Pop Pop Pop Populär Pop

Kann man die Fantastischen Vier eigentlich noch ernst nehmen und aus einem anderen Grund als der Nostalgie gut finden? Ich nicht.
Aber das ist ja eigentlich bei allen Bands so, die schon länger als 25 Jahre unterwegs sind und kacke. Zum Beispiel Tote Hosen. Puh.
Oder Ärzte. Uff.
Das sind doch genau die richtigen Ansprechpartner für unsere Altersvorsorge und Krebsvorsorge und Vermögensdepots und was man mit einem eingewachsenen Fußnagel macht. Aber ansonsten? Ach so. Doch. Die sind gerade im richtigen Alter für das OX-Cover – dem Schaufenster in den Seniorenstift des Punk Rocks! Haha.
OK, genug geschimpft. Hier ist gute Musik.

Chained Bliss – S/T LP

Mein digitaler Knoten im Taschentuch hat gehalten. Wie schön, dass der Drunken Sailor da nun die LP von den 4 Jungs aus Philadelphia herausbringt. Aber überall steht geschrieben, die klingen wie die Wipers. Das ist natürlich Quatsch. So würde Greg Sage nur singen und Gitarre spielen, wenn man ihm vorher mehrfach ordentlich in die Eier getreten hat. Müsste man mal ausprobieren.

Useless Users – We Are All LP

Ganz wunderbarer Post Dudel Indie Hype. Man könnte das auch schon als Pop bezeichnen, schließlich springt Cargo hier gierig auf den Vertrieb der LP in Europa. Der Platte zu lauschen ähnelt auf jeden Fall einem entrückten Drogentrip, bei dem die gesamte Umgebung in Watte gepackt ein wenig langsamer und stiller läuft. Dient dementsprechend nicht unbedingt zum Pushen beim Sport oder bevor man mit "den Jungs" ordentlich "vorglüht" am Samstagabend. Eher so Sonntagfrüh mit Diazepam. Toll.

Mižerija – S/T 7″

Und wenn der Pop in die Anarcho-Schmuddelecke abdriftet, kommt dann sowas wie Mižerija dabei heraus. Herrlich melancholischer Post Punk Pop Wave wasweiß ich. Aus Zadar in Kroatien und auf Deutsch so viel bedeutend wie "Jammer". Nicht etwas Misere. Eine Misere ist ein medizinisches Synonym für das seltene Symptom des Koterbrechens. I shit you not, lol. OK – das Demo aus dem letzten Jahr endlich auf Vinyl und einen Extra Song gibts auch noch oben drauf.

Fresh – Raise Hell LP

Wie sagen das die coolen Blogs und Zeitschriften? FFO Martha/Spookschool usw. Hm. Ich hab da mal vor nem Jahr schon gesagt, dass ich die mag. Das hat sich nicht geändert, auch wenn die noch ein bissl poppiger geworden sind. Das passt doch ganz gut zum Spaghetti mit Tomatensoße kochen und da es ein Longplayer ist, kann man sogar noch dazu essen und die Flecken aus dem T-Shirt mit heißem Wasser rauswaschen. Gallseife.

No Matter – Bad Chemnistry

So, jetzt haben wir aber alle Popvariationen durchgespielt und stehen dann gleich vor dem Endgegner. Zunächst der Pop Punk aus Nordirland von dem Sing-a-long Quartett No Matter. Klingt alles ein bisschen nach Copyrights und dergleichen, was auch gut auf Brassneck Records passt. Ich genieße diese Leichtigkeit des mehrstimmigen Gesangs und dem Wechseln am Mikro von Mann/Frau und der Chöre und den Ohrwürmern ja immer wieder gerne, wenn der Kopf zu schwer für meine Dodekaphonie Sammlung ist.

Social Union – Fall Into Me EP

OK, der Endgegner heißt Social Union und die haben gerade ihre komplette EP veröffentlicht. Da kommt man schlecht dran vorbei. Die lullen Dich ein und überziehen Dich mit einem Trief aus 80er Jahre Disko-Depressionen, der in der nächsten Staffel von Stranger Things zum Soundtrack gehört. He, nix spoilern, ich bin noch nicht durch.

