Goon – Natural Evil LP

Was war eigentlich die ursprüngliche Marketingstrategie bei Haribo, als sie dieses ekelhafte Sortiment von Weingummi, Lakritze und anderen mundgerechten Kackwurststücken („Konfekt“) in eine Tüte packten und dann Color-Rado nannten? Ich glaube, Johann (Freunde nannten ihn „Hans“) Riegel hat einen großen Brocken von seiner Wolke heruntergekotzt, als er das gesehen hat. Das kann doch niemand mögen!
Tja, wie man sich täuschen kann – das widerliche Zeugs gibt es inzwischen seit über 50 Jahren. Man sollte nie den grausigen Geschmack seiner Mitmenschen unterschätzen.

Ich hatte diese schaurige Assoziation auch nur, weil die Band hier aus Denver, Colorado stammt. Und irgendwie passt die Platte und Band auch zu dem Naschzeug aus der Hölle, wenn man bedenkt, dass es einen ziemlichen Deppen („Goon“) bedurfte, um solch eine bunte Tüte auf den Markt zu bringen und noch mehr Goons, um den Scheiß auch noch zu kaufen. Über den Bezug zu „Natural Evil“ muss man dann ja schon gar nichts mehr sagen, oder?
Eigentlich ist das Debüt von Goon auch ein Konzeptalbum zu dem Thema, wenn man es mal genau nimmt und zwischen den Zeilen liest/hört.

Ach, eigentlich ist es „nur“ eine ziemlich geile Hardcore Platte, die viel zu schnell vorbei ist. Hier tut sich Erstaunliches – die Band springt mit Leichtigkeit von „Auf-die-Fresse“ zu verspieltem Post-Hardcore Gedudel weiter zu Metal-Solo und zu einem Noise-Gewitter. Innerhalb eines Songs. Irgendwie erinnert mich der Kram stellenweise an Hank Wood und dann wieder an Fucked Up und dann wieder hab ich gar keine Assoziation oder muss an Haribo denken. Schlimm.

Natural Evil wird abgeliefert in einem astreinen Soundgewand aus fetten Gitarren, herrlich magerem Schlagzeug und bösem Bass. Darüber der wütende Gesang und fertig ist eine feine Platte. Glückwunsch. Abwechslungsreiche Songs im Hardcore, wer hätte das gedacht.

Kann man beim Label (Convulse Records) in limitiertem Vinyl vorbestellen.

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