Cave People – Wind Burn CS

Tür Nummer 24. Bis hierhin und nicht weiter! Bei uns feiert man jetzt Weihnachten und ist gefälligst gemütlich und entspannt und fröhlich, verdammte Scheisse.
Also bitte – genießt eure Zeit mit Freunden und Familie und den Höhlenmenschen hier, die schon vor Ewigkeiten dieses entspannte und gemütliche und fröhliche Album veröffentlicht haben.

Cave People. Pop im Indieschlafrock. Alles Gute!

Disposable America.

Shitty Limits – Limits To Growth 7″

Hinter der Tür mit der Nummer 23 versteckt sich drei Wochen alter Hardcore Punk. Der muss ja auch immer ein bisschen im stillen Kämmerlein reifen, bevor man den genießen kann, nech.

Die Recken von Shitty Life aus Parma wissen inzwischen schon ganz gut, wie man diese perfekte Mischung aus abgehackten, leicht angezerrten Gitarrenriffs und dem Geschrei der Marke Dean Dirg mit dem dem ultra-energetischem Schlagzeug/Bass-Zusammenspiel der Marke Dadar kombiniert, um dann eine komplett eigenständige Hardcore Rock’n’Roll Maschine auf die Bühne zu stellen. Ich weiß noch, dass die mich 2019 auf dem Get Lost Fest ganz schön zerlegt haben. Und die können das immer noch. Hier folgt ein weiterer Beweis.

Mit "Limits To Growth" erhält man eine fantastische 7″ mit 7 Liedern in knapp 11 Minuten, die ganz wunderbar zu einem Ausflug zu den schimmeligen Verwandten an Weihnachten passen, wenn man denn seine Kopfhörer dabei hat. Das schmeckt gut zu Eierlikör und Kartoffelsalat mit Schinken (Parma, natürlich).

11 PM Records.

Jenny Don’t & The Spurs – California Cowboy / Mr. Fire Eyes 7″

Türchen Nummer 22 läutet so langsam den Urlaub rund um Weihnachten ein. Klingeling. Vielleicht auch einfach deswegen, weil es am Türchen wortwörtlich den ganzen Tag klingelt und der DHL Mensch Pakete bringt und der DPD Mensch Pakete bringt und der Hermes Mensch Pakete bringt und der UPS Mensch Pakete bringt.

Und das sind dann nicht mal Geschenke für mich – ich nehm den ganzen Tag Post für die Nachbarschaft an. Ihr glaubt ja nicht, was die so alles bestellen. Da sind Sachen drin – von äh, Hygienartikeln mit eingebauter Orgasmusgarantie bis zu Kobolden aus Skandinavien, Gebäck aus der sächsischen Skinhead Schweiz und eine ausgestopfte Seewespe aus Australien.

Apropos. Die großartigen Jenny Don’t & The Spurs haben unlängst diesen Kontinent besucht und eine Tour gespielt, für die sie zuvor noch eine nette Single aufgenommen haben. Und ich glaube, das könnten die letzten Aufnahmen von dem fantastischen Sam Henry gewesen sein. Das alleine wäre eigentlich schon ein Grund, sich diese 7″ ins Zimmer zu nageln, aber die Single ist leider bereits ausverkauft.

Vielleicht fragt Ihr die Outlaw Cowpunk Country/Western Helden aus Portland einfach demnächst mal, ob sie da was nachpressen. Die kommen nämlich im nächsten Jahr nach Europa und auch in Deine Stadt. Also in meine beiden Städte auf jeden Fall. Da freu ich mich.

Wie, Postgeheimnis?

Gorilla Knifefight – This Knife Wins The Fight CS

Habt Ihr das eigentlich mitbekommen, dass wir auf diesem Planeten jetzt ein Abkommen haben, um die Artenvielfalt zu schützen? Toll, oder? Das bedeutet ungefähr genauso viel wie ein Abkommen zum Klima, das man beschließt und dann wichtigere Sachen findet, die es zu tun gibt.
Also warten wir mal ab, ob sich hier der naturverbundene Mensch zeigt oder ob das dem Shareholder-Value im Weg steht.
Nicht unverwandt hier eine andere Warnung. Achtung: Hinter der Tür Nummer 21 wartet ein wildgewordener Gorilla mit einem Messer auf Opfer und springt bei der nächstbesten Gelegenheit auf alle Poser drauf. Ach, Ihr kennt Euch schon? Na gut, ich hab Euch aber gewarnt, ne.

