Hög – True Romance EP 7″

Guten Morgen, liebe Azubis. Heute fängt der Ernst Rest eures Lebens an und mit dem üppigen Gehalt könnt ihr bestimmt in 2-3 Jahren bei Mama und Papa ausziehen. Grund genug also, ordentlich feiern zu gehen und heute Abend anderen Leuten beim Trinken zuzuschauen. Passende Musik dazu liefern Hög aus Christchurch in Neuseeland.

Die vier Lieder sind irgendwo anzusiedeln zwischen Pub und Punk Rock und passen hervorragend zu einem frustrierten Abend voller Kündigungsgedanken. Haltet durch, ohne euch sind wir alle am Arsch.

Shipping Steel Records. Kann man auf recyceltem Vinyl bestellen. 200 Stück gepresst und vielleicht schaffen es auch ein paar davon nach Europa. Der Film ist toll (jaja, bis auf die widerliche Prügelszene, seh ich auch so).

Head Wound City – A New Wave Of Violence LP

Nur Enttäuschungen, wohin man sieht. Bei den Olympischen Spielen ist die Seine so dreckig, dass die Triathleten alle darin sterben werden und deshalb gibt es die Medaille diesmal ohne Schwimmen. Also quasi Biathlon, oder so.

Die Auswahl an den Jugendwörtern des Jahres wird auch immer unlustiger, was soll denn bitte "Pyrotechnik" im Sprachgebrauch von "Digga" und "Hölle Nein" zu suchen haben? Und warum wird "Yolo" noch mal vorgeschlagen? Nur, damit der bekackte Bubble Tea, den wir doch eigentlich überwunden hatten, wieder abverkauft werden kann? (Zu Erläuterung der Bedeutung des Vorschlags gilt der Satz "Gestern mein ganzes Gehalt (sic!) für Klamotten und Bubble Tea ausgegeben. Yolo."). Lustig.

Könnt ihr euch noch an the Locust und die Blood Brothers erinnern? Das waren doch die Speerspitzen der etwas seltsameren Hardcore Bands. Sympathisches Chaos hätte man das auch nennen können. Glücklicherweise haben Leute von denen jetzt mit anderen Leuten von den Yeah Yeah Yeahs zusammengefunden und eine Supergoup gegründet, die wahrscheinlich mehr Musiktheorie im Proberaum versammelt als die meisten Prog Rocker jemals vergessen könnten.

Und tatsächlich ist bei dem Debüt Album von Head Wound City zwar eine Mischung aus Hardcore, Noise Rock und vertracktem Gedöns herausgekommen, aber das alles so gut zusammen verquirlt, dass es eine wahre Freude ist. Geiler Scheiß aus Losa Angeles.

Three One G. Auf LP erschienen und bestimmt bald auch in Europa zu erhalten. Das ist eh Sound für erwachsenere Ohren, die haben ja ein bisschen mehr Geduld als diese verrückten jungen Leute, die immer alles sofort zur Verfügung haben müssen. Gammelfleischparty mit meinen Altersgenossen, yay.

Worn Down Thread – Overpromised And Underdelivered LP

Lasst euch nicht vom Cover täuschen, die 4 Burschen aus Hamburg sitzen höchstwahrscheinlich genau jetzt nicht bei Keks und Kuchen um die Häkeldecke, sondern bei Bier und Zigaretten um die brennenden Skateboardreste in der Öltonne.

Das wäre ein authentischeres Cover, um sich ein Bild von der Musik zu machen, die Worn Down Thread hier auf ihrem Debüt Album runterrotzen. Schön schnodderiger Punk Rock mit Baseballkappen und Spitzinami aus der Schulpunkerzeit. Jung, naiv, politisch korrekt ("hate all shit-ism") und super viel Spaß dabei. Also so, wie Du und ich vor 30 Jahren. Haha.

Stupid Idea Records. Neues Label aus Hamburg, ebenso sympathisch und mit genügend Rücklagen, um das Album auf rotem und schwarzem Vinyl zu veröffentlichen.

Delivery – Digging The Hole

Wie hat Billiam so schön gesagt? "I’d rather be a the Delivery concert." Ich auch.

Eine weitere Rock Perle aus Melbourne, die den Weg aus den versoffenen Pubs Australiens heraus in die versoffenen Konzertsäle Europas geschafft. Gratulation!

