Spilled – Voice And Generates

Seid ihr eigentlich Spargelpisser? Dann fängt ja die gefürchtete Saison jetzt für euch an, ihr armen, äh, Pisser. Aber immerhin müsst ihr das Gemüse nicht selbst ernten, da buckeln sich lieber ein paar Erntehelfer zu lukrativen Rückenschäden, während wir die Sauce Hollandaise frisch aus dem Tetrapak anrühren und die Salzkartoffeln matschig kochen. Lecker.

Keine Ahnung, ob es in Pare auch das Stangengemüse gibt, aber die moderne Hardcore/Oi-Welle, die ist dort genauso verankert wie in anderen Gefilden des Ackerbaus. Ich mag den Kram.

Spilled machen ein bisschen mehr Hardcore und rufen nicht alle paar Minuten einmal "Oi" ins Mikro, es schwingt dennoch eine gewisse Straßen- und Arbeiterattitüde mit. Runter vom Feld. Ab ins Wochenende.

Erst einmal nur digital. Alle Ratgeber sagen, man solle Erdbeeren essen, damit die Pisse nicht stinkt. Das Obst aus dem sonnigen Süden mit viel Biodiesel nach Deutschland geflogen passt doch wunderbar zu dem schlechten Gewissen auf dem Teller. Guden!

Jacke Schwarz – Witaj LP

Es ist Montagmorgen und die Heizung will nicht so, wie ich das will. Es ist aber noch warm unter der Decke. Bleib ich liegen oder kämpfe ich mich durch den Tag in die Kälte, in die Woche, in die Welt? Der Promozettel vom neuen Jacke Schwarz Album suggeriert, ich solle mich noch einmal umdrehen. Na gut, Herr Tomatenplatten, aber Du erklärst das dem Chef.

Das Album "Witaj" von Jacke Schwarz, dem Bassisten der Berliner Punks von den Eastie Ro!s, hat seinen ganz eigenen Charme. Hier ist nicht viel mit Punk Rock, das ist eine Mischung aus Liedermacher Folklore und Gitarren Pop der 70er Jahre. Das ist das wilde warme Berlin der langen Bärte und gefütterten Wildledermäntel, das auf die kalte Realität des feuchten Asphalts und die verranzten Gürteltaschen der zähneknirschenden Speeddealer trifft.
Es stimmt, hier und da hört man den großen Rio Reiser heraus und manchmal findet man Schnipsel von Danger Dan’s Poesie in den Texten, aber das passiert halt schnell, wenn ein Künstler in Deutschland eine Gitarre in die Hand nimmt, die Menschen um sich herum beobachtet und die daraus entstehenden Bilder und Geschichten dann in Lieder verpackt.
"Ach, guck, ein Linker mit Musik und Texten. Wie der Rio damals. Oder der Typ von den Antilopen mit dem Maschinengewehr."

Vielleicht braucht Herr Schwarz deswegen auf dem 11 Song starken Album auch mal eine Pause und singt 2 Lieder auf Sorbisch, damit das nicht jeder versteht und packt dann zusätzlich noch ein Instrumental mit dazu. Sicher ist sicher. Die Slide-Gitarre hat er schon einmal bei einem Pisse Album ausprobiert und das war ok, also kommt die auch hier zum Einsatz.
Tolle Platte – einen Song kann man schon einmal hören. Am 03. Februar kommt dann der Rest.

Lieber unter der Decke die Welt doof finden als in der Kälte auf gutgelaunten Menschen auszurutschen. Habt einen schönen Start in die Woche!