All Away Lou – Things Will Change LP

Ich liebe diese Stimme. Schon bei den großartigen Caves oder auch den Flamingo 50 hat mir ja das Songwriting und das Gedudel und der Bass und Schlagzeug und jaja und klaro natürlich alles bombe, aber die Stimme von Louise Hanman?!
Diese Stimme ist wie Ketchup – passt zu allem. Da ist mir ja sogar fast egal, worüber die Stimme da singt.
Ok, damit kann man keinen angebrannten Topf reinigen und auch keinen Schmuck polieren, aber so wörtlich darf man diese Analogie mit dem Ketchup auch nicht nehmen. Meine Güte.

Things Will Change ist das Debütalbum von All Away Lou nach zwei digitalen Teasern aus dem letzen Jahr, von dem einer nicht einmal Platz auf der Platte gefunden hat, oha. Die Aufnahmen stammen alle bereis aus dem Jahr 2020, was wieder einmal die miserable Quote der Presswerke für Indie-Veröffentlichungen offenbart. Da kann man ja nur froh sein, dass es sich hier um eine echte Solokünstlerin handelt, die alles selber eingespielt hat und sich somit nicht während der langen Wartezeit auf das Vinyl zerstritten hat.

Klanglich kann man die Platte zwischen ihre anderen Projekte stellen oder aber auch neben die Martha LPs oder vielleicht Baby Ghosts? Naja, ist halt melodischer Pop Garage Indie Punk mit toller Frauenstimme. Gibts auf rot und blau…nicht auf schwarzem Vinyl. Na sowas.

Erschien zwar gestern bei Specialist Subject aber die gibt es auch jetzt schon in Deutschland bei Yoyo Records. Was ja Sinn ergibt, der hat schließlich eine Vielzahl der Caves LPs gemacht. Frühling kann kommen…

Salami Taktik Teaser (Vegan)

Wie haltet Ihr Euch eigentlich fit für den Tag der Revolution? Wenn wir das ganze beschissene System umwerfen und noch einmal von Vorne anfangen?

OK, es muss ja nicht immer gleich der ganze große Apparat dran glauben…äh, fit für die Demo? Wenn man hinter den Nazis her- und vor den Bullen wegläuft und in der Mitte dazwischen mit Gasmaske schnaufend Steine aus dem Pflaster kloppen muss. Nein?

OK, meine Güte. Wie haltet Ihr Euch fit für den täglichen Gang zum Kiosk, wo Ihr den Kampf gegen den Kapitalismus mit ein paar Dosen Bier ertränkt?
Ich weiß ja nicht, welchen Sport man da so empfiehlt, aber für eure nächsten körperlichen Ertüchtigungen empfehle ich folgende Musik…

Spodee Boy – Neon Lights 7″

Eine neue Single bei Goodbye Boozy ist immer ein Grund zum Feiern Geldabheben. Im Sommer soll von den Garage Punkern Spodee Boy dort etwas Rundes erscheinen und man darf schon einmal den melodischen Dancefloor-Smasher Neon Lights vorab hören. Nicht das ausgefeilteste Schlagzeug, aber dafür schöne Gitarren, toller Gesang und eingängiger Basslauf. Viel mehr braucht man in Nashville eigentlich auch nicht, um erfolgreich zu sein, oder Johnny?

Ditz – The Great Regression LP

Obacht – Post Punk aus Großbritannien. Das ist eigentlich ja gerade ein rotes Tuch für mich, aber hin und wieder kommt genau das richtige Gemisch zusammen, um nicht zu arty zu klingen und dennoch nicht zu plump oder langweilig. Ich weiß, es ist ein Drahtseilakt. Diesen beherrschen Ditz aber sehr gut, hier kombinieren sie Kopf- und Bauchmusik sehr eindrucksvoll und lassen den seltsamen, abstoßenden Kram nach der Covergestaltung einfach sein. Kommt bei Alcopop! Records im März und wird hier öfters laufen.

Rolling Blackouts Coastal Fever – Endless Rooms LP

Ein bisschen Indie? Die Rolling Blackouts C.E. aus Melbourne haben es so gut. Sie können sich in Zeiten der Pandemie kurz in einem schicken Häusle treffen und gemeinsam musizieren. Dann feststellen, dass das ja ganz cool klingt und schließlich dort das gesamte Album aufnehmen. Und dann packt man das Häusle auch aufs Cover. Fertig ist die neue LP bei SubPop. Es kann so einfach sein. Wenn man in Australien lebt…Kommt im Mai.

