V.A. Fichines Ruido Zafarla – Este Sinte Mata Fascistas CD

Leider hat man nicht nur in unserem Land mit einem furchtbaren Linksruck zu kämpfen, auch in anderen Teilen der Welt fallen immer mehr Menschen auf die vernünftigen Vorschläge von intelligenten Personen rein. Hä? Nee. Moment.
Da hat mir mein Praktikant was durcheinander gebracht.
Eigentlich wollten wir einen flammenden Appell niederschreiben, der zum Ausdruck bringt, wie populistische Männer mit lustigen Haaren die ärmeren Menschen eines Landes mit hohlen Phrasen zu blenden, anschließend an die Macht kommen, um dann diesen Leuten den Rest des Geldes aus den Taschen zu ziehen.

Dann nennt man das "Anarchokapitalismus", wischt sich den Scheiß seiner arbeitenden Bevölkerung auf die Stirn und lächelt verschmitzt verschwitzt in die Weltpresse.

Offensichtlich haben die jüngeren Menschen Argentiniens den Mann und die herrschenden Politiker durchschaut, schließlich kämpft das Land schon seit gefühlten Ewigkeiten mit wirtschaftlichen ähm, Fehlentwicklungen, die zumeist auf dem Rücken der untersten Schichten des Landes ausgetragen werden. Vor 70 Jahren war Argentinien noch das Land mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in der Welt. Mit natürlichen Ressourcen und fruchtbaren Böden, die eigentlich bis ins 22. Jahrhundert eine goldene Zukunft verprachen. Und dann haben die Deppen die Nazis ins Land gelassen, sich selber erfolgreich am Faschismus versucht und letztlich nur im internationalen Fußball brilliert. Was sagt die Jugend dazu? Alles Tango? Oder eher Synth-Punk und Techno?
Könnt ihr hier hören. Schöne Zusammenstellung aktueller Reaktionen aus der subkulturellen Musiklandschaft Argentiniens. Von Eier bis Uffta alles dabei. Cool.

Fichines Ruido Zafarla. Auf CD und digital zu erwerben.
Immer wieder schade, dass Hoffnungsträger einer Generation zunächst beklatscht werden, um daran anschließend irgendwie dumm wie Brot alten Kram nachzuplappern und nichts zu ändern. Ging mir auch so.

Knowso – Pulsating Gore LP

Heute mal ein bisschen Post Punk mit intellektuellem Appeal. Das bedeutet natürlich gleichzeitig, dass man zu dumm für Musik ist, wenn einem das nicht gefällt, logisch. Aber ich will in diesen harten Zeiten nicht polemisch sein. Nein.

Hier, für all die hart streikenden Dummbauern auf den Straßen und die hart trauernden Dummbrote in den Gossen rund um Deutschlands Fußballstadien. Der König der Bauern, der Beckenbauer, der Kaiser ist von uns gegangen, aber hey, gute Freunde kann niemand trennen, ne.

Auch Knowso aus Cleveland spaltet nicht, sondern versöhnt missmutige Bahnfahrer, die auf ihren Zug warten, mit streikenden Treckerfahrern, die ebenso auf ihre Almosen vom Start warten, mit dickbäuchigen Deutschland-Fans, die um eine vermeintliche Lichtgestalt weinen, die sie als Kaiser und einzige Führungsperson in schwarz-rot-gold akzeptierten. Wir sind alle eins, und das ist ganz schön impertinent.

Sorry, das hat alles gar nichts mit dem verqueren Gedudel der Band zu tun, die nun ihr drittes Album herausbringen und ähm, eigenwilliger denn je sind. Dazu kann man sich vielleicht nicht unbedingt konstruktiv in einen Dialog miteinander begeben, die Musik erfordert zu viel Aufmerksamkeit. Aber vielleicht ist es das, was wir gerade brauchen. Mehr Zuhören, weniger Scheiße labern. Mehr Versuchen, komplizierte Dinge zu verstehen, als sie in eine Schublade zu stecken und reinzukacken. Naja. Ich mags jedenfalls. Die Musik meine ich, nicht in Schubladen kacken. OK.

Sorry State. Auf 12″ erschienen. Mir ist gerade aufgefallen, dass es in Deutschland gar keine Thronfolge für den Kaiser gibt. Haben jetzt die Reichsbürger gewonnen oder verloren?

Ryan Davis & The Roadhouse Band – Dancing On The Edge CD/CS

Nanu, da ist mir doch glatt Indie Rock in die Stube gepurzelt. Aber Ryan Davis & The Roadhouse Band ist auch einfach eine unglaublich entspannte Platte gelungen, die ich gerne nebenbei höre, wenn es irgendwelche simplen Tätigkeiten auszuüben gilt. So hab ich neulich schon meine Steuererklärung und den PISA Test gemacht.
Und da ich heute für die Kinder zweihundert Geschenke von der bekloppten Familie einpacken darf, läuft Dancing On The Edge in Schleife zum Rotwein- und Tesafilmverbrauch.

