Tord – S/T 7″

Sehr schön, weil unspektakulärer Synth-Garage-Punk aus Spanien. Tord machen ein bisschen Krach und pissen in alle Ecken auf dieser 7″, die bei Flexi Discos erscheint. Klingt irgendwie zeitweise wie ein Post Punk Produkt mit Bassläufen aus dem Cure Universum. Dann zwischendurch mit Drumcomputer Sounds aus der 80er Jahre Hölle und dann wieder rotze Punk bis gelangweilt und angeödeter Garage-Kram. Ziemlich gut.

Fun Fact: Wenn man "Tord Spanisch" bei Google sucht und sich das dann mehrmals hin und her übersetzen lässt, erhält man schlussendlich die Übersetzung "sich beschweren". Das kann so auch nicht richtig sein?

Split System – S/T 7″

Habt ihr schon gehört? Bandcamp gehört jetzt zu Epic Games. Das sind die Typen, die es sich leisten konnten, mit Fortnite aus dem App Store zu fliegen. Fortnite ist so ein pickliges Shooter Ding für Kinder mit zu wenig Sonnenlicht. App Store ist ein Laden, den es gar nicht gibt für Produkte, die man gar nicht braucht.

Die Epic Fails Leute haben jetzt jedenfalls Bandcamp gekauft, weil sie es besonders gut mit den Künstlern und Labels meinen. Das sind Philanthropen, die mit einem Baller-Spiel Milliarden gescheffelet haben und nun ein bisschen an die Gesellschaft zurückgeben möchten, haha. Sollen wir wetten, dass Bandcamp dann demnächt auch NFTs anbieten wird? Und wenn man das gesamte Bandcamp durchgehört hat, gewinnt man 1 Bitcoin. Yay.

In anderen Teilen der Welt haben sich derweil ein paar Menschen einmal im Proberaum in Melbourne treffen dürfen, um sich ein paar Dosen Bier und ein paar Ideen zu Musik zu teilen, bevor auch die Australier einen erneuten Lockdown über sich ergehen lassen mussten. Kurzerhand haben die Bandmitglieder Jackson Reid Briggs, Arron Mawson (Stiff Richards), Ryan Webb (Speed Week), Deon Slaviero (The Black Heart Death Cult) und Mitch McGregor (No Zu) ihre Ergebnisse der einen Probe jeweils zuhause eingespielt und per Email aneinandergeklebt.

Entstanden ist die Debüt Single von Split System. Ziemlich cool, dieser digitale Fortschritt. Gepresst auf analoge Technik. Kann man kaufen. In Australien. Geiler Scheiß!

Mal sehen, wie lange wir noch auf Bandcamp zurückgreifen, vielleicht wandern die coolen Punk Bands und Labels ja demnächst zu einer neuen, hippen Seite. Gibts nicht Myspace wieder?

Crisis Man – Asleep In America LP

Mit dem Bandnamen hat man immer Konjunktur. Egal, wohin Du siehst, da liegt schon eine Krise vor Dir.
Nein?  – Dann hast Du nicht gründlich genug hingesehen.

Als Superheld ist der Crisis Man aber auch irgendwie scheiße, was soll denn dann die Superkraft sein? Eine Krise heraufzubeschwören? Wäre ja redundant, ne? Oder kriegt der Typ immer die Krise? Oder ist er einer von denen, die einen krisensicheren Job haben? Ein Bulle? Ein Altenpfleger? Wirtschaftskrise oder Energiekrise?

Nee, als Superheld eher ungeeignet. Es sei denn, er ist der Typ, der jede Krise bewältigen kann. Mit einem Fingerschnippsen. Dann ergäbe auch wiederum der Bandname in Kombination mit dem Albumtitel Sinn. Ach, egal.

Die Band mit dem Gitarristen von Autistic Youth und Public Eye (Nick Vicario) am Schlagzeug verschwendet ihr Potenzial mit einem neuen Song, der wunderbar in alle heutigen Krisen passt. Aggressive Grundstimmung, aggressive Gitarren, aggressiver Gesang und aggressives Schlagzeug. Was willste mehr? Klingt wie Hardcore Punk mit Skateboard im Karneval auf der Kölner Domplatte.
Kommt in unseren Landen bei Erste Theke Tonträger raus und in den USA bei Digital Regress irgendwann im Mai. Geiler Scheiß aus Santa Rosa im sonnigen Kalifornien.

