Spike Pit – Born 2 Suffer CS

Freunde, es geht weiter. Neue Woche, neue Aufgaben, neue Projekte. Alles spannend, spannend und wichtig, wichtig und volle Motivation bitte für die Sinnlosigkeit der allgemeinen Tastaturklopperei, die nun wieder in unnötigen Meetings besprochen und vereinbart wird.

Wenn es zu viel ist und der Stress der nutzlosen Arbeit zu stark ansteigt, einfach schnell aufs Klo und sich daran erinnern, wie man damals in der Dorfdisko lauthals zu Killing in the Name mitgeschrien hat und leise weinen, weil man auf einmal doch nur ein Rädchen im System ist und irgendwie jeden Tag tut what they fucking tell you. Dann aber zurück an den Schreibtisch!

Wie Spike Pit so schön sagt, vielleicht sind wir ja einfach geboren, um zu leiden. Dann seid Ihr auf jeden Fall auf einem guten Weg und hier an der richtigen Stelle, wenn Ihr die Frustration mit musikalischer Begleitung unterfüttern möchtet. Hardcore Punk aus Cleveland mit genug schlechter Laune in drei Songs für die ganze Woche. Macht was draus!

Tetryon Tapes & Serial Bowl Records. Ist schon im Juni erschienen, keine Ahnung, ob Ihr die Kassetten noch bekommen könnt.

Happy Dust Gang

Eine lustige neue Truppe aus dem Süden Londons hat sich zusammengefunden und spielt mit Post Punk herum. Die Happy Dust Gang ist mir irgendwann in diesem Monat in die Ohren gespült worden und ich fand die ganz interessant, hab sie dann aber über lauteren Lärm wahrscheinlich vergessen. Kann ja mal passieren. Das war der Song hier.

Ins Gedächtnis zurückgerufen wurde mir das Trio dann gestern, als sie mir einen neuen Song zugeschickt haben, dessen Titel ich ganz interessant fand. This Is My First Song In German. OK, warum? Mal anhören, ist vielleicht interessant.
Haha. Genau mein Humor. Und tatsächlich mit dem poppigeren Garage Synth Punk Anlauf auch ein leichter Sprung über die Geschmackshürde und noch interessanter als We Are Not Friends. Coole Truppe. Beobachten.

Keine Ahnung, ob ich das eigentlich jetzt schon veröffentlichen darf, der Song soll erst am 15. September erscheinen, aber bei der "Bemusterung" wurde nichts erwähnt und die Playlist ist auch nicht privat. Oi, Paul, Laura und Erin – Bitte verklagt mich nicht.

Und wo wir schon dabei sind – hier ist noch ein Song von gestern. Quasi Math-Rock, wenn man das mal wörtlich nehmen würde.

Also wenn das musikalisch nicht passen sollte, so ist die Band textlich auf jeden Fall ganz weit vorne. Mag ich.

Split System – Alone Again

Ich freu mich auf das Get Lost Fest, wenn ich die australische Invasion live miterleben darf. Aborted Tortoise, Mini Skirt, Bad//Dreems…Und mit dabei sind dieses Jahr auch Split System, die kürzlich erst ihr Debüt veröffentlicht haben und nun mit dem zweiten Album schon wieder vor der Tür stehen.

Man kann mit den Menschen von Down Under so wunderbar über die Folgen des Klimawandels sprechen, die kennen das inzwischen schon mit dem nicht mehr vor die Tür gehen, wegen ihres Ozonlochs überm Kopp. Vielleicht ist das ja das Geheimnis hinter den tausenden Megahits der Punk und Pub Rocker? Verbrannte Erde und verbranntes Hirn?

Hier auf jeden Fall noch ein weiterer Beweis. Spannend.

Das Album erscheint erst nächstes Jahr bei Goner, Legless und Drunken Sailor in den USA, Australien und Europa (So macht man das, Convulse Records – ich will meine GEL LP haben). Dauert aber noch ein bissl. Bis dahin ist Griechenland abgebrannt und eine völlig neue Musikszene steigt wie Phönix aus der Asche des Olymp. Da freu ich mich aber.

