White Reaper – Only Slightly Empty LP

Neues von dem Ende der Wurst. Und von dem anderen auch. Insgesamt 12 EU-Länder möchten erreichen, dass man nicht mehr diese wahnsinnig irreführenden Begriffe wie Sojasteak oder Veggie-Burger verwenden darf, weil man damit ja echte Steaks aus Gammelfleisch und echte Burger-Patties aus traurigen Kuhaugen verwechseln könnte.

Und das wäre schlimm, sagen die Schweinebauern. Europas höchste Konsumentenschutzbehörde spricht sich allerdings gegen eine Verschärfung aus. Spannende Zeiten.

Andere Neuigkeiten. White Reaper sind jetzt auf Blue Grape Records gelandet und bringen im September ein neues Album raus. Das letzte Album ist erst zwei Jahre her, war auf Elektra und teilweise mit Metalriffs und Solis ausgestattet, bei denen das neue Label wohl hellhörig geworden ist. Vielleicht bedeutet der Weggang von Elektra, dass die LP-Preise nicht bei 40€ starten, mal sehen.

Wen interessiert sowas eigentlich? Indie Rock Pop einer Band, die vor 10 Jahren mal Ohrenwürmer am Fließband produziert haben und heute ein bisschen alt und ausgepowert klingen. Ich. Ich interessiere mich dafür, wenn ich nicht gerade in Fachzeitschriften der Fleischindustrie blättere und die geschmackvollen Werbeanzeigen ablecke. Einfach geschmacklos, der Typ.

Blue Grape. Im Moment digital bei Bandcamp vorbestellbar, aber für den einen Song investiere ich noch nicht mein Taschengeld. Dann warten wir mal bis September und schauen uns die vielen Farbvarianten der Vinylscheiben an. Wieso darf man eigentlich noch solch irreführende Begriffe wie "Bärchenwurst" und "Fleischtomate" verwenden. Man ist ja als Konsument total verunsichert. Schlimm.

Habit – Peer Impact Demo CS

Ist das Ressourcenverschwendung oder Punk? 13 Sekunden "Song" auf Kassette. Aus dem Jahr 2016. Auf der B-Seite hört man 10 Minuten Klimaaktivisten weinen.

Slow Death Records. Ich versteh den Witz nicht.

Sekunderna – Hits LP

Wie weit in den Norden muss ich eigentlich auswandern, um diesem Klimawandel zu entfliehen und erträgliche Temperaturen tags- und nachtsüber anzupeilen? Reicht Umeå da schon? Ich mein, das liegt ungefähr auf der Höhe von Fairbanks in Alaska und Reykjavik auf Island – kennt man beides nicht unbedingt als Glutnester.

Ich frage ja nur, weil ich dann zumindest auch noch gute Musik vor Ort genießen könnte und mir an kalten Tagen das Herz mit original schwedischem Power Pop Garage Punk erwärmen kann… Beweisstück B: Sekunderna’s neue LP. Nur Hits, will uns der Titel glauben machen, aber ich kenne die alten Sachen, also ist das nicht übertrieben. Momentan kann man 2 von 11 Hits schon einmal vorhören und sich mental auf 12°C und Regen einstellen. Herrlich.

Fika Recordings (UK), Bloated Kat Records (US) und irgendjemand in Schweden – fragt im Zweifel einfach die Band, die sind nett. Kommt auf limitierter Vinyl LP raus und im Sommer touren die Jungs durch den heißen Teil Europas. Cool. Hot.

Rockdogs – Mixtape CS

Habt ihr das auch bei der Tagesschau gelesen, dass jedes vierte Kind in einer kinderreichen Familie lebt? Hat mich jetzt nicht so umgehauen, die News.

Ich dachte, na klar, wenn man schon drei Kinder hat und dann kommt das vierte hinzu, dann isses ja klar, dass es sich um eine kinderreiche Familie handeln muss. Oder fängt das erst bei fünf Kindern an? Reichtum ist so schwer zu beziffern, ne?

Apropos. In Melbourne haben die Menschen unterdessen einen gewissen Reichtum an überdurchschnittlich tollen Bands angehäuft und können es sich leisten, aus den Musikanten ein komplettes Fußballteam zu gestalten, das dieses Jahr, um genauer zu sein letzte Woche, tatsächlich den Reclink Community Cup gewonnen. Ich werde da nicht ins Detail gehen, schaut euch den Kram mal an, sieht nach einer richtig tollen Sache aus, die offensichtlich auch viel Freude bereitet.

