Die Bands hatte ich vor gar nicht allzu langer Zeit mal hier und hier vorgestellt, das erspar ich mir dann mal jetzt. Was Ihr heute wissen müsst ist, dass die beiden kanadischen Bands grad auf dicker Europa-Tour sind und morgen (08.05.) in Aachen Station machen, um im AZ zu spielen. Oli und ich sind so freundlich und veranstalten den Kram.
Solltet Ihr also in der Gegend sein, kommt unbedingt rum! Da gibts bestimmt auch die neue LP von Sonic Avenues zu kaufen und außerdem könnt Ihr eines von den noblen Siebdruckpostern ergattern, die unser Lieblingskünstler Mario mal wieder sensationell schick gestaltet hat. Dazu gibts günstiges Bier, kostenloser Kicker und coole Leute.
Los gehts ab 20:00 Uhr, oder so…
Französischer Abgang und Die Simpsons
Die vierköpfige Band French Exit aus Los Angeles, Kalifornien, gibts so circa seit 4-5 Jahren und die machen poppigen Indie Punk Rock, wie es sich für ne Band auf It’s Alive Records auch gehört. So weit, so bekannt, so unspannend.
Ein bisschen interessanter wird es, wenn man sich die aktuelle LP mal ansieht, bzw. den Titel zu interpretieren versucht. "Guts and black stuff" klingt ja erst mal so sinnvoll wie andere seltsame Albumtitel, die man auch nicht auf Anhieb verstehen muss. Limp Bizkit’s "Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water" zum Beispiel. Oder "Captain Fantastic and the Brown Dirt Cowboy" von Elton John. Beide Albumtitel gehen auf, sagen wir mal, autobiografische Hintergründe zurück und haben schon irgendeine bekloppte Bedeutung, die aber nicht interessant oder witzig sind. Ganz im Gegenteil dazu finde ich ja die Referenz, die im Namen des Albums von French Exit auszumachen ist, voll gut.
Der Titel "Guts and Black Stuff" geht nämlich auf eine Folge der Simpsons zurück, in der Lisa mit Nelson anbändelt und ihn fragt, was er so denke und was sich in ihm befände, worauf er antwortet: "Guts and black stuff… and about 50 Slim Jims". Ha! Schöne Idee, so eine Referenz, wenn der Name sonst eher irgendwie düster und eklig nach einer LP von einer uninspirierten Metal Band klingt. Ganz nebenbei ist die Platte auch noch gut geworden und der Name der Band ist darüber hinaus auch nicht ganz ohne.
Denn witzigerweise hatte ich grad am Wochenende erst eine Diskussion darüber, woher die Redewendung "einen polnischen Abgang machen" denn eigentlich stammt. Ihr wisst schon, wenn man sich von einer Party davonschleicht, ohne sich zu verabschieden. Da kamen einige unterschiedliche Erklärungsansätze und Meinungen zu Vorschein. So zum Beispiel auch der Einwand, dass dieser "polnische" eigentlich ja ein "Französischer Abgang" ist und auf die unfreundlichen Franzosen zurückgeht, die sich eben einfach verpissen, ohne Auf Wiedersehen zu sagen. Das benutzt man wohl auch in Spanien so: "despedirse a la francesa". Und im Englischen nennt man sowas eben French Exit. Allerdings haben die Franzosen wiederum dafür die Bezeichnung "s’excuser à l’anglaise" erfunden, was eigentlich nur deutlich macht, dass da jedes Land seinen ungeliebten Nachbarn irgendwie verunglimpfen will. Na! Wieder was gelernt. Musik…!
Die Minnesänger – Geborgte Welt
Die neue LP von den Pop-Punk-Rock’n’Rollern The Menzingers ist ja schon ne Weile auf Epitaph raus, aber ich kam irgendwie nicht dazu, ihr insgesamt viertes Album hier auf dem Dings zu verwursten. Eigentlich kennt die ja eh jeder, ich mein, Epitaph Band und so, da erzähl ich Euch ja nix Neues. Und so richtig toll find ich "Rented World" jetzt auch nicht. Jedenfalls nicht so gut wie das Vorgängeralbum "On the impossible Past". Alles Geschmackssache, ich weiß.
Auf jeden Fall geriet die Platte bei mir ein bisschen in Vergessenheit und normalerweise serviere ich hier ja immer nur den total frischen Scheiß. Also sei auf einen Artikel zu dem Album einfach geschissen. Als ich dann allerdings auf FluxFM in der Abmoderation der Radiosingle "In Remission" den Sprecher sagen hörte "Nanu, ich dachte, das ist eine deutsche Band bei dem Namen", wurde ich zumindest hellhörig und wollte doch noch wenigstens die interessante Geschichte zu dem Bandnamen loswerden.
Tatsächlich könnte man meinen, Menzingers kämen aus unseren Gefilden, nicht umsonst gibts auch ein italienisches Restaurant,Verzeihung, eine Trattoria im Herzen Münchens mit dem Namen. Das klingt ja auch irgendwie nach deutscher Sprache…aber woher kommt der Name denn dann, wenn die Band doch aus Scranton, Pennsylvania stammt? Laut dem Gitaristen Tom ist der Bandname die phonetische Übersetzung vom englischen Troubadour ins Deutsche – also Minnesänger. Das ergibt doch Sinn. Minnesänger – Menzinger…wow. Aufregend. Hier, neues Album.
