Brain Peel – S/T CS

Heute ist Sperrmüll hier und ihr glaubt gar nicht, was dieses unfassbar reiche Land so für Sachen einfach wegschmeißt.
Uralte Kommoden & riesige Esstische inklusive thronartiger Bestuhlung, massive Holz-Spiegel und goldene Lüster.
Und das war nur mein Scheiß! Ich brauche Platz im Schuppen.

OK, das war übertrieben. Es waren keine goldenen Kronleuchter, sondern Plastikschreibtischlampen mit Fußballerbildchen aus dem Duplo von 1990. Aber trotzdem. Das hier hab ich zum Beispiel in der hinteren dreckigen Ecke der Garage gefunden. Das ist doch noch gut.

3 junge Menschen aus Philadelphia machen schnörkellosen Garage Punk Rock Krach, der mit tollen Melodien und dem lo-fi Appeal des TEAC A-2340 einen Salut nach Memphis zu den frühen Oblivians sendet. Bei Brain Peel klingt noch der jugendliche Leichtsinn mit, der auch nur bei Garage Punk so richtig gut zur Geltung kommt. Nicht lange nachdenken, Musik aus dem Bauch, bevor das noch zu verspielter Quatsch wird.

Richtig feine 10 Songs, die bereits im Juni erschienen sind, aber jetzt zum ersten Mal auf Kassette bei Fire Hazard Records veröffentlicht wurden.

Dummerweise hab ich beim Nachbarn eine Faxgeräte-Sammlung gefunden und die müllt mir jetzt den Schuppen wieder zu. Aber vertraut mir…Das Fax kommt zurück, wenn die Hipster alle keinen Bock mehr auf diesen digitalen Scheiß haben, sondern lieber wieder was "in der Hand" halten möchten und die Nachrichten strahlen auch mehr Wärme auf Papier aus, etc. Wartet es nur ab!

Thought Control – Shock To The System EP

Oh Mann, ich vermisse Konzerte.

Ich stelle mich beim Musik hören schon abends in die hintere Ecke meines Zimmers, um das Feeling zu bekommen.

Hin und wieder bitte ich die Familie, mir dabei dann ein Bier aufs T-Shirt zu kippen oder mit einem Rucksack auf dem Rücken vor mir hin und her zu wandern. Gerne lege ich mir auch mal eine Broilers Platte auf, damit ich noch mal aus dem Zimmer gehen kann, um erst bei der guten Band wieder reinzukommen.

Kack Zeiten sind das. Aber zum Glück gibt es ja so Bands wie Thought Controooooooooooooooooooooooooooool.
Geiler Scheiß aus New Jersey. Hardcore Punk mit jeder Menge schlechte Laune, die mir gerade gute macht. 5 Songs in irgendwas mit 6 Minuten. Vor 3 Wochen erschienen.

Gestern habe ich die Wäsche für Kinder und Frau zusammengelegt und mich über diesen furchtbaren Merch beschwert. Wird Zeit.

Paranoias – Napalm Springs 7″

Supercoole Garage Surf Punk Rock Sache aus Perth in Australien.
Nach dem tollen Demo aus dem letzten Jahr haben sie endlich mal die Zeit während der Pandemie gefunden, um 5 erstklassige 77er Punk Surf Rock n' Roll Nummern auf eine 7″ Single zu pressen.

Ich muss ja zugeben, dass ich inzwischen ein großer Fan von quiekendem bis schreienden Frauengesang bin. Und das, was die Sängerin Hannah hier auf das rotzige bis verspielte Gitarrengedudel, den nach vorne preschenden Bassläufen und dem scheppernden Krachbeat draufsetzt, ist die leckere kandierte Kirsche auf der Schlagsahne. Im Bierglas – ist ja immerhin noch Punk, ne.

Die neuen Songs von Paranoias haben irgendwie was von Amyl and the Sniffers, wenn die ein bisschen mehr Rotz statt Glam hätten. Gemastert im übrigen von Daniel in London, ihr wisst schon – Qualität!

Kommt Mitte Dezember bei Helta Skelta Records in Australien raus, man sollte vielleicht warten, bis La Vida Es Un Mus die Sachen vorrätig hat (Pleite-Tipp).

Ich glaub, es liegt an dem ständigen Geschrei der Kinder, dass ich das inzwischen auch bei Punk Bands brauche, um bloß nicht mal zur Ruhe zu kommen. Ich sprech da mal mit meinem Therapeuten drüber.

Rolltreppe – S/T CS

So langsam gehen den deutschsprachigen Punkern wohl die Substantive aus, was? Oder man beginnt inzwischen, sich den Namen der Band einfach aus dem Duden zu würfeln.
Anders kann ich mir zumindest gerade den Namen der österreichischen Gruppe Rolltreppe nicht erklären.

