MSS France – V 10″

Es gibt tatsächlich noch Leute, die eine 10″ Vinyl Scheibe herausbringen. Hoffentlich haben die bedacht, dass es keine Leute mehr gibt, die 10″ Vinyl Scheiben kaufen?

MSS France aus Paris haben es zumindest geschafft, dass diese zehn Zoll auf beiden Seiten mit guter Unterhaltung vollgequetscht wurden.
Hier kann man ganz wunderbar gelungenen Punk Rock Schrägstrich Hardcore der melodiösen Art hören, der zum Glück nicht in irgendeine peinliche Prollo-Scheiße abdriftet und ganz fantastisch zum besinnlichen Weihnachtsfest oder Chanukka passt.

Die EP erschien letzte Woche in der Stadt der Liebe und wenn ihr schnell seid, dann kommt das Teil auch noch pünktlich zum Fest der Liebe. Boah, so viel Liebe. Toll.

Lasst Euch doch heute einfach mal zur Abwechslung auf Französisch anschreien. Manche Leute behaupten ja, das sei die Sprache der Liebe.

S.G.A.T.V. – Don’t Talk To Me CS

Na endlich mal wieder ein Solokünstler, der mit Synthie und schlechtem Akzent Punk Rock aus dem Schlafzimmer zaubert. Ich mag das.

Dieses Mal kommt der verzerrt-tanzbare Zappelkram aus der Schweiz von einem Typen mit kranken Gitarren und Terrorvisionen. Füher hätte man sowas wie S.G.A.T.V. bei den Eidgenossen ja weggesperrt, wenn ich den Asterix Band kulturhistorisch richtig deute, aber vielleicht sollte man seine geopolitische Bildung auch nicht ausschließlich Herrn Goscinny überlassen. Egal.

Geiler Scheiß aus Winterthur. Erschien gestern bei AuGeil Records (toller Name!) und kann man sich für 10 Schweizer Franken in die Vitrine stellen.

Ich weiß bis heute den Umrechnungskurs für die scheiß Franken nicht. Musste ich früher auch bei Aktenzeichen XY ungelöst immer Papa fragen, wie viel Belohnung in D-Mark denn Herr Toenz nun für sachdienliche Hinweise eigentlich bezahlen wollte.

Teenage Woman – S/T 5″

Achtung, Pop Punk.
Hin und wieder esse ich eine Tube Kinderzahnpasta und höre infantile Popmusik mit verzerrten Gitarren. Heute war so ein Tag.

Und ihr dürft daran teilhaben, weil ich den "Werbetext" zu dem Produkt, was Teenage Woman hier anbieten, so gut fand. Die äh, Single (?) ist Ende November erschienen und bietet ganz feine 3 kurzweilige Pop Punk Nummern, aber das hab ich ja schon erwähnt.

Double-sided 5″ lathe limited to 25 (11 USD)
You don’t want to buy this. This will be the dumbest record you own. It probably won’t sound as good as these mp3s and you’ll be lucky if your turntable even plays it. It will drive you crazy and make you miss your $11 terribly. Maybe I’ll make some packaging for it, maybe not. This is going to suck, do not buy this. This is only for the refined pop punk collectors and connoisseurs. Also you won’t get your record til I’m gonna say February to be safe. You’re really going to buy this? You’re kind of a moron.

Ich hab zwei bestellt, wer möchte eine?

Sweet Reaper – Sidekick LP

Nanu, da kommt aber unverhofft schnell Nachschub vom Reaper. Ich hab gerade erst die Texte und Tanzschritte vom ersten Album auswendig gelernt, da wird schon wieder neuer Zucker in eine formschöne 12″ Vinylscheibe gepresst.
Wie zu erwarten, ist auch diese Platte voll von tollen Melodien und kommt inklusive der Atmosphäre, die an die Leichtigkeit der Westküste Amerikas erinnert.
Kein Wunder, wenn die drei Leute der Band sich doch ausdrücklich für Ventura und gegen L.A. entschieden haben. Für den Strand und gegen die Großstadt. Für das Bier auf der Porch und gegen das Crack in der Gosse. Für das Lagerfeuer im Garten und gegen das brennende Ölfass vor dem Liquor Store. Ja, und das hört man.

Auch jetzt wieder erscheinen die 10 poppigen Garage Perlen bei dem Berliner Alien Snatch und ich glaube, damit hat das Label auch dieses Jahr gewonnen. Glückwunsch.