Utopie – Flexidisc

Es läuft gefühlt so viel falsch, dass man gar nicht so richtig weiß, wen man zuerst nach der Revolution an den Photovoltaikanlagen aufknüpfen soll. Vielleicht liegt diese Hilfs- und Perspektivlosigkeit auch daran, dass die Utopie heutzutage in Form einer Flexidsc erscheint. Da muss man mal drüber nachdenken.
Ihr habt genau 5:42 Zeit, euch dem französischen Cold Wave aus Lille hinzugeben und mit einer vernünftigen Antwort daherzukommen. Auf geht’s…

Die sind mir neulich schon so positiv aufgefallen. Wurde auch Zeit, dass die mal was Handfestes (haha) herausbringen.

Good Cop – Having Fun At Gunpoint CS

Eine ganz wunderbare Mischung aus allem, was ich so in den 90ern gehört habe, wird hier in den 5 Songs durcheinander gewürfelt und mit Freude vor die Füße der gesättigten Hardcore Opis gekotzt. Emo? Hardcore? Metal? Punk? Ja. Alles. Ganz geil, wenn man gerade keine Zeit für differenzierte Musik hat und alles auf einmal braucht. Haha.
Interessante Band aus Hertfordshire.

Kann man auf Kassette, aber auch digital. Hauptsache. OK? Good Cop ! #thereisnosuchthing

Bewältigungsstrategie

Oh. Wochenende.
Schon wieder? Das ging aber schnell. Da könnte man ruhig noch ein paar Stunden pro Woche draufschlagen, damit sich das mit dem Arbeiten gehen auch lohnt, sagt der Präsident. Prima Idee! Muss ja auch mehr Kohle rein für die Verdreifachung von allem.

Und sparen müssen wir auch, sagt der Minister. In Düsseldorf sparen die jetzt zum Beispiel mit Bikini-Oberteilen. Das ist doch ein Anfang.
Ich weiß ja nicht, was ihr so macht, aber ich schalte jetzt die Nachrichten aus und trinke Musik. Lemmy, sag doch auch mal was.

“Most people have to do that kind of job that they hate every day of their lives. Can you imagine what that must be like? You have to submerge your intellect completely, right, and just, y’know, che cha, y’know, and all that. So, at the weekend, they want to hear something that tears the heart out of ‘em and gives it back better.”

OK, Erquickend. In diesem Sinne…ab ins Wochenende.

Class – S/T CS

Sehr tolle Kassette von Class aus Tucson in Arizona, die irgendwo zwischen Punk und Garage Glam anzusiedeln sind. Ganz klassisch besetzt und auch ansonsten nicht so ultraspannend die Angelegenheit, aber einfach nur gute Musik zum Marmeladekochen oder Bierbrauen. Die Kassette mit den 5 Songs ist zwar schon ausverkauft, aber da kommt im August eine neue Fuhre bei Sorry State und anderen Labels. Wieso eigentlich nicht ne 10″?

Electric Chair – Act Of Aggression CS/LP

Diese Aggression läuft so nicht, Mann. Electric Chair mit einer neuen LP im Anflug, die jetzt erst einmal nur auf Kassette zu kaufen ist und digital mit einem kurzen Happen beworben wird, damit man Appetit bekommt. Na gut. Iron Lung empfiehlt, das Tape am besten auf seiner Boombox "at the spot" zu hören. Jetzt braucht man nur noch eine Boombox. Und einen Spot. Aber dann geht’s ab.

The Serfs – Is There An Exit?

Is there an Exit? Show me the Way! Bissl Synthie zur Verspannung muss ja auch zwischendurch mal sein. Die Elektro Post Punks von the Serfs aus Columbus in Ohio zaubern ein weiteres Schmakerl aus dem Hut hervor, das zwar keine gute Laune macht, dafür aber zum spontanen Gruppensuizid animiert. Naja, das kann auch nur meine Lesart sein, keine Panik. So funktioniert halt dieser Coldwave auf Dauer. Man wird depressiv. Is there an Exit? Show me the Way!

Lassie – Behold LP

Das Debüt Album von Lassie aus Leipzig ist alles, was man sich von einem tollwütigen Collie mit einem Faible für Werwölfe erhoffen kann. Eine großartige Mischung aus dem Jugendzimmer des Punk Rocks, mit Clearasil abgerubbelt und fettig gänzend steht da ein selbstbewusster Haufen Attitüde im Türrahmen und sagt Dir, dass Du kacken gehen kannst. Verpackt in 13 Songs, die sehr viel Spaß machen. Bei Phantom auf Platte erschienen. Toll.

