White Collar – S/T LP

Was man so alles in 2 Minuten machen kann. Zähne putzen, ähm. Ähhhh. Vokabeln lernen. Hm. Ich hab früher in der 5 Minuten Pause eine ganze Zigarette geschafft, vielleicht würden junge Leute heute in zwei Minuten ein Fläschchen Kokos-Sirup vapen (oder was da sonst so drin ist).

Joey "Jaws" Chestnut hingegen hat in 10 Minuten 76 Hot Dogs gegessen, also würde er wahrscheinlich in zwei Minuten mehr als 15 Stück schaffen. Steven Proto hat in einer Minute läppische 102 Kllimmzüge geschafft, das heißt also, man könnte ca. 200 Stück in zwei Minuten hinbekommen, wenn man nicht den ganzen Magen mit Hot Dogs vollgestopft hat.

Naja, man könnte auch einfach nur die ersten beiden Songs vom Debüt Album der kanadischen White Collar aus Victoria anhören und hätte nach der einen Minute und 54 Sekunden dann noch Zeit für ungefähr einen Hot Dog und 10 Klimmzüge. OK.

Hardcore Punk der feurigen Art aus British Columbia, der ein bisschen so klingt wie Headcheese und Bootlicker, weil da Leute von Headcheese und Bootlicker mit dabei sind. Das ist aber zum Glück nicht einfach nur eine Kopie einer Kopie, sondern mindestens durch den grandiosen Gesang von Loosey C. etwas Eigenständiges und genau das Richtige für ein Wochenende voller Rekordversuche. Viel Erfolg.

Static Shock Records. Auf orangenem Vinyl beim Label, auf blau bei der Band. Farblos im Internet. Ich will ja niemanden unter Druck setzen, aber die Rekorde für das schnellste Trinken eines Bieres (500 ml) oder Pints (568 ml) liegen schon über 40 Jahre zurück. Peter Dowdeswell und Steven Petrosino sind hier die Rekordhalter (1,3 Sek. und 0,45 Sek.).
Warum sind das eigentlich alles Männer?

Honey Joy – III LP

Kurz vor der nächsten Hitzewelle kann man sich jetzt noch schnell mit Honig (Freude) einschmieren, nackig über die Wiese laufen und ein Wettrennen mit den fliegenden und stechenden Leckermäulern in schwarz-gelb absolvieren. Oder man legt sich einfach in die Badewanne mit Eiswürfeln und lutscht den Durst weg.
Das sind nur zwei von den zahllosen Möglichkeiten, die ein ordinärer Sommertag im reichen Deutschland bereithält. Macht das Beste daraus.

Die dritte LP von Honey Joy aus London ist in der Lage, bei so ziemlich jeder Aktivität für eine poppige Unterhaltung zu sorgen und kann ebenso beim Schwitzen wie auch beim Schwitzen und Hitze und Schwitzen Freude bereiten. Top.

Everything Sucks Music. Die LP ist vor knapp 2 Wochen auf Guiness farbigem Vinyl erschienen. OK. Cheers.

Five Bucks – Super Stanzy Roks

Live by the sword, die by the sword! Nun sind uns gerade zwei Attentate durch die Lappen gegangen präsentiert worden, die auch völlig anders hätten ausgehen können. Man stelle sich mal vor, der Pappenheimer von der Rüstungsindustrie wäre von einer seiner eigenen Kreation eingeholt worden und "mit einer hohen Kadenz von 1.000 Schuss pro Minute" aus dem Privatpanzer geballert worden. Uiuiui.

Oder der andere Clown, der sich nicht an die Markierungen auf dem Boden des Podiums hält und einfach mal 5 relevante Zentimeter vom Plan abweicht. Das hätte auch ins Auge gehen können. Beide Opfer Adressaten verbindet die Liebe zur Konfliktlösung mittels brachialer Waffengewalt, da darf man sich ja mal fragen, was Matthäus da in seinem Evangelium mit gemeint hat, als er sinngemäß schrieb, "Ein Mensch, der gewalttätig lebt, wird wahrscheinlich irgendwann auf gewaltsame Weise getötet werden." Ist das gerecht? Sicher. Muss jeder selber wissen.

