Hammerhead – Nachdenken Über Deutschland LP/CD/MC

Hier wird aus allen Rohren geschossen. Nägel mit Köpfen und so. Die alten weißen Hardcore Männer aus Bad Honnef bringen nach 40 Jahren ein neues Album raus und wissen noch immer, wie man mit den schönsten Paarreimen aus Scheisse’s Feder zu aggressiver Musik in Sauflaune kommen kann, ohne peinlich zu wirken.

Werbewirksamer Eiertanz um das Cover, auf dem ja eigentlich die Burg Eltz abgebildet ist, diese aber nichts mit Hardcore Lümmeln aus Deutschland zu tun haben will und dann kurzerhand mittels eines hübschen Aufklebers ihr angeborenes Recht zugesprochen bekam, durch diesen "Streisand-Effekt" noch berühmter zu werden. Dazu dann noch limitiertes Vinyl in kreativem Schwarz, Rot und Gold sowie 14 Songs, die ohne Luft zu holen durchgeballert werden.

Hammerhead sind eine deutsche Institution, da muss man mal drüber nachdenken. Ob das auch Leuten unter 40 gefällt? Passt ebenso zum Montagmorgen in der Straßenbahn wie zum Freitagabend in der Raucherkneipe um die Ecke. In Deutschland. Ganz geil.

Holy Goat Records. Kommt auch auf sämtlichen verfügbaren Formaten raus, LP, CD und MC und digital und alles. Wenn Herr Scheisse jetzt noch so sänge wie Jens Rachut, wäre das Album perfekt. Ha.

Alien Nosejob – Cold Bare Facts 7″

Fürs Wochenende. Zwei neue Songs von Jake Robertson auf einer handlichen runden Scheibe. Einer davon ist auch richtig gut und wer kann schon von sich behaupten, stets 50% gute Arbeit abzuliefern, ne.

Alien Nosejob schwingt stets auf dem Pendel zwischen Punk Rock, 60’s, Hardcore und Garage Weirdo Sounds hin und her und hinterlässt dabei eine Kotzspur aus tanzbaren Perlen auf dem Boden, die irgendein Label immer nur noch aufwischen und auf Vinyl pressen muss.

Dieses Mal sind es zwei wütende Punk Rock Songs geworden, die auch textlich eher schimpfen als feiern und die Scheißigkeit in Australiens Gesellschaft ein wenig beleuchten. Ja, auch da sind viele Vollidioten unterwegs, Sonne und süße Tiere schützen nicht vor Idiotie. OK.

Anti Fade. Ein paar von den 300 Stück kommen bestimmt auch bald in Europa an. Schönes Wochenende.

Meat Draw – Gibbous Moon

Was ist das eigentlich für eine strunzdumme Tradition, sich am Aschermittwoch (trotz Beginn der Fastenzeit, liebe Christen) schon morgens mithilfe von goldgelb gefüllten Maßkrügen das Sprachniveau und sein Alphabet auszudünnen und dann vehement wie ein Kleinkind plärrend und mit dem Finger zeigend allen anderen Menschen außerhalb des Bierzelts die Schuld an der hohen Rechnung zu geben? Puh.

Ein neuer Song von Meat Draw kann da zumindest für eine Minute für ein bisschen angenehme Ablenkung sorgen. Folkiger Punk Rock mit Garage Appeal und schon vorbei. Ist das echt die erste Veröffentlichung seit über 10 Jahren von dieser Band aus Victoria? Hm.
Wusstet ihr, dass das die westlichste Stadt Kanadas ist? Interessant. Hoffentlich kommt da noch mehr, der Song ist gut. Und Ablenkung von kann man auch immer gebrauchen. Cool.

Eat Em Up Records. Aber nur ein Song und digital, da braucht es eigentlich kein Label, ne? Naja, vielleicht kommt da noch was. Halten die Brüllaffen jetzt eigentlich bis April ihre Schnauze, weil sie ohne Alkohol sich nicht trauen?

Piss Rules – Carsick CS

Schon erstaunlich, wie man als "Band" klingen kann, wenn man seit über zwanzig Jahren seine Instrumente beim Sperrmüll zusammengesucht und aus Kinderspielzeug zusammengeklaut hat und nur mithilfe einer Knopfbatterie die elektrischen Hilfsmittel wie Gitarre, Bass oder Drumcomputer bedient.

