Nag – Observer

Schönes neues Ding von den Nörglern aus Atlanta, Gerogia. Ein richtig dick gepacktes Album voller Dark Wave Post Punk Hardcore Stücke, die auch schwarzgekleidete Freunde aus der Death Rock Ecke begeistern könnten, wenn die nicht so unfassbar dogmatisch da rumsäßen und, äh, nörgeln würden.

OK, Nag machen hier sicherlich nix Neues, aber dafür ist die Aufbereitung aus Melodie und Düsternis so sehr mit verschiedenen Einflüssen gespickt, dass Nag durchaus mit ihrem zweiten Album Observer ein Alleinstellungsmerkmal innerhalb der dunkleren Post Punk Szene haben dürften. Und wie schön, dass es ein positives Merkmal ist – man könnte ja auch sensationell scheiße sein. Aber dieses Privileg überlassen sie gekonnt den englischen Bands, die sich anschicken, alle gleich zu klingen.

Das Album ist derzeit nur digital zu bestaunen, vielleicht kümmert sich da aber bereits jemand drum, dass man es auch auf Vinyl oder Kassette hören kann. Wäre doch schön.

Apropos Nörgeln. Wusstet ihr, dass euer Kaminfeuer daheim hundertausendmal mehr Feinstaub verursacht als mein stinkender Diesel? Echt? Dann schaut nicht so pikiert, wenn ich qualmend vor dem Biomarkt stehe und darauf warte, dass ihr mit eurem SUV (Benziner, natürlich) umständlich ausparkt. Ha!

Youth In Pain – Demo 2021

Na, da hatte es aber jemand eilig, was? Sowas kommt dann dabei heraus, wenn man nur 10 Minuten im Studio gebucht hat, aber unbedingt ein Demo mit 4 Songs veröffentlichen möchte.

Irgendwie ist das ziemlich geiler Punk Rock und Hardcorekram. Dazu  dann in der Postproduktion noch ein bisschen Nähmaschinengetacker und Synthesizerdurchfall in das Outro pupsen und fertig ist die Geschichte. Ich bekomme bei diesen äh, 2,5 Liedern einen starken Bikini Cops Vibe. Love Letter ist ein Hit.

Cooler Scheiß aus Kanada, hatten wir ja auch schon länger nicht mehr. Youth In Pain aus Toronto – merken! Die sind auf jeden Fall für 25% gute Songs zu haben.

Beim Cover kann ich auch nur die Hälfte erkennen, der Schriftzug des Bandnamens ist für meine Augen zu unleserlich, das musste mir ein Hip-Hop Kind in der Straßenbahn gerade vorlesen.

Gute Appetithappen

Ich hätte da mal eine ganz tolle Idee für die zukünftige Marketingstrategie von Labels und Künstlern. Statt einen oder sogar zwei ganze Songs im Vorfeld einer Veröffentlichung dem Volk gönnerhaft vor die Hohlbirnen zu kotzen, könnt ihr doch auch einfach mal nur den Basslauf oder die Hi-Hat oder das Ein- und Ausatmen der Sängerin oder des Sängers als Track zur Verfügung stellen. Wenn schon Salamitaktik, dann auch erlesene Rohwurst in hauchdünnen Scheiben und nicht so einen fettigen dicken Lappen Cervelatwurstersatz servieren. Service-Tipp.

Matt Ellis – Full Moon Fever LP

Der gute Matt Ellis (PlasticHeads, Vapids), der leider all seine musikalischen Ergüsse aus dem letzten Jahr von seiner Bandcamp Seite gelöscht hat, tritt nun an und veröffentlicht eine richtige LP auf Vinyl. Das ist schön, wenn man so Pop Punk und Ramones und Kaugummi mag. 18 Songs mit vorfrühlingshaftem Freudentaumelsound. 4 darf man jetzt schon mal. Kommt am 23. Februar bei Surfin KI Records raus.

Headcheese – S/T LP

Vermisst ihr auch die großartigen Dean Dirg? Schlimm, ne? Man könnte hier zur Ersatzdroge in Form von Headchease greifen und sich während der beiden Songs einfach selber mit Bier im Wohnzimmer bespritzen. Kann natürlich sein, dass die anderen 10 Lieder Balladen mit Dudelsäcken sind, aber das ist halt das Risiko beim Pre-Ordern…da die Platte aber bei Neon Taste erscheinen wird, kann man mit ruhigem Gewissen zuschlagen. Kommt am 1. März.

