Itchy & The Nits – S/T CS

Meint Ihr, es wird ein Problem, dass eine Bank demnächst 3 400 000 000 000 Dollar an Vermögen verwaltet? Also glaubt ihr, die können Druck auf Politik, Wirtschaft oder öffentliche Einrichtungen ausüben? Nee, oder?

Hätte ich irgendein VWL oder BWL oder so studiert, würde ich jetzt bestimmt sorgenvoll in die Zukunft blicken. Da ich aber Geisteswissenschaflter bin, tu ich das sowieso jeden Tag und all meine Blickrichtungen sind sorgenvoll. Früher scheiße, heute scheiße, Zukunft scheiße. Da ändert so eine lächerliche Finanzkrise 2.0 auch nichts dran.

Ach, Nachrichten, pfft. Hier, Garage Punk aus Sydney. Besser als mit Itchy & The Nits kann man einen Montagmorgen nicht beginnen. Passt auch wunderbar in den Frühling. Die 7 Spitzensongs gibt es für 8 AUD. Das sind nur 5 Dollar. Das sind nur äh, 5 Euro? Investiert schnell in den richtigen Rohstoff, bevor alles zu spät ist!

Vielleicht sollte man so ein System einfach mal modifizieren, wenn es alle paar Jahre vor die Hunde geht? Oder wechseln? Morgen treffen wir uns und hauen das alles kaputt, ok? Heute muss ich erst noch all mein Bargeld abheben.

Blowers – Blown Again LP

Wie funktioniert das eigentlich mit dieser Demokratie? Da passt einem Präsidenten die leidige Abstimmung mit Mehrheitsverhältnissen und anderen Meinungen im Parlament nicht, weil sein Projekt ja in die Hose gehen könnte und dann kann der das einfach so entscheiden? Cooles System.

Puh, zum Glück leben wir in nicht in Frankreich, was? Wo man dann bald bis 67 arbeiten muss und die Regierung auf die Proteste und die Demonstrationen eines großen Teiles der Bevölkerung scheißt. Oh, was? Mist!

In anderen Teilen der Welt (Melbourne) haben die Blowers ihr zweites Album angekündigt und man kann sich davon schon einmal zwei Songs anhören. Hier gibt es keine Überraschungen – der schnoddrige Garage Punk aus Australien hat Bestand und kann so gerne in die zweite Runde gehen. Das passt zu Deinen Platten von Brat Farrar und Jay Reatard und hat obendrein noch den infantilen Kacka-Humor, den man zum sommerlichen Spaß am Planschbecken mit Dosenbier benötigt. Anders kann ich jedenfalls den Song "Whipe My Ass" nicht interpretieren.
Oder doch, vielleicht sind die einfach wirklich alt und bereiten sich auch thematisch schon auf das Altersheim und ihren Umgang mit dem Personal vor. "Shut The Fuck Up" und "Whipe My Ass". Sympathisch, haha.

Chaputa! Records und Spooky Records sind verantwortlich für schwarzes und lilanes Vinyl. 14 Songs rechtfertigen eine Investion, wenn Ihr noch Geld übrig habt. Im übrigen nennt sich das Regierungssystem "semipräsidentiell". Kann man nachschlagen im Euphemismus-Lexikon unter "Blödsinn, den ich entwickelt habe, um meinen Willen durchzusetzen".

Why Bother? – A City Of Unsolved Miseries LP

Hey, da lauert ja eine neue Bankenkrise am Horizont. Hab ich gehört. Also eigentlich kann man sich deshalb sicher sein, weil der Finanzminister sagt, dass in Deutschland alles easy sei. Wissen wir ja alle. Die Banken haben nix miteinander zu tun. So ein Finanzmarkt ist ausschließlich auf ein Land ausgerichtet, deswegen haben wir ja auch die D-Mark. Schnell alle zum Geldautomaten und die 67,23€ abheben, bevor es zu spät ist. Das sind immerhin über 130 Mark. Kann man, äh, ins Kissen stopfen?

