Corker – Falser Truth LP/CS

Na, wer von euch genießt die neue Corona-Infektion vom Get Lost Fest? Können wir die schon als eigene Variante bezeichnen, weil die sich im menschlichen Organismus ausschließlich von Punk Rock, Fischbrötchen und Jever ernährt?
Was dann wohl die äquivalente Variante aus dem Post Punk futtern würde? Rotwein und Haschisch oder Wodka und Mettbrötchen? Ich hätte hier zumindest einen guten Nährboden parat, denn heute ist die neue Corker LP erschienen und postiger wirds nicht mehr.

Die vier Jungs aus Cincinnati liefern mit der LP eine tolle Reise durch die Tiefen der kopflastigen Melodien und Rhythmen aus den latent anstrengenden Genres der letzten 60 Jahre ab. Deswegen klingt das dann auch so intelligent, da hat man viel drüber nachgedacht. Herausgekommen sind 8 Songs, die mehr zum Zuhören animieren als zum Tanzen oder Steine schmeissen, aber irgendwas müssen wir alten Herren und Damen ja auch noch mit Musik anzufangen wissen. Toll.

Feel it Records. Kommt auf ähm, ungefärbtem Vinyl und in schwarz. Fragt mich nicht. Wem das zu hippiemäßig erscheint, kann auch zu der Kassette greifen. In den USA bei Future Shock Recordings und in Europa bei Urticaria Records. Na dann.

JJ & The A’s – S/T 7″

Wieso werden eigentlich in der Öffentlichkeit so dämliche Fragen gestellt à la "Wo soll das Geld für die Kindergrundsicherung herkommen – wie soll das finanziert werden?" und "Wo kommt der Hass her – wieso randalieren Franzosen in den Innenstädten?"
Stellen sich auf einmal alle doof oder ist das ein Test? Soll ich das echt beantworten? Beobachtet mich jemand und bei der richtigen Antwort erhalte ich eine Verlängerung meiner ablaufenden Staatsbürgerschaft?

OK – 1. Vom Staat (ihr wisst schon, da, wo auch das Geld für die Bundeswehr und die Autobahnen rumliegt. Wenn wir lieber hübsche Straßen und geile Waffen in potenten Soldatenhänden als gesunde und glückliche Kinder haben wollen, hab ich die Frage natürlich falsch verstanden).
2. Weil ein Polizist mit Ansage einem 17-jährigen Jungen ohne Not in den Kopf geschossen hat.
Mal sehen, was passiert.

Neue 7″ von JJ & The A’s! Naja, was heißt neu, das ist das Debüt. Die Band kommt aus Barcelona und Kopenhagen, schafft es irgendwie dennoch, ziemlich eingängige Musik gemeinsam zu proben und zu spielen und hat dann mal eben so 6 ziemlich coole Punk Rock Nummern aus den Ärmeln geschüttelt, die ein bisschen die KBD Stimmung aus den 70ern und 80ern in die 90er transportiert. Hä? Ja – klingt nach dem besten aus dem letzten Jahrhundert. Cooler Scheiß.

La Vida Es Un Mus Discos. Ich hoffe, ich kann mir bei diesem Mal die Staatsbürgerschaft aussuchen und einfach mal etwas Verrücktes ausprobieren. Ab welchem Breitengrad der Zugehörigkeit wird man noch einmal automatisch aus Deutschland ausgewiesen?

Gezebelle Gaburgably – Gaburger

In meinem Buch steht, wer mehr als 150.000€ im Jahr verdient, ist reich und benötigt eigentlich keine finanzielle Zuwendung. Kann ich Euch mal ausleihen das zerfledderte Ding, da sind noch viele andere Weisheiten drin verzeichnet. Zum Beispiel, dass äh, ok, ich hab das gerade verlegt.

