Xray Xeroxx – Social Media Made Me Hate My Friends (E.P.)

Da möchte aber jemand auf jeden Fall bei "X" eingeordnet werden, egal, ob man seine Musiksammlung nach Vor- oder Nachnamen sortiert.

Xray Xeroxx, die Ein-Mann-Röntgen-Kopiermaschine aus LA hat bereits im Oktober eine neue EP herausgebracht, auf der altbewährte Tugenden des lofi Garage Punks zum Tragen kommen. Eingängige Rock’n’Roll Schemata durch die Rüttelmaschine geschüttet und in kratzige Beats zum Mitklatschen gepopelt.

Tolle Ohrwürmer aus einer Mischung von FIDLAR und Jacket Burner. Stellt euch auf die Schlittschuhe und schliddert ins G’schäft. Sehr schön.

Das hier ist ist bei Robot Cannibal Records auf grüner Kassette erschienen. Falls ihr weniger Porto für mehr Musik bezahlen möchtet, empfehle ich das kürzlich veröffentliche Album "Nevermind, Whatever", das bei Idiotape in Paris veröffentlich wurde. Ich liebe meine Freunde, sie nutzen (fast) kein Social Media.

Yunk – S/T 7″

Ist auch schon wieder lange her, dass schlaue Gedanken aus einem Kloster entsprungen sind, ne? Hier ein paar "neue" Ideen der CSU.

Die will mehr Steuersenkungen und eine "große Abschiebeoffensive" und kuschelt dabei mit Automobilindustrie und Kernkraftwerken. Was soll man dazu sagen? Willkommen im Jahr 1990? 1965? Uff. Noch ein paar News aus Bayern: die Erde ist (wahrscheinlich) rund, Michael Jackson ist tot und Liebe geht mit der Wurst durch den Magen. Mia san mia. Geht scheißen.

Erfreulichere Nachrichten kommen aus Bilbao, wo die 5 Noise Punk Rocker von Yunk ihr Debüt heimlich auf die Welt losgelassen haben. Ganz ohne stumpfbesoffene Parolen (naja, "Leave me alone" und "Unity!") rotzen die Spanier poppigen Punk Rock mit viel Gitarre und Mitgröhlfreuden in den Äther und erinnern dabei teilweise ganz ohne Stoppeln an den 2000er Bärtepunk, der auf Dirtnap abgefeiert wurde.

Ganz geil.

Andalucia Über Alles (ESP), Symphony Of Destruction (FR) und Polze De La Mort (ESP). Auf 7″ erschienen und offensichtlich sind Zähne neben den Fingern die Achillesverse des Zeichnens.

Wristwatch – III LP

Pünktlich zum Jahresbeginn erschienen und mit zwei hässlichen Armbanduhren auf dem Cover, meistert das dritte Album von Wristwatch den Silly Walk zwischen Garage-, Pop- und Post-Punk mit 10 Songs in einer Spielzeit von über 30 Minuten mit Bravur.

Viele tolle Melodien mit ganz viel Gitarre und dampfenden Rock’n’Roll Beats im Rucksack. Ziemlich tanzbar, zwischendurch nur das Aufziehen der Uhren nicht vergessen. Das Album wurde von Beau Sorensen produziert, der auch schon für Taylor Swift gearbeitet hat. Keine Ahnung, ob das eine wertvolle Info für euch ist. Schönes Album!

Auf limierter LP zu bekommen und ich hab keine Ahnung, welches Label das gerade herausbringt. Na sowas. Ich sollte als Fan von Vinyl-Schallplatten nicht das Maul soweit aufreißen und über die Sinnlosikeit von Armbanduhren schwadronieren, wenn es doch nur teure und sinnlose Schmuckstücke sind. Egal.