Pigeon – Permanten Quest/Riged 7″

Zwei neue Stücke von Pigeon. Ihr wisst schon, diese Post Punks aus Berlin, die wahrscheinlich auch noch in zwanzig anderen Bands spielen und zu kurze Hosen tragen und mehr Espresso mit Koks trinken als gut für die Verdauung ist und wissen, wie man einen Risographie-Workshop abhält. Freaks. Aber nur so kann man zu so guter Musik finden. Natürlich bei Mangel erschienen.

Ok Satán – Master of Neglect CS

Garage Punk, wie er besser kaum geht. Druckvoll, ohne platt zu wirken, rotzig und asi, ohne peinlich zu sein und schlecht gelaunt, wie man es nur im Punk Rock herüberbringen kann. Beim Metal wäre das direkt furchtbar pathetisch und voller Drachen oder so. Und im Hip Hop wird zu schnell geschossen. Die Hippies beim Techno haben zu viele Drogen genommen, um zu wissen, was eigentlich schlechte Laune ist und wer bei Indie schlechte Laune hat, hängt sich direkt auf. Ok Satán bei Goodbye Boozy!

Zhoop – Cassingle

Endlich ein neuer Song für die Morgengymnastik. Das wurde auch Zeit. Oh. Sind ja zwei. Laufen die auf 45?

Martha – Please Don’t Take Me Back 7″

Indie Pop Gedudel mit Punk drin. Martha ist ein großartiger Fels in der Brandung aus seelenloser und langweiliger Kackscheiße. Immer wieder tolle Melodien, schöne Texte, unaufgeregt und überzeugend eingespielt, vorgetragen und Spaß gemacht. Kann ich oft hören. Auf Vinyl bei Specialist Subject erschienen. Durham, Alter.

The Battlebeats – You Don’t Know Me 7″

Zu guter Letzt noch was Frisches aus dem Hause Bottleneck Records. Der Garage Punker aus Indonesien hat 4 neue Songs alleine eingespielt und kann sich damit gerne zu Jay Reatard ins Grab legen, das passt schon. Vielleicht noch ein bisschen Heroin dazu und Nobunny zur Party einladen? Kann man ganz wunderbar noch im Delirium zu tanzen, Deshalb Rock’n’Roll never dies, weißte.

Hose runter, Wasserrutsche!

Wird mit dem Klimawandel und der einhergehenden gottlosen Hitze im Sommer eigentlich auch so sinnvoller Kram wie die Siesta hierzulande eingeführt? Oder machen wir es einfach wie die USA und stellen überall Klimaanlagen auf 18°C und verlassen niemals den künstlich-frischen Bereich zwischen Kühltheke, SUV, Garage, Büro und Eisschrank? Oder beides?

Na, zum Glück ist durch die Sparpolitik meines lokalen Freibads die Wassertemperatur auf 16°C abgesenkt worden, das belebt Körper und Geist beim Eintauchen nach dem Sprung vom Beckenrand.
Fuck You Bademeister – Ganzkörper-Kneipp!

Ansonsten, hier ein paar Anspieltipps für’s Schlauchbootaufpusten:

The Slow Death – Casual Majesty

Ein neues Album von Slow Death ist wie ein Sommerurlaub auf seinem Dauer-Campingplatz. Man weiß, was man zu erwarten hat und viele Leute halten es für belanglos. Aber Hauptsache ist ja, es gefällt einem selber und das mit dem Tellerrand und dem Horizont, über die man dauernd schauen soll, ist auch nur was für die bekackten Snobs. Punk Rock aus Minneapolis kann man eh immer hören.

Los Pepes – The Happiness Program LP

Ach, wo wir gerade bei vorhersehbaren Dingen waren…Los Pepes haben ebenfalls eine neue Platte aufgenommen und veröffentlichen die LP bei Wanda Records in ein paar Tagen. Wie zu erwarten, wippt man auch zu diesen 12 Perlen aus 77er Punk Glam Rock wohlwollend mit und trommelt fröhlich auf das Autodach bei der Fahrt zum Strand. Punk Rock mit Mundharmonika und geklauten Ramones-Beats. Gute Laune.

