Silicon Heartbeat – MT0001 CS

Zum Start der neuen Woche empfehle ich Euch eine große Portion Silicon Heartbeat in kleinen Mengen. Die liefern mit ihrer neuen Kassetten-Single nämlich in 3 Liedern und 4 Minuten spitzenmäßige Unterhaltung zwischen zynischer Albernheit, aggressiver Frustration und müder Resignation ab. Ziemlich passende Achterbahnfahrt der Emotionen am Montagmorgen in der S-Bahn. Toll.

Am Freitag erschienen. Würde auch auf ne 7″ passen, aber dann müsste man natürlich umdrehen. Oder ist das bei ner Kassette auch so? Hm.

Loozer – Long Drive Inside A Car

Falls Ihr heute noch eine Kurzstrecke zum Bäcker oder zur Schule oder so fahren müsst und verträumt in die Leere der Landstraße oder Stadtautobahn starrt, über euer ebenso leeres Leben nachdenkt und dabei vergesst, warum ihr eigentlich überhaupt heute aufgestanden seid, dann hab ich hier den passenden Song.

Loozer. Wenn ihr nach 2:45 umdreht, empfehle ich einen anderen Song für den Rückweg. Aber was?

Tropical Strength – (Not My) Cup Of Tea

Zwischendurch eine poppige Nummer der Australier von Tropical Strength, die eine Menge Beatles gehört haben. Vielleicht gehört sich das auch so, wenn man Mitglied im Common Wealth ist, keine Ahnung. Der Song erinnert zumindest stark an die Sgt. Peppers Zeiten der Pilzköppe. Warum nicht. War ein tolles Album.

Farmer & The Owl. Der Nam des Albums Sgt. Pepper’s Lonly Hearts Club Band kam ja nur zustande, weil Paul sich verhört hat, wie jemand neben ihm nach "Salt and Pepper" gefragt hat. Paul ist der Bassist. OK.

Klint – Adrenaline CS

Diesen Synth Punk Wikinger Haudegen habe ich viel zu lange nicht mehr im Programm gehabt. Ihr wisst bestimmt, dass Klint aus Schleswig unglaublich fleißig ist und es irgendwie schafft, alle paar Monate mit neuen schief bis krachigen Ohrwürmern um die Ecke zu kommen.

Ich hab den einfach ein bisschen aus den Augen verloren ob der tausenden anderen Veröffentlichungen, die so täglich reinpurzeln. Aber der Typ macht immer weiter und weiter; wie das Duracel Häschen, aus dessen Augen der flüssige Elektrolyten-Batterie-Saft quillt. Stark. Der muss irgendwo einen großen Schatz ausgehoben haben.

Auch mit "Adrenaline" hat er wieder 4 rotzige Kratzbürsten aus dem digitalen Feinkostladen der Punk-Unterhaltung geschnitzt und hat sich mit dem Cover noch mal so richtig Mühe gegeben. Das Koks genau so anzurichten, dass es aussieht, als würden zwei Wikinger gegeneinander kämpfen, erfordert schon eine Menge Geschick. Und ne Menge Koks. Ab dafür…wer dazu nicht tanzen kann, ist tot.

Kassette bei Blä Records. Der Erlös aus dem digitalen Album bei Bandcamp geht an unsere Freunde von Radical Aid Force. Also bitte…

The Wind-Ups – Jonathan Says 7″

Na schau an. Manchmal ist eine Tempodrosselung genau das Richtige, und ich spreche leider nicht von deutschen Autobahnen. Dort können sich die Wahnsinnigen noch immer dickbäuchig in den SUVs mit 220 Stundenkilometern über den Asphalt hetzen und zeigen, was für stramme Männer sie sind. Stark.

Aber nein, ich meine hier eine Drosselung der allgemeinen Hektik, die bei Garage Punk Bands manchmal den Charme ausmacht und manchmal charmant krachig nerven kann. Das klang bei Audacity auch immer am besten, wenn sie ihren Gitarrenbrei als Teppich ausgerollt haben und den Gesang einfach mal locker flockig darüber kotzen ließen. Hier jetzt auch zu genießen von den kalifornischen Wind-Ups, die einen Song von der neuen Single schon einmal zur Verfügung stellen. Danke, find ich gut.

Kommt auf 7″ im August auf irgendeinem Label heraus. Drosselung kommt ja eigentlich von der Kehle und bezeichnet auch eine Verengung in Rohren und so. Also man würgt quasi dem Tempo die Luft ab. Martialisch, aber effektiv!

Taxi Girls – Coming Up Roses

Sommer, Sonne, Kaugummi. Scheint es auch in Montréal zu geben, denn zumindest der Sound der drei Mädels von den Taxi Girls erinnert an die unbeschwerliche Zeit, als ein verklebter Magen und Darmverschluss als Konsequenz aus dem Verschlucken von Kaugummis noch zu den schlimmsten Dingen gehörte, die meine Eltern mir prophezeit hatten. Heute passt der poppige Punk auch ganz wunderbar zu Planschbecken auf dem Balkon mit Bier und Flutschfinger. Macht was draus.

