Persica 3 – Beauty In The Noise CS

Keine Ahnung, was mit 1 und 2 passiert ist, aber Nummer 3 macht wunderschönen warmen Bedroom Pop oder Dream Pop oder wie diese sanfte Musik zum Einlullen genannt werden soll.

Einflüsse aus den 60ern und 70ern klingen durch, spielen mit Seifenblasen, Pusteblumen und Regenbogenkreide und legen sich wie ein weicher Samtumhang über den grauen Alltag. Persica 3 aus Paris hat hier sein zweites Album veröffentlich und damit die Unbeschwertheit Deiner Kindheit in Musik gepresst. Kann man auch mit einen Poster zusammen kaufen. Alle Einnahmen gehen an das UN Flüchtlingshilfswerk, man könnte also auch gerne 2 kaufen.

Find ich super, ich leg mich wieder hin.

Hidden Bay Records. Auf Kassette am 21. März verfügbar.  Als Persika (frz. Persica) werden antike griechische Geschichtswerke bezeichnet, die das persische Achämenidenreich behandelten und im 5./4. Jahrhundert v. Chr. verfasst wurden. Oder eine Bio Freilandgurke. OK.

Cafard – Demo ’24 CS

Uffta. Richtig guter Hardcore Punk aus Montréal von Cafard. Dort, wo man offensichtlich noch immer angestrengt gegen meterhohe Schneeberge kämpft, haben die Leute von Youssouf Today, Michel Platinium und Cloaca ihren Weg zum Proberaum freigeschippt und sich mit energetischem Lärm warm gehalten.

Das bereits im Jahr 2023 aufgenommene Demo Tape der Kakerlaken wurde 2024 mühsam mit Schlittenhund zum Mastern zu Will Killingsworth gefahren, wo es dann seit letztem März ein ganzes Jahr herumlag. Glücklicherweise fanden die 5 Knaller ihren Weg zurück in die Metropole von Québec und konnten dort in das weltweite Internet geladen werden. Schön auch, dass die Themen der Songs zeitlos sind. Geiler Scheiß.

Dirty Slap Records. Auf Kassette erschienen. Und ihr wisst jetzt auch, was Kakerlake auf Französisch heißt.

Last Quokka – Take The Fight To The Bastards LP

Da ärgert man sich die ganze Zeit über schlaflose Nächte und die Gedanken drehen sich im Kreis und man weiß nicht, wie der ganze Apparat wieder funktionieren kann und dann kommen Last Quokka aus ca. 14.000 Kilometern Entfernung und erzählen, wie es geht. Den Spieß aus der veganen Schaschlik Wurst rausziehen und umdrehen!

Das vierte Album der Band bietet eine bissige Analyse der kulturellen Zweigstellen in Australien und macht die Erkenntnis, warum Kneipen so wichtig für das allgemeine Wohlgefühl sind, tanzbar. Die 11 Songs werden in bester Pub Rock Garage Punk Manier druntergesprudelt und man kann dazu klatschen, lachen, weinen, saufen. Prima.

Valve Records. Man ist sich nicht ganz einig, wann das erscheint, aber es wird es eine LP.
Es müssen im Übrigen alle mitmachen, Freunde. Nicht dass, ich wieder alleine mit meiner Mistgabel und der Fackel vor dem Bundestag stehe. OK – auf geht’s.

Pyrex – Body LP

Die zweite LP von Pyrex klingt ein bisschen nach einer härteren und schlechter gelaunten Version von den großartigen Video aus Austin. Das ist natürlich Quatsch. Die Band aus Brooklyn, die sich nach hitzebeständigem Glas benannt haben, ballern einfach 8 schnörkellose Punk Rock Knaller mit Hardcore Effet in die Magengrube und der leichte Hall-Effekt auf der Stimme erinnert mich ein bissl an besagtes Nebenprojekt des Bad Sports Sängers.

Manchmal ist das schon sehr assoziativ und schnell geschossener Mist, den ich hier fabriziere, aber bei dem Wetter bin ich lieber draußen bei der Tischtennisplatte als im Punk Rock Lexikon. Habt ihr auch nicht verstanden? OK.

Total Punk Records. Kommt heute raus. Entweder ich habe ein Fake gekauft, oder die Beschriftung des Glases ist nicht so hitzebeständig wie das Glas selber. Da löst sich die Skala ab, was für einen Messbecher ziemlich blöd ist. Braucht jemand einen Spucknapf? Schönes Wochenende!

Zero Azúcar – S/T

Die neue Lieblingsband meiner Diabetiker-Freunde aus Spanien.

Zero Azúcar machen da weiter, wo Coca Cola und Pepsi aufhören, denken Saccharin noch eine Nummer weiter und präsentieren 10 super eingängige Synth Punk und Pop Songs aus dem Honigtopf der Garage. Das klingt hin und wieder ein bisschen nach den melodieverliebten Landsleuten von Oki Moki, die ich recht gerne mag.

Die drei Madrilenen machen das schon eine ganze Weile und sehen bis auf die offensichtliche Lichtempfindlichkeit verdammt gesund aus. Muss ich probieren.

Andalucia Über Alles. Kommt erst einmal nur digital. Ich blicke ja bei diesen ganzen Varianten der Limonaden nicht mehr durch, aber gibt es auch ganz unironisch eine koffeinfreie und zuckerfreie Cola ohne Kohlensäure?

Die Expressionisten – Gefangene Der Freien Welt

Das ist ja eigentlich gar nicht so mein Ding, aber der Song "Work On Display" ist mir gerade zufällig in die Kopfhörer gerutscht, während ich in einem bekackten Café mit anderen beknackten Leuten am Rechner sitze und von anderen bekloppten Menschen auf der Straße blöde angegafft werde, weil ich in einem Café nix Besseres zu tun habe, als auf den blöden Laptop zu schauen.

