Jetzt, nachdem zum wiederholten Male deutlich wurde, dass wir hier offensichtlich zu doof sind, um den Planeten nachhaltig zu nutzen, hab ich mal ein paar positive Nachrichten mitgebracht. Es ist ja Montag. Man braucht doch auch ein Fünkchen Motivation und Hoffnung, um die nächsten Tage bis zum rettenden Wochenende zu überstehen. Also bitte – 5 Bands mit guter Unterhaltung für jeden Arbeitstag.
Ach so. Wir sind natürlich am Wochenende dennoch komplett im Arsch und die Welt geht noch immer unter und unsere Kinder werden da fürchterlich drunter leiden. Aber immerhin haben wir dann sinnlose Scheiße gemacht, um Bratwurst und Dosenbier kaufen zu können. This is fine.
Vlimmer – Menschenleere CD/CS
Schöne Komposita wie "Schädelhitze", "Zielzweifel" oder "Schwimmhand" laden zum Verweilen ein. Man braucht zwar keinen schwarzen Nagellack für diesen Cold Wave Post Punk Gothic Mix von Vlimmer, aber beim verzweifelten Grübeln über die Existenz und den Sinn des Ganzen sieht das schon glaubwürdiger aus und zudem kann man den Dreck unter den Fingernägeln vom Buddeln auf dem Friedhof so nicht sehen. Blackjack Illuminist Records.
Bothers – II LP
Darauf habe ich mich gefreut – das zweite Album von Bothers aus Portland ist endlich da. Bester Hardcore Post Punk mit Hymnencharakter und Metalchören. Zu verspielt, um peinlich zu sein. Zu aggro, um weichgespült zu sein. Wenn man sich morgens um 5 im Regionalexpress von Passau nach München auf die Arbeitswoche einschießen will, ist das hier die beste musikalische und seelische Unterstützung. OK, man kündigt dann zwar und kackt dem Chef auf den Schreibtisch, aber das ist von Zeit zu Zeit auch besser so. Dirt Cult Records.
Clean Cut Kid – Hiss LP/CD
Einfach Gitarrenpop. Sehr eingängig und dudeldum plätschert das bereits vierte Album von Clean Cut Kid vor sich hin und ähnelt in der angenehmen Leichtigkeit an den Soundtrack zu High Fidelity, auf dem sich ebenso gitarrenpopverliebte Songs tummelten und niemandem etwas zu Leide tun konnten. Passt vielleicht einfach in die Entschleunigung zum Ende des Jahres, wenn ihr dafür Zeit findet. Alcopop! Records.
cool sorcery – Intergalactic Void Boys CS
Aggressiv poppiger Synth Punk aus Brasilien. Sehr cool und eingängig. Konnte mir die 5 Songs jetzt dreimal hintereinander mit Freude anhören und hab es dennoch nicht geschafft, die Finger so zu verbiegen wie die Jungs von cool sorcery auf dem Cover. Ich bin einfach nicht ghetto genug. Empfehlung des Hauses für alle, die ihren Synth Punk dreckig brauchen. Syf Records.
Nohz – Demo CS
Für alle, die ihren Hardcore Punk gerne schwarz/weiss mögen. Nohz bieten hier auf dem 7-Song-Demo eigentlich alles, was das Hardcore Herz begehrt. Geballer, Gedudel, Gitarren und Geschrei. Und oben drauf noch ein bisschen Grunzen, wenn man noch Luft hat. Urticaria Records, Dans Le Vide und Dirty Slap Records.
Ein neues Album von Postage mit neun Songs, die wohl beweisen sollen, dass Mike, Chris, Tyler & Jasmine zum College gegangen sind und dort Latein gelernt haben. Oder Griechisch? Hm, zumindest tragen alle Songs das Suffix "-ia" und das ist doch schon mal ein schönes Konzept für ein Album.
Habt ihr das mitbekommen, dass Gelsenkirchen den sogenannten Schrottimmobilien den Kampf angesagt hat und diese nach und nach aus dem Stadtbild verschwinden sollen? Ich weiß, das ist ein billiger Kalauer, aber ernsthaft: gibt es die Stadt dann überhaupt noch? Habt ihr mal ne Bildersuche nach Gelesenkirchen gemacht?
Oh. Mein neuer Stern am Himmel des Punk Rocks. Atom Tan aus Indianapolis erfinden hier nicht das Rad neu, aber sie verbessern es! Die vier jungen Leute nehmen einfach alles mit, was die Szene in den letzten 45 Jahren so an Punk Rock Spielereien ausgekotzt hat und matschen sich damit einen wunderbaren Haufen aus energetischem Rock’n’Roll, der einfach sehr inspiriert wirkt und niemals langweilig wird.
Ich befinde mich hier mitten in einem Kulturkampf. Eigentlich würde ich ja heute, am Martinstag, von Tür zu Tür klingeln und den Nachbarn Schläge androhen, wenn sie mir nichts Süßes geben.
Hab ich ADHS?
Die Finanz-Hippies aus Portland mit ihrer Null-Prozent-Regelung haben bei ihrem wöchentlichen Haschisch-Test aus Versehen ein Album aufgenommen. Somit auch nicht weiter verwunderlich, dass hier von einer musikalischen Huldigung der 60er bis zu weirdem Eier-Kram aus der Neuzeit-Renaissance der Synthesizer auf dem Plattenteller gelandet sind.