Big Laugh – Days Of Diasarray 12″

Ich hab den Hardcore jüngst ein bisschen vernachlässigt hier, weil mir die ganze Zeit die Sonne aus dem Arsch ins Gesicht scheint. Schien. Denn endlich ist das rosarote Kartenhaus über mir zusammengebrochen und ich kann mich wieder der Realität mit Musik aus Wisconsin widmen.

Big Laugh aus Milwaukee sind die Speerspitzen des Genres, wenn man nach Liedern sucht, die hin und wieder über den Tellerrand suppen und auch die 3 Minutenmarke mal knacken können. Ein bisschen Post im Hardcore, ein bisschen Geballer zum Frühstück und ganz viel laut machen die knappe Viertelstunde zu einem wunderbaren Begleiter auf dem morgendlichen Klositz, wenn die Sonne durch Kacke ersetzt wird. Hauptsache nicht ins Gesicht. Cool.

Convulse Records. Erscheint auf 12″ am 15. August. Erschien. Ist also schon da. Na sowas. Gibts in drei unterschiedlichen Farben. Ich bau mir ein neues Kartenhaus aus Zuversicht und Optimismus und verklebe das mit Bier. Das sollte stabil sein.

Electric Chair / Physique – S/T Split LP

Eine Split LP! Hat man auch nicht so häufig. Bei Electric Chair von einem no brainer zu sprechen, fühlt sich irgendwie falsch an, und ich will natürlich keine Opfer dieser furchtbaren Exekutionsmaschine verhöhnern. Aber viel nachdenken muss man eigentlich nicht vor der Kaufentscheidung dieser A-Seite der LP.

Für den elektrischen Stuhl braucht man Physik und da boten sich die Nachbarjungs aus der Nebenstraße direkt an, man ist pragmatisch und möchte sparen, aber auch ne LP veröffentlichen, also teilt man sich den Scheiß einfach auf. Physique auf Seite B.

Für die Legendenbildung erzählt man dann natürlich, dass man sich in Olympia, Washington irgendwo an einem Baggersee getroffen hat und beim gemeinsamen Schwimmen auf die Idee kam, eine Split zu machen. Schon klar. Und zudem wird der naive Hörer mit den alternativen Fakten gefüttert, dass der Drummer von Physique auch mal bei Electric Chair ausgeholfen habe. Ja sicher, der einzige Typ, den man bei Konzerten nicht sehen kann, ne? How convenient.

OK, Hardcore für schlechtgelaunte Menschen, die gut werden soll. Oder andersherum. Geiler Scheiß.

Iron Lung Records. Gibt es 1500 mal auf schwarzem Vinyl. Keine Ahnung, wer das Zeug auf dem Cover beim Bleigießen als Ergebnis hatte, aber ich tippe mal, dass es ein schlechtes Omen ist. OK.

Histamine – Quality Of Life LP

Hallo Montag. Ich hab gehört, dass Histamine ganz furchtbare Spaßverderber sein können, wenn man eine Allergie hat. Also nee, das heißt dann nicht Allergie sondern Unverträglichkeit, eine Intoleranz, eine Störung.

Jedenfalls kann man dann Hautausschlag bekommen oder muss aufs Klo oder nie wieder aufs Klo. Je nachdem. Und Jucken tuts auch. Und Migräne bekommt man ebenso, wenn man ne Pulle Rotwein trinkt, weil da Histamine drin sind. Sogar mehr als im Weißwein. Und dann isses ja nicht mehr viel mit "Quality of Life", von der die Band aus Sydney hier singt und schreit, dann ist das nur noch juckender, roter, verstopfter Popo mit furchtbaren Kopfschmerzen obendrein.

Aber wenn man das Zeug verträgt, dann ist das gut für die Gedächtnisleistung und für den Blutdruck und die Gedächtnisleistung und den Blutdruck. Wieso eine Band so heißt, weiß ich nicht, aber die vier Australier ballern hier schon wieder direkt die frühmorgendliche Ferienstimmung auf dem Campingplatz in Schutt und Asche. Geiler Scheiß für den Wochenstart.

