Jenny – Trajinero b/w Kids Of Today 7″

Guten Morgen, Freunde!
Lasst uns mal ein bisschen powerpoppig in die neue Woche starten. Ich hab so das Gefühl, dass es in den kommenden Tagen nicht unbedingt besser wird mit Schreckensnachrichten und dafür brauchen wir eine extra Portion Zuckerwatte mit Melodie.

Da kommt die neue Single von den Punk Pop Rockern aus Los Angeles gerade richtig. Jenny beweisen hier wiederholt ihr Händchen für eingängige und zeitlose Melodien, wie es Justin Maurer eigentlich bei allen seiner vorherigen Bands ebenso zelebriert hat – siehe Clorox Girls oder Suspect Parts. Der Typ kann anscheinend nur einen Song schreiben, der dann aber immer super ist. Faszinierend.

Und damit das niemandem auffällt, singt er hier bei einem Song einfach mal auf Spanisch. Gute Idee! Da gibt es sogar noch ein schickes Video zu. Toll.

Erscheint in Deutschland bei Wanda und kann vorbestellt werden. Prima!

Neben Jenny Piccolo und Julia und Nancy ist das die vierte Band mit einem Frauennamen in meinem Regal. Was soll das eigentlich? Bands mit Frauennamen ohne Frau? Gibt es sowas auch andersrum? Ne Frauenband, die Horst heißt? Hm.

Big Blopper – Introducing Big Blopper CS

Wie wäre es heute mal mit ein bisschen Garage Punk aus Texas, der die extra Prise Scheppern und eine Portion Weirdness mit im Gepäck hat?

Big Blopper hauen in unter zwanzig Minuten mal eben 14 Songs raus, die soviel Überschuss an Power haben wie mein Kühlschrank mit Energieeffizienzklasse G. Leider ist das so nicht in den Sound mit eingeflossen – es klirrt ein bisschen viel Hochtöner und alles ist irgendwie eine Spur extra verzerrt, als ob man Kopfhörer aus dem Ryan Air Shop zum Aufnehmen und Mixen genommen hat. Ist Punk, gewöhnt man sich dran.

Erscheint auf Kassette bei Under The Gun Records und ist digital bei unseren Freunden von Goodbye Boozy zu bestaunen.
Macht wach!

Vielleicht ist das auch einfach nur Musik für ältere Menschen, denen bereits Teile ihres Hörvermögens verlustig gegangen sind. So gesehen eigentlich sehr nett von den Jungs. Respect the eldery und so, haha.

The Harry Anslingers – Go Tranquility Base CS

Ein Knalleralbum aus Leipzig kommt heute auf den Tisch. Lecker angerichtet von It’s Eleven Records und richtig heißer Scheiß. Also hinsetzen, pusten und alles aufessen!

Die Amateurfunker und Haschischgegner von The Harry Anslingers servieren hier eine grandiose Mischung von hektischem Punk Rock aus der Garage und…nee.
Quatsch, scheiß auf Mischung. Das ist einfach nur ziemlich souverän vorgetragener Garage Punk Trash mit viel Scheppern und viel Stakkato und viel Melodie. Es kann alles so einfach sein.
Mehrstimmiger Gesang plärrt aus den Boxen, mehr Becken als Bass ist zu hören und die Gitarrenläufe sind halsbrecherisch. Deswegen verstehe ich auch nicht die etwas forciert wirkende Analogie zu Mondlandung und Astronauten und den ganzen Funkspruchkram. Aber wie gesagt, die Jungs sind wohl einfach ambitionierte Amateurfunker und Fans von Raumfahrt. Und ich hab im übrigen auch keine Ahnung, was die da singen – es ergibt bestimmt alles einen großen Sinn.

Wie auch immer, geiler Scheiß aus Leipzig! Erscheint bei It’s Eleven Records in 5 Tagen und kommt dann auch auf Kassette heraus.

Bekommen solche Bands heutzutage eigentlich Auftrittsverbot in Jugendzentren, weil sie sich nach einem "treibenden Befürworter einer Cannabis-Prohibition" benannt haben?

Frankie Traandruppel – Asbestos Eye Candy

Schöne ruhige Nummern von Herrn Frankie Traandruppel, der zuletzt ja mit seiner Interpretation von Garage Punk Rock ein paar Rotzspuren im Stofftaschentuch der Hipstersakkos hinterlassen hat.
Dies hier kann man aber auch getrost ohne gut frisierten Vollbart und Hosenträger genießen.