Aggression – das ist dann also die Superkraft des Crisis Man. Warum nicht, kann ja nicht jeder nur grün anlaufen, wenn man wütend wird. Irgendjemand muss auch auf die Kacke hauen.

Clown Sounds – Born Under A Bad Sigh LP

Während sich Groschi gerade mit ein paar Panzerfäusten im Kofferraum auf dem Weg in den Osten befindet, halte ich hier stabil die Stellung auf dem Plumpsklo des Musikjournalimus' und versuche, die emotionalen und politischen Wunden mit Punk Rock und Hardcore-Balsam einzureiben.
Für den Rest habt ihr ja Vater Staat, der mal eben 100 Milliarden Euro locker macht, um uns zu verteidigen. Na klar.

Ich hab nachgerechnet: davon können wir uns knapp 75 mal die Gorch Fock reparieren und diese dann strategisch günstig positionieren, um unseren "Feinden" ein hübsches Boot zu präsentieren. Genial.

Leider ist deswegen aber keine Kohle für die Bewältigung der Klimakrise mehr da. Sorry. Oder Bildung. Sorry. Oder Pflege. Sorry. Oder Hartz IV EmpfängerInnen. Sorry. Falls Ihr es nicht wusstet: So eine große Summe darf Deutschland nur dann aufnehmen, wenn es wirklich dringend ist. Und, äh, das ist dann jetzt so. ?? Puh.

OK, Balsam…Clown Sounds haben ein neues Album aufgenommen und das klingt sehr schön. Weil es sich irgendwie auch ein bisschen wie Toys That Kill anhört, aber das kann auch nur in meinem Kopf so sein. Auf jeden Fall schöne 10 Songs voller Punk Rock Spielfreude, wie man das von Todd Congelliere und Jimmy Felix und Konsorten gewöhnt ist. Im Moment ist das bei Bandcamp noch kostenlos erhältlich, aber ihr könnt auch mehr ausgeben und so zu einem Produzenten des Albums ernannt werden. Kein Scheiss.

Bei 20$ biste Produzent, bei 40$ könnt ihr euch im beiliegenden Comic als Figur verewigt wissen, wenn Ihr ein Bildchen einschickt. Cool.
Bei 100$ fährt Todd mit seinem Skateboard zu euch und dreht die Platte um. Geiler Scheiß. Natürlich auf Recess Records.

Die Platte ist in den genannten Preisen im übrigen nicht mit dabei und wird dann ganz schön teuer. Aber vielleicht kennt ihr ja jemanden im Verteidigungsministerium?

Tocotronic haben gelogen

Ich muss hier mal wieder aufräumen, bevor am morgigen Freitag noch einmal ein ganzer Schwung neuer Musik in meinen Posteingang geschwemmt wird und ich die Übersicht komplett verliere. Hier noch schnell ein paar kurze und knackige Empfehlungen vom Browserfriedhof. Denn ob Krieg oder nicht (Tocotronic’s Aufruf hat kein Gehör gefunden – na sowas), die Musik hört nicht auf.

Selbst auf der Titanic haben die beiden Bands weitergespielt, als das verdammte Schiff zu sinken begann. Sollten wir das als Analogie sehen?

Nein. Schönes Wochenende, wenn ihr könnt.

D. Sablu – "Live" For Tour

Klingt ziemlich schlecht gelaunt, was der Herr D. Sablu hier macht, aber das könnte auch täuschen. Ist ja schließlich Punk Rock und da kann man oftmals die Emotionen nicht so recht deuten. Warum haut man sich vor der Bühne gegenseitig aufs Maul und findet das großartig? Steht man auf Schmerz oder ist man nur grundsätzlich im Geist geschädigt. Findet es heraus – spielt das hier euren Freunden vor und wenn die sich nicht mit euch kloppen wollen, muss man sich um deren Stimmung Sorgen machen.