Convulse Records. Nach 5 Jahren Abstinenz das Debüt Album? Stark. Kommt auf vier verschiedenen Farben auf Vinyl raus. Histamine sind wichtig für die Gedächtnisleistung und den Blutdruck.

Puddy Knife – Flowers E.P. CS

Wieso hat mir noch niemand von dieser Band erzählt? Das ist ja großartig, was Puddy Knife hier aus dem Klappmesser schütteln.

8 Songs zwischen 90er Jahre Hardcore/Emo à la Carbomb und Econochrist und 90er Jahre Punk/Hardcore à la Action Patrol und anderen. Best Of Nineties.
Eine dominante Gitarre mit viel Harmonien in wenigen Tönen vom Griffbrett ins Trommelfell gedrückt, ein schreiender Sänger mit genügend Schmerzen vom jugendlichen Leben und dazu Bass und Schlagzeug, die unbeirrt alles nach vorne schieben und gegen die Wand fahren. Richtig gut.

Die Songs wurden bereits im April letzten Jahres aufgenommen, damals schon einmal in Kanada auf Kassette veröffentlicht (Two Two One Press) und dürfen jetzt auch in Europa analog gehört werden. Früher hat man mit sowas ja direkt genügend Material für 4 Split Singles gehabt. Vielleicht arbeiten die drei Burschen aus Spokane aber ja auch schon an einer LP? Ich nehm zwei.

Noise Merchant. In zwei unterschiedlichen Farbvarianten zu bekommen. Oder bei der Band digital ohne Farbe. Die angebotene Übersetzung des Bandnamens von diversen Online-Hilfen suggeriert ein "Messer für Schmutzfinken" oder für "Schmutzwäsche". OK?

Meditation – Spiritual Impurity

Toller Punk Rock mit Hardcore Nachgeschmack aus Minneapolis, der sich anschickt, in die Post-Ecken der jeweiligen Genres abzudriften, aber dann sind die Songs immer schon vorbei.

Meditation geben sich alle Mühe, mindesten eintausend Liedideen in einen Song zu packen und dann mit einer großartigen Stimme existenzielle Rezepte in das gut sortierte Instrumentwirrwarr zu spucken. Interessanterweise wurden die 7 Songs über einen Zeitraum von 4 Jahren geschrieben und eingespielt und dabei insgesamt 13 Bandmitglieder verschlissen. Macht zusammen 24. Manchmal ist so Musik halt auch kompliziert noch geiler Scheiß.

Nix Label, nix physisches Format. Kostenlos zum Download angeboten, schlagt zu. Das ist schon ganz interessant, dass bei einer totgerittenen Mediation stets die Möglichkeit besteht, sich für ein "k" oder ein "t" zu entscheiden, um voran zu kommen. OK.

Pill Mill – Demo 2025 CS

Starker Hardcore für schwache Nerven. Pill Mill ist eine junge Band aus British Colombia, weil das Label eigentlich nur Sachen aus dieser Provinz Kanadas veröffentlicht. Nicht zu verwechseln mit den anderen Pillendrehern aus Kopenhagen. Die können das nicht sein, die wohnen ja in, äh, Dänemark und die machen Garagepowerpop.  Mehr weiß ich aber auch nicht. OK.

Ist ja nicht so schlimm, es kommt heute nur darauf an, dass der Sänger einen feinen Schnurres hat und die Band ordentlich alles anschiebt und nach 80er Jahre Hardcore klingt. Die richtige Randale fürs Wochenende. Viel Spaß!

Slow Death Records. Auf Kassette erschienen. Wusstet ihr, dass Hannover tatsächlich einst Provinz-Hauptstadt war!? Haha, welch passender Titel. Da muss ich hin.

Class Tourists – Blunt-forced Trauma CD

Neue runde Scheibe von den Class Tourists aus Wakefield. Wann machen die eigentlich mal was auf Vinyl, das kann man ja gar nicht mit ansehen, diese CD-Scheiße.

