MSS FRNCE – VI

Jetzt haben sich MSS FRNCE in den Kopf gesetzt, ihre Veröffentlichungen durchzunummerieren und dann machen die das nicht konsequent. Irgendwo zwischen 5 1/2 und 6, also diesem hier, ist es ihnen entglitten. Das haben sie bestimmt selber bemerkt und dementsprechend das Covermotiv gewählt. Oder es ist eine Reminiszenz an das Run The Jewels Cover? Vielleicht ist es auch scheißegal und ich beschäftige mich mit den falschen Dingen. Kann schon sein. Vielleicht sollte man eigentlich über die Musik sprechen? Pfft.

Zweimal Punk Rock mit Geschrei, da ist es auch egal, in welcher Sprache man die Band nicht versteht. Wenn ihr euren Punk mit einer Prise Noise abfeiert, dann ist das hier der Ehrengast auf der Party.

Desborde / Incendiara – Split 7″

Neues Material von den Synth Punkern aus Buenos Aires. Zwei tolle neue Stücke von einer meiner Lieblingsbands aus Südamerika – Desborde – , die wieder einmal schlechte Laune machen und zum Krawall anstacheln. Weil die Lieder zu kurz waren, musste noch ein Spanischlehrer ein 30-sekündiges Intro einsprechen. Aber danach gehts ab, Alter.

Geteilte Freude ist halbe, nee, Moment. Äh, also die teilen sich die Single mit Incendiara. Also ich glaube, es sind dann die Crust Punker aus Buenos Aires und nicht die Pop Punker Madrilenen. Lassen wir uns von Discos Corrosivos überraschen, wo die 7″ auf Vinyl herauskommt.

Knife Manual – Step 1. EP

Neue Band von und mit Ty Stranglehold. Knife Manual klingen ein bisschen so, als würden sie bei ihren Shows als Support Band proben, weil sie sonst keine Möglichkeiten haben. Zeit ist knapp, Geld ist knapp, Räume sind knapp, Instrumente hat man auch keine eigenen. Also Punk Rock mit Hardcore, zu dem man eigentlich nur skaten und pogen kann. Richtig gute 9 Songs für Fans. Beste Vorband, die Ihr je sehen werdet. Cake Jumper ist ein Hit.

Stiff Hombre Records. Logisch, ist ja Ty’s Label. Kommt auf 300 limitierten 7″s mit Siebdruckcover ins Haus geflogen.

Treeboy & Arc – Natural Habitat LP

Pünktlich zum Ferienstart in diesem Bundesland setzt auch das beschissene Wetter ein und die Vorfreude auf sonnenverbrannte Kinder weicht der Einsicht, dass mehr UNO als Beach Ball gespielt werden wird.
Die metaphorische Brandmauer ist vom Parteivorsitzenden eingetreten worden und die echte Brandmauer im Süden des Kontinents ist abgebrannt. Der passende Soundtrack dazu ist auch schon fertig abgemischt und liegt bereit.

Treeboy & Arc haben neulich ihr Debütalbum auf Schallplatte gepresst und servieren 9 sehr angenehme Post Punk Stücke, zu denen man lieber ein Glas Wein am Küchentisch als eine Dose Bier am Strand trinkt. Mehr Sprechgesang und Redekunst als Wutgeschrei oder Gesang. Mehr Gitarrenspiel als Akkorde und der Bass tritt so oft in den Vordergund, dass das BO seine Freude hätte. Schöne Melodien, tolle Platte.

Grünes Splatterschwarzvinyl. Dazu gibt es noch verschiedene andere Kaufoptionen über Longsleeve, Cap und Küchentuch bis zu T-Shirt und Digipack. Und alles zusammen und auf einmal. Heute habe ich gelernt, dass Küchentuch im Englischen ein tea towel ist. Charmant.

Cool Sorcery / Da.Bear – God Inside A Human Machine Split

Was ist eigentlich mit den jungen Leuten los? Vor ein paar Jahren waren die alle noch bei der NASA angestellt und heute laufen sie arbeitslos mit Socken in Adiletten durch die Fußgängerzonen. Cool.
Apropos. Die brasilianischen Cool Sorcery haben eine Split Veröffentlichung mit den amerikanischen Da.Bear veröffentlicht und jeder der beiden hat 3 Songs beigesteuert, die man bequem in die Synth Punk Schublade räumen kann und dann bei passenden Gelegenheiten zur Hand hat.
Cool Sorcery sind bei diesem Split die ruhigere Band, das heißt also, Da.Bear hauen ziemlich auf die räudige Kacke und schreien Dich aggressiv an, Du seist nix ohne Technologie. Verdammte Scheisse. Nix! Wobei man ja streng genommen bei Technologie nur von der Wissenschaft spricht und nicht von den technischen Geräten, oder? Also Smartphone beiseite und Nase in ein Buch, ihr Lümmel. Ihr seid nix ohne die Lehre von der Technik!