Draft Dodger – S/T CS

Da muss irgendwo eine Blaupause für krachigen Hardcore Garage Punk in Hattiesburg, Mississippi vergraben sein, die ins Trinkwasser versickert ist und sämtliche Kids der Stadt infiziert hat. Anders kann ich mir das nicht erklären, dass auch Draft Dodger ein solch wunderschön krachiges "Album" in die Welt gekotzt haben.

Mit Leuten von Primitive Fucking Ballers und Clean Needles kann man auch nichts Anderes erwarten . Naja, man könnte zur der Veröffentlichung allerdings auch Demo sagen. Nichtsdestotrotz mit Judy And The Jerks zu vergleichen und für Fans die beste Medizin gegen Regen am Freitag und schlechte Laune auf der Autobahn.

Zutreffenderweise hat ein Kommentator die Musik als "Shittyfantastic" bezeichnet. OK.

Youth Group Tapes. 6 Songs auf Kassette erschienen. Wehrdienstverweigerer werden bestimmt auch bei uns in Zukunft wieder Konjunktur haben und die Band ist somit auf dem guten Weg, den Soundtrack für eine ganze Generation zu liefern. Ich hab damals noch heimlich unter der Decke "Ausgebombt" gehört, um nicht von den Feldjägern erwischt zu werden.

The Real Rejects – Not Allowed 10″

Endlich mal wieder eine formschöne Vinylschallplatte auf der Originalgröße von 10″. So, wie Gott Emil Berliner es geplant hatte. Passend dazu auch der formvollendete Rock’n’Roll Punk Rotz von TJ Cabot in einem neuen Gewand namens The Real Rejects. Kanadas schnellste Orgel, dreckigstes Schlagzeug und lauteste Gitarre vereint in einer neuen Band um die fleischgewordenen Verzerrer-Stimmbänder von Tyler Boutilier.

9 Songs für die Schulabbrecher in der letzten Reihe. Cooler Scheiß aus Moncton, Kanada.

Alien Snatch Records. Bunt gemischte Farben aus der Punker Garage in 10″ Vinyl gepresst. Feine Sache.

Et On Tuera Tous Les Affreux – Tu Veux Du Sale, Tiens En Voilà CS

Zu langer Titel. Hab mich mit dem Tippen verausgabt. Hier, französischer HC aus Caen in der Normandie. Mit Gitarrenwänden, Blast Beats und einer angepissten Frauenstimme aus der normannischen Tradition der schlechten Laune. Et On Tuera Tous Les Affreux haben letztes Jahr bereits diese 6 Songs für den olympischen Weltuntergang veröffentlicht, aber ich hab das jetzt erst gefunden. Toll.

Genau der richtige Soundtrack, um die Fackel- und Fahnenträger mit vollgepissten Wasserbomben abzuwerfen!

Different Kitchen Records. Ist neulich dort auf Kassette erschienen. Kann man aber auch kostenlos digital anhören und über seinen Französischunterricht nachdenken. Merci.
Beim näheren Betrachten bin ich mir nicht mal so sicher, ob man ohne Weiteres Wasserbomben vollpissen kann. Naja, kommt auf einen Versuch an.

Gimic – Demo 2024 CS & We Are Making A New World 7″

Muss ich mir hier reinkleben wegen Kuriosität. Erinnert ihr euch an den tollen Song "Sacred Love" von den noch tolleren Bad Brains? Ja, genau, der Song, bei dem H.R. den Text aus dem Knast per Telefon eingesungen hat. Kurios.

Mich hat der Beipackzettel vom neuen Demo der englischen Band Gimic aus Bristol nur daran erinnert. "Everything recorded live at the practice room except for the backing vocals on Cherry Bomb which were recorded down the phone from the pub." Sympathisch und heutzutage wohl auch ne Rarität, wo gibt es schon noch Festnetz?

Rock ’n' Roll Punk auf Bier ausgerutscht und mit Scherben verschluckt. Ganz geil.

Wenn ihr keinen Bock mehr auf leiernde Kassetten habt, dann könnt ihr auch eine zerkratzte Vinyl Scheibe von der Band bestellen. Die ist druckfrisch erschienen und bietet noch einmal 3 neue Songs, die zwar alle mit einem ordinären Mikro eingesungen wurden, aber trotzdem krachig genug für die Punk Rock Schublade sind.

