TV Drugs – FFO Everything Terrible CD/CS

Schönes Punk Album von den TV Drugs aus Cleveland, Ohio. Mehr ist das nicht, zum Glück – endlich mal wieder einfach nur ein richtig gutes Punkalbum.
Das ist die beste Musik für schlechte Laune, die Spaß macht. Oder umgekehrt.
Das ist seichte Aggression in krachiger Melodie und sanfter Lärm in Bierschaumsoße. Großartig.

Die CD kann man in England bei dem tollen Label Serial Bowl Records bestellen, aber wegen des Brexit drehen die Compact Discs™® jetzt andersrum als im Rest Europas, die Schweine. Vielleicht dann doch lieber das Tape aus den USA bei So This Is Progress Records ordern?

Wenn ihr die Schnauze voll habt und euch mal wieder richtig schön anschreien lassen wollt…bitte.

Kann das mal jemand auf Vinyl machen? Das Cover sieht so kacke aus, das hätte ich gerne in groß.

Chain Whip – Demo 2020

Wie ist das bei Euch eigentlich passiert, dass Ihr auf einmal Punk wurdet? War Euch das quasi in die Wiege gelegt, weil die Eltern entweder Hippies oder Bankiers waren, gegen die man dann zeitgemäß mit Punk rebellierte?
Oder seid Ihr eines Morgens aufgewacht und habt in den Spiegel gesehen und gedacht: "Nee, heute nicht kämmen, nicht schminken, Zähneputzen kann man auch mit Bier, ich bin jetzt Punk, Alter"
Ich musste kürzlich nur daran denken, dass es so einen Knackpunkt in meiner Kindheit gab, ab dem ich in die richtige Richtung gestoßen wurde.

Grundsätzlich ist es ja auch eine interessante Frage, ob man ein geistiges Fundament für Punk Rock benötigt, oder ob man durch das bloße Hören von der Musik zum Punk wird. Schwierig. Das besprechen wir ein anderes Mal.

Jedenfalls kam irgendwann als ich so 6 oder 8 war mein bester Freund zum Spielen vorbei und ich machte ihm die Tür auf. Ich bemerkte einen roten Fleck auf seinem Pullover und fragte ihn, ob es Nudeln mit Tomatensoße zum Mittag gegeben hätte und er fragte verwundert zurück, woher ich das wüsste. Daraufhin zeigte ich auf seinen Pullover und er erwiderte nur achselzuckend, das könnte ja auch von gestern oder vorgestern sein.

Ich war schockiert. Bin ich doch auf Sauberkeit und Ordnung geeicht und musste penibel darauf achten, was die anderen Leute so von mir hielten.
Diese Freiheit, mit einem dreckigen Kleidungsstück nicht nur einen Nachmittag, sondern womöglich mehrere Tage herumzulaufen und darauf zu scheißen, war mir völlig fremd und mir eröffnete sich eine gänzlich neue Welt.
Eine Welt, in der man tun konnte, was man wollte, egal, was die anderen Leute dann von einem dachten. Wow. Großartig!

Leider machten mir meine Eltern schnell einen Strich durch die Rechnung, aber der Stein des Anstoßes rollte unaufhaltbar in Richtung Pubertät und Punk. Ich glaube, damals habe ich beschlossen, nix auf die Meinung anderer zu geben.

Leider hab ich das bis heute nicht geschafft, aber in so manchen Situationen denke ich heute daran zurück, wie mir mein Freund mit einem simplen Achselzucken eine neue Welt offenbarte. Danke.

Ach so. Chain Whip sind sehr gut. Neues Demo:

Der Grund, warum ich da mal wieder dran denken musste, sind meine Kinder, denen ich hundertmal am Tag sage, dass sie nicht so mit dem Eis kleckern sollen.

Color TV – S/T LP

Ich weiß ja noch einigermaßen genau, wann wir damals unseren ersten Farbfernseher bekommen haben. Irgendwann Ende der 80er muss das gewesen sein. Ich glaub, meine Eltern haben mit uns bis dahin auch kaum das alte s/w Gerät genutzt. Man kann ja auch Sticken oder Puzzeln oder Computerspielen, haha.

Auf jeden Fall war ich sehr enttäuscht, dass es immer noch s/w Sender gab. Das blöde DDR Fernsehen wurde nicht in Farbe ausgestrahlt und so projizierte man eigentlich auch ein recht realistisches Bild von Ostdeutschland in unsere Kinderköpfe – alles grau. Hier hat die Erfindung des Farbfernsehers also nicht viel geholfen – aber grundsätzlich muss das eine Offenbarung gewesen sein, wenn man so drüber nachdenkt. Plötzlich die ganze bunte schöne Welt im Wohnzimmer zu haben. Sensationell.