Belly Jelly – The Universal Language LP

Noch einmal Punk Rock aus Minneapolis. Und ja, auch das ist gut, sonst würde ich das ja nicht hier reinpacken. Ein bisschen "moderner" und "freakiger", aber immer noch schnöder Punk Rock. Hier wird an vielen richtigen Stellen einfach mehr gequietscht und mit Eiern geschmissen. Eingängig bis hektischer Synthie Garage Punk, der an Personality Cult oder Smarts erinnert. Belly Jelly…die hatten ne Single bei Goodbye Boozy – vielleicht kommt die LP auch dort. Hurra.

Night Court – Nervous Birds Too

Kennt ihr die Night Courts schon? Sympathische Band aus Vancouver, die auch bereits ein Debüt Album aus zwei Teilen veröffentlicht haben (Nervous Birds One und Too (!)) und nun ein weiteres in Planung haben. Das kann ich euch leider nicht vorspielen, aber falls Ihr die Band gut findet, dann kontaktiert die doch mal und macht die neue LP auf Vinyl, ok? Ist so ne Mischung aus Audacity und Lemonheads. Richtig tolle Melodien.

Klint – S/T CS

Noch mehr Synth Punk mit Ei. Aber diesmal aus Haithabu im Norden der Republik, wo die Temperaturen noch erträglich sind und die wilden Banausen mit ihren Wikingerhelmen damals ihr HQ eingerichtet hatten. Heute treibt Sven dort als direkter Nachkomme sein Unwesen und hat mit Klint ein extrem cooles Solopreojekt an den Start gebracht, das direkt bei Goodbye Boozy veröffentlicht wurde und nun auch bei dem japanischen Label Dial Club auf Kassette zu kaufen ist. Knappe halbe Stunde gute Unterhaltung – endlich mal ne Tape Veröffentlichung, die nicht nur 2 Minuten pro Seite läuft. Geiler Scheiß.

Green/Blue – Paper Thin LP

Ich erinnere mich an eine Tankstelle im Süden Stuttgarts, in der ich gemeinsam mit ein paar Freunden irgendwann Mitte der 90er eine Packung Tabak und ein paar Dosen Bier kaufen wollte, um mich höchstwahrscheinlich auf ein SxE Konzert vorzubereiten, haha. Ich war halt noch klein und dumm.
Ein älterer Freund war schlauer und bemerkte beim Bezahlen, dass ein "Landser" in der Auslage feilgeboten wurde. Daraufhin hat er wahrscheinlich ruhig und sachlich dem unwissenden Studenten hinter der Theke zu verstehen gegeben, dass es nicht ok sei, diese "Zeitschrift" zu verkaufen ("Wasn das für ne Nazischeiße hier? Drecksladen, Kackbude, etc.") und dann verließen wir gemeinsam sittsam die Tanke (alles fallen lassen und einfach gehen), weil man schließlich sein Geld nicht bei Läden lässt, die militaristische Kacke aus gestrigen Köpfen verkaufen. So weit so normal in Deutschland.
Warum mir das aber im Kopf geblieben ist, liegt an einem anderen Kunden, der zur selben Zeit in der Tankstelle war. Dieser, äh, ältere Herr rief meinem Freund lautstark hinterher, er solle mal zum Militär gehen, da würden ihm die Eier geschliffen.
Herrlich. Ein Nachmittag in Baden-Württemberg. Ich hab mich dann ein paar Jahre später trotz dieser Fürsprache und dem starken Argument gegen die Bundeswehr entschieden. Fiel mir nur gerade wieder ein – wo doch nächstes Jahr der ganze Scheiß wieder von vorne losgeht.

Die Musik hat damit eigentlich gar nichts zu tun. Green/Blue sind weder Uniformen bei der Bundeswehr oder im Krankenhaus/Altenheim. Paper Thin ist vielleicht das Toilettenpapier, aber ansonsten hören die Analogien auch schon auf. Es ist soundtechnisch vielleicht ein bisschen in der Vergangenheit verankert, was die Band aus Minneapolis hier treibt, aber das ist ja nichts Schlimmes. Ein wenig düsterer Garage/Indie Post Punk Pop. Schlägt zeitweise in die gleiche Kerbe wie Civic oder so. Ich mag das sehr, es ist chillig und man hat ne ruhige Hand am Gewehr.

