Neo Neos – Act VII LP

Nach ein paar Jahren gibt es hier ein neues Lebenszeichen von dem Neo Neos Verrückten Connie Voltaire, der den lofi Garage Punk Rock wie kein anderer zelebrieren kann.

Als man früher noch dachte, "oha, diese ersten Angry Samoans und White Flag Sachen sind aber ganz schön krachig", hat man nicht ahnen können, wie diametral gegensätzlich sich Technik und Anspruch im Punk Rock entwickeln würde.
Aber stellt euch mal vor, wir würden auf all die krachigen und vermeintlich qualitativ schlechten Aufnahmen von den großartigen Bands verzichten…was für ein Verlust. Also bitte – Neo Neos lasssen Deine 10.000€ Hifi-Anlage die Stirn runzeln und die Bude erzittern. Geiler Scheiß!

Gibts auch auf Vinyl, dort mit der Get The Neo Neos aus dem Jahr 2018 auf der A-Seite. Kein schlechter Deal – Under The Gun versorgt euch. Ich kauf das nicht, klingt ja furchtbar…

It Thing – Constant State 7″

Wieso entwickeln Menschen eigentlich mehr Empathie gegenüber irgendwelchen Schnöseln, die sich freiwillig mit ihren Taschen voller Gold in eine Blechdose hocken und zum Grund des Meeres sinken lassen, als gegenüber, keine Ahnung, 1.166 Menschen, die dieses Jahr bisher auf der Flucht mit ihren Kindern im Mittelmeer ertrunken sind?

Eigentlich eine rhetorische Frage, aber die Fränkische Landeszeitung hat mal "Empathie" gegoogelt und eine Frau gefunden, die dazu schon einmal was gesagt hat. Dann zerrt man die noch einmal vors Mikro für ein Interview zu dem aktuellen Thema. Spoiler Alert: es liegt an der Hautfarbe.

In anderen Teilen meines Hirns finde ich dann das hier interessant und frage mich, warum auch ich so ein unsensibler Bastard bin. Ich ruf die Frau nachher mal an und kläre das. Aber in der Tat fand ich die neue Single von It Thing interessant, weil ich kurz gedacht hatte, Kathleen Hanna steht (schon wieder) im Wohnzimmer. Tolle Stimme, solider Punk Rock, gute Single. Die kommen aus Hobart, der Hauptstadt von Tasmanien. Also dem Paradies auf Erden. Da ist es wirklich zuhause am schönsten. Die touren bestimmt nie.

Feel It Records. Ich möchte da auch nicht so viel drauf rumhacken, aber ich wette mich Euch, dass kein Kind von den Flüchtlingsfamilien Blink-182 Fan ist. Und auf einem Konzert herumeiert, während die Eltern in Seenot geraten. Aber was weiß ich schon.

Jason Kaminski – Far Away Places LP

Klapp den Laptop zu, ruf einen Freund an. Pack die Badehose ein und fahr an den See. Scheiß auf die Badehose. Fahr an den See. Fahr ans Meer. Besuch Deine Eltern. Trink einen Erdbeershake, der zu dickflüssig für den Strohhalm ist. Leg Dich ins Gras. Schau Dir die Schwalben an. Fahr Fahrrad, spiel mit Deinen Kindern, lies ein Buch.

Head2Wall Records.

Gorilla Men – High Power Tube Blaster

Passend zum Wetter gibt es heute das Album von den Gorilla Men in die Schublade "Garage Punk" gelegt. Passend wegen des Titels, meine ich. Na gut, ich hab eigentlich gar keine Ahnung, was ein "High Power Tube Blaster" ist, aber ich stelle mir da gerade in meinem hitzigen Kopf so etwas wie diese modernen Spritzpistolen vor, die man einfach nur im Planschbecken aufzieht und dann eben mit einem enormen Druck das Bier überall hinspritzen kann. OK.

Und dazu passt dann auch der Sound der Band, der irgendwo zwischen The Dirts und den Angry Samoans liegt. Sympathisch.

Goblin Records. Wasser? Wieso Wasser?

Silicon Heartbeat – MT0001 CS

Zum Start der neuen Woche empfehle ich Euch eine große Portion Silicon Heartbeat in kleinen Mengen. Die liefern mit ihrer neuen Kassetten-Single nämlich in 3 Liedern und 4 Minuten spitzenmäßige Unterhaltung zwischen zynischer Albernheit, aggressiver Frustration und müder Resignation ab. Ziemlich passende Achterbahnfahrt der Emotionen am Montagmorgen in der S-Bahn. Toll.