Irgendwie hört sich das alles ein bisschen kaputt an und wenn es Egg sein soll, dann eher aus einer hektischen und klaustrophobischen Legebatterie statt von der grünen Wiese und Freilandhaltung. Das ist dreckig, laut und quietscht.

Piss Rules aus Leuven in in Belgien orgeln durch 4 Songs in brachialen 4 Minuten und hinterlassen wohlklingende Ohrenschmerzen. "Es begann als Witz und endet auch als einer". Kann auch nicht jeder.

Noise Merchant Records. 4 Minuten auf Kassette. Aber die ist schon ausverkauft. Schade eigentlich, so richtig gut wird der Kram erst, wenn es so richtig leiert. Naja.

Zondar – S/T 7″

Tolle zwei Songs von Zondar, dem Typen hinter dem Typen hinter dem Typen von Buck Biloxi. Also Robert.

Laut Eigenaussage ist der jetzt endgütlig durchgeknallt, "da die Sicherheitsprotokolle ausgeschaltet werden und der Krieg der Zukunft in vollem Gange sein wird". Und falls ihr euch fragt, was der Name denn wohl bedeuten könnte…"den [habe] ich von den radikalen Herrschern der Weltraumzone erhalten". OK. Cool.

Und so so klingt das dann also, wenn ein Punk Rocker und Spinner aus unseren Reihen mit Synthesizer herumspielt. Da kann das schon einmal passieren, dass sich der Künstler ein bisschen Zeit nimmt und die Songs über 3 Minuten dauern dürfen. Naja, inklusive Geschnipsel aus TV und Radio. Poppiger Synth Garage Punk Rock mit ein wenig Düsternis gesprenkelt und wie gewohnt zielsicher ins Herz der Melodien geschissen. Zwei Seiten, zwei Hits, mehr kann man nicht verlangen.

Goodbye Boozy Records. Auf Vinyl in…Hä? Ach so, ausverkauft. Na dann.

The Breath – 道​理​な​き​憎​悪 Reasonless Hate LP

Ach naja, was ist schon grundloser Hass? Braucht es denn so viel, um etwas zu hassen? Es gibt ja so aufbrausende Kandidaten, die bekommen schon einen Tobsuchtsanfall, wenn im Kino zu viele Studios an einem Film mitgearbeitet haben und der Vorspann 5 Minuten vollgekleistert wurde mit siebzehn animierten Logos aus Hollywoods Albtraumfabrik.

Ist auch irgendwie verständlich. Und ich will ja auch nicht unbedingt klugscheißern, aber es ergibt doch eigentlich gar keinen Sinn, etwas oder jemanden grundlos zu hassen, da wäre man ja nicht besser als die verträumten Hippies, die alles und jeden grundlos lieben.

Ach, egal. Nun haben the Breath aus Tokyo freundlicherweise alles für die dummen Abendländler ins Lateinische Alphabet übertragen und dann passt das auch wieder nicht. Auf jeden Fall gibt es am Rosenmontag für euch von meiner Seite ein bisschen Untermalung zum Straßenkarneval Straßenkampf, wenn ihr als Youth Crew oder Stagedive-Spezialisten verkleidet seid. Mit dem Album von the Breath fällt das Hüpfen und Drehen und Springen und Schlagen, ups, Entschuldigung, wesentlich leichter, als zu dem Schunkel-Scheiss vom Prinzengespann. Alaaf?

Convulse Records. Kommt auf rot, weiß und schwarzem Vinyl. Selbst Karneval kann man nicht grundlos hassen, es gibt einfach zu viele gute Gründe. OK.

The Follies – Permanent Present Tense LP

Hübscher Post Punk Gitarren Pop, der sich an den letzten 60 Jahren Musikgeschichte bedient und glücklicherweise zielgenau die Perlen aus dem restlichen belanglosen Linsen- und Erbsenhaufen herauspickt.

The Follies aus New York City scheinen ein Händchen für eingängige Melodien zu haben, die mich an irgendeine Band erinnern, ohne dass ich diese genau benennen könnte. Höre ich da eine Mischung aus australischem Romero Pop und europäischen Telecult Punk, ohne dass The Follies sich wie die eine oder andere Band anhören?

Mein Gott, wie ich das hasse, wenn ein Erinnerungsfetzen oder eine suggerierte Idee im Frontallappen herumeiert und ich sie nicht packen kann, weil die da oben mit meinen kognitiven Fähikeiten Pac Man spielt. Ach, egal.
Vielleicht sind die restlichen 9 Songs ja auch völlig anders, man kann nur einen vorab hören. Aber der lohnt sich. Schöne Sache.