Leider ist ein physisches Format unendlich weit Porto entfernt und die digitale Version ist entweder ausverkauft (!) oder recht teuer (1000 Dollar). Interessantes Konzept. Vielleicht ist das diese künstliche Resourcenverknappung, von der ich in der VWL-Vorlesung gehört habe. Aber anspruchsvoller Gedanke, das bei digitalen Inhalten zu versuchen. Hat ja mit diesen komischen Affen und NFTs nicht so gut geklappt, ne? Naja.

Schöne Feiertage und seid nett zueinander. Bis bald!

ever/never records & Sophomore Lounge. Nehmt Ihr eigentlich so richtig buntes Papier für die Geschenke oder reichen da auch Wochenzeitungen und Prospekte und Steuerbesch…ah! Da ist der.

Hacker – Psy-Wi-Fi 7″

Wenn ich morgens so verschlafen Nachrichten höre, hab ich manchmal den Eindruck, da erzählt mir eine Stimme die langweiligen Nebenhandlungen oder Folgen eines B-Movie Action Films. Heute so: Mehrere hundert Kilo Drogen im Raum Aachen gefunden, da ist wohl etwas schief gelaufen. Und: in einer psychischen Anstalt hat ein Insasse einen anderen erdrosselt und noch ein weiterer hat eine ganze Station verwüstet. Kennt man sonst nur aus Filmen.
Ach, egal. Am kürzesten Tag des Jahres hat niemand Zeit für viel Gelaber. Hacker aus Perth machen Hardcore. Der ist gut. Macht was draus.

Helta Skelta Records. Erscheint Mitte Januar auf Vinyl. Du bist der Nagel, ich bin der Hammer. Ist ja hammerhammerhart.

The Tensors – S/T

Großartige Garage Punk Band aus ähm, keine Ahnung. Generell finde ich über die Band nicht viel heraus. Aber glaubt man einer Quelle aus dem Internet, so haben sich die vier Bandkollegen während der Aufnahmen zu dem Album so dermaßen (selbst) verstümmelt, dass es ein Wunder ist, überhaupt noch die drei Tensöre lebendig bestaunen zu können.

Entweder eine schöne Geschichte zur Legendenbildung oder einfach nur Quatsch, weil man mal ein bisschen mehr Blut und Knochensplitter in den Promozetteln braucht. Liest sich auf jeden Fall recht abenteuerlich. Und ganz nebenbei ist die Musik hervorragend. Fans von Jay Reatard oder dergleichen sollten es mögen.

Der eine brach sich im Studio einen Arm in der Mitte durch und musst fortan die Gitarre rhythmisch gegen die Hand schlagen, um die Songs zu spielen. Der andere verlor ein Auge (!), weil ihm ein Mikroständer in den Kopf gebohrt wurde. Davon recht beeindruckt wollte ein weiteres Mitglied der Band nicht blöde dastehen und ließ sich mit sämtlichen Dingen beschmeißen, die man so im Studio herumliegen hat (Verzerrer, Fußmaschine, Gitarren…), bis er endlich auch bewusstlos in seinem Blut lag. Davon inspiriert holte sich dann der letzte im Bunde mit ein paar verschlissenen Kabeln eine Portion Prügel ab und ließ sich praktischerweise direkt mit ein paar Stromschlägen in den Schlaf wiegen.

Das Ergebnis kann man hier hören und auf dem Cover sehen. The Tensors! Ziemlich tolles Album.

Eat Em Up Records. Die muss ich mal live sehen. Mit genügend Abstand.

Water Machine – Art Fair / Blisters 7″

Irgendeine Art von Post Punk aus Glasgow. Bisschen Power Pop mit dabei, bisschen Dudelei mit dazu und von diesem hier noch ein bisschen und davon ein wenig und hey, hier liegt ne Geige, cool und fertig ist das Lebkuchenhaus.

Manchmal wundert man sich ja, was man so Leckeres gekocht hat, indem man einfach nur die Reste vom Küchenboden aufgefegt und in die Friteuse geschmissen hat. So ungefähr klingt das hier, was Water Machine zubereiten. Eine knusprige Mischung aus allem, was gerade so in der Power Pop Punk Rock Küche herumliegt. Vielleicht ist das Bild ein bisschen schief, ich hätte die Band ob des Namens wohl eher in den flüssigen Aggregatszustand versetzen sollen, aber jetzt ist zu spät. Schöne zwei Songs.