Opiliones – The Heart of a Harvestman
Kennt Ihr Phonogen aus Freiburg? Oder Kenzari’s Middle Kata aus der Nähe von München? Ich leider nicht, aber das kann auch an der geografischen Heimat der genannten Bands liegen, man bekommt ja nix mit in diesem riesigen Land. Obwohl, Kenzari’s Middle Kata wurden im August 06 vom OX als die "aufregendste nationale Neuentdeckung im modernen Hardcore" abgefeiert.
Auf jeden Fall haben Mitglieder dieser Bands jetzt eine neue Gruppe am Start: Opiliones aus Aschau am Inn. Das musste ich auch erst mal im Atlas suchen, is ca 70 km östlich von München. Also Aschau am Inn, Opiliones sind Weberknechte.
Und diese tapferen Schneider veröffentlichen im Mai ihr Debüt Album "the heart of a harvestman". Und das ist ziemlich gut. 14 Songs in knapp 38 Minuten, musikalisch irgendwo zwischen Hot Snakes, Deadverse oder Dramamine zu verorten und dabei niemals langweilig oder eintönig. Geiler Sänger, noble Gitarren, fettes Schlagzeug. Zusammen spielen die 4 Jungs dann Kompositionen, an denen man erkennt, dass sie schon länger Musik machen. Klingt alles durchdacht und ist auch noch sauber produziert. Würde ich gern mal live sehen, aber München? Hm. Mal sehen, wo die im September auf ihrer kommenden Tour so spielen werden.
Schade, dass das Album von Opiliones nur auf CD erscheint. Ansonsten hätte eine neue LP auf jeden Fall ihren Platz im Regal gefunden. Aber genug der Worte, überzeugt Euch selbst und geht dann am 13.05. ins Kafe Kult. Ich hab da keine Zeit.
Einen doppelten Nachschlag gibts nach dem Sprung.
White Lung – Snake Jaw
Im Juni kommt das neue Album "Deep Fantasy" von den Kanadiern White Lung auf Domino raus. Und wie sich das gehört, erscheint am kommenden Montag (28.04.) eine Vorabsingle mit 2 neuen Songs, damit man sich schon mal einen Eindruck davon machen kann, wie der Labelwechsel sich auf den Sound der Band ausgewirkt hat. Oder eben nicht.
Meiner Meinung nach werden die mit jeder Veröffentlichung besser, vielleicht auch ein Stückchen poppiger, aber das ist teilweise schwierig zu beurteilen, da Sängerin Mish Way nun wirklich kein zärtliches Stimmchen hat. Da wird immer noch geschrien und die Gitarren kreischen unisono mit.
Ach, hört Euch den Kram einfach selber mal an. Der Track Snake Jaw, der auf der angesprochenen Single drauf ist, wird nämlich werbewirksam schon mal gestreamt. Und Tourdaten gibts auch nach dem Sprung, die sind im Mai in Deutschland unterwegs…
Falls Ihr diese sehr empfehlenswerte Band jetzt noch gar nicht kennt, könnt Ihr Euch ja beim Rookiemag ein Interview durchlesen und erfahren, was die Vier aus Vancouver so ausmacht (ok, das Interview ist nur mit der Sängerin, aber egal).
The Bomb The Music Industry! Story
Dass es diese lustige Truppe um Jeff Rosenstock nicht mehr gibt, hatte ich neulich schon mal erwähnt. Nach 7 Alben und diversen Split Singles haben Bomb The Music Industry am 19. Januar ihr letztes Konzert im Warsaw in Brooklyn gespielt. Da war es ja eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sich jemand um eine Doku kümmert, die die Geschichte der Band erzählt.
Sara Crow von No Future Films hat sich genau das jetzt zur Aufgabe gemacht. Naja, eigentlich ist das Projekt schon seit längerer Zeit geplant und damals via Kickstarter finanziert worden. Aber jetzt ist das Poster für diese Doku schon mal fertig. Wieder mal ein schickes Ding von Mitch Clem.
Da bin ich ja mal gespannt, ob man diese energiegeladene Atmosphäre, die auf deren Konzerten herrschte, gut einfangen konnte und was die Jungs so für einen Unsinn erzählen. Apropos, ich hab mal vor Jahren ein Interview mit Jeff, Jon und Mike gemacht, da merkt man schon, dass die 3 recht lustig sein konnten. Allerdings sei dazu angemerkt, dass die Band immer nur 8 Wörter für ihre Antwort nutzen durften. Das war halt so…
Und die jungen Leute von heute brauchen ja immer bewegtes Bild, um überhaupt an Irgendetwas Interesse zu zeigen. Daher hier ein kleiner Vorgeschmack.
White Reaper – Alles anders
Ich glaube, seitdem ich das letzt Mal diese Band aus Louisville hier thematisiert habe, ist ganz schön was passiert bei denen. Vor ein paar Tagen haben White Reaper verkündet, dass sie auf Polyvinyl ihre Debüt EP herausbringen werden. Ihr wisst schon, das Label, wo auch Japandroids, Deerhoof, Joan of Arc und andere drauf sind.
