Zu viel von Allem

Meine Güte, da passt man mal ne Woche nicht auf, weil man die neu gewonnene Freiheit per "Click-and-Collect" feiert und die ganze Zeit von Christ zur nächsten Herren-Boutique und zum Beate-Uhse-Shop läuft und schon haben sich im anderen Teil des Internets tausende musikalische Ergüsse angehäuft.
Sorry, aber das muss mal eben in einem Rutsch vorgestellt werden.

Sweet Reaper – Microdose 7″

Das Trio aus Ventura in Kalifornien ist offensichtlich recht fleißig und haut innerhalb eines Jahres bereits die dritte Veröffentlichung heraus. Auf der 7″ werden dieses Mal zwei Songs verwurstet, die nicht mehr auf das Debüt Album gepasst haben und zwei zusätzliche Schmankerl noch dazu, die wohl dann neu sind. Erst LP, dann 12″ und jetzt übermorgen ne 7″ auf Alien Snatch. Wenn es so weiter geht, kommt wohl demnächst eine Flexi.

Bakterie – S/T LP

Ziemlich schlauer Name für ne Band, wenn man bedenkt, dass es sowohl sehr viele negativen wie auch positiven Seiten von Bakterien gibt. Denkt man an Sardellen – puh, schlimm. Aber der ganze Kram im Darm? Voll gut und wichtig. Und so ähnlich ist auch die Debüt LP der Band aus Duisburg. Sehr viele persönliche und intelligente Texte ohne Zeigefinger und sehr viel guter Punk Rock, der manchmal ein bisschen kaputt getrommelt wird. 14 Songs in Eigenregie aufgenommen und demnächst auf Vinyl veröffentlicht. Sehr sympathisch.

Josephine & Hershguy – Stocky Tunes LP

Kaum zu glauben, was man zu zweit alles so im Studio zaubern kann. Die beiden Musiker aus New York City haben hier eine kleine große Sammlung von Glam Rock, Soul und Post Punk zusammengetackert, die ausnahmslos großartig ist. Also wenn ihr noch ein Album sucht, das man jeden Tag zu jedem Zeitpunkt hören kann, dann greift zu. Außer zum Schlafen. Das funktioniert in etwa so gut wie eine steife Prise Speed mit Kakao. Kürzlich auf LP bei Dig! Records erschienen.

Custody / Bear Away – Split

Die beiden Songs katapultieren Dich direkt über 20 Jahre zurück in die 90er, als Jan Ulrich noch Fahrrad fuhr und Marusha noch in den Charts over the rainbow stolzierte und die BiFi Carazza Markteinführung floppte, weil die BiFi-Roll unschlagbar war. Ugh. War nicht alles geil früher. Aber diese beiden Songs hier von Custody und Bear Away zeigen die guten Seiten der Grunge/Punk/Alternative Zeiten. Warum jetzt? Keine Ahnung. Warum Flexi weiß ich auch nicht. Müsst ihr mal Brassneck oder Disillusioned Records fragen.

REVV – AMUSIA CS

Aus einer Kleinstadt (Mount Gambier) im Süden von Australien kommt diese Ein-Mann-Band, also ein Mann, der den aktuellen Punk Rock Eiertanz-Sound des Kontinents ganz gut auf 4 Songs verteilt und damit mal eben den Rest der Welt ziemlich blöd aussehen lässt. Es kann so einfach sein. Kam vor ein paar Tagen auf Kassette bei Under Heat Records heraus und ist ausverkauft – die limitierte Version hat sich wohl die ganze Avantgarde des modernen Punk Rocks gekrallt. Oder sind es einfach Hipster?

Sweet Reaper – Sidekick LP

Nanu, da kommt aber unverhofft schnell Nachschub vom Reaper. Ich hab gerade erst die Texte und Tanzschritte vom ersten Album auswendig gelernt, da wird schon wieder neuer Zucker in eine formschöne 12″ Vinylscheibe gepresst.
Wie zu erwarten, ist auch diese Platte voll von tollen Melodien und kommt inklusive der Atmosphäre, die an die Leichtigkeit der Westküste Amerikas erinnert.
Kein Wunder, wenn die drei Leute der Band sich doch ausdrücklich für Ventura und gegen L.A. entschieden haben. Für den Strand und gegen die Großstadt. Für das Bier auf der Porch und gegen das Crack in der Gosse. Für das Lagerfeuer im Garten und gegen das brennende Ölfass vor dem Liquor Store. Ja, und das hört man.

Auch jetzt wieder erscheinen die 10 poppigen Garage Perlen bei dem Berliner Alien Snatch und ich glaube, damit hat das Label auch dieses Jahr gewonnen. Glückwunsch.

Fun Fact: Sweet Reaper haben sich benannt nach einem Tattoo des Gitarristen und Sängers, Seth Petterson, das einen Sensenmann zeigt. Er stand wohl in einer Schlange im Liquor Store und hinter ihm hat ein Typ nur gemeint, "Hey Man. Sweet Reaper!"

Sweet Reaper – Closer Still LP

Ich hab mich noch nie gefragt, wie wohl die genialen Hex Dispensers und auch Marked Men/Radioactivity klingen würden, wenn sie nicht in den stickigen, versifften und MAGA-verseuchten Großstädten Texas' ansässig wären, sondern hin und wieder mal ein bisschen Pazifikluft schnuppern und Wellenreiten könnten.
Und trotzdem sind Sweet Reaper mehr als nur die Antwort auf eine nicht gestellte Frage. Kalifornischer Power Punk Pop n' Roll Garage Surf, der richtig viel Spaß macht und den ich mir jetzt auf ne CD für den Discman gebrannt habe, damit ich damit am Maschsee schön Kiten Inliner fahren Bier trinken kann. Geil.

Das Artwork ist auch toll. Naja. Nee, eigentlich find ich das ziemlich gruselig. Aber man soll ja nicht von der Form auf den Inhalt schließen.
Falls euch Massenger gefallen – da sind 2 Leute mit dabei.
Hurra, Sommer.

Die Platte gibts seit 2 Wochen bei Alien Snatch. Ziemlich gutes Jahr für das Label bislang, ne? Verkackt es nicht!