Quarantäne Playlist

Weil es so viel Spaß macht und ich jetzt endlich auch mal krank bin, verlängern wir nach großer Nachfrage unseren persönlichen Lockdown. Ich bin leider derzeit ein bisschen blöd im Kopf, also schlimmer als sonst, deswegen fallen die sonst so blumigen Umschreibungen zu den bestimmt ganz fantastischen Platten jetzt noch ein bisschen hohler aus. Und wenn euch was nicht gefallen sollte – diese Covid-Kacke kann ja angeblich zu Geschmacksverlust führen.

Stalled Minds – Shades LP

Hey, Telecult. So hätte euer Album klingen sollen. Jetzt musste ich da Ewigkeiten drauf warten, dass sich Stalled Minds aus Paris die Mühe machten, eine erstklassige Garage Pop Punk Rock LP zu veröffentlichen, die in die Kerbe von Marked Men und dergleichen haut. Toll. Eingängig. Wie mein Lieblingspulli im Herbst: dreckig, nicht mehr ganz aktuell, ausgefranst und doch das Beste, was man an den Regentagen (er)tragen kann.

Ballond’Or – S/T 12″

Verrückter Noise Pop Indie Punk Rock aus Tokyo. 14 Songs, 13 Videos, alles Hits. Ich versteh jetzt nicht, worum es da bei Ballond’or die meiste Zeit geht, aber so ist es ja eigentlich schon immer in meinem Leben seit ich in der Schule die Texte von Pur und Die Prinzen vergleichen musste. Das hat wohl irgendein kognitives Defizit permanent in mein Hirn geätzt. Naja.

Mononegatives – Frequencies Rotating Clockwise 7″

Was soll man da schon zu sagen? Neue Songs von Mononegatives sind immer eine willkommene Abwechslung im Alltagstrott. Zumal, wenn sie noch ein bisschen mehr in die DEVO Ecke kippen. Und zumal, wenn der Trott aus 12m² im Kreis herumlaufen besteht. Ich glaub, auf der Single, die bei Dowd Records erschienen ist, haben sie zum ersten Mal ihren eigenen Verzerrer eingebaut – den könnt Ihr auch für eure Heimorgel kaufen, wenn ihr mögt. Stark.

Rik And The Pigs – The Last Laugh LP

Oh ja. Richtig tolle Rock’n’Roll Platte von Rik And The Pigs aus Olympia, Washington. Die haben nun kürzlich bei Lumpy Records ihr drittes Album veröffentlicht, mit dem sie ganz großartig an die späten 70er Jahre des Punks erinnern. Irgendwie stellt sich da so ein Rocket From The Tombs, Dead Boys Vibe ein. Auch schön, dass das Label diese LP damit bewirbt, sie sei ein gutes Geschenk für Deinen Vater. Oder Opa. So alt sind wir also schon…

The Chisel – Retaliation LP

Wenn die Laune mal wieder in den Keller gefallen ist, kann man sich mit The Chisel selbst wieder aus dem Loch heraus befreien. Wie auf den Singles wird auch hier natürlich erstklassiger Oi Punk mit zu viel Melodie geboten. Ich hab noch nicht herausgefunden, ob das auch auf LP-Länge funktioniert, weil die ersten 4 Songs direkt so gute Laune gemacht haben. Bei La Vida Es Un Mus Discos erschienen. Auch ohne T-Shirt oder Single oder Kassette oder CD teuer.

So viel Sand und keine Förmchen

Ich habe heute im Bus hinter mir einen Mann reden hören, weil ich meine Kopfhörer vergessen hatte. Das war ja schon schlimm genug.
Von manchen Gesprächen, denen man unfreiwillig lauscht, wird man nur vom Versuch, diese kognitiv zu verarbeiten, ein kleines bisschen dümmer. Und ich glaube, der Typ hat da auch was mit nem Sprichwort konkret falsch wiedergegeben.
Er meinte, er sei am Tag zuvor in der Ottostraße gewesen (Straßenstrich) und sein Geld habe hinten und vorne nicht gereicht. Musste lachen.
Musik.

Jackson Reid Briggs & The Heaters – Fear/Move EP

Schon wieder was Neues von dem fleißigen Punk (?) Rocker aus Melbourne. Die 4 Songs gehen stark in Richtung Reigning Sound & co., haben Soul und Orgel im Blut und laden zu Zigarette und Flaschenbier auf dem Bonanza Rad ein. Sonnenuntergang, tanzen und ein bisschen in die Lederjacke kuscheln. Jackson Reid Briggs kann keinen schlechten Song schreiben. Toll.

The Chisel – Retaliation LP TEASER

Ist das jetzt noch Oi? Ich hab da keine Ahnung von, aber wenn der Sänger mal kurz schweigt, klingt das alles nach Indie-affinem Post Punk aus England. Und dann, huch – der Gesang setzt ein und man hat einen wunderbaren Grund, irgendwas mitzugrölen. Bei La Vida Es Un Mus spritzt also wieder das Bier und The Chisel lecken es auf. Erst mal nur ein Song (und Video), aber Album ist bestimmt genauso gut. Erscheint Ende November, wünsch ich mir zu Weihnachten!

White Stains – Blood On The Beach 7″

Noch eine zuckerfreie Hardcore Band für die Spaß-Diabetiker. White Stains klingen so, wie der Name vermuten lässt. Nach 80er Jahren US Hardcore Punk ohne viel Schnickschnack. UfftaUffta, kaputte Hose, Achtung – Stagediver. 2 Songs von den Vieren kann man schon mal hören und die machen auf jeden Fall Spaß – nee, keinen Spaß. Eher Krachlaune. Neon Taste macht wie immer alles richtig. Spermaflecken entfernt man im übrigen am besten mit Rotwein.

Liquids – Fuck Up

Man kommt an diesen Liquids einfach nicht vorbei. Das ist so eine tolle Band, ich hab keine Ahnung, wie man in so kurzer Zeit so viele gute Songs schreiben und einspielen kann. Großartiger Garage Punk mit viel Schrammel und Melodie. Geht direkt ins Herz und explodiert dort. Eine von den wenigen Bands, die aus wenig ganz viel zaubern können. Ist selten, sollte man schätzen.

Alien Nosejob – Paint It Clear LP TEASER

Noch so ein Typ, der nicht schläft. Jake Robertson ist mit seinen ganzen Bands da in Australien nicht ausgelastet und hat deshalb kurzerhand Alien Nosejob ins Leben gerufen, um seinen kreativen Überschuss in lofi Synth-Garage-Punk Lieder zu kotzen. Das hier ist das vierte Album in drei Jahren. Und Singles hat er auch nebenbei noch drölftausend gemacht. Kommt im November auf Vinyl raus, aber Porto.

Cherry Cheeks – Therapy

Gute Laune mit Synth-Punk. Quietsch, Boing, Kaugummi unter den Chucks. Für den Abend, wenn man eigentlich zu müde ist, um noch mal vor die Tür zu gehen. Das motiviert jetzt zwar auch nicht, hinaus in die Welt zu tanzen und seinen Job zu kündigen und auf alles zu scheißen. Aber vielleicht nimmt man den Müll mit raus. Immerhin. Ende September erschienen und lief hier schon 17 mal. Jeden Abend. Cherry Cheeks!