Dann haben sie eine neue Internetseite am Start, voll professionell jetzt. Außerdem sind sie nicht mehr nur zu zweit, sondern zu dritt. Und ihre erste Single, über die ich damals geschrieben habe, ist auch nicht mehr bei Bandcamp zu hören. Naja.
Für die neue EP, die am 24. Juni erscheint, haben die Jungs auch schon einen Teaser veröffentlicht. Der Sound der Band ist bei all den Neuerungen eigentlich relativ unverändert geblieben. Schrammelige Gitarre, Schlagzeug, Synthesizer. Kann man sich anhören. Hier könnt Ihr Euch die 6-Song-Ep als 12″ in pinkem Vinyl vorbestellen.
Espectrostatic – Phantominom VGS
"Neues vom Hexer" wäre auch eine schöne Überschrift gewesen. Könnte man jedenfalls fast sagen, denn der Frontmann der genialen Hex Dispensers hat mit seinem Nebenprojekt Espectrostatic eine EP nachgelegt. Erinnert Ihr Euch doch bestimmt noch dran. Alex Cuervo, der Sänger und Gitarrist der Hex Dispensers ist mit seiner Solo LP letztes Jahr bei mir direkt in die Jahrescharts gekommen, weil der Sound mich so sehr an die 80er Jahre Horrorfilmmusik erinnert hatte und die Melodien immer wieder auch nach seiner Hauptband klingen. Daran hat sich auch jetzt nicht viel geändert.
Auf der aktuellen EP mit dem schönen Namen Phantominom VGS befinden sich 6 Stücke, die genau in diese Kerbe schlagen. Außerdem ist mit "Parallel" auch noch ein Remix von einem Hex Dispensers Song mit darauf gelandet, den ich mir wohl mal direkt zu einem Klingelton für meine gruseligen Freunde umfunktionieren werde. Da heute der 1. April ist, mag ich den ganzen Kram zur Namensfindung der EP eigentlich gar nicht glauben, den der feine Herr da auf seiner Bandcamp Seite schreibt, deshalb zitier ich das mal einfach und Ihr entscheidet selber…
Based on the urban legend of a video game console no one had ever seen or heard of, purchased at a mysterious garage sale. The peculiar electrical and television hookups were not compatible with any existing or historical connections, leading some to speculate that this console was not of our world, but from a nearby parallel universe.
Wie dem auch sei, bei Gefallen solltet Ihr das Teil auf jeden Fall käuflich erwerben. Erstens gibt es zu jeder EP ein schickes Foto und zweitens kommt der Erlös der Schlagzeugerin der Hex Dispensers, Rebecca Whitley, zugute, die wohl einen üblen operativen Eingriff über sich ergehen lassen musste und nun auf den Kosten sitzen geblieben ist. Könnt Ihr hier nachlesen. Aber vorher essen. Oder nachher? Hm, nichts für Menschen, die sich schnell ekeln.
Prince – s/t EPs
Jaja, is 1. April und so, aber diese Band gibts wirklich und die heißt auch wirklich so, wie der kleinwüchsige Tausendsassa, den man unter vielen Bezeichnungen kennt. Aber die Band hier, zusammengesetzt aus Leuten von Dude Jams, Wild America und anderen, klingt meiner Meinung nach wesentlich besser. Irgendwo zwischen Punk Rock, Garage, Indie und Power Pop oder so.
Viel kann man über die Band nicht herausfinden, was natürlich an dem bescheuerten Namen liegt. Nur mal auf die Schnelle soviel: Kommen aus Austin und haben im Februar ihre letzte selbstbetitelte 7″ veröffentlicht. Im Juli letzten Jahres haben sie ihre erste 7″ auf ADD rausgehauen, die mir sogar noch ein bisschen besser gefällt. Die hieß genauso. Könnt Ihr beide hier mal hören.
The Moms – Blow Me EP
Das Trio aus New Jersey ist auch schon ein bisschen länger unterwegs (also seit ein paar Jahren) und eigentlich wollte ich letztes Jahr bereits über die Jungs schreiben. Hat sich irgendwie nicht ergeben und dann vergisst man sowas ja mal schnell. Jetzt haben sich The Moms aber mal wieder mit ihrer aktuellen EP "Blow Me" ins Gedächtnis gerufen, die man sich auf der Soundcloud Seite von ihrem Label anhören kann. Das ist zwar kein physisches Release, aber dafür bekommt man schon mal einen Eindruck von dem im Juli erscheinenden Album auf Paper and Plastick, das dann "Buy American" heißen wird.
Ihre erste Single "Viva!" hatten sie noch auf Panic State Records rausgebracht, doch scheinbar passen sie mit ihrem rauem Punk Rock perfekt auf das Label von Vinnie Fiorello, was man durchaus verstehen kann. Hören sich The Moms doch auch irgendwie wie eine Mischung aus Red City Radio und Have Nots an. Könnt Ihr Euch ja mal anhören…