Treeboy & Arc – Natural Habitat LP

Pünktlich zum Ferienstart in diesem Bundesland setzt auch das beschissene Wetter ein und die Vorfreude auf sonnenverbrannte Kinder weicht der Einsicht, dass mehr UNO als Beach Ball gespielt werden wird.
Die metaphorische Brandmauer ist vom Parteivorsitzenden eingetreten worden und die echte Brandmauer im Süden des Kontinents ist abgebrannt. Der passende Soundtrack dazu ist auch schon fertig abgemischt und liegt bereit.

Treeboy & Arc haben neulich ihr Debütalbum auf Schallplatte gepresst und servieren 9 sehr angenehme Post Punk Stücke, zu denen man lieber ein Glas Wein am Küchentisch als eine Dose Bier am Strand trinkt. Mehr Sprechgesang und Redekunst als Wutgeschrei oder Gesang. Mehr Gitarrenspiel als Akkorde und der Bass tritt so oft in den Vordergund, dass das BO seine Freude hätte. Schöne Melodien, tolle Platte.

Grünes Splatterschwarzvinyl. Dazu gibt es noch verschiedene andere Kaufoptionen über Longsleeve, Cap und Küchentuch bis zu T-Shirt und Digipack. Und alles zusammen und auf einmal. Heute habe ich gelernt, dass Küchentuch im Englischen ein tea towel ist. Charmant.

POLes – Pamplemoustique EP CS

Fans von dissonantem Noise Punk (hallo Groschi) werden ihre Freude an dem Tape von POLes haben. Die drei Franzosen verzichten so gar darauf, ihren dicken Klangteppich aus vertracktem Geschepper und verprügelten Gitarren mit unnötigem Gelaber zu spicken.
Das heißt, es ist eine instrumentale 4-Song EP, die sich wunderbar in den morgendlichen Stau auf der Stadtautobahn einfügt. Von verworren über verwirrt bis zu aggressiv könnte man die soundtechnischen Emotionen beschreiben, die jedes Lied durchleben muss, bis man sich zur lärmend-melodiösen Katharsis durchgekämpft hat. Cool.

Eigentlich schon digital im Jahr 2014 erschienen, aber für mich völlig neu. Und ich musste mir das schon allein wegen des Titels hier reinkleben. Hatte ich euch schon einmal erzählt, dass Pampelmusensaft in Kombination mit gewissen Medikamenten tödlich sein kann? Kein Scheiß. Death by Pampelmuse. Auch ein schöner Bandname. OK.

Tapes from the Crypt Recordings. Das Label aus Frankreich hat 50 grüne Kassetten bespielt.
Zu viel Knoblauch hingegen erhöht die Gerinnungshemmung des Blutes und lässt laufen. So gesehen eigentlich ein schlechter Schutz gegen Vampire, das hat wohl eher was mit dem Geruch zu tun oder so. Naja.

Knife Manual – Step 1. EP

Neue Band von und mit Ty Stranglehold. Knife Manual klingen ein bisschen so, als würden sie bei ihren Shows als Support Band proben, weil sie sonst keine Möglichkeiten haben. Zeit ist knapp, Geld ist knapp, Räume sind knapp, Instrumente hat man auch keine eigenen. Also Punk Rock mit Hardcore, zu dem man eigentlich nur skaten und pogen kann. Richtig gute 9 Songs für Fans. Beste Vorband, die Ihr je sehen werdet. Cake Jumper ist ein Hit.

Stiff Hombre Records. Logisch, ist ja Ty’s Label. Kommt auf 300 limitierten 7″s mit Siebdruckcover ins Haus geflogen.

Desborde / Incendiara – Split 7″

Neues Material von den Synth Punkern aus Buenos Aires. Zwei tolle neue Stücke von einer meiner Lieblingsbands aus Südamerika – Desborde – , die wieder einmal schlechte Laune machen und zum Krawall anstacheln. Weil die Lieder zu kurz waren, musste noch ein Spanischlehrer ein 30-sekündiges Intro einsprechen. Aber danach gehts ab, Alter.

Geteilte Freude ist halbe, nee, Moment. Äh, also die teilen sich die Single mit Incendiara. Also ich glaube, es sind dann die Crust Punker aus Buenos Aires und nicht die Pop Punker Madrilenen. Lassen wir uns von Discos Corrosivos überraschen, wo die 7″ auf Vinyl herauskommt.

MSS FRNCE – VI

Jetzt haben sich MSS FRNCE in den Kopf gesetzt, ihre Veröffentlichungen durchzunummerieren und dann machen die das nicht konsequent. Irgendwo zwischen 5 1/2 und 6, also diesem hier, ist es ihnen entglitten. Das haben sie bestimmt selber bemerkt und dementsprechend das Covermotiv gewählt. Oder es ist eine Reminiszenz an das Run The Jewels Cover? Vielleicht ist es auch scheißegal und ich beschäftige mich mit den falschen Dingen. Kann schon sein. Vielleicht sollte man eigentlich über die Musik sprechen? Pfft.

Zweimal Punk Rock mit Geschrei, da ist es auch egal, in welcher Sprache man die Band nicht versteht. Wenn ihr euren Punk mit einer Prise Noise abfeiert, dann ist das hier der Ehrengast auf der Party.