Braucht Ihr eine Portion Ohrwürmer aus der Abteilung Elektro Punk Indie Gitarren Pop? Puh, Glückstreffer. Gezebelle Gaburgably eilt zur Hilfe und versorgt Euch mit 13 wunderbaren Stücken Zucker, die in der Sonne schmilzen und im Ohr kleben bleiben. Lecker!

Hier ist noch was. Wer das Elterngeld nutzt, um einen hübschen mehrmonatigen Familienurlaub zu machen, hat das Prinzip nicht verstanden. Ist nicht verboten, macht doch. Aber Gleichstellung ist anders.

Dweebs – Goes Without Saying 7″

Dweebs aus Plymouth machen old-school Hardcore Punk, wie man ihn in einer englischen Hafenstadt gerne abfeiert, während man von den besoffenen Matrosen der britischen Marine in den einschlägigen Kneipen verdroschen wird. Aggressiv, druckvoll, pausenloser Knüppel-aus-dem-Sack-Charme.
Vielleicht ist das eingebaute Metronom vom Drummer kaputt, aber ich glaube, der spielt bei jedem Song das gleiche (Tempo). Falls Ihr eine musikalische Untermalung für eure Rauferei im Freibad braucht. Bitte.

Crew Cuts bringt das auf ner grünen 7″ raus. Value for Money? 10 Songs unter 10 Minuten, so macht man das.

Datenight – Mother’s Day

Wisst Ihr, was schön ist? Pfirsiche, Nektarinen und Melonen und Orangen. Also solch Obst, bei dem man beim Kauf noch nicht weiß, ob es schmecken wird, oder ob man daran stirbt. Das ist doch eine nette Abwechslung in dem durchdesignten Geschmackserlebnis der deutschen und internationalen Supermärkte, wo alles immer gleich schmecken muss.

Um es dann noch spannender zu machen, müsste man die Sachen alle komplett im Bioladen kaufen, dann hat man sogar noch die Chance, bei einer blinden Verköstigung das korrekte Obst herauszuschmecken, aber man muss ja auch nicht immer übertreiben. OK.

Datenight aus Nashville kommen mit ihrer dritten LP weniger als Wundertüte des Punk Rocks rüber als vielmehr eine sehr verlässliche Tüte lofi Post Punk Rock Garage für Genießer und :innen. Die können keinen schlechten Song schreiben, Mother’s Day ist ein hervorragendes Sommeralbum , das beruhigt gleichermaßen beim Stau auf der Autobahn und animiert ebenso beim Tischtennisrundlauf auf dem Zeltplatz. Wunderbar.

Kommt die noch auf LP oder begnügen wir uns diesmal mit digital? Stachelbeeren schmecken im übrigen immer gut, da gibt es kein schlecht. Deswegen sind es auch die besten Beeren. Gerne.

Silicone Values – Disposable Music / New Cold War?

Neue Ohwürmer aus dem Haus der Power Pop Punk Fabrik in Bristol. Silicone Values lassen wieder die Gitarren zuckersüß surren, sodass jede Note zu Honig in den Hörgängen wird. Das klebt zwar, aber was klebt derzeit denn bitte nicht wie Sirup am Körper? Diesmal auch wieder mit echtem Schlagzeug und dem echten charmanten Gesang des Hausmeisters vom Gebäudekomplex der Proberäume. Haha.

Der beste Soundtrack zum Beobachten des Schmelzens der Polkappen. Es wird alles schlimmer. Naja, auf ins Auto un zur Arbeit und einen schönen Tag im Büro, ne?

Mike Krol – For Some Other Reason 7″

Weil die Schweden jetzt die Türkei dabei unterstützen, sämtliche Kurden als Terroristen abzustempeln, dürfen die Schweden zu den glücklichen 32 Nationen gezählt werden, die sich die blauen Trikots anziehen, wenn es gegen die roten Trikots geht. Oder "for some other reason", ich bin ja schließlich kein Militärexperte.