Nocturnal Prose – Demo 2022

Wenn schon "Nocturnal" im Bandnamen angegeben wird, ist es wahrscheinlich kein Pop Punk. Steile These, ich weiß. Aber ich soll Recht behalten – Nocturnal Prose machen ganz fantastischen düsteren Post Punk mit Bauchstimme und allem, was der moderne Rotweintrinker so braucht. Dieses Demo der "Nachtgeschichten" besteht aus drei Kapiteln, die auf mehr hoffen lassen. San Antonio, Texas, auch schon ein paar Tage her.

Waldo Faldo – Colaga De Playa 7″

Synth Punk aus Madrid. Lustiger Name, Waldo Faldo. Heißt übersetzt soviel wie Walter Rock. OK. Und die machen sympathisch bis hektischen Elektro Punk mit kreischenden Menschen, die zwischendurch ihren Tasteninstrumenten oder Synthesizern quietschende Töne entlocken. Aus Madrid mit dem Surfboard zum Meer – mit seinem Strandkumpel. Schöne Single, die neulich bei Bowery Records und Banana erscheinen ist.

No Fix – Neon Dreamz CS

Ohne viel Schnick und Schnack kommt das Tape von No Fix daher. Schnoddriger, aber auch melodiöser Garage Punk aus dem kanadischen Windsor in Ontario. Genau der richtige Soundtrack für die ersten Sonnenstrahlen am Ende des Winters. Man weiß nicht so recht, ob das schon zum Planschbecken aufbauen reicht, aber mit den Glühweinresten kann man es sich recht kuschelig warm einrichten und so tun, als wäre schon wieder Badesaison auf dem Stadtbalkon. Schönes Ding – erschien bei Feral Kid Records und Tetryon Tapes vor ein paar Tagen.

Wasted – Break You

Teaser Nummer Eins für ein neues Album von Wasted, das bei Sabotage unter dem Titel "Modern Lie" im April erscheinen wird. Der Track hier hört sich ein bisschen nach Shrinkwrap Killers an. Also wenn Shrinkwrap Killers mit echtem Schlagzeug unterwegs wären. Also eigentlich ist es nur die Stimme. Naja, mal abwarten, wie der Rest so wird – der eine Song ist auf jeden Fall schon mal nett und ein Video gibt es dazu auch noch. Yay. Wasted. Again?

SmackBeat – S/T CS

Punk Rock mit viel Melodie aus Münster. Keine Ahnung, was die SmackBeat da machen im Proberaum, aber wenn sie genug Pinkus intus – und eine Ohrwurmmelodie gefunden haben, dann spielen sie die bis zum Erbrechen in Deinen Gehörgang. Tolle Lieder, die vielleicht ein bisschen zu lange dauern und zu viele Wiederholungen haben (für meinen Geschmack, aber ich mag auch Pinkus nicht so gerne). Der Sänger könnte auf jeden Fall mit enger Hose bestimmt auch bei einer Speedmetal Band anheuern. Erschien im Januar – checkt die mal.

Vaguess – Nothing’s Secret

Ein neues Vaguess Album ist wie ein Sonnenaufgang am Meer im Sommer. Am letzten Urlaubstag. Wunderschön, aber deprimierend.
Wie eine schwäbische Dampfnudel – süß und auf einmal mega salzig, dass es einem die Spucke vor Schreck in den Gaumen zurückdrückt.
Wie meine 24,6 Freunde, die ich nur im Telefon besuche. Bittersüß.
Oder es passt ganz einfach in diese letzten Tage und Wochen des Winters, der mit der allgmeinen Stimmung "Hurra, ach nee doch nicht" Werbung für die Psychopharmaka meiner Apothekerin macht.

Herr Vinny Early hat auch bei Nothing’s Secret mal wieder alles von den Instrumenten über den Gesang bis zur Aufnahme und Abmischung selber gemacht und sich lediglich zur Unterstützung dreier Lieder noch eine zweite Stimme ins Studio geholt. Auch dieses Mal wieder sind hier zwölftausend Ideen und Melodien auf 10 Liedern verteilt, die allesamt Ohrwurmcharakter haben. Auch dieses Mal erscheint das Werk bei Refry Records, wenn auch bislang nur digital.

Für Fans von Lo-Fi Punk Garage Indie Alternative Musik Musik Musik. Toll.