Slut Intent – Slutworld

Silvester war früher auch spannender, oder? Dieses Jahr muss ich das mal ausprobieren mit diesem Flugzeug-Tripp über die Zeitzonen zu fliegen und achtmal in zwei Stunden Neujahr zu feiern. Dabei mag ich gar keinen Sekt. Na, mal sehen, was 2026 bringt und wo ich am Ende den Partyhut aufhaben werde.

Das Jahr fängt auf jeden Fall musikalisch mit einem donnernden Feuerwerk an, wenn die Hardcore Mädels Truppe um Slut Intent aus Minneapolis ihr Debüt Album in die Atmosphäre ballert und mit 9 Songs in knapp 20 Minuten eine furiose Portion Krach mit Funken und Knall und Rumms in die Luft jagt. Was wieder herunterrieselt sind die kleinen Melodiefetzen, die den Neujahrskater unter sich begraben und mit dem Beigeschmack von GEL oder Stress Positions die pelzige Zunge wieder knutschbereit machen. Sehr cool.

Kein Label – selbst aufgenommen und bislang nur digital zu haben. Wer war das nochmal, der Silvester 99/2000 dieses Zeitzonen-Ding ausprobiert hat? Was für ein Trottel. Wo ist der Millenium-Bug, wenn man ihn braucht. Guter Vorsatz: mehr Liebe.

Coeur Chamade – S/T CS

Nanu, was ist das denn? Coeur Chamade. Emo Post Punk aus der Bretagne und damit der beste Grund, mal wieder in diese verregnete Region zu fahren. Ach nee, das war ja die Normandie. Hm.

Tolles Tape. 5 Songs, vom schönen Gesang getragen, von verspielter Gitarre akzentuiert und tief aus den 90ern ausgebuddelt. Richtig gut für die kommenden Tage, die für manche Leute gewiss stressiger sind als eine gewöhnliche Arbeitswoche. Haltet durch, Freunde, der Scheiß geht auch vorbei und dann ist Resteessen vom Raclette.

Dirty Slap Records. Auf Kassette erschienen. Herzklopfen ist oft auch einfach nur ein Anzeichen eines Herzklappenfehlers. Das sollte man lieber abchecken lassen.

The Spitters – Fake Brutal LP

The Spitters aus Frankreich. 4 Dudes, die, wie man auf dem Bandfoto sehen kann, offensichtlich Haltungsprobleme haben und nicht gerade stehen können. Bei manch einem ist es sogar so schlimm, dass man sich direkt hinsetzen muss. Vielleicht ist das aber auch ne Band, die sich beim Physiotherapeuten im Wartezimmer kennengelernt hat? Spannend.

Ich mag deren neues Album auf jeden Fall. Das sprüht vor Power Pop Punk und erinnert ein bisschen an die besten Zeiten von Sonic Avenues und Konsorten. Passt wunderbar zu Pilates.

Howlin Banana Records. Auf LP erschienen. In Gelb. 13 Songs in 30 Minuten, das reicht von Meerjungfrau bis zur Criss Cross Übung. Stark.

Error De Paralaje – Imagen Latente LP

Benannt nach einem optischen Phänomen, das auf Deutsch Parallaxenfehler heißt und das eigentlich nur Fotografen oder Studenten im ersten Semester des Designstudiums bekannt ist.

Beschreibt das Phänomen, das entsteht, wenn man jemandem den Mittelfinger zeigt, der ein bisschen weiter weg steht und dann seine Augen abwechselnd schließt und öffnet. Dann springt der Mittelfinger von rechts nach links und hin und her und auf einmal zeigt man gar nicht mehr dem blöden Wichser den Mittelfinger, sondern einer harmlosen Omma mit Eierlikör im Einkaufswagen. Alles schon passiert.

OK, musikalisch bedeutet das, wir hören uns die weibliche und spanische Version von den Fehlfarben aus dem Jahr 1980 an. Ist natürlich Quatsch, aber das war die erste Band, die mir in den Sinn gekommen ist, als ich den wavigen Post Punk Zuckerguss von Error de Paralaje gehört hab. Gitarre ist clean und ein bisschen Staccato, Melodien sind an jeder vermeintlich harten Ecke zu finden und der Gesang ummantelt den ganzen Sound sanft wie ein Samtumhang. Schön.