Also hier sitzt jeder an einem separaten Rechner und wir glotzen nicht alle auf denselben Bildschirm. Man nennt das wohl Arbeiten? Naja.

Somit haben es die Expressionisten an diesem Tag auf den Quatsch hier geschafft. Depressiv ehrliche Texte, irgendwie ein bisschen Hamburger Schule aus Berlin. Der Bassist von Dackelblut, Blumen Am Arsch Der Hölle usw. ist hier am Start. Ganz nett. Passt zu einem Avocado-Ei-Brotstück mit Obst und Kaffee.

Rookie Records. Erstmal nur digital, wie es aussieht [UPDATE: Gibt’s laut Band (siehe Kommentar) auf LP bei Rookie, Flight13 und Hanseplatte in Hamburch. Mindestens]. Und auch schon wieder einen Monat alt, man kommt einfach nicht hinterher. Mehr Arbeit, mehr Kaffee. Schönen Resturlaub.

Who Decides – Hard To Know / Who Decides

Stabiler Hardcore, würden die jungen Leute wohl sagen. Hören denn junge Leute überhaupt noch Hardcore? Oder was hören die Menschen aus den Noughties? Wichtige Fragen, die nicht geklärt werden. Mit darunter auch Who Decides aus Rochester mit einem neuen Knaller. Aber wem nützt das, oder cui bono, wie wir Akadamianüsse sagen. OK, zurück ins Bett.

Gegen welche Band richtet sich die Hasstirade hier eigentlich? Kann man das heraushören oder muss man das wissen? Ach. Egal. Gute Song. Gute Nacht.

Spike Pit – Back 4 Revenge… On Dat Ass! LP

Bescheuertes Cover trifft auf bekloppten Titel. Da hat sich jemand an dem Cover von Slayer’s "Hell Awaits" in einer Zeichenstudie probiert und dann mittendrin eingesehen, dass die Größe der Schwerter und Äxte nicht ausschlaggebend für die Qualität des Bildes ist. Und dann war der Stift leer.

Zum Titel hat man sich von der Spotify Playlist heranwachsender Teenager inspierieren lassen und einfach ein paar Floskeln aus dem Einmaleins der Schmuddelecke des Raps zusammengeklaut.

Und dennoch oder gerade deswegen kommt die rumpelige Hardcore Punk Mischung von den bösen Spike Pit ganz hervorragend rüber und verspritzt insgesamt eine ziemliche Scheißegal Attitüde über den rotzigen Garagenboden. Krachig, laut, trashig und irgendwie Punk mit Metal.

Cleveland halt. Ganz geil.

Fuck You Records, sagt die Band ganz infantil. Keine Ahnung, ob das dann heißt, die vertreiben ihre Platten selber oder nicht? Egal. Gibts bei denen auf jeden Fall auf LP. Und digital. Aber für das Cover in Groß lohnt sich das natürlich schon, die 15$ plus Versand und Zoll zu blechen. Keine Frage.

Lowmoon – Cathedral CS

Ihr dürft mir das nicht übel nehmen, ich bin mit Radio groß geworden und NDR2/FFN haben mich in meiner frühen Kindheit musikalisch sozialisiert, bevor ich ausbrechen und ein zotteliger Punk Rocker werden konnte.

Diese Synth Pop Träumereien sind also irgendwo tief in mir drin eingeschrieben und fest verankert. Keine Ahnung, ob man hier schon von einer Traumatisierung spricht, aber ich kann mich dem Sound selten widersetzen, und schon gar nicht, wenn er so gut gemacht ist, wie das Surrender oder Manuela Iwansson oder heute Lowmoon aus Yorkshire zelebrieren.

Der gute Mikey Wilson hat Zeit gefunden, neben seiner Terrier-Zucht und dem Pudding backen (!) auch noch ein bisschen Musik aufzunehmen. Wie schön. 9 Songs sind dabei herausgekommen und zwei davon kann man schon einmal hören. Eines davon sogar mit bildlicher Unterstützung in Form eines Musikvideos. Verrückt. Schönes Wochenende.

Safe Surburban Home Records. Erscheint passendwerweise kurz nach Ostern wie die Auferstehung aus den 80ern und 90ern auf Kassette. Hätten meine Eltern damals WDR laufen lassen, läge ich heute bestimmt auch in einer bunten Verkleidung quietschvergnügt und besoffen in Köln auf der Straße herum. So ein Ärger.

Dumbells – Up Late With LP/CS

Eigentlich ist das viel zu schön für Total Punk Records. Da kratzt ja gar nichts, da scheppert nichts und da lärmt es überhaupt nicht.

Ein poppiges Juwel namens Dumbells kommt da aus Sydney angerauscht und überzeugt mich direkt mit den ersten paar Tönen, die schon als musikalische Vorboten des unbeschwerten Sommers gelten können. Mit Leuten von Shrapnel, den Satanic Togas und Tee Vee Repairman ist die Band auch qualitativ gut ausgerüstet, um hauptberuflich Kaugummi in die Gehörgänge der Badeanstaltsbesucher zu drücken.

Auf dem Demo haben sie neben den poppigen Tönen auch ein paar schräge Dinge anklingen lassen, mal sehen, wie sich das komplette Album präsentieren wird – erst einmal nur zwei Songs online. Abwarten und Bubble Tea trinken. Oder ist das jetzt nicht mehr hip?

Prima Power Pop Garage.

Auf LP bei Total Punk Records und auf Kassette in der Schweiz bei Chrüsimüsi Records. Als Demo bei Warttman Records. Sehr schön.