Cherry Cheeks – S/T LP

Na endlich.
Nach ein paar lustigen Veröffentlichungen, die ausschließlich digital hier in diesem Irrenhaus zu bestaunen waren, gibt es nun bald das Debütalbum von dem Synthie Punker Kyle Harms aka Cherry Cheeks aus Florida direkt auf Langspielplatte. Hurra!

Ihr kennt die Kirschbäckchen, ich muss da nicht viel zu erzählen, oder? Sehr melodisch und eingängiger Synthpunk mit der Leichtigkeit eines sonnenreichen Lebens eingetütet. Toll.

Im September kann man dann bei Total Punk eine LP kaufen, die ein Dutzend neuer Lieder aufzuweisen hat und hoffentlich den Standard der bisherigen Veröffentlichungen halten kann. Hier darf man schon einmal einen Song vorab hören und der schneidet gar nicht mal so schlecht ab. Wird schon.

Wer von Euch ist eigentlich für diesen Sommer verantwortlich? Frage für meine Speedo Kollektion. Und ich rede nicht von den Schallplatten.

Mitsommersputz

Kaum macht man mal ein Wochenende Urlaub vom Internet und liest stattdessen nur ein Buch aus Papier und macht Sport mit den Beinen und spielt mit der Familie Mikado und geht auf dem Balkon spazieren, hat man auch schon gleich einen ganzen Sack voll guter neuer Musik vor der elektronischen Haustür liegen. Das äußert sich dann in 138 offenen Tabs und nur die Hälfte davon sind Pornoseiten geschäftlich.
Also dann…räum ich mal eben auf.

Fake Nudes – Post Cinnamon World 7″

Fake Nudes klingen ein bisschen nach 90er Jahre lofi Grunge, der damals die bekifften Jugendlichen vom Sofa auf die verqualmte "Tanzfläche" der Dorfdiscos gezogen hat, um sich dort mit hängenden Köpfen zwei Schritte vor und zurück zu "bewegen". Find ich also dementsprechend genauso super, wie eine Welt ohne Zimt. Kann ich gut mit leben. Auf insgesamt 50 Singles vor ner Woche bei Chunklet Industries erschienen. Garage Hits aus Philadelphia, glaub ich.

During – Birds Of Juneau b/w Big Farmer 7″

Noch so eine Single, die es nur auf 50 Exemplare geschafft hat, kommt von During aus New York, glaub ich. Zumindest kommen da zwei von den drei Kerlen her, die in dieser Band brillieren. Ganz einfach gesagt klingt During nach einer Mischung aus Brandy, Pampers, Wilful Boys und Spray Paint. Post Punk deluxe, sehr gute zwei Songs mit Druck und Verstand. Im Sommer kommt dann eine LP, hurra. Auch bei Chunklet erschienen, die können nicht mehr als 50 Exemplare auf einmal im Büro lagern müsst ihr wissen…

Ilusión – EP

Hardcore aus Montreal. Ilusión machen auf ihrer Debüt EP ganz wunderbaren Krach, der immer wieder in melodisches Chaos ausbricht und mithilfe von mörderischen Gitarrenriffs oder Soli den Weg zurück in die normative Punkrock-Schublade schafft. Ein bisschen düster, ein bisschen 80er und genug Metaleinfluss für die Skate & Destroy Credibility. Geiler Scheiß aus Kanada – schade, dass der Sänger ohne Mikro singen muss. Kommt wohl auf Kassette bei A World Divided Tapes raus?

The Gobs – Demo 4

Wie der Titel bereits verrät, ist das hier das Demo Nummer 4 von The Gobs aus Olympia. Wieder einmal treffen sie mit einer kleinen handvoll Power Pop Punk Rock Smashern ins Schwarze meines kalten Herzens und weichen es zu einem zartgeklopften Stück Hack. Sehr schön, kurzweilig und lofi as fuck, wie man in coolen Kreisen so sagt. Wird Zeit, dass die Demos alle zusammen mal auf Platte irgendwo erscheinen…

The Dirtiest – Sovranista LP

Wolltest Du für Deinen nächsten Urlaub in der Toskana authentische Musik aus der Boombox am Strand plärren lassen? Super – hier hast Du die italienische Antwort auf die 40 Jahre alte Frage, was die Ramones eigentlich so beruflich machen. Allemal besser als die Best-of Adriano Celentano und irgendwie auch schön, dass die Dirtiest aus Florenz es damit auf Slovenly Records geschafft haben. A-Seite auf Italienisch, B-Seite auf Englisch. Perchè no? Why not?