Cuerdas Fuera Records. Auf einer 12″ erschienen. Könnt ihr hier überall bekommen: Andalucía Über Alles (ES), Brainwasher Records (DE), Chicken Attack Records (UK/ES), Collector’s Series DIY (ES), Crapoulet Records (FR), Cuerdas Fuera Records (ES), Discos Banana (ES), Discos Darks (USA), Metadona Records (ES). OK.

Plastique Pigs – Demo 2025

Hurra. Ein Hardcore Demo. Plastique Pigs kommen aus Raleigh angegrunzt und ballern unverblümt ihren 80er Hardcore Punk aus vier Rohren in die Gosse. Danach ist Feierabend. Ganz geil, wenn man gerade durch die Innenstadt jagt und auf der Suche nach den Last-Minute Geschenken für die Schattenseite der Familie ist.

Ohne Label. Jeweils ein Song reicht immer genau für meinen Sauerstoffvorrat, wenn ich die Luft anhalten muss, um bei Douglas schnell rein und wieder rausrenne, um eine Flasche Stinkewasser zu kaufen. Ja, ich war mal Perlentaucher.

Blood Skid – Process of Coping

Also die Bürgerräte sollen jetzt abgeschafft werden, ne? Hab ich richtig gelesen. Die umwerfende Nestlé-Hexe findet das doof, weil man damit partout nichts Böses anstellen kann. Also weg damit.

Ist ja aber irgendwie auch ok, die meisten Bürger sind sowieso zu blöd für Deutschland und mehr als Empfehlungen, aus denen eh keine Handlung abgeleitet wird, konnten die schlecht frisierten Menschen dort ohnehin nicht aus dem verschwitzten Sitzungssaal heraustragen.

Dieses "Mehr Demokratie wagen" von dem Herbert Ernst Karl Frahm gesprochen hatte, war ja auch mehr als "mehr Saufen" gemeint gewesen. Scheiß auf die Bürger.
Oh, Moment. Andererseits sind Bürger jetzt aufgerufen, ihre Worst-of Verwaltungsgeschichten inklusive Verbesserungsvorschläge mitzuteilen, damit das Digitalministerium erfährt, was nicht so cool läuft in Deutschland. Entscheidet euch mal.
Apropos Rumjammern. Hört jemand noch Emo?

Ohne Label, ohne Vinyl oder Magnetband. Dafür mit Emotionen und Geschrei wie in den 90ern. Blood Skid – ein bisschen zu sauber, aber mag ich dennoch.

Axe Collector – S/T CS

Könnte ich ein bis drei Powerakkorde auf der Gitarre spielen und hätte dazu noch einen Drumcomputer in der Rumplkammer gammeln, würde so wohl auch mein erstes Soloalbum klingen.

No offense, Axe Collector. Aber viel Uffta Uffta und ein bissle Metal-Krach auf der Gitarre gepaart mit unverständlichem Gebrüll und rockigen Breakdowns sind doch genau das richtige für Leute, die zuhause eine gediegene Sammlung von Äxten an der Wand hängen haben.
Mir fehlen zu einer eigenen Musikerkarriere also eigentlich bloß der martialische Anspruch und natürlich die Äxte und die Fähigkeiten. und ich wohne nicht in San Diego. Aber sonst. Irgendwie sind die 5 Songs geil, ich weiß nicht, warum, vielleicht war das doch ein bisschen viel Glühwein am Wochenende.

No Time Records. Auf Kassette erschienen. Ich habe durch Zufall mehrere Rasenmäher. Ich würde es nicht eine Sammlung nennen, aber in Anlehnung an Stephen King könnte ich dann der Lawnmower Man sein. Grass’n’Roll.