X-Nipples – No Upgrade

Wieso ist das eigentlich immer so genau vom Hirn getimed, dass man pünktlich zum letzten Arbeitstag vor dem Urlaub so unglaublich scheiße drauf ist und total genervt?
Hä? Ach so, das ist eigentlich jeden Tag so, stimmt. Die Chance auf ein Licht am Ende des Tunnels wird nur mit der Sehnsucht nach Freiheit kognitiv verknüpft und so kurz vor dem erquickenden Gefühl der warmen Sonnenstrahlen erscheint die erhoffte Entspannung zum Greifen nah aber doch so fern. Deswegen ziehen sich die letzten Stunden wie Kaugummi. An allen anderen Tagen ergibt man sich ja eh seines Schicksals in der Mine und kauert im dunklen Stollen der nimmer enden wollenden Arbeitswoche. Nennt sich Lohnarbeit.

X-Nipples aus Cagliari müssen bestimmt gerade andere Probleme bekämpfen. Feuer zum Beispiel. Oder Touristen. Oder brennende Touristen. Vielleicht lässt man die auch liegen, keine Ahnung. Auf jeden Fall haben die 4 Sardinen in den letzten 2 Jahren an diesen 9 neuen Songs gearbeitet und das Ergbniss kann sich hören lassen. 1A Garage Punk mit dem italienischen Charme, den man auch zum Beispiel von Dadar kennt. Toll. So viele Zahlen.

Die Songs würden auch ganz gut auf ne 12″ passen. Ich hab nicht mal Urlaub. Haben mich meine Kinder gerade dran erinnert. OK. Pause mach ich trotdem mal – bis bald!

Slur – The Slur Demo

He, Kollegen. Es geht weiter. Heute mit einer richtig tollen Hardcore Punk Band aus Indianapolis. Oder Naptown, wie wir Jazzer sagen. Slur verballern in den 5 Songs ihres Demos die schlechte Laune aus den letzten Pandemiejahren und haben neben dem Hardcore Skate Punk auch mal Zeit für ein paar Suicidal Soli. Passt gleichermaßen zu guter wie zu schlechter Laune und animiert den hauseigenen Hamster in seinem Laufrad zu Höchstleitungen. Geiler Scheiß.

Annapolis und Kannapolis natürlich nicht zu vergessen.

S.G.A.T.V. – S/T 12″

Braucht jemand Nachschub in Sachen Synth Punk? Die Schweizer Band Sick Guitars And Terror Visions (S.G.A.T.V.) haben es zwar nicht erfunden, aber leisten ihren Beitrag zur gewaltlosen Rückeroberung der Bühnen Europas mit Synthesizern. Ist eigentlich nur ein Typ. Aber ich glaube, live ist er dann mit all seinen Freunden unterwegs und jeder bekommt einen Joystick  und ein Bier in die Hand gedrückt oder so. Party.

Demnächst erscheint ihr neues Album und man kann schon einmal ein keinen Vorgeschmack probieren, was der Typ so unter "Ufo Punk" versteht. Macht Spaß und mit dem Titel "Never Trust The Rich" erzählt die "Band" auch keine Lügen, aber gibt es in der Schweiz eigentlich Armut? Sind das dann diejenigen, die im restlichen Europa die sogenannte Mittelschicht bilden? Ach, egal.

Auf Vinyl bei Push My Buttons in Schweden. Erscheint am 01. September. Star Gate Atlantis Television ist auch eine mögliche Lösung zu dem Akronym. Toll.

Electrolytes – Ultralyte CS

Ich glaube, "Denkt an die Elektrolyte" war einer der meist zitierten Sätze aus dem Film "Herr Lehmann" Anfang der 2000er. Damals hab ich von den Dingern zum ersten Mal so richtig gehört, weil ich Bio abgewählt hatte und Chemie auch doof war und wusste daher gar nicht so recht, was das ist. Irgendwas im Wasser gelöst halt.
So, wie auch die Zerealien sind die Elektrolyte und die Gluten irgendwo aus einer dunklen Biochemie-Ecke einer Agentur hervorgesprungen und machen irgendwas Gutes oder Schlechtes im Körper. OK.

Keine Ahnung, ob die Band aus Dresden wasserlöslich ist oder was die sonst mit dem Namen Electrolytes in Verbindung bringt, aber die 4 Post-Garage-Indie Punks klingen auf jeden Fall frisch und gesund, das ist ja auch mehr, als andere Bands des Genres von sich behaupten können. Auf dem Tape sind 10 wunderbar lockere und smoothe Garage bis Fuzz Punk Stücke magnetisch festgehalten und handeln anscheinend alle von dem handlichen Blitzgerät, das die Bullen benutzen, um Raser zu entlarven. Keine Ahnung, das Teil heißt "Ultralyte" und poppt als erstes auf, wenn man den Begriff sucht.

Aha. Das Tape ist auf 50 Stück derzeit limitiert, erscheint in einer Woche und man kann schon einmal ein paar Songs davon hören, um genauer zu sein 40%.
Cool.

It’s Eleven Records. Kann man vorbestellen, sieht hübsch grün aus wie die Gurke oder die Polizeiuniform. Fragt mich nicht. "Die Dehydrierung ist der größte Feind des Trinkers". Cheers.

Sex Mex – Chick Problems

Synth Pop Punk. Mit mehr Ideen für Melodien als Interesse an lofi Krach. Erinnert mich sogar ein bisschen an Jay Reatard dieser Song. Cool. Ansonsten ist es zu warm. Sex Mex enttäuscht nicht. Schönes Wochenende.

Also ich hab bestimmt mehr als 99 Probleme, aber ein Küken ist nicht mit dabei.