Andererseits hab ich heute Morgen 2 Tonnen Uran im Kofferaum gefunden, damit ist die Energiekrise für mich auf jeden Fall vorbei, den gelben Kuchen kann ich direkt in die Heizkraftanlage werfen und hab Strom für die nächsten 2 Millionen Jahre. Wer braucht dann noch Geld?

Ach so. Musik! Es kommt eine neue LP von den Kellerkindern Why Bother? heraus. Das dritte Album in drei Jahren. Da sieht man mal, was man alles schaffen kann, wenn man sich nicht mit solch nervigen Dingen wie Werbung oder Liveauftritten oder Social Media auseinandersetzen muss.
Die vier Freunde hocken einfach in ihrem Kellerloch, basteln am Synthie und dem best-of-Sound von Thirteenth Floor Elevator und zaubern daraus 13 eigene neue Stücke, die mit Sicherheit wieder irgendwo zwischen Garage Punk und Psychedelic Post Synthie Punk landen. Keines Ziel, aber kann man schaffen. Ein Song jetzt, der Rest dann am Ende des Monats. Cooler Scheiß.

Feel it Records. Mit "Prowlers In The Night" hat sich auch ein Cover eingeschlichen. Ein Hit aus den späten 70er Jahren von Craig Lee, der damals bei The Bags Gitarre spielte. Auch schon tot. Mann Mann.

Dregs – Enemy Not Me CS

Könnt Ihr Euch noch daran erinnern, dass die nicht ganz aldente Zwitschernudel Adele bzw. ihr Plattenlabel Sony für das gesamte beschissene Jahr 2021 die Presswerke für kleine Labels lahmgelegt hat, damit pünktlich vor Weihnachten das sensationell langweilige Album "30" in die Läden kam?

500.000 Stück wurden gepresst, um "die Nachfrage bedienen zu können". Keine Ahnung, wer diese Nachfrage errechnet hat, aber zumindest die Hälfte der LPs ging weg. Was macht man denn dann mit den restlichen 250.000 Platten?

Die ersten Exemplare wurden kürzlich in einem Goodwill in England entdeckt. Prima –  da haben wir schon einmal 100 – also ein Drittel der durchschnittlichen Auflage eines kleinen Labels. Und der Rest? Daraus werden dann wohl die Obstschüsseln und Wanduhren, die Fußbodenbeläge und Kunstobjekte, die eine IKEA-Familie so in ihrer individuellen Wohnung stolz präsentieren kann. Traurig.

Dregs aus Texas ist das wohl ziemlich egal. Die haben es mit ihrer Garage Punk Hardcore Mischung "nur" auf Kassette geschafft und diese Produktion geht relativ zügig. Nicht zu verwechseln mit den SxE Leuten aus Wien, die den gleichen Bandnamen haben. Der Abschaum aus Austin gefällt mir gut, die vier Leute bringen genug Energie auf, um meinen Hamster in seinem Rad genügend Angst zu machen und ihn zu Höchstleistungen zu treiben. Gut so, wir müssen alle auf alternative Energielieferanten zurückgreifen, um die 50-jahre alten Kühlschränke mit Bierflaschen weiterhin vereisen zu lassen. Cheers.

Digital Hotdogs bietet das digitale Würstchen Album für lau an. Bei der Band kann man ein paar Dollar spenden. Oder einfach die Kassette kaufen, solange die Industrie noch nicht errechnet hat, dass für das nächste Taylor Swift Album eine Nachfrage von 20 Millionen Tapes existiert.

Hellwigs – Load The Spaceship CS

Auch schon was länger veröffentlicht, aber erst jetzt in meine Kopfhörer gespült worden sind die Hellwigs.
Und das ist auch so eine Band, die in Deutschland mit dem Namen nicht unbedingt auf Punk Rock Flyern zu erwarten ist. Andererseits, die eine der beiden Dirndlfaschistinnen ist ja nun auch schon lange tot und zu einer Show mit einer exhumierten Volksmusikerin auf der Bühne würde es mit Sicherheit viele Punk Rocker hinziehen.