Ganz so revolutionär würde ich die Band nun nicht unbedingt anpreisen, aber um im Bild zu bleiben: sie sind auf jeden Fall farbenfroher unterwegs als viele ihrer schwarzweißen Genre Kollegen. Puh, etwas angestrengtes Bild. Na, egal.
Color TV aus Minnesota (Twin Cities) und Oregon (Portland) machen auf jeden Fall mit ihrer Punk Rock Garage Pop Mischung á la Marked Men und Steve Adamyk Band alles richtig, was man in diesem Genre so richtig machen kann. Super Melodien von den Gitarren runtergeschrammelt, eingängiger Gesang, der sofort im Ohr bleibt und alle Songs zum potentiellen Hit werden lässt und natürlich ein zuckender Bass, der mit einem straight-scheppernden Schlagzeug das ganze Wunderwerk rhythmisch zusammenhält. Hier gibt es 9 ziemlich perfekte Pop Songs unter 2 Minuten zu bestaunen. Und einen Hit des Albums, der tatsächlich 3 Minuten dauert (Pale and Vicious), gibt es noch dazu.

Ist bereits letztes Jahr im Oktober bei Deranged erschienen und erfrischenderweise auch auf Vinyl erhältlich. Komisch, bei diesen Zeiten des Revivals von Kassetten hätte ich von so einer Band eigentlich ein komplettes Album auf VHS erwartet, aber vielleicht kommt das noch.

Telecult – Don’t Talk

Erinnert sich noch jemand an diese französische Band, die ich vor ziemlich genau einem Jahr hier wegen ihrer tollen 7″ abgefeiert habe? Ja? Perfekt, das erspart mir Arbeit. Nein? Dann hier.

Die Jungs von Telecult haben sich auf jeden Fall nun zurückgemeldet und ihr Album "Phases" angekündigt, das ich damals schon angepriesen hatte. Aber da kamen wohl ein paar Besetzungswechsel bei der Band dazwischen und nun sind sie (fast) soweit, 10 Songs auf die Menschheit loszulassen. "Gut Ding will Weile haben", zieht man da als Ausrede heran.

Das Cover sieht zwar so aus, als hätte jemand Angst vor knalligen Farben und wirkt eher wie eine Design-Studie zum Thema "Kopfschmerzen", aber vielleicht hat das auch einfach nur ein Kleinkind mit MS-Paint zusammengeschraubt. Ist ja auch nicht so wichtig – der Song, den man schon einmal hören kann, ist dafür wie zu erwarten ein schönes, poppiges Kleinod namens "Don’t talk" und kann überzeugen.
Ja, es ist affig, nur einen Song bei Bandcamp zu veröffentlichen. Ja, es dauert noch ein halbes Jahr, bis das Album rauskommt. Nein, das ist mir scheißegal.

Ditches – The Taste/1000 Elephants/Demo

Es gibt ja so Bands, bei denen fällt es wahnsinnig schwer, einen adäquaten musikalischen Vergleich zu finden. So Bands, die einfach total eigenständig und mit nichts Anderem in Verbindung zu bringen sind. Einzigartig! Unvergleichlich!

Ditches ist nicht so eine Band. Die 4 Schweden aus Stockholm bemühen sich bereits seit knapp 1 1/2 Jahren, die europäischen Marked Men zu sein. Und ich meine das überhaupt nicht böse, denn sie schaffen das locker. Und bei so viel Ähnlichkeit kann man auch nicht von einem Versehen sprechen, ne? Ist ja höchstwahrscheinlich nicht so, als ob die Kerle in den Proberaum gegangen sind und nach 5 Bier und 10 Songs auf einmal gemerkt haben, "Mist, wir klingen ja 1:1 wie diese mega bekannten Texaner. Ach, das merkt schon keiner."

Das wird ihnen natürlich immer nachgesagt werden: "Ihr klingt ja genau wie…und ist das nicht ein bisschen billig?" Nein. Sonst würden es ja alle machen, weil es geile Musik ist und so simpel klingt. Aber da steckt eben doch mehr Talent hinter, als man denkt. Sag ich jetzt mal so.

Vielleicht haben Jeff Burke und Mark Ryan deshalb auch ihre Finger mit im Spiel? Zumindest haben sie gemeinsam die 1000 Elephants gemixt und gemastert; die beiden neuen Songs aus dem Februar (The Taste) dieses Jahres hat Jeff Burke alleine optimiert. Sensationell – könnte eine neue Marked Men Single sein. Kommt demnächst auch auf Vinyl raus, jetzt erst mal nur digital.

Wann kommt die LP? Ich nehm zwei.

Hier die erste Single, die man auch auf Vinyl kaufen kann. Letztes Jahr in Eigenregie veröffentlicht. Auch voll gut!

Das Demo ist im übrigen auch super. Na gut. Dann baller ich das hier auch noch rein. Bonus:

Mike Krol – Power Chords LP

Es sieht so aus, als würde mich Mike Krol mit seiner 4. Platte dann doch noch hinterm Ofen hervorlocken. Dort hatte ich mich nach seinem ersten Release (I hate Jazz) im Jahre 2011 verkrochen, weil es doch alles sehr nach einer schwächeren Jay Reatard oder Brat Farrar Platte klang. Und das braucht ja kein Mensch – also ab hinter den Ofen.