Auf Vinyl bei Wild Honey Records in Italien und auf Kasstte bei Dirt Cult Records in den USA. Digital hier zu bestaunen und live in Kanada. Verrückte große Welt.

Eastern Syndrome – Brain Driller CS

Eastern Syndrome. Neue Band aus Berlin, die sich nach einer langen Nacht im AGH in der KØPI 137 zusammengefunden hat und anstatt nach Hause zu stolpern, haben sie ihre verklebten Augen und Nasen in den Proberaum geschleppt und ein bisschen mit dem Halleffekt herumgespielt.

Auf einmal waren 5 Songs aufgenommen, die aus den 80ern direkt in die müden Tanzbeine drängeln und mit einem charmanten anarchisch-hippiesken 80er Geschmack den Sonnenaufgang versüßen. Toll.

Kassette kommt bei Brainwasher Records in den nächste Wochen heraus, das digitale Demo ist am Freitag bei der Band erschienen. Love, Peace & Anarchy 🙂

Home Is Where – The Whaler LP

Wieso läuft in den Autos, die mit offenen Fenstern durch meine Nachbarschaft tuckern, eigentlich immer so unfassbar bekloppte Musik? Hört denn niemand mehr gute Musik? Immer nur stupide aggressiver Deutschrap oder bummslangweiliger Techno oder der lärmende Best-of-Mix aus der türkischen Pop-Hitparade. Puh.

Vielleicht hören coole Leute heimlich bei geschlossenen Fenstern und Klimaanlage solch Post Punk Rock und Emo Perlen wie Home Is Where aus Florida? Schade eigentlich, das sollten mehrere Leute vorgesetzt bekommen, und wenn es nur an der Ampel für die kurze Zeit einer Rotphase ist – denn mehr braucht die Band eigentlich nicht, obwohl das neue Album wieder einmal extrem vielschichtig ist und zwischen den verschiedenen Subgenres hin und her schwingt wie ein besoffenes Pendel.

Ist da auch ein bisschen Screamo? Indie? Ach, einmal mit allem, bitte.

Wax Bodega. Heute erscheint das Album auf blauem Vinyl.
Das letzte Mal, dass ich gute Musik aus einem vorbeifahrenden Auto gehört habe, war in Aachen vor 8 Jahren, als ein tieeeefergelegter BMW ziemlich laut die Einlaufmusik vom Heartbreak Kid Shawn Michaels über seine fettttte Anlage liefen ließ. "I’m just a sex boy, I’m not you boy toy." Fand ich fast schon poetisch schön.

Silver Car Crash – Shattered Shine LP/CS + VHS

Bei dem Namen der Band muss ich immer an James Dean denken. Aha. Soundtechnisch bewegen sich Silver Car Crash eher so auf der Überholspur in Richtung Dischord Records in den 90ern und vielleicht schmieren sie noch eine Portion Emo und Grunge mit aufs Brot, wenn der Papa nicht hinschaut. Coole Platte. Als besonderes Schmankerl kann man eine Videokassette (!) mit einem Mitschnitt eines Livekonzerts dazu kaufen. Nerds.

Crafted Sounds bringt das Schmuckstück auch auf Kassette und Vinyl heraus. Also dreifach analog. OK.
Ein weiterer "silver car crash" wäre ein Aston Martin Imitations-Matchbox Auto gewesen, dass ich gemeinsam mit einem Freund und einer handvoll Ladycrackern in die Luft gejagt hab. Nimm das, 007!

Graveyard Of The Pacific – Sorcerer

Das passiert also, wenn Punk Rocker als Kinder zu viele Horrorfilme geschaut und zu viel Dungeons and Dragons gespielt haben. Sie treffen sich 30 Jahre später im Proberaum, vergleichen ihre Wohlstandsbäuche und die Actionfiguren-Sammlung und dudeln dann ein bisschen ihre Lieblingshits aus den VHS Kassetten der 70-80er des Gruselgenres.

Und dann merken sie, dass das ja gar nicht so schwierig ist, man muss nicht die ganze Zeit schrammeln und dreschen und wie ein Irrer ins Publikum springen. Das geht ja auch dudelig und macht Spaß und klingt cool. Dann buddeln sie noch ein paar weitere Gräber um und so wird eine wunderbare Mischung aus Espectrostatic, Eerie Family und den Hex Dispensers zu Tage gefördert, die sich Death Surf nennt.

Nicht sonderlich verwunderlich, wenn Alex Cuervo und Alyse Mervosh hier zwei vom Trio sind. Und dann obendrein David Bessenhoffer als Dritten im Bunde haben, der ja ebenfalls eine zeitlang bei den Hex Dispensers mit dabei war. Naja, und die bringen jetzt nach einer Single vor drei Jahren ihr erstes Album als Graveyard of the Pacific heraus. Wieder von Mark Ryan produziertt. Ein Song heute, der Rest am Freitag(?). Richtig gut.

Ohne Label. Ich würds ja machen, dann hätte ich das auch auf Vinyl. Muss ma anrufen. In der Zwischenzeit schaue ich mal mit meinen Kindern die 13 Halloween Filme. Scheint ja doch was zu bringen auf lange Sicht.