Aber eigentlich geht es hier ja um die Höllenperücken aus Saltash im Vereinigten Königreich, die im Juli letzten Jahres ihr Debüt veröffentlicht haben, das sich mit Wrestlepunk selbst beschreibt, aber zum Glück größeres musikalisches Talent in die vier Songs packt, als die besungenen Helden jemals hatten. Wenn ich da an Hulk Hogan, Macho Man, Jake The Snake, Ultimate Warrior oder den Rowdy Roddy Piper denke, kommen mir nicht gerade Ohrwürmer in den Sinn. Shawn Michaels' Einlaufhymne hingegen wäre ja noch ein guter Song gewesen. Aber tatsächlich geht es bei Wrestlepunk nur thematisch um das Profi-Wrestling der goldenen 90er. Musikalisch ist das Punk Rock mit Rock’n’Roll, Surf und Hardcore Einflüssen. Warum nicht. Stellt sich aber doch die Frage, warum ein schottisch-stämmiger Typ gehuldigt und British Bulldog links liegen gelassen wird. Verrückt.

Noise Merchant. Tapes sind aber schon ausverkauft.
Schon vor 60 Jahren hatten die beiden anderen Hellwigs ihren ersten Hit. Aber die schlimmen Titel der deutsch/österreichischen Erotikkomödien aus den 70ern lassen mich bei "Feierabendjodler" völlig andere Dinge assoziieren, als die beiden Trachtentorten intendiert hatten. Glaub ich jedenfalls.

Metrics – Demo 2022 CS

Wie sagt man so schön? Ich komme ein bisschen zu spät zur Party. Das Demo von den Katalanen aus Barcelona wurde bereits im Oktober letzten Jahres von den Metrics veröffenlicht und fliegt seitdem unter allen Radaren hindurch. Naja, bis auf Groschi’s natürlich, der den Song "Mentalverse" auf seine Verpannungskassette im November gepackt hat. Das sollte euch zu denken geben.

Hört ihr denn nie diese genialen Mixtapes vom 12XU Mastermind? Solltet Ihr. Sonst steht ihr nämlich so doof da wie ich jetzt und müsst über den heißen Scheiß von gestern sprechen, der eigentlich schon längst nur noch lauwarm sein dürfte.

Ausnahmen bestätigen die Regel und die fünf Songs von Metrics können nach wie vor als Brandbeschleuniger auf das Osterfeuer oder das Auto Deines Chefs geschmissen werden. Richtig guter, schnoddriger Hardcore-Garage-Synthie-Punk, der direkt in die Beine geht und dort aufkocht, melodische Hitzewallungen hervorruft, mit Geschrei in den Magen steigt, von dort rumpelnd den Weg über das Herz in das Stammhirn nimmt, um für ein paar Tage als besoffener Ohrwurm im Kopf zu bleiben. Geiler Scheiß.

Noise Merchant Records und Dirty Slap Records sind seit ein paar Tagen für die Kassette zuständig. Wer macht das Vinyl? Und wer sonst noch kann so schön schreien wie die Sängerin Jazz beim Song "Bad Communication"? Was für ein Hit!

Flop Machine – Machine Beat Rock And Roll LP

Da ist sie ja. Die Vinyl-Veröffentlichung, auf die ich gewartet habe, seitdem ich die ersten paar Songs vor ein paar Jahren oder Monaten (?) von den Verrückten von Flop Machine gehört hatte. Zunächst nur digital, dann auf Tape erschienen, schließlich ein paar neue Songs mit dazu genommen und alles hübsch aufgearbeitet, Vinyl-Mastering und extrem Augenkrebs-Cover draufgeklebt. Fertig ist die Wochenend-Synth-Punk-Disco aus Bergen in Norwegen. Wer dazu nicht zappelt, ist schon tot.
Gibt’s auf Lila und Schwarz.