Aber vielleicht ist das auch dieser berühmte Wiener Humor? Gibt es den überhaupt? Ich war noch nicht so häufig in Wien, aber wenn, dann waren da meistens alle scheiße gelaunt.
Ach nee, das war ja ich.

Rolltreppe haben auf jeden Fall bereits im September diese ganz feinen 9 Garage Post Punk Rock Songs in die Welt entlassen, die furchtbar gut zu einem mies gelaunten November in Wien taugen.
Teilweise erinnert das sehr stark an Kram aus den 80ern, als man noch "Chaot" als Schimpfwort verstanden hat und sich dann abends bei politischen Diskussionen auf dem WG-Sofa mit billigem Rotwein schläfrig gekifft hat. Andererseits hört es sich dann wieder stark nach Pogo im Jugendkller an. Und über allem schwebt die tolle Stimme von Sängerin Rebecca. Coole Sache.

Leider kaum Dialekt – trotzdem ganz doll zu empfehlen. Kann man auf Kassette kaufen.

Ich bin ja mal gespannt, wann diese pseudocoolen deutschen Bandnamen wieder verschwinden und man sich auf Zahlen/Ziffern verständigt. Einfach mal hunderttausend Bands mit dem Namen Elf. Ha

Nutrition – No E.P. 7″

Zunächst einmal die Klarstellung, dass es sich hier um eine EP handelt, die den Titel "No" trägt. OK? Ich fand das verwirrend.

Ansonsten ist hier alles recht geradlinig und unkompliziert. Großartiger Garage Punk Rock aus Vancouver, der sich ganz offensichtlich auf die Musik (Inhalt) und nicht die Verpackung (Form) konzentriert.

Denn fragt man das für das Cover verantwortliche Bandmitglied nach der Idee dahinter, bekommt man eine recht eindeutige Antwort: "It’s the most miserable cover art I’ve made. There is nothing more depressing than one of those chairs.” – OK!?

Dafür ist die Musik umso äh, lebensfroher. Lebendig, obwohl es so ein totgedudeltes Genre ist. Und froh, obgleich es teilweise so schlechtgelaunt vorgetragen wird.
Die Single erscheint digital am Ende der Woche und auf rotem und schwarzem Vinyl dann ein paar Tage später, glaub ich. Könnt ihr beim Label Neon Waste bestellen.

Ich bin ja ein bisschen stolz darauf, kein Wortspiel mit dem Namen in den Text reingekotzt zu haben.

LK Ultra – You’re Not Gonna Like This

Aus der schönen (?) kleinen Stadt Lawrence in Kansas kommen diese 3 jungen talentierten Pop Indie Punk Rocker, um mal direkt den Namen (LK Ultra) und die Genres grob zu verorten. Für Eure Orientierung. Bitte.

Weiterhin interessant zu wissen ist vielleicht, dass die Band ursprünglich mal MK Ultra hieß und aus einem Girls Rock Camp 2017 hervorgegangen ist, was ich ziemlich beeindruckend finde.
Oftmals hat so etwas ja keine große Halbwertzeit, was in einem Zeltlager entstanden ist. Zumindest ist das meine Erfahrung mit Jasmin, aber das gehört jetzt nicht hier her.

Nachdem es logischerweise zunächst einmal eine Band aus 4 Mädels war, ist LK Ultra inzwischen ein bisschen geschrumpft und mit einem Burschen am Schlagzeug nun erst einmal wieder komplett.
Zumindest hat es für diese 4 Lieder gereicht, die letzten Monat bereits erschienen sind und jede Menge Spaß machen, wenn man auf so eine Mischung aus Joyce Manor, Martha, Jeff Rosenstock und SBDC klarkommt.

Entgegen des Titels gefällt mir das sehr gut. Sollte man im Auge behalten.

Ich hatte ja Leistungskurs Englisch und Erdkunde.

Dummy – EP2 CS

Wrsnggng. Seid ihr auch schon mal am Montag aufgewacht und habt gemerkt, dass die verdammten Drogen vom Wochenende noch nicht ganz aus dem System gewaschen worden sind?
Nein? Ähm…mir auch nicht. Hahaha.
Ist ja auch schon Dienstag, wie ich gerade sehe.
Hm.

Aus unerklärlichen Gründen hab ich auf jeden Fall gerade ziemlich Bock auf Dummy und deren 2. EP, die letzte Woche auf Kassette bei Born Yesterday erschienen ist. Darauf kann man so schöne Stücke wie Nuages oder Pool Dizzy hören, die eine ganz zauberhafte Mixtur aus Ambient Pop und Kraut Rock und irgendeiner komischen Pille sind, die ich beim Renovieren der Küche unter dem Linoleum in einem kleinen Beutel gefunden hab.
Muss was aus den 70ern sein. Also beides jetzt, die Musik aus der Stadt der Engel und das seltsam angenehm taube Gefühl zwischen den Ohren.