Und naja, nebenbei gibts da eben auch tausend coole Leute aus tausend coolen Bands, die dann zur Feier des Tages und für einen guten Zweck ein Mixtape veröffentlicht haben. 38 Songs. Ich wette, ihr kennt nicht jede Band und ich wette noch dazu, dass ihr hier einen neuen Liebling findet. Rock, Punk, Indie, taralalal. Toll.

Roolette Records. Auf Kassette erschienen (und ausverkauft) und ausgewählte Songs auch auf einer LP, aber die gibts nur in Australien. Ich bin ein bisschen verwirrt, was jetzt Football bei denen bedeutet. Sieht doch irgendwie nach Rugby aus, aber was weiß ich schon von Sport. Go Rockdogs!

Cruelster – Make Them Wonder Why LP

Eine neue LP von den wahninnigen Cruelster aus Denver ist im Anmarsch. Zwar kann man erst einmal nur einen Song davon hören, aber wenn alle 21 Lieder ähnliche Energie versprühen, ist der lethargische Sommer ab-und Zappeln bis der Kreislauf kollabiert angesagt.

Convulse Records. Erscheint Mitte Juli auf LP und vielleicht auch in Europa mit einer Verzögerung zu bekommen, könnt ihr also noch ein bisschen länger herumfläzen.

Negative Charge – S/T 12″

Wer hat in der Schule aufgepasst und kann mir sagen, welcher Bestandteil eines Atoms negativ geladen ist? Oder meinen die Burschen aus Winnipeg hier etwa die Abbuchung auf einer Kreditkarte? Ich glaub, so funktioniert Englisch nicht, aber in meinem Kopf ist das ein halbes Teekesselchen. Aha.

In der echten, harten Welt geht es aber um die Band Negative Charge aus Kanada, nicht die aus New York – dort ist man direkt so negativ aufgeladen, dass man Powerviolence braucht – unsere kanadischen Freunde hingegen begnügen sich mit ordentlichem Hardcore der brutaleren Spielart, der aber immer noch genügend Melodien in den Seitentaschen versteckt hat, dass man bei der Flucht vor dem Kaufhausdetektiv nicht vom Skateboard fällt.

Super eingängiger Hardcore Punk mit allen Stilmitteln gewaschen und perfekt in den Sommeranfang passend, wenn wir am längsten Tag des Jahres unsere Nachbarn mit dem Gestank und Lärm eines Grillfestes erfreuen. OK.
Insgesamt 11 kurze Songs, die knallen, jetzt erst einmal nur vier davon, sonst kommen die Bullen.

Neon Taste. Die Platte kommt im Juli auf Vinyl raus und dazu noch tausend Varianten von verschiedenen Shirt und Longsleeves und Tupperdosen. Grillen ist auch ein schönes Teekesselchen. Naja, einigermaßen. Oder Single? Ach, das haben Buzzcocks ja auch schon verwendet. Na gut. Schreibt mir keine in die Kommentare.

Norma – S/T

Die meisten von euch müssen heute bestimmt gar nicht arbeiten, oder? Für die anderen armen Schweine hier ein bisschen Ablenkung von der Tristesse des Alltags.

Norma aus Halden in Norwegen spielen eine angenehm chillige Mischung aus poppigem Folk und countryesken Indierock irgendwo zwischen War On Drugs und Truck Stop, lol. Genau das Richtige für einen Tag am See oder am Bildschirm, es kommt ja nur auf die Einstellung an, nicht wahr.

Der Name der Supermarktkette ist zusammengesetzt aus dem lateinischen Namen für Nürnberg (Noricum) und dem euphemistischen Titel für eine kapitalistische Konsumbruchbude (Markt), weil der Gründer damals aus Fürth kam und die popelige Stadt keinen eigenen lateinischen Namen besaß.

Ich glaub, die meisten Leute, die heute arbeiten müssen, kennen den Discounter gar nicht, da in Niedersachsen, Bremen und Hamburg keine Filialen stehen. Naja. 2 Minuten verschwendet, gute Musik gehört, auch schön.