Rockstar Records. Alles muss man selber machen. Heute offiziell erschienen – schönes Wochenende!

Tom Weir – Five Studies

Wenn ich ein professioneller Wrestler wäre, würde ich entweder das Benny Hill Theme wählen oder an müden Tagen diese fünf Stücke. Man muss sich auch mal Zeit nehmen in diesen hektischen Zeiten. Tom Weir hilft mit dabei, zu entschlacken. Nee, entschleunigen wars.
Naja. Piano und Synthesizer. Macht mal Pause.

Eigentlich als Old Moon bekannt, ist das hier einfach nur eine Solo-Veröffentlichung des Künstlers mit bürgerlichem Namen. Der ansonsten auch Solo-Künstler mit dem Namen Old Moon ist. OK.

Subliminal Excess – Witness 7″

Na sowas. Jetzt wird man eingesperrt, wenn man die dicken und dünnen Autos auf der Straße zum Stehen bringt. Verrückt. Eingesperrt. Nix Geldstrafe und Sozialstunden.
Bewährung? Nope. In den Knast.

Vielleicht seht Ihr das ja auch so, aber ich hab da ein komisches Gefühl im Bauch. Bin halt eher so der Hippie-Typ, wenn es um die Anliegen von Klimaaktivisten geht. Eventuell steh ich auf der naiven falschen Seite von Tante Justitia und sicherlich können wortgewandte Juristen zauberhaft erklären, wieso man Menschen ein paar Monate ins Gefängnis stecken muss, die sich auf eine Straße kleben (wollen).

Ist das Blockieren von Straßen eigentlich sozialschädlich? Was muss man da abwägen? Der Weg zum Lidl mit dem Q8 ist wichtiger als ein Sommer unter 40°? Und wieso wird hart durchgegriffen, wenn es den Deutschen um die freie Fahrt für freie Bürger geht? Sind denn diese angeklebten Menschen dort auf der Straße nicht auch einfach nur besorgte Bürgern, mit denen man reden muss? Weird.

Mir fehlt sicherlich einfach nur das juristische Know-How, um dem Humanismus mit dem Schwert der Gerechtigkeit den Kopf abzuschlagen, aber fühlt sich das denn gut an, wenn man so als Verfechter von Recht und Ordnung unliebsame Leute schlicht wegsperrt? Als Vergeltung und Abschreckung? Muss wohl.

11 PM Records. Subliminal Excess mit ihrer neuen Single unterstreichen meine Laune. Zu viele blöde Dinge von zu vielen blöden Leuten vermiesen mir den Tag. Wird Zeit für eine Zeitenwende. Hm? Was? Wer hat….? Ach, scheiße.

Shitty Life – Limits To Growth 7″

Na, Mädels? Am Weltfrauentag kann man ja mal erzählen, wie Shitty so ein Life als Frau ist, ne? Aber nur heute. Ab morgen dann wieder Kinder, Küche und äh, tja…Kackleben.
Shitty Life sind in den USA mit den großartigen Judy And The Jerks auf Tour, das passt. Besser wird der Garage Hardcore Skate Punk nicht mehr am heutigen 8. März. Die neue Single kann man ganz wunderbar mit einem billigen Birra Moretti runterspülen und dazu den Italienurlaub für dieses Jahr planen. Vielleicht dieses Mal nach Lampedusa? Ihr macht das schon.

11PM Records und Lo-Fi Lo-Life und K7. Heißt der Kölner-Stadtanzeiger heute nicht "Stadt-Anzeigerin"? Ich glaub, ich hab das irgendwo gehört. Sensationell. Bild der Frau gibt’s ja schon, denen kann man wahrlich keinen Sexismus vorwerfen.