Star Party – Meadow Flower LP

Noch mehr Indie? Oder ist das Punk? Ach, wen interessierts. Star Party haben ihr Debütalbum aufgenommen und kommen damit aus Seattle über den großen Ozean bis zu Dir ins gemütliche Blumenbeet geschossen. Und es klingt nach einer Mischung aus Rosenkrieg und Dornenbusch, Gänseblümchen und Schlafmohn. Wäre hier ein "echtes" Schlagzeug eingebaut, würde man den Sound sicherlich sofort in ihrer Heimatstadt verorten. So ist es eben ein Stück daneben. Von allem. Und das wiederum ist ja eigentlich mal der Sound aus Seattle gewesen, ne? Cool!

Baby Ghosts – Who Gives A Shit

Ich! Hier. Ich gebe einen Scheiß. Ein neues Album von den großartigen Baby Ghosts? Nehm ich.

Coins Parallèles – Démo CS

Post Punk aus Montreal im kanadischen Québec. Das 5 Song Tape verteilt sich auf 5 Labels: Contact Minimal (Montréal), Mangel Records (Berlin), SYF Records (Stettin), Tough Gum Records (Baton Rouge) und Urticaria Records (Nantes). mit der geballten Power im Rücken hätte man eigentlich sogar ein Vinylrelease anstreben können, aber warum 12 Monate warten, wenn es auch schnell geht. Typischer Dudel mit starkem Bass und Gepiepe Post Tanzkram. Ziemlich cool.

The Gobs – Demo 7

Ein Witz wird ja nicht unbedingt lustiger, je häufiger man ihn erzählt. Egal, denkt man sich in Olympia.
Hier kommen The Gobs mit ihrem Demo Nummer 7 und machen alles so, wie sie es zuvor bereits gemacht haben. Lo-Fi Garage Punk mit halsbrecherischen Hi-Hats und wunderbaren Melodien, die man so auch früher bei Bands aus Texas gehört haben könnte. Das hat alles einen dreckigen Charme von DIY und macht wesentlich mehr Spaß als die Top 100 Liste von Spotify. Da höre ich lieber diese 3 Songs, äh, 33,33333333333333 mal als auch nur eine Minute von dem belanglosen Popgedudel.

Im übrigen bin ich der Meinung, dass diese 7 Demos mal auf Vinyl gepresst werden könnten.

Klazo – 'Demik Dementia LP

Ist euch schon einmal aufgefallen, dass der Chefredakteur von der Welt und N24, Poschardt, frappierende Ähnlichkeit zu dem Chef von Kettcar und But Alive, Wiebusch, aufweist?
Und das soll niemand merken? Kann es sein, dass sich der ehemalige Punker (also Wiebusch) vielleicht in einem länger angelegten sozialen Experiment befindet und es bald ein Konzeptalbum des Solokünstlers geben wird mit tiefen Einblicken in die populistische und rechtskonservative Chefetage der Springerpresse? So was wie Wallraff 2.0 nur mit Musik.
Würd ich kaufen. Achtet mal darauf, ob ihr die beiden schon einmal zusammen in einem Raum gesehen habt…ich mein ja nur.

Auf der anderen Seite des Atlantiks haben die Leute ganz andere Probleme. Da sind zum Beispiel die beiden hochbegabten Musiker aus London im kanadischen Ontario, die unbedingt ihre neuen Spielsachen (Overdrive) ausprobieren wollen und sich kurzerhand nach dem Modell benennen, 11 Hits einspielen und jedem beweisen, wie genial diese Übersteuerung bei Gitarren klingen kann, wenn man einen Klazo benutzt. OK!

Ihr kennt zumindest einen der beiden bestimmt, hier spielt der Überflieger Rob Brake mit, bekannt aus Mononegatives und anderen überfliegenden Bands. Das Album erschien vorgestern bei No Front Teeth im europäischen Post-Brexit London und bei Big Neck Records aus Virginia.
Könnt ihr jetzt schon kaufen – ich empfehle dazu 12 Dosen Bier und diese weißen Schaumzucker Mäuse. Dann sieht man beim Kotzen aus, als hätte man Tollwut.

Lafff Box – S/T 7″

Nach dem guten 2-Song Demo vom letzten Jahr kommt nun eine 4-Lieder Single in diesem Jahr und nächtes Jahr dann eine 8-Stücke LP. Und dann lösen sich Lafff Box auf. Weil die Leute sind nämlich Punk Rock und aus Halle, Leipzig und Berlin und haben neben dieser Band auch noch zwanzig andere Kohlenstücke im Feuer. Oder waren es Kartoffeln, wie geht noch das Sprichwort?
Egal, die Single kommt jetzt auf jeden Fall bei Turbo Discos aus Halle (Saale) heraus und kann ab sofort jekauft werden, wa. Punk Rock mit super Gitarren und doppeltem Gesang, fast schon Küken. Geiler Scheiß.

