Brorlab – S/T LP

Für alle Leute, die gerne am Dienstag ihr Wochenende starten wollen und schon einmal langsam die Frustrations-Ablass-Schraube lösen möchten, empfehle ich das neuen Album von Brorlab aus Antwerpen. Die machen Partymusik für schlecht gelaunte Menschen und wabern irgendwo zwischen Elektropunk und Don’t-Give_A_Fuckwave herum, klingen beizeiten nach den 90er Jahren Beats aus der Techno-Hölle Belgiens und verbreiten dennoch oder gerade deswegen eine Stimmung der aggressiven Föhligkeit. Kann auch nicht jeder.

La Vida Es Un Mus. Die LP besteht zum Teil aus ihrer 8-Song-EP aus dem Jahr 2020, plus 7 neue macht das dann 15 Lieder für den Feierabend im überfüllten Schienenersatzverkehr nach Hause. Top.

Robots – El Plan

Schau an, die Robots aus Barcelona haben einen Plan. Sehr gut. Wurde auch Zeit, dass sich jemand, äh, darum mal kümmert? Schade, dass ich nicht so recht Spanisch kann. Dann muss ich mich eben an der Musik erfreuen und hoffen, dass es die zwei Spanier und die Spanierin ähnlich gut mit mir meinen wie die ganzen schwedischen Bands, von denen ich ebenfalls nichts wirklich verstehe und was mich dennoch nicht davon abhält, zumindest unter der Duche oder im Auto lauthals falsch mitzusingen.

So wie damals, als ich noch zu den Beatles irgendeine Sprache gesungen hab. Macht eigentlich am meisten Spaß. Zu Singen, ohne zu wissen, worum es geht. Fragt mal bei der Schlagerparade nach, die wissen, wovon ich spreche.
Poppiger Punk mit ein bisschen lofi Charme und viel Melodien für das Bier zum Sonnernuntergang, der jetzt zum Glück schon ein bisschen früher beginnt. 7 Songs mit einem Hauch Spätsommer, bei dem man die herbstliche Lethargie bereits anrollen fühlt. Das Cover muss mir aber jemand erklären. Schön.

Nur digital. Seit ner knappen Woche schon veröffentlicht und noch immer nicht langweilig. Hoffentlich singen die keinen Unsinn, das würde meine spanische Hauskatze des Nachbarn bestimmt verstören. Naja.

Coupe Gorge – Silence De Mort LP

Wie oft habt Ihr eigentlich in Eurem Leben schon gehört, die "fetten Jahre" seien vorbei und dann schaut man aus seinem freistehenden Einfamilienhaus nach draußen über die Zugbrücke und alle Menschen werden immer fetter und alle Autos werden immer fetter und alle Bässe werden immer fetter..?
Apropos Autos. 48,8 Millionen Autos sind in Deutschland zugelassen. So viele, wie noch nie. Verkehrswende funktioniert nicht so richtig, oder? Ich muss nicht einmal mehr vor die Tür gehen, um meinen neuen SUV anzumelden, das geht jetzt online. Yeah. Aber für den ÖPNV geht sowas nicht einfach mal deutschlandweit. Naja. Scheiß auf das Klima, ich hab gehört, der Trend geht zu Dritt- oder Viertwagen. Cool.

Wusstet Ihr auch, dass in Frankreich das alles ganz anders aussieht? Die wollen tatsächlich mehr Schiene, mehr Elektro und mehr Fahrrad. Und die setzen das um. Verrückt. Keine Ahnung, ob Coupe Gorge darüber singen, dafür reicht das Französisch dann leider nicht mehr aus. Was wollte ich eigentlich? Ach so. Musik.

Offside Records. Erscheint in einer Woche wohl auch auf LP. Wer erkennt den Gesang? Aber mal was Anderes: Über 6% der Haushalte in Deutschland haben 3 oder mehr Autos. Wahnsinn, da muss ich schnell nachziehen. Tut Tut.

Slur – Demos 2

Kommt Ihr nicht so richtig aus den Federn, wenn es jetzt morgens erst später hell wird? Oder steht Ihr einfach nicht mehr auf? Statt einen Liter Kaffee ins Gesicht zu kippen, hätte ich hier die zweite Ausgabe von den Slur Demos, mit der man ganz wunderbar zumindest akustisch wachgerüttelt wird.

Dass man dann ein bisschen angepisst und schlecht gelaunt ist, passt ja manchmal auch ganz gut in den Tag. Wasn für ein Tag heute eigentlich? Krieg, Terror, Dummheit? Ah, Dienstag. OK.