Am Freitag erschienen. Würde auch auf ne 7″ passen, aber dann müsste man natürlich umdrehen. Oder ist das bei ner Kassette auch so? Hm.

Loozer – Long Drive Inside A Car

Falls Ihr heute noch eine Kurzstrecke zum Bäcker oder zur Schule oder so fahren müsst und verträumt in die Leere der Landstraße oder Stadtautobahn starrt, über euer ebenso leeres Leben nachdenkt und dabei vergesst, warum ihr eigentlich überhaupt heute aufgestanden seid, dann hab ich hier den passenden Song.

Loozer. Wenn ihr nach 2:45 umdreht, empfehle ich einen anderen Song für den Rückweg. Aber was?

Tropical Strength – (Not My) Cup Of Tea

Zwischendurch eine poppige Nummer der Australier von Tropical Strength, die eine Menge Beatles gehört haben. Vielleicht gehört sich das auch so, wenn man Mitglied im Common Wealth ist, keine Ahnung. Der Song erinnert zumindest stark an die Sgt. Peppers Zeiten der Pilzköppe. Warum nicht. War ein tolles Album.

Farmer & The Owl. Der Nam des Albums Sgt. Pepper’s Lonly Hearts Club Band kam ja nur zustande, weil Paul sich verhört hat, wie jemand neben ihm nach "Salt and Pepper" gefragt hat. Paul ist der Bassist. OK.

Klint – Adrenaline CS

Diesen Synth Punk Wikinger Haudegen habe ich viel zu lange nicht mehr im Programm gehabt. Ihr wisst bestimmt, dass Klint aus Schleswig unglaublich fleißig ist und es irgendwie schafft, alle paar Monate mit neuen schief bis krachigen Ohrwürmern um die Ecke zu kommen.

Ich hab den einfach ein bisschen aus den Augen verloren ob der tausenden anderen Veröffentlichungen, die so täglich reinpurzeln. Aber der Typ macht immer weiter und weiter; wie das Duracel Häschen, aus dessen Augen der flüssige Elektrolyten-Batterie-Saft quillt. Stark. Der muss irgendwo einen großen Schatz ausgehoben haben.

Auch mit "Adrenaline" hat er wieder 4 rotzige Kratzbürsten aus dem digitalen Feinkostladen der Punk-Unterhaltung geschnitzt und hat sich mit dem Cover noch mal so richtig Mühe gegeben. Das Koks genau so anzurichten, dass es aussieht, als würden zwei Wikinger gegeneinander kämpfen, erfordert schon eine Menge Geschick. Und ne Menge Koks. Ab dafür…wer dazu nicht tanzen kann, ist tot.

Kassette bei Blä Records. Der Erlös aus dem digitalen Album bei Bandcamp geht an unsere Freunde von Radical Aid Force. Also bitte…

The Wind-Ups – Jonathan Says 7″

Na schau an. Manchmal ist eine Tempodrosselung genau das Richtige, und ich spreche leider nicht von deutschen Autobahnen. Dort können sich die Wahnsinnigen noch immer dickbäuchig in den SUVs mit 220 Stundenkilometern über den Asphalt hetzen und zeigen, was für stramme Männer sie sind. Stark.

Aber nein, ich meine hier eine Drosselung der allgemeinen Hektik, die bei Garage Punk Bands manchmal den Charme ausmacht und manchmal charmant krachig nerven kann. Das klang bei Audacity auch immer am besten, wenn sie ihren Gitarrenbrei als Teppich ausgerollt haben und den Gesang einfach mal locker flockig darüber kotzen ließen. Hier jetzt auch zu genießen von den kalifornischen Wind-Ups, die einen Song von der neuen Single schon einmal zur Verfügung stellen. Danke, find ich gut.

Kommt auf 7″ im August auf irgendeinem Label heraus. Drosselung kommt ja eigentlich von der Kehle und bezeichnet auch eine Verengung in Rohren und so. Also man würgt quasi dem Tempo die Luft ab. Martialisch, aber effektiv!

Bell Toll – 23′ Demo CS

Schönes Demo von Bell Toll aus Las Vegas. Die machen coolen Hardcore Punk mit ein bisschen bösen Metal Gitarren und einer großartigen Sängerin. Scheppert ordentlich und macht Spaß. Die Band reiht sich also ein in die Playlist für den Skatepark oder den Ladendiebstahl oder um die Luft aus den E-Bike-Reifen vor dem Freibad rauszulassen. Keine Ahnung, was ihr so beruflich macht. Geiler Scheiss.

Auf Kassette bei Noise Merchant Records erschienen. Get him to the Greek war gar nicht so lustig, aber vielleicht haben da Leute von der Band mitgespielt? Ich versteh den Text nicht.