The Paranoyds – I Like It Here 7″

Ich beantrage Bezahlkarten für alle, die sich für Bezahlkarten aussprechen. Voll geil. Probiert das mal aus, wie das so ist, bevormundet zu werden und das bisschen an Autonomie aufzugeben, die man als Bittsteller noch hat.

Ich könnte mir vorstellen, solch eine Arbeitsgruppe zu bilden und zu leiten, die darüber bestimmt, welche Sachleistungen die Personen erhalten dürfen, die sich für eine diskriminierende Bezahlkarte aussprechen. Statt Bargeld, das am Fiskus vorbeigeschleust wird, gibt es dann einfach mal Essensgutscheine für die Kantine im Bundestag, die natürlich verfallen, wenn man zu spät kommt. Oder einen Zuschuss für ein gammliges Fahrrad, damit man mobil ist. Oder ein paar Socken von dem Verein der Schweißfüße. Ach, geht kacken.

In anderen Ländern ist es auch nicht schön, aber offensichtlich haben The Paranoyds sich damit ab- und etwas in Los Angeles gefunden, das sie so richtig gerne mögen. Wie schön. Mit der meuen Single können sie auf jeden Fall 4 Songs dazu beisteuern, dass meine Laune gestiegen ist, viel mehr kann man eigentlich von Musik nicht erwarten. Aber was ist das eigentlich? Punk aus der Vergangenheit? Irgendwie 80er Garage Pop Rock mit Punk Charme. Mag ich sehr.

Third Man Records. Auf 7″ erschienen und auf 130 Stück limitiert und rosa und ausverkauft. Man sollte meinen, das Label könnte größere Kapazitäten verkraften, aber ok.

Machine Go Boom – Your Skin’s Been Peeling Off 7″

Wieso ist der 9. November eigentlich kein Feiertag in Deutschland? Oder meinetwegen Trauer- oder Gedenktag. Ich kann das alles gleichzeitig, diese Achterbahn der Emotionen nennt sich Donnerstag.
Republik ausgerufen, Mauer eingerissen, Hitler-Putsch vereitelt, deutschlandweite Progrome…muss ein stressiger Tag gewesen sein. Auf jeden Fall will ich heute frei haben und an was Anderes denken als die Arbeit.

Wenn wir schon in der Historie kramen, können wir uns heute auch einer Veröffentlichung widmen, die zwar bereits Ende Oktober dieses Jahres erschienen ist, aber bei der die Aufnahmen schon über 10 Jahre alt sind.

Machine Go Boom haben sich 2010 kurz vor ihrer temporären Trennung noch einmal im Studio getroffen und ein paar Lieder eingespielt, aufgenommen und abgeheftet. Die Songs durften dann irgendwie nie das Tageslicht erblicken und sind ein bisschen in Vergessenheit geraten. Bis jetzt. Irgendein Archivar hat  4-Spur-Aufnahmen im Zombi Proof Studio in Cleveland sortiert und dabei ist diese tolle Garage Punk Kassette vom Regal gefallen. 5 Songs, einer davon erst bei der Session entstanden, also recht authentisch die Single. Geht nach vorn, nach nebenan und nach Hause. Toll.

Just Because Records. Auf 7″ erschienen und auf 8 verschiedenen Farben erhältlich. Total limitiert und so weiter…ich gedenke heute den Toten und begehe den bolivianischen "Día de las Ñatitas". Irgendwo liegen hier eh noch Totenköppe von der Halloween-Party herum. Die schmück ich mir schön traditionell mit Koks und Kippen und hab nen Feier-Gedenk-Trauertag. Yeah.

Anytime Cowboy – Demons Obey CS

Ein neues Album von meinem Motivationstrainer! Anytime Cowboy versteht es wie kein anderer, mit seinem Elan in der Stimme die Laune eines jeden missmutigen Menschen zu vermiesen. Großartige Leistung. Und auch eine tolle Idee, daraus eine neues Genre zu basteln, indem man die kleinen weirden Geschichten aus Reuben Sawyers Kopf mit einer leicht zerstimmten Gitarre untermalt. Perfekter Soundtrack für den Pilzrausch in einer herbstlichen deutschen Großstadt.