Smirk – S/T LP

Tolle neue Band auf Drunken Sailor Records. Zumindest der eine Song ist schon einmal eine fantastische No Wave Post Punk Nummer, die irgendwie in dem luftleeren Raum zwischen dem Charme von späteren Wire und dem Minimalismus und der Coolness der ersten Urinals Singles gefangen ist. Kein Wunder, dass man dann dünkelhaft wird und sich so einen Bandnamen gibt. Smirk (Nick Vicario von Public Eye/Autistic Youth) kommt am 5. März.

Pensioner – Demo CS

Ich glaube ja, hier hat man eine Familie von Marsmenschen, Kobolden und Robotern in eine leere Coladose gesperrt und die haben dann mithilfe ihres Mini-Synthesizers einen Hilfeschrei nach dem anderen aufgenommen.

Zumindest klingt das so. Die coolen Leute nennen sowas Egg Punk oder Devo Core. In Australien, wo diese Coladose in Perth herumsteht und plärrt, ist das ganz normal, so klingen Synthpunk Bands heutzutage halt. Dazwischen ein nettes Ramones Cover. Joa. Meinetwegen.

Die Kassette kommt dann bald bei Under Heat Records. Geiler Scheiß von Pensioner!

Nicht zu verachten ist auch das erste Lebenszeichen vom Ruheständler, das letzten Monat erschienen ist. Tolles Cover von Circle Jerks. Und mit toll meine ich kacke. Aber sympathisch.

EUGH – Cassingle #1 CS

Eine neue Kassetten Single von EUGH aus Melbourne. Bäh, was für ein beschissenes Format, aber was solls, hier darf jeder machen, was ich nicht will.
Und strenggenommen ist diese Veröffentlichung auch nur für einen sehr kleinen erlesenen Kreis von Hörern prädestiniert.

Denn zum Einen hat der Künstler verfügt, dass diese "Cassingle" nur für Loser geeignet sei, was ja zum Glück den Großteil der Leser- und Autorenschaft dieses Dings hier ausmacht, aber zum Anderen kommen in den beiden Songs so viele schmerzhafte Hochtöne vor, dass man am besten eigentlich schon auf diesen Bereichen der Ohren blind und taub ist.

Und was bleibt dann als Zielpublikum noch übrig? Alte zauselige Punk Rock Opas, die von ihren bestuhlten Ramones Konzerten schwärmen und mit Sid Vicious eine Spritze geteilt haben und nun den aufgeschwämmten Körper stolz auf die verranzten Barhocker der Nation hieven, um zu erzählen, dass Punk eigentlich schon lange tot ist.

Oder ihr dreht einfach ein bisschen am "Treble" Knöpfchen eures Walkmans und genießt. Ist nämlich wieder mal ganz geiler Scheiss aus der Richtung Syynthpunk, Eggpunk, Rock n' Roll und, äh, Punk…

Torso – Home Wrecked

Netter Hardcore Punk aus Kalifornien kommt da von Torso. Oder heißen die TØRSÖ? Die haben da in the US of A keine Tastaturen für "Ø" oder "Ö", deshalb konnten sie das bei Bandcamp nicht korrekt angeben. Ist aber auch nicht so wichtig.

Baller Baller D-Beat mit tollem Sound aus mächtig-kräftig Gitarren und richtig gutem Gesang. Klingt böse und angepisst, so, wie es sein soll.

Zwei eigene Songs und ein Cover von The Faith – da kann man nicht meckern. Hm, naja, doch, ich finde eigentlich immer was, haha. Diese Aufnahmen entstanden nämlich bereits vor über drei Jahren und somit ist natürlich die kulturelle Relevanz der Songs längst überholt. Ach, nur Spaß – diese Musik und Texte sind so zeitlos wie Hanuta zum Bier.

Hüsker Dü und Assück. Die mussten diesen digitalen Quatsch mit den fehlenden Umlauten auf dem Keyboard zum Glück nicht mehr mitmachen. Gott habe sie selig.

Sekunderna – Hjärtat EP

Ach, die Schweden. Vor allem die Umeånesen. Die basteln immer an solch zuckersüßen Melodien und verpacken das dann in jedes Genre der Musik, welche sich eifrige Journalisten irgendwann mal ausgedacht haben.
Egal, ob es Pop, Hip Hop, Schlager, Metal oder Punk Rock ist – hier wird einfach brutal drüber gesüßt.