Hörts euch an, der erste Song passt auch ganz wunderbar zum heutigen Tag, glaub ich.

Morgen dann wieder Punk Rock, versprochen.

Prospexx – S/T Maxi 12″

So weit ist es also schon gekommen, dass ich mir hier Maxis reinknalle. 12″ Maxis!
Ein Format, das ich nie verstanden hab. Aber ich war ja auch nie Techno DJ bekloppt.

Prospexx aus Singapur zwingen mich aber nun, hier mal eine Ausnahme zu machen und euch ein bisschen Tanzmusik zu servieren.
Also Tanzen im Sinne von Kopf gesenkt halten, einen Schritt vor und einen zurück, Arme angelegt, Hände in die Taschen und lange Haare wachsen lassen und schwarz färben.

Schließlich liefern die Prospexx erstklassigen DarkWave Synthie Post Punk Gedöns ab, der verdammt nach 80er Jahre riecht. Genau genommen duftet es nach 1986, als gerade ein Kernkraftwerk explodiert ist. Ein bisschen düster und Endzeit, aber was soll man auch sonst in diesen Zeiten machen?

3 eigene Nummern und ein Cover von No Hope For The Kids. Sehr cool.
Geiler Scheiß aus Singapur, haben wir ja auch nicht so oft, ne?

Kann man in Frankreich beim Label Symphony of Destruction bestellen. Auf 12″ Maxi. Pft.

Hurula – Jehova LP

Der gute Hurula wird auch immer und immer poppiger, ohne dass ich das scheiße finden kann.

Vielleicht liegt das an der fremden Sprache, die ich nicht verstehe. Könnte ja sein, dass wir es hier mit ganz schlimmer schwedischer Folklore zu tun haben.
Obwohl, was kann da schon Schlimmes besungen werden? Hat Schweden überhaupt irgendeinen dunklen Fleck in seiner Geschichte?
Grübel…Pippi Langstrumpf…Knäckebrot…, Wikinger…, nö. Alles ok soweit.

Außerdem wissen wir ja alle, dass Hans Robert aus dem Punk Rock kommt und in solch feinen Bands wie Vicious, Masshysteri und Regulations mitgespielt hat. Und einmal Punk, immer Punk. Fragt Nina Hagen.

Hier kommt nun also ein neues Album des inzwischen recht erfolgreichen Solokünstlers Hurula. Es trägt den Titel Jehova und ja, Pluspunkte für Deine Assoziation mit Monty Python. 9 poppige bis lasziv rockige Nummern, eigentlich auch nichts Neues mehr aus dem Stall, denn das hat er auch schon ein paar mal so abgeliefert.

Ich mag das. Passt perfekt in die Jahreszeit.
Leider nur YouTube und Spotify und so. Ich vertrau darauf, dass ihr bei Interesse den Rest selber findet.

Hat sich eigentlich schon Stereolab wegen Diebstahls bei Dir gemeldet, Robert? Nein? Kommt noch. 🙂

Civic – Radiant Eye 7″

OK, Boys and Girls. Spitzt die Stiefel an, lackiert die Lederjacken und poliert die Patronengürtel – hier kommen 2 neue Songs von Civic aus Melbourne.

Zwar ist einer der Songs "nur" ein Cover von einem Song der englischen Band The Creation aus dem Jahr 1966, aber insgesamt ist diese Single schon so das Beste, was ich dieses Jahr an Rock Songs gehört habe, zu denen man ganz prima Tretroller oder Kettcar fahren kann.

Das ist halt immer ein bisschen blöd, wenn die Leute da aus Australien jetzt Sommer haben und dementsprechend total antizyklische Lieder raushauen, zu denen man am liebsten mit einem Luftgewehr auf diese komischen gelben Bananen ballern würde, auf denen kreischende Touris von einem Boot über die Wellen gezogen werden.
Gibt es da ein herbstliches Äquivalent? Hm.

Das limitierte rote Vinyl erscheint heute bei Flightless Records in einem hübschen Siebdruck-Karton und kostet dann auch inklusive Versand um die halbe Welt nur 25€, ein Schnapperl sozusagen.

Wir sind ja früher im Herbst auf die leeren Anhänger der Rübentrecker während der Fahrt gesprungen und haben uns auf den rutschigen Herbststraßen durchs Dorf ziehen lassen – Rowdies, die wir waren. Gute Zeiten.