Mit der neuen Veröffentlichung hat der Solo-Affenkünstler von Gorilla Knifefight auf jeden Fall wieder einmal 8 großartige Garage Punk Knaller abgeliefert, die gerade einmal die 8 Minuten-Marke mit großem Scheppern durchbrechen und auf eine Wiederholung warten. Stolzer Midwestern Punk, falls es so etwas gibt – ich finde ja, das klingt irgendwie nach den Angry Samoans, wenn die mehr Speed genommen und den Drummer herausgeschmissen hätten. Geiler Scheiß.

Wenn sich für die Einhaltung des Abkommens dann in 5 Jahren die ersten mit Messern bewaffneten Gorillas auf deutschen Straßen festkleben, will ich mal sehen, ob diese Strategie nicht doch zielführender sein kann, als ein Plakat in die Luft zu strecken.

Futura – V CS

Tür Nummer 20. Hier verstecken sich die 4 Bilingualisten aus Los Angeles von Futura mit ihrem 5. Release. Offensichtlich sind ihnen inzwischen die Namen oder die Kreativität ausgegangen, da die 4-Song-Kassette einfach nur den Titel "V" trägt. Soll bestimmt eine römische Zahl sein, da ist ja noch niemand drauf gekommen!
Ich bin aber auch gegen Ende des Jahres ein bisschen müde und einfallslos. Andererseits, die Band hat sich vor 5 Jahren bereits diesen äh, kreativen Namen gegeben und macht eher so anachronistischen Sound. Vielleicht ist das doch ein chronisches Problem bei denen mit der Kreativität. Ach, egal.

Laut, wild & schnell – geiler Scheiß zum Wachwerden. Kommt im nächsten Jahr auf Kassette raus, gibt’s jetzt schon digital. "I don’t wanna hear it" ist kein Cover.

Brainwasher Records. Ob sich die Millions Of Dead Cops schon einmal Gedanken darüber gemacht haben, ihren Bandnamen aus den römischen Zahlen in Dezimalzahlen zu übersetzen und so eine LP ins Plattenladenregal zu stellen? "1600Famine again"

Black Boys On Moped – Do I Love You (More Than A Pizza)?

Das 19. Türchen wirft existenzielle Fragen auf. Berechtigt an einem Montagmorgen. Do I Love You More Than A Pizza? Hmm, meinen Chef? Meine Arbeit? Mein Spiegelbild? Das muss schon ne schlechte Pizza sein, die diese Duelle verliert.
OK, die beiden Franzosen aus Rennes haben mit Black Boys On Moped zwei neue Songs in die Welt gekotzt, für die sie lediglich 4 Jahre benötigt haben. OK, es war Pandemie und so, oder ist das noch? Hm.
Immer noch scheppernder Rock’n’Roll mit Garage Punk Geschmack – ich mag die.

Schlimmste Pizza war mal früher, als Essen eigentlich nur notwendiges Übel war, um weiter Maniac Mansion zu spielen. Frisch in der Mikrowelle angetaut und dort auch mit Scheiblettenkäse überbacken. Bringt Dich nach vorne!

Bikini Beach – Appetizer LP

Heute ist der 4. Advent und das 18. Türchen darf geöffnet werden. Oder umgekehrt. Brr. Zu kalt zum Nachdenken. Schnell, ab an den Strand und Appetizer naschen.
Die Band Bikini Beach aus Konstanz veröffentlicht im nächsten Jahr auch schon ihr 4. oder 5. Album und das klingt nicht großartig anders als die bisherigen Fuzz’n’Grunge Punk Platten von denen. Also immer noch großartig für Fans von tanzbarer Gitarrenmusik mit abwechselndem Gesang, einprägsamen Melodien und Bikins und Strand. Hübsch.

La Pochette Surprise Records. Bei dem Tatort hat mich immer gestört, dass die Protagonisten kein bisschen Dialekt gesprochen haben, außer beim Ortsnamen. "Konschtanz". Ach so, naja, und meistens war auch die Handlung belangloser Mist.

Sex Hater – Psych Ward Dropouts CS

Tür Nummer 17 – noch eine Woche bis Heiligabend. Heute Abend könnt Ihr spätestens sämtliche Weihnachtsfeiern durch die Lokale und Kneipen torkeln sehen, bei denen sich lustig angezogene Männer im "Weihnachtsanzug" ein bisschen zu eng an ihre Kolleginnen lehnen und Bürozärtlichkeiten lallend zu flüstern versuchen.

"Du bisss dess bessssde und hübschschsssesdesdes Määädchennn vonnne Abdeilunnnggngggn, hicks. Wissu mal meinnn Chrissbaumständaa sehn, harrhaarrrr?"
Cool.