Ich hab das ja schon vor 20 Jahren gesagt. Der Staat kann sich ein funktionierendes Gesundheitssystem nur mit einer Wehrpflicht leisten. Jede Generation muss mind. für 12 Monate ausgenutzt werden. Und wir brauchen mehr geschliffene Eier, verdammt nochmal!

Social Union – Fall Into Me EP

Luke sagt, Social Union würden dort weitermachen, wo The Tacks aufgehört haben. Das wirft natürlich ein paar Fragen auf für die jungen Leute, die hier nicht seit 10 Jahren diesen Unsinn verfolgen.

Warum haben sich The Tacks aufgelöst? Wer sind The Tacks eigentlich und wer verdammt noch mal ist Luke? Antworten dazu bitte auf einen Zettel schreiben und den Leuten vorlesen, die das interessiert.

Mit Social Union kämpft sich auf jeden Fall eine neue Band aus den Dark Wave und Indie-Tiefen Neuseelands und Australiens empor, die ganz wunderbar zu einer langen Autofahrt mit dem Campinganhänger einlädt. Man kann eh nur 80 fahren, also einfach mal chillen, Arm aus dem Fenster, Tüte bauen, Dose Bier aufm Schoß. Toll.
Beeinflusst von der Architektur der Sowjetunion im hübschen Osten Europas versucht das Duo aus dem sonnigen Teil der Erdkugel ein bisschen miese Stimmung herauszupressen, aber richtig depressiv ist das nicht. Dafür haben die einfach zu viel Vitamin D.

Leider bis jetzt nur ein Song öffentlich, aber ich sage Euch…hui – die restlichen drei Songs enttäuschen auch nicht, bestimmt. Keine Ahnung.
Kommt nächsten Monat bei Blackjack Illuminist Records heraus. Auf, äh, Kassette?

Apropos The Tacks – da kommt tatsächlich noch posthum eine LP heraus. Auf Vinyl und so. Richtig toll. Mehr dazu später.

Hallo Sommer. Gute Fahrt.

Na, habt ihr alle euer 9-Euro Ticket in der Tasche und seid startklar, um am Pfingstwochenende nach Sylt zu ballern und die Strandkörbe vollzukotzen? Cool. Ich hab da für den Weg ein paar passende Sachen für den Soundtrack herausgesucht.
Und jedes Jahr dieselbe beschissene Frage. Was feiert man eigentlich an Pfingsten? Puh, wer zur Hölle will sowas wissen, was die Christen sich da immer ausdenken? Ich feier, dass ich nicht arbeiten muss und mit 156 Leuten im Abteil ohne Klimaanlage durch die Republik zuckeln darf.
Aber mit Musik!

Jackson Reid Briggs – Out Of Line

Ein paar Stimmungshits von Herrn Briggs und Kumpanen, die bereits im Dezember aufgenommen wurden, aber das passt schon, denn dann ist ja in Australien Sommer. Veröffentlicht wurden die 4 Songs erst gestern und mit Stimmung meine ich eigentlich auch eher so die ruhigeren Momente des frühen Morgens, wenn der Kaffe noch im Siebträger wartet und der goldene Löffel noch von den Kindern poliert wird. Ein toller Start in den Tag und in den Sommer. Ist das jetzt Rock’n’Roll?

Ex-Gold – We Are Good

Nach dem ersten Löffel Koks Zucker kann der Tag mit Ex-Gold anfangen und die Band aus Knoxville schiebt die Reisenden auch direkt ordentlich an mit ihrem druckvollen Mix aus Post Power Pop Indie und der Dekonstruktion von Punk und Rock. Erinnert vielleicht in Nuancen an andere Querköpfe wie Smarts oder so poppige Bands, in denen Steve Adamyk seine Finger im Spiel hatte. Sehr gut, sehr empfehlenswert für die Zigarette davor.

3D & The Holograms – Promo EP

Wütend hektischer Garage Punk mit erstaunlich sanfter Orgel im Hintergrund des Lärms aus Scheppern und Verzerrung. Tolle Nummer mit Leuten von Research Reactor Corp., The Satanic Togas, Tee Vee Repairman und The Gobs. Und wo kann so etwas veröffentlicht werden? Na klaro – Goodbye Boozy. Passt zum Rührei-Frühstück auf der Fähre, wenn es vorwärts und rückwärst gleich aussieht und auch gleich schmeckt.