Naja, und so entstehen dann eben so Perlen wie Abba Sekunderna, die neulich ihre zweite Single bei Luftslott Records und Far$ans Pengar Records veröffentlicht haben. Treffenderweise trägt die 7″ den Titel "Herz" und das Vinyl kommt dann auch in Herzform.
Nee, stimmt nicht, aber das wäre auch der Gipfel. Man muss sich stattdessen mit einem schnöden, runden, schwarzen Ding begnügen, den die drei Jungs haben pressen lassen.

Da drauf finden kann man 3 richtig tolle Power Pop Punk Rock Dinger, von denen ich natürlich kein Wort verstehe, aber trotzdem sofort mitsinge. Schönes Ding.

Wie heißen denn Menschen aus Umeå? Umeåer? Hm, noch alberner wärs ja, wenn sie aus Uppsala kämen, die alten Uppsalalalala…höhö

Liquids – Life Is Pain Idiot LP

Wie schön, eine neue LP von den Liquids mit 27 (!) neuen Stücken, die ausnahmslos großartig sind. Wie immer wird bei den Punkern aus Indiana fuzziger Punk Hardcore mit Garagegeschmack runtergerotzt, der wieder einmal vor positiven Vibes zittert.

When You Were Born (You Should’ve Died), Shitty Fuckin DNA, Nobody Likes You oder Give Up sind nur einige Beispiele des Einmaleins guter Psychotherapie.

Im Moment nur digital bei Bandcamp zu erwerben, aber Life Is Pain Idiot  soll angeblich im Sommer auf LP rauskommen. Na, dann bin ich ja mal gespannt, welches Label das dieses Mal wird. Hallo Labelfrauundmann – ich nehm eine, bitte.

Kauft Euch auf jeden Fall jetzt schon mal die digitale Version für läppische $5, wer weiß, ob es im Sommer noch Schallplatten und Geld und Musik gibt.

Sick Thoughts – Poor Boys / Drug Rock 7″

Schon länger nichts mehr von den Sick Thoughts gehört, nachdem sie ihre letzte LP vor 2-3 Jahren auf Goner veröffentlicht haben. Zuvor waren sie ja eigentlich die Band, die alle 2 Wochen eine neue Single rausgehauen hat.

Daher hatte ich die Stille jetzt eher als ein Anzeichen von Auflösung gedeutet als hier eine "kreative Pause" zu vermuten, oder was Künstler sonst so machen und sagen, wenn sie kein Bier mehr im Kühlschrank haben und das Koks von der Katze aufgeleckt wurde.
Wie auch immer – der gute DD Owen (DD Deth) hat wohl noch eine handvoll Rock n Roll Pulver in der Schreibtischschublade gefunden, das für zwei schöne rotzige Punknummern reicht. Nehm ich.

Kommt am 10. Februar bei Goddby Boozy auf ner schmucken Single für 7€. Vielleicht können sie sich dann vom Erlös wieder mehr ähm, Inspiration kaufen und noch ne LP dieses Jahr machen..?

Apropos DD Deth – der hat nebenher auch noch andere Sachen gemacht. Is aber "not for wimps", deswegen hier auch nur der Link.

Hackjob – S/T CS

Bei dem scheiß Wetter und dem bekackten Winter und der ewigen Dunkelheit ist es ja fast schon ein wenig beruhigend, wenn auch die positiven Surfer-Dudes, Punker und Hardcore Kids da unten im sonnig-fröhlichen Neuseeland schlechte Laune haben. Geteiltes Leid ist doppelt Mist oder so.

Hackjob tun auf jeden Fall ihr Bestes, um sich die adoleszente Grimmigkeit aus dem Leib zu schreien und sprechen über wichtige Dinge – zum Beispiel, dass Dich Deine Freunde hassen.
Und sie teilen so wichtige Erkenntnisse, das sie Dich nicht brauchen oder aber auch dass Gender eine fucking soziale Konstruktion ist.
Ich mag diesen Stil von Hardcore Punk unglaublich gerne. Simpel, hart, abgehackt und von einer großartigen Stimme getragen. Nicht viel rumdödeln, einfach machen. Toll.
Über das schöne Cover muss ich gar nicht erst reden.
Erscheint morgen bei dem immer guten Dust Up!.

Vielleicht haben die auf der Südhalbkugel gerade Sommer, aber ich kann dafür im Netto jetzt schon Schoko-Osterhasen kaufen. Es ist alles eine Frage der Perspektive.