Fun Fact: Da hat man so ein schönes Cover im Riso-Druck gemacht und dann stimmt die Reihenfolge der Songs auf der Rückseite nicht. Haha. Zum Glück haben sie nur 300 davon gemacht.

Hogar – Todos Contra Todos LP

Nanu, was haben wir denn hier zusammengewürfelt? Eine angenehm verrückte Mischung aus 2 Teilen Marked Men und 1 Teil Dickies gepaart mit abgehackten Stakkato Gitarren und Songstrukturen von den Shocks (Alles ist falsch), kombiniert mit einer Prise Slime (Plattentitel) in einer formschönen Verpackung aus dem Kindergarten. Auf Spanisch. Und Deutsch. Findet mal bitte eine vergleichbare Platte. Tolles Album von Hogar!

Erscheint jetzt und ist dann auf Platte bei Felxidiscos in ca 4 Monaten fertig geschnitzt.

Slimex – Easy Money 7″

Zur Abwechslung mal ein bisschen Synthpunk. Oder Garage Synth. Oder Post Punk Synth. Synth. Synth. Slimex liegen schon ne ganze Weile hier im Browser herum und wollen auch endlich mal raus. Dabei hab ich in den letzten 3-4 Wochen gar nicht mehr über die Band herausgefunden, das ich als weiterführende Information hier reinschreiben könnte. Ok, ich hab auch nicht nachgesehen. Die kommen aus Portland. Hm.

Die machen Synthpunk. Schon erzählt, ne? Tja, pffft. Hm. Gitarre und Schlagzeug sind auch mit dabei. Und die 6 Lieder sind auch ziemlich eingängig und rutschen super in den Gehörgang, keine Frage.
Die haben vorher schon mal ein Tape veröffentlicht, das war auch schön.

Slimex sind weniger Party als Flop Machine und mehr Punk. Slimex sind weniger Rotz als Cuir und mehr Melodie. Irgendwo dort in der Synthpunksphäre haben sie sich ihren eigenen Platz gezimmert und sitzen dort bequem neben den anderen Helden der reanimierten Synthieszene am Tisch und lästern über Deine Rumpelpunk Band.
Ich würde das ja auf 7″ kaufen, aber die ist schon weg. Kassette tut’s auch. Und für ganz harte Fans gibt’s sogar noch ein Longsleeve.

Fun Fact: Das Artwork ist von Robin Roche, der damit sein sechstes Cover für ein Release für das sechste Label abliefert, das ich nicht verstehe. Ist Kunst, da machste nix. Auch der Satz. Der ist auch Kunst.

Gedanken. Ich, konservativ.

Mir drängt sich eine Frage auf. Bin ich konservativ?
Es beginnt ja meist schleichend, diese ablehnende Haltung gegenüber den progressiven Errungenschaften der jungen Generation. Bis zu einem gewissen Innovationsgrad bin ich noch mit dabei und dann, schwupps, ist das alles auf einmal unfassbar scheisse und dumm. Zumindest in meinen Augen.

So kann ich zum Beispiel die Digitalisierung und ständige Verfügbarkeit von Musik noch gutheißen und befürworten, obwohl ich ja eigentlich streng analog mit Platten und dem ganzen gestrigen Quatsch unterwegs bin. Denn die Möglichkeit für Bands und Künstler, ihre Veröffentlichungen jeder Person auf diesem Planeten mit Internetzugang anzubieten, ist schon echt wahnsinnig gut. Künstlerische Vielfalt für alle und jeden immer und überall – geile Errungenschaft. Im Prinzip.

Doch dann wird aus diesem ganzen Gedöns ein Geschäftsmodell gemacht, das ich nicht mehr verstehe und dem ich mich deswegen warscheinlich auch seit jeher verschließe. Fucking Spotify als Anführer dieser Streamingdienste ist mit den Majors im Bett – wie konnte das nur passieren? Die Majorlabels hatten ausgeschissen, als auf einmal MP3 Tauschbörsen aufkamen und damals schon, vor 20 Jahren (!) alles überall verfügbar war, wenn auch nicht im schnellen Stream, sondern mittels eines Downloads, der für einen Song ungefähr eine Viertelstunde gebraucht hat – aber es geht ja ums Prinzip.
Und dann? Dann kam auf einmal das Urheberrecht wieder zurück in das Bewusstsein. Und damit einhergehend natürlich die Frage nach der Wertschätzung Bezahlung. Und wenn jemand nach Geld schreit, wird die Industrie schnell hellhörig und findige Marketingdeppen entwickeln zusammen mit den Geldsäcken ein Modell, von dem es so aussieht, als würden alle davon profitieren. Was natürlich Quatsch ist.
Profit machen hier nur die Musikindustrie und eine handvoll Künstler, die pro Monat mehrere Millionen Streams generieren. Find ich kacke so, geh ich nicht mehr mit – man kann ja auch die Bands oder kleinen Labels direkt bezahlen und die Musik streamen oder herunterladen, ohne einem Unternehmen als Dienstleister sein Geld in den Rachen zu schmeißen.