Spodee Boy – Neon Lights EP

Ein paar neue Songs vom Spodee Boy dienen ganz hervorragend der Huldigung alter Punk Rock Götter aus den 70ern mit dem Sound von heute. Keine Ahnung, was das heißen soll, aber hier ist auch erst einmal nur ein Song der neuen 7″ veröffentlicht, die in ein paar Tagen offiziell erscheint, aber schon ausverkauft ist. Hm. Das ist Punk. Und das ist der Unterschied zu den 70ern. Da gab es immer alles und nix ausverkauft. Sogar Öl. Und Liebe. Heute alles aus – Sorry.

Kiss Disease – You Met Me At A Strange Time LP

Schau an, Pop Punk Rocker spielende Billardfans. Billardspielende Pop Punk Rocker. Und Fight Club haben sie auch gesehen, wenn man sich mal den Albumtitel so anschaut. OK, das lass ich durchgehen. Die Finnen wollen jetzt nicht nur in der Nato mitspielen, sondern auch in der Liga der Rock’n’Roll Dudes, die mit Bier spritzen und auf People Like You veröffentlicht haben. Dieses Album erscheint allerdings bei Svart Records und schmeckt natürlich genauso gut bei voller Fahrt im D-Zug.

Scab Breath – Seeing Double

Vor ner Woche aufgenommen und direkt veröffentlicht. Es kann so einfach sein – Danke, Internet. Die beiden Jungs von Scab Breath aus Frankston in Australien treffen sich im Schlafzimmer, hauen ein paar super eingängige Punk Rock Garage Pop Perlen und ein Screeching Weasel Cover in den Computer und zeigen so recht eindrucksvoll, dass dieser ganze Punk Zinober eigentlich ne recht billige Angelegenheit ist. Wieso find ich sowas eigentlich so genial?

McQQeen – McQQeen II CS

Eine neue Kassette bei Big Neck Records. Von McQQeen. Mein Gott, was für ein beschissener Name. Aber die Musik? Hui, sensationaller Post Punk Düster Kram, der mich ein bisschen an Pretty Hurts erinnert. Bass im Vordergrund, Gitarre dudelt da hinten irgendwo rum, Gesang mit HallHallahllalalllllo und das Schlagzeug hämmert stoisch einen Kopfnick-Fußwipp-Beat. Das Gesamtbild ergibt dann eine Psychose frei Haus. Man muss nur genau hinhören. Starkes Album. Passt zum Mittagsschlaf mit Diazepam in der Regionalbahn (oh, guter Songtitel).

Livssyke – Solace In Worms CS

Mögt ihr eigentlich Metal? So Death oder Doom oder Sludge oder Black oder was das heute alles sein soll? Ich nicht. Und es braucht schon den Sand zwischen den Füßen aus dem Bunker des Marine-Golf-Clubs auf Sylt, um diese Musik genießen zu können, ohne zuvor 2 Flaschen Wodka auf den Kopf geknallt zu bekommen. Aber nach so einer langen Reise und müde und erschöpft und mit einer geklauten Flasche Champagner und einem Camp David T-Shirt zum Arsch abputzen geht das klar.

Schönes Wochenende!

Tschüss, Mai.

Es werden jetzt Wetten angenommen, wie lange der Bundeskanzler noch als Clown durch die deutsche Manege eiern darf. Im Moment stehen die Chancen ganz gut, dass er bei der nächsten Pressekonferenz ein paar Klimaaktivisten niederprügeln lässt, ihnen Brechmittel zur Belustigung der anwesenden Christen verabreicht (die selbstverliebt grinsend Beifall klatschen) und dann den gesamten Einsatz auf seiner Steuererklärung rückwirkend geltend macht. Und dann kommt über Umwege doch noch Herr Söder, weil jedes Volk den Oberclown bekommt, den es verdient.
Die Quoten sind gut, die Möglichkeit ist gegeben, ich investiere dann jetzt den Rest meiner Bitcoins darin.