Spared Flesh. Auf Kassette erschienen. Die leiert ab Werk. Muss so. Nüchtern nicht zu ertragen, mit den richtigen Drogen der Wahnsinn.

Seb Radix – 1977 LP

Man sollte auf Namedropping nicht reagieren, ne. Dieses Werben mit Menschen, die irgendwann einmal etwas Gutes gemacht haben, läuft ja meistens ins Leere. Ich kann mich zumindest nicht an eine Supergroup aus den letzten Jahren erinnern, die dieses Attribut verdient hätte. Ach so, die Plosivs vielleicht. Hm.
Aber grundsätzlich sollte man sich ja von solchen Dingen frei machen. Leider klappt das bei mir in der Regel nicht so gut, wenn ich eine Ankündigung für ein Album überfliege, auf dem dann so Leute wie Andy Kerr von Nomeansno und Mike Watt von Minutemen mitspielen. OK, Mike Watt macht auch in ziemlich vielen Projekten und Bands mit, die ich nicht unbedingt abfeiern würde, aber von Andy Kerr hab ich schon länger nichts mehr gehört.

Seb Radix hat sich die beiden Helden meiner Jugend geschnappt und sie auf seinem Album irgendwo zwischen den Rillen versteckt. Denn zumindest auf den beiden Songs, die man bereits vorab hören kann, erahne ich nicht unbedingt den trockenen Basslauf von Opa Watt oder die verstimmte Gitarre von Onkel Kerr. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die beiden gar nicht ihre Instrumente mitgebracht haben und nur singen. Und trotzdem sind die Lieder gut.
Es braucht hier also gar nicht unbedingt die Namen von Punk Rock Stars aus den 80ern und 90ern, das Album scheint auch so für sich zu sprechen. Na sowas.

Table Basse Records. Auf Vinyl im Dezember. Haben sich das eigentlich irgendwelche schlauen Labelmenschen schon mal zunutze gemacht und mit Leuten ein Album beworben, auf dem der Hausmeister die Triangel spielt, der aber zufälligerweise Keith Richards heißt? Geile Idee.

Burning Tapes – Devil X Nine (Special Edition) CS

Falls Ihr Euch auch gerade auf dem Weg in die Hölle befindet und das AC/DC Tape leiert, hätte ich hier entspannten Ersatz, der mit frischem Magnetbändern und schaurig schönen Melodien den Stau erträglich macht.

Burning Tapes aus England macht diesen Horrorfilm inspirierten Synth Kram schon länger und der Typ (Darren Page) hat ja auch das Label Burning Witches mitgegründet, das fast ausschließlich diesen tottraurigen und schaurigen Tönen ihren Platz bietet.

Hier gibt es eine besondere Version von dem "Album" Devil X Nine, auf dem auch unveröffentlichte Tracks zu finden sind und das sich musikalisch wie Spinnenarme in verschiedene Richtungen ausbreitet… Hauptsache, es gruselt. Ich vergleiche das ja jedes Mal mit Alex Cuervo’s Projekt Expectrostatic und tatsächlich hat der Burning Tapes Mann mal ein Album davon gemastert. OK. Gute Fahrt.

uSUPER! Records. Gab es mal auf Kassette als Bestandteil einer hübschen Serie zu kaufen. Sind aber alle weg. Digital funktioniert das aber auch und dann macht man das einfach wie früher und nimmt sich den Scheiß selber auf Kassette auf, malt ein paar umgedrehte Kreuze drauf und schon kann man mit Beelzebub als Beifahrer die Autobahn ins Verderben runterbrettern. Auf geht’s.

Schedule 1 – S/T LP

Meint Ihr, es hat 12 sensationelle Freitage in Folge gegeben und dann kam Freitag der 13. und hat voll abgeschissen? Oder warum ist der heutige Tag verdammt dazu, rot im Kalender angestrichen zu werden und Menschen laufen extra vorsichtig über die Autobahn?