Toner – White Buffalo Roam LP

Eine neue LP von den Indierock Garage Grunge Spezialisten Toner aus Oakland. Wie schön, man kann auch einen Song bereits hören und der klingt so, wie ich deren Kunst gerade schon beschrieben hab. Wenn sich das auf den 11 darauffolgenden Songs so wiederholt, kann es mir nur recht sein. Kommt im September dann bei Smoking Room heraus und wird musikalisch ganz wunderbar in die vierte Welle passen. Ich freu mich!

Super Cheap – Volume II CS

Also wenn in Regionen wie Nordamerika Temperaturen von bis zu 50°C erreicht werden, können wir dann mal überlegen, ob wir irgendwas falsch gemacht haben mit dem Wetter?
Können wir mal der jungen Generation (haha, ich bin alt) zugestehen, dass wir und unsere beiden Vorgängergenerationen ziemlich verkackt haben und nun mal irgendwie was anders laufen sollte, damit man auch in Zukunft noch über das Wetter schimpfen kann und nicht daran stirbt?

Wie wär’s mit weniger Fleisch essen oder weniger Autofahren oder auf das Fliegen verzichten oder weniger Scheiße kaufen? Kann man ja mal einfach ausprobieren – es sei denn, ihr braucht das dritte dry-aged Steak auf dem Weber-Grill, weil halt lecker. Und den SUV für die engen Stadtgassen, weil halt Sicherheit und so. Und den Pauschalurlaub auf den Malediven, solange die noch da sind. Und das neue iPhone und den großen Fernseher, weil der ist ja schlauer als Du selber. Dann ist das natürlich ok. Nicht.

Oder man macht es wie die Jungs von Super Cheap und tritt einfach mal ein bisschen kürzer. Weniger ist mehr und so, ne? Hier haben wir 7 Lieder, die knapp die 5-Minuten-Marke überspringen und dabei mindestens so viel Spaß machen, wie die gesamte Diskografie von den Ärzten. Großartiger Punk Rock aus der Schnodder-Ecke, der zu keiner Zeit langweilig wird und trotz der einsilbigen Songtitel wahrscheinlich mehr Tiefgang hat als die gesamte Diskografie der Toten Hosen. Meine Güte habe ich heute schlechte Laune…puh.

Ist vor ein paar Tagen bei Painters Tape auf Kassette erschienen und passt genau in die kurze Pause zur umweltfreundlichen E-Zigarette. Geiler Scheiß aus Indianapolis, glaub ich.

Ach so. Man kann natürlich auch einfach noch ein bisschen warten mit dem Verzicht und an die Vernunft der Industrie und des einzelnen Konsumenten appellieren. Das geht natürlich auch. Nicht.

Canal Irreal – S/T LP

Meint Ihr eigentlich, dass eine Korrelation zwischen der Intelligenz und dem Musikgeschmack einer Person existiert? Also simpel ausgedrückt, je blöder desto Onkelz und je schlauer desto Zwölfton?

Ich bin mir da nicht sicher, schließlich hält man sich selbst meistens für nicht ganz so strunzdoof, wie man eigentlich ist. Aber seit der 5. Klasse, als ein Klassenkamerad bereits mit Beastie Boys CDs um die Ecke kam und ich noch irgendeine Scorpions Platte und die "Bis zum bitteren Ende" der Toten Hosen abgefeiert habe (für beide braucht es nicht gerade geistige Höhenflüge), frage ich mich, ob ich für manche Musik einfach zu doof bin.

Das ist mir nur gerade eingefallen, weil das Debütalbum von Canal Irreal so ein ziemlich intelligentes Hardcore und Punk Rock Album ist, das vor musikalischer Brillanz über den Dingen zu schweben scheint. Hier gibt es nichts zu meckern. Richtig gutes Songwriting mit ganz großartigen Melodien, die mal weniger und mal mehr gut hinter aggressiven Bassläufen und Gitarrengeschrei versteckt sind. Abwechslungsreich und erwachsen kommt das Album daher.
Das erinnert irgendwie an ganz viel Sound aus Chicago, was nicht sonderlich verwundert, da die Band da tatsächlich auch herstammt.
Somit stellt sich die Frage, ob Canal Irreal im Jahr 2021 tatsächlich ein besseres Album als Naked Raygun auf den Markt gerotzt haben..?

Mit Leuten von Limp Wrist, Los Crudos und Sin Orden. Für mich das beste Punk/Hardcore Album des Jahres. Erschien bei Beach Impediment Records vor ein paar Tagen und ist auf farbigem Vinyl auch schon ausverkauft, aber schwarze Platten drehen sich auch. Geiler Scheiß aus Chicago.