Ansonsten hab ich euch Sex Hater in den Kalender gepackt. Warum? Nun, genießt ihr das nicht auch, wenn man eine Gänsehaut vom Klang des Gesangs bekommt und die Stimme sich wie eine Schar von Engeln im Gehörgang auf Watte bettet? Wenn man offensichtlich die gesamte Band und Musik einzig und allein zur Untermalung des Gesangs zusammengeklöppelt hat und Gitarrenmelodien nur als schmückendes Beiwerk dient? OK, dann hört halt heute mal Kate Bush, oder was man dann so hört.

Hier ist die Sängerin aus der Hustenfabrikabteilung der Irrenanstalt heraus gecastet worden und ihr wurde dann obendrein noch eine 24-7-Whisky- und Zigarren-Diät verordnet, damit das Reibeisen nicht zu glatt grunzt. Zur Optimierung des Klangbilds singt sie dann auch direkt in den Bassverstärker. Geiler Scheiß aus Kansas City.

Limitierte Kassette kommt nun Dirtbag Distro, die digitale Version ist schon ein Monat alt. Auf meiner Weihnachtsfeier heute Abend gibt es voraussichtlich Gemüsesuppe mit Ingwertee – Party!

Peppy Pep Pepper – Decline LP

Hinter Tür Nummer 16 verbirgt sich ein Pendel, das vom gestrigen Hardcore heftig angeschubst wurde, nun zurückschwingt und im Begriff ist, Euch mit voller Wucht einen Synth-Pop Abdruck ins Gesicht zu kleben.

>Boing<

Zu Spät. Hier ist Peppy Pep Pepper, die Künstlerin namnes
Violet Candide, die bereits bei Violetiger und Mitra Mitra ähnliche Musik abgeliefert hat. Aber dieses Mal ist die gute Wienerin alleine unterwegs und veröffentlich demnächst das erste Solo-Album mit zehn melancholisch bis düsteren Synth-Pop-Nummern. Zumindest klingen die beiden Songs, die man vorab schon einmal hören darf, nicht so unglaublich animierend (ich schreib das hier aus der Vergangenheit).

Ich käme nicht auf die Idee, mir eine Handvoll Koks ins Gesicht zu werfen und Paaaaarty zu machen bei den Klängen. Aber was weiß ich schon. Man braucht ja auch den Soundtrack für die schwarz gekleideten Discointeressierten, die mit hängenden Köpfen zwei Schritte vorwärts und rückwärts "tanzen".

Kommt bei Modern Tapes auf Vinyl heraus (!). Digital erscheint das Album heute. Der Künstlername macht mich fertig – das klingt entweder wie eine wilde Kinderparty mit Hüpfburg und Clown oder ein Bauchladen auf nem illegalen Rave, wo man sich gebrauchte Spritzen ausleihen kann.

Schwach – Kälter LP

Tür Nummer 15. Wie häufig hatten wir hier eigentlich schon deutschsprachigen Hardcore? Also so echter Posi-HC, Youth Crew Style mit Kreuzen auf den Handrücken und so?

Ich glaub, das ist heute eine Premiere mit Schwach aus Berlin. Naja, es ist selten zu früh und niemals zu spät. Die tierlieben Jungs aus Berlin treiben sich auch schon fast 10 Jahre im Untergrund herum, sind mit wahnsinnig tollen Bands unterwegs gewesen und haben dabei die Bühnen der Welt mit coolen Leuten geteilt (Warsong, Sniffing Glue, Adolescents, Youth Avoiders, Modern Lovers, usw.).

Jetzt kommt das zweite Album heraus, das bislang zwar das langweiligste Cover hat, weil hier weder Faultier, noch Panda und auch kein Koala drauf ist, aber man soll ja auch nicht nach dem Äußeren gehen. Oder nach dem Namen. Oder nach dem Titel. Hat man sich also durch und über diese Hürden gekämpft und einfach mal die 12 Songs durchgehört, erwartet einen eine dicke Produktion von lupenreinem Posi-Hardcore, den man so auch vor 30-35 Jahren in den USA verorten hätte können. Wenn er Englisch wäre. Hier könnt ihr aber deutschen Texten lauschen, die zwar mit englischen Zwischenrufen begleitet werden, aber das bin ich inzwischen von meinen Kindern gewöhnt.

Alles in allem kann ich sowas alle 30 Jahre richtig gut hören und die Platte gefällt mir sehr gut, weil sie einfach nicht peinlich ist. Probiert das mal aus. Die spielen morgen in Hannover und am Samstag in Bonn – falls ihr eine Portion Positivismus braucht.

Refused Records (LP), Upstartz Records (LP) & Golden Press (CS). Der Song "Stillstand" kann auch selbstironisch verstanden werden, wenn man ihn auf die Band bezieht…"Kopie der Kopie…", "alles schon gehört und alles schon gesehen". Mutig 😉