Fun Fact: Sweet Reaper haben sich benannt nach einem Tattoo des Gitarristen und Sängers, Seth Petterson, das einen Sensenmann zeigt. Er stand wohl in einer Schlange im Liquor Store und hinter ihm hat ein Typ nur gemeint, "Hey Man. Sweet Reaper!"

Shrinkwrap Killers – Feral Rats Have Become Our Only Pets LP

Es passt einfach sehr gut in dieses bekackte 2020, dass die Shrinkwrap Killers mit "Feral Rats…" bereits ihr drittes (!) Release dieses Jahr veröffentlichen.
Einen besseren Soundtrack als diese düsteren Garage Synthie Punk Nummern wird man wohl für die ewig währende Isolation und den allgemeinen maladen Geisteszustand nicht finden können.

Nach der brillanten Single "Stolen Electronics…" im März auf Iron Lung Records und der Platte "Parents + F.B.I. …" auf Rockstar Records im Sommer wird nun bereits zum dritten Mal der Hit-Song von dem Ein-Mann-Projekt auf Vinyl gepresst. Denn "Stolen Electronics…" ist tatsächlich auf dieser neuen LP ebenso vertreten, wie auch als hidden Track auf dem letzten Album bei Rockstar (wenn auch auf Deutsch).
Das stört allerdings überhaupt nicht – ist halt ein richtig guter Song und offensichtlich passen mehr geklaute Elektronikartikel in den Arsch, als man zunächst angenommen hatte, haha.

Die Platte erschien am Freitag offiziell bei Iron Lung und ist in limitierter Version bereits ausverkauft. Vielleicht schaffen es ein paar schwarze Platten ja über den Ozean, ma sehen, ne? Ich nehm eine.

Also – für die letzten paar Wochen noch mal ein bisschen Endzeitstimmung – danach machen wir mit dem wirklich depressivem Kram weiter.

Erquickendes Zitat von der Platte noch zum Schluss: "Death is the only Exit." Bin mir da gar nicht mehr so sicher…

Various Artists – Solidarity! – The Second Wave

OK. Ich hab mich umentschlossen und schreibe ab jetzt nur noch über Compilations. Es hat keinen Zweck. In den letzten Wochen sind einfach zu viele gute Sampler erschienen; das kann man nicht ignorieren.
Also gut, kann ich schon, aber ihr würdet dann so viele tolle Bands auf einem Haufen verpassen und außerdem sollt ihr hierfür Geld ausgeben!

Ich mein, auf dem Soli-Sampler für einen Club in Köln von Mort Clique Shows sind so tolle Sachen wie Küken, Alien Nosejob, Kool and the Gang Bangers, Mitraille, Stiff Richards, Zero Zeros, Ausmuteants und und und vertreten. Hallo? Das ist ja quasi ein best of Manierenversagen, haha.

Also los, Weihnachtsgeld gezückt, 5 Mark in die Spendendose und dafür 39 Songs (!) erhalten. Dafür bekommt ihr ein gutes Gewissen und richtig viele tolle Songs aus Punk Rock, Garage, Synthiepunk und Power Pop.

Ich vermisse die Shows in Köln. Nirgendwo hab ich je gelangweilteres, arroganteres und desinteressierteres Publikum auf Punk Konzerten erlebt. Gute Zeiten.

Real People – Life Without A Head CS

Streng genommen könnte man anhand der Überschrift oder Schlagzeile schon vermuten, woher diese Band stammt.
Denn wann immer es ein bissl äh, seltsam in den Staaten zugeht und ein Knilch einen Alligator durch ein Drive-Thru Fenster wirft oder ein anderer Typ auf der Flucht vor der Polizei eine kurze Pause einlegt, um sich mit einer geklauten Capri-Sonne zu erfrischen, weil ihn das Crack rauchen so durstig macht, dann handelt es sich immer um einen Mann aus Florida.

Dieser Staat scheint Vollidioten magisch anzuziehen oder auch ganz schlimmes Trinkwasser zu haben, das unglaublich blöd macht.
OK, nun wisst ihr auch, wo die Real People herkommen und wo sich diese "echten Menschen" über ein "Leben ohne Kopf" gegenseitig austauschen. In Hollywood, Florida!