Für mich ist das Album auf jeden Fall intellektuell hervorragend geeignet. Gegen eine Korrelation von Intelligenz und Musikgeschmack würde ja auch der Doktortitel in Mikrobiologie von Dexter Holland sprechen. I guess you gotta keep 'em separated…haha

Chain Cult – We’re Not Alone 7″

Endlich mal wieder etwas Neues von den genialen Chain Cult aus Athen. Das Trio hat zwar nur zwei Songs für eine teure Single zusammenkratzen können, aber dafür ist das Lied, das man schon einmal hören darf, ziemlich gut und macht Bock auf mehr.

Irgendwie erinnert mich das Post-Punk Gedudel ein bisschen an den frühen Emocore à la Embrace, komisch. Na, egal.
Das ist ja nun auch nicht die schlechteste Referenz. Melodisch, emotional, druckvoll, ehrlich. Klingt so, als hätten die Jungs da wirklich richtig Lust zu, wenn sie Gitarre, Bass und Schlagzeug von düster bis heiter zum Einklang bringen und mehrstimmig den Song zum Besten geben. Schöne Mischung aus den 80er Jahren von Manchester & Washington D.C.

Man kann sich das Lied "We’re not alone" und ein weiteres schon jetzt auf Vinyl bestellen, entweder in rot oder schwarz, kostet beides gleich enorm viel.
Chain Cult sind super!

Erscheint dann im August bei dem großartigen Label La Vida Es Un Mus Discos im verseuchten London und muss bei Einfuhr einmal ordentlich mit Desinfektionsmittel abgerieben werden.

Tenpara – Buffet

Wäre ich nicht so wahnsinnig up to date mit meiner jugendlichen infantilen Zielgruppe, wüsste ich nicht einmal, was der Bandname bedeutet und hätte das einfach mal so unter "irgendwat aus Spanien halt" abgetan. Aber Stopp! Tenpara ist, wie wir alle wissen, ein Pokemon mit 8 Tentakeln à la Oktopuss. OK.

Die Band allerdings besteht nur aus drei Leuten, etwas enttäuschend, wenn ihr mich fragt. Aber musikalisch haben sie ihren Emo-Indie-Punk-Rock-Pop am rechten Fleck und dafür braucht es ja auch nicht mehr als Schlagzeug, Gitarre, Bass und einen kräftigen spanischen Akzent beim Vertonen der interessanten Texte.

Ich find das gut, schon allein wegen solch Sachen wie "The Decline Of The Shopping Mall", "Cheap Burger" und "Muesli". Die Songs sind wahrscheinlich deshalb so indifferent zur Pandemie und der furchtbaren Zeit, in der wir leben, weil die Aufnahmen bereits uralt sind und aus dem Dezember ’19 bzw. Januar 2020 stammen. Gut Ding will Eile haben, haha.

Das Album ist gestern digital, auf Kassette und auf CD erschienen. Emo-Scheiss aus San Sebastián.

Hm, Oktopus, Burger, Müsli…jetzt hab ich mir selber Hunger gemacht und geh mal in die Mall zum frühstücken. Vielleicht fang ich unterwegs ja einen Lapras, der fehlt mir noch.

Pist Idiots – Idiocracy LP

Uff, eine meiner absoluten Lieblingsbands der letzten Jahre bringt eine neue LP heraus. Und die ist auch noch benannt nach einem meiner Lieblingsfilme! Großartig.
Das wurde aber auch Zeit, die Singles-Compilation von den genialen Pist Idiots aus Sydney ist hier im Hause schon sowas von durchgenudelt, da muss schnell was Neues her, das sich endlos auf meinem Plattenspieler drehen kann.

Es gibt vorab schon einmal 3 Songs zum Staunen und Sabbern. Unter anderem auch die tollen Lieder zu den Videos von "Streetfighter" und "Juliette". Keine andere Band schafft es dermaßen mühelos, so viel Melancholie, Melodie, Spaß und RocknRoll in einen Song zu packen. Pist Idiots vereinen in jedem Song mit Leichtigkeit all das Gute, was australischer Post Hardcore und Punk Rock und RocknRoll derzeit zu bieten hat und passt so dann auch prima zum Lesen, Auto/Fahrradfahren, Trinken, Schlafen, Baden, Grillen, Tanzen, Sinnieren, Rauchen, Malen, Sport. Aber am besten ist immer noch: Kopfhörer auf und einfach nur zuhören.

Tut Euch selbst mal einen Gefallen und bestellt diese LP, die tatsächlich das Debüt der Band in voller Länge sein wird. Interessanterweise kann man die LPs nun auch schon in verschiedenen Farben vorbestellen. In schwarz, rot und gelb/gold. Hm, da fragt man sich als Patriot natürlich, warum nicht alle drei?

Kommt am 10. September raus und wird wohl die beste RocknRoll Platte des Jahres. Mindestens.