Mit Power Chords legt der gute Mike nun eine sehr melodische Power Pop Punk Fuzz Rock Platte hin (ich hab Garage vergessen), die man zwar wegen des omnipräsenten Fuzz-Faktors auch wieder mit oben genannten Personen vergleichen kann, aber das Album hat einen treffenden und schönen Titel und auf dem Cover sitzt ein blutender Mike im rosa Hemd mit einer babyblauen Gitarre auf einem wiederum rosa bezogenen Bett. Außerdem ist das Album doppelt so lang wie sein letztes (Turkey – 18 Minuten). Und so blöd das klingt, irgendwie ist das Album erwachsener oder reifer als der Rest seiner Sachen. Die Melodien bleiben im Ohr, die Texte sind depressiv genug. Das muss reichen, denn ansonsten ist wirklich nicht viel Neues hier zu entdecken. Aber warum auch?

Eine Mischung aus The Strokes, Jay Reatard und vielleicht sogar ein bisschen White Reaper ist immer gut, da rennt man bei mir offene Türen/Ohren ein. Auf Dauer nervt jemanden vielleicht mit einem zart besaiteten Ohr der Drang, alles maximal zu verzerren, was nicht bei 3 auf den Bäumen oder hinterm Ofen verschwunden ist. Vor allem der Gesang könnte hin und wieder mal glockenklar über den ganzen Fuzz-Matsch erklingen. Aber wer hier hat zart besaitete Ohren? Na also.

Gedanken zu Produzenten

Ganz ehrlich? Ich hab mich selten mit den Produzenten von Punk Alben auseinandergesetzt. Pfft, ich hab meistens gar keine Ahnung, wer die LP abgemischt hat, die ich da grade höre. Keine Ahnung, warum das so ist, aber in Sachen Punk Rock war doch eigentlich der Sound einer Platte fast zweitrangig und ein Namedropping von irgendwelchen dicken Soundmenschen eher unangebracht.

Ausnahmen sind dabei vielleicht die Produzenten Steve Albini und J. Robbins, die mich allerdings zunächst als Musiker begeistern konnten. Ansonsten hätte ich die wohl erst sehr viel später auf dem Schirm gehabt (naja, um Albini kommt man wohl kaum rum). Eine andere Ausnahme sind fast alle Dischord Sachen, weil bei den über 160 Veröffentlichungen fast immer Don Zientara als Produzent drauf steht, da fällt es schwer, das nicht mitzubekommen.

Inzwischen ist es aber ganz normal, dass man im Zuge einer Neuerscheinung auch immer den Typen (gitbs da eigentlich auch Frauen in dem Geschäft?) hinter den Reglern erwähnt und ein bisschen damit wirbt, was der fabelhafte Mann noch so für Bands abgemischt hat. Ich merke dabei immer, dass ich von Sound keine Ahnung habe, denn ich frag mich des öfteren, wie viel ein Produzent an der Qualität einer Punk LP ausrichten kann. So ist meiner Meinung nach die New Day Rising von Hüsker Dü sagenhaft scheiße abgemischt, aber ein sensationelles Album. Im Gegensatz dazu gibt es unzählige Beispiele an sauber produzierten LPs, die jedoch komplett nichtssagend (dadurch) sind.

Recess Sommer Sampler

peeinpoolsDas feine Label von Herrn Congelliere (Toys that Kill, Underground Railroad to Candyland, uvm.) hat vor einem Jahr bereits einen kostenlosen Sampler auf der Seite bereitgestellt, den ich jetzt einfach mal hier anpreise, da ohnehin grad nicht viel los ist und der Mix ganz gut zur Hitze passt. Der Titel sowieso.

Hier könnt Ihr den Sampler mit Songs von Audacity, Arrivals, Bananas und einigen anderen runterladen. Viel Spaß beim Schwitzen!

Neue Red Dons EP

Mitte August wird wohl ne neue EP von den fabelhaften Red Dons auf Grave Mistake mit dem Titel Notes on the Underground erscheinen. Vorher spielen sie noch ein paar Konzerte mit den Night Birds und Blake Schwarzenbach. Ich wohn in der falschen Stadt.

Vorab gibts schon einen der Songs hier im Stream und man wird nicht enttäuscht sein, wenn man die Observers oder eben die Red Dons mag. Auch mit dem Artwork bleiben sie sich treu. Super Sache.

Night Birds – Born to Die in Suburbia

Falls Ihr es noch nicht mitbekommen haben solltet, die fantastischen 4 Jungs von Night Birds haben eine neue LP draußen. Seit heute!

Das Album trägt den schönen Titel "Born to Die in Suburbia" und knüpft relativ nahtlos an das grandiose Erstlingswerk "The Other Side of Darkness" aus dem Jahr 2011 an. Vielleicht klingen die neuen Sachen ein bisschen mehr nach Hardcore, aber der unverkennbare Surfsound der Gitarre, der die Band so auszeichnet, ist natürlich auch hier, neben dem brillant wütenden Gesang, das hervorstechendste Merkmal.

Nach einem kurzen Intermezzo auf Fat Wreck ist auch diese LP, wie das Debutalbum, bei Grave Mistake erschienen und hierzulande bekommt man es von Taken by Surprise. Genug der Worte – Hört es Euch an…