In anderen Realitäten schickt sich Five Bucks an, das Erbe von Nobunny sowohl stilistisch als auch visuell anzutreten. Ist ein bisschen over the top lo-fi, aber melodiös genug, um in die Freibad-Playlist aufgenommen zu werden. Plitsch Platsch, macht Spaß.

Nur ein neuer Song. Vielleicht kommt demnächst mal ein Album. Wird auch Zeit, man bekommt ja zusehends schlechtere Laune.

Twisted Teens – Tourtape CS

Twisted Teens – Garage Punk mit Bluesausbildung. Die Jungs können aus Versehen ihre Instrumente bedienen und so wird aus dem üblichen Scheppern und Lärm aus dem Proberaumkeller auf einmal eine Sinfonie aus dem Best of der fuzzigen Pre bis Post Punk Ära von schlechtgelaunten Jugendlichen mit zu viel Bier zusammengerührt. Ich verstehs auch nicht immer.

Passt hervorragend zum Binge Watching von "Ein Colt für alle Fälle", wo Autos noch einfach so in der Luft herumsprangen und Bier zum Frühstücks-BBQ vollkommen in Ordnung ging. Toll.

Turbo Discos. Auf Kassette erschienen, wie das bei einem Tape so eben ist, ne. Die Band ist offensichtlich auf Tour und man sollte sich einfach mal live davon überzeugen, wie viel Punk sich im Folk verstecken kann.

Chubby And The Gang – And Then There Was…

Quietschvergnügt starten wir in die Woche mit den farbenfrohen Coverdesignern von Chubby And The Gang.

Das neue Album taucht sich visuell ein bisschen in psychedelische Urwald-Pilz-Suppe und lässt fürchterliche Trips zwischen blankem Monsterhorror und Kindergartenharmonie vermuten, aber ich hab kein Kunst studiert, vielleicht suggeriert das Cover aus der Hölle auch einfach nur die pure Lebensfreude.

Wie dem auch sei, musikalisch hat das wieder einmal gar nichts mit dem Artwork zu tun und die Londoner Oi Kneipen Punker rocken und rollen sich durch das dritte Album wieder souverän zur nächsten Theke, um für die durstigen Männer ein Pint zu bestellen. Ganz geil.

Zwei Songs jetzt, der Rest folgt im September, wenn die Pilzsaison losgeht. Is klar, oder?

Flatsport Records. Wird mit Sicherheit auch auf Vinyl veröffentlicht, hier aber zunächst einmal nur als digitale Version vorzubestellen. Ich weiß, da steht ein Künstler auf dem Cover, aber das sieht mir sehr nach randomisierter KI Geschmacklosigkeit aus. OK, ich hab keine Ahnung, sorry.

Soot Sprite – I Went Swimming / Home Among Your Bones 7″

Hier schrammeln wir ganz dicht an den Kanten zwischen Pop, Grunge, Punk und Indie Rock herum. Tatsächlich bleibt man stets mit einem Fuß im jeweilig anderen Genrematsch stecken, während man so durch den Song wandert und sich bemüht, seine Schuhe nicht im Dreck zurückzulassen – die braucht man ja noch zum Gazen.

Soot Sprite aus Exeter, die neue rauchige Geschmacksexplosion aus dem Hause Coca Cola, erinnert mich zwischen den Tönen ein bisschen an True Moon oder Vånna Inget (also an Karolina Engdahl) und das schmeckt lecker. Auch einen Schluck?

Specialist Subject Records. Ist auf 7″ Vinyl erschienen und kann man in verschiedenen Bundles kaufen. Mit 12″ oder Longsleeve.

Soot Sprites sind im übrigen eigentlich Susuwatari oder Makkuro-Kurosuke in dem japanischen Universum der Studio Ghibli Filme. Das sind so kleine schwarze magische Kreaturen. Wieder was gelernt.