Cool Sorcery sind natürlich nicht weichgewaschen worden, die haben einfach im Vergleich ein bisschen weniger Aggressivität und ein bisschen mehr Melodiegedudel im Angebot. Souverän wie immer. Beide Seiten des Splits eignen sich hervorragend für das kommende Wochenende und meine angehende sozialwisscenschaftliche Studie über die Verrohung der Jugend. Bin ein alter Mann, dachte, es ist an der Zeit.

„Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.“ (Kurt Tucholski)

Split System – Alone Again

Ich freu mich auf das Get Lost Fest, wenn ich die australische Invasion live miterleben darf. Aborted Tortoise, Mini Skirt, Bad//Dreems…Und mit dabei sind dieses Jahr auch Split System, die kürzlich erst ihr Debüt veröffentlicht haben und nun mit dem zweiten Album schon wieder vor der Tür stehen.

Man kann mit den Menschen von Down Under so wunderbar über die Folgen des Klimawandels sprechen, die kennen das inzwischen schon mit dem nicht mehr vor die Tür gehen, wegen ihres Ozonlochs überm Kopp. Vielleicht ist das ja das Geheimnis hinter den tausenden Megahits der Punk und Pub Rocker? Verbrannte Erde und verbranntes Hirn?

Hier auf jeden Fall noch ein weiterer Beweis. Spannend.

Das Album erscheint erst nächstes Jahr bei Goner, Legless und Drunken Sailor in den USA, Australien und Europa (So macht man das, Convulse Records – ich will meine GEL LP haben). Dauert aber noch ein bissl. Bis dahin ist Griechenland abgebrannt und eine völlig neue Musikszene steigt wie Phönix aus der Asche des Olymp. Da freu ich mich aber.

Uzu – S/T

Tolles Album von den arabischen Punks aus Montréal. Textlich kann ich da nicht viel zu sagen, aber das wäre bei Französisch ähnlich und meistens kann man sich in unseren subkulturellen Kreisen ja auf die inhaltliche Gestaltung verlassen. Sollte jemand sich beleidigt fühlen oder einen Schreibfehler auf dem Cover von Uzu finden, kann er/sie sich bestimmt vertrauensvoll an die Band wenden.

Musikalisch ist das Abenteuer irgendwo zwischen Red Dons, Nightwatchers oder Criminal Code und Estranged anzusiedeln. Könnte also allen Menschen auf der Welt gefallen.

A World Divided. Meinen letzten Ouzo hab ich bestimmt in einem griechischen Lokal als kostenlose Dreingabe nach dem Essen getrunken und das muss mehr als 10 Jahre her sein. Furchtbares Zeugs.

Atom Tan – Government Work

Hurra, 5 neue Songs von den genialen Atom Tan. Beste Punk Rock Band. Schon komisch, wie das immer passiert, ne? Dass man manchmal völlig alleine der Meinung ist, etwas ganz Großartiges gefunden zu haben und man erntet lediglich gelangweiltes Schulterzucken? Kakao mit einer Prise Salz? Wodka mit einer Prise Valium? Vanilleeis mit Gewürzgurken? OK, vielleicht bin ich auch einfach nur schwanger mit Atom Tan.

Noch immer kein Label interessiert an einer Vinylveröffentlichung? Dann muss ich das wieder selber machen. Cool.

The Wind-Ups – Jonathan Says 7″

Na schau an. Manchmal ist eine Tempodrosselung genau das Richtige, und ich spreche leider nicht von deutschen Autobahnen. Dort können sich die Wahnsinnigen noch immer dickbäuchig in den SUVs mit 220 Stundenkilometern über den Asphalt hetzen und zeigen, was für stramme Männer sie sind. Stark.

Aber nein, ich meine hier eine Drosselung der allgemeinen Hektik, die bei Garage Punk Bands manchmal den Charme ausmacht und manchmal charmant krachig nerven kann. Das klang bei Audacity auch immer am besten, wenn sie ihren Gitarrenbrei als Teppich ausgerollt haben und den Gesang einfach mal locker flockig darüber kotzen ließen. Hier jetzt auch zu genießen von den kalifornischen Wind-Ups, die einen Song von der neuen Single schon einmal zur Verfügung stellen. Danke, find ich gut.

Kommt auf 7″ im August auf irgendeinem Label heraus. Drosselung kommt ja eigentlich von der Kehle und bezeichnet auch eine Verengung in Rohren und so. Also man würgt quasi dem Tempo die Luft ab. Martialisch, aber effektiv!

Tropical Strength – (Not My) Cup Of Tea

Zwischendurch eine poppige Nummer der Australier von Tropical Strength, die eine Menge Beatles gehört haben. Vielleicht gehört sich das auch so, wenn man Mitglied im Common Wealth ist, keine Ahnung. Der Song erinnert zumindest stark an die Sgt. Peppers Zeiten der Pilzköppe. Warum nicht. War ein tolles Album.

Farmer & The Owl. Der Nam des Albums Sgt. Pepper’s Lonly Hearts Club Band kam ja nur zustande, weil Paul sich verhört hat, wie jemand neben ihm nach "Salt and Pepper" gefragt hat. Paul ist der Bassist. OK.