Ein bisschen antizyklisch ist der Titel der Kassettensingle von Autocamper aus Manchester ja schon, oder? Naja, vielleicht hingt das Label mit der Veröffentlichung ja auch nur hinterher oder der Song und die Kassettensingle sind nur Teil einer Abrechnung, ein mentaler Abschluss des warmen Teil des Jahres. Ein Rückblick in Tönen, sozusagen.
Andererseits sollen es ja in den nächsten Tagen auch schon wieder frühlingshafte Temperaturen werden, so gesehen kann man natürlich wieder einmal die Kassettensingle herauskramen, in den Autocamper springen und in den Schneematsch des Sauerlandes schlittern.
Naja, egal – hier sind zwei Pop Songs.
Safe Suburban Home. Hab ich erwähnt, dass es sich um einen Kassettensingle handelt? Was für ein Quatsch. Naja, wir warten aufs Christkind Album der Band. Hoffentlich ist auf dem Cover der LP dann nicht wieder eine Reichskriegsflagge angedeutet.
Haha. Habt ihr gehört, was Boris Pistolios geantwortet hat, als er gefragt wurde, ob er sich eine Kanzlerkandidatur vorstellen könne? Er sagte, er sei "Parteisoldat". Oh Mann, ich glaub, der Typ hat sich die BW-Hose zu hoch gezogen und den Helm ein bisschen zu fest angeschraubt.
Ach, wenn wir schon dabei sind…wollen wir mal diese Woche komplett ins 20. Jahrhundert übersiedeln und nur Musik hören, die schon vor 20 Jahren alt war? …Sorry, ich kann euch nicht hören. Dieser Grunge Kram ist zuuuu laut aufgedreht, sonst funktioniert das ja auch nicht.
Die heutige Band kommt aus der Kategorie "Ich hab zwar das Drehbuch noch nicht fertig, aber der Soundtrack steht". Patrol aus Barcelona sind zurück aus den 80ern und haben sich noch ne extra Prise Haarspray unter die Arme lackiert, eine handvoll Koks ins Gesicht geworfen und in die zu engen Ledergarnituren gezwängt, um ordentlich im Stile der New Wave Of British Heavy Metal abzurocken.
Krise? Welche Krise? Schön, dass es mindestens einer "Berufsgruppe" noch gut geht und diese sich über ein stabiles Wachstum freuen kann. "Die Vergütung der Vorstandsmitglieder der im Dax, MDax und SDax notierten Konzerne stieg im Geschäftsjahr 2023 im Schnitt um elf Prozent".
Immer schön der Reihe nach, ne? Da haben Armor aus Florida neulich (naja, im Sommer) ihre erste LP veröffentlicht und ich hab da noch nix zu erzählt. Schlimmer noch, ich hab die Knaller-EPs ebenso unerwähnt gelassen. Na sowas. Dann also jetzt.
Der erste Song des Debütalbums der kanadischen Psychoräder aus Greater Sudbury beklagt sich direkt darüber, ein Schattendasein zu führen. Ich glaub, die sind aus New Jersey oder Kalifornien zugezogen und haben das mit den kanadischen Wintern noch nicht so ganz verkraftet, dass es einfach ein halbes Jahr dunkel und schattig ist.
Wir brauchen mal wieder ein bisschen mehr Optimismus und Power Pop. Also ich. Ja, vielleicht benötigt es fast schon Pop Punk, um der kommenden Welle des Pessimismus aus der Klimakonferenz und der alltäglichen Scheißigkeit der Menschen entgegenzuwirken.
3 von 15 Songs werden vom Drummer nicht angezählt, alle anderen (12) sind fein säuberlich mit vier Stockschlägen eingeläutet, dass es fast schon rührend ist. Hätte ich aus Gründen der Street Credibility und Toughness wahrscheinlich rausgeschnitten, es wirkt so sehr brav und artig, was irgendwie dem harten Geballer zwischen dem Anzählen der Lieder die Glaubwürdigkeit raubt.
Puh, was für eine Woche. Die eine unsympathische Westmacht erhält einen neuen alten Führer, während die andere alte westliche Ohnmacht auf einmal finanziell führerlos da steht und nun fällt überall Weihnachten aus, oder so ähnlich.