Helpful People – Brokenblossom Threats LP

OK, Leute, es wird gegegessen, was auf den Tisch kommt. Heute gibt es Jangle Pop, keine Widerrede.
Die Helpful People aus San Francisco waren so freundlich und stellen uns ein komplettes Album als Anschauungsmaterial zur Verfügung. Falls Ihr auch mit Covid aus Hamburg zurückgekehrt seit, kann diese Musik Euer Leben retten. Oder nicht. Was weiß ich. Aber will man das riskieren?

Entspannter und smoother Gitarren Pop mit Leuten von The Oilies und The Red Pinks. Das sagt mir jetzt nix, aber was heißt das schon. Die Stimmung passt zum langsam sterbenden Sommer und versüßt die letzten Tage mit angenehmen Außentemperaturen im Park oder beim Pilzesammeln. Ich glaub, ich kann sogar ein paar Regentropfen im Sound vernehmen. Tolles Album.

Burundi Cloud Music. Soll angeblich auf LP erscheinen. Jangle Pop soll angeblich auf Bob Dylan zurückzuführen sein. Der Sommer soll angeblich noch einmal mit Schwung zurückkommen in den nächsten Wochen.
"Der Anfang jeder Katastrophe ist eine beschissene Vermutung." Wusste schon Travis Dane in Alarmstufe: Rot 2 zu berichten.

Cool Sorcery / Da.Bear – God Inside A Human Machine Split

Was ist eigentlich mit den jungen Leuten los? Vor ein paar Jahren waren die alle noch bei der NASA angestellt und heute laufen sie arbeitslos mit Socken in Adiletten durch die Fußgängerzonen. Cool.
Apropos. Die brasilianischen Cool Sorcery haben eine Split Veröffentlichung mit den amerikanischen Da.Bear veröffentlicht und jeder der beiden hat 3 Songs beigesteuert, die man bequem in die Synth Punk Schublade räumen kann und dann bei passenden Gelegenheiten zur Hand hat.
Cool Sorcery sind bei diesem Split die ruhigere Band, das heißt also, Da.Bear hauen ziemlich auf die räudige Kacke und schreien Dich aggressiv an, Du seist nix ohne Technologie. Verdammte Scheisse. Nix! Wobei man ja streng genommen bei Technologie nur von der Wissenschaft spricht und nicht von den technischen Geräten, oder? Also Smartphone beiseite und Nase in ein Buch, ihr Lümmel. Ihr seid nix ohne die Lehre von der Technik!

Cool Sorcery sind natürlich nicht weichgewaschen worden, die haben einfach im Vergleich ein bisschen weniger Aggressivität und ein bisschen mehr Melodiegedudel im Angebot. Souverän wie immer. Beide Seiten des Splits eignen sich hervorragend für das kommende Wochenende und meine angehende sozialwisscenschaftliche Studie über die Verrohung der Jugend. Bin ein alter Mann, dachte, es ist an der Zeit.

„Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedene Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, dass sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, dass sie alt sind, und Junge begreifen nie, dass sie alt werden können.“ (Kurt Tucholski)

Corker – Falser Truth LP/CS

Na, wer von euch genießt die neue Corona-Infektion vom Get Lost Fest? Können wir die schon als eigene Variante bezeichnen, weil die sich im menschlichen Organismus ausschließlich von Punk Rock, Fischbrötchen und Jever ernährt?
Was dann wohl die äquivalente Variante aus dem Post Punk futtern würde? Rotwein und Haschisch oder Wodka und Mettbrötchen? Ich hätte hier zumindest einen guten Nährboden parat, denn heute ist die neue Corker LP erschienen und postiger wirds nicht mehr.

Die vier Jungs aus Cincinnati liefern mit der LP eine tolle Reise durch die Tiefen der kopflastigen Melodien und Rhythmen aus den latent anstrengenden Genres der letzten 60 Jahre ab. Deswegen klingt das dann auch so intelligent, da hat man viel drüber nachgedacht. Herausgekommen sind 8 Songs, die mehr zum Zuhören animieren als zum Tanzen oder Steine schmeissen, aber irgendwas müssen wir alten Herren und Damen ja auch noch mit Musik anzufangen wissen. Toll.

Feel it Records. Kommt auf ähm, ungefärbtem Vinyl und in schwarz. Fragt mich nicht. Wem das zu hippiemäßig erscheint, kann auch zu der Kassette greifen. In den USA bei Future Shock Recordings und in Europa bei Urticaria Records. Na dann.