Vielleicht sollte man den Tag ja lieber feiern, anstatt von Unglück auszugehen. Vielleicht gab es früher nur an jedem 13. Freitag Wochenende? Oder es wurde gewaschen oder es durfte gelacht werden? Man muss ja nicht immer so negativ sein. Ich mein, manche Bands haben auch mehere Versuche gebraucht, bis was Ordentliches aus den Instrumenten herusgesprungen ist. Ob das dann gut war, sei dahin gestellt. Aber stellt Euch mal vor: Sum 1 – 40 waren noch schlechter. Oder Blink 1 – 181. Das nennt man Ausdauer. Oder Verzweiflung.

Da lobe ich mir Schedule 1, die haben das direkt beim ersten Anlauf geschafft, eine tolle 12″ mit 6 Songs aus dem Proberaum in Vancouver auf den Markt zu blasen. Auf dem Debüt kommen ein paar Post-Punkige Klänge aus Gitarrengeplinker und Gesang mit viel Hall zusammen und verschmelzen mit einer Best-of-80er-Jahre-Basslauf-Mischung zu tanzbarem Wave Post Punk, der sowohl in dunkleren Kellern für dunklere Gestalten aufgelegt werden kann, als auch bei eintönigen Arbeiten im Büro als Unterstützung dazu dienen vermag, den Schreibtisch samt Chef aus dem Fenster zu schmeißen. Melodie, Aggressivität, Spaß. Erster gültiger Versuch und direkt eine gute Platte. Toll.

Sabotage Records und Dirt Cult Records. Gibt es auf buntem Vinyl zu kaufen und bei Pils Records in Kanada sogar auf Kassette, aber warum sollte man. Ich habe ja den Film nie gesehen und mir erst vor ein paar Jahren mal Halloween angetan. Der war gar nicht schlecht. Hm. Vielleicht weiß ich jetzt, was ich mit den Kindern heute Abend mache. Cool.

David Pajo – Scream With Me LP/CS

Wie schlimm ist es? So schlimm… Ich muss mir heute diese Cover-Sammlung von David Pajo ins Poesiealbum kleben. Die 9 Songs von Misfits wurden so stark reduziert und runtergeschraubt, dass sie sich hervorragend zum ersten Kürbis-Kaffee beim Morgengrauen gesellen können und damit ganz hervorragend gemeinsam den Herbst und die Halloween Saison einläuten.

Alle rauhen Ecken wurden abgeschliffen und was übrig geblieben ist, sind nur noch die sanften Melodien, für die die Horror Band auch 45 Jahre nach der Gründung so gefeirt wird. Aufgenommen hat David Pajo die Lieder auf seinem Trip durch Brooklyn, bei dem er von Couch zu Couch gesurft ist und sich einfach nur mit seiner Gitarre vor einen Kassettenrekorder gehockt hat. Und man hört nicht einmal die Hipster im Hintergrund ihren Maisbier-Gin-Cocktail schlürfen. Oder was auch immer die coolen Leute jetzt so trinken. Gut?

uSUPER! Records. Gab es für ein paar Minuten auf Kassette und LP, sind aber beide ausverkauft. Waren eh zu teuer. Das gleichnamige Buch ist im übrigen auch schön. Leider auch schon weg. Naja.

Sugar Tradition – More Sugar LP

Was ist eigentlich der Deal von Nacktschnecken? Ist das ein freiheitsliebende Bruder/Schwesterschaft auf Wanderschaft, die einfach keinen Bock drauf haben, immer ihren ganzen Scheiß mitzuziehen? Die sind ja sogar so sehr auf ihre Freikörperkultur stolz, dass sie nicht einmal in ein leeres Schneckenhaus einziehen würden, wenn man ihnen eines direkt vor die Nase legt. Oder den Arsch, das weiß man ja nicht so genau.

Egal, ob riesieges Anwesen aus Weinbergschneckenhaus oder ein tiny house à la Hain-Bänderschnecke. Ich will da jetzt kein Obdachlosen-Bashing draus machen, aber diese ganze Freiheitsliebe ist auch nur so lange cool, bis ein hugriger Igel oder Feinschmecker vorbeiläuft und sich freut. Das passiert Kollegen mit einem ordentlichen Haushalt nicht, Freunde. Ok. Was wollte ich eigentlich?