Die With Your Boots On. Ich sehe kein physisches Release unter dem ganzen norwegischen Wüstenstaub lauern. Vielleicht irgendwann in Zukunft. Jetzt erst einmal digital.
Wenn Marilyn Monroe das wüsste, dass so ein schäbiger Billo-Laden mal mit ihrem Mädchennamen Werbung macht und ihr Konterfei für den Verkauf von Kochkäse, Blutwurst oder Schweinesülze nutzt, würde sie gewiss direkt ein paar Tabletten mehr einwerfen. Gute Zeiten.

Big Break – Exile On Exchange St 7″

Ist das etwa eine Rolling Stones Referenz? Als die armen Rocker gezwungen wurden, das Heimatland zu verlassen, um Steuern zu sparen? Ich frag mich, was dieser Titel wohl zu bedeuten hat, bin aber gar nicht so vertraut mit der Band Big Break, um da Genaueres mitteilen zu können. Sorry, heute kein Kaffeeklatsch.

Die vier Punk Rocker aus Sheffield scheinen aber ihrer Heimat treu zu bleiben, dort ihre Steuern brav zu entrichten und die Stadt mit exquisitem Garage Punk zu belohnen. Von Kneipe zu Friedhof passen die vier Songs ganz wunderbar auf eine Playlist für aufgeschlossene Fans der subkulturellen Orgel-Gitarrenmusik.

Ein bisschen Wave, Eier und Punksalat – dazu kann man hervorragend auf den vergoldeten Tischen und Gräbern verstorbener Rockstars tanzen. Cool.

Wrong Speed Records. Auf Single erschienen und tatsächlich neben dem Kauf bei der Band in England ist das Vinyl auch auf dem europäischen Festland zu beziehen, um, naja, Steuern zu sparen. Wir sind doch alle gleich. OK.

Loose Lips – Last Laugh LP

Power Poppiger Rock’n’Roll aus Melbourne mit Leuten von The Chats, The Prize und Chubby And Gang. Was soll man denn da jetzt noch mehr zu erzählen? Wisst ihr selber, oder?

Können wir uns also anderen schönen Alliterationen zuwenden. Erika Fuchs war eine begabte Übersetzerin, die aus den englischen Micky Mouse und Donald Duck Geschichten immer gerne deutsche Alliterationen und andere Wortspielereien gebastelt hat. "Griechische Gemmen, germanischer Goldschmuck, römische Ringe, keltische Ketten. Kinder, das sind unschätzbare Werte!" oder "Dieser Tagedieb taucht in einem Taxi unter. Und dem Typ, der ihn fährt, gibt er todsicher ein Trinkgeld!". Nur als Beispiel – sehr interessante Threads gibt es da im deutschen Comic Forum. OK.

DIG! Auf LP in blau und schwarz und rosa und verschiedenen Covern und von ganz weit weg vorzubestellen. Erscheint im September und vielleicht auch in Europa. "Hermann humpelt hinkend hinter Holger her." Toll, gerade ausgedacht. Wahnsinn!

Puddy Knife – Flowers E.P. CS

Wieso hat mir noch niemand von dieser Band erzählt? Das ist ja großartig, was Puddy Knife hier aus dem Klappmesser schütteln.

8 Songs zwischen 90er Jahre Hardcore/Emo à la Carbomb und Econochrist und 90er Jahre Punk/Hardcore à la Action Patrol und anderen. Best Of Nineties.
Eine dominante Gitarre mit viel Harmonien in wenigen Tönen vom Griffbrett ins Trommelfell gedrückt, ein schreiender Sänger mit genügend Schmerzen vom jugendlichen Leben und dazu Bass und Schlagzeug, die unbeirrt alles nach vorne schieben und gegen die Wand fahren. Richtig gut.

Die Songs wurden bereits im April letzten Jahres aufgenommen, damals schon einmal in Kanada auf Kassette veröffentlicht (Two Two One Press) und dürfen jetzt auch in Europa analog gehört werden. Früher hat man mit sowas ja direkt genügend Material für 4 Split Singles gehabt. Vielleicht arbeiten die drei Burschen aus Spokane aber ja auch schon an einer LP? Ich nehm zwei.

Noise Merchant. In zwei unterschiedlichen Farbvarianten zu bekommen. Oder bei der Band digital ohne Farbe. Die angebotene Übersetzung des Bandnamens von diversen Online-Hilfen suggeriert ein "Messer für Schmutzfinken" oder für "Schmutzwäsche". OK?