Ich hab damit offensichtlich grundlegend ein Problem, wenn sich Unternehmen an anderer Leute Arbeit bereichern. Das hatte ich schon zu Discogs gesagt, die ja nun wirklich nichts selber machen, außer eine Plattform zu bieten. Und mit Spotify oder anderen Streaminganbietern ist es genau das Gleiche. Die sind einfach nur da, machen ein bisschen cooles Marketinggeschrei und verdienen sich an den Künstlern, ohne die sie keinen Inhalt hätten, eine goldenen Nase, die Pinocchio neidisch werden lässt. Anscheinend ist hier bereits meine Grenze erreicht, an der ich den Fortschritt nicht mehr mitlaufen und lieber im gestrigen Wunderfabelsuperland bleiben möchte.
Schlimmer wird es dann nur noch mit den NFTs. Was zur Hölle soll denn der Scheiss überhaupt sein? Und wieso erlauben sich Menschen nun, Anspruch auf Kunst zu erheben, mit der sie überhaupt kein bisschen etwas zu tun haben? Und selbst wenn, was ist das denn für Kunst, die nicht von anderen angesehen oder angehört werden kann? Denn die Idee dahinter ist doch der exklusive Zugriff auf ein Einzelstück, oder?

Passend dazu:

Wahrscheinlich verstehe ich es nicht, bin zu alt und deswegen so ablehnend. Aber das hat in meinem Leben nichts verloren. Und vielleicht beantwortet das meine eingangs gestellte Frage..?

MOAR – Flatfood 7″

Die alten Garage Punk Rocker aus Antwerpen beglücken uns nach inzwischen 4 Alben wieder einmal mit einer neuen Single.
Und mit alt meine ich, dass die immerhin vor bereits 6 Jahren schon ihr Debüt veröffentlicht haben. Also, ohne die Leute jetzt persönlich zu kennen, aber da würde ich mal schätzen, dass die mindestens Mitte 20 sind. Und sind wir doch mal ehrlich, alles nach 23 ist nur noch langsamer Verfall, der dann stetig an Geschwindigkeit zunimmt.

Im gleichen Maße wie die Verbitterung im übrigen. Also man verliert quasi Haare, aber dafür gewinnt man Fettpolster um die Hüfte. Die Sehkraft verringert sich, aber dafür erhöht sich im Gegenzug ja der Cholesterinspiegel. Die Herzfrequenz nimmt ab, Du nimmst nur noch zu, bis Du das einfach akzeptierst und denkst, Du stehst da voll drüber, während Du dickbräsig in Deinen Sessel furzt und Deine Krebsgeschwüre nach Deinen Mitarbeitern und Kollegen benennst.

OK, Garage. Punk Rock. Stimmung!
Ich geh mal mein Mofa flicken und pack mir die 5 Superhits auf die Ohren, die da auch nur schwer wieder raus wollen. Erscheint bei Belly Button, Ronny Rex, Zoe Zoe Records und Permanent Freak auf schwarzem Vinyl. Schreit nach MOAR, macht müde Beine munter 😉

Fun Fact: Die Single ist dem kleinen Dinosaurier aus den Cartoons gewidmet. Aber welchem? Dino? Dink? Spannende Fragen!

Toe Ring – Footage CS

Kennt Ihr noch Mesh? Diese tolle Post-Punk Band aus Philadelphia, über die ich vergessen hatte, etwas zu schreiben? Tolle Band, super Kassette letztes Jahr im Sommer erschienen und inzwischen auch schon die dritte Pressung ausverkauft.

Die talentierte Sängerin und Gitarristin Sims Hardin, die vielleicht neben Mesh auch noch bekannt aus der Erste Theke Veröffentlichung von Dark Web bekannt ist, hat nun zusammen mit Leslie Burnette von Louie Louie und Juice eine kleine Recording Session hingelegt. Wenn das vielleicht euer Ding ist, dann googelt doch einfach mal Toe Ring Footage. Bildersuche. Herausgekommen sind hier auf jeden Fall 4 tolle Songs zwischen Punk Lofi Garage und irgendwas, das man gut findet, wenn man lustige Pilze im Wald gefunden hat.

Ziemlich cool. Philadelphia ist auch so ne kreative Hochburg der Gitarrenmusik. Footage ist vor 2 Tagen bei Spared Flesh Records erschienen und auf 50 Kassetten verfügbar. Nein, Stopp, nur noch 8. ¡Ándale, ve!

Und wieso nennt man eigentlich eine Auflage von neuen Kassetten eine "Pressung"? Jetzt reichts aber mal.