Treeboy & Arc – Natural Habitat LP

Pünktlich zum Ferienstart in diesem Bundesland setzt auch das beschissene Wetter ein und die Vorfreude auf sonnenverbrannte Kinder weicht der Einsicht, dass mehr UNO als Beach Ball gespielt werden wird.
Die metaphorische Brandmauer ist vom Parteivorsitzenden eingetreten worden und die echte Brandmauer im Süden des Kontinents ist abgebrannt. Der passende Soundtrack dazu ist auch schon fertig abgemischt und liegt bereit.

Treeboy & Arc haben neulich ihr Debütalbum auf Schallplatte gepresst und servieren 9 sehr angenehme Post Punk Stücke, zu denen man lieber ein Glas Wein am Küchentisch als eine Dose Bier am Strand trinkt. Mehr Sprechgesang und Redekunst als Wutgeschrei oder Gesang. Mehr Gitarrenspiel als Akkorde und der Bass tritt so oft in den Vordergund, dass das BO seine Freude hätte. Schöne Melodien, tolle Platte.

Grünes Splatterschwarzvinyl. Dazu gibt es noch verschiedene andere Kaufoptionen über Longsleeve, Cap und Küchentuch bis zu T-Shirt und Digipack. Und alles zusammen und auf einmal. Heute habe ich gelernt, dass Küchentuch im Englischen ein tea towel ist. Charmant.

POLes – Pamplemoustique EP CS

Fans von dissonantem Noise Punk (hallo Groschi) werden ihre Freude an dem Tape von POLes haben. Die drei Franzosen verzichten so gar darauf, ihren dicken Klangteppich aus vertracktem Geschepper und verprügelten Gitarren mit unnötigem Gelaber zu spicken.
Das heißt, es ist eine instrumentale 4-Song EP, die sich wunderbar in den morgendlichen Stau auf der Stadtautobahn einfügt. Von verworren über verwirrt bis zu aggressiv könnte man die soundtechnischen Emotionen beschreiben, die jedes Lied durchleben muss, bis man sich zur lärmend-melodiösen Katharsis durchgekämpft hat. Cool.

Eigentlich schon digital im Jahr 2014 erschienen, aber für mich völlig neu. Und ich musste mir das schon allein wegen des Titels hier reinkleben. Hatte ich euch schon einmal erzählt, dass Pampelmusensaft in Kombination mit gewissen Medikamenten tödlich sein kann? Kein Scheiß. Death by Pampelmuse. Auch ein schöner Bandname. OK.

Tapes from the Crypt Recordings. Das Label aus Frankreich hat 50 grüne Kassetten bespielt.
Zu viel Knoblauch hingegen erhöht die Gerinnungshemmung des Blutes und lässt laufen. So gesehen eigentlich ein schlechter Schutz gegen Vampire, das hat wohl eher was mit dem Geruch zu tun oder so. Naja.

Knife Manual – Step 1. EP

Neue Band von und mit Ty Stranglehold. Knife Manual klingen ein bisschen so, als würden sie bei ihren Shows als Support Band proben, weil sie sonst keine Möglichkeiten haben. Zeit ist knapp, Geld ist knapp, Räume sind knapp, Instrumente hat man auch keine eigenen. Also Punk Rock mit Hardcore, zu dem man eigentlich nur skaten und pogen kann. Richtig gute 9 Songs für Fans. Beste Vorband, die Ihr je sehen werdet. Cake Jumper ist ein Hit.

Stiff Hombre Records. Logisch, ist ja Ty’s Label. Kommt auf 300 limitierten 7″s mit Siebdruckcover ins Haus geflogen.

Desborde / Incendiara – Split 7″

Neues Material von den Synth Punkern aus Buenos Aires. Zwei tolle neue Stücke von einer meiner Lieblingsbands aus Südamerika – Desborde – , die wieder einmal schlechte Laune machen und zum Krawall anstacheln. Weil die Lieder zu kurz waren, musste noch ein Spanischlehrer ein 30-sekündiges Intro einsprechen. Aber danach gehts ab, Alter.

Geteilte Freude ist halbe, nee, Moment. Äh, also die teilen sich die Single mit Incendiara. Also ich glaube, es sind dann die Crust Punker aus Buenos Aires und nicht die Pop Punker Madrilenen. Lassen wir uns von Discos Corrosivos überraschen, wo die 7″ auf Vinyl herauskommt.