Rock’n’Roll aus Detroit. Mal was ganz Anderes. Sugar Tradition buddeln tatsächlich diese alte Spielart der tanzbaren wilden Musik mit verstärkten Gitarren und Schellenkranz-rasselenden jungen Männern in lustigen Hosen aus dem Grabe der Motor-City und packen da 5 Songs drauf, die irgendwo zwischen den Sonics, den Bellrays und tausend anderen ortskundigen Bands schweben.

Genau das Richtige für einen frühen Schluck aus der Pulle des Wochenendes und mit der richtigen Lautstärke unwiderstehlich tanzbar. Schon ne gute Idee gewesen, dieses Rock’n’Roll. Cool.

Feel It Records. Kommt stilecht auf 500 Stück limitierter Vinyl LP. Man kann ja viel über die Südeuropäer lachen und denken, dass die spinnen, wenn sie sich Schnecken als Delikatesse durchs Öl ziehen und verpeisen. Aber steigt mal von eurem hohen Ross herab und kommt mich besuchen. Hier gibt es tatsächlich die sogenannte Badische Scheckensuppe. Hab nicht gefragt, ob mit oder ohne Häuser. Aber da hilft auch "more Sugar" nicht.

Pack Rat – Bite My Tongue 7″

Was isn los mit der Jugend, hm? Fällt denen auch nichts Neues mehr ein? Jetzt hat man "Goofy" zum Jugendwort des Jahres gewählt und darüber freuen sich vor allem alte Leute, weil sie endlich mal wissen oder erahnen können, was diese jungen Leute da reden. Susanne Daubner ist begeistert. Na dann. Ist ja peinlich, voll die NPCs die da abgestimmt haben.

Voll dufte hingegen ist die neue Single von Pack Rat, der hektischen Punk Rock Melodiefabrik aus Vancouver. 4 neue Songs in der beliebten und bekannten Gestalt von abgehackten Gitarren, schepperndem Schlagzeug und verschwitzten T-Shirts. Knorke.

Turbo Discos (EU) und Under The Gun Records (USA). Erschienen auf schwarzer Vinylscheibe. Andereseits weiß man ja auch nicht, wer bei so einer Online-Abstimmung dann tatsächlich die Mehrhreit stellt. Könnte sich ja um den "Fanclub Entenhausen" halten, der da manipuliert hat. Spannend.

The Gents – Responsible Dog Walker 7″

Schön, dass sich mal jemand dieses Themas annimmt und nicht nur die degenerierten Vierbeiner beschimpft, die sich so weit von dem natürlichen Instinkt, nicht einfach irgendwohin zu scheißen, entfernt haben und ihre Kackhaufen auf Spielplätzen und Bürgersteigen hinterlassen.

Man muss Herrchen und Frauchen in die Verantwortung nehmen und auch diese dazu anhalten, nicht einfahch irgendwohin zu scheißen und obendrein noch ihren Tölen beizubringen, in diese kleinen schwarzen Tüten zu kacken, so lange sie sich im urbanen Umfeld herumtreiben.

Eine ganze 7″ Single ist von The Gents danach benannt worden, denn in Hamburg scheint das ein großes Problem zu sein, dass die Gehwege und Parks und Radwege und Straßenstriche mit Hundescheiße übersät sind. Warum nicht. Wenn das musikalisch dann mit rotzigem Garage Punk untermalt ist, dringt die Message vielleicht auch mal durch. Genügend Melodien und Ohrwurmqualitäten sind auf jeden Fall in den 5 Songs enthalten, um damit auf einem Spaziergang mit Hasso zur Davidwache ein paar Beutel vollzumachen und dann einer kreativen Nutzung zuzuführen.

Zweistimmiger Gesang, lärmendes Schlagzeug, krachige Gitarren und gemastert von Will Killingsworth. Kann man nix falsch machen. Cool.

Creepy Kid Records. Am 5. Oktober auf 7″ erschienen und man erhält eine Hundekacktüte kostenlos dazu. Ich glaub, ohne Inhalt. Das wird nicht näher spezifiziert, aber bestellt doch mal dort und lasst mich wissen, ob der Briefkasten stinkt.