In einer parallelen Welt ist das hier geschehen:

Mitraille – S/T LP

Der erste Longplayer der Band aus Belgien, die so schön Garage Punk zelebrieren kann und das derzeit auch auf den Bühnen Deutschlands unter Beweis stellt. Ohne viel Schnick und Schnack, ziemlich geradeaus und mit viel Energie preschen die drei Jungs durch bekannte Gefilde und klauen mal links und mal rechts ein paar Best Of Riffs und vermischen dann die gesammelten Einzelteile zu mehrheitsfähigem Punk Rock. OK.

Cryptic Commands -Trickster

Ziemlich chilliger Indie Pop hat sich hier breit gemacht. Keine Bange, ist nur ein Song, aber da hatte ich Bock drauf und vielleicht gefällt sowas Euch ja auch. Ist mir aber scheißegal. Erinnert vielleicht ein bisschen an Stereolab, ohne die Kantigkeit. Weil, das hier ist so rund, wie es geht. Ein rundgelutschter Popbonbon. OK.

Djinn – Hell Is Real LP (CS)

Nach einem langen Wochenende in der Deutschen Bahn kann ich bestätigen, was Djinn auf der LP da behauptet. Musikalisch untermalt wird die Reise auf 12 Songs mit feinem Garage Punk Trash aus Hammond, bei denen die Feststelltaste auf Rotz eingerastet ist und alles auf Vollgas geregelt wurde. Digital schon Mitte April erschienen, aber nun auf Kassette bei Dirtbag Distro erschienen. Sie nennen es dennoch "LP". OK.

Poky – Poky CS II (CS)

Leipzig’s Poky haben ihr zweites Tape veröffentlicht. Digital, auf Band kommt es im Juni. Erstaunlich, dass die Aufnahmen bereits aus dem letzten Sommer stammen, das sind dann ja von Studio bis zum physikalischen Release auch schon ein Jahr – ich dachte, das wäre nur bei Vinyl so? Oder sind Tapes jetzt so hip, dass auch hier die Wartezeiten unerträglich werden? Ja. Musik – Punk Rock aus der Garage mit vielen tollen Idee, wie man die gesamte Fläche des Genres ausnutzen kann. OK.

Sistema de Entretenimiento – Sistema de Entretenimiento Adelanto LP

Mal wieder ein bisschen Synthies im Punk, muss sein. Die Band Sistema de Entretenimiento bringt demnächst eine neue LP auf den Markt und das hier sind drei Appetit-Happen. Mhjam. Der Hit ist Sarah Connor und ich behaupte mal, es geht eher um die Mutter des Terminator-Mörders als um die Mörderin der deutschen Nationalhymne, aber wer weiß. Das dudelt auf jeden Fall angenehm vor sich und Tanzen kommt einem in den Sinn. OK.

Elvean – Yesterday

Oh, ich hab gelogen. Hier kommt noch ein Indie Pop Song, Ecken abgeschliffen und zur Beruhigung mit Codein einbalsamiert. Ich glaub, ich bin einfach nur müde. Elvean hilft mir jedenfalls, durch den Tag zu kommen, ohne meine Mitmenschen mit dem Tretroller umzufahren. OK.

Ditches – Drunk Dial #9 7″

Eine neue Single von den poppigen Schweden Punkern, auf der sie beweisen mussten, dass der Quatsch auch betrunken funktioniert. Daher vielleicht auch das Cover von The Hives, weil die Kreativität nur für den einen Song gereicht hat, bevor man stumpf umgefallen ist. Diese Drunk Dial Reihe ist schon lustig, aber wird wohl keine neuen SXE Offenbarungen hervorbringen, ne? OK.

Tony Molina – In The Fade LP

Ich bin ein großer Fan von der Familie. Auch wenn sie gar nicht miteinander verwandt sind. Im August bringt der letzte noch lebende Molina, der musikalische Bedeutung hat, ein neues Album heraus und man kann das jetzt vorbestellen, nachdem man einen Song davon hören darf. Und dann bestellt man es sich zweimal.

Kommt bei Run For Cover Records heraus, ist in verschiedenen Farben und limitiert und bestimmt ganz wunderbar kurz. Aber bei 14 Songs wird wohl selbst Tony Molina die 15 Minuten-Marke knacken. Mal sehen. Ich freu mich!