Mike Krol hat sich bei seiner neuesten 7″ Pop Punk Fuzz Veröffentlichung auf Bandcamp heimlich umbenannt und einen schottischen Alias angelegt. Und ich verstehe nicht so recht, ob das Land (Schottland) nun in der NATO ist oder nicht – eigentlich ja schon wegen Großbritannien, ne? Aber andererseits streiten die sich um die Stationierung der Atomrakten und um einen Beitritt zur NATO bei Unabhängigkeit und aha oho soso. Puh, das ist mir ganz schön egal.

Mac Krol spielt in seiner Freizeit gerne Golf, trinkt Whisky und karierte Röcke und bläst dabei seinen Alkoholdunst mit einem löchrigen Strohhalm in Ziegendärme. Tröööt.

Merge Records. Bitte entschuldigt die dumme Verallgemeinerung und das Bedienen von Klischees. Hauptberuflich schlägt Mac Krol im übrigen anderen Leuten mit seinem Schwert die Köppe ab. Es kann nur Einen geben!

Billiam – Corner Tactics

Habt Ihr eigentlich schon einmal einen schlechten Song von Billiam gehört? Genau.
Weitere Beweise.

Falls Ihr Euren Urlaub in Australien verbringt, dann geht den mal auf seiner Tour besuchen. Und bringt mir dann bitte ein Stück Känguru mit, egal was. Cool.

Neo Neos – Act VII LP

Nach ein paar Jahren gibt es hier ein neues Lebenszeichen von dem Neo Neos Verrückten Connie Voltaire, der den lofi Garage Punk Rock wie kein anderer zelebrieren kann.

Als man früher noch dachte, "oha, diese ersten Angry Samoans und White Flag Sachen sind aber ganz schön krachig", hat man nicht ahnen können, wie diametral gegensätzlich sich Technik und Anspruch im Punk Rock entwickeln würde.
Aber stellt euch mal vor, wir würden auf all die krachigen und vermeintlich qualitativ schlechten Aufnahmen von den großartigen Bands verzichten…was für ein Verlust. Also bitte – Neo Neos lasssen Deine 10.000€ Hifi-Anlage die Stirn runzeln und die Bude erzittern. Geiler Scheiß!

Gibts auch auf Vinyl, dort mit der Get The Neo Neos aus dem Jahr 2018 auf der A-Seite. Kein schlechter Deal – Under The Gun versorgt euch. Ich kauf das nicht, klingt ja furchtbar…

It Thing – Constant State 7″

Wieso entwickeln Menschen eigentlich mehr Empathie gegenüber irgendwelchen Schnöseln, die sich freiwillig mit ihren Taschen voller Gold in eine Blechdose hocken und zum Grund des Meeres sinken lassen, als gegenüber, keine Ahnung, 1.166 Menschen, die dieses Jahr bisher auf der Flucht mit ihren Kindern im Mittelmeer ertrunken sind?

Eigentlich eine rhetorische Frage, aber die Fränkische Landeszeitung hat mal "Empathie" gegoogelt und eine Frau gefunden, die dazu schon einmal was gesagt hat. Dann zerrt man die noch einmal vors Mikro für ein Interview zu dem aktuellen Thema. Spoiler Alert: es liegt an der Hautfarbe.

In anderen Teilen meines Hirns finde ich dann das hier interessant und frage mich, warum auch ich so ein unsensibler Bastard bin. Ich ruf die Frau nachher mal an und kläre das. Aber in der Tat fand ich die neue Single von It Thing interessant, weil ich kurz gedacht hatte, Kathleen Hanna steht (schon wieder) im Wohnzimmer. Tolle Stimme, solider Punk Rock, gute Single. Die kommen aus Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Also dem Paradies auf Erden. Da ist es wirklich zuhause am schönsten. Die touren bestimmt nie.

Feel It Records. Ich möchte da auch nicht so viel drauf rumhacken, aber ich wette mich Euch, dass kein Kind von den Flüchtlingsfamilien Blink-182 Fan ist. Und auf einem Konzert herumeiert, während die Eltern in Seenot geraten. Aber was weiß ich schon.