Eye Ball – Kick You & L.I.S.T.E.N. + Mood Piece CS

Noch ein Doppelschlag nach dem gestrigen Krawall aus Baltimore. Die ersten beiden digitalen Singles von Eye Ball werden gemeinsam auf einer Kassette veröffentlicht und ich dachte, der Typ macht mal ein ganzes Album, naja.

Wunderbarer Punk im Stile der frühen Reds und Marked Men, der sich manchmal auch in Richtung Briefs bewegt. Ach, keine Ahnung. Vielleicht hören andere Menschen da auch Roger Whittaker heraus oder Nana Mouskouri (ich habe beide Namen ohne Nachzuschauen korrekt geschrieben!!). Ist eine Ein-Mann Punk Rock-Wunderwaffe mit Melodie und Krach verschmolzen. Toll.

Noise Merchant Records hatte noch genau eine Kassette zum Zeitpunkt des Verfassens dieser liebevollen Zeilen. Ansonsten geht das auch digital ins Ohr, was ja eigentlich auch von dem "Augapfel" aus Nordamerika so gedacht war.

Bis zum ersten Album müssen wir uns noch ein bisschen gedulden, aber das kommt wohl bald, sagt das Label. Andererseits sagt das Label auch, das sei alles Egg Punk. Versteh ich nicht. Vielleicht veganer Egg Punk?

Gasket – Babylon

Gasket aus Baltimore, Maryland machen Hardcore Punk in etwa so ähnlich wie GEL, nur mit Dudes. Und deswegen sind sie wahrscheinlich auch auf dem gleichen Label wie die letzten beiden Singles von GEL. Wie sprecht ihr eigentlich GEL aus? So, wie Haargel oder eher so wie Gelatine? Aha.

Blue Grape Records. Die erste Veröffentlichung lohnt sich auch, die kann man auch komplett hören und ist sogar erst 8 Monate alt.

Gute Band für einen Gewittervormittag mit Toast und Schnaps.

Rider/Horse – Matted LP

"Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?" Ich nicht. Kann ich gar nicht und Pferde find ich auch eher doof, aber die Post Punker aus dem Hudson River Tal in Kingston, New York scheinen sich stark für die Fortbewegung auf Rheinischem Sauerbraten-Material zu interessieren. Könnte man zumindest annehmen, wenn man sich Rider/Horse nennt.

Aber viel Hufgetrappel kann ich da auf der dritten LP der Band nicht heraushören, das ist vielmehr eine großartige Mischung aus Versatzstücken von musikalischer Kakophonie und wohliger Soundekstase. Also in guten Momenten so wie Les Savy Fav und in schlechten Momenten ein bisschen nervig wie Deine Mutter. Cooler Scheiß.

ever/never records. Auf LP vor ein paar Tagen erschienen und zusammen mit den ersten beiden Alben für insgesamt nur 40$ zum Schnapperpreis. Oder einzeln für 20. Oder digital für 10. Hälfte Hälfte Hälfte. Wiehher bitte?

Class Tourists – R.Y.A./Genocide

Da komme ich wohl ein bisschen spät zur Party, würde ich sagen. Der Typ vom Cover und aus dem ersten Song ist ja schon abgewählt und aus der Downingstreet im hohen Bogen herausgeflogen. Ich bin nicht aktuell genug für die rasend schnelle Weltgeschichte und die rasend schnelle Musikszene, die darüber singt.

Naja, Genocide ist stets aktuell und geht immer und Hardcore Punk der Marke Class Tourists ist genauso zeitlos, nicht wahr?

OK. Nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen Touris (allerdings Singular) aus Sydney.

Noise Merchant Records. Die haben beide Songs auf eine Kassette gebügelt und noch zwei Lieder mehr drauf gepackt, damit sich das lohnt. Dazu gibt es noch einen kostenlosen Button und man spendet obendrein etwas für die M.A.P. (Medical Aid for Palestinians). Also bitte.