Mit den 4 Songs, die für Hardcore Punk fast schon epische Längen von teilweise über 2 Minuten erreichen, kann man so ziemlich alle Läuse niederwalzen, die einem gerade über die Leber gelaufen sind. Slur sind wie eine heilbringende Kur durch den Gehörgang, alles wird einmal durchgespült und am Ende sind Seele und Körper frisch und frei. Es sei denn, Ihr wohnt in Indianapolis und geht Euch die Band live ansehen, dann kommt Ihr wahrscheinlich taub und kaputtgetanzt nach Hause. Aber früher haben wir dazu Spaß gesagt. Tolle Band.

Nix Label, nur digital. Wie das Demo Nummer 1 vom Februar. Wenn die in dem Tempo weitermachen und zu Weihnachten ein Album veröffentlichen, hab ich keine anderen Wünsche mehr. Außer vielleicht Vinyl. Dann mach ich das halt.

Single Bullet Theory – C.’79 LP

Ein bisschen Power Pop zum Spätsommer. Ahh, Spätsommer, wie schön. Während in anderen Regionen Europas wegen des Wetters Menschen sterben und ihre Heimat verlieren, kann man hierzulande abends länger draußen sitzen und ein kühles Bier auf den Deutschlandpakt trinken.
Gut, streng genommen kann man das auch ohne Spätesommer, dann macht man sich einfach die 5 Heizpilze auf dem Balkon an, ne?
Naja, Griechenland, Türkei und so weiter. Wen interessiert das schon. Das bauen die bestimmt alles wieder auf, bis wir nächstes Jahr da wieder hinfliegen wollen. Top.

Im Englischen und wenn man cool sein will, nennt man so etwas "blast from the past", was ich hier zum Hören anbiete. Diese Explosion aus der Vergangenheit (gähn) kommt von der Single Bullet Theory aus Richmond, die vor über 40 Jahren mal aktuell waren. Nun buddelt man ein paar der alten Songs aus und siehe da, die "Gute-Laune-trotz-der-Scheißigkeit" Attitüde funktioniert hervorragend im Jahr 2023. Warum also nicht ne LP herausbringen, die nicht nur anachronistisch klingt, sondern mit den Aufnahmen aus den späten 70ern wirklich aus der Zeit gefallen ist.
Kann man machen. Hätte ich auf jeden Fall lieber aufm Get Lost gesehen, als diese seltsame Alt-Herren-Truppe aus Vancouver. OK.

Feel It Records. Kommt in ein paar Wochen auf weiß und schwarz. Für die jüngeren Leser unter Euch: die Single Bullet Theory besagt, dass bei dem Attentat auf John F. Kennedy (war mal Präsident der USA) mit einer einzigen Kugel aus einem Gewehr insgesamt 7 Schusswunden verursacht und zwei Personen getroffen wurden (John Connally auch). Heute weiß man, dass es Selbstmord war, weil Jackie O. nicht kochen konnte. Tja.

Horror Section – Bound Below

Halloween. Gruseln. Pop Punk. Irgendwer?
Horror Section mit einem neuen Song, weil Blut und Gedärm und Hirn und Angst auch noch mit Kaugummi funktioniert.

Nur digital. Ist ja auch nur ein Song, wer presst sowas auf CD oder Kassette oder gar Vinyl? Bei den Preisen jagt es einem ja einen kalten Schauer über den Rücken… hätten sie vielleicht doch machen sollen.

Red Dons – Generations 7″

Nanu, auch schon wieder 6 Jahre her, seitdem die genialen Red Dons ihre letzte Single veröffentlicht haben. Ich dachte, die gibt es gar nicht mehr und der Daniel hat zu viel mit seinem Bomben bauen Mastering in London zu tun?
Aber weit gefehlt! 4 neue Songs, die ungefähr da anknüpfen, wo die Band aus Portland mit dem letzten Album und der letzten Single aufgehört hat.

Weniger Scheppern, dafür mehr Melancholie und mehr Ridebecken und so viele schöne Melodien, wie sie sonst nur in Schlafliedern für Kinder zu finden sind. Das ist es vielleicht. Schlafmusik für Punk Rocker. Im positiven Sinn. Naja, ihr wisst schon.

Falls man noch Lust auf die ganzen alten Singles hat, kann man die nun auch auf ner Compilation LP kaufen. Zwei großartige Veröffentlichungen der Band, die sie nun auf ihre Europa-Tour mitbringen. Gibt keinen Grund, dort nicht hinzugehen. Cool.