Glücklicherweise hat sich die Band nichts von diesem Ausnahmetalent ihrer Landsleute angeeignet. Zumindest lassen sie es sich noch nicht anmerken und bis jetzt spricht auch die Musik für sie – hier kann man 7 Minuten tollen Garage Punk hören, der hin und wieder in Hardcore abdriftet. Und dafür muss man ja bekanntlich voll auf Zack sein. Dann entstehen auch tolle Melodien, gepaart mit geilem Scheppern und rotziger Gitarrenarbeit. Und dann landet man auch nicht im Knast, sondern auf Slovenly Records.
Letzte Woche erschienen. Cooler Scheiß aus Hollywood (FL).

Ich mein, die Deppen haben probiert, mit ihren Handfeuerwaffen und Gewehren den Hurrikan zu äh, erschießen? Puh, klingt wie eine ziemlich große offene Anstalt, dieses Florida.

Manuela Iwansson – Blank Surface Video

Die gute Manuela Iwansson, ehemals Frontfrau von den genialen Terrible Feelings, hat ja bereits vor zwei Jahren ihr Solodebüt abgegeben und dafür auch relativ anständige Noten bekommen. Ich hab das damals als ein bisschen zu sehr in den 80’s verortet, aber was weiß ich denn schon von Musik?

Auf jeden Fall ist letztes Jahr dann eine Single mit zwei neuen Songs erschienen, auf der sie den Weg konsequent weitergeht. Und vor ein paar Tagen kam nun ein passendes Video zu einem der Songs auf der Single heraus.

Ähm, sehr unterhaltsam? Seht selbst.

The Dirts – S/T

Wisst ihr, was mir in den letzten Monaten aufgefallen ist? Punk is nicht nur not dead, sondern auch verdammt noch mal nicht totzukriegen.
Jedenfalls auch nicht durch eine Pandemie. Punk ist derzeit ein Zombie im Wachkoma. Keine Konzerte, keine Touren und keine Festivals und trotzdem kommen jeden Tag verdammt viele gute neue Sachen raus. Naja, ok. Zumindest eine oder zwei selbstproduzierte Alben, die nicht kacke sind – immerhin.

Eines davon ist gestern bei Helvete’s Kitchen Records erschienen und stammt von unseren lo-fi Garage Punker Freunden the Dirts aus Schweden. Und was soll man sagen? Schön krachiger melodienfuzzgaragepunkiger 4-Spur Spaß, wie man das eben von der Band auch gewohnt ist. Wer das Demo mochte, wird auch dies hier leiden können, denn da sind fast die gleichen Songs drauf, haha.
OK, noch einmal neu eingespielt und leicht verändert – zum Beispiel wird "Heart’s So Full (Of Hate For You)" von knapp 3 Minuten auf 5 Minuten verlängert, damit man auch auf eine Gesamtspielzeit von 20 Minuten kommt.
Kann man so machen.

Was mir noch aufgefallen ist: ich wohne jetzt in einem Bundesland, in dem es ok ist, eine Nahrung (Schupfnudeln) "Bubespitzle" nach einem "Knabenpenis" zu benennen. Tja.

Various Artists – Killed By Meth #5 LP

Da hab ich neulich noch drauf hingewiesen, wie wenig Beachtung ich eigentlich Samplern und Compilations schenke, um dann direkt hier noch einmal eine Ausnahme zu machen. Pfft, der Typ wird auch immer unglaubwürdiger.

Naja, immerhin hab ich euch die ersten 4 Nummern von der feinen Reihe Killed By Meth erspart und steige hier direkt mit Ausgabe #5 an. Weil da auch mal wieder Bands vertreten sind, die ich sowieso mag und die ihr ja auch schon kennt.
Solch feine Leute wie Mononegatives, Archaeas oder Erik Nervous haben hier neue Songs beigesteuert und das muss dann ja gut sein. Das klingt dann alles ein bisschen nach GarageWavePunkEierkuchen.

Ziemlich unterhaltsam. Am besten, man kauft von jeder Ausgabe eine LP und kann damit dann 3 Stunden Hits aneinanderreihen. Schon ist man der geilste DJ auf der Scheunenparty in Rötzum. Geiler Scheiß von It’s Trash Records aus Kanada.

Der Song "Killed By Death" von Motörhead klingt noch besser, wenn man ihn 5 Prozent schneller abspielt. Pitchen nennen das die erprobten Dorfdisco DJs. Probierts aus.