Crew Cuts Records. Auf blau und schwarz erschienen. Nettes Gimic.

THE EASTIE RO!S – Das Braune Album LP

Die Spaßvögel von den EASTIE RO!S aus Berlin haben wieder in der Bastelstube zu viel Gras geraucht und sich offensichtlich tagelang nur von den Beatles ernährt. Was dabei herausgekommen ist, klingt nicht unbedingt nach den Pilzköpfen, sondern vielmehr nach zeitgenössischem Deutschpunk (oder ist das deutschsprachiger Punk Rock?), der sich gar nicht so schäbig und dreckig anhört, wie das die Band vielleicht manchmal gerne hätte.

Poppig, eingängig und eher in der mit Heuballen ausstaffierten Dorfdisco als auf der Straße zuhause. 12 Songs und ein paar zerquetschte, die irgendwie mehr Moll haben als frühere Veröffentlichungen, aber es sind ja auch furchtbar traurige Zeiten. Tolles Album, Secret Love ist ein Hit, aber das ist ja nur die halbe Miete.

Das komplette Artwork inklusive des Titels ist vom weißen Album der Beatles geklaut. Nur in Braun. Der Schrifttyp Helvetica, die Prägung, der Winkel (!) die Porträtfotos (leider nicht als Postkarten), die halben Tomaten auf den Labels statt des Apfels und obendrein noch die Auslaufrille mit der Hommage an den "Number Nine" Loop aus "Revolution 9" (die EASTIE RO!S wiederholen "Vier", bis man aufsteht und den Scheiß umdreht – das könnte im übrigen eine Anspielung darauf sein, dass das White Album das neunte der Beatles war und dieses braune Ding hier das vierte volle Album der EASTIE RO!S?)…alles mit viel Liebe nachgeahmt und das ist auch wirklich schön geworden. Da ist es auch egal, dass die Nummerierungen auf dem Cover fehlen. Man weiß halt nur wieder nicht, was das eigentlich soll? 🙂

Tomatenplatten. Das Album lohnt sich auf LP. Nicht nur für Beatles Enthusiasten. Es muss ja nicht immer alles Sinn ergeben.

White Collar – S/T LP

Was man so alles in 2 Minuten machen kann. Zähne putzen, ähm. Ähhhh. Vokabeln lernen. Hm. Ich hab früher in der 5 Minuten Pause eine ganze Zigarette geschafft, vielleicht würden junge Leute heute in zwei Minuten ein Fläschchen Kokos-Sirup vapen (oder was da sonst so drin ist).

Joey "Jaws" Chestnut hingegen hat in 10 Minuten 76 Hot Dogs gegessen, also würde er wahrscheinlich in zwei Minuten mehr als 15 Stück schaffen. Steven Proto hat in einer Minute läppische 102 Kllimmzüge geschafft, das heißt also, man könnte ca. 200 Stück in zwei Minuten hinbekommen, wenn man nicht den ganzen Magen mit Hot Dogs vollgestopft hat.

Naja, man könnte auch einfach nur die ersten beiden Songs vom Debüt Album der kanadischen White Collar aus Victoria anhören und hätte nach der einen Minute und 54 Sekunden dann noch Zeit für ungefähr einen Hot Dog und 10 Klimmzüge. OK.

Hardcore Punk der feurigen Art aus British Columbia, der ein bisschen so klingt wie Headcheese und Bootlicker, weil da Leute von Headcheese und Bootlicker mit dabei sind. Das ist aber zum Glück nicht einfach nur eine Kopie einer Kopie, sondern mindestens durch den grandiosen Gesang von Loosey C. etwas Eigenständiges und genau das Richtige für ein Wochenende voller Rekordversuche. Viel Erfolg.

Static Shock Records. Auf orangenem Vinyl beim Label, auf blau bei der Band. Farblos im Internet. Ich will ja niemanden unter Druck setzen, aber die Rekorde für das schnellste Trinken eines Bieres (500 ml) oder Pints (568 ml) liegen schon über 40 Jahre zurück. Peter Dowdeswell und Steven Petrosino sind hier die Rekordhalter (1,3 Sek. und 0,45 Sek.).
Warum sind das eigentlich alles Männer?