Feel It Records. Kommt in 2 Wochen auf LP heraus. Bis dahin fallen mir noch 21 weitere Bands ein, die nicht so klingen und trotzdem in meinem Hirn unbedingt an die Oberfläche schwimmen wollen und sich aufdrängen, mit The Follies verglichen zu werden. Sei’s drum. Schönes Wochenende.

Vaguess – Thanks // No Thanks LP

Eigentlich poste ich ja einmal im Jahr etwas Neues zu Vaguess, aber irgendwie ist mir das 2023 ganz knapp vermasselt worden. Dann eben jetzt zu Beginn von 2024 ein neues Album, das dann immerhin direkt auf LP in Deutschland zu erwerben ist. Feine Sache.

Vinny Early zaubert auf der aktuellen LP 10 Songs mit einer Mischung aus postigem Punk, skatigem Pop, surfigem Rock’n’Roll und quietschendem Eiersalat aus der rostigen Werkzeugbox in der Garage und bringt damit nicht nur ein weiteres kalifornisches Sound-Abenteuer auf die Straße, sondern untermalt damit auch meinen täglichen Kampf gegen die schlechte Laune aus den Nachrichten Fröhlichkeit der närrischen Jecken.

Mit Vaguess auf den Ohren ist die Welt nur halb so schlimm. Probierts mal aus. Tolles Album.

Erste Theke Tonträger. Kommt auf Vinyl und ist in Windeseile bei Dir. Viel Erfolg im Karneval.

Hick Tracy – II CS

Hier, was Neues für die ganzen Kassetten-DJs unter euch. Hick Tracy aus Wyoming haben ihr zweites Release auf ner umweltfreundlichen Kassingle veröffentlicht und beweisen damit ihre souverän positive Punk Attitüde zur Wegwerfgesellschaft und ihre sensible Einstellung zur Nachhaltigkeit.

Mit Vinyl Singles aufzulegen kann ich ja verstehen, aber einen Haufen Kassetten im Rucksack zur Party zu schleppen, halte ich für übertrieben ambitioniert. Naja, vielleicht bin ich auch der Szene ein wenig entwachsen und die Leute stellen sich die Plastikdinger nicht einfach nur ins Regal und hören das digital, sondern wechseln tatsächlich alle 2 Minuten den Tonträger.

Zwei Songs in knapp zwei Minuten mit extrem unterhaltsamem Garage Punk Hardcore, der zwar soundtechnisch nicht aus dem schmuddeligen Proberaumkeller herauskommt, aber die Punker mögen es ja eh gerne dreckig, ne? Geiler Scheiß!

Deluxe Bias. Die haben damals das Label mit dem ersten Demo der Band gestartet und seitdem einen Haufen an Müll produziert, der heißer ist als sämtliche Brennstäbe aus den Castortransporten der 90er.

Grazia – In Poor Taste 7″

Power poppiger Garage Punk aus London. Das Duo Grazia hat nichts mit dem gleichnamigen Mode-Magazin zu tun und möchte Dir nicht die derzeit angesagte "Bag" von Frankreichs Straßen verkaufen oder Dir erklären, welche 3 "Candy Düfte" Du kennen musst.

Die beiden entspannten Hipster machen einfach nur ein bisschen Musik zum cool in der S-Bahn herumstehen und drücken mit der angespannten Mischung aus treibenden Bassläufen, Staccato Gitarren, dem tanzbarem Beat und dem gelangweilten Gesang das urbane Lebensgefühl von jungen Großstädtern aus. Ein bisschen gefangen zwischen zu viel Energie und zu viel Müdigkeit, irgendwo zwischen sinnsuchend nach dem letzten durchgetanzten Wochenende in Katerstimmung und in Vorbereitung auf die nächste Party.
Andererseits kann man das auch sehr gut zum Kochen und Staubsaugen hören, wenn man ein alter Vororts-Mensch ist. Wie ihr wollt.

Feel It Records. 4 Songs auf einer Single. 3 verschiedene Farben des Covers. In den Modefarben des Frühlings: Fuschia, Lemon und Green. OK. Kann natürlich sein, dass die Single als Dreingabe der nächsten Ausgabe des Magazins geplant ist, immerhin sprechen sie das gleiche Publikum an. Spannend.