniel in London, wird das Tape am 10. Januar erscheinen. Cool. Ich warte auf die Platte.

Scooter Jay – Best of 2019

Scooter Jay, ein Typ aus Toronto in Kanada, hat dieses Jahr bereits 3 Veröffentlichungen raus, die ich allesamt nicht aufm Schirm hatte. Naja nun, es ist aber auch schwierig geworden, allen Solokünstlern im englischsprachigen Raum auf den Fersen zu bleiben, die einen 4/4 Takt auf nem Drumcomputer und drei Akkorde beherrschen und damit dann so simplen Kram wie Punk Rock machen. Oder Hard Rock. Oder Garage. Is egal, hat eh alles die gleiche Voreinstellung beim Roland, haha.

"Es ist selten zu früh und niemals zu spät", wusste schon Oma Shumway, dann stelle ich euch die Sachen einfach jetzt noch schnell vor, bevor sich das recht fruchtbare Jahr für den Herrn Jay gen Ende neigt.

Angefangen im August mit Treat me like Leather und 7 Songs unter 11 Minuten wird das Debüt gefolgt von Up all Night im September mit 6 Songs unter 6 Minuten und schließlich mit Ashes of Roses im Dezember dieses Jahres abgerundet, wobei die Songs hier schon etwas länger, ja fast epische Ausmaße annehmen (5 Songs in über 8 Minuten).
Ich würde ja Hard Rock dazu sagen, wenn das nicht so ein schlimmes Genre wäre. Aber so hört sich die Gitarre halt meistens an. Oder vielleicht doch noch mehr Metal? Hm. Im Laufe der drei Releases wird es auf jeden Fall immer weniger Jeff Dahl und immer mehr Midnight ohne die Peinlichkeiten.

Trotzdem oder gerade deswegen hat der ganze Kram einen sehr sympathischen Punk Rock Vibe, der ganz gut zu einem Abend mit Bier, Zigaretten und Strip-Poker passt. Nur mit den Jungs, versteht sich – is ja Hard Rock.

Kann man sich alles kostenlos runterladen. Macht mal – das passt auch gut zum Einkaufen im Biomarkt.

Telegenic Pleasure – S/T LP

Kein Wunder, dass ich erst relativ spät über diese Platte gestolpert bin, wenn der Marco pro Jahr gefühlt zweitausendfünf Platten veröffentlicht. Sei es auf seinem Label No Front Teeth Records oder eben als Sänger bei einer von den siebzehntausenddrei Bands, in denen er mitmischt – von Miscalculations über Cold Callers, Stalin Video und vielen mehr. Wie macht der das eigentlich, wenn er doch so viel mit seinem Instagram Account zu tun hat? Hm.

Bei diesem Projekt arbeitet der Punk aus London auf jeden Fall mit einem anderen Punk aus London zusammen und doch hatten sie nie die Gelegenheit, sich in einem Pub bei einem Pint über die Unterwäsche der Queen zu unterhalten. Erstens trägt die Lisbet nix drunter, und zweitens ist der Partner und das zweite Bandmitglied Rob nicht aus England, sondern stammt aus dem Ontarischen London in Kanada, wo er auch recht umtriebig ist.
Vielleicht erinnert ihr euch, das ist der Rob, von dem ich bis vor kurzem keine Ahnung hatte und der unter anderem bei Mononegatives singt und macht und tut.
Nun also eine Kooperation zwischen den beiden Londonern, die sich irgendwo auf der Welle der Synthpunk Euphorie anzusiedeln versucht, dabei aber auch immer wieder die typischen Songstrukturen aufweist, die man bei vielen Platten von Maro so heraushört. Vielleicht gibt es ja den patentierten Marco Palumbo Sound? Ich meine ihn zu erkennen.

Und damit ist eigentlich alles gesagt. Mögt ihr Miscalculations? Gaggers? The Exit? Oder Cold Callers?
Dann ist das hier was für euch.

Erschien natürlich bei NFT.

The Whiffs – Another Whiff LP

Zum Ende des Jahres noch mal ein bisschen was Versöhnliches, das nicht aneckt, vorhersehbar und aalglatt ist. Und noch dazu ein Album, über das man eigentlich nichts Schlimmes oder Böses sagen kann.

Na gut, außer, dass es aus den angeführten Gründen dann eben recht düdeldidü ist. Es ist aber auch ein recht schönes Düdelü, das the Whiffs aus Kansas City uns da mit ihrem zweiten Album präsentieren, keine Frage.

Eigentlich spielen sie ja bloß PowerPop, aber der weiß durch Anspielungen zu David Bowie, Wire, Beatles oder auch den kanadischen PowerPop Bands à la White Wires zu überzeugen. Und wo beim Debüt noch viel Ramones zu hören war, ist jetzt Platz für ein Best of Düdeldidü aus den letzten 60 Jahren. Warum nicht.

Das Album wurde DIY im Proberaum/Keller aufgenommen und ist wieder bei DIG! Records erschienen. Das ist ja doch auch sehr sympathisch, ne? Vielleicht machen die Jungs einfach alles richtig und das langweilt mich ein bisschen?
Zumindest scheinen sie damit ein bisschen Erfolg zu haben, immerhin supporten sie die Get Up Kids auf deren kurzen Tour in den USA.

Kann man machen.