Vielleicht ist das Album auch einfach quietsch fröhlich und nur ich bin es, der hier Moll-Akkorde feiert? Sam Henry ist tot, also kann das schon auch sein.

F.E.I.D.L. – Wödmusik CS

Ein neues Tape auf Phantom Records ist immer eine Erwähnung wert. Außer dem anderen, das heute erscheint. Das find ich ehr langweilig. Aber das hier, das neue F.E.I.D.L. Album, das kann man gut hören, auch wenn man kein Fan des Wiener Dialekts ist. Ich hingegen liebe diese großartige Spielart des Deutschen und das inhärent herablassende Uäghhh bringt im schrammeligen Punk noch mal eine ganz feine Prise an zusätzlichem Charme der Arroganz.
Dazu abwechslungsreiche Gitarrenpop Indie Punk Musik mit hoppeldipopp Rhythmen und diversen Zwischenrufen anderer Instrumente. Gut zum Tanzen oder aber zum Skateboardfahren. "Das Leben ist zu kuaz zum Longboardfoan". Haha. Toll.

Nach der schönen 7″ nun also das Debüt auf Kassette, weil die Vinylmanufakturen zu langsam sind.
Taschenmesser.

Chinese Junk – Raw Deal CS

Sehr gutes Tape von Chinese Junk aus London. Das hör ich jetzt schon zum dritten Mal. Dauert allerdings auch nur gerade so 5 Minuten, reicht also genau für eine kleine oeder eben dreimal für eine große Pause. Dafür geht man dann umso schlecht gelaunter wieder zurück in die Mine. Und haut seinem Vorarbeiter aufs Maul.

Am Wochenende regen die 4 Songs hingegen bestimmt gut zum Badputzen an. Wenn es dann auch nur für einen Wasserhahn reicht. Geiler Scheiß von Big Neck Records.

Romero – Turn It On! LP

Ach wie schön! Die hervorragenden Power Pop Dudel Könige aus Australiens Melbourne melden sich mit ihrer Debüt LP zurück. Romero waren nicht untätig und veröffentlichen via Feel It Records ihre 11 Song Strategie zu mehr Zucker in der Disco.
Und wenn man mehr als nur den Titeltrack als neu vorstellen könnte, tät ich hier auch mehr Platz einplanen. Aber so? Na, auf geht’s.

Drei Lieder kann man schon einmal hören. Einen von der ersten Single, der ist sehr sehr gut. Einen von dem digitalen Release vom November letzten Jahres. Der ist wirklich gut. So richtig. Und dann eben noch den Titeltrack zu der LP. Turn it on! Der ist auch ziemlich gut, so richtig gut. So gut, dass es sogar ein Video davon gibt. Allerhand.

Manchmal gibt Musik ja so ein bisschen Hoffnung. Auf einen kommenden Frühling mit warmer Sonne statt Maske im Gesicht. Und einen Erdbeershake im Biergarten, der so viel Eis im Becher hat, dass man ihn kaum durch den Strohhalm bekommt. Und mit Freunden Frisbee spielen oder am Rhein sitzen und Treibholz verbrennen und Flaschenpost trinken und mit dem Skateboard…oh…Musik vorbei.

Könnt ihr in rot oder in schwarz bei Bandcamp vorbestellen. Und das soll dann günstig sein, weil es jetzt eine europäische Niederlassung von Feel It Records gibt, wo das Album am 08. April erscheinen wird. Aber so richtig hab ich das nicht verstanden. Egal.

Wenn der Rest der Platte nur halb so gut ist, wäre das doof.

Chubby And The Gang – Labour Of Love

Wie feiert ihr eigentlich den Valentinstag? Aha, mhm. Soso.
Interessiert mich eigentlich gar nicht so sehr. Hauptsache, ihr schmeißt die drei neuen Liebeslieder von den Londoner Punkern in die Playlist, denn romantischer wird es nicht mehr. Chubby and the Gang versüßen euch den Abend alleine auf dem Küchenstuhl mit Power Pop Oi, oder so. Das musikalische Äquivalent zu Marzipanbier.

Wer am Valentinstag alleine ist, sollte im übrigen nicht den heiligen Valentin anbeten. Der ist für Wahnsinn, Epilepsie und Pest zuständig. Passt irgendwie auch besser zur Musik.