Ich freu mich. Und kauf sechs, wegen Uganda, ihr wisst schon.

Smirk – 7 Track Extended Play 12″ EP

Eine neue Platte von Smirk, dem Typen namens Nick Vicario, der auch bei Crisis Man, Public Eye und Cemento sein Wesen treibt. Zwei Songs von der EP, die tatsächlich auch einfach nur Extended Play heißt, hat uns das Label Total Punk Records schon einmal als Appetizer serviert und ja, das macht Bock auf mehr.

Nach der LP, die kürzlich bei Drunken Sailor (UK) und Feel It (US) erschienen ist, aber ja eigentlich nur eine Zusammenstellung von zwei älteren Tapes war, kommen jetzt hier ganz frische Songs im September auf den Markt und ihr könnt das sogar schon vorbestellen. Beim Künstler selber für läppische $1.000 und beim Label für $7. Hm. Aber nur digital. Hm?

Egal – behaltet das mal im Hinterkopf. Irgendwann, wenn der erste Lebkuchenmann neben den Marzipankartoffeln auf dem Wohnzimmertisch liegt, kommt auch eine neue Smirk Platte in Deiner Stadt an! Yay!

Statt des recht einfallslosen Namens tät ich dem Herrn mal empfehlen, die nächste Veröffentlichung "Smark" zu nennen. Weil, haha, wenn man das dann zusammen rückwärts liest. Haha.

Sweet Teeth – Acid Rain 12″ EP

Hallo Sommer. Puh, warm.
Hat hier zufällig noch jemand Bock auf eine frisch gepresste Limettenlimonade mit Eiswürfeln und frischer Minze aus dem Garten?
Ich auch nicht. Aber man kann da auch Alkohol und ein Stück Zucker rein tun und es Mojito nennen und schon ist Wochenende im Kopf und auf der Zunge.

Passender Soundtrack, während man im Planschbecken vor sich hin fettet, wäre dann dann ein Best Of SST Records aus den 80ern. Aber es geht auch modern! Die Sweet Teeth zum Beispiel klingen exakt so, wie Hüsker Dü und der ganze andere poppige Gitarrenzauber, der damals auf dem Label alle Menschen begeistern konnte, die ebenfalls Cocktails beim Planschen mögen. Und die Sweet Teeth dürfen das mit der Kopie, die kommen aus Finspång in Schweden und wissen wenigstens, was "Hüsker Dü" heißt.

Die bringen demnächst ihr Debüt bei Lövely heraus – eine einseitig bespielte 12″ mit ganz wunderbarer Punk Rock Power Pop Dudelei, die hervorragend zu einem verlorenen Tag am See oder im Pool oder auch in der Feuerschale passt. Zwei Songs davon sind schon einmal veröffentlicht. Beide sind gut. Das kann ja was werden.

Kann man nicht kaufen, muss man erst mal hören. Ende Juli dann irgendwo zu haben…

Falls jemand Interesse an Rezepten für Cocktails hat, dann immer her damit. Ich hab keine Ahnung, was ich hier tue.

Cemento – Killing Life CS

Yeah! Genau, was wir gerade brauchen. Eine deprimierende Post Punk Band aus der Stadt der Blumen und des Sonnenscheins.

Nein, nicht Aachen. Das ist die Stadt von Herrn Laschet. Also die Stadt der gewürfelten Klausurnoten und des Dauerregens. Die Stadt der Karohemden-Elite und der Alemannia, die sich erfolgreich innerhalb von 6 Jahren aus Bundesliga 1 in die Regionalliga gekickt hat.

Aber Aachen hat eine Mall. Ha! Sogar zwei! Inklusive einer sterbenden Innenstadt. Na dann.

Puh, das ist alles so deprimierend dort, eigentlich würde Cemento auch gut dorthin passen.

Vielleicht erinnert mich der eine Song, den man jetzt schon einmal von dem Debüt der Band hören darf, auch deswegen ein bisschen an Teenage Panzerkorps? Oder doch zu weit hergeholt? Könnt ihr die Verbindung überhaupt nachvollziehen? Ach, egal – macht damit, was ihr wollt.
Hier sind auf jeden Fall talentierte Menschen am Werk, die schon in solch schillernden Projekten wie Smut oder Smirk ihre Finger, Bänder und Füße im Spiel hatten.

Erscheint Ende des Monats bei Iron Lung. Stimmung!

Nehmt Euch in Acht vor kleinen Männern! Die haben einen Minderwertigkeitskomplex und müssen immer doppelt so viel auf die Kacke hauen. Der Lascht hat bestimmt auch eigenhändig all die E-Bikes in den Rhein geworfen, weil Merz es ihm nicht zugetraut hat.