Taken By Surprise. Alle LPs der Compilation sind farbig. Singles weiß ich nicht. Aber ist auch nicht so wichtig, ne. Das wird die letzte Tour sein – schaut euch die Band an, der Schlagzeuger ist sensationell. Keine Bange, da schläft man nicht ein.

Satanic Togas – Your Choice 7″

Eigentlich bin ich mit diesem quietschigen Elektro-Synthie-Punk ziemlich durch und kann den meisten Bands ihren absichtlich schlecht leiernden Eiersalat nicht mehr abnehmen. Aber Geschmackssache, ne? Ich verstehe das noch, aber ich mag das nicht mehr.

So wie Bier mit Cola oder Whisky mit Cola oder Wodka mit Dr. Pepper Cherry Vanilla oder alles zusammen. Ich weiß, warum ich das mal getrunken hab, aber inzwischen würde ich das als infantile Scheiße abtun und wie alle alten Menschen das als "Erfahrung" bezeichnen und weitermachen mit dem Ausprobieren und weiterwachsen.

Naja, und manchmal hat man dann so einen Rückfall. Für die Satanic Togas kann ich zum Beispiel so eine Ausnahme machen, die haben einfach genügend melodisches Schepperzeug in ihre kurzen Songs gebügelt, um den Punk Rock noch glaubhaft aus Mama’s Garage kommen zu lassen. 5 Songs, jeweils unter 2 Minuten, alle vom Teufel höchst persönlich geschrieben und von den willfährigen Krachmachern aus Sydney eingespielt. Wenn Ihr den vorherigen Kram mochtet und ein Tee Vee Repairman bei euch ein uns ausgeht, werdet Ihr das hier auch gebrauchen können. Cool.

Sweet Time. 500 Singles gepresst. Die blauen sind ausverkauft, die schwarzen gibt es noch. Im übrigen bin ich mit dem Ausprobieren nicht sonderlich weit gekommen und trinke inzwischen alles entweder pur oder gar nicht mehr. Das kann auch keine Lösung sein, aber ich arbeite noch an mir. OK.

Stigmatism – Ignorance In Power LP

Puh, der Sommer meint es aber noch mal ernst, was? Aber von wo aus soll ich denn jetzt arbeiten, wenn mein Freibad seit gestern zu hat und ich mich nicht mehr mit meiner aufblasbaren Partyinsel unter den Sprungturm legen kann? Da denkt natürlich wieder mal niemand dran. Typisch.
OK, heute würde es die vielen aufgepumpten und schlecht tätowierten Männer ohnehin noch aggressiver machen, was aus meiner Boombox ertönt und ich will ja nicht unnötigen und zusätzlichen Schwanz Testosteron-Vergleichen noch mehr Futter bieten.

Dafür würde sich die Debüt LP von Stigmatism nämlich soundtechnisch durchaus anbieten. Hardcore Punk der aggressiven Spielart, der auch in den Breakdowns wenig an Energie verliert und zum Aufplustern der diversen Fraktur-Unleserlichkeiten auf den rotverbrannten Brüsten der hiesigen Dorfjugend bestens geeignet wäre.
13 mal auf die Fresse aus New York und Montreal – mit Leuten von Lethal, Omega und S.H.I.T. Und das hört man. Cool.

Static Shock Records. Wenige auf rotem Vinyl. Ein paar mehr auf schwarz. Zusammen sind es 500.
So, ich muss jetzt meiner Arbeit nachgehen und Frostschutzmittel in die Becken füllen, damit das alles hier winterfest wird. Bademeister arbeiten auch in der Nebensaison!

Marina Zispin – Life And Death: The Five Chandeliers Of The Funereal Exorcisms LP

Habt Ihr eigentlich diesen katholischen Lehrfilm aus den 70ern jemals gesehen? Ich glaube, bis heute hatte ich nie das Verlangen oder musste die Gelegenheit ertragen, diesem Exorzisten zuzusehen. Vielleicht geht es einigen Vögeln unter Euch ja so, "Boah, heute hab ich Lust auf Exozismus." Macht ruhig.

Fiel mir nur gerade wieder ein wegen des Synth Pop Duos Marina Zispin aus dem Norden Englands, die ihre Debüt LP nach so einem seltsamen Zeugs benannt haben. Ich hatte hingegen heute so ein wenig Lust auf Synthie Pop. Ungefährlich, harmonisch, verstohlen, ruhig und angenehm. Was da textlich abgeht, steht sicherlich auf einem anderen Blatt – dem Cover nach zu urteilen. Aber was solls.

Night School Records. 300 Stück auf schwarzem Vinyl. Spielt man die Platte rückwärts, wird das Markus-Evangelium vorgelesen. Gruselig.