FatCat Records. Ich lese die ganze Zeit "Fart Air" und fühle mich wie 9 Jahre alt. Auch mal wieder schön.

Happy Body – S/T CS

Tolle Band aus Philadelphia. Gitarren Pop mit ein bisschen Glam in der Stimme und großstädtischer Arroganz im Schellenkranz. Happy Body! Klingt nach einem coolen s/w Film, der sich für Tom Waits Lieder zu deutlich an der Oberfläche des Bewusstseins abspielt, aber für zeitgenössischen Gitarren Pop (wer ist denn da so gerade in? Dieser rothaarige Typ noch erfolgreich?) sind zu viele Handlungsstränge nur angedeutet und Bedeutungen bleiben im Verborgenen. Cool.

Spared Flesh. Kommt demnächst auf Kassette mit 5 Songs. Mein Body ist auch happy, wenn ich mich jetzt wieder hinlegen kann.

Stress Positions – Harsh Reality LP

Puh, wieder eine Woche geschafft, Freunde. Zur Belohnung könnt ihr euch den neuen Asterix beim Kacken anschauen und das Kaminholz für Weihnachten im Wald abholen. Oder einen matschigen Halbmarathon im Regen laufen. Oder Fifa zocken? Klamotten bei Mama waschen? Auto putzen? Ketaminrausch in der Shoppingmall?

Wie auch immer ihr euch eure Realität gestaltet, Stress Positions unterstützen den Plan am Wochenende mit der passenden musikalischen Untermalung. Harsh Reality, das zweite Album der Hardcore Punk Band aus Chicago, ist ein ungezügeltes Geballer in LP Format, das sich wie eine Zwangsjacke um die Herbstdepression legt und sie erstickt. Mit genügend angestauter Aggression lässt sich die Fessel dann mit voller Kraft aufsprengen und der gesamte Energieüberschuss entlädt sich bestenfalls im Straßenverkehr des Adventswochenendes in der Innenstadt.

Viel Spaß. Passt auf euch auf.

Three One G. Auf pinkem und türkisem Vinyl erschienen.
Falls euch interessiert, dass "Stress Positions" nicht etwa arbeitsintensive Berufsumgebungen bedeutet, dann sucht doch mal nach dem Begriff "Murgha" in dem Zusammenhang. Will unsere Schule jetzt auch einführen. Cool.

Angel Face – S/T LP

Engel! Was Christliches zum Weihnachtsfest. Oder gibt es Engel auch in anderen Religionen? Na, wie ich die Bibelfreaks kenne, ist auch diese Idee geklaut und das gutgelaunte, etwas bekiffte Strahlewesen mit Flügeln stammt aus anderen religiösen Geschichten. Ist aber eigentlich total egal.

Angel Face aus Tokyo haben ihr Debüt Album veröffentlicht. Also demnächst. Werden gehabt haben. Zusammen mit einer Single. Die erscheint zeitgleich – schlauer Marketingschachzug! Auf beiden Scheiben spielen sie Garage Punk mit viel Geschepper und viel 77er Geschmack, der in die Richung von Briefs und Cute Lepers geht. Kann man machen. Cool.

Erscheint bei Slovenly nächste Woche auf Vinyl.

Ich wusste, was mich soundtechnisch erwartet, sind doch Angel Hair schon ziemlich krachig unterwegs gewesen, da kann man von den Haaren aufs Gesicht schließen. Auch nicht immer der Fall.
Und cooler Shout-out im Song "You ain’t my Angel" zu den Girls, die damals Daylight in your eyes sein wollten. Haha.

Achterlicht – Demo II CS

Demo Nummer zwei von den Fahrrad-Punkern aus Haarlem in den Niederlanden. Achterlicht rumpeln mitreißende 5-6 Songs (ein Interlude dazwischen) in knapp 13 Minuten runter und erinnern mich dabei hin und wieder an Audacity’s wilde Zeiten.

Eigentlich sind die Songs alle jeweils schon nach 1:30 Minuten vorbei, aber entweder jemandem fiel dann noch ein geniales Gitarrensolo ein oder die Drogen haben gewirkt und man musste unbedingt noch weiterspielen, um nicht schlecht drauf zu kommen. Wir kennen das ja.
Gesprenkelt mit zahmen Einsätzen von Synthesizern, ist die Musik genau das Richtige für die Shopping-Viertelstunde im Online Store vom Otto-Versand, wenn man einfach blind irgendeine Scheisse für die Familie zu Weihnachten kauft. Punk.

Gips Records. Auf Kassette erschienen. Mein Rücklicht ist tatsächlich kaputt, ich hab noch so eins mit Dynamo vorne und hinten ist kaputt. Warum? Punk.