Die vier Songs hören sich an wie die Bastard-Kinder von Kurt Vile und Lou Reed. Oder anderen zwei bis drei Halunken, die mit derlei Art von Musik bekannt geworden sind. Macht daraus, was ihr wollt, ich mag sowas sehr gerne.

Kommt irgendwann wohl auch auf Vinyl heraus, man muss sich nur noch entscheiden, welches Format für ne Viertelstunde am besten ist. Freuen wir uns also auf das nächste Doppelalbum von Ronny Rex, haha.

Digital ist das heute erschienen und dient somit im Heimatland des Künstlers als hervorragender Soundtrack zum Windsurfen durch Belgien. Hui, wenn es noch mehr regnet, liegt Aachen tatsächlich bald am Meer!

Wenn Laschet Kanzler wird, macht er den Zuma und baut Aachen zu einem Kurort am Meer um. Noch lacht ihr, wartets nur ab!

Church Group – S/T CS

Na, ich wünschte, die Kirchengruppen in meiner hübsch-dörflichen Gemeinde würden solch schöne Musik an ihren Gottesdiensten den gläubigen Zuhörern servieren. In Nullkommanix wären die Christen im Ort ausgestorben.
Das ist ja sowas von deprimierend, was Church Group aus Perth da in ihrem Debüt vortragen, da kann kaum die vorgetäuschte Besorgnis in der trägen Pfarrers-Stimme von der Kanzel mithalten. Vielleicht lasse ich mich aber auch von diesem ständigen Regenwetter gefühlstechnisch etwas ablenken.

Das Duo kann auf jeden Fall mit den 5 Songs auf Kassette beweisen, dass sie beide singen und Synthesizer bedienen können. Manchmal klingen die Synthie-Melodien schon fast zu sehr aus dem Müll der Proberäume der 80er Jahre hervorgezerrt, aber hier ist immer noch genug Harmonie in Stimmen und Keyboard, dass man darüber hinweg sehen kann. Simpel, unwirsch, Cold Wave, Punk.
Geiler Scheiß aus Perth.

Kam vor ein paar Tagen bei Helta Skelta Records auf Kassette heraus.

Ich brauch dann jetzt mal ne Joy Division Platte zur Stimmungsaufhellung.

Alvilda – Négatif 7″

Keine Ahnung, wo der Herr Alien Snatch immer diese feinen Sachen ausbuddelt, aber dieses Mal hat er sich wohl bei einem gewaltigen Regenbogen auf den Weg gemacht und an dessen Ende mit Spaten und Spitzhacke dieses Juwel zutage befördert.

Alvilda aus Frankreich rühren eine hübsche Mixtur aus Power Pop und Garage der späten 60er an, den man wahrscheinlich auch schon von zahlreichen anderen Bands gehört hat, aber dessen Zauber nun einmal darin besteht, dass man nie genug davon bekommen kann.
Dann also recht herzlichen Dank für den Nachschub, Alvilda. Mit dem Titel der Single wird dann wohl auch der Soundtrack für die Pandemie gefunden worden sein.

Erscheint Mitte August auf Single, einen der vier Songs darf man schon einmal vorweg genießen und zumindest von Strandurlaub in einem Schloss an der Côte d’Argent träumen – 2 Minuten und 11 Sekunden. Danach heißt es wieder zurück an den Schreibtisch, ihr Faulpelze!
Ça me plaît.

Ich glaub, ich hab zu viele Kinderbücher gelesen. Regenbogen, Zauber, Schloss. Bin gespannt, wie ich demnächst Einhörner und die nervige Conni hier einbaue.

Tee-Vee Repairman – Patterns 7″

Oh, habt ihr das auch mitbekommen?
Es liefen ja gerade die Fußballweltmeisterschaften. Krass, mit Aserbaidschan, hätte ich nicht gedacht, dass die sich qualifizieren, hab aber auch schon länger nicht mehr geschaut.

Aber eigentlich findet die ja in England statt. Und deswegen sind die Engländer jetzt auch Sieger, hab ich gehört. Hat der Schiedsrichter so entschieden. Wahnsinn.
Naja, immerhin waren in diesen Pandemiezeiten keine Zuschauer zugelassen, das wäre ja ne Katastrophe, haha.
Hm? Oh. Ach so.