Naja, gewohnt eingängiger und melodisch bis krachiger Hardcore Punk Rock mit Betonung auf dem Rock, unter dem sich tolle Gitarrenriffs und sehr verärgerte Gesangspassagen vergnügen. "Pro-War Concert" ist nicht nur ein interessanter Titel, sondern auch mit fast schon verspielten Gitarrentönen bestückt. Und "Time" ist ein kleiner gemütlicher Ohrwurm, der sich einen ständigen Platz im Frontlappen gesichert hat. Cool.

Alles selber gemacht. Auch die CDs. Die sind auf 25 Stück limitiert und mit einem Button und einem Sticker (mit einem Gruß an die AFD) garniert. Im Juni live unterwegs, falls ihr ohnehin auf der Insel als Touristen spazieren seid. OK.

Gagu – Demo CS

Ich bin schon den ganzen Morgen auf der Suche nach dem richtigen Soundtrack für einen ordentlichen Streit, verdammte Scheiße. Es gibt so Tage.

Zum Glück gibt es auch solche Bands wie Gagu, die für nichts Anderes mit furchtbar schlechtgelaunten Pantoffeln in die Welt gesprungen sind und ihre armen Instrumente mit den latenten Aggressionen aus der verkorksten Jugend zum Hardcore quälen. Hervorragend. Danke, Jungs & Mädel.

Die Band kommt aus Connecticut und besteht aus 4 Leuten. Einmal Lexi, einmal Louie und zweimal Zach Zach. Das hört man auch.

So, wer hat Bock auf Stress?

Dirtbag Distro. Auf Kassette Ende April erschienen. Wenn es statt dem doppelten Zach den doppelten Louie Louie in der Band gäbe, würden die bestimmt entspannten Rock’n’Roll machen. OK.

Stress Positions – Human Zoo LP

Stress Positions melden sich nach dem Album im Dezember schon mit der zweiten Ladung an geballter akustischer Frustbewältigung zurück. Thematisch möchte uns die Band aus Chicago in den Zoo mitnehmen und auf die besonderen Exponate (sagt man nicht bei einem Zoo, oder?) hinweisen, die hier in Käfigen und Gehegen zu begaffen sind.

Sorry, das ist nicht witzig, die Historie der sogenannten Völkerschauen zeigt uns deutlich, was für ein dummes Stück Scheiße eigentlich der weiße Mann war (und wahrscheinlich in den meisten Fällen noch ist). Die beste Antwort lautet da eigentlich nur draufhauen und kaputtschlagen.

Stress Positions machen das ganz wunderbar mit ihrem eingängigen Hardcore Punk der schnelleren Spielart und zeigen mit der Themenauswahl ebenso anschaulich die vielen Spiel- und Schauplätze der menschlichen Verrohung.

Bittere Pille, bleibt im Hals stecken und schmeckt nach Hass. Ziemlich geil.

Three One G. Erscheint auf Vinyl im Mai in grün und coke bottle. Mal sehen, wie lange es noch dauert, bis man auch die Tiere nicht mehr so zur Schau stellt, dass sie dem verwöhnten Kind ein Wohlgefallen sind. OK.

Rags – S/T CS

Sowas nennt man also Fastcore? Hm, da kenn ich aber ein paar Mädels aus der Grundschule, die schon flotter auf ihrem Cajon herumprügeln. Na, was solls. In Italien drehen sich die Uhren einfach ein bisschen langsamer, was ja auch angenehm sein kann.

Rags spielen erstklassigen Hardcore mit mehr Breakdowns als Geballer und mehr Hass im Blut und Stimme als ich Parmesan auf meine Nudeln reibe. Leider wurde beim Mastern vergessen, die Lautstärke ein bisschen anzuheben, aber trotzdem geiler Scheiß.

Noise Merchant. Auf Kassette erschienen. 8 Songs unter 10 Minuten könnte allgemein noch als superfast gelten, aber 8 Songs über 9 Minuten ist dann auch nur Mittelstrecke. Reicht für mich.