In anderen, etwas erfreulicheren Nachrichten liefern die Tee-Vee Repairman aus Sydney hier ihre Debüt Single ab. Das klingt doch tatsächlich nach Garage Power Pop, wie ihn Sheer Mag gezaubert hatte? Oder zumindest geht es in diese Richtung, schlägt es in diese Kerbe. Mit einem lofi Charme, etwas mehr Rock n' Roll als Punk und etwas mehr Rotz als Pop kommen die 4 Songs alle gut gelaunt und feierwütig fertig verpackt auf einer runden Vinylscheibe zum Freitagabend-Tanzcafé. Toll.

Erschien vor ner Woche bei Urge Records in Australien und ist fertig zum Bestellen. Aber keine Panik, die Single wird aus den USA verschickt – da spart man ordentlich Versandkosten.

Richtigstellung: Es ist eine UEFA EM und keine FIFA WM, Aserbaidschan war nur Austragungsort (weil sie Geld bezahlt haben) und England wird erst am Sonntag WeltEuropameister (hat der Chef entschieden). Sorry.

Amyl And The Sniffers – Comfort To Me LP

Auch die Gang aus Australien war während der Pandemie nicht untätig und hat 13 neue Songs aufgenommen und mindestens ein schönes Video gedreht. Wie schön. Schön. Auch das Cover, sehr schön. Und dann kommt die LP in gaaanz vielen verschiedenen Farben und limitiert und uiuiui. Schön. Amyl and the Sniffers! Haben sich gut gehalten!

Das Album kommt im September offiziell raus und man kann jetzt schon ordentlich Bundles bestellen. Na dann. Die Musik ist aber echt schön. Schön.

Desborde – Ya No Kiero Ser Parte De Este Mundo CS

Oh ja. Sehr schöner Synthpunk Kram kommt da aus Buenos Aires herangesegelt. Mit mehrstimmigem Gesang, knackig kurzen Songs und mit viel Keyboardmelodien ausgestattet, überzeugt das Demo von Desborde nicht nur durch den trübseligen Titel der Kassette.

Die Musik verleitet außerdem schnell dazu, seine langweilige Nachbarschaft der weißen Hauswände mit verschiedenen Farben aus der Spraydose zu verschönern oder vom Balkon aus in den Grill & Pool der Nachbarn zu pinkeln oder auf ein Bullenauto zu kacken.
Keine Ahnung, was man da in Argentinien so tagsüber macht. Ihr seid aber auch völlig frei, ich zum Beispiel habe mir dazu einen exotischen Obstsalat geschnibbelt – subversiver wird’s nicht mehr.

Erschien vor ner knappen Woche gleichzeitig in den USA bei Medio Pocillo Records, Open Palm Tapes & Go Records. In Frankreich bei Urticaria Records und in Argentinien bei Discos Corrosivos. Olé!

Geiler Scheiß aus der Stadt der guten Luft, hust.

Hab festgestellt, dass Passionsfrucht nicht so meins ist. Experiment des subversiven Obstsalats abgebrochen und wieder zur deutschen Banane gegriffen.

Success – S/T

Habt ihr euch schon einmal gefragt, warum eigentlich Sheer Mag damals mit den Trash Metal Jungs von Power Trip auf Tour waren? Und warum sich die Band mit ihrem Merch und Artworkdesign auch dem Look der 80er Heavy Metal Ästhetik verschrieben hat, wenn sie doch eigentlich eher so IndiePunkPop machen? Ich auch nicht.

OK. Deren Gitarrist Matt Palmer, der im übrigen nebenher bei den poppigen Punkern von the Smarthearts eine männliche Sheer Mag Version mit seinem Gesang und auf der Gitarre betreut, hat eine neue Band ins Leben gerufen und versucht sich jetzt an Punk Rock. Das funktioniert ziemlich gut und der Song, den man jetzt schon einmal hören kann, ist meiner Meinung nach das bislang beste Stück Musik, das Herr Palmer geschrieben und gesungen hat.

Da kann man gespannt sein, was das Album von Success bringt. Wenn es denn kommt. Denn viel mehr als diese geklaute und zusammengelogene Info hab ich nicht…Egal – guter Song.

Ich glaube, es ist ein sicherer Tipp zu behaupten, dass Matt nicht für das Design von Sheer Mag zuständig war, wenn er dieses Cover "gezeichnet" hat.